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Donnerstag, 16. April 2026

🌺 Den anderen Menschen seelisch in sich auferstehen lassen 🌺

 Und das ist das ungeheuer Wichtige, dass in uns der Trieb erwacht, nicht bloß den Menschen, wenn wir ihm gegenüberstehen, nach Sympathien und Antipathien zu empfinden, nicht bloß in uns den Trieb erwachen zu lassen, irgendetwas am Menschen zu lieben oder zu hassen, sondern ein liebe- und hassfreies Bild, wie der Mensch ist, in uns zu erwecken.

Sie werden vielleicht nicht empfinden, dass das, was ich jetzt sage, etwas ungeheuer Wichtiges ist.
Es ist etwas Wichtiges.
Denn diese Fähigkeit, ohne Hass und Liebe ein Bild des anderen Menschen in sich gegenwärtig zu machen, den anderen Menschen seelisch in sich auferstehen zu lassen, das ist eine Eigenschaft, die mit jeder Woche in der Entwickelung der Menschen, ich möchte sagen, mehr oder weniger dahinschwindet, das ist etwas, was die Menschen nach und nach ganz verlieren. Sie gehen aneinander vorbei, ohne dass der Trieb in ihnen erwacht, den anderen Menschen in sich auferwachen zu lassen.
Das ist aber etwas, was bewusst gepflegt werden muss ...
(R. Steiner in der GA 186, S. 171f)

Man sieht, wie die Zeiten sich ändern!
Gewiss tendiert ein Teil der Menschheit dahin, andere mit Hass zu überziehen - und das zunehmend;
es gibt aber andererseits immer mehr Menschen, die im Gegenüber seine Seele suchen in der oft noch unbewussten Hoffnung, seine Ursprünglichkeit zu entdecken, den göttlichen Geist in ihm. Sie tun das, weil sie auf der Suche nach ihrer eigenen Ursprünglichkeit sind, ihrer göttlichen Abstammung.


Niemand sollte irritiert sein über die zunehmende Hasskultur, das zunehmende Bewerten und Ausgrenzen anderer.
Es kann gar nicht anders sein.
Die Wesenheiten, die hinter diesen Emotionen und mentalen Einstellungen stehen, spüren, dass Bewegungen der Liebe sich mehr und mehr Bahn verschaffen; sie spüren, dass es ihnen an den Kragen geht und sie sich in einem finalen Kampf befinden; deshalb setzen sie alle Mittel ein; doch, wie gesagt, dass darf nicht irritieren, nicht Zweifel in uns aufkommen lassen.

🌟 Die Erde ist auf dem Weg, ein Stern der Liebe zu werden.
🌟

Samstag, 10. September 2022

KUNST ALS TOR ZU KOSMISCHEM BEWUSSTSEIN. – DIE ZWANGHAFTIGKEIT DER ERDE ZUNEHMEND ABLÖSEN.

Ich veröffentliche den folgenden, ursprünglich in einer Facebook-Gruppe (https://bit.ly/3B9NDJ8) veröffentlichten Beitrag  hier auf der EthikPost, weil er von Facebook dort gecancelt wurde mit dem Hinweis, er widerspreche den Gemeinschaftsstandards. Er ist also in erster Linie für die Gruppenmitglieder gedacht, denn ohne die vorausgehenden Beiträge mag sein spiritueller Inhalt nicht immer ganz leicht nachvollziehbar sein 

Kunst ist der fortdauernde Befreiungsprozess des menschlichen Geistes und zugleich Erzieherin der Menschheit zum Handeln aus Liebe. (aus „Ita Wegmans Lebenswirken aus heutiger Sicht“;1976) 
  • die Kunst: unser Tor zu kosmisch bewusstem Sein 
  • mindestens genauso wichtig wie Inhalte: die Stimmung 
  • Steiner-Happen und überhaupt Spirituelles können die Seele zukleistern 
  • Die Götter wieder jubelnd musizieren hören 
  • „Du sollst Dir kein Bildnis machen“ 
  • „Weil Du nicht bist wie alle andern“ 

Manche werden sich wundern, wie sprunghaft doch in unserer  Gruppe die Themen angeschlagen werden. Aber ein geistiges Netzwerk lässt sich nicht so aufbauen, wie unser Verstand es sich wünscht. Die Einordnung der Themen in das Ganze - beispielsweise ´der Zyklus der Frau im Spiegel der Jahreszeiten´, ´die Bedeutung der kosmischen Vater- und Mutterkräfte´, ´Enzensbergers wunderbares Gedicht über einen Mann, der seine Gefährtin nicht einengt´, ´die Bedeutung der Isis-Zeit´, ´über Penis und Vagina und was man ach doch über beides wissen sollte´ und andere Themenbereiche mehr … - bleibt jedem selbst überlassen; in der Seele muss sich zusammenfinden, was wirklicher Sinn im eigenen Leben werden soll. Ich hoffe jedenfalls schon, dass sich in absehbarer Zeit die Bedeutung des Kosmischen für unsere Entwicklung und die Heilsamkeit eines Miteinander von Weiblichkeit und Männlichkeit deutlich abzeichnen. Noch tun sich immer neue Bereiche auf, die Bedeutung für unser Gesamtthema haben, z.B. für mich als nächstes die Bedeutung der Schönheit, die auch den Zugang zum Kosmos öffnen kann.

Zuletzt sollten Grammatik, Syntax und Kunst einen Stellenwert für unser Thema haben.

Der Textauszug aus Max Frischs „Homo Faber“ hat viele nicht sonderlich interessiert oder gar beeindruckt; für mich allerdings ist der Roman ein Paradebeispiel für das, was Kunst in Bezug auf unser Verhältnis zum Übersinnlichen zu leisten vermag und mein Herzblut hängt an diesem Werk, weshalb ich mich selten so sehr über Likes gefreut habe wie die von Margareta, Franziska und Michaela Mirjam unter dem letzten Beitrag:

Jener Ingenieur ist ja vielleicht in der neueren Literatur DAS Paradebeispiel für ein sich wandelndes Männliches; sein „Im Licht sein“ - eine für ihn noch wenige Monate zuvor undenkbare Wortwahl - erinnert mich an das, was wesentlich ist: nicht die Inhalte sind, es, jedenfalls nicht nur:
„Auch ich“, so gibt Margarita Woloschin in „Leben und Werk“ eine Aussage Steiners wieder, „wenn ich einen Vortrag zu halten habe, bestimme nicht im Voraus, was ich sagen werde, sondern vertiefe mich in eine bestimmte Stimmung, aus der heraus ich dann spreche.“ Und sie formuliert dann, dass Stimmung bedeute: in das Licht hineinwachsen, das von einem höheren Wissen als farbiger Schimmer herabglänzt.
Diese Worte lassen erkennen, wie wichtig Homo Fabers „Im Licht sein“ für ihn war und für uns sein kann.

auf die Stimmung kommt es an …

Für mich ist diese Thematik noch auf eine andere Weise von Bedeutung: Vor mehr als zwanzig Jahren sagte eine Frau, deren Hellsichtigkeit ich noch heute schätze, zu mir über das, was ich später einmal machen würde: Es wird nicht so sehr auf die Inhalte ankommen, sondern auf die Stimmung; es geht um Stimmung. - Ich war damals ziemlich enttäuscht - „Stimmung“ hatte für mich im Zusammenhang mit Spiritualität keinen wirklichen Stellenwert - und ich dachte: Na danke, für was lese und studiere ich all das, was ich tue. Heute erkenne ich, wie sehr sie mir Wichtiges mitteilte. Jeder, der ein Saiteninstrument, sei es eine Geige oder Gitarre, stimmt, weiß, wie gut das dem eigenen Inneren tut, wenn die Klänge der Saiten immer mehr zueinander finden und zuletzt ein feinstimmiger, feingestimmter Akkord erklingt - es gibt kaum etwas Schöneres, Erlösenderes als einen abschließend reinen Akkord. Das gilt auch für unsere Seelen. Der Mensch handelt, wenn es gutgeht, zunehmend in Überein-Stimmung mit der Geistigen Welt und verwirklicht sein eigenes Wesen, wenn er - wie ein wahrer Künstler - die eigenen Seelenkräfte, am Sinnlichen erprobend, umwandelt und damit hinstimmt zu einem sinnenfreien, rein geistigen Anschauen, um die Geistige Welt zu erkennen; wenn ihm das gelingt, erkennt er als Folge den ur-eigenen Zusammenhang mit dem ur-sprünglichen Wesen der Welt.

Was für eine Tatsache: den ur-eigenen Zusammenhang mit dem ur-sprünglichen Wesen der Welt erkennen!

Dieser Anspruch darf uns ruhig bewusst sein, vor allem aber sollte uns bewusst sein, dass wir noch - und dieses Leben wird nicht das diesbezüglich letzte sein - mitten im Stimmen sind und jeder Misston uns Hinweis sein darf, an einem der Wirbel von Geige oder Gitarre, sprich, an einem unserer Seelenwirbel zu drehen, um die Töne bzw. Seelenlagen stimmiger werden zu lassen.

In uralten Erdenzeiten musizierten die Götter jubilierend im Kosmos aus der Freude an ihrem Weltenschaffen heraus, göttlich gestimmt. Das darf uns wieder bewusst sein (https://bit.ly/3RzxraV) und die Frage beantworten, warum es so bedeutungsvoll ist, dass wir den Kosmos betreten; wir tun es im Schlaf, wir tun es in unserem Leben nach dem Leben, wir können täglich tagsüber einige wenige Minuten stille werden und in den Kosmos eintreten und uns augenblicklich begrüßt fühlen von all den Wesen, die sich über solche Besuche königlich freuen; auch heute jubeln die Götter noch, wenn Licht geschieht. Und sie tun das auch in dieser Zeit, da das Licht immer stärker wird. 

Kunst und die geistige Gestaltung unserer Wirklichkeit

Damit wir dies wahrnehmen und zu unterstützen vermögen, dazu trägt die Kunst - ob Poesie, Malerei, Architektur, Formen der Landschaftspflege und weitere Seinsweisen - in einem bisher zu wenig gewürdigten Ausmaß bei; mit ihr erscheint Übersinnliches in unserer sinnlichen Welt in Formen, Farben, Tönen - zukünftig immer mehr in Tönen, denn die Musik ist die Kunstform der Zukunft („ die Musik stellt deshalb ein Höchstes dar, weil sie ganz außerstande ist, irgend etwas aus der Natur nachzuahmen, sondern in ihrem eigenen Element Gehalt und Form ist“ - R. Steiner, GA 271, S. 102). Mit ihr enthebt sich der Mensch der zwanghaften Anpassung an die Erde; sie ermöglicht den Brückenschlag zwischen äußerlichem Anschauen und innerem Erleben, ermöglicht eine gegenseitige Befruchtung beider Seiten und gibt damit unserem irdischen Leben Sinn; mittels der Kunst durchgeistigt sich sinnlich Wahrnehmbares. Es ist der Künstler, der durch sein Schaffen die geistig-übersinnliche Welt in die physisch-sinnliche hineinträgt und sie erlöst; er ist es, der der verzauberten Natur Geheimnisse entlockt, die in ihr verborgen sind und durch Verwandlungsprozesse nicht zum Tragen kommen konnten: 
Wenn der Mensch sein Inneres über die Natur sprechen läßt, so erkennt er, daß die Natur hinter dem zurückbleibt, was sie vermöge ihrer Triebkräfte leisten könnte. Der Geist sieht das, was die Erfahrung enthält, in vollkommenerer Gestalt. Er findet, daß die Natur ihre Absichten mit ihren Schöpfungen nicht erreicht. Er fühlt sich berufen, diese Absichten in vollendeter Form darzustellen. Er schafft Gestalten, in denen er zeigt: dies hat die Natur gewollt; aber sie konnte es nur bis zu einem gewissen Grade vollbringen. Diese Gestalten sind die Werke der Kunst. In ihnen schafft der Mensch das in vollkommener Weise, was die Natur unvollkommen zeigt. (GA 1, S. 331)
Lasst uns den Wandlungskräften der Kunst vertrauen! 

Der Mensch von heute setzt sich immer weniger Wandlungskräften aus. Selbst wenn jemand ein spirituelles Video im Netz anschaut: Selten - so erlaube ich mir zu sagen - wird der Mensch in der Seele berührt. Kommt doch meist das, was erwartet wurde: eine Ladung Samadhi oder ähnliches … aber die Seele gähnt; Spirituelles kann auch die offenen Stellen der Seele noch gänzlich zukleistern, weil in Wirklichkeit der Mensch nicht mehr forscht, nicht mehr strebt.

Notwendig ist, dass wir uns (wieder) Überraschungen aussetzen: Das geschieht mittels eines Romans, eines wertvollen Films wie „Der Himmel über Berlin“ (https://bit.ly/3TIPCNi), wenn wir uns in Bilder hineinbegeben. 

Lasst uns regelmäßig uns den Wandlungskräften der Kunst aussetzen!
Kunst will uns mit dem Geistigen verbinden und es ist etwas anderes, ob ich eine Sammlung von Steiner-Zitaten lese - das kann für unsere geistige Entwicklung durchaus sehr kontraproduktiv sein, weil das Lebendige des Lebens fehlt, das WIR nicht hineingeben; deshalb empfinde ich ja die Anthroposophie so leblos. Geisteswissenschaft kann furchtbar einschläfern. 

Da ist es gut, wenn man mal ein so bemerkenswertes Gedicht liest wie jenes von Marie Luise Kaschnitz (1901-1974) über „Ein Leben nach dem Tode“ ((https://bit.ly/3D1Pxyp) oder jenes so aktuelle: 
Es ist kein Garten so fernab gelegen,
Daß nächtens nicht der wilde Schrei der Welt 
Gleich einem wunderbaren Feuerregen
Vernichtend auch auf seine Saaten fällt.

Und keinem ist der Kreis so fest gezogen,
Daß eines Tages nicht ein wilder Geist
Ihm mit der Urgewalt der Meereswogen
Furcht und Erbarmen aus dem Herzen reißt.

Ein wölfisch Wesen springt aus Lammesmienen,
Und keiner lebt, der nicht in sich entdeckte
Ein fremdes ungeheures Element.

Und weil er lebt, muß er dem Chaos dienen
Und einem Neuen, das die Zeit erweckte,
Und dessen Sinn und Ende niemand kennt.

Wir erleben gerade eine Zeit, in der das geschieht, was die leider  zu sehr in Vergessenheit geratene Dichterin hier formuliert. Sinn und Ende kennen die Götter. Wir oft nicht. Wir nähern uns dem Sinn:
Dasjenige, was künstlerisch geschaffen wird, das gehört einem nicht selber an, das schaffen in uns die Götter, denn die wollen es in der Welt haben, die wollen, daß es geschaffen wird, wollen, daß es darinnen steht.“ (Ga 287, S.59)
Ihr Medium ist der Künstler, auch gegebenenfalls der Künstler in uns.

In der Kunst sind Kräfte aktiv wie sonst nirgends. Es sind göttliche Kräfte. Sie haben nur ein Ziel: den Menschen mit dem Geistigen zu verbinden. Sie wollen uns fort und fort Anregungen geben. Aber auf Facebook allein oder Whats App oder Telegram finden sie sich selten, auch nicht im Rahmen der vielen kritischen Berichte über das, was alles so Fatales in unserer Gesellschaft und weltweit läuft (ohne guten Filter überleben dieses Trommelfeuer von Maya-Informationen nur wenige unbeschadet).

Es ist notwendig, dass wir uns aktiv der Kunst zuwenden, sei es der Plastik, der Architektonik, der Musik, der Poesie, der Malerei, des Töpferns und was es auch immer gibt:
(..) eigentlich kann ja die Kunst nichts anderes sein als die Wiedergabe desjenigen, was der Mensch im Zusammenhange mit dem Weltenall empfindet, daß vom Kunstwerke aus sich die Seele öffnen kann für die Geheimnisse des Weltenalls. (GA 229, S. 23)
Für den ein oder anderen mag sich die Frage stellen, wie es mit einer Auswahl der Kunstgegenstände bestellt ist, denn man wird ja immer wieder an Exponate gelangen, die den Geist wenig erheben (im Gegensatz zu vielen anderen sehe ich das bei einem Josef Beuys gegeben - ehrlich gesagt ertrage ich, wenn ich auf You Tube einen Beitrag über oder mit ihm sehe - seine Energie kaum über längere Zeit, das aber geht mir bei einem Robert Betz und anderen spirituellen Selbstdarstellern auch so - und will nichts heißen :-)  - man muss über die unterschiedlichen Wahrnehmungen nicht unbedingt streiten, sondern wissen, dass unterschiedliche Sichtweisen der Geistigen Welt durchaus willkommen sind.

Einerseits ist es ja so, dass das nur Schöne die Menschen einlullen würde und dass das ganz im Sinne Luzifers wäre; andererseits ist es so, dass unsere geistigen Sinne sich an unterschiedlichen Exponaten schärfen und unser astralisches Wahrnehmungsvermögen sich stimmt und dabei eben auch irrt, den Wirbel - um das Geigen- und Gitarrenbild nochmal aufzunehmen - in die falsche Richtung dreht oder überhaupt den falschen Wirbel betätigt und damit an der falschen Saite stimmt - das gehört dazu. Vergessen wir nicht:
In der Wirklichkeit haben wir, so wie mit einem Ineinanderspiel von Evolution und Devolution, es zu tun mit einem Ineinanderspielen, und zwar einem harten Kampfe der Schönheit gegen die Häßlichkeit. Und wollen wir Kunst wirklich fassen, so dürfen wir niemals vergessen, daß das letzte Künstlerische in der Welt das Ineinanderspielen, das Im-Kampfe-Zeigen des Schönen mit dem Häßlichen sein muß. Denn allein dadurch, daß wir hinblicken auf den Gleichgewichtszustand zwischen dem Schönen und dem Häßlichen, stehen wir in der Wirklichkeit darinnen, nicht einseitig in einer nicht zu uns gehörigen Wirklichkeit, die aber mit uns erstrebt wird in der luziferischen, in der ahrimanischen Wirklichkeit. (GA194, S.57).
Das Thema der Kunst im Erkenntnisprozess wird, wie ich glaube - denn ich habe es kaum einmal angesprochen gesehen; für Steiner ist ihre Bedeutung, so möchte ich fast sagen: überragend - unterschätzt bzw. zum Nachteil von uns auf dem Weg Befindlichen, vernachlässigt, denn Kunst führt uns ins Kosmische; dahin geht doch unser Weg.

Beschäftigung mit Kunst und erst recht künstlerisches Schaffen führt ins Kosmische.

Man kann es nicht oft genug sagen!

Ich möchte dieses Thema, auf das ich aufmerksam machen wollte, abschließen mit einem Zitat aus der GA 77b:
Innig verwandt ist dasjenige, was der Geisteswissenschafter durchzumachen hat mit demjenigen, was der Künstler durchzumachen hat. Und was dem Künstler die Phantasie gestaltet, das gestaltet sich dem Geistesforscher in der übersinnlichen Anschauung (…) In die Regionen dringt der imaginativ Erkennende ein, in denen die Impulse liegen, die der Künstler zunächst nicht im Bewußtsein hat, die aber kraften und leben in seinem Inneren, die seine Bildgestaltung führen, die seine Hände führen, die ihn zum Bildner, zum Künstler machen, so daß er dasjenige, was er aus diesen Regionen als Anregungen empfängt, dem äußeren Material, dem äußeren Stoff einverleibt. Dasjenige, was der Künstler zunächst nicht zu wissen braucht, was er aber einverleibt aus seiner unbewußten Intuition heraus dem ihn von außen gegebenen Stoff, das tritt dem imaginativ Erkennenden vor das bewußte Seelenleben.
Über die Bedeutung der Musik habe ich ja an anderer Stelle sich White Eagle , wenn auch nur kurz, äußern lassen - und vielleicht werde ich noch, was er über Farben äußert, dort nachtragen - (https://bit.ly/3wVwGRE); hier möchte ich abschließend auf zwei poetische Beiträge aufmerksam machen, die mir sehr wichtig geworden sind; der eine beinhaltet Ausführungen Max Frischs zur Bildnisthematik; sie rücken die Bedeutung dieses Gebotes in ein besonders wertvolles Licht, das erhellt, warum, sich ein Bildnis zu machen und Liebe leben zu wollen einander ausschließen und warum wir letztendlich reisen, eben auch lebensreisen - um nämlich Bildnissen zu entfliehen (dazu der dramatische Beginn von Max Frischs Stiller-Roman -  https://bit.ly/3THvj2Q)

Deshalb Frischs so dringender Appell:
Du sollst Dir kein Bildnis machen

Es ist bemerkenswert, dass wir gerade von dem Menschen, den wir lieben, am mindesten aussagen kön­nen, wie er sei. Wir lieben ihn einfach. Eben darin besteht ja die Liebe, das Wunderbare an der Liebe, dass sie uns in der Schwebe des Lebendigen hält, in der Bereitschaft, einem Menschen zu fol­gen in allen seinen möglichen Entfaltungen. Wir wissen, dass jeder Mensch, wenn man ihn liebt, sich wie verwandelt fühlt, wie entfaltet, und dass auch dem Liebenden sich alles entfaltet, das Nächste, das lange Bekannte. Vieles sieht er wie zum ersten Male. Die Liebe befreit es aus jeglichem Bildnis. Das ist das Erregende, das Abenteuerliche, das eigentlich Spannende, dass wir mit den Menschen, die wir lieben, nicht fertig ­werden: weil wir sie lieben; solang wir sie lieben. Man höre bloß die Dichter, wenn sie lieben; sie tappen nach Vergleichen, als wären sie betrunken, sie grei­fen nach allen Dingen im All, nach Blumen und Tieren, nach Wolken, nach Sternen und Meeren. Warum? So wie das All, wie Gottes unerschöpfliche Geräumigkeit, schrankenlos, alles Möglichen voll, aller Geheimnisse voll, unfassbar ist der Mensch, den man liebt –

Nur die Liebe erträgt ihn so.

Warum reisen wir?

Auch dies, damit wir Menschen begegnen, die nicht meinen, dass sie uns kennen ein für alle Mal; damit wir noch einmal erfahren, was uns in diesem Leben möglich sei –

Es ist ohnehin schon wenig genug.

Unsere Meinung, dass wir das andere kennen, ist das Ende der Liebe, jedes Mal […]

Wir können nicht mehr! Wir künden ihm die Bereitschaft, auf weitere Verwandlungen einzugehen. Wir verweigern ihm den Anspruch alles Lebendigen, das unfassbar bleibt, und zugleich sind wir verwundert und enttäuscht, dass unser Verhältnis nicht mehr lebendig sei.

„Du bist nicht“, sagt der Enttäuschte oder die Enttäuschte: „wofür ich dich gehalten habe.“
Und wofür hat man sich denn gehalten?

Für ein Geheimnis, das der Mensch ja immerhin ist, ein erregendes Rätsel, das auszuhalten wir müde geworden sind. Man macht sich ein Bildnis. Das ist das Lieblose, der Verrat […]

In gewissem Grad sind wir wirklich das Wesen, das die andern in uns hineinsehen, Freunde wie Feinde. Und umgekehrt! auch wir sind die Verfasser der andern; wir sind auf eine heimliche und unentrinnbare Weise verantwortlich für das Gesicht, das sie uns zeigen, verantwortlich nicht für ihre Anlage, aber für die Ausschöpfung dieser Anlage. Wir sind es, die dem Freunde, dessen Erstarrtsein uns bemüht, im Wege stehen, und zwar dadurch, dass unsere Meinung, er sei erstarrt, ein weiteres Glied in jener Kette ist, die ihn fesselt und langsam erwürgt. Wir wünschen ihm, dass er sich wandle, o ja, wir wünschen es ganzen Völkern! Aber darum sind wir noch lange nicht bereit, unsere Vorstellung von ihnen aufzugeben. Wir selber sind die letzten, die sie verwandeln […]


Zeugnis von einem Umgang miteinander, frei von Bildnissen, gibt ein, wie ich finde, wunderbares Lied von Klaus Hoffmann - jeder Satz mag uns Anregung sein (vertont hier ab Minute 3.10´ https://bit.ly/3KMivUv

weil du nicht bist wie alle andern
weil man dich niemals kaufen kann
weil mit dir tausend Sterne wandern
weil du auch Wölfin bist und Lamm

weil du noch Mut hast um zu träumen
weil in dir Schmetterlinge sind
und weil du Zeit hast dich an Bäumen
halbtot zu freuen wie ein Kind

weil du das große Abenteuer
wie ein Geheimnis mit dir führst
weil du nicht satt bist und das Feuer
so vieler Leben in dir spürst

weil du nicht bist wie alle andern
weil man dich niemals kaufen kann
weil mit dir tausend Sterne wandern
weil du auch Wölfin bist und Lamm

weil du noch in dir suchst und zweifelst
auch wenn du dich dabei verlierst
und deine Grenzen überschreitest
und weil du recht hast wenn du irrst

weil du Verbote einfach auslässt
weil du Gesetze hasst wie ich
weil du dich täglich etwas loslässt
weil du die Schatten kennst vom Licht

weil du ein Herz hast wie ein Bahnhof
aus dem ein Zug auf Reisen geht
und meine Stimme sagt ´fahr nicht los´
wenn du für immer von mir gehst

weil du nicht bist wie alle andern
auch wenn du ausgehst wie das Licht
und mit dir tausend Sterne wandern
weil es dich gibt liebe ich dich

Dienstag, 11. Juni 2019

In der Schwebe des Lebendigen. - Max Frischs Tagebucheintrag und Lebensthema: "Du sollst dir kein Bildnis machen"!





In die Schwebe des Lebendigen zurückzufinden, ist das Lebensthema des Schweizer Schriftstellers Max Frisch und im Grunde aller Menschen. Den Nächsten und sich selbst aus einem Bildnis zu befreien, das lebenslänglich in ein Gefängnis sperren, ja den Tod im Leben bedeuten kann, darum geht es. Einzig die Liebe befreit aus diesem Bildnis und hält unseren Mitmenschen und uns in der Schwebe des Lebendigen.

Menschen gehen auf Reisen, um diesem Bildnis zu entfliehen. Entscheidend ist jedoch die Reise zu sich selbst, die Selbstbefreiung, damit Leben schweben kann. Dichter singen und schreiben immer wieder von diesem Geschehen.


Dieses Video gibt die wichtigsten Passagen des Tagebucheintrages wieder, verweist auf Sänger und Dichter, die dazu etwas zu sagen haben, gibt sie in Auszügen wieder und verweist zum Schluss auf einen Satz aus Goethes "Wilhelm Meisters Lehrjahre", für den allein sich dieses Werk zu schreiben schon gelohnt hätte.

Samstag, 12. Februar 2011

"Die Hütte wird durch dich ein Himmelreich." – Orte der Liebe.

Das Motiv der Hütte taucht in Goethes Faust immer wieder auf. Man darf dabei nicht an Köhler- oder Grillhütte denken, nein: Hütte, das ist eine Existenzform, eine Weise zu leben. Gewiss, in Beschränktheit und vielleicht sogar Armut, aber in Reinlichkeit im Kreis seiner Lieben. Fausts Seele sehnt sich danach, so leben zu dürfen, er ahnt, dass er nicht in seinen Büchern sein Glück findet, sondern hier, dass womöglich hier sich die Antwort auf jenes Streben, wissen zu wollen, was die Welt im Innersten zusammenhält, einstellt. 
Margarete, die er gerade einmal, nach deren Kirchgang nämlich, gesehen und mit der er bis dahin nur zwei Sätze gewechselt hat, wohnt in solch einer Hütte, und als Faust in ihrer Abwesenheit ihr Zuhause betritt, da geht ihm das Herz auf, da spürt er, welche Fülle hier wohnt, welche liebenswerte Ordnung hier sich findet, welche Zufriedenheit, eben: welcher Frieden. Hier findet seine Seele den Himmel. Ja, es gibt ihn wirklich, den Himmel auf Erden. Und Faust nimmt ihn wahr. Auch wenn er die vorhandene Beschränkung Kerker nennt, so fühlt er, welche Seligkeit hier wohnt. Er wirft sich in einen Sessel, in dem sich die Wertschätzung auch der Ahnen spiegelt, die in ihm schon saßen, an dem auch schon sein Liebchen, als es klein war, stand.
In solch eine Liebe, Ordnung und Fülle hineingebettet, hat Mephistopheles, der Durcheinanderwerfer, der Teufel, der Lügner, der Fausts Seele verführen will, keine Macht. Faust hat ihn vor die Türe gewiesen, um Worte der Liebe finden zu können, wie sie dem Herzen eines Mannes nur selten entströmen:
Willkommen, süßer Dämmerschein,
Der du dies Heiligtum durchwebst!
Ergreif mein Herz, du süße Liebespein,
Die du vom Tau der Hoffnung schmachtend lebst!
Wie atmet rings Gefühl der Stille,
Der Ordnung, der Zufriedenheit!
In dieser Armut welche Fülle!
In diesem Kerker welche Seligkeit!

(Er wirft sich auf den ledernen Sessel am Bette.)

O nimm mich auf, der du die Vorwelt schon
Bei Freud und Schmerz im offnen Arm empfangen!
Wie oft, ach! hat an diesem Väterthron
Schon eine Schar von Kindern rings gehangen!
Vielleicht hat, dankbar für den heil'gen Christ
Mein Liebchen hier, mit vollen Kinderwangen,
Dem Ahnherrn fromm die welke Hand geküßt.
Ich fühl o Mädchen, deinen Geist
Der Füll und Ordnung um mich säuseln,
Der mütterlich dich täglich unterweist
Den Teppich auf den Tisch dich reinlich breiten heißt,
Sogar den Sand zu deinen Füßen kräuseln.
O liebe Hand! so göttergleich!
Die Hütte wird durch dich ein Himmelreich.

Und dann geschieht etwas, was zum höchsten Glück, das Menschen erleben dürfen, gehört:
Faust kennt sich nicht mehr. Die Liebe befreit ihn aus seinem Bildnis, das er von sich hat, worüber Max Frisch so bezaubernd schrieb.

Bezaubert, verzaubert von Margaretes Hüttendasein, so spricht Faust sich selbst an:
Und du! Was hat dich hergeführt?
Wie innig fühl ich mich gerührt!
Was willst du hier? Was wird das Herz dir schwer?
Armsel'ger Faust! ich kenne dich nicht mehr.
Faust wird dieses Ahnen, dass er hier finden könnte, was die Welt im Innersten zusammenhält, nicht in seine Wirklichkeit hineinverwirklichen können; es bleibt ein momentanes Ahnen seiner Seele. Nur wir als seine Nachfolger können realisieren: Um das Innerste der Welt zu finden bedarf es keiner Kathedrale, keines Doms, keines Hörsaals, keiner Papstaudienz oder Bhagavad Gita; wir können das Innerste der Welt in einer Hütte finden ... gegebenenfalls auch in einem Stall . . .

Samstag, 29. Dezember 2007

* S E L B S T L I E B E *




* S E L B S T L I E B E *

Wie gewinne ich Zugang zu ihr?
Worin zeigt sie sich?

Ich möchte zunächst sagen, mit was sie beginnt.

Sie beginnt mit einer Entlassung.

Einer Entlassung aus dem Gefängnis.

Aus dem Gefängnis der eigenen Bilder.

Das zweite der Zehn Gebote bezieht sich nicht nur auf Gott, wenn es heißt:

Du sollst dir kein Bildnis noch irgendein Gleichnis machen ...

denn es heißt ausdrücklich:

… weder von dem, was oben im Himmel, noch von dem, was unten auf Erden, noch von dem, 
was im Wasser unter der Erde ist.

Auch nicht von dem, was auf der Erde ist! Es gilt eben, wie es im Vater unser schon heißt, vieles wie im Himmel so auf Erden.

Kein Bildnis!

Sich kein Bildnis machen, auch nicht von den Erdenbewohnern!

Max Frisch hat dazu in seinem Tagebuch 1946-1949 einen eingebungsvollen Text geschrieben, der sich darauf bezieht, wie sehr die Liebe zu einem anderen abhängig ist von dem Bild, das man sich von ihm > nicht < macht!

Es ist bemerkenswert, dass wir gerade von dem Menschen, den wir lieben, am mindesten aussagen können, wie er sei. Wir lieben ihn einfach. Eben darin besteht ja die Liebe, das Wunderbare an der Liebe, dass sie uns in der Schwebe des Lebendigen hält, in der Bereitschaft, einem Menschen zu folgen in allen seinen möglichen Entfaltungen. Wir wissen, dass jeder Mensch, wenn man ihn liebt, sich wie verwandelt fühlt, wie entfaltet, und dass auch dem Liebenden sich alles entfaltet, das Nächste, das lange Bekannte. Vieles sieht er wie zum ersten Male. Die Liebe befreit es aus jeglichem Bildnis. Das ist das Erregende, das Abenteuerliche, das eigentlich Spannende, dass wir mit den Menschen, die wir lieben, nicht fertig werden: weil wir sie lieben; solang wir sie lieben. Man höre bloß die Dichter, wenn sie lieben; sie tappen nach Vergleichen, als wären sie betrunken, sie greifen nach allen Dingen im All, nach Blumen und Tieren, nach Wolken, nach Sternen und Meeren. Warum? So wie das All, wie Gottes unerschöpfliche Geräumigkeit, schrankenlos, alles Möglichen voll, aller Geheimnisse voll, unfassbar ist der Mensch, den man liebt - Nur die Liebe erträgt ihn so.


Wenn ich im Unterricht begreifbar machen möchte, was Selbstliebe bedeutet, dann lasse ich obigen Text so schreiben, dass jeder ihn auf sich selbst bezieht, ihn also in Ich-Form neu fasst.

Jedes Mal auf´s Neue bin ich ergriffen, wenn ich ihn auf mich beziehe:

Es ist bemerkenswert, dass ich gerade von mir, dem Menschen, den ich liebe, am mindesten aussagen kann, wie ich bin. Ich liebe mich einfach. Eben darin besteht ja die Liebe, das Wunderbare an der Liebe, dass sie mich in der Schwebe des Lebendigen hält, in der Bereitschaft, mir zu folgen in allen meinen möglichen Entfaltungen. Ich weiß, dass jeder Mensch, wenn ich ihn liebe, sich wie verwandelt fühlt, wie entfaltet, und dass auch mir, dem also, der sich selbst liebt, sich alles entfaltet, das Nächste, das lange Bekannte. Vieles sehe ich wie zum ersten Male. Die Liebe befreit mich aus jeglichem Bildnis.

Das ist das Erregende, das Abenteuerliche, das eigentlich Spannende, dass ich mit mir, dem Menschen, den ich liebe, nicht fertig werde: weil ich mich liebe; solang ich mich liebe. Man höre bloß die Dichter, wenn sie lieben; sie tappen nach Vergleichen, als wären sie betrunken, sie greifen nach allen Dingen im All, nach Blumen und Tieren, nach Wolken, nach Sternen und Meeren. Warum? So wie das All, wie Gottes unerschöpfliche Geräumigkeit, schrankenlos, alles Möglichen voll, aller Geheimnisse voll, unfassbar bin ich für mich, für mich, den Menschen, den ich liebe - Meine Liebe trägt mich so.


Da ist kein >so bin ich eben<, kein >das ist halt typisch für dich< !

                                   Die Liebe befreit aus jeglichem Bildnis. 

Ich gebe mir die Freiheit, mich hinzuentwickeln, wohin ich will. Da gibt es keine Krusten, keine selbstinszenierten Blockaden, kein Selbstmitleid, das zäh an mir klebt und mich sagen lässt: Das schaffe ich nie.

                                              * Liebe liebt selbst Liebe *

... selbst-verständlich ist das noch nicht ...
... man muss dazu sein Selbst verstehen ...
... man versteht es, wenn man selbst-verständlich zu sich steht, mit allem, wie und was man ist und Geduld mit sich hat und sich Zeit gibt.

Es darf und wird Jahre dauern. Gemessen an der Tatsache, dass manche sich ein Leben lang nicht wandeln, sind viele Jahre Geduld mit sich wert.

Die Toten, die Verstorbenen, sind sehr lebendig, wenn das viele auch nicht glauben wollen.

Es ist gut, wenn wir auch als Lebende wirklich lebendig sind, bereit, mit uns in alle Richtungen zu gehen.