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Sonntag, 24. Oktober 2010

Buddha: Alle Dinge entstehen im Geist! - James Allen: Der Geist ist die herrschende Kraft ...!

Schloss Meiningen
Mit diesem Post möchte ich meine letzten Veröffentlichungen, die sich mit der Verantwortung, die wir im Hinblick auf  unsere Gedanken und unser Leben, die Kraft und Macht unseres Geistes also und eine neue Sicht auf die Bedeutung des Gebets beschäftigt haben, zu einem vorläufigen Abschluss bringen.

In gewisser Weise, so könnte man sagen, betet ja jeder. Ohne Unterlass. Es ist sein ständiges Gedankengeplapper.
Mancher allerdings betet sich zu einer Krankheit hin, zu einer misslingenden Partnerschaft, zu einem Unglück. Mit Hilfe seiner Gedanken nämlich bettelt er förmlich darum, manche so intensiv, dass nicht einmal Heilige mit dieser Intensität mithalten könnten ...

Niemand, der gesund sein will, mental und körperlich, kommt an einer Kontrolle seiner Gedanken vorbei.
Ich mag das Wort Kontrolle nicht - hier aber ist es angebracht.

Im Germanischen gibt es das Wort beten gar nicht. Es taucht erst mit der Christianisierung auf und erst das Althochdeutsche, also die Zeit ab ca. 800 differenziert zwischen bitten, betteln und beten. Interessanterweise hängt das Wort bitten etymologisch mit dem lateinischen fidere zusammen, so dass beten auch bedeuten könnte: jemanden oder sich selbst durch einen Vertrag oder Vergleichbares binden.
Das nun tut jemand, der betet, im Grunde. Im christlichen Sinne geht er einen Vertrag, ein Bündnis mit Gott, mit seinen Engeln ein. Von daher möchte ich das Wort beten und das Gebet heilig halten, auch eingedenk solch wunderbarer Gedichte wie Allein den Betern kann es noch gelingen von Reinhold Schneider.
Ich kenne einen Menschen, bei dem 80 von 100 Äußerungen sich mit der Schlechtigkeit anderer Menschen und irgendwelcher Umstände beschäftigen; in 19 weiteren jammert er über sein Rheuma und andere Schmerzen ... dass sie eine Folge des Jammerns und kranken Denkens sind, darauf kommen er und andere nicht ... da nützt auch der eine seicht positive Gedanke nichts ...


James Allen formuliert es so:

Der Geist ist die herrschende Kraft,
die schmiedet und schafft.
Wir sind Geist, und je mehr wir das Werkzeug
des Denkens einsetzen und das erschaffen,
was wir wollen,
desto sicherer bringen wir tausend Freuden,
tausend Leiden hervor.
Wir denken im Verborgenen und es zeigt sich -
unsere Lebensumstände sind nichts als ein Spiegel.


Auch Buddha legt diesen Zusammenhang, dass wir selbst nämlich Ergebnis unseres eigenen geistigen Wirkens sind, offen. Im ersten Kapitel des Dhammapada, das ich in meinem Blog Methusalem veröffentlicht habe, tritt dies deutlich zu Tage. Hier die ersten Zeilen:


Alle Dinge entstehen im Geist,

Sind unseres mächtigen Geistes Schöpfung.

Rede mit unreinem Geist,

Handle mit unreinem Geist

Und Leiden wird dir folgen,

Wie das Rad dem Fuß folgt,

der den Wagen zieht.

Wes Geistes Kind wir sind?
Diesen Zusammenhang, dass wir Kinder eines Geistes sind, den wir selbst wählen, thematisiert auch das Neue Testament immer wieder. Unter anderem wäre es zwei seiner Jünger, Johannes und Jakobus, als die Samariter im Norden Jesus eine Herberge verweigern, am liebsten gewesen, es wäre auf diese Herzlosen Feuer vom Himmel gefahren, volle Kanne Rache und Strafe also - und sie berufen sich sogar auf Elia, den alttestamentarischen Propheten.
Doch Jesus antwortet ihnen, nachzulesen im Evangelium des Lukas, Kapitel 9,51ff:

Wisst ihr nicht,
welches Geistes Kinder ihr seid?
Des Menschen Sohn ist nicht gekommen,
der Menschen Seelen zu verderben,
sondern zu erhalten.

Samstag, 23. Oktober 2010

Es ist die wohl bitterste Erkenntnis im Leben eines Menschen,

dass sein größter Gegner im eigenen Inneren sitzt und dass Gott, das Göttliche, die Liebe nie vor dessen Angriffen sicher sein können.

Freitag, 22. Oktober 2010

Masaharu Taniguchi: Unsere Worte sind in Wahrheit reale Gebete. Sie beinflussen den Tag des Gerichts.

Ich werde jene Szene nie vergessen, als ich vor Jahren in Stuttgart zu einem Kirchenkonzert ging und in der ersten Reihe ein Mann saß, der ostentativ seine Hände in Kopfhöhe gefaltet hielt und ganz offensichtlich allen bekanntgab: Ich bete.
Beten ist keine Demonstration. Für mich ist es das nie gewesen. Es hat sehr viel gemein mit einer Stufe des Achtfachen Pfades im Buddhismus, die sich nennt: Rechte Achtsamkeit.
Wenn Paulus seinen Thessalonichern zuruft: Betet ohne Unterlass, dann meint er das für mich im Sinne dieser Anweisung: Seid immer achtsam.
Die Worte Masaharu Taniguchis aus Die geistige Heilkraft in uns geben genau meine Auffassung wieder; auch diese hier, wie schon jene des vorletzten Posts, sind mir aus dem Herzen gesprochen:

In gewissem Sinne ist jedes Reden ein Beten. Man darf nicht denken, dass zum Beten Niederknien, Händefalten oder andere Zeremonien gehören. Jesus sagte, dass der Mensch über jedes törichte Wort, das er spricht, am Tag des Gerichts Rechenschaft ablegen muss. Wie viele Menschen hören und führen heutzutage unnötiges Gerede. Wenn der Tag des Gerichts kommt, das heißt, wenn sich in der Praxis des Lebens das Gesprochene auswirkt, denn es gibt nichts, das sich nicht irgendwie auswirkt. Als Jesus uns über die Macht der Worte belehrte, sich in der Welt der Tatsachen auszuwirken, da sagte er: "Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte werden nicht vergehen", und weiter: "Die Worte, die ich euch sage, sind Geist und sie sind Leben."
Was wir hören und sprechen erzeugt nicht nur Schwingungen, welche in die Gehirnzellen eindringen. Darüber hinaus entstehen Ätherwellen, die sich über das Universum ausbreiten. Sie beeinflussen das Gedankenleben anderer und jene geheimnisvolle Kraft, welche den Ablauf des Geschehens bestimmt. Sie ziehen an, was ihnen ähnlich, und stoßen ab, was ihnen ungleich ist.
Bei der Diskussion über praktische Methoden zu beten, kann man das dringendste Problem in die Form folgender Fragen kleiden:
  • Was sprichst Du jeden Tag?
  • Sprichst Du schlecht über andere?
  • Sprichst Du freundlich über andere?
  • Bist Du ein Pessimist?
  • Bist Du ein Optimist?
  • Sprichst Du über Alltäglichkeiten?
  • Sprichst Du über das Gewinnen von Reichtum oder über geistige Fortschritte?
Die Antworten sind entscheidend für den Gang Deines Lebenslaufes und Dein weiteres Schicksal. Der Mensch erntet die Früchte der von ihm gesprochenen Worte. Daher können wir sagen, dass unsere Worte in Wahrheit reale Gebete sind.
Scharfe Worte der Kritik über andere schädigen nicht allein diese, sie schlagen auch zurück auf unser eigenes Leben und unsere Gesundheit. Liebevolle Worte aber, welche die erregenden Gemütswallungen anderer besänftigen, sind nicht nur für diese beglückend, sondern sie fördern auch die eigene Gesundheit und das eigene Lebensglück.

Manchmal wird einem durch das bewusste Schreiben, das bewusste Abschreiben solcher Sätze etwas bewusst.
So ging es mir gerade:
Lange war für mich eine Frage, was mit dem Gericht, mit dem Jüngsten Gericht, von dem in der Bibel gesprochen wird, gemeint sein könnte.
Taniguchi hält eine überraschende Antwort bereit, wenn er von dem Tag des Gerichts spricht, der m.E. identisch mit dem Jüngsten Gericht sein könnte: Es ist jener Tag, an dem wir ernten, was wir gesät haben.
Und es mag wohl sein: Jeden Tag ernten wir, was wir vor Jahren, vor Monaten, Wochen, vorgestern oder gestern gesät haben, je nachdem, wann jeweils die Samen reifen, im Guten oder Schlechten.
Deshalb wohl auch das so kryptische Attribut Jüngstes Gericht.
Es ist immer das, was uns als Nächtes erreicht. Jeden Tag also gehen unsere Samen der Vergangenheit in unserem Leben auf. Das Nächste, was wir uns selbst zuteil werden lassen durch unser Säen in der Vergangenheit ist immer das Jüngste.
Auf diesem Hintergrund gewinnen die Paulus-Worte, ohne Unterlass zu beten, vor allem, wenn sie so verstanden werden, wie es Taniguchi formuliert, eine existentielle, lebensentscheidende Bedeutung.
Mit jedem Tag und dem, was wir denken und tun, bestimmen wir auch unsere Zukunft.
Erfreulich, dass Menschen so sehr ihr Leben selbst in Händen halten!
Offensichtlich ist tatsächlich jeder seines (Un-)Glückes Schmied.

Dienstag, 19. Oktober 2010

Himmelsrichtungen: Die Gaben des Westens sind Ausdauer, Gebet und Stillesein als Voraussetzungen für Selbstannahme

In dem im Pathmos-Verlag erschienenen und leider nur noch antiquarisch zu erhaltenden Buch Der Heilige Baum gibt es wunderbare Hinweise zu den Bedeutungen der Himmelsrichtungen aus indianischer Sicht. Die folgende Betrachtung steht in engem Zusammenhang mit dem letzten und dem in Kürze folgenden Post. Dann wird deutlich werden, wie nah indianische und japanische Weisheitslehren beeinanderliegen und damit so universell sind.

Leider musste ich im Folgenden die zwei aus dem Buch eingescannten Seiten herausnehmen; freundlicherweise übernimmt es der Verlag zu klären, ob es aus urheberrechtlichen Gründen möglich ist, sie wieder hineinzunehmen. – Nachtrag: Leider ist es nicht möglich; danke dennoch an den Verlag für die Mühe.

Jedenfalls wurde anfangs dieser Seiten darauf verwiesen, dass der Westen die Richtung ist, "aus der die Finsternis kommt, das Unbekannte, die Verinnerlichung, der Traum, das Gebet und die Meditation."
Wichtig im Zusammenhang mit dem in den nächsten Tagen folgenden Post ist die Aussage:
Wer ins Zentrum seines Wesens reist, kann die Verbindung des menschlichen Geistes mit dem übrigen  Universum wie auch mit seinem Schöpfer unmittelbar erleben. Aus dieser Erfahrung entspringt die Gabe des Gebets.
Interessant finde ich hier die Formulierung, dass das Gebet eine Gabe sei. Ich glaube nicht, dass damit gemeint ist, dass es bestimmter Fähigkeiten oder Voraussetzungen bedarf, um zu beten, aber Gebete eines Menschen können sich auf den Schöpfer hinentwickeln. Ich vermute, dass nicht jedes Gebet so weit nach oben dringt, wie das manche(r) sich vorstellt. Nicht von ungefähr suchen Menschen eine Kirche auf und brennen dort eine Kerze an. Eine Kirche hat aufgrund vieler Gebete der Vergangenheit einen besonderen Kanal nach oben, so stelle ich mir vor, und eine Kerze heiligt das Geschehen. Aufgrund der Atmosphäre gewinnen Gebete so eine besondere Intensität; diese aber kann sich auch durchaus zu Hause einstellen. Allemal sind Gebete - und diesen Aspekt finde ich einfach bemerkenswert - eine Gabe, ich möchte sagen: eine Gnadengabe; das griechische Wort dafür lautet Charisma.

In dem indianischen Weisheitsbuch heißt es weiter:
Ein Zeichen dafür, dass ein Mensch noch sehr viel an seinem persönlichen geistigen Wachstum zu arbeiten hat, ist dann gegeben, wenn er das Alleinsein nicht ertragen kann und vor allem die einsame Stille scheut. Viele benutzen das Fernsehen oder Musikkonserven, um die Stille zu füllen, damit sie sich nicht so erfahren müssen, wie sie wirklich sind.
Jeder, der sich um geistiges Wachstum bemüht, muss lernen, in der Stille sich selbst zu begegnen, sich anzunehmen und zu lieben, weil der Schöpfer uns so wunderbar geschaffen hat.
Nehmen wir diese Position der Stärke ein, so kann uns niemand erniedrigen oder dazu bringen, etwas anderes als nur das zu tun oder zu sein, was wirklich unserem innersten Wesen entspricht.
Ein anderes Anzeichen, das den Reisenden darauf aufmerksam macht, dass sein Herz die Gaben des Westens nicht besitzt, ist die fehlende Achtung vor dem Ältesten oder den rituellen Handlungen und spirituellen Kämpfen anderer Menschen. Wer über geistige Dinge lacht oder spottet, sagt damit eigentlich nur: Ich verspüre eine Leere in mir, die ich durch meine Kritik an anderen oder mein unechtes Lachen verbergen muss.
Das Wichtigste, was uns die (symbolischen) Lehrer des Westens vermitteln, ist die Bereitschaft, uns selbst anzunehmen, wie wir wirklich sind: als geistige und körperliche Wesen, und niemals wieder dem spirituellen Teil unserer Natur untreu zu werden. 

Montag, 18. Oktober 2010

Masaharu Taniguchi: die menschliche Phantasie ist eine Form der göttlichen Schöpferkraft

Selten hat mir jemand so aus der Seele gesprochen wie Masaharu Taniguchi. Und ich glaube, auch Michael Ende würde das von sich sagen. Denn dessen Phantásien ist grenzenlos in seiner Geschichte, die nicht von ungefähr Unendliche Geschichte heißt. 
Hier nun die Worte dieses Weisen aus dem Fernen Osten:
Die menschliche Phantasie ist eine Form der göttlichen Schöpferkraft. Alle kleinen und großen Taten, Konstruktionen, Erfindungen und Entdeckungen, die jemals von Menschen gemacht wurden, entsprangen letztlich ihrer Phantasie- und Vorstellungkraft. Das Bestreben jedes Gedankens, jeder Idee und Vorstellung, sich mehr oder weniger rasch in die irdische Wirklichkeit umzusetzen, ist ein universelles Gesetz, das sozusagen automatisch funktioniert. Und wenn Eltern die Kraft und Geduld aufbringen, ihr Kind oder ihre Kinder unentwegt als Repräsentanten der göttlichen Vollkommenheit, als gesund, intelligent, strebsam und erfolgreich zu sehen - plastisch vor sich zu sehen -, dann wird und muss sich auch dieses "geistige Muster" schließlich in die Wirklichkeit umsetzen. 
aus Das Gesetz des Herzens

Dienstag, 5. Oktober 2010

Ich will den Herbst!

von meiner Liebslingsbank in der Nähe Malmsheims fotografiert

Ich will den Herbst! Ist es nicht, als wäre er das eigentlich Schaffende, schaffender denn der Frühling, der schon gleich ist, schaffender, wenn er kommt mit seinem Willen  zur Verwandlung und das viel zu fertige, viel zu befriedigte, schließlich fast bürgerlich-behagliche Bild des Sommers zerstört? Dieser große herrliche Wind, der Himmel auf Himmel baut; in sein Land möchte ich gehen und auf seinen Wegen.
Rainer Maria Rilke

im Kurpark von Bad Kissingen

Sonntag, 3. Oktober 2010

Hartz IV: Die wirklich Bedürftigen sind ganz andere - und DIE kosten!



In dieser Republik hat in den letzten Jahrzehnten eine Irritiation auf tiefsten Ebenen stattgefunden; sie hat zu einer Umwertung der Werte geführt.
Mit der Umwertung der Werte meine ich:
Wer arm ist, ist schuldig, asozial, verworfen; wer reich ist, bringt´s, liegt im Trend, im Mainstream Geld, ist erfolgreich und vom Schicksal verwöhnt, ein Günstling der Götter, wird bewundert.
Wer geil ist, hat Recht
Erfolg gibt Recht, animiert die Politik, sich anzuschließen an solche fragwürdigen Erfolgs-Konzepte. Bankern ist schon längst verziehen, denn sie repräsentieren die moderne Männlichkeit, die Männlichkeit des Geldes. Geld ist geil. Wer geil ist, hat Recht. Doch diese Form der Geilheit ist wie eine genitale Sexualität; allemal bezieht sie sich auf nur wenigen Zentimeter des Körpers, und seien es die des Portemonnaies.
Im Banne des Goldenen Kalbes
Wie es Menschen gibt, deren Hass sie so dominiert, dass sie zu einer Hasspersönlichkeit werden, so gibt es mittlerweile nicht wenige, deren Lebensinhalt sich vor allem - um nicht zu sagen: allein - auf das Geld bezieht. Auf ein solches Lebenskonzept fuhren auch bisher viele Menschen Deutschlands ab. Und weil wir immer mehr Politiker finden, die dieser modernen Form des Goldenen Kalbs huldigen, wird unser System auch von diesem Kalb dominiert. Ohne es zu merken tanzen viele nach seiner Pfeife.
Die eigentlich Bedürftigen machen durch ihre Entscheidungen Menschen krank
Doch sind diese Menschen, deren Lebensinhalt vor allem um Geld und Vermögen kreist, die eigentlich Bedürftigen dieser Republik.
Sie haben ein Hartz-IV-Herz.
Wenn man auf ihre Entscheidungen Bezug nimmt, die das Wohl und Wehe oft vieler Menschen betreffen, kann man den Eindruck gewinnen, ihr Herz sei so unnahbar, so kalt, so ohne sich selbst, damit eben auch herz-los, dass sie Politik machen und Konzerne führen auf eine Weise, die ein Volk spaltet und es von Werten entfernt, die im Grunde seines Herzens eigentlich jeder möchte.
SIE treffen herzlose Entscheidungen, die die Menschen in der Konsequenz krank machen, Menschen nicht zusammenführen, sondern spalten, vereinzeln. Diese eigentlich Bedürftigen sind es, die in Wahrheit unser Volk jede Menge Geld kosten. 
Doch Schuld an den Schulden sind natürlich die Harz IV, die Armen.
Wer arm ist, hat grundsätzlich etwas falsch gemacht!
Diese Meinung zählt, landauf, landab.
Arbeitslose aber sind eben häufig nicht schuld an ihrer Situation. Sie wurden freigesetzt - es gibt kaum einen zynischeren Begriff -, obwohl beispielsweise ihre ach so Deutsche Bank zeitgleich einen Milliardengewinn verbuchte, den sie mit erwirtschafteten. Doch müssen die Banken wettbewerbsfähig bleiben und sich für künftige Herausforderungen rüsten.
Das Ergebnis kennen wir.
Therapien für kranke Manager
Hat je einer verlangt, dass Manager, die Millionen, ja Milliarden in den Sand setzten, eine Therapie machen müssen? Diese Menschen sind hochgradig krank, ihr Verhalten zeigt einen extremen Realitätsverlust. Sie lassen ihre Finanzbomben explodieren und viele Schwerverletzte liegen herum; brav kümmert sich der Staat um diese, während die Verursacher um ihre Abfindungen kämpfen.
Allenthalben zu hören und zu lesen ist, dass es die Blutenden sind, die den Staat ausbluten lassen. "Na prima!", so habe ich in einem Kommentar unter meinem letzten Post gelesen, "Nix wie los mit noch mehr Schulden machen, noch weiteres Aufblähen von Sozialstaat und seiner Bürokratie." – Das genau gibt die gängige Meinung wieder.
Warum sollte man auch einem Ausblutenden 5 Euro mehr zustecken? Schließlich hat er doch gezeigt, dass er mit Geld nicht umgehen kann, wäre er sonst in solch einer Situation ...
Die Verursacher veranstalten Massaker, aber statt dass sie in Sack und Asche gehen, erscheinen sie, wenn es überhaupt so weit kommt, gut betucht und in gutes Tuch gehüllt vor Gericht.
Noch sind des Kaisers neue Kleider nicht erkannt. Noch imponiert sein Tuch, und der Umfang des Portemonnaies gilt als Erfolgsnachweis. Doch gibt es auch Erfolge, denen ganz andere Kriterien, Kriterien der Mitmenschlichkeit zum Beispiel zugrunde liegen.
Ein Herz kann mehr, als nur Blut zirkulieren zu lassen
Es scheint so, dass die Kaiser der Moderne ihr Herz nur dazu verwenden, Blut zirkulieren zu lassen.
Es gibt jedoch auch eine Politik, in deren Mittelpunkt der Mensch steht, eine Politik, in der das Herz der wahre Ratgeber für Entscheidungen ist; davon sind wir, gerade wenn es um die weniger Betuchten dieses Landes geht, weit entfernt. Die letzte Diätenerhöhung unserer Parlamentarier lag, wenn ich mich recht erinnere, über dem Hartz-IV-Regelsatz. – So einfach ist das.Stattdessen wird über Hartz-IV-Menschen Kübel von Hass und Häme und Gülle geleert.
Welche menschenverachtenden Kommentare habe ich gelesen: Da werden Kochkurse vorgeschlagen, damit Arme intelligentes Kochen lernen, da werden Geringverdienende gegen Hartz-IV-Empfänger ausgespielt, da wird von Pack geredet, das heuchlerisch noch in Anführungszeichen gesetzt wird, da wird über alleinerziehende Frauen mit 4 Kindern hergezogen, als ob Kinder im Reagenzglas gezeugt würden; immer noch gehört in den allermeisten Fällen ein Mann dazu; da aber Frauen meistens die Kinder erziehen, sind sie natürlich auch schuld.
Kinder machen in dieser Republik nicht nur arm, sie sind auch ein Armutszeugnis.
Wer 4 Kinder hat und alleinerziehend ist, ist zu dumm zum Verhüten und unmoralisch. – Und was besonders erschütternd ist: Man liest solchermaßen Geäußertes auch mittlerweile von Frauen. Die Lustpartys von Managern dagegen sind köstlich. Einfach geil, diese Kombi von Sekt und Sex und Geld. Das muss man erst mal hinkriegen. Zudem treiben sie´s ja auch mit Frauen, die nicht so dumm sind, Kinder zu kriegen.
Gefälligkeitspolitik oder Politik für unsere Sinne
Ich glaube ein Aufwachen zu spüren. Zu offensichtlich ist die Atompolitik der Regierung eine Politik und ein Geschäft gewesen, das die Profitmaximierung von Konzernen im Blick hatte, auch wenn die armen alibilike zur Kasse gebeten werden.
Wieder trennt diese Politik die Republik. Denn zunehmend sind weniger Menschen bereit, unseren Kindern eine im Grunde unbezahlbare Hypothek an Schulden zu hinterlassen und dazuhin nun auch noch eine immer stärker strahlende Zukunft, eine schwarz strahlende Zukunft.
Manche Politiker fordern angesichts von Stuttgart 21 auf, sich zu keiner Gefälligkeitspolitik hinreißen zu lassen. Sie sind zu unsensibel zu erkennen, dass es ausgerechnet bei dem Aufstand der Schwaben nicht allein um eine neue Verkehrskonzeption geht, für die immerhin auch einiges spricht, zumal eigentlich lange genug Zeit war, gegen sie zu opponieren; dass dieses Opponieren, das Bürgerbegehren, mit legalen Mitteln in die Flucht geschlagen wurde, ist eine andere Sache, die sich für die Politik jetzt bitter rächt. Angesichts der gefallenen Nordseite eines Kulturdenkmals, das doch einst von ganz besonderer Bedeutung gewesen sein soll, angesichts des Fallens von wertvollen Platanen spüren viele brave Bürger auf einmal, dass hier genau etwas vonstatten geht, was symbolisch für diese Republik steht: Das citius - altius - fortius gilt um jeden Preis. Aber Menschen wollen nicht mehr nur unbedingt schneller ankommen, so dass ihnen Hören und Sehen vergeht.
Sie wollen kein Frachtgut sein, sondern lieber leben und hören und sehen, mit ihren Sinnen leben.
Das aber begreifen Menschen nicht, die durch ihren persönlichen Klingelbeutel gesteuert werden. Die Ablass-Losung ist moderner denn je:Wenn das Geld im Kasten klingt, die Seele aus dem Fegfeuer in den Himmel springt.
Der moderne Ablasshandel ist ein Geschäft und eine Politik ohne Sinne. Damit wird für viele Menschen immer offensichtlicher: Sie geht am Menschen vorbei, ist sinnen-los, sinnlos.
Liebe als Maßstab
Manchen dämmert, dass diese Art der Politik Menschen trennt und krank macht. Und dass eines ihrer Kennzeichen ist, dass die Energie, die dem normalen Menschen fehlt, vor allem in Richtung aufgeblähter Gesäßtaschen fließt!
Wir alle wissen, dass es Liebe ist, die heilt. Und ich persönlich glaube, dass es unter einfachen Menschen mehr Liebe gibt, als unter denen, die das Goldene Kalb bannt. Sie kommen genau deshalb nicht durch das berühmte Nadelör.
Wir haben als Gesellschaft vergessen - vielleicht auch in notwendigem Maße noch nie gewusst -, dass es einen Maßstab gibt, der eine Gesellschaft wirklich leben lässt, heiler als bisher.
Liebe ist für viele Menschen mit Schwäche verbunden, mit Gekreuzigtwerden.
Liebe ist machtvoll
Doch für mich ist Liebe machtvoll. Sie verlangt Klarheit, Weisheit, Stärke. Die beweist ein liebender Vater, wenn er sein Kind abends ins Bett schickt, obwohl es trampelt und schreit, weil es noch aufbleiben möchte. Doch nimmt der Vater seine Aufgabe als Erwachsener in Liebe und mit Nachdruck ernst; er weiß, dass sein Kind dennoch glücklich einschläft - gerade wegen seiner Konsequenz. Ein Politiker, der aus dieser Liebe heraus handelt, wird immer durchsetzen, dass Menschen, die in ein Land kommen, dessen Sprache lernen, weil er weiß, dass es ohne Gespräch und gedanklichen Austausch auf Dauer kein Miteinander geben kann. So wird er ein Lernprogramm und eine Erfolgskontrolle durchsetzen, aus Liebe zu seinem Land und seinen Menschen.
Für ihn ist Geld wertvoll, aber Menschen sind wertvoller, ihr Leben und sie sind einmalig und unersetzlich.