Politik und Gesellschaft, Idee und Wirklichkeit, Ethik und Religion, Spiritualität und Mythologie, Literatur und Kunst: Das sind die Felder, die mich immer wieder zu Beiträgen bewegen.
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Posts mit dem Label Christian Morgenstern werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
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Eine
kleine Auswahl aus den vielen wunderbaren Herbstgedichten, die es in
der deutschen Lyrik gibt:
Im Nebel ruhet noch die Welt,
Noch träumen Wald und Wiesen:
Bald siehst du, wenn der Schleier fällt,
Den blauen Himmel unverstellt,
Herbstkräftig die gedämpfte Welt
In warmem Golde fließen.
23
Jahre war Mörike alt, als er sein „Septembermorgen“ schrieb, das, wie
manches seiner Perlen, ein Kosmos im Kleinen ist. Ungewöhnlich, dass ein
junger Mann so virtuos malen kann. Denn das Gedicht ist weniger ein
Gedicht als vielmehr ein Gemälde. Jede Zeile zaubert ein neues Bild vor
unser Auge.
In
den Tiefen seines Wesens heilen Mörikes Verse, indem sie uns an den
Zyklus des Lebens anschließen, vertrauensvoll anschließen. Dieses
Vertrauen kommt, weil dieses Gedicht nicht schreit, wie so vieles in
unserer Welt, da, wo sie mehr und mehr verkommt. Nein, Mörikes Welt ist
gedämpft. - Weil sie im Herbst so ist und darin besteht ihr Segen. Und
damit kein Zweifel über des Goldes göttliche Herkunft besteht: Es ist
warmes Gold.
Die Welt fließt in warmem Gold.
Wer wirklich zu leben vermag, muss fallen können; daran gemahnen Rilkes so feinfühlig geschriebene Verse:
Die Blätter fallen, fallen wie von weit,
als welkten in den Himmeln ferne Gärten;
sie fallen mit verneinender Gebärde.
Und in den Nächten fällt die schwere Erde
aus allen Sternen in die Einsamkeit.
Wir alle fallen. Diese Hand da fällt.
Und sieh dir andre an: es ist in allen.
Und doch ist Einer, welcher dieses Fallen
unendlich sanft in seinen Händen hält.
Fast
wünschte man, dass Trakls Herbstgedicht „Der Herbst des Einsamen“ mit
der ersten Strophe endet; doch es geht weiter und nimmt den so frühen
Tod dieses Dichters, der im Grunde sein Leben lang drogenabhängig war
und wie kaum ein anderer um seine Seele kämpfte, vorweg:
Der dunkle Herbst kehrt ein voll Frucht und Fülle,
Vergilbter Glanz von schönen Sommertagen.
Ein reines Blau tritt aus verfallner Hülle;
Der Flug der Vögel tönt von alten Sagen.
Gekeltert ist der Wein, die milde Stille
Erfüllt von leiser Antwort dunkler Fragen.
Und hier und dort ein Kreuz auf ödem Hügel;
Im roten Wald verliert sich eine Herde.
Die Wolke wandert übern Weiherspiegel;
Es ruht des Landmanns ruhige Gebärde.
Sehr leise rührt des Abends blauer Flügel
Ein Dach von dürrem Stroh, die schwarze Erde.
Bald nisten Sterne in des Müden Brauen;
In kühle Stuben kehrt ein still Bescheiden,
Und Engel treten leise aus den blauen
Augen der Liebenden, die sanfter leiden.
Es rauscht das Rohr; anfällt ein knöchern Grauen,
Wenn schwarz der Tau tropft von den kahlen Weiden.
Christian
Morgenstern schrieb einige Herbstgedichte. Das folgende spricht vom
Winterwerden, auf das uns der Herbst vorbereiten möchte, und der
Geisteshelle, die an Stelle der Sommerhelle nun die Gelände kärt; im
Herbst beginnt sich die Natur auf geistige Weise zu adeln:
Dieses Gedicht des eigentlich nur als Wortkomödiant und humoriger Schriftsteller bekannten in Tirol 1871 geborenen Dichters will ausgesprochen aufmerksam gelesen werden, sonst entgehen einem die sanften Hinweise der ersten drei Strophen und der große Ernst des zweiten Teils, der manchen, der im Blumenpflücken steckengeblieben ist, wieder auf die Lernspur bringen könnte - und vielleicht erstmals auf die tiefe Demutsspur.
›Ich will aus allem nehmen, was mich nährt, was übereinstimmt mit mir längst Vertrautem; so wird mir manches stille Glück gewährt.
In Eurer Weisheit fand ich manch geheime Bestätigung zu von mir selbst Geschautem und brachte sie zu meiner Art in Reime.
Es gibt so vieles Schöne, Gute, Wahre; wie bin ich dankbar, daß ich Mensch sein darf und immer Neues solcher Art erfahre!‹
Erfahre denn noch dies dazu: entfernt bist du vom Ernst noch. Dein Gewissen warf dir noch nicht vor, daß Weisheit sich nur – lernt.
Mit solchem Blumenpflücken, Kränzchenwinden – was ist getan? sieh dir ins Angesicht und prüfe, ach, solch allzu lau Empfinden.
Du fühlst der Weisheit Weg noch nicht als – Pflicht. Und so: ob von Glühwürmchen oder Sternen dir Licht zufließt – dir ist’s das gleiche Licht.
Dir sind die echten Tiefen, wahren Fernen noch stumm; sie, deren Siegel einzig bricht: ein tiefdemütig lebenslanges – Lernen.
Ausführlicher habe ich das Gedicht hier interpretiert. Auf die dreifache Gefährdung durch Stille und totenstilles "Glück" macht das folgende Video aufmerksam, auf ihre gefährlich einlullende Seite und ihre Venus-Helena-Falle:
In dem folgenden geht es um die Hilfen, die Stille für unsere spirituelle Entwicklung leisten kann, um Schwierigkeiten und Möglichkeiten dieses Weges:
Wer Karfreitag durch die Augen eines Jesus gesehen hat, weiß, dass
dieser Mensch zu Recht ein Überwinder genannt werden kann. Schließlich
war schon Gethsemane für ihn eine harte Prüfung gewesen. Der ein oder
andere wird die Erfahrung, die er machte, auch gemacht haben: in den
schwersten Stunden ist der Mensch ganz allein. Oft hat er sein Schicksal
sich selbst zu verdanken und erkennt das auch. Wie Jonas im Bauch des
Wals, auf der Flucht vor dem Auftrag, nach Ninive zu gehen und den
Menschen dort die Wahrheit zu sagen, landet man, wenn man solchen
Auftrag blockt, in absoluter Finsternis. Für all jene, die das kennen, hat Christian Morgenstern, jener
Dichter, den die meisten nur mit seiner komischen Seite, z.B. seinen Palmström-Gedichten, in Verbindung bringen, einen Rat:
Überwinde! Jede Stunde, die du siegreich überwindest, sei getrost, daß du im Pfunde deines neuen Lebens findest.
Jede Schmach und jede Schande, jeder Schmerz und jedes Leiden wird bei richtigem Verstande deinen Aufstieg mehr entscheiden.
Ohne Erbschuld wirst du funkeln, abermals vor Enkeln rege, ungezähltem Volk im Dunkeln weist ein Sieger Sonnenwege.
Das Gedicht könnte eine Anregung sein, das nächste Ostern bewusster zu erleben. Wer mehr darüber lesen möchte: hier.