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Sonntag, 24. Juli 2011

Dem Glauben Richtung geben

Wie ein Menetekel klingt der Satz, den der 77-fache norwegische Mörder Anders Behring B. am 17. Juli in seinen Twitter-Acount stellte:
 Eine Person mit Glauben hat so viel Kraft wie 100.000, die nur interessiert sind.
 Er zitierte damit den englischen Philosophen Stuart Mill, der wohl nie geglaubt hätte, dass sein Satz einmal als Hintergrund für solch einen grausamen Exzess herhalten muss.
 Der 32-jährige christliche Fundamentalist führt uns damit vor Augen:
 1. All denen, die sich bisher über den Glauben lustig machten, ihn als seelische Realität abstritten oder meinten, er sei eine vernachlässigbare Größe: Hier haben sie den traurigen Beweis, wohin es führen kann, wenn man diese geistig-seelische Macht nicht ernst nimmt.
 2. Das bisweilen bewusst einseitig eingesetzte Schüren von Angst in Bezug auf den islamischen Fundamentalismus hat sich gründlichst relativiert.
 3. Es ist wichtig, dem Glauben eine Richtung zu geben, sonst wird man mitverantwortlich für dessen Missbrauch, denn:
 "Ich glaube an nichts" gibt den Raum frei für diejenigen, die mit ihrer Art von Glauben auf die Weise des Anders Behring B., auf die Weise islamistischer Fundamentalisten oder all derer, deren Seele krank ist, agieren.

Die Hass-"Prediger" der deutschen Wohnzimmer
Wir werden in der Folge wieder Diskussionen über christlichen und islamistischen Fundamentalismus erleben oder über radikales Engagement jedweder Art. Aus diesem Horn werden die diversen Fernsehsender wieder Minuten und Stunden und Sendungen füllen.
Das wird den Blick darauf verstellen, dass es nicht um ein politisches oder religiöses Problem geht, sondern um ein grundsätzlich menschliches: All diese Menschen, die Gewalt ausagieren, auf welcher Ebene auch immer, sind krank, ihre Seele ist krank. 
Und diese Krankheiten der Seele äußern sich in allen Formen der Gewalt. Wir finden sie in den Familien, auf beruflichen Feldern, in der Politik.
Als Gesellschaft kaschieren wir die entscheidenden Gewaltfelder, die die Grundlage für extreme Gewalt sind, indem wir uns umso mehr schockiert zeigen, wenn menschliche Gliedmaßen durch die Luft fliegen, wenn Massaker stattfinden, wenn Kriege geführt werden, wenn Terroristen ihr blindwütiges, tödliches Geschäft ausüben.
Hass und Liebe: Sie streiten um denselben Platz
Man sehe sich nur einmal die Nachmittagssendungen auf RTL oder SAT 1 an, wie da Menschen miteinander umgehen, sich angiften, sich gegenseitig ins Gesicht springen, wie hier Hass bewusst und millionenfach verbreitet wird. Diese Sender sind die medialen Hass-"Prediger", denen niemand das Handwerk legt. Diese Sendungen auf Gossenniveau sehen Hunderttausende von Jugendlichen Tag für Tag. Ein Narr, der annimmt, Hass führe zu Liebe und Frieden, zum GLAUBEN an das Gute im Menschen.
Als Gesellschaft und als Einzelpersonen weisen wir mit dem Zeigefinger auf die anderen, doch die anderen Finger weisen eben auf uns selbst.
Geflissentlich übersehen wir, wie viel Gewalt in den Formen menschlicher Sexualität steckt, wie sie über die Bildschirme flimmert und tagtäglich praktiziert wird, wie viel Gewalt in der Erziehung vorkommt.
Hat nicht Astrid Lindgren schon 1978 in ihrer Rede anlässlich der Verleihung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels ein tief eindrückliches Beispiel vorgetragen!
Gewalt wird genau da produziert, wo Liebe sich regt und aktiv sein will: im Herzen.
In unseren Herzen beginnt der Wandel, 
er beginnt immer dann, wenn es uns gelingt, einen Akt der Gewalt gegen eine Tat der Liebe auszutauschen, eine liebevolle Handlung der Gewalt vorzuziehen.
Immer dann siegt die Menschlichkeit. Immer dann verändert sich die Welt.
Im Kleinen beginnt sie, und das so genannte Kleine ist doch so wichtig, so groß.
Glauben ist eine Körpererfahrung.
Ja, erst wenn wir das begreifen, wenn wir begreifen, wie eng der Zusammenhang zwischen körperlicher und seelischer Erfahrung ist und wenn wir annehmen können, dass sie so unendlich früh schon in unserem Leben beginnt - eben auch als körperliche Erfahrung, dann fangen wir wieder an, bewusst zu glauben.
Glauben ist eine ureigene menschliche Erfahrung und nur wer sie in seinen ersten Tagen auf der Erde macht, kann wirklich glauben.
Wer sie nicht gemacht hat, für den ist diese Fähigkeit, glauben zu können, nicht verloren. Er muss sie bewusst nacharbeiten. Um so bewusster wird sie ihm dann zuteil. 
Zuerst aber steht die bittere Erkenntnis, die viele Menschen sich nicht eingestehen: Ich kann nicht glauben.
Wie eng dieses Glauben-Können mit unserem Kindsein verankert ist und wie wunderschön es ist, glauben zu können, machen die Worte Alexander Lowens, des Begründers der Bioenergetik, deutlich, die ich in seinem Buch Depression. Unsere Zeitkrankheit. Ursachen und Wege der Heilung gefunden und seitdem nie wieder vergessen habe; sie können unserem Glauben eine Richtung geben:


"Starke Menschen haben einen Glauben
und Leute, die einen Glauben haben, sind stark. Man kann beides nicht voneinander trennen, denn eins spiegelt das andere. Der Glaube eines Menschen ist ein Ausdruck seiner ihm als Lebewesen innewohnenden Vitalität, genau wie seine Vitalität ein Maßstab für sein Vertrauen zum Leben ist. Beide sind von der Wirksamkeit biologischer Vorgänge im Organismus abhängig.  [...]

Wenn man einen Glauben hat, kann man Vertrauen in die Zukunft setzen, selbst wenn sie im Augenblick nicht zu verheißen scheint, dass die Bestrebungen, Hoffnungen oder Träume, die man hegt, je Wirklichkeit werden. Aber nicht die Bindung an eine persönliche Zukunft ist wesentlich für den Glauben. Die Geschichte ist überreich an Beispielen von Leuten, die ihre individuelle Zukunft um ihres Glaubens willen geopfert haben. Viele sind lieber gestorben, als ihren Glauben aufzugeben. Das kann nur heißen, dass für sie ein Leben ohne Glauben sich nicht lohnte. [...]

Wenn wir einen Glauben haben, ist uns das Leben allgemein kostbar. Wegen dieser Ehrfurcht vor dem Leben geben wir uns die größte Mühe, ein einzelnes Leben zu retten, womit auch das Leben eines Tieres gemeint sein kann. Wenn wir das Gefühl dafür verlieren, dass jedes Leben kostbar ist, geben wir unsere Menschlichkeit auf, was unweigerlich zur Folge hat, dass unser eigenes Leben leer und sinnlos wird [...]

Nun kann man zwar Glaubensunterschiede als Rechtfertigung und Rationalisierung für Kriege und Eroberungen gebrauchen, aber ich glaube nicht, dass sie der wahre Beweggrund sind. Dieser ist im Kampf um die Macht zu suchen. [...]

Menschen, die der Macht vertrauen, scheinen nie genug zu haben, um sich vollständige Sicherheit zu verschaffen. Das liegt daran, dass es vollständige Sicherheit nicht gibt. Und unsere Macht über die Natur oder über unseren eigenen Körper ist eng begrenzt. Hitler wollte die Welt durch seine Macht beherrschen und ein Drittes Reich schaffen, das tausend Jahre dauern sollte. Sein Traum fiel in zwölf Jahren in Schutt und Asche. Der Glaube, Macht garantiere Sicherheit, ist eine Illusion, die den wahren Glauben an das Leben untergräbt und unweigerlich zur Zerstörung führt [...] Sie scheint zwar ein gewisses Maß an äußerer Sicherheit zu bieten, aber sie schafft auch einen Zustand der Unsicherheit, sowohl im Inneren des Individuums als auch in seinen Beziehungen zu anderen [...]

Egoismus und Glaube sind einander diametral entgegengesetzt. Einem Egoisten geht es nur um seine Vorstellung; einem Mann des Glaubens geht es ums Leben [...]

Man kann nur wenige Menschen als totale Egoisten bezeichnen, aber in unserer Gesellschaft sind mehr Menschen auf der Seite des Ichs zu finden als auf der Seite des Glaubens. Unsere Kultur, unsere Erziehung und unsere gesellschaftlichen Einrichtungen begünstigen die Ich-Position. Der größte Teil der Werbung arbeitet mit Appellen an das Ich. Die Schulbildung fördert die Ich-Position durch ihre starke (und nach meiner Ansicht übertriebene) Betonung des abstrakten Denkens. Das abstrakte Denken trennt meistens das Individuum von seiner Umwelt, sowohl der menschlichen als auch der naturgegebenen. Es hat natürlich dem Menschen die unermessliche Macht gegeben, die er besitzt, aber das ist auf Kosten seines Glaubens geschehen [...]

Wir glauben anscheinend fest an die Macht der Schulerziehung. Aber sie ist nicht darauf ausgerichtet, das Herz des Menschen zu erreichen. Sie will den Geist unterrichten; sie kann daher Ansichten verändern, ohne den Glauben im geringsten zu beeinflussen [...]

Ich bin sicher, wir alle haben schon gesehen und sind beeindruckt gewesen davon, wie weit der Jungvogel Schnabel und Körper aufmacht, um das von der Mutter Angebotene zu empfangen.

Ein Säugling öffnet sich und sucht in der gleichen Weise nach der Brust, um sie zu empfangen. Es ist nicht nur der Mund, der sich öffnet, sondern die Kehle und der Körper, nicht nur die Lippen und Hände greifen aus, sondern das ganze Sein des Kindes. Das Sich-Öffnen und das Ausgreifen beginnt als eine Welle der Erregung im Mittelpunkt des Körpers, die aufwärts durch die Brust und hinaus durch die Arme, die Kehle, den Mund und die Augen strömt. Das begleitende Gefühl kann man beschreiben als ein Ausgreifen vom Herzen aus oder ein Sich-Öffnen, das bis ins Herz hineinreicht und das Herz einbezieht. Der Säugling öffnet sich und greift mit Liebe aus und kann die Liebe in sich hineinnehmen, die ihm angeboten wird.

Das Öffnen der Persönlichkeit bedeutet ein Öffnen des Herzens eines Menschen, so dass er fähig ist, Liebe auszudrücken und zu empfangen. Dies ist keine Metapher, sondern eine physische Reaktion. Ein Herz ist offen, wenn das Gefühl oder die Erregung im Herzen frei in die Arme oder durch die Kehle und in den Mund und die Lippen oder aufwärts und in die Augen strömen kann. Genau wie Impulse auf diesen Wegen nach außen strömen, so strömen Eindrücke auf ihnen nach innen. Ein offener Mensch spürt die Zuneigung, die andere für ihn empfinden, in seinem Herzen. Das Gefühl strömt vom Herzen aufwärts und abwärts im Körper [...]

Wenn wir von jemand sagen, er habe ein verschlossenes Herz, meinen wir, man könne an sein Herz nicht herankommen. Sollte das Herz sich jemals verschließen, würde der Mensch sterben. Man kann jedoch die Wege zum Herzen von oben wie von unten her verengen und beschränken. Und man kann durch Muskelverspannungen, die die Brust starr und unbeweglich machen, den Brustkorb in ein Gefängnis verwandeln. Die starre, geblähte Brust sagt in der Körpersprache: „Ich will dich nicht nah an mein Herz heranlassen.“ [...]

Wer nicht in Kontakt mit seinem Körper ist, weiß nicht, dass er verschlossen ist. Er spricht von Liebe, er macht sogar einige Liebesgesten, aber da er nicht mit dem Herzen bei seinen Worten oder Taten ist, können sie nicht überzeugen. Er weiß, wie wichtig Liebe ist, daher versucht er, auf indirektem Weg die Liebe zu bekommen, die er braucht. Er wird versuchen, anderen zu helfen, ohne zu erkennen, dass er seine eigenen Bedürfnisse auf sie projiziert. Da er auch sich selber verschlossen ist, verlegt er sein Problem in die Außenwelt, außerhalb seiner selbst [. . .] Da er verschlossen ist, berührt es ihn nicht, wie andere auf ihn reagieren; dadurch wird er nie das Gefühl los, die anderen täten nie genug [...]

Wenn jemand mit seinem Körper in Fühlung kommt, eröffnet sich ihm eine neue Art, sich selber zu verstehen, die sich allmählich in Selbstannahme verwandelt. [...]"



Freitag, 22. Juli 2011

Manchmal sind Menschen wunderschön - Erfahrungen mit Markus Zusaks "Der Joker"

Mein Deutschkurs hat mich dazu verdonnert, diesen 443-Seiten-Wälzer zu lesen. Ich hatte ein deutlich weniger umfangreiches Buch vorgeschlagen, Jan-Philipp Sendkers Das Herzenhören, wie ich finde, eine tolle Liebesgeschichte, in den Bergen Birmas spielend, war aber schlicht und ergreifend überstimmt worden.
Nun sitze ich in der Patsche, genauer gesagt: am Schreibtisch, und lese und lese.
Und bin mittlerweile ohne Einschränkung dankbar, dass ich zu diesem Buch verdonnert worden bin. Eigentlich bin ich ja ohnehin nach der Lektüre von Zusaks Die Bücherdiebin - die war noch schlimmer, sie hatte 586 Seiten, und auch hier war ich (von den Vorgängern meines derzeitigen Kurses) zur Lektüre überstimmt worden - ein Fan dieses australischen Autors; eigentlich habe ich durch ihn wieder zum Glauben an die zeitgenössische Literatur zurückgefunden.
Man merkt in Der Joker, dass Zusak noch übt. So stilsicher wie in der Bücherdiebin ist er noch nicht. Genial sind ja dort, aber auch schon hier, seine ständigen Personalisierungen - da schwirren die Farben durch Augen, ein Magen zappelt in Ed herum, dessen Atem bricht zusammen oder ein Lachen stolpert von seinen Lippen, die Haare einer Frau winken ihm zu oder Ereignisse stehen am Straßenrand; nur hier kommen sie noch nicht so selbstverständlich und gekonnt rüber wie im Nachfolgewerk, eben der Bücherdiebin
Und dieser Mann, Markus Zusak, hat eine Fülle von Einfällen, eine Bandbreite von Wahlmöglichkeiten, wie sich Geschehen entwickelt, wie ich sie nur bisher bei Goethe und Michael Ende erlebt habe. An jeder Ecke gibt es eine neue Überraschung; nichts verläuft in gewohnten Bahnen, eigentlich ein Entwicklungsroman modernster Prägung, denn vor den Augen des Lesers entwickelt sich ein Mensch vom Mauerblümchen zur Ed-Kennedy-Blume, so der Name des Progatonisten. 
Es gibt Szenen in diesem Buch, in dem jener Ed in einen Banküberfall hineingezogen wird und den Täter stellt, um dann kuze Zeit später von einem Unbekannten Spielkarten zu erhalten, die jeweils Aufgaben enthalten und sein Leben vollkommen verändern - Szenen also gibt es in diesem Buch, die so umwerfend komisch, rührend, berührend, voll von Leben und Menschlichkeit sind, dass man einfach dasitzt und wie in einem Film alles miterlebt.
Ich denke nur an jene Kapitel, in denen Ed auf einen Priester trifft und noch nicht weiß, welche Aufgabe ihm hier zukommt: bis es ihm dämmert, dass er ihm die Kirche zu füllen hat. 
Wie er das zustandebringt, das ist einfach urkomisch und genial zugleich. Und wie glücklich die Gottesdienstteilnehmer sind, der Priester und Ed selbst (meine Güte, wie voller Leben ein Gottesdienst sein kann) ...
Oder wie er seine Aufgaben in der Havanna Road Nummer 114 löst, in der eine polynesische Familie, Lua Lua Tatupu mit seiner Marie und ihren fünf Kindern, unter ärmsten Verhältnissen wohnt - ich werde an anderer Stelle darüber schreiben und es hier verlinken -, das ist einfach zu Herzen gehend. 
Gegen Ende dieser Sequenz finden wir im Kapitel "Pik 6 - Ein Moment der Schönheit" folgende Sätze:


Während die Kinder unter dem Nachthimmel um die Veranda und die bunten Lichter herumtanzen, sehe ich etwas.
Lua und Marie halten sich an den Händen.
Sie sehen so glücklich aus, im Innern dieses einen Moments, während sie ihre Kinder betrachten und die Lampen an ihrem alten Haus.
Lua küsst sie.
Ganz sanft auf die Lippen.
Und sie erwidert den Kuss.
Manchmal sind Menschen wunderschön.
Nicht durch ihr Äußeres.
Nicht durch das, was sie sagen.
Nur durch das, was sie sind.


Da möchte man fast nur noch Amen sagen.


Ein weiterer Post zum Buch:
Mama, warum hasst Du mich so sehr?
Über die schwarze Seite der dunklen  Mutter. – 
Fast eine Familienaufstellung in Markus Zusaks Der Joker

Samstag, 18. Juni 2011

"... und ist doch rund und schön" - Von Matthias Claudius lernen.

Es gibt Dichter, die haben mit wenigen Sätzen Wahrheiten gesagt, die eine ganze Philosophie enthalten. In Matthias Claudius´ Abendlied finden sich mindestens zwei Weisheiten, über die andere ganze Bücher geschrieben haben. Matthias Claudius genügte jeweils eine Strophe.

Bevor ich zumindest zu einer der beiden komme, möchte ich darauf hinweisen, wie bedeutsam diese unsere abendländischen Werte enthaltenden Weisheiten für unsere tagtägliche Realität sind - besser gesagt: sein könnten!

Denn eins ist sicher: Über Werte brauchen wir nicht reden, wenn sie in der Realität - und in unserem Land ist das zunehmend der Fall - keine Rolle spielen. Wenn wir sie nicht anwenden, verkommen sie: use it or lose it.

Einer dieser Leitsätze, ein wert-voller ist:

Wer nicht im Geringsten treu ist, ist auch nicht im Großen treu.

Das wissen wir alle, wir nicken zu dieser Wertaussage, dieser Weisheit. Sie erstreckt sich bis in Sprichwörter hinein, wie jenem: „Wer den Pfennig nicht ehrt, ist des Talers nicht wert.“

Wenn eine Regierung es wagt, sich mit gefälschten Daten Zugang zu den Töpfen einer Gemeinschaft zu ergaunern, dann kann da - so hätten es meine Eltern formuliert - kein Segen darauf sein. Das wissen wir alle. Wie im Kleinen, so im Großen. Der Teil steht fürs Ganze.

Und dennoch haben unsere Politiker diese Einsicht, dieses Wissen sträflich vernachlässigt. Das ist Fakt. – Use it or lose it. Das gilt für unsere Werte.

Leider sind nicht die, die Werte nicht berücksichtigen, die Loser, sondern der Bürger, dessen Steuern im Schlund der Charybde verschwinden. - So weit zur griechischen Mythologie und der Tatsache, dass leider viele, die unser Handeln bestimmen, nichts mehr aus der Ilias und den Prüfiungen des Odysseus lernen wollen. So fallen sie Scylla oder Charybde zum Opfer oder landen im Schweinestall Circes. Wenn die verbindliche Verkehrssprache das Grunzen ist, fällt das auch nicht mehr auf. Jüngstes Beispiel der hohen Kunst des Grunzens ist die Pressekonferenz von Merkel und Sarkozy.

Nun finanziert Europa - es war vorauszusehen - weiterhin ein korrumpiertes Wirtschaftsystem. Wir zahlen zudem mit an griechische Tote, die noch Rente erhalten (ich habe bis dato nicht gelesen, dass in Griechenland ernsthafte Anstrengungen unternommen werden, dies abzustellen; ein Teil deutscher Gelder wird wohl auch an diese Toten gehen).

Das Chaos, in dem wir uns finanziell und wirtschaftlich - im Übrigen, was aufzuzeigen sein wird, nicht nur finanziell und wirtschaftlich - befinden, war absehbar.

Wo der Brandherd wirklich liegt

( . . . )

zum Weiterlesen:
hier

Dienstag, 14. Juni 2011

auf dem wehenden Banner Phantasiens gesehen



An Pfingsten am Fuße meiner Linde gesessen
und ihr liebes Geheimnis genossen
denn es sind zwei
untrennbar miteinander verwachsen
Wie alle meine Lieblingsbäume hat sie einen Namen
ich nenne sie Born
Über mir das hundertfältige Summen der Bienen
ein fruchtbringendes Treiben bis in den späten Abend
und dann der nahende Vollmond vor meinen Augen
mit seinem Hof den er nur selten zeigt
Wolke um Wolke wandelt er dahin
wie die Tage des Lebens die nachts
uns fragen wie fruchtbringend der Tag war
Ich denke an die Bienen 
und an unsere Lebens-Linde in der auch wir arbeiten
um wiederzukehren für einen neuen Sommer
für einen neuen Lebensring
bis wir selbst Linde sind
und lind und sanft und tausendfach 
summen und duften und blühen


Donnerstag, 9. Juni 2011

Für eine Renaissance des Heiligen. – Gedanken zu Pfingsten

Längst ist die Säkularisierung unserer Gesellschaft in eine Profanisierung unseres Lebens übergegangen.Mit Bedauern nehmen wir zur Kenntnis, dass immer mehr Menschen nichts mehr heilig ist.Ja, wir sagen von jemandem, "ihm ist nichts mehr heilig" und meinen, dass jemand keine inneren Maßstäbe mehr, kein moralisches, ethisches Gerüst mehr habe. Und wir spüren, dass Leben in unserer Gesellschaft an eine Grenze stößt, wenn wir Geister rufen, die außer Kontrolle geraten, wenn wir immer mehr nur Exzesse verwalten und Börsenkurse zum Parameter unseres Wohlbefinden werden.

Säkularisierung: Ursprünglich meinte dieser Begriff die Loslösung des Einzelnen und der Gesellschaft aus den Bindungen der Kirche; heute stellen wir fest, dass dieser Begriff sich vor allem auf die Lösung vieler Einzelner aus einer inneren Beziehung zum Religiösen bezieht.

"anima naturaliter religiosa".

C.G. Jungs Aussage auf dem Hintergrund seiner empirischen Forschungen, dass jede menschliche Seele religiöse, ganzheitliche Symbole hervorbringe, und Tertullians "anima naturaliter christiana" sind längst den oft ätzenden Wortkaskaden einer Minderheit gewichen, die mit ihrer areligiösen Lebenseinstellung den Eindruck hervorzurufen weiß, sie repräsentiere die Mehrheit. Dies gelingt zunehend, weil es viele Laue gibt, die ihre Segel denen überlassen, die viel Wind machen.

Die Folgen im Umgang der Menschen untereinander sind unübersehbar. Klar gibt es Werte, die ja meist auch christliche Werte sind, aber es gibt immer weniger Menschen, die sie vertreten und Sorge tragen, dass sie sich in Lehrplänen, in dem, was Medien senden, und in öffentlichen Verhaltenscodices niederschlagen. Groß jedoch ist das Geschrei, wenn niemand einem Bedrängten auf der Straße hilft, der zusammengeschlagen wird. Immer wieder in letzter Zeit und mehr und mehr wird die Ehrfurcht vor dem Leben, die Albert Schweitzer noch so wichtig war, in Form eines auf dem Boden liegenden Menschen zusammengetreten. Kein Wilhelm Tell erscheint mehr, der mutig eingreift und einem Baumgarten, der von den Häschern des kaiserlichen Vogtes verfolgt wird, über den tobenden See hilft. Wir schaffen die klassische Lektüre aus Zeitgründen im Rahmen des G8 zwangsweise ab, wir schaffen unsere Werte systematisch ab; Schule muss Drogenprävention betreiben, muss Aids-Vorsorge beginnen, muss Kurse in Sachen Gewaltprävention anbieten; Schüler müssen lernen, Portfolios zu führen, sie müssen lernen, Präsentationen zu gestalten. Ob der Inhalt hohl ist, aus Wikipedia abgekupfert, ob Schüler verstehen, was sie sagen - was spielt das für eine Rolle. Hauptsache multimedial präsentiert und die Bescheinigung im Portfolio abgeheftet.

Früher präsentierte man das Gewehr. Heute Hohlheit.
Das alles geschieht auf einer säkularen Grundlage, die Werte in Präambeln verkommen lässt.

Kürzlich las ich in dem Schüleraufsatz eines 15-Jährigen, den dieser zum Thema ´Alkoholkonsum von Jugendlichen´ schrieb, in seinem Alter würden "es" ja viele das erste Mal, und oft in betrunkenem Zustand. Das mag eine Übertreibung gewesen sein, es zeigt aber dennoch eine Richtung an, über die sich niemand mehr wundert. Jugendliche erleben intensive Sexualität das erste Mal im Suff oder nüchtern, spielt das eine Rolle? Wer in unserer aufgeklärten Gesellschaft klärt Kinder über die Bedeutung des Heiligen auf, das jeder wahren Liebe innewohnt? Wie viele Erwachsene könnten davon überhaupt noch überzeugend sprechen oder wissen, wovon sie sprechen könnten, wenn sie wollten?

Wie archaisch muten die Worte eines Christian Friedrich Hebbel (1813-1863) an:

Das Heiligste


Wenn zwei sich ineinander still versenken,
Nicht durch ein schnödes Feuer aufgewiegelt,
Nein, keusch in Liebe, die die Unschuld spiegelt,
Und schamhaft zitternd, während sie sich tränken;

Dann müssen beide Welten sich verschränken,
Dann wird die Tiefe der Natur entriegelt,
Und aus dem Schöpfungsborn, im Ich entsiegelt,
Springt eine Welle, die die Sterne lenken.

Was in dem Geist des Mannes, ungestaltet,
Und in der Brust des Weibes, kaum empfunden,
Als Schönstes dämmerte, das muß sich mischen;

Gott aber tut, die eben sich entfaltet,
Die lichten Bilder seiner jüngsten Stunden
Hinzu, die unverkörperten und frischen.

Oder sind sie es doch nicht, sind diese Worte doch nicht archaisch, überholt? Haben mehr Menschen noch die Hoffnung nicht aufgegeben, dass Liebe, auch körperliche Liebe, wieder als etwas Heiliges entdeckt werden könnte?
Allerdings müsste sich ein Bundespräsident, eine Bundeskanzlerin, müssten sich Kultusminister und Eltern und Lehrer finden, die die leider zu einem genitalen Akt verkommene Sexualität in ein Licht rücken, das der Liebe ihren Wert zurückgibt, die die Bibel im Übrigen auf wunderbare Weise im Hohelied Salomos in der Liebe, gerade auch der körperlichen Liebe zwischen Salomo und Sulamith thematisiert.

Heilig, dieses Wort hängt etymologisch mit heil zusammen, was ganz bedeutet.

Heilig, dieses Wort erinnert daran, dass es in uns etwas gibt, das ganzheitlich, unzerstörbar in uns ruht.

Diese Weisheit verbirgt sich im Märchen von Schneewittchen. Es weist uns darauf hin, dass es etwas in uns gibt, das für jeden, der es sehen will, nicht von ungefähr in einem gläsernen Sarg ruht. Es ist die reine Seele eines jeden Menschen, die zwar im Sarg liegt, aber Gott sei Dank nicht sterben kann, weil sie von sieben Kräften vor dem endgültigen Seelentod bewahrt wird und auf ihre Auferstehung wartet. Solange diese Seele in uns schläft, solange leben wir mit und glauben an die Parameter, die unsere Nachrichten bestimmen und bauen unsere Türme a la Babel.
Das wahre Leben jedoch schläft. Wie Dornröschen in seinem Schloss.
Es muss eine Kraft kommen - im Märchen ist es ein Prinz, in der Bibel wird sie Bräutigam genannt - die diesem toten Leben wirkliches Leben gibt.

Wir haben die Wahl zwischen Babel und Pfingsten

Nicht ein einziges Geschehen in der Bibel ist einmalig; alles ist seelisch real und damit symbolisch. Wenn wir das verstehen, geht uns ein Licht auf, wie es zu Beginn der Bibel aufgeht.

Immer, wenn ein heiliger Gedanke in die Wirklichkeit tritt, flammt dieses Licht der Schöpfung auf; dieses Licht ist Bewusstsein.

Wir wissen um den Verlust des Paradieses, der einen gewaltigen Bewusstseinswandel thematisiert und sich in vielen Mythen findet; wir wissen, dass die Menschen einen Turm bauen wollten, der bis zum Himmel reichen sollte. Dieser Turmbau zu Babel ist in der Geschichte menschlichen Bewussteins untergegangen, heutige Jugendliche wissen von ihm in der Regel nichts mehr - Platon berichtet übrigens in seinem Gastmahl von einem vergleichbaren Geschehen, sich auf Homer berufend, der erzählt, dass Otos und Perialtes den Himmel stürmen wollten; Zeus setzte diesem Treiben ein Ende, indem er den Menschen in zwei Hälften teilte, unter anderem in Mann und Frau.

Dieser Turm zu Babel wird seitdem tagtäglich immer wieder aufs Neue gebaut.

Infolge des biblischen Geschehens wurden die Menschen nicht geteilt, aber sie verloren ihre gemeinsame Sprache, die ihnen bisher eigen war; die Folge war, dass sie sich nicht mehr verständigen konnten und diesen Turm, mit dem sie gottgleich werden wollten, nicht mehr weiterbauen konnten.

Wenn Menschen das Heilige verehren, verstehen sie sich, sie sprechen eine Sprache ungeachtet vieler äußerer Sprachen; sie werden im Physischen Häuser bauen, auch Hochhäuser aber immer werden sie sich ihres inneren Tempels bewusst sein.

Sie werden keinen Himmel stürmen wollen müssen, denn er ist in ihnen und ist heilig.

Im Altertum und in vergangenen Kulturen war dieser Tempel auch im Äußeren präsent als Hinweis, dass man sich des Heiligen bewusst war. Er kam in vielen Formen vor: Bei Wettspielen der Griechen, waren sie sportlicher Art oder Theaterwettkämpfe, stand im Rund oder Halbrund ein Altar, im römischen Haus gab es einen Ort, der den Penaten, den Göttern des Hauses geweiht war; in fast jedem indianischen Zelt gab es diesen heiligen Ort, ja, manche mögen in ihrer Wohnung einen Ort haben, der ihnen heilig ist, wo Liebstes steht oder aufbewahrt ist.

Dieser Ort ist auch in uns.

Wer ihn nicht hat, lebt nicht wirklich. Er ist heillos.

Der Sinn unseres Lebens besteht darin, diesen Ort in uns zu finden. Wenn wir ihn finden, haben wir unsere Heimat gefunden - an jedem Ort der Erde. Die wahre Heimat ist dieser heilige Ort in uns. Hier sind wir in unserer ureigenen Zeit.

An Pfingsten nun geschieht etwas, was einem Wunder gleichkommt, weil es Wunderbares offenbart: Die Jünger, vom heiligen Geist erfüllt, können in allen Sprachen sprechen. Für das, was sie sagen möchten, gibt es keine Barrieren. Dieser Geist war schon immer und ist barrierefrei.

Mit diesem heiligen Geist ist die Energie Babels zunichte

Pfingsten findet immer dann statt, wo auf der Ebene des Heiligen Menschen miteinander sprechen ; was sie sagen möchten im Sinne dieses Geistes, wird von allen, die es verstehen möchten, verstanden.

Pfingsten ist Sprache, die wir heilig nennen. Sie bewirkt dieses Ineinander-Versenken von Gott und Mensch, Mann und Frau, Bruder und Schwester.

In diesem Geist finden Menschen als Menschen zueinander.

Sie sprechen eine Sprache.

Diese Sprache, dieses weltweite Bewusstsein, verbinde ich mit PFINGSTEN.


Sonntag, 5. Juni 2011

Paracelsus: Hab Acht auf deine Ratgeber, deinen inwendigen Garten!

Der Leib ist das Haus der Seele, die Seele ist jedoch das Haus der guten und der bösen Geister, die im Menschen wohnen. Ein Beispiel: Es sitzt ein König mitten in seinem Rate und hat viele Ratgeber; die einen sind gut, die anderen böse. So wird ihm Gutes und auch Böses geraten. Diese Ratgeber sind aber gleichsam in ihm selber, sie sind von seinem eigenen Geist. Und so steht die Wahl bei ihm, ob er tun will, was der eine oder was der andere ihm rät. Bei ihm liegt die Freiheit zu folgen, wem er will. So ist auch der Geist, der über der Seele steht, wie ein König im Menschen, mitten im Rat der natürlichen Ordnung, nach welchen der Mensch handeln soll.

Das Zentrum aller Dinge ist der Mensch, er ist der Mittelpunkt von Himmel und Erde.

Hab Acht auf deinen inwendigen Garten (...) und höre auf dich selbst, damit du auch das zu lernen vermagst, was dich niemand lehren kann und worüber sich ein jeglicher verwundern muss.


zitiert nach "Von den Geheimnissen der Natur", München 1990

Mehr zu Paracelsus: hier und hier

Samstag, 28. Mai 2011

Vatergefühle für den himmlischen Vater, Muttergefühle für die himmlische Mutter

Es ist etwas Besonderes, Heimatgefühle für unser eigentliches Zuhause zu entwickeln. Selten sind sie einfach so da; ich glaube in der Tat, sie müssen sich in uns entwickeln. Und irgendwann kommt der Zeitpunkt, wo wir in uns fahnden, um zu fühlen, wie sich der innere Vater anfühlt, die innere Mutter, wie unsere wahre Heimat sich anfühlt. Es ist etwas Besonderes, diesen Gefühlen auf der Spur zu sein. 
In den Tiefen unserer Seele sind all die angesprochenen Gefühle freilich vorhanden und manche Dichter haben ein Bewusstsein von ihnen, zum Beispiel Hugo von Hofmannsthal in seinem Gedicht Weltgeheimnis mit Hilfe des Bildes vom Brunnen. Doch darf das Wasser des Brunnens nicht versiegt sein, das Wasser des Lebens, das dieses Gefühl, zu Hause zu sein, tränkt.
Was füllt diesen Brunnen mit Wasser?
Hoffnung und Glaube.
Deshalb nennt Paulus in seinem Brief an die Korinther Hoffnung und Glaube in einem Atemzug mit der Liebe. Die Trinität steht nicht auf einem Bein; auch die Liebe bedarf der Hoffnung und des Glaubens. Ohne diese beiden gibt es keine Liebe.
Manche Seele irrt herum und sucht diesen Brunnen, von dem Hofmannsthal schreibt, IHREN Brunnen, manche weiß nicht einmal um seine Existenz.
Deshalb ist es so wichtig, dass wir Kindern Märchen vorlesen. Vorlesen, keinen Video zeigen, denn nur das Vorlesen lässt des Kindes EIGENE Bilder sich freisetzen, und Bilder, die in ihr angeklungen sind, versiegen ein Leben lang in der Seele nicht mehr.
In den Märchen ist es diese magische Formel des
Es war einmal, die die Seele daran erinnert, dass es diesen Urzustand einer seligen Heimat gibt, in der es einen guten König und eine gute Königin gab.
Wenn der König oder die Königin, wenn Vater oder Mutter krank oder verloren sind, setzt der Märchenheld alles daran, das Heilwasser zu bringen oder sie wiederzufinden.
Märchen aktivieren diese Suche nach dem inneren Vater und der inneren Mutter auf einer unbewussten Ebene für ein ganzes Leben.
Sie tun das auch, wenn ein Erwachsener sie liest.
Märchen heilen.
Trostlos sind die Seelen, die ohne das Wissen um diese innere Heimat herumirren; Friedrich Nietzsche, nicht nur ein gewaltiger Philosoph, sondern ein wissender Dichter, hat ihrem Bewusstseinszustand sein Gedicht Vereinsamt gewidmet (Link folgt).
Wir wissen um die vielen Ersatzhandlungen, die Seelen vornehmen, um den Verlust des Brunnens nicht wahrnehmen zu müssen und die Trostlosigkeit ihres Zustandes ohne Hoffnung und Glauben zu übertünchen; oft geschieht dies durch die Flucht in den Intellekt, doch nehmen mehr und mehr Menschen wahr, wie trocken dieser
Gehirnstrohsack raschelt.
Oder sie fliehen in die Welt des Glimmer, des Scheins, des Lebens als Event. Goethe hat in seinem Faust in den Worten Mephistos diesem Verhalten ein Denkmal gesetzt, wenn er diesen Teufel davon sprechen lässt, dass er die Menschen in das
Rauschen der Zeit führt, ins Rollen der Begebenheit. Ja, die Zeit muss rauschen, damit man den Verlust der inneren Stimme nicht wahrnimmt, ständig muss etwas rollen, etwas abgehen, um die innere Leere nicht wahrnehmen zu müssen.
Und noch etwas kann dem Sich-bewusst-Werden des eigenen Vaterhauses gegenüberstehen: das reale Vaterhaus unseres Lebens. Erschreckend ist, wie sehr dieses Vaterhaus den Zugang zum inneren Vater und der inneren Mutter verstellen kann; Kafkas Leben und insbesondere seine Kurzgeschichte
Heimkehr machen das deutlich.
Irgendwann kommt der Punkt, wo wir, wo unsere Seele lauscht nach dem inneren Vaterhaus, das ja immer zugleich ein Mutterhaus ist, wo es wahrnehmen will, wie dieses Heimatgefühl sich anfühlt.

Vieles scheint bei Wilhelm Busch, dem Dichter unter anderem von Max und Moritz, mit leichter Hand geschrieben, wirkt locker in Reime verpackt, doch täuschen wir uns nicht: Hinter manchem Gedicht verbergen sich viele Tränen und viel Leid.
Vielleicht auch hinter jenen Zeilen von ihm:


Wie kam ich nur aus jenem Frieden

         Ins Weltgetös?

Was einst vereint, hat sich geschieden,
         Und das ist bös. 

Nun bin ich nicht geneigt zum Geben,
             Nun heißt es: Nimm!
Ja, ich muss töten, um zu leben,
            Und das ist schlimm. 

Doch eine Sehnsucht blieb zurücke,
    Die niemals ruht.
Sie zieht mich heim zum alten Glücke,
 Und das ist gut. 

Hinter all den Verletzungen des Lebens wartet jenes alte Gück, das in Wirklichkeit niemals altert, weil es ein ewiger Jungbrunnen ist, und wenn wir uns darauf zubewegen, dann kommt uns der Vater mit ausgebreiteten Armen entgegen und führt uns ins Haus, das erleuchtet ist vom heiligen Glanz unserer inneren Mutter.
Frieden gibt es nur hier und wir sollten auch wissen: Wenn wir Frieden in uns fühlen, dann sind wir auch in diesem Haus, zu Hause.
Auf der Erde ist es dem Menschen vielleicht nicht dauerhaft möglich, im inneren Vaterhaus zu sein, aber doch immer bewusster und immer freudiger zieht es unser Bewusstsein dort hin.
Genauer gesagt: Dieses Haus unserer geistigen Eltern, unsere geistige Familie nehmen wir dorthin mit, wohin wir gehen, und die Menschen, denen wir begegnen, spüren die Macht und die Heiligkeit der inneren Eltern, die immer bei uns sein wollen und sind.