Seiten

Posts mit dem Label Mephistopheles werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Mephistopheles werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Sonntag, 6. Juli 2025

Der tiefe Fall der Pistis Sophia und ihre dreizehn Stufen der Reue: eine Stufenfolge zurück ins Licht!

Wie seltsam, ja fast absurd will es mir selbst vorkommen, dass ich mitten im Hochsommer auf Reue - Luther sprach statt von Reue von „Buße“, im Griechischen findet sich das Wort „metánoia“, man könnte es am besten mit „Sinneswandel“ oder „Umkehr in seiner höchsten Form“ wiedergeben - verwiesen werde.

Die ganze esoterische Welt tönt von „Aufstieg, Aufstieg, Aufstieg“ - ich nenne beispielhaft Dieter Broers, Danielle Gernandt, Kerry K oder auch die Astrologin Silke Schäfer mit ihren 220 000 Followern - doch mein Inneres wird in eine ganz andere Richtung verwiesen, und das auch noch dreizehnfach.
Das wird mit meiner persönlichen Situation und Entwicklung zusammenhängen, doch scheint es mir kein Zufall, dass ich in diesen aktuellen Zeiten mich gehalten fühle, die dreizehn Reuestufen der Sophia zu veröffentlichen.

Ich war in meiner Lektüre der „Pistis Sophia“ (hg. von J.J. und Desiree Hurtak; mehr zu diesem Werk im Beitrag vom 13. Juni) zu einer ersten Reue der Sophia, die sie aufgrund ihres Falls aus dem 13. Äon aussprach, gelangt und war schon verwundert, konnte das aber nachvollziehen, dass sich weitere anschlossen; nach der siebten, dachte ich, ist Schluss und genug der Reue. 
Dass es dann aber weiterging bis zu einer zwölften, ja gar zu einer dreizehnten, das hat mich doch dann mehr als verblüfft, doch neben der Drei und der Sieben ist eben die Zwölf eine besondere Zahl: 12 Stämme Israel machte das physische Israel aus und kennzeichnet das geistige, 12 Ritter umgaben Artus, von zwölf Lichtkräften und zwölf Erlösern wird in der „Pistis Sophia“ gesprochen und 12 Jünger sammelte Jesus um sich, wobei es wie bei Siegfried und seinen zwölf Gefährten doch so ist, dass ein Dreizehnter im Grunde dazu gehört, der aber stirbt, Jesus.
Nach einer gewissen Zeit habe ich verstanden, dass mir dieses Thema wohl begegnete, weil die ganze Aufstiegseuphorie nur dann wirklich zu Recht besteht, wenn sie auf einem absolut ehrlichen Fundament einer tief innerlichen Reue gegründet ist. Und, wie ich in meinem letzten Beitrag vom 30 5. bereits andeutete, ist es für mich auch kein Zufall, dass dies alles in der Bruthitze eines heißen Sommers geschieht.

Glaube und Weisheit sind in dem Werk und dem Wesen der Pistis Sophia eigentlich untrennbar verbunden (Weisheit ohne Verbindung nach innen und oben ist purer Intellekt, nutzloses 3-D-Exkrement). Sophia, jener Teil der Wesenheit, genannt Pistis Sophia, der nicht Pistis, den Glauben, bewusst mit einbezieht, stürzte, vergleichbar dem Fall Luzifers und mit ihm eines Drittels aller Engel, ab, ebenso wie Adam und Eva. 

Sophias tiefer Fall geschah nicht mutwillig, nicht bewusst, sondern sogar eher in dem Glauben, etwas sehr Wertvolles zu tun. In dem Werk „Pistis Sophia“ - wenn ich das Buch anspreche, setze ich „Pistis Sophia“ in Anführungszeichen, beziehe ich mich auf jene Wesenheit Pistis Sophia, die es kosmisch universal gibt und die zugleich ein wesentlicher Teil des Inneren eines jeden Menschen ausmacht, lasse ich sie weg - in dem Werk „Pistis Sophia“ also finden wir den Hinweis, dass das Wesen Sophia sich von ihrer Ebene, die als 13. Äon bezeichnet wird und eine Devachan-Ebene, also eine Ebene des Himmels ist, sich dem Licht in höheren Ebenen zuwandte, dieses Licht der Lichter sozusagen begehrte - doch eigentlich ein löbliches Unterfangen.

Und hier geschieht nun etwas, was uns als Menschen eine fundamental wichtige Mahnung sein muss:
In ihr Begehren schlich sich Selbst-Wille ein. Es war also nicht mehr ihr reiner göttlicher Wille, der sie bisher ausmachte, sondern eine andere Energie, die in der „Pistis Sophia“ in einer Gestalt sich manifestiert und benannt wird als >Authades<, dort bezeichnet als großer dreifachkräftiger Herrscher, einer der gefallenen Autoritäten - eine andere ist beispielsweise Lamchamor, einer der führenden negativen Archonten im sechsten Kerker oder experimentellen Raum mit dem Gesicht eines Wildebers oder Schweines oder auch Marchur aus dem fünften Kerker oder experimentellen Raum des/unseres lokalen Universums mit dem Gesicht eines Stieres, den Tier-Menschen repräsentierend.

Jener Authades also sammelte viele Archonten um sich und griff Sophia an auf unterschiedlichste Weise, indem er ihr u.a. das Licht seiner Ebene zeigte, vergleichbar dem Licht Luzifers, der ja nicht von ungefähr übersetzt „Lichtträger“ genannt wird und auf dessen Licht gerade im esoterischen Bereich so viele - vor allem Frauen - hereinfallen (nicht von ungefähr und ganz richtig dargestellt griff ja in der Bibel die Schlange das Weib an, was man ja nur törichterweise als negativ im Hinblick auf das Weibliche werten kann - dazu ein andermal mehr). 
Infolge ihres Falls ist in der „Pistis Sophia“ von der ´gesunkenen Sophia´ oder ´geringeren Sophia´ die Rede, jener auf der menschlichen Ebene sich zunehmend intellektualisierenden Weisheit, die sich weniger noch bei den vorsokratischen Philosophen oder dem so wahrhaft weisen Platon, in der Folge dann aber umso mehr zeigte - Harald Lesch, Moderator von ´Terra X´ und Professor für Astrophysik an der Ludwig-Maximilians-Universität München sowie Lehrbeauftragter für Naturphilosophie an der Hochschule für Philosophie München ist ein gewisser trauriger Höhepunkt und aktuelles Extrembeispiel, wie sich Selbstwille des Authades und Selbstgefälligkeit eines vom Göttlichen völlig abgekoppelten Wissens paaren können.

Diesem Fall der Sophia widmet Jesus in der „Pistis Sophia“ doch einige Absätze und für mich sind sie so beeindruckend und durchaus auch erschütternd, dass ich sie für Interessierte auf meinem Blog Wortbrunnen einbringe.

Die Gnostiker, jene Menschen, die sich vor allem in den ersten nachchristlichen Jahrhunderten mit dem Leben Jesu und insbesondere seiner Lehre auseinandersetzten, wiesen der Sophia insofern eine absolut große Bedeutsamkeit in der Entwicklung des Menschengeschlechtes zu, da sie es nach ihrer Ansicht war, die trotz ihrer Trennung von der göttlichen Weisheit und dem göttlichen Licht, dem sie ursprünglich verbunden war, den Menschen dennoch den göttlichen Funken der Weisheit brachte und ihn in ihnen entzündete, wobei jener allerdings durch ihren Fall in die Hände der gefallenen Mächte, die über die niederen Äonen herrschten, geriet. Seitdem ist jene Weisheit dualistisch gespalten - abgetrennt ist der Glaube - und so ist jene Weisheit, die wir als solche ansehen, getrennt von einer in der Dreifaltigkeit leuchtenden Weisheit, wobei den meisten Menschen die Existenz dieser göttlichen Weisheit unbekannt ist. 

Die geringere Sophia verschmilzt auf dem Hintergrund dieses Geschehens mit der gefallenen Eva, unter deren Einfluss auch das Männliche in die Dualität absinkt.

Es gibt allerdings einen Umstand, der für einen Menschen wie mich und sicherlich für andere auch schwer fassbar ist - jedenfalls habe ich einige Zeit gebraucht, dazu bewusst Ja sagen zu können. Er bezieht sich auf die Tatsache, dass Sophia auf Befehl des Ersten Mysteriums, jener Instanz, in der die Dreifaltigkeit ihren Sitz hat, in die Höhe blickt, womit im Grunde ihr Fall, ihr Absturz, ihre Gefangennahme in der niederen Ebene eingeleitet wird. 

Sie tut es auf Befehl des Ersten Mysteriums! 

Damit einher ging im Übrigen sodann die Trennung von Pistis, dem Glauben, und Sophia, der Weisheit, wodurch überhaupt nur Sophia so absinken konnte. 

Es sei hier angemerkt, obwohl es nur angedeutet werden kann, warum die Ehe dem Göttlichen so heilig ist:
Handle es sich um die Ehe zwischen Männlichem und Weiblichen, Mann und Frau, dem Glauben und der Weisheit oder auch Leben und Tod: Wenn zwei Aspekte, die zusammengehören, getrennt werden oder ins Ungleichgewicht geraten, bedeutet dies ein Ende des Glücks und für unwissende Seelen der Beginn einer letztendlich unglücklichen Zeit. 

Deshalb das 7. Gebot: „Du sollst nicht ehebrechen“!
Es verbirgt sich weit mehr dahinter als nur das, was wir Menschen darin sehen.
Wobei in Bezug auf die Ehe zwischen Menschen gesagt sein will, dass sich oft zusammenfindet, was nicht wirklich zusammengehört, und solche Ehen in erster Linie eine der vielen Lernprogramme betroffener Seelen ausmacht und damit für mich - jedenfalls nicht wirklich im eigentlichen Sinne - Ehen sind.

Noch einmal zurück zu dem Befehl bezüglich der Sophia, der vom Ersten Mysterium, also einer höchst göttlichen Instanz erging: 

Erinnern wir uns, dass es - nachzulesen gleich zu Anfang des Buches Hiob, der Herr war, der Satan auf Hiob aufmerksam macht, womit eine lange Zeit übergroßen Elends für Hiob seinen Lauf nimmt:
1 Es war ein Mann im Lande Uz, der hieß Hiob. Derselbe war schlecht und recht, gottesfürchtig und mied das Böse.
2 Und zeugte sieben Söhne und drei Töchter;
3 und seines Viehs waren siebentausend Schafe, dreitausend Kamele, fünfhundert Joch Rinder und fünfhundert Eselinnen, und er hatte viel Gesinde; und er war herrlicher denn alle, die gegen Morgen wohnten. (…)
6 Es begab sich aber auf einen Tag, da die Kinder Gottes kamen und vor den HERRN traten, kam der Satan auch unter ihnen.
7 Der HERR aber sprach zu dem Satan: Wo kommst du her? Satan antwortete dem HERRN und sprach: Ich habe das Land umher durchzogen.
8 Der HERR sprach zu Satan: Hast du nicht achtgehabt auf meinen Knecht Hiob? Denn es ist seinesgleichen nicht im Lande, schlecht und recht, gottesfürchtig und meidet das Böse.
9 Der Satan antwortete dem HERRN und sprach: Meinst du, daß Hiob umsonst Gott fürchtet?
10 Hast du doch ihn, sein Haus und alles, was er hat, ringsumher verwahrt. Du hast das Werk seiner Hände gesegnet, und sein Gut hat sich ausgebreitet im Lande.
11 Aber recke deine Hand aus und taste an alles, was er hat: was gilt's, er wird dir ins Angesicht absagen?
12 Der HERR sprach zum Satan: Siehe, alles, was er hat, sei in deiner Hand; nur an ihn selbst lege deine Hand nicht. Da ging der Satan aus von dem HERRN.
13 Des Tages aber, da seine Söhne und Töchter aßen und Wein tranken in ihres Bruders Hause, des Erstgeborenen,
14 kam ein Bote zu Hiob und sprach: Die Rinder pflügten, und die Eselinnen gingen neben ihnen auf der Weide, 15 da fielen die aus Saba herein und nahmen sie und schlugen die Knechte mit der Schärfe des Schwerts; und ich bin allein entronnen, daß ich dir's ansagte (…)
Desgleichen lesen wir in Goethes „Faust“, dass es der Herr ist, der Satan gegenüber den Doktor Faust ins Spiel bringt und - man möchte pointiert sagen - ihn diesem ausliefert:
DER HERR:
Kennst du den Faust?
MEPHISTOPHELES:
Den Doktor?
DER HERR:
Meinen Knecht!
MEPHISTOPHELES:
Fürwahr! er dient Euch auf besondre Weise.
Nicht irdisch ist des Toren Trank noch Speise.
Ihn treibt die Gärung in die Ferne,
Er ist sich seiner Tollheit halb bewußt;
Vom Himmel fordert er die schönsten Sterne
Und von der Erde jede höchste Lust,
Und alle Näh und alle Ferne
Befriedigt nicht die tiefbewegte Brust.
DER HERR:
Wenn er mir auch nur verworren dient,
So werd ich ihn bald in die Klarheit führen.
Weiß doch der Gärtner, wenn das Bäumchen grünt,
Das Blüt und Frucht die künft'gen Jahre zieren.
MEPHISTOPHELES:
Was wettet Ihr? den sollt Ihr noch verlieren!
Wenn Ihr mir die Erlaubnis gebt,
Ihn meine Straße sacht zu führen. 
Es zeigt sich die ganze große intuitive Weisheit eines Goethe, dass er diese Stelle so gestaltet. Und natürlich stellt sich letztendlich auch die Frage: Ist der Fall Luzifers und seines großen, eigentlich heiligen Gefolges und auch der Verlust des Paradieses für Adam und Eva wie ebenso für dich und mich Teil eines großen göttlichen Plans?
Auch wenn auf dem Hintergrund des übergroßen Leides, das auf der Erde tagtäglich geschieht, wahrscheinlich nicht nur ich übergroße Schwierigkeiten habe, lautet dennoch die Antwort für mich: Ja, was geschieht, ist Teil eines göttlichen Plans, ein Geschehen innerhalb unseres großen Vater-Universums.

Vergleichbares geschieht in der „Pistis Sophia“ in Bezug auf Sophia. 
Wie bereits angesprochen, habe ich eine längere Passage ausgegliedert (Link siehe oben).

Die Frage, die sich auf obigem Hintergrund und den drei Beispielen stellt, ist doch, ob uns Gott absichtlich Satan und Co. ausgeliefert hat … es scheint doch so und wir leben tatsächlich im Rahmen eines großen Experiments.

Wie aus diesem Experiment - so bezeichnet es J.J. Hurtak - hinausfinden, den Tod überwinden?
Die biblischen Evangelien beantworten diese Frage und Goethe beispielsweise hat einen zentralen Punkt in seinem Gedicht „Selige Sehnsucht“ angesprochen.

Die „Pistis Sophia“ weist auf den Weg der Sophia zurück ins wahre Licht hin. Mich hat dieser Weg ins Grübeln gebracht, da ich doch verwirrt über den Umstand war, dass Sophia ihre Bitte um Rettung so oft wiederholen musste, obwohl sie doch von Beginn an so intensiv und spürbar authentisch ist und nie das Licht aus den Augen verloren hat.

Doch stellt es sich letztlich nicht als ein Wiederholen heraus und J.J Hurtak macht in seinem Kommentar darauf aufmerksam, warum 12 + 1 Bitten bzw. Reuegebete notwendig sind. Darauf möchte ich aber erst am Ende der 13. Reue eingehen, damit jeder, der möchte, diesen 12-stufigen Weg, der aus gutem Grund zu einem 13-stufigen schlussendlich sich erweitert, vorbehaltlos zunächst für sich mitverfolgen kann.

Im Rahmen einer jeden der 13 Stufen schließt sich jeweils ein Psalm Davids an, weit mehr als ein biblisches Anhängsel, denn jeder dieser Psalmen greift auf und vertieft im Grunde den Inhalt des vorangehenden Gebetes und Flehens.

J.J. Hurtak formuliert es so:
Während wir die Psalmen lesen, wollen wir uns selbst mit den Gedankenformen der höheren Welten identifizieren und unser Bewusstsein so verwandeln, dass es wie das Bewusstsein des größeren Lichtes ist. Gebet durch heilige Psalmen erweckt den Geist in unseren Tiefen und ruft ihn hervor, die inneren Strukturen zu verwandeln, die zu eng sind, als dass der intellektuelle Verstand dorthin reichen könnte. Erwachen wir zu dem, was wir sind und warum wir hier sind, so dass die göttlichen Melodien und Energien uns umkreisen können und große morphogene Tore errichten, durch die diese Welt und andere Welten des Lichts vereint werden können.
Für mich sind diese 13 Reuegebete wie eine aus dem Göttlichen gesandte Hilfe, gerade in einer hochsommerlichen Zeit, in der der Sinn nicht unbedingt den Weg nach innen sucht und zudem meines Erachtens die Gefahr besteht, dass ständige Gedanken in Bezug auf den Aufstieg uns unsere Realität aus dem Blick geraten lassen. 

Im Gegensatz zu den allermeisten von uns Menschen hat - das wird in der „Pistis Sophia“ deutlich - Pistis Sophia nie ihren Ursprung vergessen, ihre Identität und Lebensquelle. Wir Menschen dagegen haben uns zu oft für den Krieg und nicht für den Frieden entschieden. Als Geschöpfe Adams sind - wie es Hurtak formuliert - wir 
die ´Letzten´ in den Ordnungen der Schöpfung, und doch, wenn wir uns nicht mit den Gedankenformen eines gefallenen Bildnisses identifizieren, sondern mit dem göttlichen Bildnis, können wir ´Erste´ sein. Wir müssen wie Sophia sein und die Seele des Friedens in eine unterdrückte Welt bringen. Wir, als Gäste dieser experimentellen Welten und immer noch Bürger des Hauses der vielen Wohnungen sollten uns als in der Welt, jedoch nicht von dieser Welt betrachten. Unsere Seele hat ein Recht, die göttliche Herrschaft zu jeder Zeit um Hilfe anzuflehen und wir werden diese Hilfe vom wahren Gott (Ha-Shem) und von den Herren des Lichts empfangen, die stets hier sind um uns zu unterstützen, wenn wir nur darum bitten.
Der oder die ein oder andere mag sich dieser dreizehnfachen Stufenleiter ins Licht jeden Tag widmen und mit jedem Tag eine weitere Stufe erklimmen, eine andere mag sich einer Stufe drei Tage lang widmen, um dann fortzufahren, ein anderer wird Pausen einlegen oder einlegen müssen. - Jeder wird seinen Weg finden.
Ich bemühe mich, in den folgenden Tagen jeweils ein Reuegebet der Sophia und den dazugehörigen Psalm einzugeben.

Jeder Seele unter uns, die diesen Weg geht, wünsche ich den ganz besonderen Segen Gottes!

Freitag, 28. März 2025

Zunehmend mehr Männer verlassen den Brocken. - Die Walpurgisnachtszene: wichtige Passagen und ihre seelisch-geistige Bedeutung - gerade heute!

Die von Goethe 1801 geschriebene Szene „Walpurgisnacht“ zeigt die übergroße Abhängigkeit Fausts von Mephistopheles. Nicht von ungefähr sagt ersterer, unterwegs den Brocken hinauf, in scheinbar großer Ahnungslosigkeit: „Du Geist des Widerspruchs! Nur zu! du magst mich führen.“


Als einziger unter den zahlreichen Interpreten des „Faust“ hat der Anthroposoph Rudolf Steiner darauf verwiesen, dass die Walpurgisnachtszene im Astralen, also auf der seelischen Ebene spielt, dass also der Körper von Faust, den Hexen und diversen anderen Gestalten überwiegend wahrscheinlich in ihren Betten liegen, während ihre Seele in der Walpurgisnacht einen Satansdienst verrichtet bzw. sich auf andere Weise verlustiert. 

Das Video spricht einzelne Abschnitte der Szene an, u.a. die Erscheinung des Mammon, Gott der Hemmnis und der Hindernisse, der verhindert, dass geistig-seelische Entwicklung möglich ist. Wie interessant ist es, dass er gerade in unseren Tagen so offensichtlich sein Regiment führt, indem er von Gestalten wie Donald Trump und Elon Musk so vollständig Besitz ergriffen hat (die Bezeichnung „Mammon“ kommt aus dem Aramäischen und heißt „Besitz“). 

Wenn die sexuelle Energie und Geld von Menschen Besitz ergreift, sind sie für eine seelische Entwicklung verloren.


Aber wie in Richard Wagners Oper „Tannhäuser“ jener in seelischer Not aufschreit und ruft:„Maria hilf!“, so schreit auch Fausts Seele auf und in einer unglaublich eindrücklichen Vision erscheint ihm sein Gretchen auf dieser seelischen Ebene. 

Gewiss ist es kein Zufall, dass die letzte Szene des „Faust II“ ebenfalls die Bedeutung Marias mit dem Verweis auf das „Ewig-Weibliche“ aufgreift. 

Zunehmend mehr Männer, so glaube ich, feststellen zu können, liefern sich nicht mehr so naiv dieser mephistophelischen Energie, die in jedem Menschen ist, aus. Man kann natürlich, wie es viele Priester in der Katholischen Kirche versucht haben, sich bemühen, sie abzutöten, doch das ist ein hoffnungsloses Unterfangen und wozu das bedauerlicherweise führen kann, das wissen wir heute. 
Es gilt vielmehr, diese Energie zu durchschauen und sie in sich zu erlösen. Auf diesem Weg, der gewiss steinig und beschwerlich ist, erhalten wir als Menschen Unterstützung. Aus diesem Grund habe ich am Ende des Videos drei Passagen aus „Das Buch des Wissens: die Schlüssel des Enoch“ und „SALVATOR MUNDI: Die 76 Heiligen Namen des Kosmischen Christus“ zitiert; sie mögen Anregung geben und hilfreich sein. 

In einem abschließenden Video zu „Faust I“, in dem es auch um die geistig-seelische Errettung Margaretes geht, möchte ich in möglichst naher Zukunft vertiefen, inwieweit „Faust I“ auch noch heute eine tiefgehend spirituelle Bedeutung hat, wobei sich mehr und mehr Männer aus mephistophelischer Umklammerung lösen; dazu mag beigetragen haben (und tut es noch heute), dass Goethes "Faust" ihre Gefährlichkeit so eindrücklich aufzeigt.


Sonntag, 7. Januar 2024

Goethes "Faust": Über das Dilemma asymmetrischer Beziehungen und das Verhältnis von Liebe und Begehren


Als sie einander acht Jahre kannten
(und man darf sagen: sie kannten sich gut)
kam ihre Liebe plötzlich abhanden.
Wie andern Leuten ein Stock oder Hut.
Sie waren traurig, betrugen sich heiter,
versuchten Küsse, als ob nichts sei,
und sahen sich an und wussten nicht weiter.
Da weinte sie schließlich. Und er stand dabei.
Vom Fenster aus konnte man Schiffen winken.
Er sagte, es wäre schon Viertel nach vier
und Zeit, irgendwo Kaffee zu trinken.
Nebenan übte ein Mensch Klavier.
Sie gingen ins kleinste Café am Ort
und rührten in ihren Tassen.
Am Abend saßen sie immer noch dort.
Sie saßen allein, und sie sprachen kein Wort
und konnten es einfach nicht fassen.
Dieses „Sachliche Romanze“ überschriebene Gedicht Erich Kästners wirft die Frage auf, ob Liebschaften, die so romantisch beginnen und so sachlich enden, tatsächlich von Liebe geprägt waren oder vielmehr durch ein Begehren, das mit den Jahren mehr und mehr nachließ und plötzlich zwei Menschen sich die Augen öffnen, dass sie sich gar nichts zu sagen haben, vielleicht in Wirklichkeit nie etwas zu sagen hatten.
Auch in Goethes „Faust“ stellt sich die Frage nach dem Verhältnis von Liebe und Begehren, es stellt sich aber auch die Frage nach der Bedeutung einer gewissen Symmetrie zwischen zwei Liebenden; damit angesprochen ist die Bedeutung von Fähigkeiten und Eigenschaften, die jeder Liebende einbringt in eine Beziehung und denen der oder die Andere eine hohe Wertschätzung entgegenbringt - oder eben nicht. Asymmetrisch muss beispielsweise sich ein Altersunterschied nicht auswirken, aber wenn einer der beiden in entscheidenden Situationen des Alter als Waffe beziehungsweise Argument einsetzt oder den eigenen Intellekt gegen das Gefühl des Anderen ausspielt, dann wird deutlich, wie wichtig es ist, dass Liebe und Denken, dass Männliches und Weibliches in einer guten Balance sich befinden. Goethes „Faust“ zeigt hier die Grenzen zweier Liebender auf, denen es in der aktuellen Situation vor allem um sinnliche, körperliche Liebe geht, was per se nicht negativ ist, kann doch auch in einer Beziehung die seelisch-geistige Liebe wachsen. Es ist keineswegs normal, wie es doch recht viele Menschen annehmen, dass Liebe mit der Zeit abnimmt – normal könnte es in einer zukünftigen Menschheit sein, dass Liebe wächst!
PS.
In Goethes „Faust“ spielt eine entscheidende Rolle jene geistige Energie, die sich "Mephistopheles" nennt, in der Goethe zwei geistige Wesenheiten vereint, Luzifer, jene Energie, die vor allem sich selbst liebt und den Menschen von Christus fernhalten und eben bei sich halten möchte, und Satan, der die Menschen an die Erde bindet und sie den Materialismus lieben lehrt (soweit er überhaupt lieben kann); es ist allerdings offensichtlich, dass er dies auf unserer Erde mit großem Erfolg tut.







Freitag, 21. Juli 2023

Die Macht der Sorge. - Von drei zentralen Lebenshemmnissen.

Einmal mehr ist es Goethe, der gegen Ende seines leider viel zu wenig beachteten „Faust II“ darauf verweist, woran selbst Menschen, die doch immerhin schon die Kraft hatten (wenn sie auch nicht ganz erfolgreich waren), in die Tiefen unseres Bewusstseins, in das Reich der Mütter, wie es Goethe nennt, hinabzusteigen und  mit diesem Gang in die Tiefen menschlichen Seins immerhin auf den Spuren eines Odysseus, Herakles oder Orpheus wandeln, noch scheitern.

Faust erhält gegen Ende seines Lebens Besuch von vier Damen, der Schuld, dem Mangel, der Not und der Sorge. Doch nur die Sorge kann in sein Inneres gelangen:

FAUST:
Die Pforte knarrt, und niemand kommt herein.
Ist jemand hier?

SORGE:
Die Frage fordert Ja!

FAUST:
Und du, wer bist denn du?

SORGE:
Bin einmal da.

FAUST:
Entferne dich!

SORGE:
Ich bin am rechten Ort.

FAUST:
Nimm dich in acht und sprich kein Zauberwort.

SORGE:
Würde mich kein Ohr vernehmen,
Müßt' es doch im Herzen dröhnen;
In verwandelter Gestalt
üb' ich grimmige Gewalt.
Auf den Pfaden, auf der Welle,
Ewig ängstlicher Geselle,
Stets gefunden, nie gesucht,
So geschmeichelt wie verflucht.--
Hast du die Sorge nie gekannt?

FAUST:
Ich bin nur durch die Welt gerannt;
Ein jed' Gelüst ergriff ich bei den Haaren,
Was nicht genügte, ließ ich fahren,
Was mir entwischte, ließ ich ziehn.
Ich habe nur begehrt und nur vollbracht
Und abermals gewünscht und so mit Macht
Mein Leben durchgestürmt; erst groß und mächtig,
Nun aber geht es weise, geht bedächtig.
Der Erdenkreis ist mir genug bekannt,
Nach drüben ist die Aussicht uns verrannt;
Tor, wer dorthin die Augen blinzelnd richtet,
Sich über Wolken seinesgleichen dichtet!
Er stehe fest und sehe hier sich um;
Dem Tüchtigen ist diese Welt nicht stumm.
Was braucht er in die Ewigkeit zu schweifen!
Was er erkennt, läßt sich ergreifen.
Er wandle so den Erdentag entlang;
Wenn Geister spuken, geh' er seinen Gang,
Im Weiterschreiten find' er Qual und Glück,
Er, unbefriedigt jeden Augenblick!

SORGE:
Wen ich einmal besitze,
Dem ist alle Welt nichts nütze;
Ewiges Düstre steigt herunter,
Sonne geht nicht auf noch unter,
Bei vollkommnen äußern Sinnen
Wohnen Finsternisse drinnen,
Und er weiß von allen Schätzen
Sich nicht in Besitz zu setzen.
Glück und Unglück wird zur Grille,
Er verhungert in der Fülle;
Sei es Wonne, sei es Plage,
Schieb er's zu dem andern Tage,
Ist der Zukunft nur gewärtig,
Und so wird er niemals fertig.

Faust, dem nach Ende seines Erdenlebens von der Geistigen Welt durch die Anwesenheit hoher Wesen, die seine Seele nach oben tragen, bestätigt wird, wie wertvoll er ist, obwohl er doch kurz zuvor noch am Tode von Philemon und Baucis, dem so sympathischen Pärchen beteiligt war, indem er einmal mehr auf die Mithilfe des Mephistopheles hereinfiel, vermittelt uns - und das ist doch gerade für unsere Corona-Ukraine-Inflations- und politikverdrossene Zeit so wichtig, wie gut es wäre, wenn wir nicht auf die Sorge abfahren.

Tatsächlich gibt es drei große Hemmnisse für unsere seelische Entwicklung, die auch Faust durchlebt hat, die aber leider auf unserer Erde von uns Menschen ausgiebig praktiziert werden:

Anlässlich des zum Tode verurteilten Gretchens und dem Tod des gemeinsamen Kindes schiebt er die Schuld natürlich auf andere - in seinem Fall auf Mephisto.
Er tut sich selbst Leid (Faust wollte vor allem sein Leid, das darin bestand, das Leid eines anderen Menschen ertragen zu müssen,  beseitigen, indem er Gretchen rettet) und
er kann sich der Sorge auch kurz vor seinem Tod nicht verschließen.

Die Schuld immer bei anderen zu suchen und Selbstmitleid sind tödlich für jede seelische Entwicklung.
Wer den „Faust“ ernst nimmt, verjagt zudem die Sorge aus seinem Leben. Sie ist einer der letzten, wenn nicht der letzte Hemmschuh vor einer möglichen Erlösung unserer Seele, für eine Verbindung mit unserem Ewig-Weiblichen, dem Ewigen unserer Seele.
Wer das Christliche um des Christlichen und Biblisches um der Bibel willen ablehnt oder verachtet, mag darüber hinweglesen, dennoch lautet ein mehrfach im Neuen Testament in unterschiedlicher Gestaltung angesprochener Hinweis:“Sorget nicht für den anderen Morgen.“
Für unseren Alltag, unser Leben verweist uns das darauf, dass wir unsere Energien, unsere gedanklichen Energien, die sich in so vielen Lamentationen über den Zustand der Erde äußern, nicht in entsprechende Artikel und Beiträge hineinpulvern sollen. Sich gegenseitig über Gefahren und Bedrohungen zu informieren, ist das eine; das andere ist, dass man zugleich mitvermitteln mag:
Sorge ist ein Mittel geistiger Kräfte, wie sie sich in der Gestalt des Mephisto finden, die Seele von sich selbst abzulenken, abzuschneiden. Mephisto sorgt(!) dafür, dass Gretchens Mutter und Bruder so früh sterben; er ist am Tod von Philemon und Baucis beteiligt und bemüht sich rührend um unsere Sorgen. Nur tut er es sich selbst zuliebe.
Angst spielt dieselbe Rolle!
Im "Faust" kann Mephistopheles nicht verhindern, wie sehr am Ende das Göttlich-Weibliche in der Gestalt des Doctor Marianus und der Mater gloriosa in den Mittelpunkt rückt und dass es heißt:

Alles Vergängliche
Ist nur ein Gleichnis;
Das Unzulängliche,
Hier wird's Ereignis;
Das Unbeschreibliche,
Hier ist's getan;
Das Ewig-Weibliche
Zieht uns hinan.

Bleibt noch anzumerken, dass Goethe womöglich heute seinen Schluss anders formuliert hätte und nicht nur davon gesprochen hätte, dass das Ewig-Weibliche uns hinanzieht, sondern dass auch wir aktiv auf unser Ewig-Weibliches zugehen mögen.
Wir tun es auch dadurch, dass wir dazu beitragen, in unserer Erdenwirklichkeit die Sorge zu entsorgen.

Samstag, 13. Mai 2023

Satan, Luzifer, Teufel, Mephisto: (Ur-)Kräfte, die in Goethes "Faust" wirksam sind

Als Kind wuchs ich in einer superchristlichen Familie auf. Und so, wie mir unklar blieb, warum mal von Christus, mal von Jesus, mal von Jesus Christus gesprochen wurde, so blieb mir auch unklar, was es mit dem Teufel und dem Satan auf sich hat, wobei es da auch noch einen Luzifer gab und eine Schlange.
Auf dieses Thema komme ich zwar erst genauer im zweiten meiner geplanten Faust-Videos zu sprechen, aber dass zu Beginn der goetheschen Tragödie "Der Herr" Mephistopheles auf den Faust aufmerksam macht und ihn damit sozusagen jenem ans Messer liefert, könnte doch befremdlich sein, wobei genau dies auch mit Hiob, nachzulesen im "Buch Hiob" des Alten Testamentes, geschieht.
Im Rahmen des geistigen Kosmos finden wir bekanntlich 9 Hierarchien, von den Engeln angefangen über die Elohim und Throne bis zu den Seraphim; der Mensch nun ist die 10. Hierarchie; mit ihm, kommt etwas völlig Neues in den Kosmos: eine Form der Freiheit,  die es bisher so nicht gab  und die es zu erwerben gilt. Dass das Erreichen dieser Freiheit ungeheuer schwer ist und dem Menschen nicht viel mehr als in Ansätzen zur Verfügung steht, steht für mich außer Frage. Um zu ihr zu gelangen muss des Menschen Seele durch eine völlige Gottesferne hindurch, wie wir sie heute noch im Materialismus erleben, um sich in freier Entscheidung dem Göttlichen zuzuwenden, das für den Menschen noch sehr abstrakt ist, weshalb er sich mit diesem Schritt auch sehr schwer tut. In unserer Zeit ringen manche Menschen verstärkt um ein Bewusstsein, was es mit diesem Göttlichen auf sich hat.
Der geistige gesamtkosmische Entwicklungsweg des Menschen entspricht dem Lebensweg des Menschen von der Zeugung bis zum Tod. Der sogenannte Sündenfall steht dabei für die Pubertät der Menschheit.
Goethe nun hat in der Gestalt des Dr. Heinrich Faust einen Menschen dargestellt, der zwar wissen möchte, was die Welt im Innersten zusammenhält und zum Ewig-Weiblichen gelangen möchte - deutlich wird das vor allem im zweiten Teil des Faust - der sich aber dabei verdammt schwertut und im ersten Teil ein sehr unbedarftes Mädchen in Tod und Verderben treibt. Doch die wertvollen Entwicklungsschritte, die Faust im zweiten Teil gelingen, sind nur möglich, weil er sich im ersten auf Mephistopheles einließ, ein  junges Mädchen mit dessen Hilfe meinte, schwängern zu müssen, mit jungen Hexen auf dem Brocken tanzte und anderem mehr.


Samstag, 15. April 2023

"Es war ein König in Thule": Warum Gretchen diesen König für eine beispielhafte Liebe wählt und man in Deutschland sich dem zweiten Teil des Faust endlich zuwenden sollte ...

Für mich ist das Thule-Lied eines der schönsten Liebeslieder und in Goethes Tragödie singt es Gretchen, sich zum Schlafengehen ausziehend, und erfindet es damit zugleich.
Gerade hat sie einen Mann kennengelernt, Faust, der zwar gut und gern an die zwanzig Jahre älter als sie sein mag, aber offensichtlich sagt ihr Herz ja zu ihm.
Sonst könnte sie nicht diese Töne und Worte finden:
Es war ein König in Thule
Gar treu bis an das Grab,
Dem sterbend seine Buhle
Einen goldnen Becher gab.
Es ging ihm nichts darüber,
Er leert ihn jeden Schmaus;
Die Augen gingen ihm über,
Sooft er trank daraus.
Und als er kam zu sterben,
Zählt er seine Städt im Reich,
Gönnt alles seinem Erben,
Den Becher nicht zugleich.
Er saß beim Königsmahle,
Die Ritter um ihn her,
Auf hohem Vätersaale,
Dort auf dem Schloß am Meer.
Dort stand der alte Zecher,
Trank letzte Lebensglut
Und warf den heiligen Becher
Hinunter in die Flut.
Warum wählt sich Margarete in ihrem Lied einen König - und dann nicht gerade den jüngsten?
Er ist nicht verheiratet, sondern liebt eine Geliebte, die ihn offensichtlich auch liebt und für ihre Liebe ein Symbol findet, einen goldenen Becher.
Für ihren königlichen Geliebten bedeutet er alles; die Liebe zu seiner verstorbenen Liebe ist dem König wichtiger als alles Gut und Geld.
Gretchen wählt ihn, weil dieser Mann eine Reife besitzt, die der Liebe fähig ist.
Bevor er stirbt, übergibt er den Becher dem Meer, der Ewigkeit. Für ihn ist ihrer beider Liebe nicht zu Ende, sondern sie setzt sich fort in Ewigkeit.
Solch eine Liebe wünscht sich Gretchen.
Was sie nicht weiß, ist, dass in ihrer Liebe zu Faust Mephistopheles mitmischt, der Faust mittels eines Hexengebräus präpariert hat, damit er, wie es bei Goethe heißt, Helena in jedem Weibe sähe.
Doch mit Helena hat es eine besondere Bewandtnis, denn wie wir aus den griechischen Mysterien wissen, war Helena gar nicht in Troja, sondern Paris fiel auf ein Bild, ein Eidolon herein, wie es dort heißt.
Männer glauben meist, sie führen Helena nach Hause, in Wirklichkeit aber existiert diese nur in ihrer Phantasie, ein (Abzieht)Bild, wie es in Soldatenspinden, Männerphantasien und diversen Illustrierten zu finden ist, eine seelenlose Realität, die mit wahrer Schönheit nichts zu tun hat.
Was dann folgt, ist, was man oft als Ehe bezeichnet ...
Was es mit der wahren Helena auf sich hat, erzählt Goethes „Faust“ in dessen zweitem Teil und es wird Zeit, dass Menschen des deutschen Kulturbereichs sich ihm widmen, damit Männer nicht mehr ´lieben´ mit ´begehren´ verwechseln und auch Frauen sich um das Ewig-Weibliche kümmern. Schon ein Bemühen darum kann uns der wahren Liebe näher- und nahebringen. Das Lied deutet an, dass die Liebenden dort darum wussten und der erste Teil des „Faust“ deutet ebenfalls an, dass auch Gretchen diese Liebe anstrebte. Leben konnte sie diese Liebe nicht. Im Gegenteil endet dieser Teil der Tragödie mit vier tödlichen Opfern, ihrer Mutter, ihrem Bruder, ihrem Kind (das nie wirklich ein Kind von Faust war) und auch sie wird gerichtet.
Das muss nicht (mehr) sein.
Auch deshalb ist der zweite Teil des „Faust“ empfehlenswert.

Dienstag, 19. November 2019

´s ist ein Gesetz der Teufel und Gespenster: /Wo sie hereingeschlüpft, da müssen sie hinaus. - Mephistopheles outet seine Methode, aber niemand hört hin!

Manchmal mag man es nicht glauben, welche Wahrheiten in so viel gelesenen Sätzen stecken, ohne dass groß darüber geschrieben wurde oder es jemand weiters interessiert.

Doch obiger Satz sagt unglaublich viel aus.
Denn er betrifft die Mehrheit der Menschen (behaupte ich einfach mal)!

Tatsächlich hat es etwas teuflisch Gespenstisches, was da Mephistopheles, der sich als Pudel bei Faust eingeschlichen hat und jetzt als Junker gekleidet jenen wieder verlassen möchte, als Wahrheit von sich gibt.
In dier Bredouille ist er, weil er als Pudel beim Hereinspringen übersehen hatte, dass das Pentagramm, das auf die Türschwelle gezeichnet war (was damals neben gebündeltem Johanniskraut und anderen Abwehrstoffen durchaus üblich war, um böse Geister abzuwehren), verkantet gezeichnet war; die Spitzen mussten jedoch sauber gezogen sein, klar nach außen und innen gerichtet. Wenn sie in irgendeiner Form schräg gezeichnet waren, war dem Geist der Abgang versperrt. Rein konnte er, raus nicht. So ging es Mephistophleles. Er hätte der Hilfe des Faust und dessen Zeichenkünsten bedurft.
Warum aber die Aussage des Mephistopheles so interessant und wichtig ist: Es hat etwas Teuflisches, wenn Menschen immer durch dieselbe Tür raus- und reingehen. Es ist immer dasselbe. Wir gehen raus, wo wir reingekommen sind. Oft kommen wir uns womöglich sogar großartig vor. Aber es hat sich nichts verändert. Wer sich verändert hat, nimmt nicht dasselbe Loch, zu dem er reinkam.
Gut wäre es, wenn wir tatsächlich einen anderen Ausgang nähmen, wenn während des Aufenthalts so viel geschehen ist, dass wir den Sinn wenden, eine Vokabel, die aus dem Griechischen (metánoia - μετάνοια) Luther mit Buße übersetzt, eine Übersetzung, die ungefähr so zutreffend ist, als wenn man ein Mixed im Tennis als Herreneinzel mit Damenbehinderung bezeichnet.


Wer Metanoia betreibt, wendet den Sinn (wie es wörtlich heißt), er geht in eine neue Richtung, der Sinn wendet sich, das Wesen Mensch (es liegt also weit mehr als Buße vor!)
Das genau aber machen Teufel und Gespenster nicht, ihr Sinn bleibt gleich, immer geht es durch denselben Ein- und Aussgang.

Da bewegt sich nichts und die Formulierung des Paktes zwischen Faust und Mephistopheles, der beim nächsten Treffen erfolgt, dass Faust also die Wette verliert, wenn er zum Augenblicke sagt: Verweile doch, Du bist so schön, das ist genau die grundsätzliche Strategie alles Mephistophelischen, alles Satanischen, alles dessen, was den Menschen an Altes bindet: Alles bleibt gleich, nichts ändert sich. Schön verpackt heißt das dann: Verweile doch, du bist so schön.

Wir kennen die Menschen, die - man möchte fast manchmal sagen - seit Jahrtausenden immer diesselbe Auffassung vertreten, bei denen sich nichts im Inneren rührt. Bloß nicht zu einer Tür raus, die man nicht kennt!
Und oft darf man dankbar sein, dass sie diejenigen, die den Sinn wenden, nicht verhöhnen, oder - wie weiland beispielsweise Giordano Bruno - verbrennen oder neu Denkende mit dem Tod bedrohen, wie Galileo Galiliei (der Überlieferung nach soll es jedenfalls so gewesen sein). - Platon hat in seinem Höhlengelichnis das Verhalten dieser mephistophelisch Gesteuerten bestens beschrieben und wie schwer sie es denen machen, die sich dem Licht, einer anderen Tür zuwenden.

Bis Faust lernt zu lernen, obwohl er sich doch für so klug hält, ja für einen Gott: Das dauert seine Zeit. Erst müssen vier Tote seinen Weg pflastern, bevor er lernt, mit dem Teufel umzugehen, bis er lernt, dass er  seiner bedarf, jedoch eben gleichzeitig lernen muss, richtig mit ihm umzugehen (nur Mephistopheles kann ihm im Faust II den Schlüssel ins Reich der Mütter, ins Ur-Reich des Seins überreichen!), bis er also im Grunde die Bedeutung der Schlange, die ja auch für uns Menschen so wichtig ist, auch wenn die Kirche sie erfolgreich verteufelt hat versteht (ohne die Schlange wäre es der Kirche gar nicht möglich, so gottlos sein zu können, wie sie ist, das heißt beispielsweise, Hunderte von Millarden allein in Deutschland zu horten und das Vermögen noch zu vermehren, während die Not auf der Erde riesengroß ist . . .).
Wir wissen, Fausts Besuch im Reich der Mütter endet nicht gerade glücklich, aber für diesen Weg des Faust zum Ewig-Weiblichen bedarf es auch großer Ausdauer, erst recht, wenn auch noch das Ewig-Männliche seinen Part übernehmen soll, den zu erwähnen Goethe noch nicht vermochte.

Ohne die Schlange wären wir nicht in der Lage, Gott abzulehnen, um ihn ggf. aus freien Stücken als bedeutsam für unsere innere Entwicklung zu erkennen (eine Entwicklung, für die die Schlange allerdings auch kein Garant ist, wie man mit Blick auf die Menschheit unschwer sieht).

Jedenfalls mag man in Zukunft den Menschen, die stets immer derselben Auffassung sind und sich nicht verändern, dazu gratulieren, dass sie so gekonnt dieses für die geistige Unterwelt so bedeutsame Gesetz der Geister und Teufel befolgen. Vielleicht wird ihnen anlässlich dieser Gratulation etwas bewusst; aber auch das ist nicht sicher. - Umso mehr können uns selbst solche Sätze wie obiger zu denken geben.

Freitag, 6. Dezember 2013

Halt das Eine fest - und Schach dem Rest!


Auch die dunkelste Wolke hat einen silbernen Rand, so lautet ein chinesisches Sprichwort. Die allerdings, die Annette von Droste-Hülshoff in ihrem Gedicht Am 2. Sonntage im Advent ersehnt, hat einen morgenrötlichen:

Wo bleibst du, Wolke, die den Menschensohn
Soll tragen?
Seh' ich das Morgenrot im Osten schon
Nicht leise ragen?
Die Dunkel steigen, Zeit rollt matt und gleich;
Ich seh' es flimmern, aber bleich, ach, bleich!

Das sind keine Worte, die zum 2. Advent passen wollen. 





















hier das ganze Gedicht Am zweiten Sonntage im Advent

Samstag, 28. Mai 2011

Vatergefühle für den himmlischen Vater, Muttergefühle für die himmlische Mutter

Es ist etwas Besonderes, Heimatgefühle für unser eigentliches Zuhause zu entwickeln. Selten sind sie einfach so da; ich glaube in der Tat, sie müssen sich in uns entwickeln. Und irgendwann kommt der Zeitpunkt, wo wir in uns fahnden, um zu fühlen, wie sich der innere Vater anfühlt, die innere Mutter, wie unsere wahre Heimat sich anfühlt. Es ist etwas Besonderes, diesen Gefühlen auf der Spur zu sein. 
In den Tiefen unserer Seele sind all die angesprochenen Gefühle freilich vorhanden und manche Dichter haben ein Bewusstsein von ihnen, zum Beispiel Hugo von Hofmannsthal in seinem Gedicht Weltgeheimnis mit Hilfe des Bildes vom Brunnen. Doch darf das Wasser des Brunnens nicht versiegt sein, das Wasser des Lebens, das dieses Gefühl, zu Hause zu sein, tränkt.
Was füllt diesen Brunnen mit Wasser?
Hoffnung und Glaube.
Deshalb nennt Paulus in seinem Brief an die Korinther Hoffnung und Glaube in einem Atemzug mit der Liebe. Die Trinität steht nicht auf einem Bein; auch die Liebe bedarf der Hoffnung und des Glaubens. Ohne diese beiden gibt es keine Liebe.
Manche Seele irrt herum und sucht diesen Brunnen, von dem Hofmannsthal schreibt, IHREN Brunnen, manche weiß nicht einmal um seine Existenz.
Deshalb ist es so wichtig, dass wir Kindern Märchen vorlesen. Vorlesen, keinen Video zeigen, denn nur das Vorlesen lässt des Kindes EIGENE Bilder sich freisetzen, und Bilder, die in ihr angeklungen sind, versiegen ein Leben lang in der Seele nicht mehr.
In den Märchen ist es diese magische Formel des
Es war einmal, die die Seele daran erinnert, dass es diesen Urzustand einer seligen Heimat gibt, in der es einen guten König und eine gute Königin gab.
Wenn der König oder die Königin, wenn Vater oder Mutter krank oder verloren sind, setzt der Märchenheld alles daran, das Heilwasser zu bringen oder sie wiederzufinden.
Märchen aktivieren diese Suche nach dem inneren Vater und der inneren Mutter auf einer unbewussten Ebene für ein ganzes Leben.
Sie tun das auch, wenn ein Erwachsener sie liest.
Märchen heilen.
Trostlos sind die Seelen, die ohne das Wissen um diese innere Heimat herumirren; Friedrich Nietzsche, nicht nur ein gewaltiger Philosoph, sondern ein wissender Dichter, hat ihrem Bewusstseinszustand sein Gedicht Vereinsamt gewidmet (Link folgt).
Wir wissen um die vielen Ersatzhandlungen, die Seelen vornehmen, um den Verlust des Brunnens nicht wahrnehmen zu müssen und die Trostlosigkeit ihres Zustandes ohne Hoffnung und Glauben zu übertünchen; oft geschieht dies durch die Flucht in den Intellekt, doch nehmen mehr und mehr Menschen wahr, wie trocken dieser
Gehirnstrohsack raschelt.
Oder sie fliehen in die Welt des Glimmer, des Scheins, des Lebens als Event. Goethe hat in seinem Faust in den Worten Mephistos diesem Verhalten ein Denkmal gesetzt, wenn er diesen Teufel davon sprechen lässt, dass er die Menschen in das
Rauschen der Zeit führt, ins Rollen der Begebenheit. Ja, die Zeit muss rauschen, damit man den Verlust der inneren Stimme nicht wahrnimmt, ständig muss etwas rollen, etwas abgehen, um die innere Leere nicht wahrnehmen zu müssen.
Und noch etwas kann dem Sich-bewusst-Werden des eigenen Vaterhauses gegenüberstehen: das reale Vaterhaus unseres Lebens. Erschreckend ist, wie sehr dieses Vaterhaus den Zugang zum inneren Vater und der inneren Mutter verstellen kann; Kafkas Leben und insbesondere seine Kurzgeschichte
Heimkehr machen das deutlich.
Irgendwann kommt der Punkt, wo wir, wo unsere Seele lauscht nach dem inneren Vaterhaus, das ja immer zugleich ein Mutterhaus ist, wo es wahrnehmen will, wie dieses Heimatgefühl sich anfühlt.

Vieles scheint bei Wilhelm Busch, dem Dichter unter anderem von Max und Moritz, mit leichter Hand geschrieben, wirkt locker in Reime verpackt, doch täuschen wir uns nicht: Hinter manchem Gedicht verbergen sich viele Tränen und viel Leid.
Vielleicht auch hinter jenen Zeilen von ihm:


Wie kam ich nur aus jenem Frieden

         Ins Weltgetös?

Was einst vereint, hat sich geschieden,
         Und das ist bös. 

Nun bin ich nicht geneigt zum Geben,
             Nun heißt es: Nimm!
Ja, ich muss töten, um zu leben,
            Und das ist schlimm. 

Doch eine Sehnsucht blieb zurücke,
    Die niemals ruht.
Sie zieht mich heim zum alten Glücke,
 Und das ist gut. 

Hinter all den Verletzungen des Lebens wartet jenes alte Gück, das in Wirklichkeit niemals altert, weil es ein ewiger Jungbrunnen ist, und wenn wir uns darauf zubewegen, dann kommt uns der Vater mit ausgebreiteten Armen entgegen und führt uns ins Haus, das erleuchtet ist vom heiligen Glanz unserer inneren Mutter.
Frieden gibt es nur hier und wir sollten auch wissen: Wenn wir Frieden in uns fühlen, dann sind wir auch in diesem Haus, zu Hause.
Auf der Erde ist es dem Menschen vielleicht nicht dauerhaft möglich, im inneren Vaterhaus zu sein, aber doch immer bewusster und immer freudiger zieht es unser Bewusstsein dort hin.
Genauer gesagt: Dieses Haus unserer geistigen Eltern, unsere geistige Familie nehmen wir dorthin mit, wohin wir gehen, und die Menschen, denen wir begegnen, spüren die Macht und die Heiligkeit der inneren Eltern, die immer bei uns sein wollen und sind.