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Freitag, 13. Februar 2009

Es war, als hätt der Himmel / Die Erde still geküsst: Erinnerung schafft das Morgen – die Magie der Hoffnung.




Es war, als hätt der Himmel
Die Erde still geküsst,
Dass sie im Blütenschimmer
Von ihm nun träumen müsst.

Die Luft ging durch die Felder,
Die Ähren wogten sacht,
Es rauschten leis die Wälder,
So sternklar war die Nacht.

Und meine Seele spannte
Weit ihre Flügel aus,
Flog durch die stillen Lande,
Als flöge sie nach Haus.

Wenn wir tief in uns gehen, wenn wir den Weg der Er-inne-rung nach innen gehen, kommen wir in jene Zeit, da der Himmel einst die Erde immer wieder küsste; es war - so entnehmen wir der griechischen Mythologie - zu Zeiten der Regentschaft von Uranos, dem Himmel, und Gaia, der Erde, noch bevor die Herrschaft der Zeit, die Herrschaft des Gottes Kronos einsetzte – es war das Goldene Zeitalter; die Bibel nennt es Paradies.

Wir meinen, das sei Ewigkeiten her. Das ist es natürlich auch, doch was Dichter wie Eichendorff ahnend zum Ausdruck bringen und all unsere Seelen wissen: In gewissen Mondnächten wiederholt er sich, dieser Himmelskuss, und die Erde träumt ihr ewiges Es war einmal, träumt von ihrem Geliebten, dem Himmel.

Magisch lebt dann die ganze Welt.
Kein Wunder ist die Luft in der zweiten Strophe von Eichendorffs Mondnacht ein lebendiges Wesen, sie geht durch die Felder; auch die Ähren sind lebensvoll beseelt, sie wogen, ebenso die Wälder, sie rauschen; und die Nacht zeigt uns alle ihre Sterne.

Es scheint, als ob alles in der Vergangenheit spiele, die Luft ging, die Ähren wogten, die Wälder rauschten: Alles geschieht in der Vergangenheit.
Und doch geschieht alles auch im Augenblick des Lesens.
Warum ist alles uns so präsent?
 

Es ist nicht nur die griechische Mythologie, die den Hintergrund bildet für das Glück des Anfangs, dessen Wirklichkeit unsere Seelen alle erlebt haben, dessen Wirklichkeit selbst der Konjunktiv II in "hätt" nicht schmälern kann, ja, im Gegenteil, vielleicht gerade hervorlockt; es ist auch die griechische Weisheitslehre, die den Hintergrund zur dritten Strophe bildet.
 

Wir hören Platons Worte aus dem Phaidros:

Wenn die Seele vollkommen und geflügelt ist,
schwebt sie in der Höhe und durchwebt das ganze Weltall.

 
Wenn sie dies tut, kann sie jederzeit nach Hause fliegen.
Ja, wenn sie so fliegt, dann ist sie zu Hause.
 

Es gibt wohl keine Zeilen mehr in der deutschen Lyrik, welche die Menschen – man möchte fast sagen: die Menschheit – auf so innige Weise versammelt vor dem Altar der kosmischen Hochzeit; und alle wissen:
 

* Ja, der Himmel hat einst die Erde still geküsst, wir waren dabei.
* Ja, der Himmel wird die Erde wieder küssen; wir werden dabei sein.
* Ja, wir fliegen alle einst nach Hause. Und wenn wir daran glauben: in einer Mondnacht.
Auch Richard Dehmel weiß von diesem Moment in seinem Gedicht Manche Nacht.

Es ist die Magie der Hoffnung, welche die Menschen vereint.
 
Wie heißt es am Schluss der Märchen:

Und wenn sie nicht gestorben sind, so leben sie noch heute.

Die Bedingung "Und wenn …" ist für Erwachsene geschrieben, damit ihnen die Option der Hoffnung offenbleibt.
Ein Kind glaubt ohnehin, dass sie noch heute leben und das heißt: für immer.
 

Der Konjunktiv II, den Eichendorff auch am Schluss verwendet – "… als flögen sie …" – ist den Erwachsenen geschuldet.
 

Ein Kind weiß:

Wenn die Seele weit ihre Flügel ausspannt,
dann fliegt sie nach Hause;
dann ist sie zu Hause.

Und in diesem Moment, wo wir obige Zeilen lesen, spannt unsere Seele trotz der Vergangenheitsform "Es war …" und trotz der Unwirklichkeit des Konjunktiv II ihre Flügel aus und sie fliegt für diesen Moment.


Es gibt keinen wertvolleren Augenblick
als diesen Moment der Hoffnung.

Hoffnung ist unsere Wegzehrung.

Durch sie vereinen sich in uns Weg und Ziel.

Im Ziel sind wir zu Hause, gewiss.

Doch unterwegs haben wir Hoffnung und Weg und Ziel.

In einem.

Ja, wir dürfen dieses Unterwegs-Sein sogar genießen.
In diesem bewussten Unterwegs-Sein
kommt uns der Vater schon entgegen.

Auch wenn das große Gleichnis anders überschrieben ist:

Der verlorene Sohn, die verlorene Tochter
sind verloren nur aus der Sicht von Menschen.

Unser geistiger Vater gibt uns niemals verloren.


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Samstag, 7. Februar 2009

Wortschrott

Nun heißt die Abwrackprämie Umweltprämie.

Logisch, wie auch sonst.

Man verschrottet, was noch voll fahrtauglich ist, weil wir Schrott brauchen, klar.

Unserer Umwelt zuliebe.

Wenn Worte sich doch wehren könnten und den verlogenen Lügnern ins Gesicht sprängen.

Dann wäre zwar fast jedes Parlament ein Lazarett.

Aber wir kämen bei solch einem Anblick der Wahrheit vielleicht näher.
Falls dann weniger gesplogen wird, dieser cruden Mischung aus gesprochen und gelogen.
Auch und gerade von unseren Politikern.
Es sind halt nun mal "unsere" ... 
... ein Teil von uns ...

Freitag, 6. Februar 2009

Der Deutschen liebstes Kind ist nicht das Kind: die Abwrackprämie.

Welcher Vater, welche Mutter hätte sich das nicht gewünscht:
Von Vater Staat eine Starthilfe ins Leben für ihr Kind.

2500 Euro, wenn Sie ein Kind zeugen!
Klar zeugen Sie es sowieso.
Aber auch Autos sterben sowieso, auch ohne Sterbeprämie ...
Und wenn Autos schneller gestorben werden, dürfen doch wohl auch Kinder kostengünstiger geboren werden ...

So aber denkt der deutsche Politiker nicht!

Zwar schraubt der ja immer mal wieder ein bisschen am Kindergeld, damit der Betrag im Realwert wenigstens einigermaßen gleich bleibt, aber geliebt wird dieses Kindergeld von unseren Politikern nicht, geschweige denn die Kinder ...

... oh ... sowas darf man doch nicht sagen, schließlich haben die Politiker auch Kinder zu Hause, die sie lieben ... und dass sie sie lieben, ist der Beweis, wie kinderlieb ihre Politik doch ist - so logisch wie einfach ist das.
Besonders an Weihnachten. Und das ist immerhin einmal im Jahr.

Wer allerdings wirklich geliebt wird, zeigt sich in Deutschland daran, wem das Geld zufließt und lieber wird das Sterben eines Autos unterstützt als die Geburt eines Kindes.
Schließlich floriert ja die Wirtschaft, wenn ein Auto stirbt ... und nach neun Jahren Autoleben kann man schon mal ein Autosterben unterstützen ... damit der Geldverkehr lebt.

Unbestritten gilt: Geldverkehr ist wichtiger als Geschlechtsverkehr - vor allem, wenn Ersterer in Liebe geschieht.
Geld zu lieben ist halt auch leichter. Geld ist einfach anspruchsloser, pflegeleichter, man muss ihm nicht antworten und es ist einfach da, wenn man es braucht, es zahnt nicht, muss nicht zum Kinderarzt, wird nicht eingeschult und pubertiert nicht ...

Und klar ist: die Wa(h)re Liebe wird nicht an irgendwelchen Herz-Einheiten gemessen, sondern am Euro.

Das funktioniert vor allem immer dann, wenn das Herz so hart ist wie die Währung.

Zwar ist die nicht mehr so hart wie früher und leider wird - was man erwarten könnte - das Herz nicht zugleich weicher, sondern schwächer.


Aber: Ein Herz kann man ja heute auch ersetzen, wenn es seinen Dienst aufkündigt.
Die Abhängigkeit vom Herzen sinkt - ein kultureller Fortschritt.

Erstaunt?
Nicht im Ernst: Kultur dient nur der Wirtschaft als Ornament.

So ist nun mal die Logik unseres gesellschaftlichen Lebens.

Ja, in Deutschland muss man ein Auto sein oder Geld, um wirklich geliebt zu werden!
Ein Kind kostet, hat Ansprüche, will geliebt sein und andere Dreistigkeiten mehr.
Subventioniert wird das Kind an sich erst, wenn die Politiker ihre Renten gefährdet sehen.
Doch vorher sterben die Volksvertdrehter, auch ohne Prämie. - Warum also umdenken?!
Für die Kinder?
Wo kämen wir dahin!

Solange der Staat ein Mann ist und Mutter Staat nicht einmal als Möglichkeit in Betracht kommt, ist die alte Ordnung nicht gefährdet; schließlich war auch Gott schon immer ein Mann und der Papst ein Papa ...
Trotzdem: Kinderliebe ist so selbstverständlich, dass sie nicht in die Verfassung muss ...
Schließlich haben wir die Prügelstrafe schon abgeschafft, die äußere ...
... innen prügeln wir munter weiter ...

Samstag, 31. Januar 2009

"Wo fass´ ich dich, unendliche Natur! Euch Brüste, wo?" - Natur ist Sinn. - Wahre Sinnlichkeit ist Natürlichkeit!




Ja, es gibt ein Leben ohne den Faust, ein Leben ohne Goethe, aber mit ihnen, dem großen Weimarer und seinem geistigen Testament, wird manches sinn-voller.
So heißt es zu Beginn von Faust I (423f):

Und wenn Natur Dich unterweist, dann geht die Seelenkraft dir auf ...

Sicherlich gibt es noch andere Wege, damit die Seelenkraft in uns aufgehe, aber es gibt keinen umweltfreundlicheren, keinen offensichtlicheren, keinen näher liegenden und preiswerteren als das, was uns umgibt: Natur. Und wenn sie in uns einzieht, wenn wir anerkennen, dass sie unser Lehrmeister sein kann, dann kann sich unsere Seele auf ungeahnte Weise entfalten, dann erkennen wir in manch kleiner weißen, gelben, weißgelben Blume den Ring des Göttlichen, den Spiegel der Sonne mitten unter uns.
Und es gibt ein Wissen, das Goethe uns voraus hat, nachzulesen ebenfalls in Faust I (455f): Natur ist Sinnlichkeit pur:

Wo fass´ ich dich, unendliche Natur!
Euch Brüste, wo? Ihr Quellen alles Lebens ...

Goethe war nicht nur eine zutiefst religiöse und zutiefst romantische Seele, sondern aufs Innigste mit der Natur verbunden; in ihr manifestiert sich ihm Göttliches und Menschliches zugleich, zu erkennen u.a. in seinen Werther-Briefen. Zugleich war er mit dem Terrain des Weiblichen sehr vertraut; viele seiner zahlreichen Liebesgedichte sind wort-materialisierte Bezeugungen und Zeugnisse für die Liebe und das Wesen des Weiblichen. Für ihn ist es das Weibliche, das Menschliches und Göttliches verbindet.
Kein Wunder verschmelzen ihm diese beiden Bereiche des Lebens, Weiblich-Sinnliches und Natürliches. Und kein Wunder (er-)fasst er die Natur, wenn er Gleiches mit Brüsten tut und sie mit Quellen des Lebens vergleicht - Weiblichkeit ist ihm Natur pur.
Das darf man dem großen Liebenden, der sich noch mit 72 Jahren unsterblich verliebte und es so ernst meinte, dass er seinen Herzog als Brautwerber vorschickte, wirklich glauben. Als er damals erkennen musste, dass weder die Auserkorene noch deren Mutter seinem An-Sinnen folgen wollten, schrieb er sich seine Liebe vom Leibe und mitten in seine Seele, in der sie uns noch heute vorliegt als die berühmte Marienbader Elegie.

Was aber Goethe uns wirklich voraus hat, ist die Erkenntnis, die sich indirekt aus den Worten seines Faust ergibt:

Natur ist Sinnlichkeit und
Weiblichkeit pur und
wahre Sinnlichkeit ist ohne Natur-Sinn nicht denkbar.

Sinnlichkeit ist ohne Natürlichkeit nicht möglich.
Sinnlichkeit erschließt sich auf natürlichem Wege - oder gar nicht.

Was Goethe von der prostitutiven Geilheit vieler unserer Zeitgenossen halten würde, lässt sich denken.

Haben Männer ohne Zugang zur Natur auch in Wahrheit keinen Zugang zu wahrer Weiblichkeit?


Die Abbildung der Schlüsselblume ist entnommen dem leider
nicht mehr aufgelegten im Schwitter-Verlag 1978 erschienenen
Das große Buch der Heilpflanzen. Foto: Norma Schwitter.
Ja, in der Tat, die Abbildung zu Beginn - das ist mein Faust :-))

Donnerstag, 8. Januar 2009

Du gleichst dem Geist, den du begreifst, / Nicht mir! - Über die Magie der Realität in Goethes "Faust".

Eine wahrlich magische Stelle in der Weltliteratur findet sich - wie sollte es anders sein - in Goethes Faust I.
Jener berühmte Dr. Faustus, der so die Nase voll hat von dem ganzen trockenen universitären Kathederwissen, ist gerade dabei, den Erdgeist zu beschwören, um mit Magie herauszufinden, was die "Welt im Innersten zusammenhält." Vor sich ein geheimnisvolles Buch des Nostradamus (1503-1566) will er anstelle trockener Sinne seine Seelenkräfte so aktivieren, dass er - wie er selbst es formuliert - an die "Brüste der Natur", die "Quellen allen Lebens" herankommt. Fast übermütig fragt er sich angesichts des Zeichens des Makrokosmos, des Hexagramms, das ihn inspiriert und belebt: "Bin ich ein Gott? Mir wird so licht." - Kurze Zeit später wird er von sich als "Ebenbild der Gottheit" sprechen.
Als das magische Ritual und damit die Beschwörung des Erdgeistes gelingt und jener auftaucht, ist Faust durch dessen Ausstrahlung und Intensität völlig überfordert:

"Weh! Ich ertrag dich nicht!"

Jener Erdgeist ist uns kein Unbekannter. Im Werk von Giordano Bruno (1548-1600) taucht er als anima terrae, als Seele der Erde auf, und bei Paracelsus (1493-1541) finden wir einen archeus terrae, also einen (Welt-)Geist der Erde.

Gerade will Faust - der Erdgeist hat soeben beruhigend gesprochen - sich diesem Wesen anbiedernd nahen, da spricht jener - und darauf wird er sofort entschwinden - obige Worte:

        Du gleichst dem Geist, den du begreifst, / Nicht mir!

Was später Faust zum Verhängnis werden wird, dass nämlich unter dem Einfluss von Mephistopheles sein Streben nach Erkenntnis kein Maß und Ziel kennt, deutet sich hier schon an, wenn er dem Erdgeist nachruft:

         Und nicht einmal dir!

Welch eine Hybris - welch ein geistiger Übermut!

Da klopft es.
Und herein durch die Türe tritt Wagner, ein alternder wissenschaftlicher Assistent des Universitätswissenschaftlers Faust, den dieser gar nicht sonderlich mag, geht er ihm doch mit seiner devoten Haltung auf den Keks, und nicht zufällig bezeichnet ihn Faust als trockenen Schleicher. Angetan ist jener zudem mit einer Schlafmütze, noch eine Lampe in der Hand ... der Biedermann in Person, ein deutscher Michel.

Faust ist stinkesauer, dass dieser trockene Schleicher ihn stören muss mitten in der Fülle seiner so hehren Gesichte.

Ziemlich überheblich wirkt Herr Doktor Faustus, und vielleicht gerade deshalb hat er seine Lektion nicht gelernt, die ihm der Erdgeist mit auf den Weg gab, ja, in Wirklichkeit hat er nicht einmal erkannt dass es FÜR IHN etwas zu lernen gab.

Just in dem Moment, als dieses hohe Wesen, der Erdgeist also, unseren Faust in die Schranken verweist durch eben jenen oben angeführten Satz - Du gleichst dem Geist, den begreifst, / Nicht mir! ... - taucht sein biederer Famulus auf.
Das ist in Wahrheit jener Geist, den Faust begreift.
Dies wollte ihm der Erdgeist vermitteln: Diesen, deinen Famulus begreifst Du, mich nicht!

In Wirklichkeit bist Du nicht weiter als er, obwohl du dich auf eine Stufe mit mir stellst!
Kapier das, Du bist nicht der, für den Du Dich hältst!
Ein bisschen mehr Bescheidenheit, also Demut bitte!

Am besten hätte Faust die Lampe seines Famulus, seines Dieners übernommen, damit sie ihn erleuchte.

So, ohne Selbsterkenntnis, schlafmützig selbstgefällig, wie er war, wäre ihm auch dessen Schlafmütze gut zu Gesicht gestanden.

Manches Mal kommt die Lernlektion einfach durch die Tür.

Das ist die wahre Magie, die Magie der Realität.

Wenn wir sie entschleiern, sehen wir Wahres über uns.
Dann können wir uns abwenden oder auf uns zugehen.



* Die Bilder enthalten magische Hexagramme von Eliphas Levi,
auch Siegel Salomos genannt oder Davidsstern.
** Das Motiv der Lampe, die man selbst in die Hand nimmt, findet sich auch
in Kafkas Prozess im Rahmen der Türhüterlegende
*** Mehr zu Goethes Symbolsprache hier.

Mittwoch, 31. Dezember 2008

Zum Neuen Jahr: Glück ist die Erkenntnis, dass Gott im Herzen wohnt ...

Nach altem Brauch wünscht man sich zum neuen Jahr viel Glück, obwohl wir wissen, dass es im Grunde genommen weder Glück noch Unglück gibt. Was also verstehen wir unter Glück? Macht uns die Befriedi­gung unserer materiellen Wünsche und Sehnsüchte glücklich? Wenn uns jeder materielle Wunsch, ja auch jeder Wunsch nach geistigen Dingen erfüllt würde, brächte uns das ein glückliches Jahr? Wir glauben es nicht, und ihr glaubt es wahrschein­lich auch nicht. Glück ist nicht einfach Vergnügen, denn das Glück kommt manchmal auch inmitten gro­ßen Leides. Glück, meine Freunde, ist die Erkenntnis, dass Gott im Herzen wohnt. Glück ist das Resultat von Lobpreisung, von Danksagung, von Glauben und An­nehmenkönnen, von tief innerem Bewusstsein göttli­cher Liebe. Das alles bringt der Seele vollkommenes und unbeschreibliches Glück. Gott ist Glück! Und so, meine Freunde, kommt es, dass wir euch we­der viel Glück noch Reichtum noch gute Gesundheit wünschen. Dafür wünschen wir euch allergrößtes Glücksempfinden in der Einheit eures Geistes mit dem Großen Weißen Licht, mit Christus und allen seinen Engeln. Wir wünschen euch „himmlisches Glücksemp­finden", denn kein irdisches Geschick kann euch die­ses wegnehmen. Weder Geburt noch Tod noch Sorgen irgendwelcher Art können euch das Glück des EINS­WERDENS mit VATER-GOTT rauben. So möget ihr denn im neuen Jahr dieses Glück fin­den und ein kleines Samenkorn säen oder auch ein klei­nes Licht leuchten lassen auf dem Lebensweg eines an­deren und so das Glück mit einem Bruder, einer Schwester teilen.
aus White Eagle, Geistige Jahreszeiten, Aquamarin-Verlag, Grafing 1997

Sonntag, 28. Dezember 2008

Wer bin ich? Wen sehen die Anderen in mich hinein? Wie lebe ich? - Die Antwort Albert Schweitzers.


In der Zeit zwischen den Jahren macht es besonderen Sinn zurückzuschauen und zu fragen, ob die Vergangenheit einen Rat für die Zukunft enthält, ob wir uns selbst in den vergangenen Monaten näher gekommen sind und inwiefern uns unsere Umgebung und die Menschen um uns eine Antwort geben auf die Fragen:
Wer bin ich?
Was spiegeln mir andere über mich?
Inwieweit finde ich zu meinem unverwechselbaren und wertvollen Selbst?


In einem Post kann man nicht annähernd eine Person umreißen, aber kleine Vermächtnisse weitergeben.

Eine der großen Jahrtausendgestalten des vergangenen zweiten nachchristlichen ist Albert Schweitzer, der als einer der führenden Bachorganisten seiner Zeit, Doktor der Philosophie, bekannter Theologe, Buchautor sowie Leben-Jesu-Forscher und ausgebildeter Arzt sich nicht zu schade war, in einen unbekannten Ort Afrikas, nach Lambarene zu gehen und dort Tieren und Menschen gleichermaßen das Leben zu retten.

Manchen Schüler mag trösten, was er selbst über sich schrieb:

"Mein Vater wurde zum Direktor geladen, der ihm sogar andeutete,
dass es viel­leicht am besten wäre,
wenn er mich vom Gymnasium nähme."


Und er erinnert sich noch über den Kommentar des Direktors unter seinen Abituraufsatz:
„Ich habe mehr von Ihnen erwartet.“

Doch ist sein Rat für Menschen, gerade auch für Jugendliche, in unserer Zeit, in der die Gefahr der Ablenkung so riesengroß ist, so wichtig:

Suche, ob sich nicht eine Anlage für dein Menschentum findet.
Lass dich nicht abschrecken, wenn du warten oder experimentieren musst.
Auch auf Enttäuschungen sei gefasst.
Aber lass dir ein Nebenamt, in dem du dich als Mensch an Menschen ausgibst, nicht entgehen.
Es ist dir eines bestimmt, wenn du es nur willst
.

Dabei kommt es Albert Schweitzer nicht darauf an, was andere von der Qualität der Arbeit halten, sondern für ihn gilt:

Sein Menschenleben neben dem Berufsleben rettet sich,
wer auf die Gelegenheit aus ist, in persönlichem Tun,
so unscheinbar es sei,
für Menschen, die eines Menschen bedürfen, Mensch zu sein [...]
Dass jeder in der Lage, in der er sich befindet,
darum ringt, wahres Menschentum am Menschen zu betätigen:
davon hängt die Zukunft der Menschheit ab.


Dabei glaubt er, dass jedem Menschen eine Kraft innewohnt, die ihn befähigt, ein großer Strom auf der Landkarte des Lebens zu sein.


Der Mensch als freier Geist ist nicht dazu bestimmt,
bloß Nebenfluss zu sein.
Jeder sollte seine eigene Bahn zum Ozean verfolgen,
mancher breiter und tiefer,
mancher vielleicht kürzer und flacher,
aber jeder frei und sich selbst treu.


Und dabei ist es nicht notwendig, dass ein Strom den anderen hindere. Der Globus des Lebens hat Raum für alle Ströme. Wir verwirklichen das, indem wir Ehrfurcht auch vor dem Leben des Anderen, des Nächsten haben:


Sich kennen will nicht heißen, alles voneinander wissen,
sondern Liebe und Vertrauen zueinander haben
und einer an den anderen glauben {...}
Es gibt nicht nur eine leibliche, sondern auch eine geistige Schamhaftigkeit,
die wir zu achten haben.


Uns gelingt es, wenn wir beherzigen, dass


"Die Reife, zu der wir uns zu entwickeln haben, (..)
die (ist), dass wir an uns arbei­ten müssen,
immer schlichter,
immer wahrhaftiger,
immer lauterer,
immer fried­fertiger,
immer sanftmütiger,
immer gütiger,
immer mitleidiger
zu werden.
"

Wenn wir das berücksichtigen, ja beherzigen, dann geschieht etwas, was Albert Schweitzer mit einem großen Wort so ausdrückt und was mich jedes Mal, wenn ich es lese, zutiefst berührt und auch mit großer Hoffnung füllt:

Finden sich Menschen,
die sich gegen den Geist der Gedankenlosigkeit auflehnen
und als Persönlichkeit lauter und tief genug sind,
dass die Ideale ethischen Fortschritts als Kraft von ihnen ausgehen können,
so hebt ein Wirken des Geistes an,
das vermögend ist,
eine neue Gesinnung in der Menschheit hervorzubringen.

* Das Bild ist entnommen dem Cover des leider nur noch antiquarisch erhältlichen, ehemals im Arena-Verlag erschienenen Buches von K.R. Seufert: "Das Zeichen von Lambarene. Albert Schweitzer gründet das Urwaldhospital." Würzburg 1992.
Umschlagillustration: Marlis Scharff-Kniemeyer
** Die Zitate sind weitgehend entnommen den Büchern von Albert Schweitzer "Aus meiner Kindheit und Jugendzeit" sowie "Aus meinem Leben und Denken".