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Samstag, 15. August 2026

🌟 Anbinden an die Liebe, Göttlichkeit und Verspieltheit der Delfine 🌟

aus "Lichtbotschaften von den Plejaden" (Band 6, erschienen 2020/2021):

"Die Delfine helfen durch ihre Anwesenheit dabei, den Menschen an die Kristallnetze des Planeten anzubinden. Sie helfen ihm, hier auf dem Planeten leichter zu leben und damit auch, auf natürliche Weise zu existieren. Die Kristallnetze, die gerade in der Erde entstehen und im Jahre 2021 komplett auf der ganzen Erdkugel vorkommen werden, verbinden den Menschen mit der Kristallmatrix der Galaxis. 

Die Delfine nutzen diese Matrix zum Heilen der menschlichen Wesen, und sie nutzen sie zur verstärkten Kommunikation zwischen ihnen und den Menschen. Sie sind an die Kristallreiche des Planeten angebunden und kommunizieren mit ihren lichtvollen Schutzpatronen. Sie bedienen sich der Intelligenz und Kommunikation der Kristalle und übertragen diese hochgradig heilsamen Frequenzen auf den Menschen. Den Delfinen geht es in dieser Zeit um eine wichtige Sache, und zwar – die menschlichen Wesen sich erinnern zu lassen, dass sie ein göttliches Wesen in einem menschlichen Körper sind. Sich erinnern zu lassen, dass jedes menschliche Wesen das göttliche Licht in sich trägt. Die Delfine haben sich entschieden, diese dringende Bitte der göttlichen Intelligenz weiterzugeben. Deshalb verbinden sie durch ihre Anwesenheit auf diesem Planeten die menschlichen Wesen mit dem göttlichen Licht. Wie bewundernswert diese Wesen doch sind – und wie schätzenswert! 

Die Delfine treten als Medien für die Übertragung der göttlichen Liebe und der göttlichen Informationen auf. Die göttliche Liebe und die göttlichen Informationen gehen durch ihre Körper und Seelen hindurch. Und sie geben diese an euch weiter. Jedes menschliche Wesen kann sich an ihre Liebe, Göttlichkeit und Verspieltheit anbinden. Und es ist egal, ob ihr den Delfinen schon physisch begegnet seid oder nicht. Sie übergeben allen menschlichen Wesen, die sie empfangen möchten, ihre Liebe, Göttlichkeit Verspieltheit.

Ihre Symbiose mit den anderen Lichtwesen ist unbeschreiblich schön. Wenn wir Delfine beobachten, die durch Ozeane und Meere schwimmen, erkennen wir auch eine riesige Anzahl an Lichtwesen, die sich in ihrer Nähe aufhalten. 

Diese ganze riesige lichtvolle Gruppe hat eine gemeinsame, große Absicht – mit ihrer Liebe und ihrem Licht der menschlichen Gemeinschaft zu helfen und der Natur zu helfen, ihre Kraft und Gesundheit wiederherzustellen. 

Falls du ein Mensch bist, den Delfine faszinieren, kannst du dir sicher sein, dass deine Seele schon mit dem Bewusstsein der Delfine verbunden ist. Deine Faszination verbindet dich mit ihrem Reich und mit dem Reich der Wale, die ebenfalls mit Delfinen kommunizieren

Die Wale haben eine ähnliche Aufgabe auf der Erde wie die Delfine, aber ihre Hauptaufgabe besteht darin, die Menschen an die perfekt funktionierende und hoch schwingende Beziehung zwischen Mutter und Kind zu erinnern. Sie zeigen durch ihre Existenz, dass die Liebe zu Kindern das schönste und stärkste Band ist, das zwischen Lebewesen existiert. 

Ein weiterer Vorsatz der Wale ist die Übertragung der mütterlichen Liebe der Erde auf Menschen. Die Wale sind sehr mit der Erdenseele der Gaia verbunden, die Delfine tragen eher galaktisches Wissen in sich."

Bild: Delfine vor Istanbul (Instagram)

Montag, 14. Februar 2022

Was Paracelsus (1493-1541) zur Globalisierung gesagt hätte:

Wenn wir über die Schöpfung der natürlichen Dinge – von allem und jedem, was Gott geschaffen hat – recht unterrichtet sind, dann nur, indem ein jedes Land das Eigene erkennt, das in ihm ist und wächst, indem ein jeder Mensch die eigene Erkenntnis seiner selbst hat, auch, indem Handwerke und Gewerbe Kenntnisse überliefern in ihren Gegenständen.

Auf diese Weise lassen sich alle Geschöpfe erkennen, die Gott geschaffen hat, und nichts ist verborgen, das der Mensch nicht wüßte oder wissen könnte.

Nicht, daß alles in Einem wäre, d. h. daß ein Mensch alles weiß, sondern ein jeder weiß das Seine: Wenn sie alle zusammen kommen, dann wird alles bekannt.

Ebenso gilt auch, daß nicht ein Land die Kenntnisse aller Länder hat, aber es hat seine eigene Kenntnis: Wenn alle Länder zusammen genommen werden, dann ist wieder alles bekannt. Und eine jede Stadt, ein jedes Dorf, Gehöft etc. hat sein eigenes Wissen von allen natürlichen Dingen.

Dazu kommen die Handwerke und Gewerbe, bei denen alles Geschaffene nutzbar gemacht wird – das dazu, das hierzu – und so wird alles nutzbar gemacht und bei allem in Erfahrung gebracht, wozu es geschaffen ist. Und das mündet zuletzt darin, daß alles dem Menschen dient und ihm untergeben ist.

[…] der Mensch ist mehr als die Natur. Er ist Natur. Er ist auch Geist. Er ist auch Engel: Er hat die Eigenschaften derer drei. Wandelt er in der Natur, so dient er der Natur, wandelt er im Geist, so dient er dem Geist, wandelt er wie die Engel, so dient er als ein Engel. Das erste gehört dem Leib an, die beiden andern sind der Seele eigen und sind ihr Kleinod. Darum also, weil der Mensch eine Seele hat und damit die zwei, darum schreitet er über die Natur hinaus und kann auch das erforschen, was nicht der Natur angehört, kann etwa die Hölle, den Teufel und dessen Reich erfahren und ergründen. Ebenso kann der Mensch auch den Himmel und dessen Wesen ergründen, nämlich Gott und sein Reich. Denn wer an einen Ort gehen muß, soll zuvor das Wesen des betreffenden Ortes kennen, dann kann er wandern, wohin es ihn verlangt.
[…] er ist darum geschaffen, um von den Wunderwerken Gottes zu reden und auf sie hinzuweisen.

Bei jedem Werk, das Gott geschaffen hat, vermag der Mensch, es nach Wesen und Eigenschaft zu ergründen: Denn nichts ist geschaffen, das der Mensch nicht ergründen könnte, und ist darum geschaffen, auf daß der Mensch nicht müßiggehe, sondern wandle in den Wegen Gottes, d. h. in seinen Werken. Nicht im Laster, nicht in Hurerei, nicht im Spielen, nicht im Saufen, nicht im Stehlen, nicht im Güter-Anhäufen oder Schätze-Sammeln für die Würmer, sondern er soll seinen Geist, sein Licht, seine Engels-Art auf die Betrachtung der Dinge richten, die von Gott sind. 

(´Prologus´ aus "Buch von den Nymphen, Sylphen, Pygmaeen, Salamandern und den übrigen Geistern")

Sonntag, 21. Juli 2019

"An eine Rose". Hölderlins Bekenntnis zur Wiederkehr der Seele.

Ewig trägt im Mutterschoße
Süße Königin der Flur!
Dich und mich die stille, große,
Allbelebende Natur;
Röschen! unser Schmuck veraltet,
Stürm' entblättern dich und mich,
Doch der ewge Keim entfaltet
Bald zu neuer Blüte sich. 

Obwohl Hölderlin an der einer traditionellen Theologie verpflichteten Universtität Tübingens ´Gotteskunde´ studierte, schloss er sich doch der Sichtweise eines Lessing, Herder, Sokrates, Empedokles und Pythagoras an, die - wie im Übrigen auch Goethe und Schiller - von der Wiederkehr der Seele überzeugt waren, was keineswegs bedeutet, dass sie ewig wiederkehrt, wie das manche simplifizierend wissen wollen.


Samstag, 8. Juni 2019

Pfingstsegen.

Wenn Ostern, das große Fest der Auferstehung, vorüber ist, hat man das Gefühl, als ob sich eine Stille auf die Erde herabsenke. Trotz der Üppigkeit des Wachstums und der Emsigkeit des neu erwachten Lebens spürt man einen fundamentalen, tiefen Frieden, den wir dem Mutteraspekt der Gottheit zuordnen, dem Aspekt, der allem Schönen Gestalt verleiht (...)

Betrachtet die Pfingsttage als eine Gelegenheit, die Bruderschaft allen Lebens zu überdenken und sie euch erneut vor Augen zu führen. Die Brüder versammeln sich an einem bestimmten Ort, in Harmonie und gegenseitiger Übereinstimmung. Solche Zusammenkünfte zwischen Männern und  Frauen in Harmonie und Brüderlichkeit bildeten einen Teil jener uralten Religion der Gott-Menschen, die zur Anfangszeit auf die Erde kamen, um der jungen Erdenmenschheit zu helfen, den Weg zur Wahrheit und zu Gott zu finden (...)
Es ist nichts Neues für die Menschen, sich in Gruppen oder in Bruderschaften zusammenzuschließen. Über die Jahrtausende haben sich Männer und Frauen im Geiste der Übereinstimmung zusammengefunden, um die Sonne, den Quell allen Lebens, und um die Große Mutter, die Spenderin aller Nahrung zu verehren. Somit, als die ersten Christenbrüder zusammenkamen, folgten sie lediglich dem Vorbild, das sie von ihren Vorfahren übernommen hatten, sie kamen zusammen, um Gott, Spender allen Lebens, und die Große Mutter, Spenderin aller Nahrung, in Andacht zu verehren.

Die ganze Natur war im Gottesbild der Menschen der Frühzeit enthalten. Der heutige Mensch wird wieder lernen müssen, sowohl mit den Naturgesetzen als auch mit den geistigen Gesetzen in Harmonie zu leben.

Das geistige Gesetz ist nichts anderes als das Gesetz der Liebe (...)

Die Menschen meinen, sie müssten für ihr Recht kämpfen, doch Jesus lehrte das nicht. Jesus lehrte euch, still zu werden ... zu lieben. Die älteren Brüder und die großen Meister aller Zeiten lehrten dieselbe fundamentale Wahrheit. Damit ist nicht gemeint, untätig zu sein, wenn es gilt, eine Wunde zu heilen oder einem Mitmenschen zu helfen. Vielmehr sollt ihr das Gesetz der Bruderschaft verwirklichen, und indem ihr das tut, setzt ihr die Macht der göttlichen Magie in Bewegung, die alle Dunkelheit erhellen und alle Schwierigkeiten überwinden kann. Welcher Art euer Konflikt auch sein mag, welches Problem auch immer ihr in eurem Leben lösen müsst, wenn ihr geduldig seid, wenn ihr Liebe und Dankbarkeit und das Licht Christi ausstrahlt, dann werdet ihr finden, wie wirksam diese Magie ist (...) Mit dieser positiven Haltung könnt ihr der ganzen Welt helfen.
aus  White Eagle, Geistige Jahreszeiten

[Übrigens sollten Frauen sich nicht ausgeschlossen fühlen, wenn von der Bruderschaft bzw. den Brüdern die Rede ist, denn in der Geistigen Welt hat das Wort von dem Bruder und der Schwester eine viel umfassendere Bedeutung, als wir es uns, wenn wir in unseren Geschlechterkategorien denken, vorstellen können. Vergessen wir zudem nicht, dass Jesus nach seiner Auferstehung sich einer Frau offenbarte (nur einer Frau offenbaren konnte!), während die "Brüder" in Jerusalem saßen und vor sich hinzitterten. Erst als er von einer Frau erfuhr, dass Jesus auferstanden sei, spurtete Petrus sehr sportlich zum Grab. Sonst säße er vielleicht noch heute jammernd in Jerusalem.]


https://blogger.googleusercontent.com/img/b/R29vZ2xl/AVvXsEir88sqxOFK6xCPfjWrvAogs2OP-4FXeR2l_JPIqUeXr1QZKFlw8N_dBSXqzqiEJMimBjW64DdQYWJ3uPfPNMV-29JaES_yabdkJl0RjkYtRWi0cCubH2FkChXeCl2bWGdcVL9r3Or0lcuK/s1600/Hiawatha_and_Minnehaha.jpg
Hiawatha und Minnehaha.
In H.W. Longfellows Epos über das Leben des
Häuptlings Hiawatha heiratet dieser Minnehaha.
Die Statue lässt die Liebe der beiden erahnen.
Bild Wikipedia, urheberrechtlich gemeinfrei
White Eagle ist ein geistlicher Lehrer, dessen Gedanken und Worte durch das Medium Grace Cooke, mit der er in vielen Leben verbunden war, übermittelt wurden. 
White Eagles letzte Inkarnation liegt wohl 450 Jahre zurück. Damals war er, wie Grace Cooke seinen Hinweisen entnehmen konnte, der Mohawk-Sachem Hiawatha, also der Friedenshäuptling eines zu den Irokesen gehörigen Stammes. 
Unter den Indianern genoss er eine unglaublich große Verehrung; dadurch konnte er maßgeblich zur Gründung des Bundes der Irokesen beitragen, der die internen schrecklich blutigen Auseinandersetzungen beenden sollte.
Seine durch Grace Cooke übermittelten Schriften sind geprägt von einer einfachen, schlichten Sprache und genauso einfach und zugleich wertvoll ist die vermittelte Wahrheit. Zahlreiche Bücher sind von ihm erschienen; für mich zu den wertvollsten zählen "Die Verborgene Weisheit des Johannesevangeliums", "Die Göttliche Mutter", "Geistige Jahreszeiten" und "Naturgeister und Engel".

Dienstag, 2. April 2019

"Versäumter Schlaf von einem vorgen Sein". Heute wenig bekannt, aber als Mensch und Dichter unserer Beachtung wert: Christian Wagner

Durch seinen ca. 20 Kilometer vor den Toren Stuttgarts gelegenen Heimatort Warmbronn bin ich des Öfteren gewandert und auch gefahren, ja, habe dort sogar mehrmals Bekannte besucht; leider habe ich nie daran gedacht, mir mal sein Geburtshaus anzusehen, das Ende des letzten Jahrhunderts mit knapper Not dem Schicksal entging, für einen Supermarkt dahingeopfert zu werden - den Bürgern, die sich einsetzten, sei noch im Nachhinein vielmals gedankt.
Als einfacher Bauer konnte Christian Wagner (1835-1918) kaum für den  Unterhalt seiner vielköpfigen Familie sorgen, musste Schulden machen und sich zusätzlich als Holzfäller verdingen. 
Erst im letzten Drittel seins Lebens, als sich Hermann Hesse und andere für ihn einsetzten und ihm zunehmend eine recht große öffentliche Aufmerksamkeit zuteil wurde, ging es ihm besser, ja, er konnte finanziell abgesichert leben.

Für nicht wenige war er ein unbequemer Zeitgenosse, setzt er sich doch für den geschundenen Teil der Menschheit, die Schwarzen ein und weigerte sich, die Weltkriegsgegner Deutschlands, insbesondere die Franzosen, zu diffamieren.

Auch seine religiös-ethischen Gedanken fielen aus dem Rahmen, war er doch ein überzeugter Verfechter der Reinkarnation; darauf verweist auch sein Gedicht Spätes Erwachen, das zeigt, dass dieser Mann nicht, wie üblich, sein vorgeburtliches Sein cancelte und sich nicht an das Verdikt der Katholischen Kirche hielt, die durch Konzilsbeschluss allen Erdenbürgern bis heute verboten hat, an Seelenwanderung zu glauben (Lessing, Goethe, Wilhelm Busch, Michael Ende und viele andere haben sich Gott sei Dank auch nie daran gehalten):


So wie ein Mensch nach lärmendem Gelag
Noch spät zu Mitternacht nicht schlafen mag
Und seine Ruh′ erst findet knapp vor Tag,

Und süß erst schläft bei hellem Morgenschein,
So reichte in die Jugend mir hinein
Versäumter Schlaf von einem vorigen Sein.

O wüßt′ ich doch, was mich nicht schlafen ließ!
Ob mich ein Gott vom Bacchanal verstieß?
Ob ich betrunken kam vom Paradies?


PS: Eine meiner Wagner-Lieblingsstrophen lautet:
Dein ist alles, all der Blumen Glühen,
wenn hervor sie aus sich selber blühen.
All die Rosenknospen auf der Erden,
wenn sie Rosen in dir selber werden.

Freitag, 28. Dezember 2018

Laß mich für die Erde / Sinnen, daß sie werde / Durch und durch verschönt! - Friedrich Rückerts ganz persönlicher Weltgesang.

Selten habe ich ein Gedicht gelesen, das thematisch so viel anspricht, so vielschichtig ist. Es ist wohl so wie jener Mann, der es geschrieben hat, der 50 Sprachen beherrschte und aus 44 Sprachen Texte übersetzte, der 10 Kinder zeugte, wobei seine auch durch die Vertonung von Gustav Mahler so bekannt gewordenen Kindertotenlieder zeigen, wie sehr er unter dem Tod zweier litt. 
Er hat über 1000 Gedichte geschrieben, was ein Leistungs-, aber noch kein Qualitätsnachweis ist. Als kleiner Anhaltspunkt aber sei gesagt, dass er mit einigen seiner Gedichte eigentlich in jeder Gedichtanthologie zu finden ist.
Das folgende findet sich nicht unter denen, die dort anzutreffen sind; wenn es nach mir ginge, stünde es dort. Es berührt mich schon gleich zu Beginn, wenn es über das eigene Leben und sein Verhältnis zur Welt heißt: Wo du mir geschwunden, / Hab' ich dich gefunden / Inniger in mir. - Worte, die mich berühren, weil sie eine Erfahrung betreffen, die auch ich gemacht habe: Wenn die Welt schwindet, die Vorstellung, die sich die Menschen und man selbst von ihr macht - und das geschieht eben manchmal und vor allem durch leidvolle Erfahrungen -, dann findet man etwas, was wert ist, Welt genannt zu werden und es ist möglich, dem Leben so produktiv-schöpferisch zu begegnen, wie Rückert das in der letzten Strophe tut.

Vorausschicken möchte ich zum besseren Verständnis noch, dass Rüster eine andere Bezeichnung für Ulmen sind, Brodem ausströmender Dunst bzw. Dampf und Unke eine recht flache Kröte, bauchseits mit Warnfarben, an der Oberfläche braun-grau-schwarz.


Friedrich Rückert (1788 - 1866)
 Waldstille.
..Tief im Walde saß ich,
Und die Welt vergaß ich,
Die nie mein gedacht;
Mich in mich versenkt' ich,
Und mein Sinnen lenkt' ich
In des Daseins Schacht.
...Welt, ich dein vergessen?
Erst dich recht besessen
hab' ich fern von dir.
Wo du mir geschwunden,
Hab' ich dich gefunden
Inniger in mir.
..Wie durch Bachkrystallen,
Dir mit Wohlgefallen
Schau' ich auf den Grund.
Du bist nicht so böse,
Wie du mit Getöse
Selbst es thuest kund.
..Draußen im Gewirre
Kann man werden irre,
Welt, an sich und dir;
Fern von deinem Rauschen
Kann ich dich belauschen
In mir selber hier.
..Leise hör' ich flüstern
Jedes Blatt der Rüstern,
Jegliches Gefühl
Sich im Busen regen,
Wie die Winde legen
Sich im Laubgewühl.
..Einen leisen Odem
Hör' ich, der den Brodem
Haucht hinweg vom Tag.
Du bist ohne Schleier,
O Natur, und freier
Geht mein Herzensschlag.
..Durch des Waldes Stille
Tönt die Sommergrille,
Und die Unk im Sumpf;
Lauter oder leiser,
Keine Stimm' ist heiser,
Keine Stimm' ist dumpf.
..Wer den Ton gefunden,
Der im Grund gebunden
Hält den Weltgesang,
Hört im lauten Ganzen
Keine Dissonanzen,
Lauter Uebergang.
..O Natur, du große
Mutter die im Schooße
Viele Kinder hält!
Lächelst recht von Herzen,
Wenn sie fröhlich scherzen,
Wie dir's wohlgefällt.
..Wenn die Kinder streiten,
Schlichtest du beizeiten,
Brauchest deine Macht;
Wenn sie sich verlaufen,
Sammelst du den Haufen
Doch zu dir bei Nacht.
..Deine Sonne wecket
Alles was bedecket
Goldner Schlummerduft.
Wache Lebenstriebe
Wiegst du ein in Liebe:
Wiege, Brautbett, Gruft!
Deine Arbeitsbienen,
..Kunsttrieb gabst du ihnen
Statt der Liebeslust.
Aber beide Flammen
Gossest du zusammen
In des Menschen Brust.
..Wo die beiden ringen
Werden sie bezwingen
Leben und den Tod,
Sich zum Himmel schwingen,
Und zur Erde bringen
Ew'ges Morgenroth.
Geisteswaffenschärfung,
Stoffes Unterwerfung,
Welterobrungskunst;
Hier den Forst zerschmettert,
Was ihn dort beblättert,
Stürmische Liebesbrunst.
..Auch der Haß ist Liebe,
Schöpfend mit dem Siebe
Statt der Schal' im Born.
Als ich hassen wollte,
Fühlt' ich nur, es schmollte
Kind'scher Liebeszorn.
..Du verzeihst den Kindern,
Aber weißt zu hindern
Ihre Unart auch.
Der ist wohlerzogen,
Dessen Hochmuthswogen,
Legt von dir ein Hauch.
..Laß mich auserkornen
Meinen blindgebornen
Bruder nicht verschmähn!
Was der Maulwurf wühlet,
Hat der Mensch gefühlet
Oder eingesehn.
..Was der Vogel singet,
Was die Quelle springet,
Was die Blume blüht,
Was die Schöpfung rauschet,
Mutter, nur belauschet
Hab' ich dein Gemüth.
..Laß mich für die Erde
Sinnen, daß sie werde
Durch und durch verschönt!
Laß mich sie verklären,
Daß im Chor der Sphären
Sie mit Freude tönt!

Dieses Gedicht hat eine unglaubliche Tiefe: hier mehr

Sonntag, 19. April 2015

Wenn der erste Blätterflor die Bäume sanft umgrünt . . .

. . . kann es im Paradies kaum schöner sein:




















Dann ist der Wald in ein Meer von Buschwindröschen getaucht,




















dass sogar das Bähnchen nach Schweinfurt gern halten würde :-)
























Allerdings nicht zu lange nach Bähnchen geguckt, denn unvermutet droht Gefahr. Tatsächlich liegen zwei Abschläge des Bad Kissinger Golfplatzes oberhalb des Waldweges und der Nicht-Golfer staunt nicht schlecht, denn die Cracks müssen mit ihren Abschlägen über den Fluss kommen und dann noch ziemlich weit. Auf dem Bild unten sieht man im Vordergrund den Abschlagplatz und ganz ganz in der Ferne die Malstange, das Ziel. Tatsächlich tat mir ein Golfer den Gefallen und hat seinen Ball im Fluss, der unterhalb der Hecke fließt, versenkt (köstlich) - aber ansonsten: alle Achtung!


 Ich kann mir nicht vorstellen, dass es viele so idyllische Golfplätze gibt. Die Fränkische Saale fließt am Rand, ein Bach gurgelt mitten hindurch und alles sieht aus wie ein großer, schöner Park.
Das ist die Anlage im Grunde auch, echt herrlich. Gegen Ende hin, wenige Meter oberhalb eines eher symbolischen Zaunes steht eine meiner Lieblingsbänke. Von ihr kann man den Bach, weit unten die Saale, eine Landschaft, die wirklich wie gemalt aussieht, und in der Ferne den Wittelsbach-Turm sehen (wenn man großklickt, sieht man ihn jedenfalls auf dem Bank-Foto).
Da ist die Versuchung jedes Mal echt groß, eine kleine Rast einzulegen :-)




















Man kann dann  unter der Eisenbahn durch nach Arnhausen laufen, ein kleiner, ruhig und idyllisch gelegener Ort. Und was ich hier gewiss nicht anzutreffen vermutet hätte:








Als ich aus dem Ort rauslief, bin ich noch auf ein Fleckchen Erde getroffen, wie man es hier immer wieder finden kann, auch deshalb, weil es immer wieder Bäche gibt. Ich finde, Wasser tut einfach gut :-)) erst recht, wenn es so romantisch zwischen Weide und Mäuerchen den Wiesenhang runterpurzelt:






Donnerstag, 25. April 2013

"Ich glaube an Gott, auch wenn er schweigt!"

Bei meiner Unterrichtsvorbereitung gestern bin ich auf ein Zitat gestoßen, das mich erstmalig, obwohl ich es schon öfters gelesen hatte, hat stutzen lassen. Es ging um die Bewältigung des Tsunamis 2005, mit dem die Menschen unserer Erde kaum fertig wurden; fassungslos standen damals die allermeisten dieser Katastrophe gegenüber. 
Die Leonberger Kreiszeitung hat damals Vertreter der Religionen befragt, warum Gott so schweres Leid zulasse.

Der katholische Bischof von Aachen gab als Antwort u.a. die Worte von Juden wieder, die diese in ihrer schwärzesten Zeit an die Wand eines Kellers in Köln geschrieben haben:


Ich glaube an die Sonne, auch wenn sie nicht scheint.
Ich glaube an die Liebe, auch wenn ich sie nicht fühle.
Ich glaube an Gott, auch wenn er schweigt.

Ich habe großen Respekt vor den Worten der Juden, die dies geschrieben haben. Und ich kann mir vorstellen, dass sie ein Schweigen Gottes wahrnahmen. 
Nur glaube ich persönlich: Gott schweigt nicht.

Gott schweigt nie. 

Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Liebe zu irgendeinem Zeitpunkt aufhört, ihre Strahlen zu senden.
Nein, wenn wir Gott als Schweigenden wahrnehmen, dann deshalb, weil wir ihn nicht hören können. – Das aber liegt nicht an ihm. Lange Zeit haben wir Menschen keinen Wert auf dieses Hören gelegt. Und jede Fähigkeit, die nicht geschult und geübt wird, zieht sich zurück.

Dann wollen wir auf einmal hören – nur wie?

Es ist die Schule des Leids, die unsere Hörfähigkeit schult. Und diese Schule kann unendlich brutal sein. Nur liegt das nicht an Gott, es liegt nicht an der Liebe.

Letztendlich wollen wir Menschen über dieses Leid wieder wirklich hören lernen!

Oft kommt vor dem Hören ein Glauben.

Eine oft gestellte Frage: Muss Leid sein?
Ich glaube nicht, die Schule des Leids muss nicht sein.
Die Alternative:
Die Schule des Glaubens.

Glaube, Liebe, Hoffnung.
Das sind die paulinischen Tugenden. 
Kein Zufall.

Samstag, 7. April 2012

Löwen sollen Lämmer werden ... Über die Kraft der Liebe


   Denn der Ew´ge herrscht auf Erden,
   Über Meere herrscht sein Blick;
   Löwen sollen Lämmer werden,
   Und die Welle schwankt zurück;
   Blankes Schwert erstarrt im Hiebe;
   Glaub´ und Hoffnung sind erfüllt;
   Wundertätig ist die Liebe,
   Die sich im Gebet enthüllt.

Kein Zufall, dass diesen Gesang drei Menschen singen, Vater, Mutter, Sohn.
Es ist der Gesang, der ein unglaubliches Geschehen begleitet: Ein Kind bezähmt einen Löwen mit seinem Gesang und seinem Flötenspiel.

Ein Feuer war ausgebrochen, ein Tiger und ein Löwe waren entsprungen.

Den Tiger hatte ein junger Edelmann mit seiner Pistole erschossen. Nicht notwendig, wie sich später erwies. Nicht nur, dass dieser Tiger der Schausteller-Familie, die ihn mit sich führte, gehorchte. Er war ein wunderbares Tier, der schönste Tiger seiner Art.
Doch Honorio war in Leidenschaft zur Fürstin entbrannt, und als der Tiger sich auf diese zubewegte, erkannte er nicht - vielleicht konnte er auch nicht erkennen, dass dieser für die Fürstin, in die er verliebt war, keine Gefahr war.
Er erschoss ihn.
Der Tiger, möglicherweise ein Opfer für menschliche Leidenschaften.

Der Löwe hatte sich in die alte Stammburg des Fürsten zurückgezogen. Auch er sollte liquidiert werden. Doch die oben erwähnten Fremden, Menschen aus einer anderen Welt, in völliger Übereinstimmung mit der Natur lebend, konnten den Fürsten überzeugen, dass der Löwe dem Knaben gehorche.

Und so war es auch.

Goethes Novelle ist hochsymbolisch. Unglaublich weise gibt sie Auskunft über das Verhältnis von Kunst und Natur, von Altem und Neuem, von Realem und Idealem, von Leidenschaften und deren Überwindung.

Sie lehrt, wie wir Menschen leben könnten und wenn man sie liest, ahnt man, was es mit der deutschen, der Weimarer Klassik auf sich hat; in ihr und in dem Alterswerk Goethes geht es darum, wie Ideale, wie Ideales, wie die höhere Natur des Menschen sich in unserem Leben verwirklichen lässt.

In dem Kind spiegeln sich die Eigenschaften unserer inneren Kindes, wenn es von ihm und dem Löwen, der knapp am Knie des Kindes hinliegt, heißt:
"... und wirklich sah das Kind in seiner Verklärung aus wie ein mächtiger siegreicher Überwinder, jener zwar nicht wie der Überwundene, denn seine Kraft blieb in ihm verborgen, aber doch wie der Gezähmte, wie der dem eigenen friedlichen Willen Anheimgegebene. Das Kind flötete und sang so weiter, nach seiner Art die Zeilen verschränkend und neue hinzufügend:

   Und so geht mit guten Kindern
   Sel´ger Engel gern zu Rat,
   Böses Wollen zu verhindern,
   Zu befördern schöne Tat.
   So beschwören, fest zu bannen
   Liebem Sohn ans zarte Knie
   Ihn, des Waldes Hochtyrannen,
   Frommer Sinn und Melodie.

Frömmigkeit und Liebe gehen bei Goethe immer Hand in Hand, und wer so lebt, dem sind, wie diesem Knaben und z.B. Daniel in der Löwengrube - und Dir, liebe Leserin, lieber Leser, wenn Du willst - Löwen zugetan.

* Euch allen wünsche ich ein löwenstarkes Osterfest *

über den Zauber des inneren Kindes und die Novelle hier mehr

Donnerstag, 29. März 2012

Auch Pferde rauchen mit ...

Was ich - man entschuldige den heftigen Ausdruck - zum Kotzen finde, ist, wenn Reiterinnen auf ihrem Pferd rauchen.
Es mag daran liegen, dass ich viel mehr Reiterinnen als Reitern begegne, aber Fakt ist, dass ich bisher nur rauchenden Frauen begegnet bin (beim Handynutzen ist es durchaus gemischtgeschlechtlich).
Gestern bin ich solch einer Natur-Tussi auf ihrem Pferd begegnet: Headset auf den Ohren, I-Phone laut geschaltet, so dass ich mithören musste, in der einen Hand den Zügel, in der anderen die Zigarette, die lässig am Bein runterhing und vor sich hinkokelte, intensivstes Gespräch mit der Freundin, das war nicht zu überhören, während das Pferd lustlos den Asphalt betrabte ...


Ehrlich, mir tun die Pferde leid. Es liegt solch eine Verachtung ihnen gegenüber in diesem Verhalten ...
Ich glaube den Pferden anzuspüren, wie sie das kränkt.
Dass die Damen und Herren Tierbenutzer zunehmend beim Ausreiten ins Handy sprechen, das beobachte ich schon länger.
Muss man alles so pervertieren?
Gott sei Dank gibt es sie noch: Pferdefreunde, Reiterinnen und Reiter, denen man die Verbundenheit mit ihrem Pferd anspürt, die jeden Schritt ihres Pferdes wahrnehmen und die Zeit auf dem Pferderücken nutzen, um mit ihrem Pferd und der Natur Zwiesprache zu halten.
Ich finde es sehr schön und ästhetisch, dieses wiegende Einvernehmen. 
Je mehr es vorhanden ist, desto leichter wirken die Pferde ... erleichtert ...

Mittwoch, 11. August 2010

Stille Kommunion mit Gott und ein inneres Wissen, ihm nahe zu sein

Manche Menschen fühlen sich  dem Geist, oder Gott, näher in einem Garten - oder in der Heide oder den Bergen. Manche, sprächen sie aus aufrichtigem Herzen, würden dir sagen, dass sie sich Gott in der Einsamkeit des Meeres näher fühlen. Andere wiederum fühlen sich Gott näher, wenn sie einer schönen Musik lauschen. Andere fühlten sich Gott nahe, als sie ein schönes Bild betrachteten oder selbst malten. Eine Mutter könnte dir sagen, dass sie Gott am intensivsten fühlte, als sie ihr Kind gebar oder als sie in seine Augen blickte, in dieser unbeschreiblich engen geistigen Verbindung, die für eine Mutter so viel bedeutet. Zwei Freunde nähern sich Gott in der Liebe, die sie füreinander empfinden, von Geist zu Geist verbunden.
Diese Gefühle können nicht in irdische Worte gekleidet werden; möglich ist nur eine stille Kommunion (Vereinigung) und ein inneres Wissen um Gott. Du kannst Gott in einem Mann und in einer Frau erkennen, du kannst Gott in deinem Gefährten erkennen. Du siehst also, wenn du das Licht des Geistes in deinem Gefährten fühlen und erkennen kannst, erblickst du tatsächlich Gott. Das ist das Ziel und das ideale menschliche Leben, das alle suchen - diesen Augenblick, wenn du das göttliche Licht in einem blendenden Blitz erkennst; wenn du eins wirst mit Gott und den anderen. Das ist eine Erfahrung, die dir zuteil wird, während du in einem physischen Körper lebst.

Diese Worte White Eagles aus Die Göttliche Mutter weisen darauf hin, dass Gott keineswegs so unerreichbar ist, wie manche Theologen und zu bestimmten Zeiten die Kirche uns das weismachen wollte.
Es liegt vor allem an unseren Gedanken. Wenn sie reinen Herzens sind, ermöglichen sie den Zugang zu Gott. 
Wenn wir achtsame Blicke auf unsere Gedanken werfen, stellen wir fest, dass es da viel zu tun gibt.

Dienstag, 27. April 2010

Ob so viel Leben in mir ist

wie in diesem Stein?


















Manches Mal dient uns ein Stein als Ruhepunkt und wir entdecken dadurch ein kleines Heiligtum, wie hier im Kapfenhardter Tal in der Nähe von Bad Liebenzell den Gairensee im Aprilgewand.


















Manches Mal wechseln wir die Seiten auf unsicherem Steg.


















Immer aber tragen wir die Ahnung in uns, wie wertvoll es ist, unterwegs zu sein.















Sonntag, 1. November 2009

"HERBSTTAG" - Rainer Maria Rilkes Zwiegespräch mit Gott: Herr, es ist Zeit. Der Sommer war sehr groß!




HERBSTTAG

Herr, es ist Zeit. Der Sommer war sehr groß.
Leg deinen Schatten auf die Sonnenuhren,
und auf den Fluren lass die Winde los.

Befiehl den letzten Früchten voll zu sein;
gib ihnen noch zwei südlichere Tage,
dränge sie zur Vollendung hin und jage
die letzte Süße in den schweren Wein.

Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr.
Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben,
wird wachen, lesen, lange Briefe schreiben
und wird in den Alleen hin und her
unruhig wandern, wenn die letzten Blätter treiben.

Ist Rainer Maria Rilkes Ton in diesem 1906 geschriebenen Gedicht nicht sehr, vielleicht zu forsch gegenüber Gott?
Ist dieser zutiefst religiöse Dichter zu respektlos?
Und warum sollen Schatten kommen und Winde, warum bittet Rilke nicht um die goldenen Farben des Herbstes?

Des Rätsels Lösung liegt in dem Hinweis auf den großen Sommer und in dem Wunsch nach Vollendung. Früchte und Trauben spüren und wissen um den kommenden Wandel und müssen und wollen noch aufnehmen, was geht. Das Ende des Sommers ist fühlbar; es liegt in der Luft, auch in den Stürmen; die Schatten werden länger; alles atmet noch einmal bewusst und intensiv letzte sommerliche Lebensglut ein. Alle Steine, Pflanzen, Wesen, ja, die Erde atmet den Dank an die Sonne.
Es ist Erntedank. Er reicht weit in den November hinein.

Rilke weiß um die göttlichen Metamorphosen des Jahreszeitenwechsels; die Natur bedarf der reinigenden Stürme, sie bedarf zugleich der Schattenräume, um zur Ruhe zu kommen.
Leg ... lass ... befiehl ... gib ... dränge ... jage: Rilke gibt nicht Anweisungen; so ist es nicht. Er weiß um den göttlichen Wechsel. Vorausschauend spricht er an, was Gott in seiner Weisheit tut, wohlwissend, dass es gut ist, wie im Alten Testament Josef und wie im Neuen Testament die klugen Jungfrauen Vorkehr getroffen haben, damit die Heimkehr gelingen kann.

Immer ist auch der Herbst im Jahresverlauf vergleichbar dem Herbst des Lebens.
Der Sommer hat das Lebenshaus gebaut, im Herbst wird das Dach gedeckt, und zwar hurtig; dann muss noch der letzte Handwerker her.
Herbst und vor allem Winter können lang sein; sie sind aber vor allem für jenen ein Segen, der im Sommer nicht die Hände in den Schoß gelegt hat, sondern rege war, unterwegs, auf großer Fahrt, vor allem in seinem Inneren.
Dann füllen sich die Briefe, die Rilke anspricht, mit tiefem Sinn und ein ruhiges Gewissen ist Gefährte auf dem Gang durch die Allee des Lebens.

Du kannst dieses ruhige Gewissen auch Gott nennen.

Rainer Maria Rilke sagt Ja zu Gott:

Ja Herr, es ist Zeit.

* DEINE ZEIT *


mehr Rilke hier und hier

Dienstag, 18. August 2009

Paracelsus´ Vermächtnis: Ordnung ist Natur - der Gang der Natur ist Glück.



Wer anders ist der Feind der Natur, als der sich klüger dünkt denn sie, obwohl sie unser aller Schule ist.



Wollen wir die Natur in ihrem Wesen betrachten, so müssen alle Dinge in ihrer Ordnung stehen, nach Zahl, Gewicht, Maß und Kreislauf; nichts darf hier oder dort überwiegen (...) Zwei ungleiche Gewichte auf der Waage der Natur brechen ihr Gleichgewicht; entweder ist das eine zu schwer oder das andere zu leicht, oder es taugt die ganze Waage nichts. Die ganze Woche über sich den Bauch füllen, am Freitag und Samstag aber bei Wasser und Brot fasten, oder sich das ganze Jahr an Fleisch satt essen und in der Fastenzeit nichts mehr anrühren, das ist eine ungleiche Belastung der Waage der Natur. Und das gilt nicht allein hierfür, sondern auch für Arbeit und Müßiggang und für alles andere auch ...


Was ist denn Glück anderes, als Ordnung zu halten aus dem Wissen von der Natur?
Was ist das Unglück anderes, als sich der Ordnung der Natur zu widersetzen?
Geht die Natur ihren rechten Gang, so ist das ein Glück.



Das Höchste, was wir Ärzte an uns haben, ist die Kunst; nachfolgend, das dem gleich ist, ist die Liebe (...)
Der höchste Grund der Arznei ist die Liebe. -
Helfen aber, nutz sein, erschließlich, ist des Herzens Amt.
Im Herzen wächst der Arzt, aus Gott geht er, des natürlichen Lichts ist er, der Erfahrenheit.

* mehr von und zu Paracelsus hier und hier :-)

Samstag, 4. Juli 2009

Unser Herz als Wünschelrute: zu Paul Gerhardts "Geh aus mein Herz und suche Freud ..."




Selten ist aus so übervollem Herzen gedichtet worden wie von jenem Mann, dem wir Volks- und Kirchenlieder wie O Haupt voll Blut und Wunden, Nun ruhen alle Wälder, Auf auf mein Herz mit Freuden oder auch Nun danket all´ und bringet Ehr verdanken: Paul Gerhardt.
Er war beileibe kein verklärter Sakristei- oder Hofpoet, sondern ein Mann mit Zivilcourage, der dem Kurfürsten von Brandenburg dermaßen Widerstand leistete, dass diesem Hören und Sehen vergehen sollte: Als nämlich jener von seinen Geistlichen eine Unterschrift unter ein Revers verlangte, sich religiöser Streitgespräche zu enthalten, verweigerte sie Paul Gerhardt und wurde daraufhin seines Amtes enthoben.

Das hielt ihn jedoch nicht davon ab, Strophen zu dichten wie jene, die viele früher noch auswendig lernten und die beim Kirchenausflug der Kirchengemeinde, in der meine Eltern sich heimisch fühlten, vom ganzen Bus gesungen wurde. Als Kind hatte ich damals immer das Gefühl, dass sogar der Bus samt Fahrgestell und Sitzen mitsang und beschwingter fuhr:

Geh aus, mein Herz, und suche Freud
In dieser lieben Sommerzeit
An deines GOttes Gaben;
Schau an der schönen Gärten Zier
Und siehe, wie sie mir und dir
Sich ausgeschmücket haben.

Wirklich wird hier das Herz zur Wünschelrute, die weiß, dass das Wasser des Lebens im Grunde die Freude ist.
Die ganze erste Strophe ist ein einziger großer Schwung von Bildern und so ist es oft auch im Rahmen der 14 folgenden:
Die ersten drei Zeilen gleichen einem staunenden Einatmen, die folgenden drei Zeilen gleichen einem Ausatmen, wobei uns Folgen und Wirkungen dessen bewusst werden, was wir aufgenommen, eingeatmet haben:
Die Bäume stehen voller Laub,
Das Erdreich decket seinen Staub
Mit einem grünen Kleide;
Narcissus und die Tulipan,
Die ziehen sich viel schöner an
Als Salomonis Seide.

Auf Schritt und Tritt begegnet man in den Strophen, von denen meistens nur die Strophen 1-3 und 8 gedruckt werden, jenem Meister der Dichtkunst, der stilistische Mittel in Hülle und Fülle einzusetzen wusste, sicherlich eher unbewusst:
So wird das Herz, die Quelle unseres Lebens, gleich zu Beginn direkt angesprochen, gewiss schon ein Kunstgriff; es steht aber nur - pars pro toto - als Teil für das Ganze, den ganzen Menschen, den Paul Gerhardt erreichen will.
Wenig später verleiht der Poet sogar dem Herzen Augen (Geh aus mein Herz ... Schau an ...), möchte er doch, dass die Herz-Augen wahrnehmen: Für Dich, mein Herz, und für mich ist diese Pracht gestaltet.
So ernst nimmt der Dichter sein Herz! So ernst nimmt er sein ganzes Sein!

Alliterationen finden sich in Hülle und Fülle und diese gleichen Anlaute bringen nun einmal die Seele zum Klingen wie die G-Anlaute in Gottes Gaben, das Schau der schönen Gärten oder Salomonis Seide.

Die Lerche schwingt sich in die Luft,
Das Täublein fleugt aus seiner Kluft
Und macht sich in die Wälder;
Die hochbegabte Nachtigall
Ergetzt und füllt mir ihrem Schall
Berg, Hügel, Talbot und Felder.

Fast selbstverständlich will da erscheinen - was für diese Zeit übrigens noch ganz und gar nicht üblich war -, dass die Natur menschliche Züge trägt oder - wie man zu sagen pflegt - personifiziert ist:
Das Erdreich bedeckt sich, ein menschlicher Vorgang, oder Narzissus und Tulipan bekleiden sich.
Der junge Goethe oder die Romantiker werden auf diese Weise wie selbstverständlich schreiben, in der Zeit des Barock war das ganz und gar nicht gang und gäbe, zumal Paul Gerhardt in eine Zeit geboren wurde, die zu den unwirtlichsten gehören sollte, die Deutschland jemals erlebte:
Elf Jahre nach seiner Geburt brach der Dreißigjährige Krieg aus und nicht nur die Heere Wallensteins und Gustav Adolfs von Schweden zogen durch die Lande, sondern auch die Pest. 
Trotz alledem ist für Paul Gerhardts Herzgesang alleiniger Maßstab das, was dem Höchsten klingt:

Ich selbsten kann und mag nicht ruhn;
Des großen GOttes großes Tun
Erweckt mir alle Sinnen;
Ich singe mit, wenn alles singt,
Und lasse, was dem Höchsten klingt,
Aus meinem Herzen rinnen.



Übrigens kam es in Berlin wegen der Amtsenthebung von Paul Gerhardt zu einer großen Unruhe, war doch unser Dichter als Prediger und Poet angesehen und beliebt. Auf vielseitiges Drängen entschloss sich deshalb der Kurfürst, auf die Unterschrift Paul Gerhardts zu verzichten, damit dieser weiter seines Amtes walten könne.
Doch dieser verzichtete ebenfalls - auf sein Amt!
Paul Gerhardt hatte gewiss kein leichtes Leben. Als er nach Ende des Dreißigjährigen Krieges heiratete, gebar ihm seine Frau Anna Maria fünf Kinder, von denen nur eines überlebte. 
Nach 17 Jahren Ehe starb seine Frau an einer damals unheilbaren Lungentuberkulose.
Und dennoch dichtet unser Dichter:

Doch gleichwohl will ich, weil ich noch
Hier trage dieses Leibes Joch,
Auch nicht gar stille schweigen;
Mein Herze soll sich fort und fort
An diesem und an allem Ort
Zu deinem Lobe neigen:

Hilf mir und segne meinen Geist
Mit Segen, der vom Himmel fleußt,
Daß ich dir stetig blühe!
Gib, daß der Sommer deiner Gnad
In meiner Seelen früh und spat
Viele Glaubensfrücht erziehe!


Post zum Lied mit vollständigem Text hier