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Mittwoch, 27. November 2024

Über die Entstehung von Kristallen und ihr Zusammenhang mit Materie als zerborstener geistiger Form, als Trümmerhaufen des Geistes

Im folgenden zitiere ich eine Passage aus Rudolf Steiners „Die Welt der Sinne und die Welt des Geistes“, die zu dem Bemerkenswertesten gehört, was ich von ihm gelesen habe.

Jenen Lesern, die der Anthroposophie abhold sind, möchte ich als einer, der auch kein Anthroposoph ist, empfehlen, nicht vor allem die aktuelle Anthroposophie mit dem, was Steiner unter ihr verstand, der sich immer wieder aktiv mit dem Zeitgeschehen auseinandersetzte und zu ihm engagiert Stellung nahm - womit er für mich in deutlichem Gegensatz zu dem eunuchenhaften Verhalten der derzeitigen Dornacher Führungsriege, was deren Verhältnis zum Zeitgeschehen betrifft, stand -, gleichzusetzen.

Steiners folgende Ausführungen zur Materie als zerborstene geistige Formen, als Trümmerhaufen des Geistes, und deren Zusammenhang mit den Kristallformen, ist so bemerkenswert und wenn man will, auch wegweisend, dass ich sie zur Lektüre empfehlen möchte und deshalb auch wiedergebe. Dem ein oder anderen mag es gehen wie mir, der die Tiefe der Ausführungen mit einmaligem Lesen nicht erfassen konnte:

"Wenn ein Prozess im Weltenall fortgeschritten ist bis zur Form, die noch ganz im Geistig-Seelischen ist, die noch keine Raumesform ist, wenn der Prozess (der Schöpfung) fortgeschritten ist bis zu dieser übersinnlichen Form, dann ist der nächste Schritt nur noch möglich dadurch, dass die Form als solche zerbricht. Und das ist nämlich das, was sich dem okkulten Anblick darbietet: wenn gewisse Formen, die unter dem Einfluss der Geister der Form geschaffen sind, sich bis zu einem gewissen Zustand entwickelt haben, dann zerbrechen die Formen. Und wenn Sie nun ins Auge fassen zerbrochene Formen, etwas, was also dadurch entsteht, daß Formen, die noch übersinnlich sind, zerbrechen, dann haben Sie den Übergang von dem Übersinnlichen in das Sinnliche des Raumes. Und das, was zerbrochene Form ist, das ist Materie. Materie ist ein Trümmerhaufen des Geistes, ist also in Wirklichkeit Geist, aber zerbrochener Geist.

Wenn Sie jetzt weiter nachdenken, so werden Sie sich sagen: Ja, aber es treten uns doch räumliche Formen entgegen wie die schönen Kristallformen. –

Denken Sie sich zunächst einmal, damit Sie eine gewisse Vorstellung (zur Verdeutlichung) haben, einen herabfallenden Wasserstrahl. Nehmen Sie aber an, er wäre unsichtbar. Dadurch, dass dieser Wasserstrahl auffällt (auf einem Widerlager), wird er in Tropfen zerbersten. Nun nehmen Sie an, der Wasserstrahl, der herunterfällt wäre unsichtbar, aber das, was zerborsten ist, würde sichtbar. Dann hätten sie hier einen zertrümmerten Wasserstrahl, hätten ein Bild der Materie. Aber jetzt müssen Sie sich wegdenken die Widerlage, sie müssen sich vorstellen: ohne dass eine solche Widerlage da ist, ist die Materie, indem sie sich geistig zur Form gliedert, übersinnlich ist die Materie in Bewegung, denn die Bewegung geht der Form voraus.

Es gibt nirgends etwas anderes als das, was durchdrungen ist von den Taten der Geister der Bewegung, Dynamis.

An einem bestimmten Punkt kommt die Bewegung bei der Form an, erlahmt in sich selber und zerbirst in sich selber. Die Hauptsache ist, daß wir es so auffassen, daß das, was zunächst geistig-seelisch ist, hinstrahlt, aber nur eine gewisse Schwungkraft hat, an das Ende der Schwungkraft kommt und nun in sich selber zurückprallt und dabei zerbirst. Aber bevor es zerbirst, da hat es innerlich geistig noch die Formen.

Nun wirkt in den einzelnen auseinanderfallenden Trümmern, wenn es zerborsten ist, nach das, was als geistige Form vorhanden war. Wo das stark nachwirkt, da setzen sich nach dem Zerbersten noch die Linien der geistigen Formen fort, und da drückt sich in den Linien, die sie dann beschreiben, noch eine Nachwirkung der geistigen Linien aus. Dadurch entstehen Kristalle.

Kristalle sind Nachbildungen geistiger Formen, die gleichsam noch durch die eigene Schwungkraft die ursprüngliche Richtung im entgegengesetzten Sinn beibehalten." (GA134, S. 72f)

Der Raum ist nach Steiner also nichts anderes als das, was selbst mit entsteht, indem der Geist zerbersten muss und dadurch in das materielle Sein übergeht. 

Er weist darauf hin, dass wir in den Gestaltungskräften des Mineralreichs Kräfte finden, die weit hinaus über unser Sonnensystem reichen. Wir erhielten durch sie eine Ahnung von dem, was weit über unser Sonnensystem hinaus in der Welt vor sich geht.
Kristallformen sind Abdrücke großer kosmischer Verhältnisse. 

Eines der Lieblingsthemen von Steiner war ja der Zusammenhang von Mikrokosmos und Makrokosmos; ihm hat er mehrere Bücher gewidmet, ist in Vorträgen immer wieder darauf eingegangen.
Nur die wenigsten aber würden wohl vermuten, dass, wenn sie einen Kristall meinetwegen in der Form eines Würfel, eines Oktaeder, Tetraeder, Dodekaeder oder in rhombischer, monoklinischer oder triklinischer Gestalt - also wenn sich drei verschieden lange Achsen schiefwinklig schneiden - vor sich haben, sie gigantische kosmische Verhältnisse womöglich gerade in der Hand halten.

Mittwoch, 26. Oktober 2022

Warum der Mensch tatsächlich Krone der Schöpfung ist - damit verbunden: über Goethe hinausdenken ...

Liebe Leserin, lieber Leser, Facebook hat mal wieder einen Beitrag im Rahmen einer von mir dort initiierten Gruppe (https://bit.ly/3f5njZQ) zensiert, also vom Netz genommen und für den Fall erneuten Verstoßes mir Folgen bis zum Sperren meines Kontos angedroht, da ich gegen Gemeinschaftsstandards mehrfach verstoßen hätte - mir persönlich ist schleierhaft, gegen welche.
Für den ein oder anderen mögen im Folgenden die spirituellen Begrifflichkeiten und Gehalte nicht ganz nachvollziehbar sein - ich bitte in obigem Zusammenhang um Verständnis
Es folgt also der zensierte Beitrag:

>

  • Warum der Mensch wirklich Krone der Schöpfung sein und das Wirken der Hierarchien krönen könnte
  • Warum es gilt, über Goethe hinauszudenken

Selten habe ich so profunde Sätze bei Rudolf Steiner gelesen, die so viel an wertvollem Bewusstsein beinhalten, wie die folgenden:
Der Mensch ist Götter-Ideal und Götter-Ziel. Aber dieses Hinblicken kann nicht der Quell von Überhebung und Hochmut beim Menschen sein. Denn er darf sich ja nur, als von ihm kommend, zurechnen, was er in den Erdenleben mit Selbstbewußtsein aus sich gemacht hat. Und dies ist, in kosmischen Verhältnissen ausgedrückt, wenig gegenüber dem, was als die Grundlage seines Eigenwesens die Götter aus dem Makrokosmos, der sie selber sind, heraus als Mikrokosmos, der er ist, geschaffen haben. 
Die göttlich-geistigen Wesen stehen im Kosmos einander gegenüber. Der sichtbare Ausdruck dieses Gegenüberstehens ist die Gestalt des gestirnten Himmels. Sie wollten, was sie so zusammen sind, in einer Einheit als Mensch schaffen. [Rudolf Steiner, GA26, S. 183ff] 

1. Der Mensch ist nicht nur eine Kreation der Elohim, wie mancher aufgrund des Beginns der Schöpfungsgeschichte annehmen könnte - Luther spricht bekanntlich aus seiner engen Sicht heraus von „Gott“ -, sondern im Grunde aller Hierarchien [https://bit.ly/3zg0kSB]. Der ganze Kosmos ist an unserem Werden, auch an der derzeitigen Bewusstseinsstufe, die man mit dem Wort „Christus“ erfassen kann, beteiligt. Steiner verweist z.B. auf die Bedeutung der Throne in Bezug auf die erste Inkarnation der Erde, die er Saturnzustand nennt und die den Beginn des menschlichen Seins erfasst.
Der Mensch ist ein Ergebnis kosmischen Wollens aller Hierarchien.
Diese Tatsache mag verdeutlichen, wie gigantisch wertvoll menschliches Sein ist.
Sie mag aber auch verdeutlichen, dass der Mensch sich auf sein Menschsein nicht zu viel einbilden sollte; er ist ein Ergebnis von Vorhandenem; allerdings leistet er einen unverzichtbaren Beitrag.

2. Für die Hierarchien ist der Mensch ein Wesen, in dem ihre eigene Entwicklung gipfelt. Dieser Gipfel will erklommen sein. Menschsein darf der Mensch schon auf dem Weg zum Ziel.
Warum das alles möglich ist, liegt an der notwendigen Kreation eines Phänomens, das wir Zeit nennen. Ohne Zeit gäbe es den Menschen nicht.
Zeit ist eine unglaublich wichtige Kreation der Götter (vgl. die Existenz des griechischen Gottes „Kronos“ - übersetzt „Zeit“).

3. Der Mensch verdankt die Qualität seines ideal-göttlichen Wesens nicht sich selbst; „die Grundlage seines Eigenwesens“ sind die neun Hierarchien. Das mag menschlichen Wesen immer bewusst sein. Sie verdanken die Qualität ihres Seins einer kosmischen Vaterschaft aller Wesen.

4. Aufgrund des gestirnten Himmels sind wir in der Lage, das individuelle Sein jeder der neun Hierarchien zu erkennen. In ihrer Göttlichkeit bilden sie eine Einheit, aber sie können eine solche nur sein, weil sie auch als Einzel-Entitäten lokalisierbar sind, wenn man es in einem Raumbegriff formulieren möchte. Den pantheistischen Einheitsbrei gibt es nicht. Er existiert nur für denkfaule lahmgeistige Esoteriker. Wie man ohne Yin nicht das Yang versteht, ohne das Weibliche nicht das Männliche und umgekehrt, so versteht man den Pantheismus nicht ohne ein Bewusstsein seiner ihm inhärenten Vielheit und Vielfalt.

5. Der Mensch wird Mensch, indem ihm etwas zur Verfügung steht, das wir mit einem Pflug vergleichen können.
Wir sind kein kosmisch wildes Kraut, wie es in der Natur wächst. Voraussetzung für unser Sein ist, dass wir das, was wir dank der Hierarchien vorfinden, als Möglichkeit unseres Wesens, den kosmischen Acker also, pflügen. Nur so finden wir Bewusstsein für den Samen und seine Früchte.
Darin besteht unsere Arbeit, unsere Aufgabe: im Pflügen. Wer glaubt, er müsse nur die Blumen ernten, bleibt ein kosmischer Luftikus, verfällt Luzifer.
Mancher mag mit seinem Pflug in der Erde stecken bleiben; Steiner nennt dieses Phänomen „Ahriman“.

6. Der Mensch muss sich ein Verständnis seiner kosmischen Substanz pflügend erarbeiten. Man kann auch den Pflug als Selbstbewusstsein bezeichnen; es ist das Bindeglied zwischen Mikro- und Makrokosmos. Ohne pflügen geht nichts.

Indem er seiner Selbst mehr und mehr bewusst wird, dringt sein Pflug immer tiefenwirksamer, immer verstehender, immer bewusster in den kosmischen Acker ein. In jeder Krume erkennt er Substanzen von Hierarchien, die an dieser Stelle gewirkt haben.

7. Selbstbewusstsein erfordert die Arbeit am inneren Menschen. Die Entwicklung der letzten Jahrzehnte hat ihn beispielsweise die Bedeutung der Arbeit mit und an seinem inneren Kind erkennen lassen, etwas, was ihn verstehen lässt, warum es wichtig ist, Verletzungen zu heilen, vor allem aber, Verletzungen von Kindern zu vermeiden (hallo Katholische Kirche, hallo …)

8. Der Mensch kann aufgrund der Studien eines Steiner verstehen, dass Kindsein verbunden ist mit dem allnächtlichen Vermögen, im Schlaf aufarbeitend zu den Tagesanfängen zurückzugehen, dass wieder Kind zu werden ebenfalls bedeutet, zwischen den Leben zu den kosmischen Ursprüngen zurückzugehen. Deshalb geht Michael Endes Momo im gleichnamigen Werk rückwärts zu Meister Hora. Es gilt, unter den vielen Quellen, die unser Bewusstsein fördern können, die richtigen auszuwählen, denn falsche Propheten gibt es zuhauf, z.B. Menschen, die nur luziferisches Bewusstsein lehren und in die Irre führen; viele Esoteriker gehören zu ihnen.

9. Das eigene Selbst zu finden ist ein Prozess, der nicht ohne Irren und Verlaufen im Wald vonstatten geht, wie wir es in den Märchen dargestellt finden - durch viele Leben. Nur muss der Mensch irgendwann wirklich den Mut haben, wie Gretel der Hexe ins Kreuz zu treten - zu viele Esoteriker und auf spirituellen Wegen unterwegs Seiende sind zahnlose Tiger, die ihre Unfähigkeit zu handeln mit pseudopazifistischem Spiritualismus kaschieren. Christus brachte in Wahrheit das Schwert, also die Fähigkeit, Wahrheit und Falschheit zu trennen. Ohne die Fähigkeit, das Schwert zu gebrauchen, gibt es keinen Seelenfrieden - „ich bin nicht gekommen, Frieden zu bringen, sondern das Schwert.“ (Matth. 10,34) Das kosmische Pflügen geht ohne Schwerter nicht. Pflugscharen sind auch Schwerter.

10. Der gestirnte Himmel ist eine Kreation unserer Inneren, eine Kreation, die uns nur aufgrund der Arbeit der Hierarchien zur Verfügung steht. Er vermag uns alles zu spiegeln, was unseren geistigen Kosmos ausmacht. Indem wir unseren Pflug, unser Selbstbewusstsein einsetzen, erkennen wir uns in ihm, diesem Himmel. Die Gefahr besteht meines Erachtens darin, dass viele Menschen eigene Sterne in den gestirnten Himmel hineingeheimnisst haben und es weiterhin eifrig tun und sich z.B. etwas einbilden, was in Wahrheit nicht vorhanden ist oder was sie beispielsweise bei Steiner gelesen haben, was nicht aber in ihrem Bewusstsein wirklich vorliegt und immer fremd bleiben könnte. Es entwickeln sich daraus dann die geistigen Drohnen dunkler Kräfte.

Der Mensch hat in wenigen Jahrzehnten den Orbit mit Weltraumschrott vermüllt; über Jahrtausende tat er das mit dem gestirnten Himmel.
Wir dürfen und müssen uns auf ein großes Reinigen einstellen.

11. Es gibt keine Wahrheit, kein kosmisches Bewusstsein ohne tiefe Ehrlichkeit. Zu oft existiert der gestirnte Himmel als esoterische Seifenblase.
Um ihn wirklich zu erfahren, benötigen wir diese Ehrlichkeit und das Bewusstsein und die Hilfe aller Hierarchien.
Wir dürfen ihnen ab und an dafür danken.

Kern und Schale

Wer meine Veröffentlichungen, beispielsweise auf meinem Methusalem-Blog kennt, weiß, wie sehr ich Goethe schätze, auch, weil er ein wirklicher Mensch und ein unverblümter Mann war: beides war in seiner jeweiligen Authentizität Voraussetzung für sein großes Bewusstsein.

Vor der Wiedergabe des obigen Steiner-Zitats habe ich auf meinem Facebook-Account einen seiner Sprüche bzw seiner Gedichte veröffentlicht, überschrieben Ultimatum. Zu lesen war da:

Und so sag' ich zum letzten Male:
"Alles giebt sie reichlich und gern;
Natur hat weder Kern
Noch Schale;
Alles ist sie mit Einemmale;
Du prüfe dich nur allermeist,
Ob du Kern oder Schale seist!"

(...)

Ihr folget falscher Spur,
Denkt nicht, wir scherzen!
Ist nicht der Kern der Natur
Menschen im Herzen?
(aus Goethe, „Ultimatum“ )

Kern, das sind wir selbst, unser Selbst. Schale, das ist der gestirnte Himmel bis an die Grenzen unseres kosmischen Horizonts.

Für die Natur gilt: Sie ist Kern und Schale, alles im allem.

So allerdings formuliert Goethe nicht. Natur hat nicht die Fähigkeit, ein Bewusstsein von Kern und Schale zu haben bzw. sich zu erarbeiten, er schreibt, sie habe weder Kern noch Schale. 
Das zwischen beiden differenzierende Wahrnehmen ist Aufgabe und Fähigkeit des Menschen.

Klar ist für mich, was Goethe bezweckte, indem er den Menschen dem Kern zuweist. Und natürlich hat das eine gewisse Berechtigung. Dennoch aber liegt dem Guten nicht das Steinersche Bewusstsein zugrunde. Tatsächlich sind wir alles, wir sind Schale und damit gestirnter Himmel und wir sind Kern, Selbst. Das eine besteht nicht ohne das andere, kann nicht ohne das andere existieren. Wir brauchen den Spiegel des gestirnten Himmels.

Damit möchte ich mich natürlich nicht über den Altmeister stellen. Ich möchte nur darauf aufmerksam machen, wie vorsichtig wir allem gegenüber zu sein und Dinge neu zu denken haben.

Unser Denken darf noch viel beweglicher werden, ja, auch frecher, wagemutiger, risikobereiter.

Gleiches gilt für unsere Gefühle, für unser Wollen.

Sonntag, 15. Juni 2008

Der Mensch als Mikrokosmos, als Ordnung der Liebe.

Es gibt wenige Stellen in der Bibel, die für mich eine so hohe symbolische Bedeutung haben wie jene, als Gott der Gestalt, die er aus dem Stoff der Erde formte, seinen Atem einhauchte.
Diese Gestalt, aus Erde geformt, auch wenn sie aussah wie ein Mensch, wie Ganymed persönlich, wäre eine leere, geistlose Stoffansammlung, ein atomares Konglomerat geblieben, wenn nicht Gott seinen Atem eingehaucht
hätte.

"Und Gott, der Herr, machte den Menschen aus einem Erdenkloß und blies ihm ein den lebendigen Odem in seine Nase.
Und also ward der Mensch eine lebendige Seele."

So heißt es in der Lutherbibel.
Wohin fließt dieser Odem, dieser Atem, dieser Geist?
Er fließt in alle Zellen. Kein Elementarteilchen, kein Molekül, kein Atom, das nicht be-leb-t worden wäre. Belebt in und durch Liebe. Dadurch wird aus der Anhäufung von Zellen eine Ordnung der Liebe.
Nun ist der Erdenstaub, der Lehm, der Kloß ein Mensch.
Ein Mikrokosmos der Liebe.Nun ist er ADAM, das Wesen Mensch.
Der Name Adam leitet sich etymologisch ab von dem hebräischen Wort Adamah: Erde, Ackerboden.

In Adam ist auch die Erde beseelt.
Beseelt in Liebe von Liebe mit Liebe.
Das Sein und Tätigsein Gottes ist reine Liebe.

Im Anfang ist deshalb das Sein des Menschen und auch sein Tätigsein reine Liebe.
Es gehört für mich ganz grundsätzlich zum Wesen Gottes, dass Gott das tut, was die Bibel hier besonders hervorhebt, indem gesondert darauf verwiesen wird, dass Gott seinem Werk seinen Atem einhaucht.
Mit und in allem, was Gott tut, ist das so.
Mit und in allem ist das so, wenn der Mensch in Liebe tätig ist.
Dieses göttliche Wirken wird in der Bibel nachdrücklich erwähnt, damit dem Menschen ein Licht aufgehe – für sein eigenes Sein, für sein Tätigsein.
Sein ursprüngliches Tätigsein ist in Vergessenheit geraten. Ganz besonders schmerzt dies in der Bildung. Ich gehe darauf in einem späteren Post ein.
Womöglich alles, was in der Bibel geschieht, geschieht nicht einmalig, sondern geschieht immer wieder.
Unser Tätigsein in Liebe kann immer wieder ein Einhauchen sein, damit die Dinge, die wir schaffen eine Seele, eine Ordnung der Liebe erhalten.
Es werde Licht kann ein immer wiederkehrender Prozess der Schöpfung sein, damit aus einem Chaos (die Erde war wüst und leer heißt es in der Bibel) eine Ordnung werde (die Symbolik der Zahl 7).
Die Formulierung aus der Schöpfungsgeschichte wüst und leer lautet im Hebräischen: Tohuwabohu.
Und Kosmos bedeutet übersetzt aus dem Griechischen Ordnung, Schmuck.
So führt alles Lichtwerden als Bewusstseinsprozess, als ein bewusster Prozess vom Chaos, von dem Tohuwabohu zum Kosmos:
Zum Makrokosmos, unserem großen Kosmos, wie auch zum Mikrokosmos, dem Menschen (siehe auch Post vom 14. Juni).
Genauso führt jedes Menschen Weg mit seinem Kreuz nach Golgatha. Es ist der Weg des Menschen, sein Ego zu kreuzigen, damit das wahre Selbst auferstehen kann. Unser Kreuz ist unser Ego. In Wahrheit hängen wir an ihm. Wenn Jesus das nicht mit seinem Kreuzesweg und seinem Tod auf Golgatha so deutlich gemacht hätte, wäre uns das wohl kaum bewusst. - Noch immer ist es vielen unbewusst, im Unbewussten.
Der Weg Jesu ist der Weg jedes Menschen, deshalb sagt Jesus: "Ich bin der Weg".
So sind diese Ereignisse einmalig, außerordentlich.
Und ihre Einmaligkeit erweist sich in jedem Menschen, wenn er sie auch tut.
Denn jeder Mensch ist einmalig.
Gott hat keinen Menschen zweimal geschaffen.
Ich, Du, jeder Mensch ist ein einmaliger göttlicher Liebesakt.
Wie sollte Gott ein einziges dieser jeweils einmaligen Geschehnisse in Liebe jemals vergessen?
Allem, was wir in Liebe tun, hauchen wir unseren ursprünglichen göttlichen Atem der Liebe ein.
Deshalb atmen die großen Werke der Kunst einen Geist, der uns beseelt. In den Werken Leonardo da Vincis, in denen Michelangelos, Beethovens, Goethes und vieler anderer spüren wir den Atem der großen Seelen dieser Künstler. Zugleich mit ihrem Schreiben, Malen, Gestalten haben sie ihren Atem mit hineingegeben, das Wesen ihres Selbst. Das ist es, was uns beseelt, wenn wir sie lesen, hören, sehen.
Deshalb auch atmet das Tätigsein einer Mutter, die ihr Kind, so gut sie es vermag, in Liebe erzieht, einen Geist aus, der ihr Kind beseelt.
Deshalb kann alles, was wir in Liebe tun, andere beseelen – und uns selbst, immer wieder.

Werke in Liebe sind Atemzüge der Liebe.

Samstag, 14. Juni 2008

Auch als materielles, physisches Wesen war der Mensch im Ursprung Ganzheit, Einheit, yin und yang

Mir ist völlig bewusst, dass Theologen das Folgende anders sehen als ich, allerdings sind ihre Vermutungen auch nur Hypothesen, mehr nicht; sie werden nur an den Universitäten und in der Schule gelehrt, als wären sie Wirklichkeit. So datieren sie z.B. die zweite Schöpfungsgeschichte, in welcher der Mensch aus Erde vom Acker - als Erdenkloß, so Luther - geschaffen wurde in ihrer Entstehung zeitlich vor die in der Bibel zuerst vorkommende, in der das rein geistige männlich-weibliche Wesen nach dem Bilde Gottes geschaffen wird.
Nach meinem Verständnis ist die Reihenfolge der Bibel genau richtig. Zuerst wird der Mensch als geistig-göttlich-ganzheitliches Wesen geschaffen, nach dem Bilde Gottes, dann erfolgt der nächste Schritt:
Da machte Gott der HERR den Menschen aus Erde vom Acker …
Der Mensch ist nun in der Materie angekommen. Er ist aus den Stoffen der Erde geschaffen. In der Tat ist ja unser Körper aus den Stoffen der Erde geschaffen.
Auch hier ist der Mensch ein ganzheitliches Wesen, wie übrigens der Name Adam nicht Mann, sondern Mensch heißt. Adam als Wesen aus den Stoffen der Erde ist nach wie vor ganzheitlich, yin und yang, beide Geschlechter sind in ihm vereint. Noch ist eine Eva in der äußeren Realität nicht existent.
Um unser Wesen zu verstehen, ist es wichtig zu wissen, wie sehr der Mensch als ganzheitliches Wesen angelegt ist. Noch in seiner ursprünglichen materiellen Existenz ist er nicht Mann und Frau – deshalb ist die im letzten Post angesprochene Übersetzung Luthers so irreführend -, sondern er ist Mann-Frau, männlich-weiblich.
Nach der hebräisch-christlichen Schöpfungsmythologie ist auch hier der physische Mensch von Gott geschaffen, wohl auch nach dem Bilde Gottes, denn Gott hat seinen Körper geformt; deshalb existiert in den allermeisten Schöpfungsmythen der Völker das Urbild des Großen Menschen, des Gottes Anthropos, des Gottes Mensch, wie ihn die Griechen nennen.
Bei den Germanen entsprach das Wesen Mensch der Weltenesche yggdrasil, die in drei Brunnen wurzelt und sich in ihrer Gesamtheit weit über alle Himmel hinaus erstreckt.
Gerade im griechischen Denken, der Wiege unseres abendländischen Denkens, ist verwurzelt, dass der Kosmos ein Mensch ist und der Mensch ein Kosmos. U.a. für Heraklit, den griechischen Philosophen, entsprach der große Mensch Kosmos, genannt Makrokosmos, dem Mikrokosmos Mensch, uns selbst.
So konnte Goethe über sich und über uns formulieren: Im Innern ist ein Universum auch.
Das muss uns bewusst werden und sein: In unserem Inneren ist all das, was wir außen finden!
Immer noch aber ist Eva nicht in die Realität getreten, immer noch ist der Mensch ein ganzheitliches Wesen!
Wenn wir unser wahres Wesen finden wollen, ist es notwendig, dass wir uns er-inn-ern, nach innen wenden, um zu erfahren wer wir sind. Aus diesem Grund lautet der Name eine der 7 griechischen Musen Mnemosyne: Erinnerung.
Ohne Erinnerung, ohne Wendung nach innen finden wir uns nicht.
Wir sind ganzheitlich, unser Wesen ist eine Einheit, ganz, heil. Das ist unsere wahre Existenz.
Deshalb gab es vor 2000 Jahren diesen Heiland, damit den Menschen ihr wahres Wesen wieder bewusst würde. Dieses Bewusstsein ist nur zugänglich über die Liebe.
Allein die Liebe heilt uns bis in die Tiefe unseres Wesens.
Allein die Liebe ist der Schlüssel zu unserem wahren Wesen.