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Freitag, 7. November 2025

"Wir sehen überall Anzeichen dafür, dass das Licht in größerem Maße zur Menschheit kommt.

Wir sehen das in der Belebung des Mutteraspektes oder des weiblichen Aspektes des Lebens. Du bist vielleicht nicht immer mit dem einverstanden, was Frauen tun. Dennoch, Frauen verfügen über die Vision und beginnen den ihnen angemessenen Platz einzunehmen, um eine vollkommene Ausgewogenheit in der Welt herzustellen. Denn es kommt eine Zeit, da die Seele das Gesetz der Ausgewogenheit lernen und verstehen muss.
Solange nicht Mann und Frau in vollkommener Partnerschaft leben und jeder seine Rolle in der Fortentwicklung der Menschheit spielt, kann kein wirklicher Fortschritt stattfinden. Mit dem Erscheinen des weiblichen Aspektes und der Ausgewogenheit des Lebens wird ein großer Fortschritt auf der Erde die Folge sein. Es muss Gleichheit herrschen, geistige (spirituelle) Gleichheit, mentale Gleichheit; zwischen Mann und Frau müssen gegenseitiger Respekt und wahre Partnerschaft gelebt werden. Diese neue Situation wird viel derzeit noch bestehendes Unrecht mildern.
(...)
Die Seele einer jeden lebenden Frau drückt Weisheit aus, und jede männliche Seele Kraft oder Willen. Die Vervollkommnung des menschlichen Lebens ist dann vollendet, wenn die Liebe in jeder Seele so vollkommen ist, dass es keine Trennung gibt. Dann sind die Zwei wie Eins. Wenn sie es so wünschen, werden sie als getrennte Einheiten wirken, aber als Einheiten, die verschmelzen und sich selbst zu Einem vervollkommnen können, in dem sie alle Selbstsucht verlieren und in die unendliche Liebe Gottes eintauchen."
(aus White Eagle, "Die Göttliche Mutter")

PS: White Eagle ist ein geistlicher Lehrer, dessen Gedanken und Worte durch das Medium Grace Cooke, mit der er in vielen Leben verbunden war, übermittelt wurden.
White Eagles letzte Inkarnation liegt wohl 450 Jahre zurück. Damals war er, wie Grace Cooke seinen Hinweisen entnehmen konnte, der Mohawk-Sachem Hiawatha, also der Friedenshäuptling eines zu den Irokesen gehörigen Stammes. Unter den Indianern genoss er eine unglaublich große Verehrung; dadurch konnte er maßgeblich zur Gründung des Bundes der Irokesen beitragen, der die internen schrecklich blutigen Auseinandersetzungen beenden sollte.
Seine durch Grace Cooke übermittelten Schriften sind geprägt von einer einfachen, schlichten Sprache und genauso einfach und zugleich wertvoll ist die vermittelte Wahrheit. Zahlreiche Bücher sind von ihm erschienen, u.a. "Geistige Jahreszeiten" und "Das große White Eagle Heilungsbuch" ...

Dienstag, 13. August 2013

Wie du bist, so bist du recht: Michael Endes Bastian findet seine innere Mutter in der Dame Aiuóla.

Es gibt zahlreiche Märchen, die von der inneren Mutter erzählen, die einen wesentlichen Teil unserer Seele ausmacht. 
Und diese Mutter hat viele Facetten. 
Sibylle Birkhäuser-Oeri hat in ihrem posthum von ihrer Freundin Marie-Louise von Franz zur Veröffentlichung aufbereiteten Manuskript - erschienen als Die Mutter im Märchen - einige ansgesprochen: 
Da finden wir u.a. die Todesmutter, die Feuermutter, die lebensschenkende Naturmutter ... all diese Mütter, die dunklen wie die hellen, sind Seiten EINER Großen Mutter.Eine der bekannntesten Ausgestaltungen ist Frau Holle.
In uns gibt es diese vielen Facetten der Mutter wie auch diese EINE, die Goethe meint, wenn er am Ende von Faust II vom Ewig-Weiblichen spricht, das uns hinanzieht, die Homer besingt, wenn er die Mutter als Allmutter Erde anspricht, und deren auch in vielen, den meisten indianischen Kulturen gedacht wird. Die Griechen nannten sie Gaia, eben Allmutter Erde.
Sie ist die göttliche Mutter. Der weibliche Teil der Gottheit.

Jenen Teil, den uns die christlichen Kirchen verschwiegen haben.
Vater, Sohn und Heiliger Geist, so heißt es im Apostolischen Glaubensbekenntnis.
Nur Männer, keine Frau. So ist das in der Kirche.

Wir können diese Mutter nicht erfassen. Wir Menschen tun das ja gern, etwas zu erfassen und dann kräftig festzuhalten, unter Kontrolle zu bringen, damit die liebe Seele Ruhe hat.

Aber genau das ist der Punkt: diese Mutter schenkt zwar Ruhe und Frieden, denn sie will uns an ihrer Brust stillen, damit wir Stille lernen, aber sie beunruhigt uns auch in gewisser Weise, weil sie ständig im Wandel ist wie die Erde, die Natur.

Wer sie immer mehr verstehen lernen will, muss sich von ihr beunruhigen und stillen zugleich lassen.

Haben wir keine Verbindung zu ihr, treiben wir durch den Raum ... immer auf der Suche, unterwegs in Sachen Mutter-Sucht. Bevorzugt tun das jene Männer, die ständig unterwegs in Sachen Liebesabenteuer sind. Ohne es zu wissen, suchen sie in jeder Frau die Mutter, weil sie sich auf krankhafte Weise nie von ihr lösen konnten, oft, weil es die Mutter auf gerissene Weise verhindert hat, immer wieder - und sie tut es oft noch, auch wenn sie nicht mehr lebt.

Von dieser Mutter muss sich jeder Mann lösen. Das
Grimm-Märchen Eisenhans berichtet davon.

Von der geistigen Mutter allerdings hätten wir uns nie lösen sollen. Die gute Mutter in den Märchen, die gute Königin, wie auch immer sie gestaltet worden ist, stirbt zumeist. So wie im Übrigen auch oft der Vater.


Jeder Mensch, ob Mann, ob Frau, muss sich vergewissern, ob er in Verbindung mit dieser Mutter steht. In einer liebenden.

Eine solche liebende Verbindung ist keine, die auf Unterwerfung basiert. Mit einer Mutter setzt man sich durchaus immer mal wieder auch auseinander.

Oft aber ist sie noch so tot in uns Menschen wie Schneewittchen.
Dann gilt es, sie zu wecken.

Eigentlich keine Überraschung, dass diese Thematik auch in Michael Endes Unendlicher Geschichte auf dem Weg Bastians zur Heilung des Inneren der Menschen, sprich in der Geschichte also der kindlichen Kaiserin, eine bedeutende Rolle spielt, wenn auch auf durchaus ungewöhnliche Weise.

Die innere Mutter, die Bastian trifft, ist die Dame Aiuóla.

Das Ganze ist absolut goldig geschrieben:


Schließlich gelangte er in eine schnurgerade Allee aus kugelrunden Bäumen, die voller rotbackiger Äpfel hingen. Und ganz am Ende der Allee tauchte ein Haus auf. Beim Näherkommen stellte Bastian fest, dass es wohl das drolligste Haus war, das er je gesehen hatte. Ein hohes spitzes Dach saß wie eine Zipfelmütze auf einem Gebäude, das eher einem Riesenkürbis glich, denn es war kugelig, und die Wände hatten an vielen Stellen Beulen und Ausbuchtungen, sozusagen dicke Bäuche, was dem Haus ein behäbiges und gemütliches Aussehen verlieh.

Da deutet sich schon an, welchen Mutter-Aspekt Michael Ende ausgewählt hat. Die Dame Aiuóla wohnt nämlich im Änderhaus, einem Haus, das sich ständig ändert, verschwindet auf der einen Seite ein Fenster, wächst auf ener anderen ein Erker aus dem Haus ...

Die Frau begrüßt Bastian mit einem Lied, das schon deutlich werden lässt, was eine wirkliche Mutter ausmacht, jedenfalls jene innere Mutter, auf die wir uns beziehen:

Alles, was du suchst und willst,
auch Geborgenheit,
Trost nach allem Leid.
Ob du gut warst oder schlecht,
wie du bist, so bist du recht, '
denn dein Weg war weit.«
Wie Du bist, so bist Du recht.
Wie schön, wenn das jemand zu uns sagt und uns so annimmt, wie wir sind.

Die wirkliche Mutter tut das!

Die Stimme begann von neuem zu singen: 

»Großer Herr, sei wieder klein!
Sei ein Kind und komm herein!
Steh nicht länger vor der Tür,
denn du bist willkommen hier!
Alles ist für dich bereit
schon seit langer Zeit.
Die Stimme übte eine unwiderstehliche Anziehungskraft auf Bastian aus. Er war sicher, dass es eine sehr freundliche Person war, die da sang.
Er klopfte also an die Tür, und die Stimme rief:
»Herein! Herein, mein schöner Bub!«
Er öffnete die Tür und sah eine gemütliche, nicht sehr große Stube, durch deren Fenster die Sonne hereinschien. In der Mitte stand ein runder Tisch, gedeckt mit allerlei Schalen und Körben voll bunter Früchte, die Bastian nicht kannte. Am Tisch saß eine Frau, die selbst ein wenig aussah wie ein Apfel, so rotbackig und rund, so gesund und appetitlich.
Im allerersten Augenblick war Bastian fast überwältigt von dem Wunsch, mit ausgebreiteten Armen auf sie zuzulaufen und »Mama! Mama!« zu rufen. Aber er beherrschte sich. Seine Mama war tot und ganz gewiss nicht hier in Phantásien. Diese Frau hatte zwar dasselbe liebe Lächeln und dieselbe Vertrauen erweckende Art, einen anzusehen, aber die Ähnlichkeit war höchstens die einer Schwester. Seine Mutter war klein gewesen und diese Frau hier war groß und irgendwie imposant. Sie trug einen breiten Hut, der über und über voller Blumen und Früchte war, und auch ihr Kleid war aus einem farbenprächtigen, geblümten Stoff. Erst nachdem er es eine Weile betrachtet hatte, bemerkte er, dass es in Wirklichkeit ebenfalls aus Blättern, Blüten und Früchten war.
Während er so stand und sie ansah, überkam ihn ein Gefühl, wie er es schon lange, lange nicht mehr gekannt hatte. Er konnte sich nicht erinnern, wann und wo, er wusste nur, dass er sich manchmal so gefühlt hatte, als er noch klein war.
»Setz dich doch, mein schöner Bub!«, sagte die Frau und wies mit einer einladenden Handbewegung auf einen Stuhl. »Du wirst sicher hungrig sein, also iss erst einmal!«
»Entschuldigung«, antwortete Bastian, »du erwartest doch einen Gast. Aber ich bin nur ganz zufällig hier.«
»Tatsächlich?«, fragte die Frau und schmunzelte.


Bastian mag lange meinen, er sei zufällig hier und die Ähnlichkeit sei höchstens die einer Schwester.

Nein, er hat zu der Mutter gefunden, die unser aller Mutter ist, die sich ständig ändert wie die Jahreszeiten, die Fruchtbarkeit symbolisiert und Werden und Vergehen, zu sehen an ihrem Haus.
Wenn wir zu dieser Mutter finden, gibt es nur eins: Wohlsein!

Es gibt Bücher, die nehmen einen an die Hand und zeigen einem den Weg, schaffen Bilder, die unsere Seele heilen und ihr den Weg weisen, ja, die selbst der Weg sein können, denn unser Inneres vertraut diesen Bildern.

Michael Ende war ein weiser weißer Magier.
Seine Bilder, seine Worte sind heilsam für unsere Seele.

Samstag, 6. Oktober 2012

Den letzten Wunsch finden ... den wahren Willen zu lieben


Bisher wollte er zwar immer ein anderer sein, als er war, aber er wollte sich nicht ändern.

Das erfährt der Leser über Bastian zum Ende der Unendlichen Geschichte hin.
Eigentlich kaum glaublich, dass unser Held, fast am Ziel, sich noch nicht wirklich geändert haben soll (als wir diesen Satz lesen, ist Bastian im Änderhaus und damit bei der Dame Aiuóla, der Großen Mutter, wie wir sie auch nennen können). 
So weit ist er allerdings in seiner seelischen Entwicklung, dass er Vater und Mutter vergisst, um seine wahren Eltern, die Große Mutter und den Großen Vater zu finden, eine Voraussetzung, um zu seinen wahren geistigen Wurzeln zu gelangen.

Und dennoch hat er sich in Wirklichkeit bisher gar nicht geändert?

Kann das sein?

Ja, ich glaube, es ist so. 

Was wir für Änderung halten, ist, wie es z.B. Odysseus auf seiner Reise in die Heimat erlebt, anlanden und wieder ablegen an verschiedenen Gestaden, wo wir - Odysseus steht stellvertretend für diese Etappen auf dem Weg in die Heimat - verschiedenste Erfahrungen machen, indem wir z.B. (als Mann) Circe kennenlernen und durchschauen lernen sollen, was diese Art von Frau - immer auch Teil unseres Inneren - mit uns anrichten kann. Schließlich bleiben nicht wenige Männer gern bei Circe hängen, die bekanntlich Männer zu Schweinen macht - die Becircten selbst allerdings erkennen ihr Grunzen nicht. 
Gerade in unserer heutigen Zeit werden durch die Medien die verschiedensten Circe-Typen in den Mittelpunkt gerückt; wahre Weiblichkeit, so ist zu befürchten, geht zunehmend verloren. Und, was für mich das Schlimmste ist, Heranwachsende halten diese Circen für weiblich, für Weiblichkeit.

Woran erkennen wir, dass alles bisher Erlebte Erfahrung war, nicht wirklich Änderung?

Indem wir den letzten Wunsch finden.


Bastian Balthasar Bux findet ihn bei seiner wahren Mutter, der Großen Mutter, Gaia, Mutter Natur,
 im Buch Aiuóla genannt, aus der nicht zufällig die köstlichsten Früchte wachsen.

Sie sagt zu ihm:
Jetzt hast Du Deinen letzten Wunsch gefunden, dein wahrer Wille ist zu lieben.

Lieben, das tue ich schon lange, höre ich die Scheinheiligen, wie wir sie in den letzten Posts angetroffen haben, posaunen.

Aber es könnte sein, dass sie - und damit wir - einem großen Irrtum aufgesessen sind, dass wir nämlich noch gar nicht geliebt haben.

Dass wir wirklich erst zu wahrer Liebe gelangen, wenn wir unseren letzten Wunsch wünschen ...

Wir müssten dazu in unmittelbarer Nähe der Quelle des Wassers des Lebens sein und das Wasser des Lebens in die reale Welt bringen wollen.

Schon merkwürdig - das heißt: des Merkens würdig -, dass Michael Ende dieses Märchenmotiv gegen Ende seiner Unendlichen Geschichte einbringt - und gewiss kein Zufall.
In ihr aber finden sich ja ohnehin viele Märchenmotive.
Für mich ein Beweis, dass wir in ihnen, den Märchen, die wahre Weltgeschichte finden.
So wie in der Unendlichen Geschichte die Wahrheit des letzten Wunsches:
wirklich zu lieben.

Erst danach ist wunschloses Glück möglich.

Also Liebe.

PS  Was ich allerdings auch glaube: Dass Menschen immer wieder zu Gedanken und Taten der Liebe fähig sind. Das ist nicht das überdauernde Glück der Liebe, dass die Unendliche Geschichte zum Abschluss der Reise Bastians meint und die Märchen mit ihrer Ewigkeitsformel Und wenn sie nicht gestorben sind, so leben sie noch heute; aber diese Flicken der Liebe sind wie Seiten eines Buches, das in seiner Gesamtheit eine unendliche Geschichte der Liebe sein will.

Zu dieser Geschichte gehört auch unser Weg zur Liebe.

Dienstag, 2. Oktober 2012

Sogenannte Heilige, Scheinheilige und zwei Gebete, die zu Herzen gehen.


Den gestrigen Post bzw. die Worte Pfarrer Brochs habe ich mir ausgedruckt, ausgeschnitten und in mein Exemplar von Der Joker geklebt, um sie heute meiner Klasse, mit der ich gerade dieses Buch lese, vorzulesen anlässlich einer Stelle darin, die genau zu den Worten Michael Brochs von gestern passt:

Ed, der Protagonist aus Der Joker bekommt bekanntlich Karten zugespielt von einem großen Unbekannten, und jede Karte ist mit einer Aufgabe verbunden. Auf einer stand O´Reilly. Und Ed fndet tatsächlich den O´Reilly, um den es geht. Es ist ein Priester, dessen Behausung dem Wort grauenhaft eine ganz neue Bedeutung verleiht, denn:
O´Reilly ist ein Armenpriester, ähnlich wie Abbé Pierre, den Michael Broch erwähnte. O´Reilly wohnt nicht neben seiner Kirche, sondern inmitten der Underdogs dieser Stadt; ganz nah will er ihnen sein. –
Ed gesteht ihm offen, dass er noch gar nicht wisse, warum er bei ihm ist.
Unser Protagonist kennt noch nicht seine Aufgabe, die sich mit diesem Geistlichen verbindet, allmählich aber dämmert sie ihm und er weiß, er will dieses Priesters Kirche an einem Sonntag bis zum letzten Platz füllen.
Tatsächlich schafft er es, mit Graffiti, nachts illegal angebracht:


Tag der offenen Kirche
Sonntag 10.00 Uhr
St. Michael-Kirche

Essen, Gesang, Tanz
und FREIBIER

Kommt alle oder ihr verpasst
eine TEUFLISCH gute Party!

:-))

Weshalb ich diesen Post schreibe: 
Am Abend vor diesem Sonntag kommt jener Priester Ed ganz unerwartet besuchen und er beginnt mit den Worten:

Ich muss dir etwas sagen, Ed, um dann mit berührenden Worten fortzufahren:

Weißt du, es gibt unzählige Heilige, die nichts mit der Kirche am Hut haben und auch von Gott kaum etwas wissen. Und Gott ist trotzdem mit diesen Menschen, ohne dass sie sich dessen bewusst sind. Du bist einer davon, Ed. Es ist mir eine Ehre, dich zu kennen.

Das ist die Stelle  um die es geht.
Auch wenn manche Kirche gern die allein seligmachende wäre: anima naturaliter religiosa - die Seele ist von Natur aus religiös, ganz ohne Konfession. 
Mancher Atheist, mancher Hinduist wird in sich ein Christusbewusstsein haben, um das mancher sogenannte Christ gar noch nicht weiß ...

Und was diese Textstelle mir auch noch vermittelt: Hier findet sich keine falsche Bauchpinselei, die nur darauf ausgerichtet ist, dass der andere sagt: Nein, nein, der Heilige sind doch Sie, ähnlich dem Gehabe und Gelaber der Hollunder-Freunde von Matthias Claudius ... nein, dieser Priester ist für einen Geistlichen ungewöhnlich ehrlich ... 
Und übrigens: in dem Wort ehrlich steckt das Wort Ehre ...

Dann kommt der Sonntag, und die Kirche ist proppenvoll, voll von Underdogs aus dem Viertel, auch Freunde von Ed sind anwesend, ebenfalls der Bruder O´Reillys, Ed hatte ihn eingeladen;
Letzterer spielt zu Beginn des Gottesdienstes zunächst auf seiner Mundharmonika. Und wir hören in den Erzählerbericht Eds hinein:

Danach spricht der Priester eine Zeitlang. Was er sagt, gefällt mir, auch die Art, wie er es sagt. Er redet nicht wie all die anderen Priester in ihren schmucken, reich dekorierten Kirchen, die nichts als gequirlte Scheiße von sich geben.

Dann kommt O´Reilly zum Ende seines Gottesdienstes:

Leute, ich werde jetzt beten, erst laut und dann still für mich. Ihr dürft jedes Gebet sagen, das ihr mögt oder das euch wichtig ist ...
Herr, ich danke dir. Ich danke dir für diesen glorrreichen Moment und für all diese großartigen Menschen. Ich danke dir für das Freibier ... Und ich danke dir für die Musik und die Worte, die du uns heute geschenkt hast. Vor allem aber Herr, danke ich dir, dass mein Bruder heute hier sein kann, und ich danke dir für einen ganz bestimmten jungen Mann, der eine ganz fürchterlich hässliche Lederjacke trägt ... Amen.

Damit war Ed gemeint, klar. Und der betet zum ersten Mal seit Jahren, vielleicht auch zum ersten Mal nach dem Tod seines Vaters, für sich:

Bitte, lieber Gott, mach, dass es Audrey gut geht. Und auch Marv und Richie und Ma und meiner ganzen Familie. Bitte nimm meinen Dad in deine Arme, und bitte, bitte hilf mir mit den Botschaften, die ich noch zu überbringen habe. Hilf mir, dass ich alles richtig mache ...


Ich weiß gar nicht, ob man dann überhaupt etwas falsch machen kann ... wenn man auf diese Weise unterwegs ist ...

"Jeder Weg, der dorthin führt, ist der richtige", sagt in Michael Endes Unendlicher Geschichte die Dame Aiuóla, Symbol der Großen Mutter, zu Balthasar am Ende seines Aufenthaltes im Änderhaus.
Genau so empfinde ich es auch. Der Weg zur Quelle des Wassers des Lebens - das ist mit "dorthin" gemeint - verläuft nie geradlinig. Wie Hänsel und Gretel müssen wir über das Hexenhaus. Wir verlaufen uns im Wald.

Der Weg der Wünsche ist nie gerade, hört Balthasar von Aiuóla.

Ich glaube, es ist sehr wichtig, dass uns das bewusst ist, damit wir liebevoll mit uns umgehen können.

Sonntag, 2. Oktober 2011

Auf dem wehenden Banner Phantasiens gelesen

        
               ♨
Über der Erde
in himmlischen Auen
sehe ich einen Altar bereitet
mit himmlischen Früchten
geerntet auf irdischen Feldern
Ein mächtiger Altar
drei Stufen führen
zu ihm hinauf
Seine Decke kunstvoll geflochten aus Weizenhalmen
verziert mit Trauben aus allen Kontinenten
Auf ihm bereitet Äpfel und Birnen in üppiger Fülle
duftend bis auf die Erde 
Von der Erde kommend eine Prozession vieler Menschen
seit Tagen unterwegs
hinauf zum Altar
in Gedanken ehrend und dankend und bringend
weitere Früchte des Feldes und Blumen die immer
himmlischer leuchten 
Manche auf der Erde wissen noch zu deuten
den Segen so vieler sonniger Tage
die ihre Bedeutung haben bis heute hin
Etwas Besonderes muss geschehen sein
ahnen manche Menschen
Ein besonderer Segen muss den Menschen
zuteil worden sein
aufgeschrieben im Buch allen Lebens 
Selten noch war zum Erntedankfest hin
die Erde so festlich geschmückt
verlor der Himmel über Tage keine Träne über uns
lächelte und zeigte eine Freude
die mancher und manchen die sehen
wollen und können
überirdisch erschien  
Der Himmel blaut bis in alle Weiten
und spricht zu denen die noch wissen
um den Zug der Vögel
spricht zu allen Menschen die
guten Willens sind 
Am Abend wenn die Sonne untergeht
stehen die Engel wie ausgebreitete Flügel
zu beiden Seiten der Sonne und
jubeln ihr großes Hallelujah und wer möchte
kann es hören
Zum Dank neigt sich die Erde bis in die Nacht hinein
Wie ein Saum liegen die Töne auf Äckern und Feldern
die Dank sagen und friedvoll
in ihren langen und tiefen Schlaf gehen 
Über allem sehe ich in den Weiten des Himmels
und zugleich so nah
ein Gesicht
ein weibliches
das Lächeln von Gäa seit alters her
unser Ewig-Weibliches
die Himmelskönigin
Ihr Lächeln ist es das auch die Sonne vor Freude fast
taumeln macht und des Nachts
in diesen Tagen die Sterne wunderbar funkeln lässt

Ihr Gesicht verblasst nicht
immer ist es da und möchte zu allem
was Menschen tun
lächeln können


             ♨ 

Sonntag, 17. April 2011

Darf ich Sie um die Hand Ihrer Tochter bitten? – Ein Brauch, wichtiger denn je!

Kürzlich im Radio ein kleines Feature zu dem Thema Heirat und Tradition gehört und zu der Tatsache, dass höchstens noch jede fünfte Frau - wenn ich mich recht entsinne - Wert darauf legt oder sich gar geehrt fühlt, wenn ihr Zukünftiger den Schwiegervater in spe um die Hand seiner Tochter bittet.
Ja, manche Frauen lehnen das kategorisch ab. Zu was hat man sich zu eigenem Selbstbewusstsein entwickelt, wenn da der Zukünftige etwas tut, was ohnehin keine Bedeutung hat ... Schließlich ist die eigene Entscheidung gefallen, und die ist entscheidend, nicht was der Herr Vater sagt ...
Nun, so einfach ist die Sache nicht ...
Sie ist nur scheinbar ohne Bedeutung.
Wir wissen, dass erst im 19. Jahrhundert sich so etwas wie eine Heirat aus Liebe entwickelt hat. Dass es in fernen Zeiten ganz anders war, darüber habe ich an anderer Stelle geschrieben.
Aber wenn wir in unsere Geschichte zurückblicken, dann wissen wir, dass es noch im Mittelalter die Muntehe gab; der Mann zahlte einen Muntschatz, damit seine Zukünftige ihre Sippe verließ und zu seiner Sippe wechselte. Dann gab es noch die Friedelehe und die Kebsehe, nachzulesen und kurz, aber kenntnisreich zusammengefasst von Angelique Schnabel. Jedenfalls, von Liebesheirat keine Spur!
Heirat hatte also sehr viel mit einem Vertrag zu tun und quasi einem Handschlag, der diesen besiegelte. Daher auch mag die Redewendung "Um die Hand anhalten" kommen. Die Verlobung wurde im Übrigen von der Kanzel bekannt gegeben und mittels einer großen Polterei, mit Hilfe deren Unheil und böse Geister möglichst für alle Zeiten von den zukünftigen Eheleuten ferngehalten werden sollten, eingeleitet, ein Brauch, den wir ja auch von Sylvester kennen.
Um die Ehe ist es still geworden. Zu viele werden geschieden und für manche traditionell denkenden Menschen hat die Möglichkeit, dass gleichgeschlechtliche Menschen sich heute ehelichen können, nicht zu deren Attraktivität beigetragen.
Dennoch ist sie nach wie vor für einige etwas Besonderes, ja, für manche nach wie vor ein Sakrament.
Doch zurück zu diesem Brauch, dass der zukünftige Ehemann den Vater der Braut um die Hand seiner Tochter bittet.
Ich glaube, es geht um viel mehr und ich bin der Auffassung, dass es sehr wichtig ist, dass der zukünftige Ehemann ganz bewusst dem Vater der Braut in die Augen schaut und ihn fragt, ob er die Hand seiner Tochter loslässt, zu treuen neuen Händen! - Falls es diesen Vater gibt und die Braut ihn öfter als einmal im Jahr sieht - leider sind ja viele Familien heute zerrüttet - ist dieses Ereignis so wichtig!
Es geht um Muttersöhnchen und Vatertöchterchen.
Manche werden das Märchen Eisenhans und das faszinierende Buch von Robert Bly Eisenhans. Ein Buch über Männer kennen.
Darin - und in dem Märchen - geht es um eine der gravierendsten Aufgaben im Leben eines Mannes: sich von der Mutter zu lösen. Denn mehr Mütter, als einem lieb sein kann, halten ihren Jungen fest, energetisch, nicht faktisch (heiraten darf er schon, wenn er nur in Wirklichkeit der Mutter treu bleibt). An anderer Stelle habe ich davon erzählt, wie sehr eine Frau um ihre Ehe kämpfte und um die Liebe ihres Mannes, wie sehr sie verzweifelte und dass es sie sogar in Selbstmordversuche trieb, worauf das ganze Dorf lästerte und sich auch ihre Kinder von ihr zurückzogen. Kaum aber war sie ausgezogen aus dem gemeinsamen Haus übernahm wer die Regentschaft dort? Seine Mutter!
Die Frau des Mannes hatte vermutlich nie eine Chance gegen Frau Mutter, sie hat deren Allmacht immer gespürt, deren Macht über ihren Mann, der nie IHR Mann war.
Dieser, ihr Mann, hatte leider nie den Schlüssel zum Käfig des Wilden Mannes unter dem Kopfkissen der Mutter entwendet, wie es das Eisenhans-Märchen beschreibt.
So bleibt dieser Mann ewig ein Muttersöhnchen.
Und es gibt mehr Muttersöhnchen als wir ahnen.
Genauso gibt es auch genug Vatertöchterchen.
Anhand eines Beispieles habe ich das deutlich gemacht.
Mehr Väter, als deren Frauen lieb sein kann, ziehen diesen die eigene Tochter vor; das muss nach außen nicht sichtbar sein; es kann in erster Linie ein energetischer Prozess sein; doch die Frauen dieser Männer altern schneller als ihnen lieb ist, denn die Liebe, die jung hält, bekommt die Tochter.
Es steckt mehr Elend hinter dieser Tatsache, als wir ahnen.
Verstehst Du nun, liebe Leserin, lieber Leser, warum ich der Ansicht bin, dass obiger Brauch so wichtig ist?!
Wenn der zukünftige Ehemann dem Vater der Tochter gegenübertritt, dann muss er ihm ganz bewusst in die Augen schauen, und er muss die Tochter aus der Hand des Vaters wollen und der Vater muss die Hand der Tochter loslassen. Denn diese Hand hält nun für alle Zeiten ein anderer in seiner Hand.
Der Vater ist der erste Mann im Leben jeder Frau. Von ihm lernt sie so viel und beobachtet ihn so genau, über viele Jahre; er prägt ihr Bild von einem Mann.
Nun aber tritt der Vater zurück; er hat zurückzutreten.
Deshalb ist dieser Brauch so wertvoll. Er besiegelt diese Tatsache. 
Damit es eine Tatsache ist!

Freitag, 13. August 2010

"An meinen Schutzengel" - Mascha Kalékos berührende Zeilen

Das folgende Gedicht hat mich immer sehr berührt.
So selbstverständlich die Worte auf den ersten Blick scheinen und geschrieben sind, so zärtlich liebevoll und überzeugend wahr in ihrer einfachen Klarheit habe ich dennoch selten Worte einer Mutter empfunden, wenn Mascha Kaléko in der vorletzten Strophe von ihrem Kind schreibt:


Er ist mein Sohn.


 

Auf ihre Weise persönlich, auf ihre Weise ehrlich aufrichtig und sicher um seine Nähe wissend spricht zudem wohl selten jemand mit seinem Schutzengel.

Direkt und unmittelbar schreibt diese aus jüdischen Elternhäusern stammende Autorin - als sie 1907 geboren wird, sind ihre Eltern noch nicht verheiratet - immer wieder in ihrer Lyrik.

Das Licht der Welt erblickt das Kind, das ursprünglich und vielleicht bezeichnend Golda Malka Engel heißt, unweit des Ortes Oswiecim, der Jahre später als Auschwitz traurige Berühmtheit erlangen wird.

Berührt hat mich das Gedicht aber vor allem deshalb, weil jener Sohn, um den sie ihren Schutzengel bittet, dass er auf ihn Acht haben möge, tatsächlich viele Jahre in dessen guter Obhut war; er wurde und war ein hochbegabter Musiker.

31-jährig allerdings stirbt Ejvatar nach kurzer unerbittlicher Krankheit in New York; über diesen Verlust ist Mascha Kaléko kaum hinweggekommen; umso mehr rühren mich diese Zeilen, die sie lange zuvor schrieb:


An meinen Schutzengel

Den Namen weiß ich nicht. Doch bist du einer
Der Engel aus dem himmlischen Quartett,
Das einstmals, als ich kleiner war und reiner,
Allnächtlich Wache hielt an meinem Bett.

Wie du auch heißt - seit vielen Jahren schon
Hältst du die Schwingen über mich gebreitet
Und hast, der Toren guter Schutzpatron,
Durch Wasser und durch Feuer mich geleitet.

Du halfst dem Taugenichts, als er zu spät
Das Einmaleins der Lebensschule lernte.
Und meine Saat, mit Bangen ausgesät,
Ging auf und wurde unverhofft zur Ernte.

Seit langem bin ich tief in deiner Schuld.
Verzeih mir noch die eine - letzte - Bitte:
Erstrecke deine himmlische Geduld
Auch auf mein Kind und lenke seine Schritte.

Er ist mein Sohn. Das heißt: Er ist gefährdet.
Sei um ihn tags, behüte seinen Schlaf.
Und füg es, dass mein liebes schwarzes Schaf
Sich dann und wann ein wenig weiß gebärdet.

Gib du dem kleinen Träumer das Geleit.
Hilf ihm vor Gott und vor der Welt bestehen.
Und bleibt dir dann noch etwas freie Zeit,
Magst du bei mir auch nach dem Rechten sehen.





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 Buchveröffentlichung Gedichtinterpretationen gestalten lernen
Für Oberstufenschüler und alle, die verstehen möchten, auf
welche Weise Inhalt und Form von Gedichten in unsere
Tiefenstruktur hineinwirken. - Mehr unter diesem LINK

Mittwoch, 11. August 2010

Stille Kommunion mit Gott und ein inneres Wissen, ihm nahe zu sein

Manche Menschen fühlen sich  dem Geist, oder Gott, näher in einem Garten - oder in der Heide oder den Bergen. Manche, sprächen sie aus aufrichtigem Herzen, würden dir sagen, dass sie sich Gott in der Einsamkeit des Meeres näher fühlen. Andere wiederum fühlen sich Gott näher, wenn sie einer schönen Musik lauschen. Andere fühlten sich Gott nahe, als sie ein schönes Bild betrachteten oder selbst malten. Eine Mutter könnte dir sagen, dass sie Gott am intensivsten fühlte, als sie ihr Kind gebar oder als sie in seine Augen blickte, in dieser unbeschreiblich engen geistigen Verbindung, die für eine Mutter so viel bedeutet. Zwei Freunde nähern sich Gott in der Liebe, die sie füreinander empfinden, von Geist zu Geist verbunden.
Diese Gefühle können nicht in irdische Worte gekleidet werden; möglich ist nur eine stille Kommunion (Vereinigung) und ein inneres Wissen um Gott. Du kannst Gott in einem Mann und in einer Frau erkennen, du kannst Gott in deinem Gefährten erkennen. Du siehst also, wenn du das Licht des Geistes in deinem Gefährten fühlen und erkennen kannst, erblickst du tatsächlich Gott. Das ist das Ziel und das ideale menschliche Leben, das alle suchen - diesen Augenblick, wenn du das göttliche Licht in einem blendenden Blitz erkennst; wenn du eins wirst mit Gott und den anderen. Das ist eine Erfahrung, die dir zuteil wird, während du in einem physischen Körper lebst.

Diese Worte White Eagles aus Die Göttliche Mutter weisen darauf hin, dass Gott keineswegs so unerreichbar ist, wie manche Theologen und zu bestimmten Zeiten die Kirche uns das weismachen wollte.
Es liegt vor allem an unseren Gedanken. Wenn sie reinen Herzens sind, ermöglichen sie den Zugang zu Gott. 
Wenn wir achtsame Blicke auf unsere Gedanken werfen, stellen wir fest, dass es da viel zu tun gibt.