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Samstag, 4. Februar 2023

Die Miteinander-Falle: "Wir" geht nicht ohne "Ich"!


Ich habe gezögert, obige Überschrift zu wählen, weil ein ehrliches Miteinander guttut. Aber es gibt eben auch hier eine Flucht ins Miteinander, ins Wir, und es gibt Voraussetzungen dafür, dass ein Miteinander gelingen kann.
Die zentrale Voraussetzung für mich ist, dass für ein Miteinander, das konstruktiv für uns und die Menschheit sein soll, Individuen zusammenfinden, die auf dem Weg, ein Individuum zu sein, weit fortgeschritten sind. 
Individuum zu sein, das heißt, seine Individualität entdeckt zu haben, hat natürlich etwas mit Egoismus zu tun. Man muss Egoist sein können, um ein Individuum zu sein.
Das ist ja eine große Traurigkeit, dass man Menschen beschimpft, wenn sie Egoisten sind. Man müsste Ihnen eigentlich gratulieren, denn sie sind dabei, s-ich zu finden.Es gibt keinen Weg der Selbstfindung ohne die Erfahrung, Egoist zu sein bzw. Egoist sein zu können.
Natürlich gibt es auf diesem Feld eine gewisse Perfektion und um auf dem Weg der Selbstfindung weiterzukommen, sollte man, wenn man ein (nahezu) perfekter Egoist sein kann, nicht unnötig lange in diesem seelischen Zustand verharren. Ein nächster Schritt, um über diesen Zustand hinauszukommen, ist, zu spüren, ja zu wissen, wann man egoistisch ist.
Egoist sein zu können, ist deshalb so wichtig, weil man dieses Ich kennen, mit ihm umgehen können muss, um es zu erweitern zu jenem Ich, das sich auch I-CH schreiben lässt.

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I-CH ist ja - und darin ist die deutsche Sprache einmalig auf der Welt - die erste Person des Personalpronomens und zugleich sind es die Initialen von J-esus Ch-ristus
[Auf der Tafel am oberen Ende des Kreuzes wurde der Grund für die Kreuzigung angegeben. Da stand bei Jesus, veranlasst von Pontius Pilatus "INRI" = Jesus Nazarenus Rex Judaeorum (Jesus aus Nazareth, König der Juden)].
Ich kann also Ego sein und zugleich I-CH (bzw. auf dem Weg zu Letzterem sein). Um das erkennen, um ein Gefühl dafür bekommen zu können, was Ich und I-CH ausmachen, ist die Erfahrung des Egoismus notwendig. Es ist keineswegs negativ, wenn jemand egoistisch ist, die Frage ist eher, ob er bereit ist, sich weiterzuentwickeln. Und da ist es schon auch wichtig, nicht unnötig lange auf der Weltbühne den Egoisten zu geben. Dass viele das zu lange tun: den Eindruck kann man leider schon gewinnen.

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I-CH hat im Übrigen für mich nichts zu tun mit dem, was man gemeinhin unter Religion versteht. Richtig verstandenes Christentum ist für mich ein Bewusstseinszustand, eine Bewusstseinsstufe, die sich weiter zur Vaterstufe entwickeln will und Fakt ist, dass eine der größten Religionen das Weibliche nicht als göttlich anerkennt, sonst müsste sie nicht für alle Jünger Petri das Weibliche vom Leib halten wollen. Damit halbiert sie ja systematisch auch Gott.
Und genauso bedauerlich ist, dass viele das Wort „Vater“ geschlechtsbezogen sehen und womöglich nicht wenige Frauen aufschreien.
Wie weiblich ist denn das Ewig-Weibliche?
In unserem, also ich meine, in dem üblichen Verständnis des Weiblichen ist es überhaupt nicht weiblich - aber das ist ein anderes Thema.
Man muss verstehen, dass das Männliche und Weibliche in dem, was es ursprünglich ist, wenig bis nichts zu tun hat mit dem, was wir unter Geschlecht verstehen und dass unser Geschlechterverständnis nur ein Weg ist, zu verstehen, was eigentlich sich hinter dem wahrhaft Weiblichen und Männlichen verbirgt.

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Wie bemerke ich, ob ich ein Individuum bin? Ein Merkmal ist, froh darüber zu sein, dass andere anders sind. Wer nicht versteht, um was es geht, versucht, auf allen möglichen Feldern die Menschen gleichzuschalten, dafür Sorge zu tragen, dass sie so sind, wie man selbst, gleich denken, Gleiches fühlen, möglichst auch Gleiches wollen (man schaue sich nur die vergangenen Impf- und Maskendiskussionen an, wobei ja nicht schlimm war, dass sie geführt wurden (im Gegenteil), sondern wie!).

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Stellen wir uns vor, viele Menschen plädierten für ein Miteinander, ohne individuell zu sein. Das gäbe ein großes Menschengemansche, aber kein wahres Miteinander. Nur wer seine Individualität entwickelt hat und zu schätzen weiß, kann die des Anderen schätzen, kann den Anderen schätzen.
Wir wissen, dass die Meere aus unendlich vielen Tropfen bestehen. „Weißt Du wieviel Sternlein stehen“ - so beginnt ein Volkslied und macht darauf aufmerksam, dass Gott sie alle kennt. Allein unsere Milchstraße hat - Schätzungen zufolge - 100 bis 400 Milliarden Sterne und unsere Nachbargalaxie, der Andromeda-Nebel, hat erheblich mehr … und es gibt Millionen von Galaxien …
So ist es auch nicht unwahrscheinlich, dass es ein Bewusstsein, das wir Gott nennen können, gibt, das um alle Wassertropfen dieser Erde weiß, auch wenn sie gerade in anderen Aggregatzuständen unterwegs sind.
Wie keine Schneeflocke gleich ist, so ist auch kein Wassertropfen einem anderen gleich. Und das gilt auch für Menschen.

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WARUM VORSICHT?
Auch deshalb, weil wir entdecken könnten, wenn wir genau hinblicken, dass viele, die die Glocken eines großen Miteinander läuten, es deshalb tun, weil sie vor sich und anderen kaschieren wollen, dass sie um sich selbst nicht wissen, nicht wissen wollen. Dass sie vielleicht zu bequem sind oder noch nicht dazu in der Lage, sich zu einem Individuum zu entwickeln, zu einem eigenständigen Bewusstsein.
Natürlich gibt es geistige Kräfte, die extrem interessiert daran sind, dass Menschen miteinander sind, ohne Individuen zu sein.
Sie haben Interesse daran, dass die Meere eine undefinierbare Brühe sind.
Ich persönlich finde es deshalb sehr wichtig, dass Menschen, die auf einer psychologischen oder spirituellen Ebene das WIR proklamieren, die Frage stellen:
Bist Du, bin ich ein Individuum? Weißt Du, weiß ich, was es heißt, ein Individuum zu sein? Kannst Du allen Deinen Mitmenschen ihre Individualität zugestehen?
Es kann brandgefährlich sein, ein Miteinander, ein Wir auf den Schild zu heben, weil es doch spirituell so wertvoll und gerade an der Zeit zu sein scheint.
Wahre Individualität ist nicht individuell auf Kosten anderer und hat an Gleichschaltung kein Interesse oder glaubt, man sei nur mächtig, wenn andere weniger mächtig sind und man ihnen einen Teil ihrer Macht rauben sollte.
Ich glaube allerdings, dass sich ein Miteinander auch schon auf unserer Erde erleben lässt in Gruppenerfahrungen oder auch in partnerschaftlicher Beziehung.

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Wir wissen, dass Zustände immer wieder auch umschlagen und wir das Gegenteil erleben. Aber wir wissen eben auch, dass solche Erfahrungen notwendig sind, um einschätzen zu können, was sich hinter einem wahren Miteinander an Wunderbarem verbirgt.
Dennoch sollten wir, wie Paulus rät, alles prüfen, damit die Wahrheit, das wahre Miteinander erreichbar bleibt.
PS Nachgereicht
Ich finde Birgit Vogels Lied zu dieser Thematik echt gut, auch, weil ich gelebte, aus dem Leben gegriffene Spiritualität einfach gut finde, kein allgemeines esoterisches Gefasel, sondern persönlich und damit lebendig. Sie beleuchtet auf ihre individuelle Weise das Wechselspiel von "Ich" und "Wir":


Sonntag, 29. Januar 2023

MORALISCHE GERÜCHE und GERÜCHE DER HEILIGKEIT

Jacques Lusseyrans „Das wiedergefundene Licht“ ist ein wahres Compendium, wenn es um die Spiritualität von Sinneseindrücken geht. Fast möchte man denken, nur ein Blinder könne so intensiv die Geistigkeit der Sinne wahrnehmen.

Gerade hatte er noch von dem, was das Tasten in seinem Inneren auslöste, erzählt, da wendet er sich in der Erinnerung an seine Jugend dem Geruchssinn zu und schreibt über jene Phase als Kind kurz nach seiner Erblindung:

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„Wie mit den Tastsinn verhielt es sich auch mit dem Geruch. Wie der Tastsinn war auch er offensichtlich ein Teil des liebenden Alls des Universums. Ich begann zu erraten, was Tiere empfinden müssen, wenn sie in die Luft schnuppern. Wie die Töne und Formen war auch der Geruch sehr viel ausgeprägter, als ich zuvor angenommen hatte. Es gab physische Gerüche, und es gab moralische Gerüche, doch von diesen – im Leben der Gesellschaft so wichtigen – will ich später reden (…) oh, alle Töne, alle Gerüche, alle Formen wandelten sich in mir unaufhörlich in Licht, das Licht wurde zu Farben und machte meine Blindheit zu einem Kaleidoskop.“

Das Thema der Gerüche greift er wieder auf, als er von der Schule erzählt:
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„Ich langweilte mich im Gymnasium, langweilte mich fast ohne Unterbrechung (…) War einmal die Klassentüre geschlossen, stieg mir der Geruch des Raumes in den Kopf. Nicht, dass einer meiner Klassenkameraden schlecht gepflegt gewesen wäre, doch jeder von ihnen besaß einen Körper, und vierzig Körper in einem so kleinen Raum – das war zuviel. Man hätte sich am Rand eines stehenden Sumpfwassers glauben können. Wie kam das?
Ich erwähnte bereits, dass es für einen Blinden so etwas wie moralische Gerüche gibt, und ich glaube wohl, dies war hier der Fall. Ist eine Gruppe von Menschen gezwungen – oder gesellschaftlich verpflichtet, was aufs selbe herauskommt –, sich in einem Raum aufzuhalten, so wird sie alsbald einen schlechten Geruch entfalten. Man möge das wörtlich auffassen. Bei Kindern vollzieht sich dieser Prozess noch schneller. Man denke nur an die ganze Masse unterdrückten Ärgers, gedemütigten Unabhängigkeitsdrangs, zurückgehaltener Vagabundierlust und ohnmächtiger Wissbegierde, die vierzig Buben zwischen zehn und vierzehn Jahren ansammeln können!
Hier war also die Quelle des unliebsamen Geruchs und des Dunstes, mit denen die Klasse für mich physisch angefüllt war. Was ich sah, war trübe, die Farben wurden fade, ja schmutzig. Die Tafel war schwarz, der Fußboden war schwarz, die Tische waren schwarz, die Bücher waren schwarz. Selbst der Lehrer, der im Licht stand, war nicht mehr als grau. Er hätte sich doch abheben müssen, nicht allein durch sein Wissen (Wissen enthielt damals für mich wenig Licht), sondern auch durch seine Person.
Langeweile band und knebelte alle meine Sinne. Selbst die Töne verloren im Unterricht an Umfang und Tiefe, wurden kraftlos.“

Es ist schon zu lange her, dass ich dieses wunderbare Buch gelesen habe, in dessen Mittelpunkt vor allem Jacqes Lusseyrans Zeit im französischen Widerstand steht, in der er als Mitglied einer Widerstandsgruppe u.a. die Aufgabe übernommen hatte, Menschen, die aufgenommen werden wollten, aufgrund seines besonderen Wahrnehmungsvermögens zu überprüfen. Deshalb weiß ich es nicht mehr genau, aber ich glaube, von Gerüchen der Heiligkeit hat er nie gesprochen. Es ist mir aber unvergessen, dass ich von ihnen in Michael Murphys „Der Quantenmensch. Ein Blick in die Entfaltung des menschlichen Potentials im 21. Jahrhundert“ las. Dort heißt es:
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„Seit den ersten Jahrhunderten der Geschichte des Christentums wurde behauptet, dass die Körper einiger Märtyrer und Heiliger einen außergewöhnlichen Geruch ausströmen. Es heißt, dass der heilige Polikarp, der im Jahr 155 den Märtyrertod starb, der heilige Simeon Stylites, ein Säulenheiliger des 5. Jahrhunderts, und der heilige Guthlac, ein angelsächsischer Einsiedler, so wie andere bemerkenswerte Persönlichkeiten des frühen Christentums die Luft mit lieblichen Düften und zu Zeiten ganze Gebäude mit dem Geruch von Weihrauch erfüllten. Die heilige Theresia von Avila, die vielen religiösen Behauptungen gegenüber kritisch eingestellt war, war überzeugt, dass eine heilige Lebensführung den Geruch der Heiligkeit hervorbringen könnte. In ihrem „Buch der Klosterstiftungen“ schilderte sie eine berühmte spanische Asketin, Catalina von Cardona. Sie schrieb, dass
„von ihr ein überaus durchdringender Wohlgeruch, ähnlich dem Geruch der Reliquien, ausgegangen sei. Nachdem sie ihren Habit und Gürtel abgelegt hatte – man schenkte ihr nämlich einen anderen Habit und Gürtel –, strömten selbst diese abgelegten Kleidungsstücke einen (wunderbaren) Wohlgeruch aus, so dass die Schwestern veranlasst wurden, unseren Herrn zu lobpreisen. Je näher man ihr kam, desto durchdringer war dieser Geruch, während doch ihre Kleider, zumal bei der damaligen großen Hitze, eher eine gegenteilige Wirkung hätten hervorbringen sollen.
Es werden in der Folge noch das ein oder andere Beispiel und Nonnen erwähnt, bei denen man diese Gerüche der Heiligkeit wahrnahm. „In neuerer Zeit wurde von Pater Pio erzählt, dass er um Menschen herum, die ihn gesehen oder berührt hatten, geheimnisvolle Wohlgerüche hervorrief.“

Herbert Thurston (1856-1939), ein englicher Priester und Jesuit, der in seinen Artikeln zu obigen Phänomenen eine eher skeptische Haltung einnahm, schrieb:
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„Gewiss mag manches in dieser oder jener Schilderung durch die glühende Phantasie des Erzählers übertrieben worden sein, denn starke Gefühle schwingen in diesen Beschreibungen mit. Aber die Übereinstimmung unter Zeugnissen, die örtlich und zeitlich so weit auseinanderliegen, ist höchst bemerkenswert, und nicht zuletzt kommt dazu die Gleichgestimmtheit von Zeugnissen sehr ähnlicher Art aus den letzten Jahrhunderten. Das lässt sich nicht übersehen…, erhält aber noch eine gewisse Bestätigung von einer ganz anderen Seite her; ich denke an das Auftreten ähnlicher Phänomene bei spiritistischen Sitzungen.“
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Ich persönlich halte ein Phänomen wie Gerüche der Heiligkeit für realistisch, allein schon deshalb, weil es auch genügend Menschen gibt, die ganz gegenteilige Gerüche verbreiten.
Wenn allerdings Thurston auf vergleichbare Phänomene bei spiritistischen Sitzungen hinweist, dann ist für mich das auf dem Hintergrund der Tatsache, dass ich spiritistischen Sitzungen - Rilke war ja bekanntlich ein Fan von ihnen, was ihm gewiss nicht gutgetan hat - absolut ablehnend gegenüberstehe, weil man nie weiß, welches seelische Wesen am anderen Ende ist (auch wenn es einen Namen kundtut) und man durchaus seelisch sehr Unangenehmes auf diesem Weg einfangen kann, - dann ist das also deshalb interessant, weil es gewiss auch pseudoheilige Düfte gibt, Düfte also, die verschleiern, dass in Wahrheit ganz anderes transportiert wird.
Ich bringe deshalb solchen Berichten eine gewisse Skepsis entgegen und halte es für sehr sinnvoll, sie erst einmal auf den Prüfstand zu stellen.

PS Meine Ablehnung spiritistischer Sitzungen bezieht sich nicht unbedingt auf mediale Trancesitzungen. Allerdings enstpricht Trance - Ausnahmen mögen die Regel bestätigen - nicht mehr einem Bewusstseinszustand, der spirituell aufgeschlossene Menschen in unserer Zeit wirklich vorwärtsbringt, ganz davon abgesehen, dass ich Channelings auf Medien wie You Tube zu annähernd 100 Prozent für frei erfunden halte.

PPS Diesem Post ging auf Facebook ein Beitrag zu dieser Thematik voraus, den ich hier für Inteessierte veröffentliche: https://bit.ly/3ReaDyi

Dienstag, 24. Januar 2023

Spirituelle Stolpersteine: Gefahren selbstverliebter Euphorie und Ekstase

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Es ist ja ein bekanntes Phänomen in der spirituellen Entwicklung von Menschen, dass sie manche Themen und Personen in den Himmel heben zuungunsten einer realistischen Sicht auf unsere und die Wirklichkeit der geistigen Welt und das Innere von Menschen. Meistens hat das ja sein Gründe in der Person selbst, die sich damit herummogelt, Dinge, die sie anschauen sollte, nicht ansehen zu müssen - das, was man gerade anschaut, ist doch auch so herrlich, ach so wegweisend (leider oft in Richtung eines spirituellen Abstellgleises).
Rudolf Steiner spricht das unter dem Stichwort der ´Ekstase´ und einer falschen Mystik an.
In der Ekstase verliert ja der Mensch sein Ich, verliert sich in makrokosmischen Gefilden, vernachlässigt sein klar-geistiges Denken und einen realistischen Blick auf seine Gefühle, der ja notwendig ist, denn durch euphorisch-ekstatische Gefühle können uns gewisse Wesenheiten manipulieren - und meistens ist dies auch der Fall:
Durch die Ekstase werden die geistigen Tatsachen nicht in ihrer Ganzheit, nicht in ihrer Totalität erfaßt, sondern nur in dem, was der eigenen Seele wohltut und frommt, was sie geistig verzehren kann. Im Grunde genommen ist es ein Verzehren geistiger Substantialität, was sich durch die Ekstase im Menschen ausbildet. Und ebensowenig, wie man die Dinge dieser Sinneswelt in ihrem inneren Wesen dadurch erkennt, daß man sie ißt, ebensowenig erkennt man die Kräfte und Wesenheiten der geistigen Welt dadurch, daß man sich in Ekstase begibt, um nur das eigene Selbst zu durchglühen mit dem, was einem wohltut. Man lebt nur in einem gesteigerten Selbstsinn, in einer gesteigerten Selbstliebe, und weil man aus der geistigen Welt nur das hereinnimmt, was man geistig verzehren kann, macht man sich dessen verlustig, was man nicht so behandeln kann, was außer dem durch die Ekstase zu Genießenden steht. Das ist aber der größte Teil der geistigen Welt. Dadurch verarmt nun der in der Ekstase stehende Mystiker immer mehr und mehr. (GA 62, S. 405)
Viele Mystiker sind eigentlich nichts anderes als geistige Feinschmecker, und die übrige geistige Welt, die ihnen nicht schmeckt, ist nicht für sie da. So sehen wir, wie der Geistesforscher die beiden Extreme vermeiden muß [Steiner bezieht sich hier auf der einen Seite auf die Selbstliebe, auf der anderen Seite auf die Ekstase], die ihm alle möglichen Quellen des Irrtums in den Weg bringen (...) In einem noch viel höheren Maße als gewöhnlich ist für den Geistesforscher notwendig ein gesunder Tatsachensinn, ein echtes Gefühl für Wahrhaftigkeit. Alle Schwärmerei, alle Ungenauigkeit, die so leicht über das hinweghuscht, was wirklich ist, ist beim Geistesforscher von Übel. (GA 62, S. 406)

Das ist der Grund, warum das Denken eine göttliche Gabe ist und logisches und klares Denken jeden Tag geschult sein will. Unsere Intuition gibt uns oft innerlich einen Wink, der uns aufmerksam machen will, dass etwas unstimmig ist. Gerade in den so zahlreichen ach so esoterischen You-Tube-Videos befinden sich geistige Fallgruben, in die man so sanft fällt und die mit geistigen Moschus- und Patschuli-Düften, die oft schwarzmagisch eingesetzt werden (https://bit.ly/3JbHwtv), angereichert sind.
Ich erinnere mich eines Channelings, in dessen Rahmen Erzengel Michael mit seinem Schwert Excalibur auftauchte. Excalibur ist allerdings das Schwert von König Artus und Michael taucht gewiss nicht mit dem Schwert eines Repräsentanten der Empfindungsseele (https://bit.ly/3XUbuqk) auf, der Artus nun einmal war, so wegweisend er für seine Zeit auch gewesen ist.
Gewisse Kräfte verraten sich in der Regel immer an irgendeinem Punkt. In diesem Channeling war dieser Punkt ein angebliches Michael-Schwert namens Excalibur. Ich habe das damals in den begleitenden Chat geschrieben, in dem sich viele Hörende tummelten. Aber es hat niemanden interessiert.

Anmerken möchte ich, dass ich es keinesfalls bedenklich finde, wenn jemand auch ausgelassen und euphorisch sein kann. Gewiss nutzen manche Esoteriker Formen von Ekstase zu Zwecken der Selbstdarstellung und wollen mit einer euphorischen Verbundenheit mit der Geistigen Welt ihren tiefen Bezug zu dieser inszenieren; es gibt viele Formen der Scheinheiligkeit.

In den Aussagen Steiners geht es vor allem darum, dass sich Ekstase verselbständigen und zu einem generellen Ich-Verlust führen kann; dies aufgezeigt zu haben, finde ich wichtig, denn gewiss werden auch von manchen diesbezügliche Gefahren unterschätzt. In diesem Sinne werte ich Steiners Aussagen. 

Schiller spricht ja in „Freude schöner Götterfunken“ von Freudetrunkenheit - und die ist gewiss euphorisch und darf wohl sein.
Ich finde, man kann im Übrigen auch in positivem Sinne außer Kontrolle geraten. Ich kann mir das bei Steiner, was mir von ihm bekannt ist, nicht vorstellen, aber er wird Gott sei Dank nicht nach dem, was ein anderer sich vorstellen kann, gelebt haben.

Sonntag, 1. Januar 2023

2023: ein sorgenfreies Jahr? Wenn ja, warum? - Von Goethe lernen!

In der Gestalt des Faust hat Goethe uns einen Menschen vor Augen geführt, der sich vor diesen unseren Augen, wenn wir denn sehen wollen, entwickelt, Bewusstseinsschritt für Bewusstseinsschritt.

Im ersten Teil dieses großen Werkes lässt sich Faust auf Mephistopheles ein, nachdem er schon kurz davor war, am Leben zu verzweifeln und nur mit Hilfe eines österlichen Wunders am Leben bleibt. Allerdings bleiben die, mit denen er zu tun hatte, weitgehend nicht am Leben, am allerwenigsten Gretchen, das er schwängert, um die junge Dame dann schmählich sitzen zu lassen, verwechselt er doch, wie das Männer gerne tun, Begierde mit Liebe. Deshalb müssen nicht nur Margarete sterben, sondern deren Kind, Mutter und Bruder. Mephistopheles dagegen reibt sich vergnügt die Hände. Doch am Ende von Teil I erlebt der "Der Herr der Ratten und der Mäuse, / Der Fliegen, Frösche, Wanzen, Läuse" - wie er sich selbst nennt - sein Waterloo: Er sieht Margarete, die ihr Kind aus purer Verzweiflung nicht austragen konnte und sich so in Schuld am Wertvollsten, was wir Menschen haben, dem Leben, verstrickt, gerichtet und verkündet im Kerker Gretchens lauthals: "Sie ist gerichtet!"
Da ertönt jene gewaltige Stimme aus dem - wie Atheisten (die es in Wirklichkeit gar nicht gibt) es gerne nennen - Off, und korrigiert ihn entscheidend mit den Worten: "(Sie) ist gerettet!".

Im Deutschen, dieser wunderbar differenzierten Sprache, kennen wir ein Vorgangspassiv (im Präsens: sie wird gerettet) und ein Zustandspassiv. Es macht einen himmelweiten Unterschied zu ersterem, denn hier ist etwas in einen Zustand übergegangen, das wertvoller nicht sein kann, weil Gott nicht die Sünde kennt, wie sie uns über Jahrhunderte von der Kirche in Herz und Hirn gebrannt wurde, da es für jenen trotz allem Geschehenen so ist - wie es unter den letzten Worten des Faust I heißt: Sie ist gerettet.

Auch Faust ist gerettet, man mag es kaum glauben; der Beginn des zweiten Teils macht es deutlich:
Trotz großer Schuld - immerhin "zieren" die vier erwähnten Toten seinen Weg - ist er durch heilsamen Schlaf in der Lage, weitere entscheidende Schritte auf jenes große Ziel hinzugehen, das das Männliche in uns nur zum Ziel haben kann: das Ur-Weibliche - Goethe nennt es das "Ewig-Weibliche".
Ganz will es ihm in diesem Werk noch nicht gelingen. Aber Faust hat zu Helena, in der Goethe das Ewig-Weibliche sich personifizieren lässt - zum Abschluss nennt er, um was es ihm geht, in einer Wendung zum Christlichen hin "Mater Gloriosa" - entscheidenden Kontakt aufgenommen und mit ihr sogar ein gemeinsames Kind gezeugt, Euphorion.
Doch ist es ein Trugschluss, dem sich zumeist allerdings nur diverse scheinheilige Esoteriker hingeben, zu glauben, man könne auf Erden leben, ohne noch immer einen Erdenrest in sich zu haben:
Helena und Euphorion entschwinden wieder; Faust bleibt ein Mensch, wenn auch ein seelisch-geistig sehr weit entwickelter, hat er doch den Schritt zu den drei Müttern zu gehen vermocht, ein Schritt, den zu gehen in den Mythen nur wenigen vergönnt war, u.a. Odysseus, Orpheus, Herakles - und, wie manche zur Kenntnis zu nehmen bereit sind: Christus.
Auf der Erde jedoch kann man ein Ewig-Weibliches nicht auf Dauer an sich binden. Immer wieder - bei entsprechendem Streben - aber in (zunehmend intensiveren) Kontakt treten.

Dass Faust noch zumindest ein letzter Schritt fehlt, machen nicht nur das Entschwinden Helenas und Euphorions im dritten Akt des zweiten Teiles deutlich, sondern auch in Akt 5, schon ganz gegen Ende des Werkes, das Auftauchen der vier grauen Weiber - dem Mangel, der Not, der Schuld und der Sorge. Zumindest eine der Vieren verbleibt in Fausts Haus: es ist die Sorge. Mit ihr muss er sich auf ein Wortgefecht einlassen, und es wird deutlich, für wie schwierig Goethe die Überwindung der Sorge hält ("Wen ich einmal mir besitze, / Dem ist alle Welt nichts nütze").

Das etymologische Wörterbuch des Deutschen kennt zwei Bedeutungsvarianten von "Sorge (wer mag, kann sich hier informieren: https://bit.ly/3G75eUS) und Faust scheitert noch an jener, die dort mit "Kummer" bzw. "Gram" bezeichnet wird. Faust grämt sich nämlich furchtbar darüber, dass an jener Stelle, wo er eine wunderbare Aussicht über sein Meisterstück, sein Lebenswerk haben könnte, auf seinem Grund unter den Linden droben also, die Hütte der beiden Alten, von Philemon und Baucis steht.
Goethe hat ja die Hütte zu einem der zauberhaftesten Motive der Weltliteratur gemacht (Faust in Teil I, in ihrem Zimmer hingerissen an Gretchen denkend: "Die Hütte wird durch dich ein Himmelreich.") Indem er nun Mephistopheles befiehlt - jener hat ja beste Erfahrungen im Ausführen von solchen Befehlen Fausts, hat er doch auf dessen Wunsch hin der Mutter Gretchens, um ein Tête-à-Tête mit der Geliebten zu ermöglichen, einen Schlaftrunk verpasst, aus dem allerdings jene nicht mehr aufwachen sollte - indem Faust also Mephistopheles befiehlt, die beiden Alten zur Seite zu schaffen, erledigt jener das mit Hilfe dreier Schergen in gewohnt radikal zuverlässiger Weise, indem deren Zuhause abbrennt, was die beiden Alten vor Schreck sterben lässt. Zwar sucht Faust, seinen Kopf aus der Schlinge der Verantwortung zu ziehen ("Tausch wollt´ ich, wollte keinen Raub"), doch kennen wir ja diesen Euphemismus von Worten zur Genüge aus unserer politischen Landschaft: Was Faust "Raub" nennt, war im Grunde eine durchaus willkommene Tötung, weil es ihm nun möglich ist, "Zu überschauen mit einem Blick / Des Menschenwerkes Meisterstück", was also er geleistet hat. Doch Lynkeus, der Türmer auf Faustens Schlosswarte, bringt es auf den Punkt, wenn er davon spricht, dass "die innere Hütte loder(t)". Mit dem Abfackeln der Hütte der beiden Alten lodert vor allem die innere Hütte in Fausts Seele, dort also, wo eine geistige Heimat ihren Ort hätte finden können, ja sollen,

Für mich ist, bevor ich zum Schluss dieses Beitrages und seinem besonderen Sinn für das Jahr 2023 komme, ein Hinweis wichtig, damit nicht jene, die mit dem Christentum aufgrund seiner Kriminalgeschichte auf Kriegsfuß stehen (vgl. Karlheinz Deschners "Kriminalgeschichte des Christentums"), nämlich, dass das wahre Christsein und Christentum für mich eine Bewusstseinsstufe, keine Religion im üblichen Sinne ist, eine Bewusstseinsstufe, die sich gerade im Deutschen in der Tatsache niederschlägt, dass die erste Person des Personalpronomens in dieser unserer Sprache ausgerechnet jene Initialen enthält, die für mich eine wegweisende Bedeutung beinhalten: Iesus Christus: I-CH.

Goethe beschließt seinen "Faust" ja im Grunde mit einem Verweis, den zwei Bibelzitate spiegeln. Das eine findet sich in einem Brief des Petrus und lautet: „Alle eure Sorgen werfet auf ihn, denn er sorgt für euch.“
Und Paulus schreibt in seinem Brief an die Philipper: „Macht euch keine Sorgen! Ihr dürft in jeder Lage zu Gott beten. Sagt ihm, was euch fehlt, und dankt ihm! / Dann wird Gottes Friede, der all unser Verstehen übersteigt, eure Herzen und Gedanken bewahren, weil ihr mit Jesus Christus verbunden seid.“

Sind wir in der Lage, alle Sorgen aufzugeben, und ist das überhaupt sinnvoll?
Wenn ein geliebter Mensch längst da sein sollte und einfach nicht kommt oder wenn der eigene Zug Verspätung hat, wo doch ohnehin für den Anschlusszug kaum Zeit zum Umsteigen bleibt - ist das nicht übermenschlich, sich keine Sorgen zu machen?

Goethe deutet an, dass es möglich sein könnte im Rahmen seiner Religiosität, die sich u.a. auch in seinen Geheimnissenund seinem Märchen von der grünen Schlange zeigt.
Aber es kann nicht sinnvoll sein, sich unnötig unter Druck zu setzen und so zu tun, als gäbe es Angst und Sorge einfach nicht. Man muss nicht mit Gewalt einen Erdenrest negieren wollen.

Wichtiger ist, was Goethe für mich mit dem "Faust" vermitteln will: Es gibt einen Weg zum Ewig-Weiblichen, zu den Urgründen unseres Seins, den wir nur verstehen, wenn wir erkennen, dass alles Vergängliche ein Gleichnis ist und die Aufgabe von uns Menschen, in dem, was wir auf der Erde erfahren, Verweise auf ein Ewiges zu erkennen, um uns jenem wieder anzunähern, um sozusagen ins Reich der grünen Schlange zu gelangen.
In den Mythen steht das Weibliche für die Seele des Menschen, das Männliche für den göttlichen Geist. Er ist es, der die Seele befruchten will. Wir finden dies in der Tatsache, dass Osiris mit Isis Horus zeugt, wir finden das angesprochen in der so oft verkannten Jungfrauengeburt der Maria, die nicht anders ist als eine sehr reine Seele; wir finden es angesprochen in der Zeugung des Euphorion so wie Heinrich von Ofterdingen das Ewig-Weibliche in jenem Gesicht findet, das ihm die Blaue Blume zeigt.

Für uns ist dieses Ewig-Weibliche so wichtig, weil wir in einer Zeit leben, in der - so stellt es sich jedenfalls für mich dar - es gilt, das kaputte Männliche, das derzeit die Welt regiert (Namen zu nennen, die sich da besonders anbieten, ist wohl kaum notwendig) abzulösen und das Männliche zu heilen durch eine bewusste Weiblichkeit als einer bestimmten Qualität der Seele der Menschen.
Diese Weiblichkeit ist kosmischer Natur; sie kann hören und muss nicht ununterbrochen geredet oder geschrieben haben; dass sich Medien in so starkem Maße etabliert haben wie Twitter, Facebook, Whats App, Telegram und andere und so viele Worte produziert werden, die so oft geistiger Müll sind und den Wert des wahren Wortes, des Logos, hintertreiben, ist kein Zufall. Weiblichkeit gibt zudem Wärme, die unsere Seelen dringend braucht, wie es auf wunderbare Weise die Pietà Michelangelos und die Sixtinische Madonna Raffaels zeigen ...

Ich glaube, dass es möglich ist, diesen Weg zum Ewig-Weiblichen zu beschreiten und dass das bereits in der letzten Zeit geschieht, denn die Menschheit ist mehr denn je an einem Punkt angelangt, an dem viele erkennen, dass sich Entscheidendes ändern muss und ich vermute, dass vor allem die jüngeren Generationen und auch die Frauen dieser Erde in Afghanistan, im Iran und anderswo nicht mehr lange hinnehmen werden, was die alten Männer dieser Erde treiben, auch die jungen Männer, wenn sie so alt sind wie die älteren Brüder der Grimm-Märchen.
Übersehen sollte man nicht, dass für die männliche Seite einer Frau Vergleichbares gilt; auch deren männliche Seite kann sehr krank sein.

Es liegt an uns, die seelisch-geistigen Bewegungen zum Ewig-Weiblichen hin, die sich auszeichnen durch eine Wertschätzung allen Lebens, zu unterstützen und bewusst selbst zu gehen, und ich vermute, wenn Goethe heute wieder da wäre, würde er nach wie vor zu dem, was er im Faust geschrieben hat stehen, er würde vor allem aber eines verändern, er würde sagen: Lasst Euch nicht nur ziehen vom Ewig-Weiblichen! Geht vielmehr bewussten Schrittes auf es zu!

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Freitag, 23. Dezember 2022

Kommt alle, ich bring euch nach Haus! - Die Weihnachtsmadonna von Stalingrad.

Am Heiligen Abend 1942 bereitete der Oberarzt Dr. med. lic. theol. Kurt Reuber seinen Kameraden im Kessel von Stalingrad eine eigenartige und eindrucksvolle, unvergessliche Weihnachtsfreude, die ihnen zugleich zu einer starken Hilfe wurde. Als die Männer den notdürftig gegen Kälte und Geschosse schützenden Bunker zur einsamen Weihnachtsfeier unter den Schatten des Todes betraten, standen sie »wie gebannt, andächtig und ergriffen schweigend vor dem Bild« einer Mutter, die im weiten Mantel ihr Kind birgt. Dieses unter vielen Mühen mit Kohle auf der Rückseite einer großen russischen Landkarte gezeichnete Bild wurde bald die »Weihnachtsmadonna von Stalingrad« genannt und ist unter diesem Namen bereits weithin bekannt worden. Das Bild ist aus dem Kessel herausgekommen, der, der es schuf, ist mit den vielen in Stalingrad geblieben, verschollen. 
Das Bild der Festungsmadonna hängt im Pfarrhaus zu Wichtmannshausen bei Eschwege in Hessen.

"Dort, im Hause des Freundes, habe ich ergriffen vor diesem Bilde, gestanden", so schreibt Arno Pötzsch. "Vor der Weihnachtsmadonna und vor dem Selbstbildnis Kurt Reubers ist das hier folgende Muttergottesgedicht entstanden. Ich lege diese Verse in selbstverständlicher Bescheidenheit in die Hände der Freunde und habe nur den einen Wunsch, daß das Gedächtnis der in Stalingrad Gefallenen und Verschollenen unter uns lebendig erhalten bleibe.

" 

Niemand wird gerne, gerade an Weihnachten, an Stalingrad erinnert. 
Aber es gibt noch viele Menschen auf der Erde, die auch in der Heiligen Nacht in Stalingrad-Zuständen leben, sei es in Butscha oder Mariupol, seien es vor allem Frauen in Afghanistan oder im Iran. Ihnen ist auch heute noch dieses Gedicht gewidmet.
Auch mancher unter uns hat ja das Jahr über ein persönliches Stalingrad erleben müssen. Das Gedicht mag uns Anlass geben, der weiblichen Urkraft, die uns in der Madonna begegnen will, wieder zu vertrauen. Sie kann unsere Seele trösten und heilen, die aller Menschen!




Die Mutter Gottes von Stalingrad
Weilt heut bei den deutschen Soldaten.
Sie hat in der eisigen Winternacht
der russischen Steppe sich aufgemacht,
die Frau und die Mutter voll Gnaden.
 
Die Mutter Gottes von Stalingrad
besucht heut die Ärmsten der Armen.
Sie hocken in Trümmern in bitterster Not,
nur einer ist nahe, und das ist der Tod;
da will sich die Mutter erbarmen.
 
Die Mutter Gottes von Stalingrad,
sie kommt durch die eisigen Winde
in Hütten und Höhlen, sie findet sich ein
und lässt sich dort nieder im kärglichen Schein,
die Frau mit dem himmlischen Kinde.
 
Die Mutter Gottes von Stalingrad
sitzt still bei den Jungen und Alten.
Und den Männern weiten die Augen sich groß,
sie schauen die Mutter, das Kind ihr im Schoß,
und sachte die Hände sich falten.
 
Die Mutter Gottes von Stalingrad -
o hört doch, jetzt singt sie ganz leise!
Den Männern kling es wie Heimat und Licht.
Da löst es sich heimlich im starren Gesicht.
O Wunder der Göttlichen Weise!
 
Die Mutter Gottes von Stalingrad,
im weiten Gewande geborgen -
was seh ich! Jetzt breitet den Mantel sie aus!
Jetzt spricht sie: Kommt alle, ich bring euch nach Haus,
ich will euch, die Mutter, versorgen!
 
Die Mutter Gottes von Stalingrad,
jetzt legt sie auf alle die Hände.
Da stillt sich der Kummer, das Leid und der Schmerz,
da füllt sich mit Frieden das einsamste Herz,
wird fröhlich und still bis ans Ende.
 
Die Mutter Gottes von Stalingrad
die weiß um unsägliche Schmerzen;
sie kennt allen Jammer, sie weiß alle Not,
und tausendmal, tausendmal litt sie den Tod,
sie trug doch ein Kind einst am Herzen!
 
Die Mutter Gottes von Stalingrad -
so kam sie, die Mutter voll Gnaden,
zu den Ärmsten der Armen in heiliger Nacht,
weil die Mutter noch immer des Ärmsten gedacht,
sie kam zu den deutschen Soldaten.
 
Die Mutter Gottes von Stalingrad,
aus Liebe vom Himmel entboten,
sie hat sie gesegnet in schauriger Welt,
in Gräbern und Gruben, im grausigen Feld,
die Lebenden und auch die Toten!

(zitiert nach https://bit.ly/3YLJztDc)



Dienstag, 20. Dezember 2022

EIN GESCHENK VON DIR FÜR DICH ZU WEIHNACHTEN: ⚜️ GEIST-REICH WERDEN ⚜️ Davon erzählen "Die Sterntaler"

"Es war einmal ein kleines Mädchen, dem war Vater und Mutter gestorben, und es war so arm, dass es kein Kämmerchen mehr hatte, darin zu wohnen, und kein Bettchen mehr hatte, darin zu schlafen, und endlich gar nichts mehr als die Kleider auf dem Leib und ein Stückchen Brot in der Hand, das ihm ein mitleidiges Herz geschenkt hatte. Es war aber gut und fromm. Und weil es so von aller Welt verlassen war, ging es im Vertrauen auf den lieben Gott hinaus ins Feld.
Da begegnete ihm ein armer Mann, der sprach: "Ach, gib mir etwas zu essen, ich bin so hungrig." Es reichte ihm das ganze Stückchen Brot und sagte: "Gott segne dir's," und ging weiter. Da kam ein Kind, das jammerte und sprach: "Es friert mich so an meinem Kopfe, schenk mir etwas, womit ich ihn bedecken kann." Da tat es seine Mütze ab und gab sie ihm. Und als es noch eine Weile gegangen war, kam wieder ein Kind und hatte kein Leibchen an und fror: da gab es ihm seins; und noch weiter, da bat eins um ein Röcklein, das gab es auch von sich hin. Endlich gelangte es in einen Wald, und es war schon dunkel geworden, da kam noch eins und bat um ein Hemdlein, und das fromme Mädchen dachte: "Es ist dunkle Nacht, da sieht dich niemand, du kannst wohl dein Hemd weggeben," und zog das Hemd ab und gab es auch noch hin.
Und wie es so stand und gar nichts mehr hatte, fielen auf einmal die Sterne vom Himmel, und waren lauter blanke Taler; und ob es gleich sein Hemdlein weggegeben, so hatte es ein neues an, und das war vom allerfeinsten Linnen. Da sammelte es sich die Taler hinein und war reich für sein Lebtag."


Wenn im Märchen Vater und Mutter sterben, dann ist es das Wissen um unsere Herkunft, die entschwunden ist. In Mythen stehen Mädchen und Frauen für die menschliche Seele. Irgendwann hat sie das Gefühl, gar nirgends mehr hinzugehören. Wie auch - ihre Heimat hat sie mit dem Tod von Vater und Mutter verloren. Mit dem sogenannten Sündenfall.
Unsere Reise durch all die Erdenwirklichkeiten beginnt.
Und sie führt dazu, dass wir zunehmend nur noch unser Herz haben, das uns dazu bringt, auch noch unser letztes Hemd herzugeben, weil wir sehen, wie wenig die Menschen doch haben, gerade die, wie wir wissen, die scheinbar reich sind - in Wahrheit haben sie doch meist nichts als ihr Geld.
Wie arm sie in Wahrheit sind.
In der dunklen Nacht der Seele geben wir alles auf und stehen nackt da. Wir haben nichts mehr.
Auf einmal meldet sich bei uns unsere wahre Heimat und sie überschüttet uns mit dem Reichtum, den nur sie hat.
Heut schleust er wieder auf die Tür, so heißt es in einem Weihnachtslied.
Die Taler unserer wahren Heimat sind geistige Gaben, und die machen uns reich, geist-reich.
Weihnachten will das geschehen.
Immer kann Weihnachten sein.
An Weihnachten ganz besonders.

Samstag, 3. Dezember 2022

Wunderkraut KORIANDER

Unter den vielen volkstümlichen Namen für das Korianderkraut findet sich neben „asiatischer Petersilie“ auch die Bezeichnung „Wanzenkraut“. Dieses Kraut ist ein erstklassiges Mittel, um den Körper von giftigen Metallen, vor allem Schwermetallen, zu befreien. Mit geradezu magischen Kräften kann Koriander das Gehirn entgiften, und das liegt an dem lebendigen Wasser seiner Stängel und Blätter, das sogar die Blut-Hirn-Schranke überwinden kann. Dieses lebendige Wasser enthält Mineralstoffe, die durch ihre Bindung an bestimmte sekundäre Pflanzenstoffe ganz besonders wirksam werden. Nach der Aufnahme in den Körper nehmen diese kostbaren Salze die üblichen Wege der Mineralstoffe in den Blut- und Lymphgefäßen und der Rückenmarksflüssigkeit. Wo sie dabei auf die Aminosäuren Glycin und Glutamin treffen, verbinden sie sich mit ihnen und bilden schließlich Neurotransmitter. Das Gehirn ist geradezu ein Magnet für solche Mineralstoffe, die der Koriander liefert, und wenn es sie aufnimmt, bekommt es zusätzlich noch ein Überraschungsgeschenk, nämlich Pflanzenstoffe, die das Gehirn ganz gezielt von giftigen Metallen befreien. Erst ohne die Belastung durch giftige Metalle und Oxidationsabfälle können die Nervenzellen optimal funktionieren.
Viele Menschen lieben das intensive Aroma des Korianderkautes, während andere es geradezu widerlich finden. Lassen Sie sich möglichst nicht von der verbreiteten Theorie beeinflussen, das habe genetische Ursachen. Auf diesem Gebiet ist die Forschung noch nicht sehr weit, sonst wüssten die Wissenschaftler, dass es kein Gen gibt, das darüber entscheidet, ob jemand Korianderkraut mag oder nicht. Es gibt keine Gene, die uns sagen, was wir essen sollen, was nicht.
Aber was geschieht da wirklich? Wenn der Verzehr von Koriander ein plötzliches unangenehmes Geschmackserlebnis auslöst, ist die Oxidationsrate der Metalle bei der betreffenden Person besonders hoch. Das besagt nicht, dass im Körper dieses Menschen mehr toxische Metalle vorhanden wären, sondern dass die Metalle (in diesem Fall meist ein Gemisch aus Aluminium, Nickel und Kupfer) sich einfach sehr schnell zersetzen, sie korrodieren. Korrosion setzt jedoch immer giftige Verbindungen frei, die dann ins Lymphsystem und schließlich in den Speichel der Person gelangen. Sobald man Korianderkraut in den Mund nimmt, binden sich seine Pflanzenstoffe an alle Oxidationsprodukte, denen sie begegnen – und wenn es davon eine Menge im Speichel gibt, kommt es zu der erwähnten unangenehmen Geschmacksempfindung. Anders gesagt: Wer Koriander nicht mag, braucht ihn vielleicht besonders dringend.
Auch anderen Organen wie beispielsweise der Leber entzieht der Koriander Metalle und sonstige Giftstoffe. Er gehört sogar zu den besten Leberreinigungsmitteln, unterstützt aber auch die Nebennieren, wirkt ausgleichend auf den Blutzuckergehalt und beugt Gewichtszunahme, Benommenheit und Gedächtnisproblemen vor. Ja und als ob das nicht schon genügen würde, besitzt Koriander auch noch Eigenschaften, mit denen er die Aktivität vieler Viren eindämmen kann – EBV, Zoster, HHV-6, Cytomegalovirus und andere Herpesviren sowie HIV. Zudem unterstützt Koriander die Abwehr von Bakterien und sorgt für den Abtransport von deren Stoffwechselprodukten. Und von Ihren persönlichen Geschmacksvorlieben abgesehen, mögen Parasiten ganz entschieden keinen Koriander, vor allem Würmer nehmen vor ihm Reißaus. Greifen Sie bei allen chronischen oder rätselhaften Erkrankungen, ob sie diagnostiziert, fehldiagnostiziert oder nicht diagnostiziert sind, unbedingt zu Koriander.
(aus Anthony William, „Medical Food. Warum Obst und Gemüse als Heilmittel potenter sind als jedes Medikament“)
PS
Bei LIDL gibt es neben andern abgepackten Kräutern wie Schnittlauch und Petersilie auch Koriander. Zwar ist er in Plastik verpackt, aber dennoch finde ich das Angebot erfreulich; man bekommt ihn ja nicht so leicht - und nicht so preiswert.
PPS
Anthony William gibt seine Tipps in einer Radiosendung, die auf der unten verlinkten Seite von einer Frau übersetzt werden. Man darf sich dabei nicht an dem Stil und der Sprache stören - wir sind in Amerika.
Es empfiehlt sich, weiter nach unten zu scrollen, wenn man sich mehr für Hinweise zu konkreten Krankheiten interessiert.
Ich gehe im Übrigen davon aus, dass jeder für sich die spirituelle Integrität dieses Mannes bei Bedarf klärt. Er hat ja sehr viele Anhänger, aber auch Kritiker.
Ich persönlich bin schon in einer gewissen Habacht-Stellung ihm gegenüber, da mir der ein oder andere Satz in seinem Buch "Mediale Medizin" nicht behagt hat. Dennoch entzaubert er - wie er sein Tun selbst nennt - in diesem Grundlagenwerk diverse Krankheiten, u.a. Multiple Sklerose, Rheumatische Arthritis, Candide, Migräne und andere mehr und macht auf die gravierenden Folgen des Epstein-Barr-Virus ausführlich aufmerksam; ich - als Nicht-Mediziner - fand das informativ und aufschlussreich.