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Sonntag, 2. Juli 2023

"Du siehst, mit diesem Trank im Leibe, / Bald Helenen in jedem Weibe." - Über männliches Lieben und/oder Begehren.

Im 3. Video zum ersten Teil von Goethes "Faust" möchte ich offenlegen, wie gewisse Kräfte - wir nennen sie Schlange/Luzifer bzw. Satan/Ahriman - aktiv dafür Sorge tragen wollen, dass die Seele des Menschen sich nicht in die Richtung entwickelt, welche die eigentliche Alternative zu ihnen wäre: in Richtung auf das Ewig-Weibliche. In der Gestalt Margaretes offenbart sich, welchen Angriffen das Weibliche ausgesetzt ist und wie sehr es allein dazustehen scheint.
Was es mit der Bedeutung der Geschlechter auf sich hat, ist leider vielen Menschen nicht mehr klar - der ganze Gender-Hokuspokus ist darauf angelegt, die Bedeutung der Geschlechter zu destruieren. Die weltweiten Irritationen und der Kampf, den viele Menschen ausfechten, um zu ihrem Geschlecht stehen zu dürfen, zeigt, welches Chaos in den Seelen derzeit herrscht; doch Chaos ist Voraussetzung für eine neue Ordnung, für ein neues, erweitertes Bewusstsein.

Ein Verständnis für die Bedeutung des Männlichen und Weiblichen ist Voraussetzung für eine gesunde, heilsame seelisch-geistige Entwicklung der Menschen und der Menschheit. Es kommt nicht von ungefähr, dass die oben angesprochenen Kräfte die wahre männliche Kraft in der Gestalt des Faust korrumpieren. Nicht nur in Bezug auf den Faust sondern auch in Bezug auf unsere derzeitige aktuelle Situation ist es notwendig, dass eine starke weibliche Kraft das Männliche unterstützt, seine kosmische Bedeutung wiederzufinden. Gewiss zeigt sich auf unserer Erde, dass auch das Weibliche sehr gefährdet ist und wir werden gewahr, wie sehr nicht wenige Frauen die Achtung vor sich selbst verlieren. Umso wichtiger ist, dass viele Menschen, Frauen, aber auch Männer, die luziferisch-satanischen Attacken durchschauen. Je mehr sie bewusst werden; desto weniger Wirkung können sie entfalten.

Was der Menschheit fehlt, ist die Erkenntnis, dass in allem, was wir tun, ein kosmischer Bezug enthalten ist. Das Ewige kommt allein aus dem Kosmos; das gilt für das Ewig-Weibliche und Ewig-Männliche.
Goethes Faust ist darauf angelegt, Attacken, die ein neues Bewusstsein verhindern wollen, zu offenbaren. Noch am Ende des 2. Teiles wird die Sorge als luziferisch-ahrimanische Angriffsmöglichkeit entlarvt.
Am Ende des ersten Teiles, dem wir mit einem 4. Video gerecht werden wollen, zeigt sich, dass Rettung von einer Seite kommt, mit der heute leider die wenigsten Menschen noch rechnen.

Faust-Leser lassen sich da nicht beirren. Zu eindrücklich gestaltet Goethe, wie sich aus einer persönlich engsten Situation eine himmlische Weite entfalten kann. Faust kann dies im ersten Teil nicht erkennen; zu sehr hat er sich Mephisto ausgeliefert.
Gretchen erkennt sie; wir müssen nicht, wie Margarete, sterben, um sie wahrnehmen zu können. Wir können von Faust lernen, wie wir uns nicht verhalten sollten. Es gilt, was schon zu Beginn des Faust geschrieben steht: Ein jeder sieht, was er im Herzen trägt.“

Was wir dort tragen, darüber entscheiden wir jeden Tag. Wie wichtig es ist, das zu beherzigen, darauf weist Goethes „Faust“ hin.

Sonntag, 19. Februar 2023

Die Bedeutung der Madonna für unsere Zeit. - Ihr Zusammenhang mit der Helena-Gestalt des Faust.

🎋
Auf meinem Weg, mich dem erfassbaren Wesen des Weiblichen zu nähern, bin ich über die Gottesmutter Maria gestolpert, die für mich, wie ich in einem Facebook-Beitrag schrieb, ja eigentlich keine Gottesmutter, höchstens eine Jesusmutter war.
Seit vielen Jahren aus der Kirche ausgetreten, bin ich in protestantisch-pietistischem Umfeld aufgewachsen, so dass ich mir eine ganze Weile schwertat, der Bedeutung der Maria und den Madonnenbildern offen gegenüberzutreten. Den Zugang zu ihnen ganz geöffnet hat mir die Helenagestalt, wie sie Goethe kurz in Faust I und dann ausführlich in Faust II gestaltet hat. Dort sind auch die berühmten drei Mütter von größter Bedeutung, die, wie ich finde, aufschlussreich für das Verständnis des Weiblichen und Mütterlichen sind und zugleich den Weg weisen zu einem tieferen Verständnis der ägyptischen Osiris-Isis-Mythe; sie kann ja unsere Sicht auf Christus deutlich erweitern.
Alles in allem gewiss ein umfassendes Gebiet, das uns aber dem Verständnis der existentiellen Bedeutung des Weiblichen nahebringt. Wie umfassend es ist, zeigt allein die ungeheure Materialfülle zur Madonna, zu Maria. Es gibt u.a. diesen mit viel Liebe gestalteten Textbildband von Herbert Haag, Dorothea Sölle u.a. zu Maria in Kunst, Brauchtum und Religion und wenn ich, was ich in solchen Fällen immer tue, eines meiner Lieblingsbücher, Das geheime Wissen der Frauen von Barbara G. Walker, zu Rate ziehe, finde ich einen zweiseitigen Artikel zu Mari, dem Grundnamen der Großen Göttin, bekannt auch als Meermutter, deren lateinischer Name Maria war, die Meere. Die Chaldäer kannten sie als Marratu, die Juden als Marah, die Perser als Mariham und die Christen schließlich als Maria, Miriam, Myrrha - wie auch immer; der eigentliche Artikel zu Maria aber umfasst zehn Seiten, wobei ich eine Passage hier wiedergeben möchte, weil sie meinem Blick auf das Marienverständnis der Kirche ziemlich genau entspicht:
Ein Grund für die Übernahme Marias durch die Kirche lag in der erfolgreichen Amputation ihrer vorchristlichen Sexualität. Marias Jungfräulichkeit wurde unter allen Attributen, die sie von der großen Göttin gehabt hatte, am stärksten betont. Sie wurde „die Jungfrau“, nicht „die Mutter“ genannt. Die Kirchenväter bestanden darauf, dass sie sich nie in ihrem Leben auf Geschlechtsverkehr eingelassen hätte, obwohl in der Bibel eindeutig von Brüdern und Schwestern Jesu die Rede ist. Der heilige Ambrosius fragte:„Hätte der Herr Jesus etwa eine Frau als seine Mutter ausgesucht, die den himmlischen Raum mit dem Samen eines Mannes beflecken würde, also eine, die unfähig wäre, ihre jungfräuliche Keuschheit zu verteidigen?“
Kein Wunder also, dass die Kirche Marias Leib in den Himmel entsorgte, 1950 als Dogma von Papst Pius XII. verkündet, wobei Mariae Himmelfahrt bereits seit dem 5. Jahrhundert gefeiert wird, eingeführt wohl als Mariä Aufnahme in den Himmel von Bischof Kyrill von Alexandrien. 
Damit will ich nicht sagen, dass es nicht auch in ihrem Rahmen Männer gab und gibt, welche die Bedeutung des Weiblichen für unsere reale Existenz erkannten und vielleicht auch für seine Bedeutung eintraten (man müsste dazu beispielsweise bei Meister Eckehart nachlesen, was er dazu in seinen Predigten gesagt hat). Aber sowohl das Verhalten der katholischen Männer im Rahmen der Inquisition, der Hexenverfolgungen und gegenüber unschuldigen Kindern, ein Verbrechen, das erst in unserer Zeit Aufdeckung fand, aber schon seit vielen Jahrhunderten Bestand hat - man vergisst gern die unendlich vielen Opfer der vergangenen Jahrhunderte! - zeigt, dass ihr Gott ein kranker Gott war, denn nach Aussagen der Bibel war er männlich-weiblich. Dass man das Weibliche ausschloss und Priesterinnen, weibliche Kardinäle und Päpstinnen nicht zuließ, zeigt, dass man das wahre Sein Gottes nicht verstand, womöglich auch nicht respektierte. Das gilt bis heute.
Dadurch wurde diese Kirche krank. Sehr krank. 
Die Gräueltaten ihres Bodenpersonals im Rahmen der Inquisition gegenüber den Katharern und gegenüber Hexen führe ich darauf zurück.
Wer dem Weiblichen nicht dem ihm zustehenden Raum gibt, kann das Leben nicht achten, geschweige denn lieben. - Und das als Kirche!
Doch selbst für die kranken Männer der Katholischen Kirche mag eine Feigenblatt-Maria seelisch gesehen ein Segen gewesen sein, weil sie, wenn auch unbewusst, wirken konnte.
Die Bedeutung des mittelalterlichen Marienkultes
Etwas erstaunt hatte ich bei White Eagle gelesen, welch überragende Bedeutung er in seinem Buch Die Göttliche Mutter Maria beimisst - später dazu mehr - und war gleichermaßen etwas erstaunt über die auf mich übertrieben wirkenden Worte Rudolf Steiners:
Es gibt schon im ganzen Mittelalter eine großartige Vorbereitung für das Erzeugen des anderen Geschlechts im Manne auf geistige Weise. Der Mann erzeugt durch Konzentration in sich zuerst als Gedanke, was später in ihm als Sein entstehen soll. Daher entstand im ganzen Mittelalter als Vorbereitung dazu der Marienkultus. Der ist nichts anderes als die Konzentration zur Erzeugung des Weiblichen im Männlichen, während beim Weibe der Jesus-Kult dem gleichen Zweck dient. (GA 93, S. 227)
Das Weibliche soll also auf geistige Weise im Mann entstehen? Er hat doch nach Steiner einen weiblichen Ätherleib. Geschieht dann noch mehr?
Seiner Meinung nach offensichtlich: ja!
Was heißt das, dass das Weibliche auf geistige Weise in dem Mann entsteht und dann vorhanden ist? Als Sein vorhanden ist?
Was bedeutet das für die Realität der Männer und der Menschen?
Und ist das mittlerweile geschehen?
Wohl kaum. Sehr unwahrscheinlich, dass die aktuelle Männerwelt mit ihrer weiblichen Seite dieses Sein repräsentiert. Natürlich sind in den vergangenen Zeiten einige vorangegangen und auch heute gibt es gewiss Männer, wenn es auch wenige sein mögen, die sich diesem Sein nähern bzw. es in sich tragen.
Jedenfalls ist mir erst mit der Zeit aufgegangen, welch wichtige Aussage das Steiner-Zitat enthält.
Tatsächlich nähern wir uns erst dem seelischen Umstand und Zustand, dass das Weibliche im Mann und das Männliche in der Frau als Sein existieren.
Als Sein existieren bedeutet - und man möge bei meinen Aussagen immer davon ausgehen, dass ich das so sehe und meine Sicht niemanden aufoktroyieren will -, dass ich ein Bewusstsein des Weiblichen in mir habe und es auf der seelischen Ebene spüre, so wie ich auf der körperlichen Ebene den mittleren Zehen jeden Fußes wahrnehmen könnte, wenn ich es denn kann.
Das erst ermöglicht dem Mann eine ganz andere Weise, in der Welt zu existieren, als es bisher vorhanden ist. 
Der Mensch ist männlich-weiblich erschaffen. Ich habe ja schon verschiedentlich darauf hingewiesen, dass Luthers Übersetzung ungenau, ja falsch ist, wenn er übersetzt, dass Gott den Menschen schuf, „und schuf sie als Mann und Frau“. Noch die Ausgabe 2017 der Lutherbibel übernimmt diese falsche Übersetzung, denn im Urtext steht kein „und“; Gott schuf den Menschen, wie er selbst ist: männlich-weiblich.
Für das Erwerben dieses Seins ist die sogenannte Madonna von großer Bedeutung. Das Wort leitet sich her aus dem lateinischen mea domina - meine Frau, meine Gebieterin - und wurde über italienisch ma donna zu dem Wort, mit dem die Gottesmutter auch bezeichnet wird.

Raffael hat mit seiner Sixtinischen Madonna einen sehr, sehr großen Einfluss darauf genommen, dass dieses Wort eine solche Strahlkraft erhalten hat; man möchte ja empfehlen, dass in jeder Wohnung von irgendeiner Wand diese Madonna Raffaels herabschauen möge. Als Bild herabschauen, denn die Madonna selbst richtet ihren Blick in eine Richtung, über die man sich Gedanken machen mag.
Dass ich zu dieser Sichtweise gelangt bin, verdanke ich Rudolf Steiner, den ich sehr schätze, auch wenn ich kein Anthroposoph bin. Auf meinem Facebook-Account habe ich drei Zitate von ihm wiedergegeben (https://bit.ly/3k7Ojub), die belegen, welche umfassende spirituelle Bedeutung er diesem Gemälde zumisst. Eines beginnt mit dem Satz:
Wenn wir diese Gestalt mit den Mitteln der Geisteswissenschaft ins Auge fassen, können wir erfahren, daß sie mehr leistete für die Verbreitung des Christentums, für das Hineinleben eines interkonfessionellen Christentums in die Herzen und Gemüter der Menschen, als alle theologischen Interpreten, als alle Kardinale und Päpste seiner Zeit.
Goethe hat im Jahre 1815 für Raphaels Meisterwerk folgende Worte gefunden:
Sehen Sie hier mit den größten Meisterzügen der Welt Kind und Gott und Mutter und Jungfrau zugleich in göttlicher Verklärung dargestellt. Das Bild allein ist eine Welt, eine ganze volle Künstlerwelt und müsste seinen Schöpfer, hätte er auch nichts als dies gemalt, allein unsterblich machen.
Zu dieser Auffassung hat sich Goethe erst im Alter hinentwickelt. Ursprünglich schenkte er der Raffaelschen Madonna wenig Beachtung. Das mag sich geändert haben durch das Schreiben seines Faust, denn sein Genius führte ihn dazu, sich mit der Helenagestalt zu befassen bzw. über deren Gestaltung einen Inhalt in Versen niederzuschreiben, den viel mehr Menschen kennen sollten und ohne dessen Kenntnis man zumindest keinen Gymnasiasten aus der Schule entlassen sollte.
Im ersten Teil des Faust führt Mephistopheles im Zuge seines Programms, mittels dessen er die Wette mit dem Doktor gewinnen will, in deren Rahmen es darum geht, dass er Faust dazu bringt, zum Augenblicke zu sagen:„Verweile doch! du bist so schön!“, auch in die Küche einer Hexe, doch muss er schnell erkennen, dass er mit diesem Umfeld bei Faust nicht landen kann. Der hält von dem ganzen magischen Gebrodel, das die dort anwesenden Tiere noch in Abwesenheit der Hexe veranstalten, nichts. Während Mephistopheles sich mit dem Kater und der Kätzin - wie sie im Faust genannt wird - beschäftigt und der Kater ihn gerade nötigt, sich hinzusetzen, ist Faust ganz in den Bann eines Spiegels geraten, dem er sich in mehrfachem Wechsel nähert und dann wieder entfernt, kann er doch kaum glauben, was er sieht:
Was seh ich? Welch ein himmlisch Bild
Zeigt sich in diesem Zauberspiegel!
O Liebe, leihe mir den schnellsten deiner Flügel,
Und führe mich in ihr Gefild!
Ach wenn ich nicht auf dieser Stelle bleibe,
Wenn ich es wage, nah zu gehn,
Kann ich sie nur als wie im Nebel sehn!-
Das schönste Bild von einem Weibe!
Ist's möglich, ist das Weib so schön?
Muß ich an diesem hingestreckten Leibe
Den Inbegriff von allen Himmeln sehn?
So etwas findet sich auf Erden? 
MEPHISTOPHELES:
Natürlich, wenn ein Gott sich erst sechs Tage plagt,
Und selbst am Ende Bravo sagt,
Da muß es was Gescheites werden.
Für diesmal sieh dich immer satt;
Ich weiß dir so ein Schätzchen auszuspüren,
Und selig, wer das gute Schicksal hat,
Als Bräutigam sie heim zu führen! 
(Faust sieht immerfort in den Spiegel. Mephistopheles, sich in dem Sessel dehnend undmit dem Wedel spielend, fährt fort zu sprechen.)
Hier sitz ich wie der König auf dem Throne.                                                                  Den Zepter halt ich hier, es fehlt nur noch die Krone. 
DIE TIERE (welche bisher allerlei wunderliche Bewegungen durcheinander gemacht haben, bringen dem Mephistopheles eine Krone mit großem Geschrei): 
O sei doch so gut,
Mit Schweiß und mit Blut
Die Krone zu leimen!

(Sie gehn ungeschickt mit der Krone um und zerbrechen sie in zwei Stücke, mit welchen sie herumspringen.) 
Nun ist es geschehn!
Wir reden und sehn,
Wir hören und reimen-
FAUST (gegen den Spiegel):
Weh mir! ich werde schier verrückt.

Just in diesem Moment kommt die Hexe durch den Schornstein heruntergefahren, entsetzlich schreiend, weil ausgerechnet gerade der Kessel überläuft und eine große Flamme entsteht, die zum Schornstein hinausschlägt.
In der Folge gibt sich die Hexe mit Faust alle Mühe, doch kommt sie bei diesem nicht an, er findet, dass sie im Fieber rede. So veranlasst Mephistopheles noch die Hexe, dem Faust einen Zaubertrank zu kredenzen, der in ihm, wie die Hexe sagt, Cupido, die Begierde, in Wallung bringt und den Gelehrten das Leben auf andere Weise erleben lassen soll, was auch geschieht - zu Lasten Gretchens, dem er anschließend begegnet und total auf sie abfährt.
Bezeichnenderweise aber will er beim Verlassen der Hexenküche noch einmal in den Spiegel schauen
Das Frauenbild war gar zu schön! 
MEPHISTOPHELES:
Nein! Nein! Du sollst das Muster aller Frauen
Nun bald leibhaftig vor dir sehn.
(Leise.)
Du siehst, mit diesem Trank im Leibe,
Bald Helenen in jedem Weibe.
Mit diesem letzten Satz ist die Wirklichkeit des Verhältnisses von Mann und Frau auf der Erde angesprochen, wie es seit dem sogenannten Sündenfall existiert. Es ist zugleich auch das Drama um den kranken Gralskönig Anfortas angesprochen, das ja genau diese Thematik beinhaltet, denn Anfortas wird bekanntlich mit einem Speer bezeichnenderweise an der Scham verletzt, weil er ein Gralsgesetz überging, demzufolge der Gral dem Gralskönig seine Frau als zukünftiger Gralskönigin zuweist.
Man versteht diesen Mythos nur, wenn man weiß, dass der Gral nichts anderes ist, als ein Herz, das erfüllt von Christusbewusstsein ist.
Nur ein neues Bewusstsein, das als Parzival auftreten wird, kann den siechen Gralskönig von seinen Qualen durch die sogenannte Mitleidsfrage erlösen. Dass aber dies möglich ist und Parzival dies leisten kann, dazu musste er durch viele Leiden gehen, lange und scheinbar vergeblich das Gralsschloss suchen, wobei er diese Suche nur deshalb erfolgreich gestalten konnte, weil sein Pferd, dem er, zuletzt völlig verzweifelt, die Zügel überließ, ihn zur Klause des Trevrizent bringt, der ihm die Karfreitagsbotschaft übermittelt. Durch sie und durch seine Bereitschaft, sie willig aufzunehmen, kann er das Gralsschloss finden und Anfortas erlösen, der nichts anderes darstellt als unser altes Bewusstsein, das der Parzival in uns erlösen möchte.
Die drei B´s
Ein bedeutsames Thema aber, das der zuletzt zitierte Satz aus dem Faust und auch der Gralsmythos ansprechen, ist das Verhältnis von Liebe und Begehren, im Faust cupido genannt.
Viele von uns werden aus eigener Erfahrung wissen, welche Bedeutung dem Verhältnis von Liebe und Begehren zukommt, wenn wir eine neue Beziehung eingehen. Immer wieder sprechen Menschen von der großen Liebe, ohne das Bewusstsein dafür zu haben, wie sehr deren Wahrnehmung durch Begehren überlagert ist. Oft überlagert doch Letzteres unser Gefühl dafür, ob wir wirklich eine Beziehung aus Liebe eingehen, einmal davon ganz abgesehen, dass nicht wenige gar nicht wissen, was Liebe wirklich ist. Gerade jene, die häufig davon sprechen, wissen oft am wenigsten, was es mit ihr auf sich hat. Ich selbst gestehe gern, dass ich in Bezug auf sie ein Suchender bin.
Gibt es Liebe ohne Begierde, ohne Begehren? 
Von Maria und Josef wird gesagt, dass sie, als sie Jesus zeugten, einander liebten ohne Begehren.
Begierde ist keine Sünde - ich mag letzteres Wort absolut nicht, gerade auch nicht in diesem Zusammenhang. Begierde ist ein Charakteristikum unseres Seins, ein Charakteristikum für unser Verhältnis zum anderen Geschlecht, oder - in dem ein oder anderen Fall - zum gleichen.
Und - wie das Begehren - so spielen für mich, Bedingungen zu stellen im Rahmen einer Partnerschaft und unbewusst/bewusst Besitz ergreifen zu wollen eine ganz wichtige Rolle. Vielleicht kann ich im Rahmen der sich anschließenden Beiträge - u.a. zum Tannhäuser-Weg - noch darauf eingehen. Für die Weise, wie Menschen Beziehungen führen, halte ich diese drei B´s für elementar: 
begehren, Bedingungen stellen, besitzen wollen. 
Über ihr Wahrnehmen kann man vieles, was in Beziehungen unbewusst abläuft, tiefgehender verstehen.
Ist möglicherweise Kunst von 2 Personen

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Sonntag, 1. Januar 2023

2023: ein sorgenfreies Jahr? Wenn ja, warum? - Von Goethe lernen!

In der Gestalt des Faust hat Goethe uns einen Menschen vor Augen geführt, der sich vor diesen unseren Augen, wenn wir denn sehen wollen, entwickelt, Bewusstseinsschritt für Bewusstseinsschritt.

Im ersten Teil dieses großen Werkes lässt sich Faust auf Mephistopheles ein, nachdem er schon kurz davor war, am Leben zu verzweifeln und nur mit Hilfe eines österlichen Wunders am Leben bleibt. Allerdings bleiben die, mit denen er zu tun hatte, weitgehend nicht am Leben, am allerwenigsten Gretchen, das er schwängert, um die junge Dame dann schmählich sitzen zu lassen, verwechselt er doch, wie das Männer gerne tun, Begierde mit Liebe. Deshalb müssen nicht nur Margarete sterben, sondern deren Kind, Mutter und Bruder. Mephistopheles dagegen reibt sich vergnügt die Hände. Doch am Ende von Teil I erlebt der "Der Herr der Ratten und der Mäuse, / Der Fliegen, Frösche, Wanzen, Läuse" - wie er sich selbst nennt - sein Waterloo: Er sieht Margarete, die ihr Kind aus purer Verzweiflung nicht austragen konnte und sich so in Schuld am Wertvollsten, was wir Menschen haben, dem Leben, verstrickt, gerichtet und verkündet im Kerker Gretchens lauthals: "Sie ist gerichtet!"
Da ertönt jene gewaltige Stimme aus dem - wie Atheisten (die es in Wirklichkeit gar nicht gibt) es gerne nennen - Off, und korrigiert ihn entscheidend mit den Worten: "(Sie) ist gerettet!".

Im Deutschen, dieser wunderbar differenzierten Sprache, kennen wir ein Vorgangspassiv (im Präsens: sie wird gerettet) und ein Zustandspassiv. Es macht einen himmelweiten Unterschied zu ersterem, denn hier ist etwas in einen Zustand übergegangen, das wertvoller nicht sein kann, weil Gott nicht die Sünde kennt, wie sie uns über Jahrhunderte von der Kirche in Herz und Hirn gebrannt wurde, da es für jenen trotz allem Geschehenen so ist - wie es unter den letzten Worten des Faust I heißt: Sie ist gerettet.

Auch Faust ist gerettet, man mag es kaum glauben; der Beginn des zweiten Teils macht es deutlich:
Trotz großer Schuld - immerhin "zieren" die vier erwähnten Toten seinen Weg - ist er durch heilsamen Schlaf in der Lage, weitere entscheidende Schritte auf jenes große Ziel hinzugehen, das das Männliche in uns nur zum Ziel haben kann: das Ur-Weibliche - Goethe nennt es das "Ewig-Weibliche".
Ganz will es ihm in diesem Werk noch nicht gelingen. Aber Faust hat zu Helena, in der Goethe das Ewig-Weibliche sich personifizieren lässt - zum Abschluss nennt er, um was es ihm geht, in einer Wendung zum Christlichen hin "Mater Gloriosa" - entscheidenden Kontakt aufgenommen und mit ihr sogar ein gemeinsames Kind gezeugt, Euphorion.
Doch ist es ein Trugschluss, dem sich zumeist allerdings nur diverse scheinheilige Esoteriker hingeben, zu glauben, man könne auf Erden leben, ohne noch immer einen Erdenrest in sich zu haben:
Helena und Euphorion entschwinden wieder; Faust bleibt ein Mensch, wenn auch ein seelisch-geistig sehr weit entwickelter, hat er doch den Schritt zu den drei Müttern zu gehen vermocht, ein Schritt, den zu gehen in den Mythen nur wenigen vergönnt war, u.a. Odysseus, Orpheus, Herakles - und, wie manche zur Kenntnis zu nehmen bereit sind: Christus.
Auf der Erde jedoch kann man ein Ewig-Weibliches nicht auf Dauer an sich binden. Immer wieder - bei entsprechendem Streben - aber in (zunehmend intensiveren) Kontakt treten.

Dass Faust noch zumindest ein letzter Schritt fehlt, machen nicht nur das Entschwinden Helenas und Euphorions im dritten Akt des zweiten Teiles deutlich, sondern auch in Akt 5, schon ganz gegen Ende des Werkes, das Auftauchen der vier grauen Weiber - dem Mangel, der Not, der Schuld und der Sorge. Zumindest eine der Vieren verbleibt in Fausts Haus: es ist die Sorge. Mit ihr muss er sich auf ein Wortgefecht einlassen, und es wird deutlich, für wie schwierig Goethe die Überwindung der Sorge hält ("Wen ich einmal mir besitze, / Dem ist alle Welt nichts nütze").

Das etymologische Wörterbuch des Deutschen kennt zwei Bedeutungsvarianten von "Sorge (wer mag, kann sich hier informieren: https://bit.ly/3G75eUS) und Faust scheitert noch an jener, die dort mit "Kummer" bzw. "Gram" bezeichnet wird. Faust grämt sich nämlich furchtbar darüber, dass an jener Stelle, wo er eine wunderbare Aussicht über sein Meisterstück, sein Lebenswerk haben könnte, auf seinem Grund unter den Linden droben also, die Hütte der beiden Alten, von Philemon und Baucis steht.
Goethe hat ja die Hütte zu einem der zauberhaftesten Motive der Weltliteratur gemacht (Faust in Teil I, in ihrem Zimmer hingerissen an Gretchen denkend: "Die Hütte wird durch dich ein Himmelreich.") Indem er nun Mephistopheles befiehlt - jener hat ja beste Erfahrungen im Ausführen von solchen Befehlen Fausts, hat er doch auf dessen Wunsch hin der Mutter Gretchens, um ein Tête-à-Tête mit der Geliebten zu ermöglichen, einen Schlaftrunk verpasst, aus dem allerdings jene nicht mehr aufwachen sollte - indem Faust also Mephistopheles befiehlt, die beiden Alten zur Seite zu schaffen, erledigt jener das mit Hilfe dreier Schergen in gewohnt radikal zuverlässiger Weise, indem deren Zuhause abbrennt, was die beiden Alten vor Schreck sterben lässt. Zwar sucht Faust, seinen Kopf aus der Schlinge der Verantwortung zu ziehen ("Tausch wollt´ ich, wollte keinen Raub"), doch kennen wir ja diesen Euphemismus von Worten zur Genüge aus unserer politischen Landschaft: Was Faust "Raub" nennt, war im Grunde eine durchaus willkommene Tötung, weil es ihm nun möglich ist, "Zu überschauen mit einem Blick / Des Menschenwerkes Meisterstück", was also er geleistet hat. Doch Lynkeus, der Türmer auf Faustens Schlosswarte, bringt es auf den Punkt, wenn er davon spricht, dass "die innere Hütte loder(t)". Mit dem Abfackeln der Hütte der beiden Alten lodert vor allem die innere Hütte in Fausts Seele, dort also, wo eine geistige Heimat ihren Ort hätte finden können, ja sollen,

Für mich ist, bevor ich zum Schluss dieses Beitrages und seinem besonderen Sinn für das Jahr 2023 komme, ein Hinweis wichtig, damit nicht jene, die mit dem Christentum aufgrund seiner Kriminalgeschichte auf Kriegsfuß stehen (vgl. Karlheinz Deschners "Kriminalgeschichte des Christentums"), nämlich, dass das wahre Christsein und Christentum für mich eine Bewusstseinsstufe, keine Religion im üblichen Sinne ist, eine Bewusstseinsstufe, die sich gerade im Deutschen in der Tatsache niederschlägt, dass die erste Person des Personalpronomens in dieser unserer Sprache ausgerechnet jene Initialen enthält, die für mich eine wegweisende Bedeutung beinhalten: Iesus Christus: I-CH.

Goethe beschließt seinen "Faust" ja im Grunde mit einem Verweis, den zwei Bibelzitate spiegeln. Das eine findet sich in einem Brief des Petrus und lautet: „Alle eure Sorgen werfet auf ihn, denn er sorgt für euch.“
Und Paulus schreibt in seinem Brief an die Philipper: „Macht euch keine Sorgen! Ihr dürft in jeder Lage zu Gott beten. Sagt ihm, was euch fehlt, und dankt ihm! / Dann wird Gottes Friede, der all unser Verstehen übersteigt, eure Herzen und Gedanken bewahren, weil ihr mit Jesus Christus verbunden seid.“

Sind wir in der Lage, alle Sorgen aufzugeben, und ist das überhaupt sinnvoll?
Wenn ein geliebter Mensch längst da sein sollte und einfach nicht kommt oder wenn der eigene Zug Verspätung hat, wo doch ohnehin für den Anschlusszug kaum Zeit zum Umsteigen bleibt - ist das nicht übermenschlich, sich keine Sorgen zu machen?

Goethe deutet an, dass es möglich sein könnte im Rahmen seiner Religiosität, die sich u.a. auch in seinen Geheimnissenund seinem Märchen von der grünen Schlange zeigt.
Aber es kann nicht sinnvoll sein, sich unnötig unter Druck zu setzen und so zu tun, als gäbe es Angst und Sorge einfach nicht. Man muss nicht mit Gewalt einen Erdenrest negieren wollen.

Wichtiger ist, was Goethe für mich mit dem "Faust" vermitteln will: Es gibt einen Weg zum Ewig-Weiblichen, zu den Urgründen unseres Seins, den wir nur verstehen, wenn wir erkennen, dass alles Vergängliche ein Gleichnis ist und die Aufgabe von uns Menschen, in dem, was wir auf der Erde erfahren, Verweise auf ein Ewiges zu erkennen, um uns jenem wieder anzunähern, um sozusagen ins Reich der grünen Schlange zu gelangen.
In den Mythen steht das Weibliche für die Seele des Menschen, das Männliche für den göttlichen Geist. Er ist es, der die Seele befruchten will. Wir finden dies in der Tatsache, dass Osiris mit Isis Horus zeugt, wir finden das angesprochen in der so oft verkannten Jungfrauengeburt der Maria, die nicht anders ist als eine sehr reine Seele; wir finden es angesprochen in der Zeugung des Euphorion so wie Heinrich von Ofterdingen das Ewig-Weibliche in jenem Gesicht findet, das ihm die Blaue Blume zeigt.

Für uns ist dieses Ewig-Weibliche so wichtig, weil wir in einer Zeit leben, in der - so stellt es sich jedenfalls für mich dar - es gilt, das kaputte Männliche, das derzeit die Welt regiert (Namen zu nennen, die sich da besonders anbieten, ist wohl kaum notwendig) abzulösen und das Männliche zu heilen durch eine bewusste Weiblichkeit als einer bestimmten Qualität der Seele der Menschen.
Diese Weiblichkeit ist kosmischer Natur; sie kann hören und muss nicht ununterbrochen geredet oder geschrieben haben; dass sich Medien in so starkem Maße etabliert haben wie Twitter, Facebook, Whats App, Telegram und andere und so viele Worte produziert werden, die so oft geistiger Müll sind und den Wert des wahren Wortes, des Logos, hintertreiben, ist kein Zufall. Weiblichkeit gibt zudem Wärme, die unsere Seelen dringend braucht, wie es auf wunderbare Weise die Pietà Michelangelos und die Sixtinische Madonna Raffaels zeigen ...

Ich glaube, dass es möglich ist, diesen Weg zum Ewig-Weiblichen zu beschreiten und dass das bereits in der letzten Zeit geschieht, denn die Menschheit ist mehr denn je an einem Punkt angelangt, an dem viele erkennen, dass sich Entscheidendes ändern muss und ich vermute, dass vor allem die jüngeren Generationen und auch die Frauen dieser Erde in Afghanistan, im Iran und anderswo nicht mehr lange hinnehmen werden, was die alten Männer dieser Erde treiben, auch die jungen Männer, wenn sie so alt sind wie die älteren Brüder der Grimm-Märchen.
Übersehen sollte man nicht, dass für die männliche Seite einer Frau Vergleichbares gilt; auch deren männliche Seite kann sehr krank sein.

Es liegt an uns, die seelisch-geistigen Bewegungen zum Ewig-Weiblichen hin, die sich auszeichnen durch eine Wertschätzung allen Lebens, zu unterstützen und bewusst selbst zu gehen, und ich vermute, wenn Goethe heute wieder da wäre, würde er nach wie vor zu dem, was er im Faust geschrieben hat stehen, er würde vor allem aber eines verändern, er würde sagen: Lasst Euch nicht nur ziehen vom Ewig-Weiblichen! Geht vielmehr bewussten Schrittes auf es zu!

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Sonntag, 23. November 2014

Sie ist´s, die mich in Lieb allein verzehret . . . Michelangelo über die heilende Urgestalt!

Heute ist ein besonderer Tag.

Heute morgen der so berührende Fernseh-Gottesdienst aus der Erlöserkirche in Bad Kissingen. Unvergesslich die Schäferin, die sich fragend an das Kreuz wandte und von ihrer Krankheit, einer Borreliose - für Schäfer eine Berufskrankheit - erzählte und den vier Gutachten, die vergeblich waren und vor Gericht abgelehnt wurden, so dass sie nun mittellos dasteht;
unvergesslich die Frau im Rollstuhl, die von den Händen erzählte der Menschen, die sie im Krankenhaus besuchten und an die sie sich erinnert, obwohl sie wie im Koma lag;
unvergesslich die vielen Bilder aus der Kirche mit ihren wunderschönen Leuchtern und die Töne der Orgel und des kleinen Ensembles und die Worte von Pfarrer Ott.

Heute Abend dann der Film Das Lächeln der Frauen mit der bezaubernden Melika Foroutan und dem auch klasse spielenden Benjamin Sadler, der einen schriftstellernden Lektor gibt, der von dem Lächeln der Besitzerin eines recht kleinen Pariser Restaurants, die er einmal sieht, so bezaubert ist, dass er über sie einen Roman schreibt. Ausgerechnet diese Frau nun flüchtet in eine Buchhandlung wegen ihres Ex, den sie auf der Straße plötzlich sieht und den sie nicht treffen will; dabei rennt sie einen Bücherstapel um, wobei ein Buch lädiert wird, das ihr der Ladenbsitzer förmlich aufdrängt. Es ist das Buch jenes Lektors, der eben darin ihr Leben erzählt, das Leben jener Frau, die er einmal lächeln sah; sie aber findet sich in seinen Worten, seinem Roman wieder . . . klar, dass sie diesen Mann, diesen Autor, sehen will . . .
Schnulzig könnte jemand den Film finden, ich fand ihn einfach richtig schön.
Schön romantisch!

Michelangelos Pietà
Und dann hab ich ein Gedicht wiedergefunden, heute, das ich schon verloren glaubte. Es wird über 10, vielleicht bald 20 Jahre her sein, dass ich ein Blatt zu der Form des Sonetts für meine Schüler verfasste. Und zwei Beispiele hab ich drauf geschrieben, die ich nacheinander beide auswechselte, weil sich die Gedichte, die Sonette also, einfach als zu schwer erwiesen. Das eine war ein Sonett von Shakespeare, das andere eines von Michelangelo Buonarotti.
Beide hatten mich fasziniert, auch, weil ich bis dato nicht wusste, dass beide so tolle Gedichte geschrieben haben.

Jedenfalls, hurra, beide sind wieder da; heute habe ich das Original-Blatt beim Ausmisten eines Lyrik-Ordners gefunden.
Mancher weiß, wie sehr mich das Thema des Ewig-Weiblichen bewegt, auch das der Dualseele - oder sagen wir es mit Michelangelo: der Urgestalt. Leider kann ich die Quelle des Gedichtes nicht angeben und damit auch nicht den Übersetzer . . . er und der Verlag mögen es verzeihen. Gewiss, das Gedicht holpert manchmal (ein Sonett zu übersetzen ist nicht immer leicht, man merkt es auch den Shakespeare-Übersetzungen an); im Italienischen liest es sich sicherlich stimmiger - mich aber stört´s nicht, ja, ich liebe es (vielleicht gerade deshalb); es ist ja zu spüren, wie alles gemeint ist:


Die dahin, wo sie herkam, wiederkehret,
Die Urgestalt kommt, sich in Staubes Falten
Als Engel so erbarmend umzustalten,
Dass sie heilt jeden Geist, und Welten ehret.

Sie ist´s, die mich in Lieb´ allein verzehret,
Nicht äußrer nur, weil deines Lichtes Walten
Nicht Liebe weckt zu Dingen, die veralten -
Nein, in der Tugend Quell die Hoffnung nähret. 
Und rührt dein hoher Reiz zuweilen mich,
Ist´s erste Stuf´ hinan zur Gnadenfülle
Des Himmels, die dann weiterauf beflügle. 
Ja, Gott selbst offenbaret nirgends sich
Mehr als in einer schönen Erdenhülle,
Wo reiner Blick in seiner Kraft sich spiegle.
. 

Freitag, 19. August 2011

Das Ewig-Weibliche war zu Beginn - Homerischer Hymnus über die Allmutter Erde

Wenn man - wie auch im letzten Post - die lächelnde Madonna von Lauter sieht, dann glaubt man in ihr Züge zu sehen, die man mit dem Ur-Weiblichen, Ur-Mütterlichen in Verbindung bringen kann.



Manche der zahlreichen, zum Teil zwei- oder dreitausend Jahre alten Figuren aus allen Teilen der Erde, die die Große Mutter abbilden, zeigen diese Körperbetonung, aber auch durchaus vergleichbare Gesichtszüge, ich denke nur an die nunmehr 4000 Jahre alte Abbildung der ägyptischen Göttin Isis, wie sie ihrem Sohn Horus die Brust darreicht. Allerdings finde ich den Frieden, die Sanftheit, die Liebe, die diese Madonna von Lauter ausstrahlt, schon sehr einmalig. Und natürlich ist Marias Gewand, ihr Haar, ihr Diademband, ihr Kopftuch und manches mehr mit Liebe bis ins Detail gestaltet, deutlich mehr, als das bei den vorzeitlichen Skulpturen und Plastiken der Fall ist, die - eine Frage des Bewusstseins - nur eher elementare Konturen geben können.

Manchen Männern, insbesondere denjenigen, die sich vor allem über ihr Geschlecht definieren, mag es nicht gefallen, dass es nach der Überzeugung führender Ethnologen, Religionswissenschaftler und Kulturpsychologen - ich nenne hier beispielhaft Mircea Eliade und Erich Neumann - kaum abzustreiten ist, dass es in vielen Kulturen offensichtlich ein - um es mit Goethe zu sagen - Ewig-Weibliches gab vor einem Ur-Männlichen. Es ist Gaia, die Erde, die in der griechischen Mythologie den Himmel als ihren Göttergatten erschafft und es ist diese Gaia, auf die wir schauen müssen, wenn wir über die weibliche Seite Gottes sprechen. - Darüber wird ein andermal mehr zu schreiben sein.

Bevor ich mich Homer zuwende, möchte ich noch für die- oder denjenigen, der Interesse hat, auf indianische Kulturen verweisen und wie sehr sie verwoben sind mit der Erde als ihrer Mutter. Vergessen wir nicht: Im Sinne der Griechen und der Indianer ist Gaia, ist die Mutter Erde mehr als die Göttin dieses Planeten. Sie ist ein kosmisches Prinzip, ein kosmisches Wesen.

Wir lesen bei Homer - jenem Dichter, den man zwischen 850 und 1200 vor Christus datiert - in seinem 30. von 33 bekannten Hymnen über die Allmutter Erde:


Die Erde will ich besingen, die Allmutter, die fest begründete, die älteste aller Wesen. Sie nährt alle Geschöpfe, alle, die auf der göttlichen Erde gehen, alle, die in den Meeren sich regen und alle, die fliegen. Von ihrer Fülle leben sie alle. Dir, o Herrin, entsprießen gute Kinder und gute Ernten, du hast Gewalt, den sterblichen Menschen Leben zu geben oder zu nehmen. Glückselig ist, wen du wohlwollend ehrest. Im Überfluss wird ihm alles zuteil. Das fruchtbare Land ist mit Getreide überladen, die Wiesen bedeckt mit Vieh, das Haus ist mit allem Trefflichen versehen. In der Stadt voll rechtschaffener Frauen herrscht man nach dem Gesetz, begleitet von Reichtum und Glück. Fröhlich frohlocken die Kinder, junge Mädchen, die Hände voll Blumen, springen frohgemut über die Blüten der Felder. Erhabene Göttin, solches genießen, die dich ehren, freigebige Gottheit.
Sei gegrüßt, Mutter Erde, Gattin des gestirnten Himmels. Spende gütig zum Lohn für mein Lied herzerfreuende Nahrung. Ich aber will nun deiner und anderen Sanges gedenken.
aus Christoph Einiger, Die schönsten Gebete der Welt
zu finden ebenso in Mircea Eliades Geschichte der religösen Ideen  

Donnerstag, 18. August 2011

Die lächelnde Madonna zu Lauter - Erinnerung an Mariä Himmelfahrt 2011

Am Fuße der Rhön finden wir einen 600-Seelen-Ort namens Lauter, zu der Gemeinde Burkardroth gehörend, der sich zu seinem spirituellen Reichtum bekennt, denn unweit des Ortschildes finden wir eine Hinweistafel:


Vor etwas mehr als 100 Jahren war eine Madonnenfigur am Wegrand liegend aufgefunden worden und zunächst in einen anderen Ortsteil von Burkardroth gebracht worden, bevor sie wohl der dortige Pfarrer dann in seiner Filialgemeinde, in Lauter eben, aufstellen ließ. Über die näheren Umstände weiß man wohl insgesamt wenig.
Auf einmal war sie da, die lächelnde Madonna ...

Herrlich das Blumengesteck, das man ihr für den 15. August zur Seite stellte:


Wenn man allerdings des Madonnenbildes gewahr wird, dann kann man kaum den Blick mehr von ihm wenden:


Sein Alter wird auf nahezu 800 Jahre geschätzt und einem gelben Faltblättchen entnehmen wir, dass seine kunsthistorische Einordnung ausgesprochen schwer fällt. Dem Verfasser will es auch nicht so recht gelingen, diese lächelnde Maria angemessen zu beschreiben; es könnte ihm entgangen sein, dass sie unvergleichlich ist, einmalig, einzigartig:
ein Geschenk des Himmels.

Von dieser Maria geht eine unglaubliche Kraft aus und ich weiß von Heilungen, die Gebete zu ihr bewirken.
Es mag genau die richtige Haltung sein, die das Jesuskind ihr gegenüber einnimmt, ihr gegenüber wahrt.

Wenn man ihr Gesicht in sich aufnimmt, glaubt man, sie wolle einen erinnern, wie wir leben können:


Ihr Antlitz vermittelt uns einen Eindruck, ein Gefühl davon, was das göttlich Weibliche zu geben vermag.
Sich von ihr zu verabschieden, fällt schwer.
Man möchte den Menschen empfehlen, ihr Bild im Herzen zu bewahren, ja vielleicht sogar bei sich zu Hause aufzustellen auf dem eigenen Altar, denn zweifelsohne gibt diese lächelnde Madonna einen Schutz vor den Bildern unseres Alltags, die unsere Seele gefährden.
Wie wohltuend, friedliebend sanftmütig und schutzgebend ist, was Maria uns einfach so geben möchte ...



siehe auch Das Ewig-Weibliche war zu Beginn

Sonntag, 23. März 2008

Ostern offenbart den Mut und die Kraft des Weiblichen


... ich möchte hingehen und ihn holen ...


Das sagt Maria aus Magdala zu dem Gärtner, dem sie in der Morgendämmerung in dem Garten, in dem Jesu Grab sich befindet, begegnet und von dem sie glaubt, dass er den Leichnam Jesu aus dem offenen Grab entfernt habe.
Welchen Mut hat diese Frau! Ihre Worte klingen nicht danach, als ob sie dem Gärtner groß eine Wahl lasse.
Was sie nicht weiß, ist, dass sie dem "Toten" gegenübersteht. Der Gärtner ist Jesus.
Wie wird er sich in diesem Moment über Maria Magdalena gefreut haben! - Noch im Tod will sie ihn geehrt sehen.


Es ist nicht der bisweilen großspurige Petrus, der das zentrale Ostergeschehen entdeckt, nicht Andreas, nicht der Lieblingsjünger Johannes, nein, es ist nach dem Johannes-Evangelium diese wunderbare Frau aus Magdala, die in der Frühe des Tages das Grab besucht; sie ist es, welche die Jünger auf der Stelle informiert: Das Grab ist leer.
Diese spurten sofort zum offenen Grab, doch nicht ihnen offenbart der Gärtner, wer er wirklich ist, er zeigt sich anschließend Maria, als die Jünger wieder weg sind. Nach dem Evangelisten Matthäus sind es die beiden Marias, nach den anderen Evangelien sind es mehrere Frauen, die das Grab aufsuchen.
Die Jünger sitzen derweil beisammen und blasen Trübsinn.

Hatten die Jünger die Hosen voll, weil sie wussten, dass das Grab bewacht wurde, hatten sich doch die Pharisäer erinnert, dass Jesus gesagt hatte, er werde nach drei Tagen auferstehen; deshalb hatten sie Pilatus um Wachen gebeten. Ausgerechnet die Pharisäer hatten Jesus offensichtlich ernst genommen, die Jünger wohl nicht, wo sonst hätten sie sich von Jesu Auferstehung überzeugen können als an seinem Grab! Warum waren sie nicht dort?

Die Wachen waren da, die Frauen kamen zum Grab, ausgerechnet aber die Jünger blieben weg! Seltsam ...

So bleibt es Frauen vorbehalten, die Wahrheit dieses Tages zu erkennen.

Gewiss, ein Mann hatte Jesus das Kreuz getragen, Simon von Kyrene; gewiss, ein Mann hatte Jesus sein Grab zur Verfügung gestellt, damals eine äußerst mutige Tag, es war Joseph von Arimathia.

Doch ein Mann, Thomas, hatte an Jesus gezweifelt, ein Mann, Judas, hatte ihn verraten, ein Mann, Petrus, hatte ihn verleugnet.
Es waren Johannes und mehrere Frauen, die unter dem Kreuz standen, es waren Frauen, die sein Grab aufsuchten, es war eine Frau, der sich Jesus als Auferstandener zuerst zeigt - das kann kein Zufall sein!
Mit welchem Recht gibt es nur Kardinäle, mit welchem Recht gibt es nur Päpste? Es waren die männerdominierten monotheistischen Religionen, die die meisten Kriege anzettelten.

Wann darf in den Herzen der Menschen, vor allem in denen ihrer geistigen Führer, Gott wieder eine Frau sein, besser: männlich-weiblich, yin und yang?

Es macht natürlich keinen Sinn, Männer und Frauen gegeneinander auszuspielen. Warum aber tut es vor allem die katholische Kirche? Auch im Islam sehe ich keine Frauen ...
Goethe wusste, warum er am Ende von Faust II schrieb:

Das Ewig-Weibliche zieht uns hinan.

Ich glaube, es ist Teil der Osterbotschaft, dass in uns Männliches und Weibliches Frieden schließen möge, damit Frieden auch auf Erden werden kann.
Nur wer versöhnt ist in und mit sich, kann Frieden leben.

Donnerstag, 28. Februar 2008

Hölderlins ´Unerkannte´ ist seine Walküre


Friedrich Hölderlin (1770-1843) suchte seine Walküre und er glaubte sie in der Frau des Frankfurter Bankiers Jakob Gontard gefunden zu haben, dessen Kinder er als Hauslehrer unterrichtete. Doch als jener von des Hauslehrers Liebe zu seiner Frau Susette erfuhr, musste Hölderlin sehr schnell diese Stelle aufgeben.
In seinem Briefroman Hyperion hat er Susette Gontards in der Gestalt Diotimas gedacht, ebenso in einigen ergreifend geschriebenen und zum Teil mit Diotima überschriebenen Gedichten.

Wir verdanken dieser Liebe innige Worte, denn Hölderlin wusste um das ganz tiefe Geheimnis ihrer Beziehung, wenn er schreibt:


Eh ich Dir die Hand gegeben,
Hab ich ferne Dich gekannt.

Das Bewusstsein um jenes ferne Kennen der wahren, großen Liebe finden wir bei Schiller, bei Goethe, bei Novalis und seiner blauen Blume, bei E.T.A. Hoffmann, Hermann Hesse, Ödon von Horváth und einigen anderen ebenfalls wiedergegeben. Wir werden deren Ausgestaltungen über die Tiefen der Liebe peu à peu hier im Blog zur Sprache bringen.

Nach seinem letzten Treffen mit Susette-Diotima trieb Hölderlin unaufhaltsam dem Wahnsinn zu und ein gnädiges Geschick hat Sorge getragen, dass ihm der Tübinger Tischler Ernst Zimmer 36 Jahre lang - so lange lebte der aus Lauffen am Neckar stammende Dichter in geistiger Verwirrung - Unterschlupf und Pflege gewährte in jenem Hölderlinturm am Neckarufer, den man noch heute besichtigen kann.
Hölderlins hymnischer Stil ist in der deutschen Lyrik einmalig geblieben und die abendländische Literatur verehrt ihn als einen ihrer Größten.

Der studierte Theologe, der nie Pfarrer werden, sondern Dichter sein wollte und Hofmeister sein musste, wusste, dass ihm in Susette Gontard jene Frau begegnet war, die seiner Walküre gleicht.
Eine Vereinigung zweier solcher Seelen ist die wahre Ehe, von der es in der Bibel heißt:


Was Gott zusammengefügt hat, soll der Mensch nicht scheiden.

Es ist dies die Ehe, für welche gilt: Wie im Himmel so auf Erden.
In der nordischen Mythologie sind Walküren Göttinnen angeblich eher niederen Ranges, welche die auf dem Schlachtfeld gefallenen Helden mitsamt ihrer Rüstung ins Reich der Toten führen. Insgeheim sind sie, die Walküren, weit mehr.
Hölderlin, dieser so sensitive Mensch, wusste um die Bedeutung von ihnen, sonst hätte er nicht in An die Unerkannte geschrieben, dass jene Unerkannte im Kampfe uns besänftigend den Harnisch löst. Das ist ein Bild der Walkürensprache. Walküren verkörpern das ganzheitliche, wahre Selbst in uns, dessen sich die meisten Menschen nicht mehr bewusst sind. - Es existiert außerhalb von Raum und Zeit.


Einige seiner Verse, die er seiner Diotima widmete, weisen auf jenes innere Wissen hin:

Ach! an deine stille Schöne,
Selig holdes Angesicht!
Herz! an deine Himmelstöne
ist gewohnt das meine nicht;
Aber deine Melodien
Heitern mählig mir den Sinn,
Dass die trüben Träume fliehen,
Und ich selbst ein andrer bin;
Bin ich dazu dann erkoren?
Ich zu Deiner hohen Ruh,
So zu Licht und Lust geboren,
Götterglückliche! wie du? -