Seiten

Posts für Suchanfrage Selbstliebe werden nach Relevanz sortiert angezeigt. Nach Datum sortieren Alle Posts anzeigen
Posts für Suchanfrage Selbstliebe werden nach Relevanz sortiert angezeigt. Nach Datum sortieren Alle Posts anzeigen

Samstag, 19. Januar 2008

ohne Selbstliebe ist Liebe immer eine Art Flucht



Was

mir

die

Birke

erzählt:


... ohne SelbstLiebe ist Liebe immer eine Art Flucht ...
... Flucht vor sich selbst ...
Genauer: Es existiert in Wahrheit kein Selbst ...
Und genau davor flieht man zu einem oder einer anderen hin ...


* * * * * * *
SelbstLiebe

ist,

wenn DU DICH DIR lässt!

* * *

Liebende ohne Selbstliebe leben

Bedürftigkeit, Abhängigkeit.


Liebende, die sich beide zugleich selbst lieben, leben

FÜLLE.

* * *

Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst.

Altes Testament

***

SELBSTLIEBE IST,
wenn ich MIR vertraue,
mir keine Bedingungen stelle.
Wenn MIR meine Anliegen ein Anliegen sind.
Wenn ich aufhöre, mich zu bewerten.
Wenn die Sonne jeden Tag FÜR MICH scheint.
Wenn jede Nacht die Millionen Augen des Alls
MICH besonders liebevoll anblicken.
Wenn ich mich nicht glauben machen lasse,
mich zwischen dem halbvollen
und dem halbleeren Glas entscheiden zu müssen,
sondern die Fülle lebe.
Das Gefäß der Liebe ist ewig voll.


Ich habe eine nach außen hin sehr selbstbewusste, im Leben stehende und das Leben meisternde Frau gekannt, Leiterin einer überregional bekannten Tanzschule, erfolgreich, anerkannt, bewundert. Sie tanzte, choreographierte, komponierte ... sie war einfach vielseitig und kreativ.
Sie hatte immer wieder Schmerzen, aber sie glaubte an die Selbstheilungskräfte in sich; sie arbeitete bewusst mit und an sich.
Das ging lange Zeit so.
Als sie zum Arzt ging, weil sie es vor Schmerzen nicht mehr aushielt, war es zu spät. - Der Krebs war zu weit fortgeschritten.

Selbstliebe liebt und nimmt auch die eigenen Ängste an, auch die vor einer möglichen Krankheit.
Sich selbst heilen wollen kann auch eine Flucht sein. Manchmal besteht wahre geistige Heilung im ganz profanen Weg zum traditionellen Arzt, zu einer Shiatsu-Therapeutin, zu einem Kinesiologen - im rechtzeitigen Gang -; weil man sich liebt.
Weil man eines Menschen bedarf, der für einen etwas tut ...
Dies anzunehmen, auch darin kann Selbstheilung bestehen ... und Selbstliebe.


Wir neigen dazu, immer Ersatz zu suchen:
eine Ersatz-Mutter, einen Ersatz-Vater, eine Ersatz-Liebe,
einen Ersatz-Geliebten, eine Ersatz-Geliebte.
Doch all das ist in unserer großen Seele selbst - als Original.

Original kommt von lat. origo: Ursprung, Erstfassung, Beginn.

Wenn wir uns selbst lieben, lieben wir nicht den Ersatz,
ein Imitat, ein Duplikat, ein Plagiat,
sondern unseren Ursprung,
unsere Ursprünglichkeit
uns selbst.
Dann
finden wir auch im Außen,
was wir in uns ent-deckt haben:
die wahre Mutter,
das Ewig-Weibliche,
den wahren Vater,
unsere Wurzel,
Liebe.









Samstag, 23. Dezember 2023

"still war das Land, / als die Liebe den Weg in das Leben fand" - Weihnachten 2023


IN BETHLEHEM

von Silvia Szödy

In Bethlehem, in dieser Nacht,
wurde die Liebe ins Leben gebracht.
Noch wusste es niemand, still schlief das Land,
es war nur Maria und Josef bekannt.

Ein Stern strahlte hell und leuchtete klar,
als Maria im Stalle den Christus gebar.
Die dunkle Nacht verlor ihren Schrecken,
das Licht dieses Sterns konnte Menschen erwecken.

Das Kind in der Krippe wusste Bescheid,
sein Herz voller Liebe, und der Weg war noch weit.
Sein Lächeln war froh und die Augen voll Licht,
als es blickte in seiner Mutter Gesicht.

Auch Ochse und Esel konnten es spüren,
dies Kind in der Krippe wird Herzen berühren.
Noch wusste es niemand, still war das Land,
als die Liebe den Weg in das Leben fand.


Im Zusammenhang mit Weihnachten ist in diesem Jahr mir etwas sehr bedeutsam geworden, wie sehr nämlich tatsächlich oft Liebe eine Illusion sein mag und wie bedeutend auf diesem Hintergrund der Zusammenhang von Weihnachten mit der Aussage aus dem Johannes-Evangelium ist: „Also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab“.

An Weihnachten wird bekanntlich Jesus, der zukünftige Träger dieses eingeborenen, das heißt, einzigen und einzigartigen Sohnes, den wir Christus nennen, geboren. Er wird ihn tragen ab der Taufe durch Johannes im Jordan, wenn Gott sagen wird: „Dies ist mein lieber Sohn!“ Zunehmend werden ab diesem Zeitpunkt Jesus und Christus miteinander verschmelzen und der Höhepunkt dieser Verschmelzung wird Golgatha sein.

Was aber hat das mit der Aussage aus dem Johannes-Evangelium zu tun?

Bei Rudolf Steiner, dem Chef der Anthroposophen - ob er noch heute deren Chef sein wollte, da bin ich mir nicht unbedingt so sicher – habe ich etwas in Bezug auf die Liebe gelesen, was mich durchaus betroffen gemacht hat:

Er sagte dass Liebe meistens eine Illusion sei.

Die Menschen würden nicht das Gegenüber, um das es ihnen doch angeblich geht, lieben, sondern vielmehr das Gefühl, das sie in sich empfinden, wenn sie glauben, einen andern zu lieben. Sie lieben also in Wirklichkeit nicht den anderen, sondern ihr tolles Liebesgefühl. In Wirklichkeit sind sie also verliebt in ihr eigenes Gefühl. Da dieses Gefühl in ihnen ist, lieben sie im Grunde also sich selbst, nicht den andern.

Wenn man sich mit dieser Aussage auseinandersetzt, beginnt man fast automatisch seine (bisherigen) Liebesverhältnisse zu überprüfen: habe ich mich jeweils selbst geliebt, mein Gefühl von und für Liebe, oder habe ich wirklich den oder die andere geliebt?
Wahre Liebe hängt davon ab, ob ich etwas, ob ich jemanden außerhalb von mir liebe. Nur wenn ich über die Selbstliebe hinaus, und einen klitzekleinen Teil der Welt, einen anderen liebe, dann liebe ich wirklich so, wie ich es doch glaube.

Natürlich ist Selbstliebe wichtig. Es heißt in der Bibel zurecht. „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“, aber diese Selbstliebe sollte eine bewusste Selbstliebe sein, keine Selbstliebe, die letztendlich auf einem Irrtum basiert, auf dem nämlich dass, man doch einen anderen liebe.

Wahre und ehrliche Selbstliebe ist sehr wichtig. Das ist sozusagen der Yang-Teil der Liebe. Der Yin-Teil geht nach außen und je mehr ich in der Lage bin, die Welt zu lieben, desto mehr kann ich diesen Yin-Teil lieben. 

Deshalb ist die Aussage so wichtig, dass Gott die Welt liebt. Ich habe keinen Zweifel, dass Gott auch sich selbst liebt, sehr ehrlich und aufrichtig sich selbst liebt, seinen Yang-Teil, wie ich ihn genannt habe. Aber er liebt eben auch die Welt, die er geschaffen hat und weil er zu einem bestimmten Zeitpunkt erkannte, wie gefährdet diese Schöpfung ist - Luzifer und Satan lassen grüßen -, hat er sich entschlossen, sie zu retten, um sein Schöpfungswerk fortzusetzen. Deshalb hat er ziemlich genau zur Halbzeit der sieben Schöpfungstage seinen Sohn – man kann es nicht anders sagen – geopfert, um dieses Werk zu einem glücklichen Ende zu bringen. So sehr steht er zu seinem Werk - es war ihm ein Sohnesopfer wert. 

Das mag uns zu denken geben, dass wir in dem, was wir tun, uns selbst lieben, und zugleich, wenn es denn erforderlich ist, zu höchstem Opfer bereit sind - möglich ist das allein durch die Kraft der Liebe.

PS: Wer möchte, kann im Rahmen des You-Tube-Links die Worte des Gedichtes aufnehmen, untermalt von einer Komposition Zsolt Szödys und Zeit finden, sich eigenen Gedanken zu widmen - an Weihnachten mag man sich die Zeit nehmen …

https://www.youtube.com/watch?v=XkebsGvaoTk

Samstag, 22. Dezember 2007

... mit den Hirten gehen ... Weihnachten 2007

"Einhorn mit Marienkapelle".
Dieses Weihnachtsgeschenk, ein Scherenschnitt, entstammt den künstlerischen Händen einer lieben früheren Kollegin. - Und ihrem Herzen!
Mit ihrem Einverständnis darf ich es veröffentlichen.


Weihnachten, wie ich es 2007 erlebe, ist Weihnachten aus der Sicht der Hirten.

Auf den Gemälden der großen Meister finden wir Maria und Joseph, dazu das Kind in der Krippe liegend, und bisweilen sieht man noch die Tiere, den Ochsen und den Esel …
Bisweilen ist die Krippe gebettet in einen Strahlenkranz von Licht, dessen Quelle von dem Kind ausgeht.
In dem Stall befindet sich wenig, kaum sehen wir Gegenstände, die den Blick anziehen oder verstellen könnten.
Wäre Jesus in einem Palast geboren worden, so hingen schwere Leuchter von der Decke, Joseph säße auf einem Plüschsofa, ein Butler stünde im Hintergrund und Maria fänden wir bemuttert von einer Hebamme.
Nichts von alledem.
Im Mittelpunkt: das Kind, gebettet in Licht, selbst Licht.
In der Schöpfungsgeschichte wurde das Licht geschaffen und trat in das Bewusstsein der Schöpfung, in Bethlehem wurde es geboren, auf die Erde gebracht durch den Schoß einer Frau: Maria. In einem Stall.
Unangemessen für Jesus?
Gewiss nicht, denn:
Das Wort Stall entstammt der gleichen indogermanischen Wurzel wie das Wort still.
Der Stall an sich ist also schon von der Wortbedeutung her ein stiller Raum.
In der Stille dieses stillen und natürlichen Raumes und einer Nacht, die dadurch heilig wurde, konnte Jesus geboren werden.
Wer aber vermag die Bedeutung der Stille zu erfassen?
Es sind die Hirten, auch des Nachts hüten sie ihre Herde.
Auch nachts!
Nacht steht für das Unbewusste im Menschen, und da, wo bei so vielen verdrängte Gefühle toben und grollen, da sind auch Hirten friedlich, im Frieden mit sich. Umgeben von ihren Schafen.
Jedem von uns kann dieses Hirtenbewusstsein zuteil werden, doch nur wenige können es leben.
Warum?
Weil vielen von uns ihre Schäfchen, ihre Lämmer abhanden gekommen sind.
Schafe stehen für das Wichtigste, was ein Mensch haben kann.
Unsere Lämmer, unsere Schafe versinnbildlichen unsere Liebe. Wie Schäfchen braucht unsere Liebe Vertrauen in uns und wir vertrauen ihr. Wie Schäfchen sich aneinander kuscheln und sich Wärme geben, so kuscheln wir uns an unsere Liebe, und sie wärmt uns in einer kalten Nacht. Schäfchen frieren nicht.
Es ist phaszinierend zu beobachten, was eine Schafherde, die auf einmal hinter der Biegung einer Straße auftaucht, in den Menschen auslöst.
Das ist gewiss kein Zufall.
Es hängt mit der Symbolik der Schafe zusammen, die wir alle intuitiv spüren.
Wir sehen das Bild vor uns: Der Schäfer steht aufrecht inmitten seiner Schafe, in eins mit seinem Schäferstab, seinen Mantel um sich gelegt neben sich seinen Schäferhund – ein Bild der Ruhe, des Friedens, des Vertrauens, des Versöhntseins mit dem Leben, mit der Natur.
Der Schäfer, das ist das Selbst jedes Menschen, und um sich versammelt hat er seine Lieben, seine Liebe. Ein Bild wahrer, tiefer Frömmigkeit, wir sprechen von lammfromm. Und wenn wir es recht verstehen, bedeutet, fromm wie ein Lamm zu sein, das Bekenntnis zum Weg Jesu.
Jesus ist der gute Hirte und dieser Hirte ist der Archetypus des Heilands in uns, für den das Leben heil ist. - Dieser Schäfer mit seinen Schäfchen, das ist in uns, ist der Frieden unserer Seele.
Viele Menschen jedoch empfinden ihr Leben als heillos. Nur mühsam kitten sie die Risse, aus denen die Heillosigkeit herausdampfen will. In ihnen gibt es diesen Schäfer mit seiner Herde nicht, in ihnen gibt es nur diese große Sehnsucht, heil zu sein.
Wir haben unsere Schafe verloren, zumindest einen Teil von ihnen. Oft sind sie weggetrieben von nahen Verwandten, ja von Vater oder Mutter.
Kaum zu glauben , aber wahr: Die meisten und größten Räubereien und Diebstähle finden in den Familien statt!
Nicht selten finden wir in Familien Kinder, die – verglichen mit Geschwistern - einer verwelkten Blume ähneln, denen es jedenfalls bei weitem nicht so gut geht wie Bruder oder Schwester.
Da wird der eine Sohn ein erfolgreicher Kaufmann, der andere ist Alkoholiker, die eine Tochter ist Schulleiterin, eine andere hat das Studium abgebrochen und hat den Beruf ergriffen, der letztendlich übrig blieb.
Oder die Mutter ist eine erfolgreiche Politikerin, doch das eine Kind ist ständig krank, das andere schmeißt seine Lehre.
Mittlerweile wissen wir auf Grund von Familienaufstellungen und einem Zugang zu seelischem Wissen, wie sehr im Leben der Menschen solche Vorkommnisse Realität sind und womit sie zusammenhängen.


Es ist noch nicht so lange her, dass ich mir selbst in meiner Familie meine Schafe zurückgeholt habe, und es geht nicht anders, als allen Beteiligten gegenüber klipp und klar offenzulegen, wie vergangene Familienwirklichkeiten Einfluss nahmen. Wenn wir beim Namen nennen, was geschehen ist, wenn wir ans Tageslicht holen, was im Dunkeln munkelt, kann eine Umverteilung stattfinden. Im Licht kann alles seinen richtigen Ort, seinen Stellen-Wert finden. Wir müssen darauf bestehen und der Dreistigkeit Einhalt gebieten. Wir tun ja sogar denen, die wie ein Dieb in der Nacht Schäfchen entwendeten, einen Gefallen, wenn sie auch zetern, denn:
Niemand wird mit fremden Schäfchen glücklich. Warum aber holen sich dennoch Menschen fremde Schafe? Treiben dem Bruder oder der Schwester die Schäfchen weg, nehmen sich vom Familienkuchen viel mehr, viel mehr an Energie, als ihnen zusteht?
Warum horten Menschen Macht?
Warum horten sie Geld, während andere darben?
Wo doch das letzte Hemd keine Taschen hat …
Genau deshalb tun sie es. Das Mehr soll das Meer ersetzen.
Wofür steht das Meer?
Für das umfassende Sein. Es umfasst auch Leben und Tod. Wozu noch >mehr
Das Wasserelement steht für den Gefühlsbereich des Menschen, das Meer mithin für die Fülle wahrer Gefühle, wahren Lebens, für Selbstliebe und Nächstenliebe.
Niemand braucht in sich ein zweites Meer.
Wer keine Selbstliebe hat, hat seine Schafe nicht bei sich, er hat sie verloren. Deshalb braucht er fremde Schafe. Aber es sind nicht seine!
Die fremden Schafe stehen für dieses Mehr. Mehr haben wollen. Immer mehr.
Doch kein fremdes Schaf kann auch nur einen Tropfen der Fülle des eigenen Meeres ersetzen. Des Meeres, das für umfassendes Fühlen steht. Wir verstehen, was es bedeutet, wenn Franz Kafka von dem ´gefrorenen Meer in uns´ spricht; er spricht von seinem eigenen. Wenn wir seine Romane, Erzählungen und Parabeln lesen, verstehen wir, wie ein gefrorenes Meer sich liest.
Die Hirten in der Nacht hüten IHRE Herde!
Es ist arrogant zu glauben, Hirten seien ungebildete Leute gewesen.
Sie waren voller Kraft und Bewusstsein. Sie waren voller Selbstliebe.
In diesem Bewusstsein hätten Menschen die Liebe nicht ans Kreuz genagelt.
Hirten waren Hüter ihrer eigenen Herde und nur deshalb konnten sie zu Hütern dieser Herrlichkeit der Heiligen Nacht und zu deren Verkünder werden.
Nur wer sich selbst liebt, ist in der Lage, die wahre Liebe zu erkennen.
Nur wer seine eigene Herde weidet, zu dem kann Jesus, wie am Ende des Johannes-Evangeliums geschehen, sagen:
"Weide meine Lämmer!"
Lämmer können Worte der Herrlichkeit sein, Taten der Liebe, Gebete für den Nächsten.
Vor allem aber stehen die Lämmer, die jeder Hirte sein eigen nennt, für Selbstliebe.
Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst.
Ohne Selbstliebe, ohne die eigenen Schäfchen geht das nicht!
Nur wer sich selbst liebt, steht nicht in Gefahr, die Liebe Gottes zu missbrauchen, ein Missbrauch, der nicht nur in Familien, sondern auch in den Amtskirchen immer wieder geschieht, wenn Ehre einem Menschen oder einer Gruppe von Menschen gezollt wird anstatt Gott.
Hirten konnten in der Heiligen Nacht staunen, glauben und höheres Wissen weitergeben aus obigem Grund.
Wer keine Selbstliebe hat, verheimlicht Liebe, entzieht Liebe, entzieht Freude, verheimlicht Freude.
Wer genug Liebe hat, lässt andere Anteil haben, will weitergeben, will mitteilen, will verkünden …
Wie die Hirten dies taten.
Mir geht durch den Sinn, dass wir mehr Lehrer bräuchten, die in diesem Sinne Hirten sind.
So viele Menschen, die am Heiligen Abend in der Kirche sitzen, würden keinem Hirten glauben, wenn er kommt und wie Gabriel sagt: Euch ist heute der Heiland geboren ... Was für eine Bescherung wäre das auch, wenn die Bescherung ausfallen müsste, nur weil der Heiland geboren ist ... Doch genau das ist die Wirklichkeit des einstmals christlichen Abendlandes.
Die Hirten gingen und breiteten das Wort aus, das ihnen von den Engeln gesagt ward und das sie selbst gesehen hatten; der Evangelist Johannes wird schreiben:
"Das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns.
Und wir sahen seine Herrlichkeit ..."

Hirten sehen diese Herrlichkeit.

Sonntag, 28. Februar 2016

♡ Liebe ist unteilbar! - Über das Wesen von Liebe, Selbstliebe, Selbstsucht und selbstloser Mutterliebe.

Bevor ich in obigem Zusammenhang zentrale Passagen aus Erich Fromms so bemerkenswertem und hilfreichem Werk Die Kunst des Liebens zitiere, vorab 12 Punkte zum Wesen der Liebe:

  • Sie ist nicht das berühmte Eiapopeia, in dem manche gern ihre eigene Liebesunfähigkeit ertränken. - Man kann sie auch nicht kaufen, nicht pachten, nicht besitzen. Sie ist ein Elixier, dessen man sich auf der Erde nie sicher sein sollte.
  • Manche sogenannte Christen reden ständig von der Liebe Gottes, um zu kaschieren, dass sie keine Ahnung von ihr haben.
  • Wer Briefe und Mails mit lb. Grüße und Ähnlichem beendet, steht im dringenden Verdacht, wenig von der Liebe zu halten - sie lässt sich nicht verkürzen. Gleiches gilt für in manchen Kreisen ständig vorkommende Licht-und-Liebe-DrohungenGrüße. - Die Liebe eignet sich nicht für Floskeln.
  • Wer selbstlos liebt und selbstlos ist, ist möglicherweise sein Selbst los.
  • Wer sich selbst wirklich lieben möchte, darf sich tatsächlich kein Bild von sich machen. Das ist das Ende der Liebe. Wer sich selbst liebt, dehnt sich aus wie das All, wie Gottes Schöpfung, von der jener sich vielleicht selbst kein Bild macht, sie in keinen Rahmen spannt. Wie viel mehr sollten wir das unterlassen! Vor allem eben in Bezug auf uns. - Wissen wir, wohin wir uns noch ausdehnen?
  • Um die Liebe weiß nur wirklich, wer um seine eigenen Schatten weiß, also jene unbelichteten und dunklen Teile unserer Seele, die oft nur die anderen sehen. In Afrika ist es bei manchen Stämmen ein Tabubruch, auf den Schatten eines Anderen zu treten. Man tritt nicht auf einen Menschen; der Schatten ist ein Teil von ihm.
  • Gott - soweit man an ihn glaubt - hat das Wesen des Menschen als polar, als yin-yang-Struktur angelegt, sonst hätten sich Adam und Eva nicht vom göttlichen Sein weg, von innen nach außen bewegen können. 
  • Das Dunkle, der Schatten gehört zum alttestamentarischen Wesen Gottes, zu Jahwe; er lebt es in seinen Aufforderungen zum Töten und gnadenlosen Bestrafen zum Teil exzessiv aus. Zum Teil zeigen sich zugleich bei ihm Züge tiefster Weisheit (wenn ich das richtig sehe). Vielleicht stimmt das Verständnis C.G. Jungs, dass Hiob unter dem Schatten, unter der dunklen Seite Jahwes zu leiden hatte.
  • Mich erinnert die Religion der Juden, des Islam und eines sich in Kreuzzügen und der Inquisition ausgetobt habenden Christentums an dieses archaische, alttestamentarische Verständnis von Religion. Was sich im Nahen Osten abspielt, hängt womöglich maßgeblich damit zusammen; so viel Zorn, Gewalt und Gnadenlosigkeit sind schrecklich. Leider ist ein neues Verständnis, wie ich es im Neuen Testament zu finden glaube, auch bei den allermeisten Christen noch nicht angekommen. Man erkennt es oft an ihren gnadenlosen Urteilen und wie genau sie wissen, was Gott will.
  • Was wir als Böses, als Dunkles, als Schatten bezeichnen, ist womöglich nicht das, was ursprünglich eine der beiden sich polar gegenüberstehenden Seiten ausmachte. Für die Erde mag unser Verständnis  zutreffen, nicht aber für die ursprüngliche göttlich-duale Struktur. Wie die 10 Sefiroth im Sohar nicht nur zwei, sondern drei Ebenen haben, sowohl vertikal, als auch horizontal, so mag es schon immer im Göttlichen eine dritte Ebene gegeben haben, die zwischen den beiden sich polar gegenüberstehenden Ebenen vermittelte. Nie konnte sich dort eine der beiden Seiten verselbständigen. Wenn das allerdings geschieht, dann allerdings kann es Mord und Totschlag geben - wir Menschen kennen das nur zu gut.
  • Unser Verstand kann das Wort Liebe in Buchstaben zerlegen, so wie er eine Rose sezieren kann. Nur hat das mit dem Wesen der Liebe nichts zu tun.
  • Vielleicht haben auch Erich Fromm, Meister Eckehart, Laotse und andere Recht, dass unsere Welt nur eine unserer Gedanken ist mit ihren Gegensätzen von Krieg und Frieden, oben und unten oder Himmel und Erde, dass aber jenseits der Welt unserer Gedanken es eine wirkliche gibt, eine Welt ohne Gegensätze, eine Welt reiner Liebe. Wenn es sie gibt, vermute ich, gelangt man nur zu ihr über tiefste Demut, über das Loslassen der eigenen Welt der Gedanken. - Man kann sie nur loslassen, wenn man an Unbegreifliches glaubt, also an die Liebe.

Ich zitiere im Folgenden nun aus dem Kapitel Die Objekte der Liebe in Fromms Die Kunst des Liebens:

Die Liebe zu einem Menschen umfasst die zu den Menschen als solche. Die Art der "Arbeitsteilung", bei der man zwar die eigene Familie liebt, für den "Fremden" jedoch nichts empfindet, ist ein Zeichen für die grundsätzliche Unfähigkeit zu lieben. (...) Wenn ein Individuum in der Lage ist, schöpferisch zu lieben, liebt es sich selbst auch; wenn es jedoch nur den anderen lieben kann, ist es unfähig zu lieben. (...)
Die selbstsüchtige Person ist nur an sich selbst interessiert, will alles nur für sich und empfindet keine Freude im Geben, sondern lediglich am Nehmen. Die Umwelt interessiert nur, soweit man etwas aus ihr herausholen kann; das Interesse am anderen fehlt und genauso ist es mit dem Respekt und der Würde und Integrität anderer. (...) Selbstsucht und Selbstliebe sind keineswegs miteinander identisch, sondern in Wirklichkeit Gegensätze. Der selbstüchtige Mensch liebt sich nicht zuviel, sondern zuwenig. Der Mangel an Liebe und Fürsorge für sich, der lediglich ein Ausdruck des Mangels an innerer Produktivität ist, läßt ihn leer und enttäuscht zurück. (...) 
Die Selbstucht ist leichter zu verstehen, wenn man sie mit dem besitzgierigen Interesse vergleicht, das man zum Beispiel bei einer überängstlichen Mutter findet. Während sie ehrlich überzeugt ist, ihrem Kind besonders zugetan zu sein, empfindet sie tatsächlich eine allerdings fast völlig verdrängte Feindschaft  gegen das Objekt ihrer Zuneigung. Überbesorgt ist sie nicht, weil sie das Kind zu sehr liebt, sondern weil sie einen Ausgleich haben muß für ihren Mangel an Fähigkeit, das Kind überhaupt zu lieben. (...) 
Sie glaubt, daß die Kinder durch ihre Selbstlosigkeit erkennen, was es heißt, geliebt zu werden, und daß sie andererseits dadurch erkennen und lernen, was lieben heißt. Die Wirkung ihrer Selbstlosigkeit entspricht jedoch keineswegs ihren Erwartungen. Die Kinder zeigen nicht das Glück von Menschen, die überzeugt sind, geliebt zu werden; sie sind ängstlich, angespannt, fürchten die Mißbilligung der Mutter und bemühen sich ständig, ihren Erwartungen zu entsprechen. Gewöhnlich werden sie von der versteckten Lebensfeindlichkeit  und Lebensangst ihrer Mutter angesteckt, die sie nicht so sehr bewußt erkennen als vielmehr spüren. Alles in allem ist die Wirkung der »selbstlosen« Mutter von der selbstsüchtigen gar nicht so verschieden: vielmehr ist sie häufig noch schlimmer, weil die Selbstlosigkeit der Mutter die Kinder davon abhält, sie zu kritisieren. Sie leben unter dem Zwang, die Mutter nicht zu enttäuschen; unter der Maske der Tugend lehrt man sie, das Leben zu verachten. Wenn man die Möglichkeit hat, die Wirkung einer Mutter mit echter Selbstliebe zu beobachten, kann man feststellen, daß es für ein Kind und sein Erlebnis dessen, was Liebe, Freude und Glück sind, nichts Förderlicheres gibt, als von einer Mutter geliebt zu werden, die sich selbst liebt. 
Diese Idee der Selbstliebe kann nicht besser zusammengefaßt werden als in einem Zitat Meister Eckarts: »Hast du dich selbst lieb, so  hast du alle Menschen lieb wie dich selbst. Solange du einen einzigen Menschen weniger lieb hast als dich selbst, so hast du dich selbst nie wahrhaft lieb gewonnen, - wenn du nicht alle Menschen so lieb hast wie dich selbst, in einem Menschen alle Menschen; und dieser Mensch ist Gott und Mensch. So steht es recht mit einem solchen Menschen, der sich selbst lieb hat und alle Menschen so lieb wie sich selbst, und mit dem ist es gar recht bestellt.«

Mittwoch, 1. Oktober 2008

Kein Mensch steht auf einem Bein: Ohne Selbtliebe keine Liebe.

Sich selbst zu lieben und dafür eine Vorstellung und ein Gefühl zu entwickeln: das ist nicht einfach.
Stell Dir vor, Du sagst - wie es in einem Lied heißt - zu Dir selbst:

Die Wärme, wenn du lachst,
wenn du am Morgen sagst:
Mein Schatz, ich liebe dich so sehr …

Solche Worte zu unserem Selbst, zu unserem Ich, das sind wir nicht gewohnt – und doch sind sie denkbar, denn was im Lied folgt, gilt auch für uns:

Das gibt an jedem Tag
mir ungeahnte Kraft,
egal, was um mich her geschieht ...

Tatsächlich gibt die Liebe zu uns selbst uns wirkliche Kraft, nichts nämlich setzt mehr Kräfte frei als die Liebe. Liebe macht uns zudem unverwundbar und: Wenn wir uns lieben, wer kann uns von uns selbst trennen?
Niemand.
Es ist eben deshalb diese Weisheit des Alten Testamentes so wichtig zu verstehen:

Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst.

Nur in dieser Wechselwirkung ist LIEBE überhaupt möglich. Kein Mensch steht auf einem Bein.
Jakim und Boas sind ebenfalls zwei Säulen zum Eingang des Salomonischen Tempels; auch sie stehen für Liebe und Selbstliebe, denn der Tempel symbolisiert die göttliche Seele des Menschen.

In dieser Selbstliebe also sprechen wir zu uns:

Was wär ich ohne dich ...

Was nur sind wir, bevor die Liebe zu uns kommt, die Selbstliebe?

Wenn Du das folgende Lied in allen Teilen auf Dich selbst beziehen kannst: Dann ist die Liebe da!


Was wär' ich ohne dich,
mein Leben wäre wie ein Tag ganz ohne Licht,
der ohne Hoffnung, ohne Trost und Zuversicht.
Was wäre ich.

Was war ich ohne dich,
bevor du zu mir kamst,
Was war ich ohne dich,
ich weiß es selber nicht,
doch eines, das weiß ich:
Ich liebe dich.

Die Wärme, wenn du lachst,
wenn du am Morgen sagst:
Mein Schatz, ich liebe dich so sehr:
Das gibt an jedem Tag
mir ungeahnte Kraft;
egal, was um mich her geschieht.

Du bist die Mauer, die mich hält
du bist mein Alles auf der Welt;
auf der Welt.

Was wär' ich ohne dich;
mein Leben wäre wie ein Tag ganz ohne Licht,
der ohne Hoffnung, ohne Trost und Zuversicht.
Was wäre ich.

Was war ich ohne dich,
bevor du zu mir kamst.
Was war ich ohne dich,
ich weiß es selber nicht,
doch eines, das weiß ich:
Ich liebe dich.

In Wahrheit ist es so:

Wer von Liebe spricht und sich nicht liebt, weiß nicht,
wovon er spricht, wenn er von Liebe spricht!

Samstag, 29. Dezember 2007

* S E L B S T L I E B E *




* S E L B S T L I E B E *

Wie gewinne ich Zugang zu ihr?
Worin zeigt sie sich?

Ich möchte zunächst sagen, mit was sie beginnt.

Sie beginnt mit einer Entlassung.

Einer Entlassung aus dem Gefängnis.

Aus dem Gefängnis der eigenen Bilder.

Das zweite der Zehn Gebote bezieht sich nicht nur auf Gott, wenn es heißt:

Du sollst dir kein Bildnis noch irgendein Gleichnis machen ...

denn es heißt ausdrücklich:

… weder von dem, was oben im Himmel, noch von dem, was unten auf Erden, noch von dem, 
was im Wasser unter der Erde ist.

Auch nicht von dem, was auf der Erde ist! Es gilt eben, wie es im Vater unser schon heißt, vieles wie im Himmel so auf Erden.

Kein Bildnis!

Sich kein Bildnis machen, auch nicht von den Erdenbewohnern!

Max Frisch hat dazu in seinem Tagebuch 1946-1949 einen eingebungsvollen Text geschrieben, der sich darauf bezieht, wie sehr die Liebe zu einem anderen abhängig ist von dem Bild, das man sich von ihm > nicht < macht!

Es ist bemerkenswert, dass wir gerade von dem Menschen, den wir lieben, am mindesten aussagen können, wie er sei. Wir lieben ihn einfach. Eben darin besteht ja die Liebe, das Wunderbare an der Liebe, dass sie uns in der Schwebe des Lebendigen hält, in der Bereitschaft, einem Menschen zu folgen in allen seinen möglichen Entfaltungen. Wir wissen, dass jeder Mensch, wenn man ihn liebt, sich wie verwandelt fühlt, wie entfaltet, und dass auch dem Liebenden sich alles entfaltet, das Nächste, das lange Bekannte. Vieles sieht er wie zum ersten Male. Die Liebe befreit es aus jeglichem Bildnis. Das ist das Erregende, das Abenteuerliche, das eigentlich Spannende, dass wir mit den Menschen, die wir lieben, nicht fertig werden: weil wir sie lieben; solang wir sie lieben. Man höre bloß die Dichter, wenn sie lieben; sie tappen nach Vergleichen, als wären sie betrunken, sie greifen nach allen Dingen im All, nach Blumen und Tieren, nach Wolken, nach Sternen und Meeren. Warum? So wie das All, wie Gottes unerschöpfliche Geräumigkeit, schrankenlos, alles Möglichen voll, aller Geheimnisse voll, unfassbar ist der Mensch, den man liebt - Nur die Liebe erträgt ihn so.


Wenn ich im Unterricht begreifbar machen möchte, was Selbstliebe bedeutet, dann lasse ich obigen Text so schreiben, dass jeder ihn auf sich selbst bezieht, ihn also in Ich-Form neu fasst.

Jedes Mal auf´s Neue bin ich ergriffen, wenn ich ihn auf mich beziehe:

Es ist bemerkenswert, dass ich gerade von mir, dem Menschen, den ich liebe, am mindesten aussagen kann, wie ich bin. Ich liebe mich einfach. Eben darin besteht ja die Liebe, das Wunderbare an der Liebe, dass sie mich in der Schwebe des Lebendigen hält, in der Bereitschaft, mir zu folgen in allen meinen möglichen Entfaltungen. Ich weiß, dass jeder Mensch, wenn ich ihn liebe, sich wie verwandelt fühlt, wie entfaltet, und dass auch mir, dem also, der sich selbst liebt, sich alles entfaltet, das Nächste, das lange Bekannte. Vieles sehe ich wie zum ersten Male. Die Liebe befreit mich aus jeglichem Bildnis.

Das ist das Erregende, das Abenteuerliche, das eigentlich Spannende, dass ich mit mir, dem Menschen, den ich liebe, nicht fertig werde: weil ich mich liebe; solang ich mich liebe. Man höre bloß die Dichter, wenn sie lieben; sie tappen nach Vergleichen, als wären sie betrunken, sie greifen nach allen Dingen im All, nach Blumen und Tieren, nach Wolken, nach Sternen und Meeren. Warum? So wie das All, wie Gottes unerschöpfliche Geräumigkeit, schrankenlos, alles Möglichen voll, aller Geheimnisse voll, unfassbar bin ich für mich, für mich, den Menschen, den ich liebe - Meine Liebe trägt mich so.


Da ist kein >so bin ich eben<, kein >das ist halt typisch für dich< !

                                   Die Liebe befreit aus jeglichem Bildnis. 

Ich gebe mir die Freiheit, mich hinzuentwickeln, wohin ich will. Da gibt es keine Krusten, keine selbstinszenierten Blockaden, kein Selbstmitleid, das zäh an mir klebt und mich sagen lässt: Das schaffe ich nie.

                                              * Liebe liebt selbst Liebe *

... selbst-verständlich ist das noch nicht ...
... man muss dazu sein Selbst verstehen ...
... man versteht es, wenn man selbst-verständlich zu sich steht, mit allem, wie und was man ist und Geduld mit sich hat und sich Zeit gibt.

Es darf und wird Jahre dauern. Gemessen an der Tatsache, dass manche sich ein Leben lang nicht wandeln, sind viele Jahre Geduld mit sich wert.

Die Toten, die Verstorbenen, sind sehr lebendig, wenn das viele auch nicht glauben wollen.

Es ist gut, wenn wir auch als Lebende wirklich lebendig sind, bereit, mit uns in alle Richtungen zu gehen.


Dienstag, 28. Dezember 2010

Herodes - Mordenergie gegen innere Kinder



























Bei Wikipedia lese ich, dass der Kindermord historisch nicht belegt ist:
> Als Kindermord in Bethlehem wird der biblischen Überlieferung nach der Mord an allen Jungen Bethlehems auf Befehl König Herodes des Großen bezeichnet. Laut dem Matthäusevangelium soll Herodes nach Jesu Geburt alle Knaben ermordet haben. [...] Der christlichen Tradition nach werden die Opfer mit dem Begriff Unschuldige Kinder bezeichnet. Wissenschaftlich wird die Geschichte allgemein angezweifelt, da diese Tat durch keine weitere Quelle historisch belegt ist und auch niemals belegt werden kann. […]
Während die griechische Liturgie 14.000 ermordete Knaben nennt und mittelalterliche Autoren bis zu 144.000 Opfer annahmen, sprachen spätere Theologen […] auf Grund der anzunehmenden Größe des Ortes Bethlehem zu biblischen Zeiten nur noch von etwa sechs bis zwanzig erschlagenen Kindern. […]
Es ist zwar belegt, dass Herodes der Große ein so striktes und grausames Regiment geführt hat, und dass er neben Dutzender politischer Gegner sogar einige seiner Verwandten ermorden ließ. Bei dem jüdisch-römischen Historiker Josephus, der alle bekannt gewordenen Verbrechen des Herodes besonderes ausführlich dargestellt hat, wird von einem Kindermord in Bethlehem allerdings nichts berichtet.


Ich sollte mal versuchen, den Wikipedia-Artikel zu erweitern, um aufzuzeigen, dass diesbezüglich, wie fast immer in der Bibel, eine tiefe symbolische Bedeutung verborgen liegt.
Leider muss man hier sagen, denn: Herodes ist oft ein Teil von uns.
Wäre mal interessant zu verfolgen, wie vor diesem Hintergrund die Wikipedia-interne Diskussion verläuft, wenn dieser Aspekt eingebracht wird. – Vielleicht mach ich das mal und dokumentiere es hier.
Bezeichnend ist doch allemal, wie Menschen reagieren, wenn sie mit sich konfrontiert werden, genauer: mit einem Teil von sich.


Man kann ihn, diesen Teil, umbringen.


Wie Herodes die Kinder.


Wie Sophisten, Pharisäer und andere Sokrates, Jesus, Johannes Hus, Giordano Bruno, Mahatma Gandhi, Martin Luther King, Frère Roger, Benazir Buttho …
In Benazir Buttho haben Menschen die Hoffnung auf Weiblichkeit im Umgang miteinander töten wollen. - Gott sei Dank stirbt die Hoffnung nie ...

Herodes ist ein Teil von uns.
Deutlich wird das, wenn wir Menschen begegnen, bei denen es diese Herodeskräfte geschafft haben, ihre inneren Kinder zum Schweigen zu bringen, ja zu töten [falls das möglich ist; irgendwie hoffe ich, dass es nicht möglich ist].


Dann nämlich wird der Erwachsene zum Herodes.

So, wie jemand, dem man zu viel Scham eingeimpft hat, zur Schampersönlichkeit werden kann, so kann jemand, bei dem die Herodeskräfte mehr und mehr die Persönlichkeit dominieren, zum Herodes selbst werden. –
Und wehe, so jemand ist Lehrer … auch das gibt es leider.
Welches Kind da nicht den Rücken krumm macht, das wird rund gemacht, oft unter maßgeblicher Beteiligung der Eltern. Bis die Persönlichkeitsstruktur bis zur Unkenntlichkeit verbogen ist.

Wie nun haben wir uns diesen Teil in uns, den wir als Herodes bezeichnet haben, jenen ganz und gar lieblosen Erwachsenen vorzustellen und was hat es mit dem inneren Kind auf sich?
Die folgenden Informationen habe ich mit leichten eigenen Veränderungen dem - wie ich finde - zweitbesten Buch zum Thema > Inneres Kind <, Erika J. Chopichs und Margaret Pauls "Aussöhnung mit dem inneren Kind" entnommen:

> Unser inneres Kind ist jener Persönlichkeitsteil in uns, der das ganze Spektrum intensiver Gefühle - Freude und Schmerz, Glück und Traurigkeit erlebt. Das innere Kind lebt in der Sphäre von Sein, Fühlen und Erleben, die der rechten Gehirnhälfte zugeordnet ist.
Im Gegensatz dazu steht der Erwachsene, der über das Machen, Denken und Handeln der linken Gehirnhälfte gebietet, zugleich aber eben­falls über eine ganze Skala von Gefühlen verfügt. »Tun« be­zieht sich auf die äußere Welt und auf Aktivität, während »Sein« sich auf die Existenz auf einer inneren, emotionalen und spirituellen Ebene bezieht. »Tun« ist eine äußere Erfahrung, während »Sein« eine innere Erfahrung ist. [...]
In unserem inneren Kind sind die Gefühle, Erinnerungen und Erfahrungen aus der Kindheit gespeichert, an die wir uns zurückerinnern können, wenn wir versuchen, von ihm zu lernen.
Wir können das Kind auf unterschiedliche Weise betrachten: als Kind, das vom inneren Erwachsenen geliebt wird, und als Kind, das nicht geliebt, das kritisiert, vernachlässigt und vom inneren Erwachsenen verlassen wird. Es gibt aber nur ein einzi­ges inneres Kind. Zu jedem Zeitpunkt wird dieses Kind vom inneren Erwachsenen entweder geliebt oder nicht geliebt, und seine Gefühle und sein Verhalten resultieren direkt daraus, ob der innere Erwachsene die Wünsche, Bedürfnisse und Gefühle des Kindes kennenlernen und die Verantwortung für sie über­nehmen möchte oder ob er sich vor diesem Wissen und dieser Verantwortung schützen will.
Wenn der innere Erwachsene sich davor schützen möchte, die Gefühle und Bedürfnisse des Kindes wahrzunehmen und es ablehnt, die Verantwortung für sie zu übernehmen, dann trennt er sich durch die verschiedenen Formen von Selbstanklage, Vernachlässigung und Bequemlichkeit von seinem inneren Kind. 


Auch Herodes wollte sich vor solchen Herausforderungen schützen.
Auch Herodes fühlte sich bedroht. - Bedroht durch ein Kind, das Liebe in die Welt brachte.
Der lieblose Erwachsene, genannt Herodes, sah sein Regime gefährdet. Dieser Verunsicherung begegnete er radikal.
Radikal wollte er sich von allen Kindern entsprechenden Alters trennen. - Damit er sich der Herausforderung des göttlichen Kindes nicht stellen muss, der Liebe.
Wenn das Kind erwachsen ist, werden die Menschen den Erwachsenen umbringen, damit sie sich der Herausforderung jenes Kindes, das in ihm lebt, nicht stellen müssen: der Liebe.
Geschehen auf Golgatha.

Zurück zu dem Erwachsenen auf dem Herodesweg: Er entscheidet sich dafür, keine Verantwortung für die Freude des Kindes zu überneh­men. Er misst Aufgaben, Regeln, Verpflichtungen und Scham- und Schuldgefühlen einen größeren Wert bei als dem Gefühl, in Kontakt mit sich selbst zu sein.
Der lieblose Erwachsene spaltet so das innere Kind ab und lässt es durch seine Entschei­dung, ein autoritärer oder gleichgültiger Elternteil zu sein, im Stich.
Wenn der lieblose Erwachsene autoritär ist, dann ist er kritisch, verurteilend, herabsetzend und/oder kontrollierend.
Der lieblose Erwachsene sagt sowohl seinem inneren Kind als auch einem Kind in seiner Lebenswirklichkeit, dass es schlecht, falsch, unzulänglich, dumm, selbstsüchtig oder unwichtig sei, und erklärt seine Gefühle für unwichtig. Er versucht, das Kind zu kontrollie­ren, indem er ihm sagt, was es tun sollte oder nicht tun sollte, und hält ihm all die schlimmen Dinge vor, die passieren kön­nen, wenn es etwas »nicht richtig« macht.
Der lieblose Er­wachsene sagt dem Kind, dass es nur dann liebevoll sei, wenn es sich selbst aufopfere, und dass es selbstsüchtig sei, sich selbst glücklich zu machen. [...]

Der lieblose Erwachsene, der lieblose Gebote der El­tern und der Gesellschaft verinnerlicht hat, zwingt dem inne­ren Kind Regeln auf, die nach Melody Beattie u.a. in folgenden Glaubensmustern ihren Niederschlag finden - eine Auswahl:

• Spüre deine Gefühle nicht, und sprich nicht über sie.
• Denke nicht, suche nicht nach Lösungen und triff keine Entscheidungen - du weißt möglicherweise nicht, was du willst oder was das Beste für dich ist.
• Nimm Probleme nicht wahr, erwähne sie nicht und löse sie nicht - es ist nicht gut, welche zu haben, vertusche sie besser; Du wirkst sonst nur schwach.
• Sei gut, anständig, perfekt und stark.
• Sei nicht, wer du bist, denn das ist nicht gut genug.
• Sei nicht egoistisch, stelle dich nicht an die erste Stelle, sage nicht, was du willst oder brauchst, sage nicht nein, setze keine Grenzen, und sorge nicht für dich - sorge immer für andere.
• Verletze die Gefühle der anderen nicht; mache sie nicht wütend.
• Sei nicht lustig oder albern, und genieße dein Leben nicht - es kostet Geld, macht Lärm und ist nicht nötig.
• Vertraue nicht dir selbst, deinem höheren Selbst, dem Prozeß des Lebens oder bestimmten Menschen - setze statt dessen Vertrauen in betrügerische Menschen; reagiere dann überrascht, wenn sie dich hereinlegen.
• Sei nicht offen, ehrlich oder direkt - sprich in Andeutungen, manipuliere, bringe andere dazu, für dich zu sprechen. Er­rate, was sie wollen und brauchen, und erwarte von ihnen, dass sie dasselbe für dich tun.
• Komme niemandem nahe - du machst dich dadurch verletz­bar.
• Störe das bestehende System nicht, indem du wächst oder dich veränderst.
• Mache immer ein fröhliches Gesicht, egal wie du dich fühlst oder was du zu tun hast.

Unser liebloser Erwachsener zwingt diese Regeln und falschen Überzeugungen unserem inneren Kind fortwährend auf und setzt somit die Lieblosigkeit, die er selbst in seiner Kindheit erfahren hat, permanent fort. Sowohl der autoritäre als auch der gleichgültige innere Er­wachsene geben dem inneren Kind das Gefühl, ungeliebt und im Stich gelassen zu sein. Das Kind folgert daraus, dass es schlecht, falsch, nicht liebenswert, fehlerhaft, unwichtig, unbe­deutend und unzulänglich sei, und diese falschen Überzeugun­gen erzeugen Gefühle von Angst, Scham und Schuld. Der lieblose Erwachsene ist im Allgemeinen ein Abbild der Lieblosigkeit seiner Eltern, Großeltern, Geschwister, Lehrer, geistlichen Führer oder anderer Rollenvorbilder und Autori­tätspersonen. Wir alle neigen dazu, auf dieselbe Art auf unser inneres Kind zu reagieren wie unsere Eltern oder Bezugsperso­nen, und somit erzeugen wir immerfort aufs Neue unseren Schmerz und das Gefühl des Getrenntseins. Wir können unser inneres Kind auf dieselbe Art kritisieren, anlügen, beschuldigen oder abwerten, wie wir selbst als Kind kritisiert, angelogen, beschuldigt und abgewertet worden sind, und wir benutzen dazu oft dieselben Worte, Sätze und Handlungen.

Im Folgenden finden wir einige der falschen Glaubensmuster, die wir vielleicht verinnerlicht haben, als wir dem Einfluss unserer Eltern ausgesetzt waren:

• Ich kann mich selbst nicht glücklich machen. Ich kann mich selbst nicht so glücklich machen, wie jemand anders oder etwas anderes es könnten. Ich kann nicht selbst für mich sorgen.
• Ich verdiene es gar nicht, glücklich zu sein.
• Ich kann mit Schmerz nicht umgehen, besonders mit dem Schmerz der Ablehnung und des Verlassenseins, dem Schmerz meines Alleinseins.
• Andere sind für meine Gefühle verantwortlich, und ich bin für ihre Gefühle verantwortlich.
• Ich kann selbst kontrollieren(!), wie sich die anderen mir gegenüber fühlen und wie sie mich behandeln.
• Mich selbst glücklich zu machen ist egoistisch und deshalb falsch.
• Der Kern meines Wesens ist schlecht, falsch, nicht liebens­wert oder sonstwie fehlerhaft.

Solange wir aus diesen falschen Überzeugungen heraus han­deln, werden wir es möglicherweise nicht schaffen, uns unserem inneren Kind gegenüber liebevoll zu verhalten. Wir werden keine Verantwortung für unsere eigenen Gefühle übernehmen und uns nicht für das Lernen entscheiden.

Deshalb: ein klares NEIN dem HERODESWEG. Ein klares JA zum Weg des "ICH BIN", zum Weg der Selbstliebe, ohne die keine wahre Liebe möglich ist.

Liebe soll kein Opfergang sein; das ist sie ohne Selbstliebe.
Selbstliebe soll kein Selbstzweck sein; das ist sie ohne Liebe.

Liebe und Selbstliebe sind das Yin und Yang göttlichen Seins.


Samstag, 2. Mai 2009

Leben wir in unserer eigenen Zeit? – Woher die SehnSucht kommt ...


Wenn wir die Zeit als einen Fluss sehen und unsere Leben als dessen Verlauf, beginnend mit der Quelle und mündend im Meer, wo befinden wir uns dann im Moment?

Sitzen wir an seinem Ufer und winken den vorbeifahrenden Ausflugdampfern und Lastkähnen zu?

Oder sind wir gerade vor der Loreley auf ein Riff gelaufen?

Vielleicht sind wir auch in einen Nebenarm abgebogen und haben uns da eine Nische gesucht, in der wir dahindümpeln?

Oder hängen wir in einem Wehr fest oder gar in dessen Walze, jenem Wasser, das nach der Staustufe folgt und das für manchen Schwimmer und Kajakfahrer schon zur tödlichen Falle wurde?


Es gibt viele Möglichkeiten, wie man sich aus der eigenen Lebensrealität ausklinken kann und doch das Gefühl hat, mitten dabei zu sein. Das geht ja schließlich einer zunehmenden Anzahl von Internet-Usern und großen Teilen der fernsehenden Gemeinschaft der Televisionäre so. Nur sind sie nicht visionär, sondern geben sich einer Illusion hin: der Illusion, IHRE Wirklichkeit zu leben. Doch die strömt ohne sie dahin.

Und jene Zeit, die wir nutzen sollten, um am Ende unserer Leben ins Meer zu gelangen, verstreicht, während wie am Ufer sitzen und winken.

In Wirklichkeit winken wir unserer eigenen Zukunft hinterher.

So leben manche immer in ihrer Vergangenheit. Deshalb ihre klammheimlichen oder offenkundigen Sehnsuchtsgefühle.

Sehn-Sucht sucht in Wahrheit nicht Vergangenes oder Zukünftiges, sondern die erfüllte Gegenwart.


Du steigt nicht zweimal in denselben Fluss, sagt der griechische Philosoph Heraklit.

In der Tat, das tut man nicht, nur eine Sekunde später fließen andere Wasser an uns vorbei.


Nur: unserer Zeit nachzutrauern hilft nicht weiter.


Wie kommt man in die Gegenwart des eigenen Flusses, des eigenen Zeitflusses, wo doch der Fluss schon weg ist?

In erster Linie muss man ins Wasser des Lebens hinein.


Das Leben, die Zeit fließt weiter, wenn unser Lebensfluss ohne uns fließt.

Das ist weder gut noch schlecht.

Es ist.

Und dieses "Es ist" ist im Grunde ein immerwährendes "Es war" – bis wir es ändern.

Das sollte uns auch nicht betrüben. Denn damit wir ins Meer gelangen, da, wo wir hingehören, wo unsere Ganzheit ist, brauchen wir viele Etappen, viele Leben.


Jeder hat seinen persönlichen Rhein, ist eine Donau, ein Amazonas, ein Mississippi.


Mancher schwimmt erst einmal aus dem Rhein weg seinen persönlichen Main hinauf und beschaut sich Frankfurt – warum nicht?

Ich finde das in Ordnung. Niemand sollte sich böse sein, ein Leben lang ein Frankfurt angeschaut zu haben bzw. getan zu haben, was dafür steht.

Ärgerlich nur, wenn man im Brackwasser hängen bleibt oder nicht durch eine Schleuse findet …

Das, finde ich, muss nicht sein. Das hat viel mit dem Thema des Lebenskampfes zu tun.


Ich selbst glaube nicht, dass es einen Zeit-Richter gibt. Einen Gott, der mit der Stoppuhr dasteht und sagt: Du bist ein Loser.

Es gibt keine Zeitvorschriften.


Es gibt nur dieses wunderbare Gefühl, in der Gegenwart der eigenen Zeit zu sein.

Es ist unverwechselbar.


Es gibt dieses Bewusstsein der Zeit, ein Bewusstsein der eigenen Lebenszeit.

Und wenn wir das erlangen, wird unsere Zeit zu unserer Gegenwart

Wir sind dann in unserer Zeit.

Im Grunde sind wir dann im Meer, auch mitten im Fluss!

Oder, wie es Marie-Luise Kaschnitz zum Ausdruck bringt: Vorweggenommen in ein Haus aus Licht.


Wie gelangen wir zu diesem Bewusstsein, das jede Vergangenheit zu unserer ureigenen Gegenwart macht?

Nur, indem wir uns selbst annehmen. Das ist das Parzival-Thema.

Nur durch Liebe, durch Selbstliebe.


Allerdings sollten wir nicht den Fehler machen zu glauben, auf der Erde sei ständiges Schwimmen im Meer möglich oder auch, ständig im Haus aus Licht zu sein. Es steckt eine tiefe Weisheit dahinter, wenn Marie Luise Kaschnitz davon spricht, das wir manchmal zur Auferstehung aufstehen oder wenn Richard Dehmel seine Art der Auferstehung überschreibt mit "Manche Nacht".


Zur Selbstliebe gehört, auch den gegenteiligen Zustand in Liebe anzunehmen.

Auch dann sind wir im Fluss.

Dienstag, 24. Januar 2023

Spirituelle Stolpersteine: Gefahren selbstverliebter Euphorie und Ekstase

⚜️
Es ist ja ein bekanntes Phänomen in der spirituellen Entwicklung von Menschen, dass sie manche Themen und Personen in den Himmel heben zuungunsten einer realistischen Sicht auf unsere und die Wirklichkeit der geistigen Welt und das Innere von Menschen. Meistens hat das ja sein Gründe in der Person selbst, die sich damit herummogelt, Dinge, die sie anschauen sollte, nicht ansehen zu müssen - das, was man gerade anschaut, ist doch auch so herrlich, ach so wegweisend (leider oft in Richtung eines spirituellen Abstellgleises).
Rudolf Steiner spricht das unter dem Stichwort der ´Ekstase´ und einer falschen Mystik an.
In der Ekstase verliert ja der Mensch sein Ich, verliert sich in makrokosmischen Gefilden, vernachlässigt sein klar-geistiges Denken und einen realistischen Blick auf seine Gefühle, der ja notwendig ist, denn durch euphorisch-ekstatische Gefühle können uns gewisse Wesenheiten manipulieren - und meistens ist dies auch der Fall:
Durch die Ekstase werden die geistigen Tatsachen nicht in ihrer Ganzheit, nicht in ihrer Totalität erfaßt, sondern nur in dem, was der eigenen Seele wohltut und frommt, was sie geistig verzehren kann. Im Grunde genommen ist es ein Verzehren geistiger Substantialität, was sich durch die Ekstase im Menschen ausbildet. Und ebensowenig, wie man die Dinge dieser Sinneswelt in ihrem inneren Wesen dadurch erkennt, daß man sie ißt, ebensowenig erkennt man die Kräfte und Wesenheiten der geistigen Welt dadurch, daß man sich in Ekstase begibt, um nur das eigene Selbst zu durchglühen mit dem, was einem wohltut. Man lebt nur in einem gesteigerten Selbstsinn, in einer gesteigerten Selbstliebe, und weil man aus der geistigen Welt nur das hereinnimmt, was man geistig verzehren kann, macht man sich dessen verlustig, was man nicht so behandeln kann, was außer dem durch die Ekstase zu Genießenden steht. Das ist aber der größte Teil der geistigen Welt. Dadurch verarmt nun der in der Ekstase stehende Mystiker immer mehr und mehr. (GA 62, S. 405)
Viele Mystiker sind eigentlich nichts anderes als geistige Feinschmecker, und die übrige geistige Welt, die ihnen nicht schmeckt, ist nicht für sie da. So sehen wir, wie der Geistesforscher die beiden Extreme vermeiden muß [Steiner bezieht sich hier auf der einen Seite auf die Selbstliebe, auf der anderen Seite auf die Ekstase], die ihm alle möglichen Quellen des Irrtums in den Weg bringen (...) In einem noch viel höheren Maße als gewöhnlich ist für den Geistesforscher notwendig ein gesunder Tatsachensinn, ein echtes Gefühl für Wahrhaftigkeit. Alle Schwärmerei, alle Ungenauigkeit, die so leicht über das hinweghuscht, was wirklich ist, ist beim Geistesforscher von Übel. (GA 62, S. 406)

Das ist der Grund, warum das Denken eine göttliche Gabe ist und logisches und klares Denken jeden Tag geschult sein will. Unsere Intuition gibt uns oft innerlich einen Wink, der uns aufmerksam machen will, dass etwas unstimmig ist. Gerade in den so zahlreichen ach so esoterischen You-Tube-Videos befinden sich geistige Fallgruben, in die man so sanft fällt und die mit geistigen Moschus- und Patschuli-Düften, die oft schwarzmagisch eingesetzt werden (https://bit.ly/3JbHwtv), angereichert sind.
Ich erinnere mich eines Channelings, in dessen Rahmen Erzengel Michael mit seinem Schwert Excalibur auftauchte. Excalibur ist allerdings das Schwert von König Artus und Michael taucht gewiss nicht mit dem Schwert eines Repräsentanten der Empfindungsseele (https://bit.ly/3XUbuqk) auf, der Artus nun einmal war, so wegweisend er für seine Zeit auch gewesen ist.
Gewisse Kräfte verraten sich in der Regel immer an irgendeinem Punkt. In diesem Channeling war dieser Punkt ein angebliches Michael-Schwert namens Excalibur. Ich habe das damals in den begleitenden Chat geschrieben, in dem sich viele Hörende tummelten. Aber es hat niemanden interessiert.

Anmerken möchte ich, dass ich es keinesfalls bedenklich finde, wenn jemand auch ausgelassen und euphorisch sein kann. Gewiss nutzen manche Esoteriker Formen von Ekstase zu Zwecken der Selbstdarstellung und wollen mit einer euphorischen Verbundenheit mit der Geistigen Welt ihren tiefen Bezug zu dieser inszenieren; es gibt viele Formen der Scheinheiligkeit.

In den Aussagen Steiners geht es vor allem darum, dass sich Ekstase verselbständigen und zu einem generellen Ich-Verlust führen kann; dies aufgezeigt zu haben, finde ich wichtig, denn gewiss werden auch von manchen diesbezügliche Gefahren unterschätzt. In diesem Sinne werte ich Steiners Aussagen. 

Schiller spricht ja in „Freude schöner Götterfunken“ von Freudetrunkenheit - und die ist gewiss euphorisch und darf wohl sein.
Ich finde, man kann im Übrigen auch in positivem Sinne außer Kontrolle geraten. Ich kann mir das bei Steiner, was mir von ihm bekannt ist, nicht vorstellen, aber er wird Gott sei Dank nicht nach dem, was ein anderer sich vorstellen kann, gelebt haben.

Samstag, 17. Mai 2008

Mütter: Meine Mutter

Ich veröffentliche diesen Post, weil ich glaube, dass es manchem anderen ähnlich gegangen ist wie mir im Hinblick auf seine Kindheit. Unsere Eltern hatten keinen Zugang zu den Forschungen und dem Wissen, das uns heute über die Seele des Menschen zur Verfügung steht und die Basis für eigene Betrachtungen sein kann. Diejenigen, die über sie geforscht haben – heißen sie Freud, Jung, Adler, Piaget, Lowen, Bradshaw und viele andere -, zeichnet ein notwendiger Respekt und eine gewisse Demut aus im Hinblick auf das, was wir Seele nennen. Diese Haltung teile ich. Und ich stehe auch voller Respekt und Wertschätzung meinen Eltern gegenüber und dem, was sie leisten konnten.
Wenn ich hier über sie und mich schreibe, dann deshalb, weil ich es für unsere eigene Entwicklung wichtig finde, dass wir uns mit dem Beginn unseres Lebens auseinandersetzen. Gerade auf dem Hintergrund der Entdeckung der Spiegelneuronen sehen wir, wie bedeutsam es ist zu erkennen, was überhaupt sich in uns spiegeln kann. – Dazu möchte ich Mut machen und anregen.
Es ist nun schon eine Weile her, dass meine Mutter in das Leben nach dem Leben gewechselt ist und wenn ich heute auf ihr Leben zurückblicke, verstehe ich einige ihrer Verhaltensweisen und Reaktionen und ich bin ihr für vieles, unter dem ich als Kind sehr litt, nicht mehr gram.
Als Jüngste von acht Kindern in einer Bauernfamilie hatte sie es nicht leicht. Immer hat sie in ihrem Leben auf den Märchenprinzen gehofft, der sie aus ihrer Familie herausholen sollte, und als mein Vater diese Rolle übernahm, inszenierte sich einmal mehr das Märchen vom Froschkönig und der Prinzessin, nur dass es kein glückliches Ende fand. Was Freude am Leben ist, durfte meine Mutter kaum erfahren und obwohl sie viel von dem Leid, das ihre Seele in ihrer Kindheit erfahren musste, an ihre Kinder weitergab, liebe ich sie heute; sie hat mir für mein Dasein auf der Erde das Wertvollste geschenkt: mein Leben.
Lange war mir nicht bewusst, was meine Mutter mir alles nicht mitgegeben hat; gerade auf dem Hintergrund des Wissens über die Bedeutung der Spiegelneuronen und wie sehr uns frühkindliches Verhalten prägt, ist dies ja besonders wichtig zu wissen. Es zu erkennen, ist deshalb so schwer, weil man ja selten um einen Mangel weiß. Wenn man etwas nie besessen hat, fällt einem nur schwer auf, was einem fehlt. Fehlt einem z.B. die Fähigkeit zu wahrer Freude, dann hält man die eigene für den Limitbereich und neigt dazu, andere, die mehr Freude zeigen und empfinden können, beispielsweise als kindisch abzuqualifizieren, fehlt einem Selbstliebe, dann qualifiziert man Menschen, die sie haben, gern als arrogant ab.
So fällt der ehrlich-analytische Blick auf das eigene Inventar nicht leicht.
Es kommt hinzu, dass man um seine eigene Unzulänglichkeit eigentlich nicht wissen will. Wer will schon wissen, dass das eigene Inventar an Gefühlen eher spärlich war, dass die eigenen Eltern einem weitergegeben haben.
Zudem stellt sich die Frage, ob man denn, was einem fehlt, überhaupt sich aneignen kann.
> Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr. <
Dieser Satz mag im Bereich des Körperlichen zutreffen. Wenn jemand mit 5 oder 8 Jahren seine Rollen auf dem Boden nicht gelernt hat oder auch einen Salto, ist es ziemlich sicher ungünstig, wenn er mit 50 meint, sich nun als Turner beweisen zu müssen.
Wie sieht es im seelischen Bereich aus?
Für mich gilt der Satz von Hänschen und Hans da nicht, und der Schlüssel ist die Aussage Jesu:
> Wenn ihr nicht werdet wie die Kinder …. <

Also ist es möglich, wieder ein Kind zu werden …
Ist es dann auch möglich, neuronale und seelische Prägungen vorzunehmen wie in einer Kinderseele?
Dazu sage ich > Ja <.
Nur gibt es ein Problem: Wo die Selbstliebe hin sollte, da sitzt der Selbsthass.
Wo die tiefen Gefühle sein sollten, da hocken die flachen und gaukeln einem womöglich vor, wie tief man lieben und Wärme geben und herzlich sein kann. Und wer gesteht sich schon gerne ein, dass er weniger ein Meister des Mitleids als vielmehr des Selbstmitleids ist, mehr verkopft als beherzt ist …
Froschkönige und Prinzessinnen haben oft ein großes Ego, sind beispielsweise Narzissten par excellence, aber von ihren wahren Gefühlen, von ihrem wahren Selbst sind sie weit entfernt.
Zwei Voraussetzungen, sich neu zu prägen, möchte ich ansprechen:
Eine Voraussetzung sind Freunde, oft mag es ein einziger Freund, eine Freundin sein, die ehrlich sind und vor der Wahrheit nicht zurückschrecken; dieses Glück hatte ich und habe ich.
Ich erinnere mich, dass ich von einer lieben Freundin eine Karte erhielt, als ich innerlich erheblich grummelte, weil sie mir etwas schwer Verdauliches gesagt hatte, doch war es so, wie sie sagte:
> Verletzt ist nur Dein Ego, Dein wahres Selbst kann niemand verletzen. <
Und sie schickte mir diese Karte:

Eine Freundin, ein Freund muss sagen können:
Ich vermisse, dass Du Dich mitfreust …

Bade nicht dauernd in Deinem Selbstmitleid …
Hör auf, andere ständig zu bewerten – und Dich!
Das ist eine Seite echter Freundschaft, dass Schwächen des anderen, wenn es angebracht ist, schonungslos aus der Schonung getrieben werden …
Claqueure, die unser Ego verstärken, gibt es genug; sie nennen sich Freunde, sie sind es aber nicht. –
Freunde sagen natürlich genauso von Herzen gern und ohne Neid, wenn ihnen etwas an uns gefällt.
Eine weitere Voraussetzung, die ich noch nennen möchte, ist staunen zu können wie ein Kind.
Ich schließe mich den Worten Albert Einsteins an:
Das Schönste, was wir erleben können, ist das Geheimnisvolle. Es ist das Grundgefühl, dass an der Wiege von wahrer Kunst und Wissenschaft steht. Wer es nicht kennt und sich nicht mehr wundern, nicht mehr staunen kann, der ist sozusagen tot und sein Auge erloschen.
Wer staunen kann, kann Dinge auf eine neue Art und Weise wahr-nehmen, als Wahrheit annehmen.
Dann findet eine Neu-Prägung statt.