Seiten

Posts mit dem Label Wasser werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Wasser werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Mittwoch, 27. Juli 2022

Von heiterem, hellem Wasser und dem Andrang von Brüsten. - Rainer Maria Rilke und ein besonderer Augenblick.

An der sonngewohnten Straße, in dem
hohlen halben Baumstamm, der seit lange
Trog ward, eine Oberfläche Wasser
in sich leis erneuernd, still ich meinen
Durst: des Wassers Heiterkeit und Herkunft
in mich nehmend durch die Handgelenke.
Trinken schiene mir zu viel, zu deutlich:
aber diese wartende Gebärde
holt mir helles Wasser ins Bewußtsein.

Also, kämst du, braucht ich, mich zu stillen,
nur ein leichtes Anruhn meiner Hände,
Sei´s an deiner Schulter junge Rundung,
sei es an den Andrang deiner Brüste.


Nein, er trinkt nicht, der Rainer Maria Rilke, beim Verfassen des Gedichtes 48 Jahre alt (1875 geboren). Aber wie so oft, macht er einen Augenblick zur Welt.

Das kann uns derzeitigen Weltbürgern nicht schaden, zerrinnen uns doch die Augenblicke zunehmend in ein Nichts.


Hier macht einer den Augenblick wertvoll, lässt uns daran denken, ob wir selbst heute noch so einfach Wasser aus einem Trog trinken würden bei all den Umwelt-Zeigefingern, die uns bedrängen.

Durststillen mittels heiterem, hellem Wasser.

Dessen Herkunft gedenken.

Deutlich wird, warum Literatur, warum Lyrik, warum Worte so wertvoll sein können; sie tauchen fast Verlorenes in ein aufscheindes Licht.

Dann wird deutlich: der 48-Jährige ist verliebt in eine junge Frau und mindestens genauso gern würde er sich stillen, diesen besonderen Durst nach ihr stillen mit einer Sanftheit, die der Weise seines Liebens entspricht – und er erfindet dafür ein Wort: Anruhn.

Und noch ein Wort erfindet er, ein Bild erfindet er, das deutlich macht, dass es schon Wünsche in ihm gibt, wenn er vom „Andrang deiner Brüste“ spricht.


Den Trog gibt es, das Wasser gibt es, die Gebärde gibt es. Nur ob es die Geliebte gibt, das ist, angesichts des Konjunktiv II von „kämst du“ nicht sicher.


Man würde es ihm, dem Rainer Maria, ursprünglich auf René Karl Wilhelm Johann Josef Maria getauft, gönnen, einem, der Zeit seines Lebens der irdischen Liebe hinterherlief, sie nie wirklich fand und sie gern deshalb ins Religiöse stilisierte?

Ich glaube, das wäre angesichts dieser spürbar alten Menschenseele zu einfach.

Doch dieses Kapitel, wie sehr einer unter einer fehlenden männlichen Seite leiden konnte, das schlagen wir hier nicht auf.

Dienstag, 22. Juni 2021

Weißt du, wie viel Sternlein stehen ... Michael Ende schrieb, wenn man Gott beweisen könne, würde es ihn nicht geben ...

 Können alle Meere zusammen ein Bewusstsein all ihrer Tropfen haben, die sie ausmachen?

All jener auch, die gerade auf Klippen oder Stränden verbleichen, auf Schiffsdecks ihr Leben aushauchen, über den Wassern verdunsten?

Und können die Meere gar all diese Tropfen lieben?
Unvorstellbar, aber manche Menschen sagen, es soll so sein.

(wie verzweifelt müssen solche Menschen sein?!)

Vielleicht ist solch ein Glaube in Wirklichkeit nur ein Akt der Verzweiflung, der Zweifel am Leben.

Gott in allen Tropfen?

Hinzu kommen ja die Tropfen all der Flüsse, Seen, Teiche,
all der Wolken, all derer, die in menschlichen Körpern gebunden sind, in tierischen, in Pflanzen …

Da ist ja ein Bewusstsein, das vorhanden sein soll in Bezug auf alle existierenden Menschen, ob lebendig oder angeblich tot, vergleichsweise überschaubar …

Alles, was besteht, nur entstanden, um zu zweifeln …

Wie groß muss ein Glaube sein, der all dem einen Sinn gibt.

Ob alle, die an Gott glauben, wirklich glauben?

Oder dem sogenannten Gott nur einen Blankoscheck über seine Existenz ausstellen, weil sie eine klammheimliche Angst haben, sich mit etwas wie Gott anzulegen?

Da suchen Menschen nach Beweisen für Wasser im All, weil dann dort auch Leben möglich sei.
Manche würden an Gott glauben, wenn solche Beweise möglich wären.
Solange glauben sie im Grunde auch an ihr eigenes Leben nicht.
Leben, so, wie sie es sich vorstellen können, beweisbar.

Können Menschen ihr eigenes Leben beweisen?

Vielleicht existiert Gott genau deshalb, weil es immer etwas gibt, was sich nie wird beweisen lassen.
Weil der Mensch nie über alles Macht haben wird, was existiert, so sehr er das will.
Nie wird er das haben.

Nie wird er sich selbst beweisen können. 

Gott sei dank!

Der einzige Beweis, den es doch geben mag: ein Tropfen Glaube.

Freitag, 31. Mai 2013

Wenn Licht schweigt (I): Vom Sinn, unter den Bedingungen der Schwerkraft zu leben


Licht schweigt in den merkwürdigsten Örtlichkeiten, die der Kosmos kennt und die u.a. entstehen, wenn massereiche Sterne auf ein Minimum ihrer einstigen Masse zusammenfallen, also kollabieren und sozusagen ihr Leben aushauchen: Man nennt diese schwärzesten aller schwarzen Orte Schwarze Löcher. 
Licht schweigt ziemlich sicher schon in ihrer Umgebung (was niemand genauer weiß, da von dort auch niemand zurückkommen könnte.) – Doch dazu wahrscheinlich erst einige Posts später mehr und damit auch dazu, dass es diese Lichtlosigkeit auch in der Literatur beschrieben gibt –  und zwar ziemlich genau und zutreffend sogar.

Was mich seit langem interessiert, ist die Korrespondenz zwischen naturwissenschaftlich Feststellbarem und dem, was dies auf einer geistigen Ebene bedeuten mag.
Eines der nachvollziehbarsten Beispiele bezieht sich auf das Phänomen des Wassers. Um seine physikalische und biologisch-medizinische Bedeutung für die Erdoberfläche und den menschlichen Körper wissen wir. Was wären die Erde und der menschliche Körper ohne Wasser ...
Goethe sagt angesichts des Staubbachfalls, dass des Menschen Seele dem Wasser gleiche. Vergleichbares finden wir bei Teresa von Avila. Und ich erinnere mich an einen interessanten Artikel in PM, dass das Wasser ein Gedächtnis habe.
Weil Wasser einer seelischen Ebene korrespondiert, vermögen Jesus und der germanische Gott Odhin auf dem Wasser zu wandeln. Sie sind Meister des Wasserelements. So jedenfalls verstehe ich den Sinn dieser Geschichte in der Bibel. Genauer gesagt entspricht Wasser im Übrigen der seelischen Ebene unserer Emotionen.
In früheren Zeiten hat man den Körper unterteilt in 4 Bereiche; das Wasser-Element wurde im Bauchbereich lokalisiert. Der Solar plexus gehört dazu und wir wissen, dass wir unter gewissen Bedingungen einen richtigen Knoten in der Magengrube haben können. Plötzliche Angst kann  unseren solar plexus total verkrampfen.
Angst ist eine Emotion. Aus Angst ging Petrus, als er auch auf dem Wasser laufen wollte, unter. Nichts Anderes vermittelt die Geschichte vom sinkenden Petrus in der Bibel. Wie Petrus geht es jedem, der in seinen Emotionen untergeht, sei es Angst, Verzweiflung, Hass ... 
So ist Wasser eine physikalische Tatsache und  zugleich die Wasserebene ein seelisches Feld

Als weiteres Beispiel können wir die Frage stellen:  Was bedeutet es, dass wir unter den Bedingungen der Schwerkraft leben?

Könnten auch diese Bedingungen einem seelisch-geistigen Sinn korrespondieren?
Sie tun es, ja:
Auf einer körperlich-materiellen Ebene bedeutet es, dass wir zu Boden sinken, wenn wir nicht ständig aktiv der Schwerkraft entgegenwirken. Aufrechtsein erfordert Energie. Wir merken das nur nicht. Uns fällt unsere Kinnlade nicht herunter, weil ständig Muskeln im Einsatz sind. Deren Arbeit aber ist in unser Körpersystem von Beginn an integriert.
Wenn wir total müde sind, fallen uns die Bedingungen der Schwerkraft schon eher auf, dann möchten wir ihr am liebsten nachgeben und zu Boden sinken. Erst da merken wir, dass wir energetischen Aufwand betreiben, um aufrecht zu bleiben. Aufrecht zu bleiben ist eine Leistung. Die müssen wir unter den Gesetzen der Schwerkraft erbringen.
Das gilt auch für unseren seelisch-geistigen Zustand.

Wir müssen eine Leistung erbringen, um in einem aufrechten Zustand zu bleiben, uns nicht total gehen zu lassen, zur seelischen Qualle zu werden, die nur noch im Sessel hängt und gerade noch die Augen auf den Fernseher richten kann und der schon die Augenwendung zur eigenen Frau oder dem Partner zu viel ist.
Manche sind zu faul den Mund zu bewegen.
In diesen Fällen hat die seelisch-geistige Schwerkraft gesiegt.
Unser Leben ist also von vornherein einer Anforderung ausgesetzt. Als Menschen sind wir gefordert, sonst versumpfen wir. Deshalb ist der Planet, den wir als Feld unserer Bewährung und Bewusstseinsentwicklung ausgewählt haben, nicht gerade ein leichter.
Für mich ist das jedoch der Sinn der Bedingungen, unter denen wir leben.
Leben wird von vornherein durch die Schwerkraft eine Herausforderung – physisch und metaphysisch.

Interessant wird es ganz besonders, wenn wir uns die Frage stellen, ob Schwarze Löcher einem seelisch-geistigen Sinn korrespondieren.

Wir wissen heute, dass inmitten unserer Galaxie, der Milchstraße, ein Schwarzes Loch existiert, das, genauso wie alle anderen nicht zu sehen ist. – Schwarze Löcher sind unsichtbar. Man kann nur aufgrund des Verhaltens der Materie in ihrer Umgebung auf ihre Existenz schließen.
Und noch etwas ist interessant: Ab einem bestimmten Punkt, dem man sich ihnen annähert, gibt es kein Entkommen mehr; zu stark ist ihr Sog.

Dazu mehr in einem nächsten Post ...

PS. Seltsam übrigens, dass man auch von Suchtkranken zu wissen glaubt, dass die allermeisten erst ganz nach unten müssen - bis alles kollabiert –, damit in ihnen wirklich die Bereitschaft zu einer Wende vorhanden ist.
Das muss meiner Ansicht allerdings nicht zwangsläufig sein. In dem Moment, wo der Suchtenergie die Quelle abgegraben wird, besteht meines Erachtens zu jedem Zeitpunkt die Möglichkeit zu einem Leben ohne (Sehn-)Sucht.

Donnerstag, 8. Juli 2010

Was Petrus lernen muss und Ricarda Huch schon weiß: Die Blickrichtung muss stimmen!

Des Menschen Seele gleicht dem Wasser, schrieb Goethe angesichts des Staubbachfalls im Lauterbrunnental.
 

Und in der Tat gibt es in der Mythologie und in unserer Realität viele Beispiele dafür, dass das Wasser eine seelische Realität spiegelt. Jahrzehnte über wurde Dünnsäure in die Nordsee verklappt und die Fils, jener Fluss, an dem ich geboren bin, trug in den 50er und 60er Jahren in allen Farben schillernde Schaumkronen, wenn die Weberei Heinrich Otto ihre Pforten öffnete und Abwasser abließ. Dann schwammen sämtliche Fische kieloben. So sorglos gingen und gehen damals wie heute die Menschen mit den Wassern auch ihrer Seele um, der Golf von Mexiko lässt grüßen.
 

Kein Zweifel aber besteht auch darin, dass innerhalb der Menschheit eine positive Entwicklung zu erkennen ist; dem gestiegenen Umweltbewusstsein korrespondiert auch bei vielen ein stärkeres Bewusstsein für die Gesundung der eigenen Seele.

Petrus musste auf leidvolle Weise erfahren, dass Wasser eine seelische Realität spiegelt, dass man auf dem Wasser gehen kann, dass man also wie sein Meister Jesus ein Meister der Seele, ein Meister der Emotionen sein kann; oder aber, wenn man den Blick abwendet, im Grunde also zu dieser Energie die Verbindung kappt, auch in diesen Wassern untergehen kann. Schiller hat in seiner Ballade Der Taucher die Bedeutung dieser seelischen Realität ebenfalls gestaltet.

In der Bibel wird berichtet:

Und alsbald trieb Jesus seine Jünger, in das Boot zu steigen und vor ihm hinüberzufahren, bis er das Volk gehen ließe. Und als er das Volk hatte gehen lassen, stieg er allein auf einen Berg, um zu beten. Und am Abend war er dort allein. Und das Boot war schon weit vom Lande entfernt und kam in Not durch die Wellen; denn der Wind stand ihm entgegen. Aber in der vierten Nachtwache kam Jesus zu ihnen und ging auf dem See. Und als ihn die Jünger sahen auf dem See gehen, erschraken sie und riefen: Es ist ein Gespenst! und schrien vor Furcht. Aber sogleich redete Jesus mit ihnen und sprach: Seid getrost! ich bin´s; fürchtet euch nicht! Petrus aber antwortete ihm und sprach: Herr bist du es, so befiehl mir, zu dir zu kommen auf dem Wasser. Und er sprach: Komm her! Und Petrus stieg aus dem Boot und ging auf dem Wasser und kam auf Jesus zu. Als er aber den starken Wind sah, erschrak er und begann zu sinken und schrie: Herr hilf mir! Jesus aber streckte sogleich die Hand aus und ergriff ihn und sprach zu ihm: Du Kleingläubiger, warum hast du gezweifelt? Und sie traten in das Boot, und der Wind legte sich. Die aber im Boot waren, fielen vor ihm nieder und sprachen: Du bist wahrhaftig Gottes Sohn!
Solange Petrus Vertrauen hat, ist ihm scheinbar Unmögliches möglich. Gibt er sich Zweifeln hin,wendet er den Blick ab, dann geht er unter, geht in den Wassern der Seele unter.
Dies gilt für viele Situationen unseres Alltags.
 

Aus einem tiefen Bewusstsein heraus gestaltete Ricarda Huch (1864-1947) ein wunderbares Sonett, das zeigt, dass sie um die Bedeutung der richtigen Blickrichtung weiß.

Nicht von ungefähr könnte sich ihr Gedicht an einen Geliebten richten; es richtet sich hier zugleich an ihre spirituelle Liebe. Es ist diesselbe Liebe, auf die auch Petrus schaute und die ihn auf den Wassern der Seele wandeln ließ:


Du warst in dieser götterlosen Zeit,
Wo trübe Träumer ohne Lichtgedanken
Wie leere Schiffe unterm Himmel schwanken,
Der Stern, der mich geführt hat und gefeit.

Die Spur, die du gegangen zu betreten,
Dass ich nicht irrte, war mein hohes Ziel.
Von irdischen Geschäften, Drang and Spiel
Trug mich empor das Glück dich anzubeten.

Wie nachts ein Segel steuernd heimatwärts
Der Leuchte zu die schweren Nebel spaltet
Und so gelenkt sich in den Hafen rettet,

Ging ich getrost, den Blick an dich gekettet,
Die Hände gläubig auf der Brust gefaltet,
Durch Flut und Dunkel an dein strahlend Herz.

Samstag, 2. Mai 2009

Leben wir in unserer eigenen Zeit? – Woher die SehnSucht kommt ...


Wenn wir die Zeit als einen Fluss sehen und unsere Leben als dessen Verlauf, beginnend mit der Quelle und mündend im Meer, wo befinden wir uns dann im Moment?

Sitzen wir an seinem Ufer und winken den vorbeifahrenden Ausflugdampfern und Lastkähnen zu?

Oder sind wir gerade vor der Loreley auf ein Riff gelaufen?

Vielleicht sind wir auch in einen Nebenarm abgebogen und haben uns da eine Nische gesucht, in der wir dahindümpeln?

Oder hängen wir in einem Wehr fest oder gar in dessen Walze, jenem Wasser, das nach der Staustufe folgt und das für manchen Schwimmer und Kajakfahrer schon zur tödlichen Falle wurde?


Es gibt viele Möglichkeiten, wie man sich aus der eigenen Lebensrealität ausklinken kann und doch das Gefühl hat, mitten dabei zu sein. Das geht ja schließlich einer zunehmenden Anzahl von Internet-Usern und großen Teilen der fernsehenden Gemeinschaft der Televisionäre so. Nur sind sie nicht visionär, sondern geben sich einer Illusion hin: der Illusion, IHRE Wirklichkeit zu leben. Doch die strömt ohne sie dahin.

Und jene Zeit, die wir nutzen sollten, um am Ende unserer Leben ins Meer zu gelangen, verstreicht, während wie am Ufer sitzen und winken.

In Wirklichkeit winken wir unserer eigenen Zukunft hinterher.

So leben manche immer in ihrer Vergangenheit. Deshalb ihre klammheimlichen oder offenkundigen Sehnsuchtsgefühle.

Sehn-Sucht sucht in Wahrheit nicht Vergangenes oder Zukünftiges, sondern die erfüllte Gegenwart.


Du steigt nicht zweimal in denselben Fluss, sagt der griechische Philosoph Heraklit.

In der Tat, das tut man nicht, nur eine Sekunde später fließen andere Wasser an uns vorbei.


Nur: unserer Zeit nachzutrauern hilft nicht weiter.


Wie kommt man in die Gegenwart des eigenen Flusses, des eigenen Zeitflusses, wo doch der Fluss schon weg ist?

In erster Linie muss man ins Wasser des Lebens hinein.


Das Leben, die Zeit fließt weiter, wenn unser Lebensfluss ohne uns fließt.

Das ist weder gut noch schlecht.

Es ist.

Und dieses "Es ist" ist im Grunde ein immerwährendes "Es war" – bis wir es ändern.

Das sollte uns auch nicht betrüben. Denn damit wir ins Meer gelangen, da, wo wir hingehören, wo unsere Ganzheit ist, brauchen wir viele Etappen, viele Leben.


Jeder hat seinen persönlichen Rhein, ist eine Donau, ein Amazonas, ein Mississippi.


Mancher schwimmt erst einmal aus dem Rhein weg seinen persönlichen Main hinauf und beschaut sich Frankfurt – warum nicht?

Ich finde das in Ordnung. Niemand sollte sich böse sein, ein Leben lang ein Frankfurt angeschaut zu haben bzw. getan zu haben, was dafür steht.

Ärgerlich nur, wenn man im Brackwasser hängen bleibt oder nicht durch eine Schleuse findet …

Das, finde ich, muss nicht sein. Das hat viel mit dem Thema des Lebenskampfes zu tun.


Ich selbst glaube nicht, dass es einen Zeit-Richter gibt. Einen Gott, der mit der Stoppuhr dasteht und sagt: Du bist ein Loser.

Es gibt keine Zeitvorschriften.


Es gibt nur dieses wunderbare Gefühl, in der Gegenwart der eigenen Zeit zu sein.

Es ist unverwechselbar.


Es gibt dieses Bewusstsein der Zeit, ein Bewusstsein der eigenen Lebenszeit.

Und wenn wir das erlangen, wird unsere Zeit zu unserer Gegenwart

Wir sind dann in unserer Zeit.

Im Grunde sind wir dann im Meer, auch mitten im Fluss!

Oder, wie es Marie-Luise Kaschnitz zum Ausdruck bringt: Vorweggenommen in ein Haus aus Licht.


Wie gelangen wir zu diesem Bewusstsein, das jede Vergangenheit zu unserer ureigenen Gegenwart macht?

Nur, indem wir uns selbst annehmen. Das ist das Parzival-Thema.

Nur durch Liebe, durch Selbstliebe.


Allerdings sollten wir nicht den Fehler machen zu glauben, auf der Erde sei ständiges Schwimmen im Meer möglich oder auch, ständig im Haus aus Licht zu sein. Es steckt eine tiefe Weisheit dahinter, wenn Marie Luise Kaschnitz davon spricht, das wir manchmal zur Auferstehung aufstehen oder wenn Richard Dehmel seine Art der Auferstehung überschreibt mit "Manche Nacht".


Zur Selbstliebe gehört, auch den gegenteiligen Zustand in Liebe anzunehmen.

Auch dann sind wir im Fluss.

Sonntag, 16. November 2008

Vom Wasser haben wir´s gelernt, vom Wasser ... Die vergessene Weisheit der Volkslieder



Die Bilder sind entnommen dem 1992 im Gondrom-Verlag erschienen Band
Die schönsten Volks- und Kinderlieder.

Im Rahmen der Wirklichkeiten der Wasser, denen wir uns bisher gewidmet haben, dem sinkenden Petrus nämlich und dem Kranken am Teich Bethesda, die Persönlichkeitsanteile von uns spiegeln, mag bewusst geworden sein, dass es ein äußeres Wasser gibt, wie es uns in Wasserfällen, Brunnen, Seen und Flüssen begegnet, in den Zellen unseres Körpers und natürlich auch aus dem Wasserhahn zu Hause; genauso aber auch gibt es ein inneres Wasser, das Wasser der Seele. Goethes Des Menschen Seele gleicht dem Wasser mag immer wieder als Beleg dienen, desgleichen unsere Ausführungen zu der Nachtmeerfahrt der Seele jenes Edelknechtes, den Schiller nahezu unsterblich gemacht hat.
Aber auch Teresa von Avila hat sich dahingehend in Die innere Burg geäußert:

Wie die Bächlein, die einer sehr klaren Quelle entspringen, rein und lauter sind, so ist es auch die Seele, die in der Gnade lebt. Dass ihre Werke den Augen Gottes und der Menschen wohlgefällig sind, hat seine Ursache nur darin, dass sie jener Quelle des Lebens entspringen, in welcher die Seele wurzelt, eingepflanzt wie ein Baum, der nicht die Frische und Fruchtbarkeit besäße, wenn sie ihm nicht von dorther zuflössen. Dies erhält ihn und macht, dass er nicht verdorrt und gute Frucht bringt. Entfernt sich eine Seele aus eigener Schuld von dieser Quelle und senkt sich in eine andere mit schwarzem Wasser von widerlichem Geruche ein, so ist auch alles, was aus ihr hervor­geht, nichts als Schmutz und Unheil.

Auch ein Tsunami ist eine seelische Realität, genauso wie manche Menschen einen Pazifik in ihrem Inneren leben, andere einen Neusiedler See ... Dazu in einem späteren Post.
Heute muss es um etwas eigentlich sehr Trauriges gehen, nämlich um die Tatsache, dass für den überwiegenden Teil unseres Kulturkreises mehr und mehr der Wert und die Bedeutung von Volksliedern aus dem Blickfeld gerät, ja eigentlich schon längst geraten ist.
In diesem Zusammenhang soll hier der Blick einmal weniger auf die Bedeutung des Melodiösen gerichtet werden; zu früheren Zeiten war man sich dessen bewusst, dass unseren Melodien ein kosmischer Sphärengesang korrespondiert und dieses Wissen finden wir u.a. bei Pythagoras, Kepler und Goethe, auch die Kabbala ist davon durchzogen.-

Im Folgenden wollen wir unser Augenmerk auf die Wirklichkeiten des Wassers richten, wie sie in den Volksliedern immer wieder ihren Ausdruck finden und sich prägend auf die Seelen der Menschen ausgewirkt haben.
Kein Computerspiel kann den Verlust von Märchen und Volksliedern ausgleichen. Beide zusammen haben die Seelen der Menschen gestimmt.
So weisen die Volkslieder darauf hin, dass der Mensch ständig sich auf einer inneren Wanderschaft befindet. Gleich die 2. Strophe von Das Wandern ist des Müllers Lust lautet deshalb:

Vom Wasser haben wir´s gelernt,
vom Wasser haben wir´s gelernt, vom Wasser.
Das hat nicht Ruh bei Tag und Nacht,
ist stets auf Wanderschaft bedacht,
ist stets auf Wanderschaft bedacht, das Wasser.

Wie wenig dieses Wissen verankert ist im Bewusstsein der Menschen zeigt sich unter anderem in Aussagen wie:
Du hast dich ja gar nicht verändert.
Wer nur auf das Äußere schaut, kann zu diesem Ergebnis kommen, aber er sagt zugleich damit, dass er kein Bewusstsein von der inneren Realität des Menschen besitzt; diese verändert sich ständig, denn das Bewusstsein des Menschen drängt zur Weiterentwicklung. Geschieht das nicht, dann gilt: Stillstand ist Rückschritt.
Desgleichen ist ein Wunsch wie Bleib, wie Du bist schlicht und ergreifend Unfug.
Freilich gibt es Menschen, die errichten Staustufen, die geraten in ein Kehrwasser, die schwimmen gegen den Strom den Fluss hinauf, die lassen sich in einer Uferböschung nieder; dort gibt es in der Regel einen Fernseher, einen Computer und ein Zauberland der Illusion, des schönen Scheins. Wenn man sich umdreht, sieht man das Wasser fließen und sagt zu sich: Wirklich, alles ist in Bewegung.
Vielleicht erinnert man sich sogar an die Schule, in der man einmal gehört hat von einem griechischen Philosophen, dessen Kernsatz gelautet haben soll: panta rhei - alles fließt. Und weiter soll jener Heraklit gesagt haben: Man kann nicht zweimal in denselben Fluss steigen.
Niemand kann einem anderen eigentlich also ernsthaft wünschen zu bleiben, wie er ist. Dann wäre seine Seele ein Tümpel, Brackwasser; es gibt ja auch kaum einen See, der nicht ständig von unten und oben gespeist wird durch Quellen und Regen, von Bächen und Flüssen und Strömen ganz zu schweigen. Wenn ich später in einen Fluss steige, ist sein Wasser ein anderes, wenn ich einen Menschen nur Stunden später wieder treffe, ist er ein anderer!
So wird des Menschen Seele ständig gespeist, und wer sich nicht dessen bewusst ist, der lässt sich speisen - fragt sich nur mit was.
Wir sollten ernster nehmen, mit was unsere Seele gespeist wird, darauf weist schon Teresa von Avila hin.
Für die höchste Speisung gilt, was für die Gralsburg und den Gral gilt. Die Gralsburg heißt Wilde Burg; damit ist zum Ausdruck gebracht, dass man nicht so ohne Weiteres hingelangt.
Dasselbe gilt für das Wasser des Lebens; von dem heißt es im Volkslied:

Und in dem Schneegebirge,
da fließt ein Brünnlein kalt;
und wer das Brünnlein trinket,
und wer das Brünnlein trinket,
wird jung und nimmer alt.

Ich hab daraus getrunken,
gar manchen frischen Trunk,
ich bin nicht alt geworden,
ich bin nicht alt geworden,
ich bin noch allzeit jung.

Weitere Strophen haben eine spätere Zeit hinzugedichtet und damit die Botschaft dieser zwei Strophen verwässert; diese wollen uns aufmerksam machen auf ein Wasser, das es nur in dieser reinen Umgebung gibt, in dieser leuchtend weißen des ewigen Schnees, der nun auf unserer Erde nicht von ungefähr mehr und mehr schmilzt bzw. sich zurückzieht.
Frühere Generationen haben mit dem Singen dieser Lieder einen Schatz in die Seelen gerade auch von Kindern gelegt. Nicht, dass hier eine Glorifizierung früherer Zeiten geschehen soll, doch manches hätten wir nicht so ohne Weiteres über Bord gehen lassen sollen - das betrifft zum Beispiel unsere Volkslieder.

Mittwoch, 5. November 2008

Von den Wirklichkeiten des Wassers (II): Der sinkende Petrus - auch das sind wir!

Nie hätte Petrus gedacht, dass er einmal auf dem Wasser gehen würde, wiewohl er ein Typ Mann war, der sich eigentlich alles zutraute, der später, wenn er in eine Bredouille kommen wird, einem Soldaten ein Ohr abschlägt, der, wenn er ein Brot in die Hand nimmt, es spielend zum Brötchen macht.
Eben jedoch hat er noch gewaltig die Hosen voll, denn der Kahn, in dem er mit anderen Jüngern sitzt, schlingert gewaltig auf dem See und er weiß genau, dass für ihn als passioniertem Nichtschwimmer bei diesem Wellengang das Ufer kaum zu erreichen ist. Da, auf einmal, taucht auf dem Wasser ein Gespenst auf, das sich als Jesus entpuppt. 
Das nun imponiert Petrus gewaltig; so einfach auf dem Wasser zu gehen, das möchte er auch, und er sagt zu Jesus, er solle ihn zu sich kommen heißen. Diese Garantie nun wollte er doch haben, dass er sozusagen auf göttliche Aufforderung hin auf dem Wasser geht. Und tatsächlich sagt Jesus zu ihm: "Komm her!"
Dieses Geschehen hat eine reale  und eine symbolische Ebene.
Für erstere erhebt sich die Frage, ob sich alles wirklich so abgespielt hat. 
Eine Diskussion über diese Frage verstellt den Blick auf eine weitere, nächste Ebene, die wir erkennen, wenn wir Johann Wolfgang von Goethes Sicht auf die Wirklichkeit des Wassers verstehen, die er angesichts des Staubbachfalls im wunderschönen Lauterbrunnental niederschreibt:

Des Menschen Seele 
Gleicht dem Wasser ...

Wir wissen, dass bis ins Mittelalter hinein der Mensch in vier elementare Ebenen eingeteilt wurde: in die des Erdelements, die bis zu den Hüften sich erstreckte, die des Wassers - bis zum Solarplexus, der Luft (Brust, Lunge, Bronchien) und des Feuers, die also die Kopfzone erfasste.
Übrigens wurden auch die Evangelisten diesen Elementen zugeordnet:
Matthäus dem Element der Luft, welches in unmittelbarem Zusammenhang steht mit der Fähigkeit zu gedanklicher Kraft;
Markus dem des Feuers und dem Tierkreiszeichen des Löwen, was kein Wunder ist, leitet sich doch sein Name von dem lateinischen Gott Mars und seinen gewaltigen lichtvollen kriegerischen Kräften ab;
Lukas dem Element der Erde im Zeichen des Stieres und schließlich 
Johannes, ursprünglich im Zeichen des Skorpions dem Wasserelement zugeordnet. 
Dieser Jünger war der Lieblingsjünger Jesu, dessen Herzen er am nächsten lag, was in der Sprache der Bibel schlicht bedeutet, dass er dem großen göttlichen Herzen sich am meisten anverwandeln konnte. Johannes überwand die Gebundenheit an die Tierkreiszeichen, eine Aufgabe, von der auch Paracelsus spricht, wenn er meint, dass es gelte, den Himmel in uns zu reinigen. Nicht mehr in irgendeiner Form von den stellaren Konstellationen zum Zeitpunkt der Geburt abhängig zu sein, war das Ziel von Paracelsus, dem großen Arzt, und Johannes.
Das Zeichen des Adlers für den Lieblingsjünger Jesu weist auf seine Fähigkeit hin, Göttliches und Menschliches zu verbinden.

Zurück zu der Bedeutung des Wassers: 
Jesus ist der Meister des Wasserelementes, dem alle Gefühle zugeordnet sind. Ein Meister des Wassers kann in seine unendliche Tiefen tauchen, er kann darin schwimmen, er kann auf diesem Element gehen - wie er möchte. Alle Emotionen der Menschen sind ihm vertraut, nichts ist ihm unbekannt.
Die Symbolik des Auf-dem-Wasser-Gehens sagt uns: Jesus ist der Meister dieses Elementes, nicht sein Beherrscher, sondern sein Vertrauter.
Solange Petrus auf diesen Meister bei seinem Gehen über das Wasser schaut, ist er dessen Kraft und Fähigkeit teilhaftig. In ständigem Kontakt mit dem Meister ist er ein vollkommener Schüler.

In jenem Moment, als Petrus auf einmal diesen Windstoß, der da so heftig von der Seite kommt, spürt und meint, das Wasser kontrollieren zu müssen, indem er einen Blick seitwärts wirft, verliert er den Kontakt zu Jesus und säuft so schnell ab, dass er kaum mehr um Hilfe rufen kann.
Genau das geschieht uns tagtäglich, wenn wir zweifeln, wenn wir gespalten sind; denn das bedeutet Zwei-fel: in zwei gefaltet, gespalten zu sein.
Aller Zweifel zerreißt uns, trennt uns von uns selbst, von unserem inneren Kern, dem Himmel in uns.
Zweifel und Angst unterbrechen den Kontakt zum Göttlichen und schon trägt das Wasser nicht mehr; wir gehen in ihm unter. Strudel von Angst, von Neid,  von Hass und allen möglichen trüben Emotionen lassen uns in den Wassern der eigenen Seele schier untergehen. Und welche Erfahrungen man in den Tiefen des Wassers machen kann, hat niemand anders als Friedrich Schiller in seiner Ballade Der Taucher so überzeugend gestaltet.
Manche bleiben wie Narziss ewig an der Oberfläche, andere haben den Mut, die Seele zu erkunden.
Gut, wenn man wie der Edelknecht im Taucher mit einem goldenen Becher wieder auftauchen darf.

Wie wunderbar diese Verbindung zum Göttlichen sein und aussehen kann, wenn man unverwandt, wie Petrus zu Beginn, Jesus anschaut, hat die hochverehrte Ricarda Huch in einem der schönsten Sonette, die ich kenne, gestaltet:

Du warst in dieser götterlosen Zeit,
Wo trübe Träumer ohne Lichtgedanken
Wie leere Schiffe unterm Himmel schwanken,
Der Stern, der mich geführt hat und gefeit.

Die Spur, die du gegangen, zu betreten,
dass ich nicht irrte, war mein hohes Ziel.
Von irdischen Geschäften, Drang und Spiel
Trug mich empor das Glück dich anzubeten.

Wie nachts ein Segel steuernd heimatwärts
Der Leuchte zu die schweren Nebel spaltet
Und so gelenkt sich in den Hafen rettet,

Ging ich getrost, den Blick an dich gekettet,
Die Hände gläubig auf der Brust gefaltet,
Durch Flut und Dunkel an dein strahlend Herz.

Samstag, 3. Mai 2008

Die Basis: Vertrauen zum Leben




Des Menschen Seele
Gleicht dem Wasser:
Vom Himmel kommt es,
Zum Himmel steigt es,
Und wieder nieder
Zur Erde muss es,
Ewig wechselnd.


So schreibt Goethe angesichts des Staubbachfalls im wunderschönen Lauterbrunnental.
Das verweist zum einen auf die Tatsache, dass auch Goethe - wie Wilhelm Busch, Novalis, Christian Morgenstern, Richard Wagner und viele andere - daran glaubte, dass der Mensch immer wiederkehre, sozusagen auf die Erde regne, dann auf seiner Lebensreise dem großen Ozean zufließe, um erneut wiederzukehren ...
In den Bildern der Natur sah Goethe die Wahrheit des Lebens.
Zu diesen Wahrheiten gehört - und es ist wissenschaftlich untermauert -, dass Wasser Informationen speichert. Wasser hat ein Gedächtnis.
Das erste Wasser, in dem wir baden, ist das Fruchtwasser des Mutterbauches.
Alle Gefühle der Mutter sind im Fruchtwasser gespeichert, und all diese Informationen nimmt ein heranwachsendes Leben auf. Wird ein Kind in der Schwangerschaft geliebt, dann vertraut es dem Wasser, auch dem Wasser des Lebens, dem Leben selbst; wird ein Kind wenig beachtet, gar verachtet, missachtet, gehasst, dann trägt es ein Leben lang, wenn diese Emotionen später nicht herausgefiltert werden, Missachtung dem Leben gegenüber in sich. Es fehlen ihm Selbstliebe und Wertschätzung seiner selbst; oft müssen solche Menschen ständig beweisen, wie viel wert sie sind und müssen sich in den Mittelpunkt stellen ... oder sie ziehen sich still in den Fernsehsessel zurück; sie sind sich nichts wert.
Vieles, was an Schrecklichem auf der Erde geschieht, ereignet sich auf der Basis von Misstrauen und Hass gegenüber dem Leben. Es sind dies negative Lebensmuster oft seit Anbeginn, die zumeist für die Betroffenen wie ein unentdecktes Virusprogramm sind, das im Geheimen wirkt und Zugriff hat auf alles, was sie tun und denken.
Auf diesem Hintergrund wird deutlich, warum ein Bertolt Brecht vielleicht gar nicht anders als im Folgenden abgedruckt schreiben konnte, obwohl er sich dem Glauben hingab, es spiegele sich darin seine ureigene Sicht:

Auf die Erde voller kaltem Wind
Kamt ihr alle als ein nacktes Kind.
Frierend lagt ihr ohne alle Hab
Als ein Weib euch eine Windel gab.


Niemand friert, der geliebt wird; auch nach der Geburt umhüllt ihn die Liebe der Mutter. Frappierend aber, mit welcher Chuzpe Brecht das Gegenteil verallgemeinert. Vielleicht wollte er nicht wissen, dass seine Zeilen die emotionale Existenz seiner Eltern spiegeln, deren Gefühle, deren Kälte, damit auch sein Frieren, das daraus resultiert. Er hätte dann nämlich erkannt, dass er nicht so frei ist, wie er bisher dachte.
Frei wird nur der, der seine Begrenzungen, seine Begrenztheiten erkennt, auch seine emotionalen; von diesem Standpunkt in Bezug auf sich selbst war Brecht weit entfernt.
Stattdessen drückt er lieber allen rein, dass sie frierend zur Welt kamen.
Wer geliebt ist, ist zudem nicht mittellos. "ohne alle Hab", schreibt Brecht: als ob Liebe kein Hab und Gut wäre!
Es ist wichtig, das eigene Gefühlsreservoir einem ehrlichen Check zu unterziehen. All das hat nichts mit Versagen, Sünde oder Schuld zu tun, sondern mit der Realität unseres Seins auf der Erde. Die Wahrheit über unser emotionales Lebensbudget befreit und ist die Basis für Veränderung.
Liebe ist lernbar!
Erst wenn die Stief-Gefühle weg sind, können sich wahre Gefühle zeigen.
Vertrauen und Liebe tragen den Menschen durch sein Leben, deshalb konnte Jesus in der Bibel auf dem Wasser gehen; ob symbolisch oder real, jedenfalls kommt darin zum Ausdruck: Er war ein Meister seiner Gefühle.
Petrus kann im Anschluss auch auf dem Wasser gehen, solange er seinem geistigen Vorbild vertraut. In dem Moment, wo er den Wind aufkommen sieht und die Wellen auf ihn zukommen, gewinnen Misstrauen und Zweifel die Oberhand und er versinkt.
Wie sieht es mit den Wassern unserer Seele aus?

Donnerstag, 3. Januar 2008

Yin und Yang des Seins

Zunächst möchte ich alle linkshirnigen Leser , also all diejenigen im Grunde, welche die traditionelle Schulausbildung genossen haben, bitten, vorsichtig weiterzulesen, da die folgenden Informationen nur unter Zuhilfenahme der rechten Gehirnhälfte verarbeitet werden können. Wer also nicht mehr staunen und sich wundern kann, wer lieber Stockwerke zählt als ein Haus als Ganzes anzusehen, wer bei sich Details wahrnimmt, aber nie sein gesamtes Format und die wirkliche Größe, und wer grundsätzlich bei Mystischem (gehirn-)kollabiert, sollte der Gesundheit seines corpus callosum zuliebe, das die linke und die rechte Gehirnhälfte verbindet, vorsichtig und zugleich sorgfältig weiterlesen.
Obiges Bild manifestiert die Wortenergie Danke in Form eines Wasserkristalls (bitte anklicken) ; dieses und alle Wasserkristallbilder im Folgenden sind mit freundlicher Genehmigung des Verlages entnommen: M. Emoto, Die Botschaft des Wassers, Bd.I, Koha-Verlag, Burgrain 2002
Der nebenstehend fotografierte Wasserkristall manifestiert die Wortenergie Dummkopf auf Englisch. Dabei wurden über Nacht die Worte you fool auf eine Wasserflasche geklebt.
Bei blockiertem Durchgang des corpus callosum, was bei Linkshirnigen, also sehr verstandesorientierten Menschen besonders gern der Fall ist - wobei das Ausmaß der Blockade variiert -, schlägt gegebenenfalls die Wahrheit der Information wie ein Dampfhammer gegen die geschlossene Tür der auch Balken genannten Verbindung der beiden Gehirnhemisphären.
Wir möchten empfehlen, nicht vorschnell ein Urteil zu fällen, denn Urteile teilen, sie trennen uns von den Fähigkeiten der rechten Gehirnhälfte, welche die Aufgabe übernimmt, was wir aufnehmen, in ein großes Ganzes einzuordnen.
Einige Leser werden Masaru Emoto und seine Wasserkristallexperimente kennen; vorsichtshalber fasse ich das Wirken des mittlerweile weltbekannten Japaners kurz zusammen:
Emoto entwickelte ein Verfahren, mittels welchen er Wasserkristalle sichtbar machen konnte (Bild: Wasserkristall der Quelle von Lourdes). Er gefror Wasser tropfenweise ein und fotografierte in 200-500facher Vergrößerung die kristallinen Strukturen. Nun gleicht bei Wasser auch aus derselben Quelle kein Kristall dem anderen, allerdings lassen sich charakteristische Tendenzen erkennen.Emotos Experimente und Ergebnisse werden zum Teil stark angezweifelt, was kein Wunder ist, denn Wissenschaftlichkeit wird definiert dadurch, dass sich ein Versuch unter denselben Bedingungen mit dem gleichen Ergebnis wiederholen lassen können muss. Das ist bei Wasserkristallen nun einmal schwer möglich, zumal womöglich jeder anwesende Mensch auf das Wasser einwirkt, ein Einfluss, den Quantenphysiker hinsichtlich des Aufbaues von Experimenten schon lange nicht mehr abstreiten.

Bild: Regenwasserkristall, Zentrum Tokios
Wer sich im Übrigen noch erinnert, wie lange Akupressur und Akupunktur im Westen verteufelt wurden, genauso wie der Einfluss von Musik auf Pflanzen, wundert sich nicht über den heftigen Widerstand.
Letzterer also muss nicht weiter stören, nicht verunsichern - im Gegenteil.
Auch nach Kopernikus hat es noch viele Jahrzehnte gedauert, bis die meisten der Menschen überzeugt waren, dass wirklich die Sonne nicht untergeht, sondern die Erde sich bewegt.
Manche haben das heute noch nicht begriffen.
Desgleichen existiert eigentlich die Mauer zwischen Ost und West nicht mehr, aber in den Köpfen von nicht wenigen ist sie mehr denn je vorhanden.
Ist sie also da oder nicht?
Radiowellen und Röntgenstrahlen gibt es übrigens schon seit Ewigkeiten. Aber es gibt tatsächlich Menschen, die glauben, sie seien zusammen mit dem Radio- und dem Röntgenapparat erfunden worden.
Soweit zu dem Argument, Masaru Emotos Forschungen seien wissenschaftlich nicht haltbar, da nicht beweiskräftig. - Was er erforscht, gibt es schon lange.
Aber auch als die erste Eisenbahn über Land tuckerte, fürchteten nicht wenige, dass man bei dieser horrenden Geschwindigkeit verrückt werden müsse ...
Kolumbus hätte im Übrigen nach Ansicht vieler am Horizont die Erde runterfallen müssen ...
... gut, dass es keine Inquisition mehr gibt ...
... später sind dann alle begeistert ...
... keiner will´s gewesen sein ...
... klasse, dass es trotzdem immer wieder Menschen gibt, die das Rad vorwärts drehen ...
Vorwärts zu Masaru Emoto.
In die esoterische Ecke wurde er vollends ge(d)rückt, als er Ergebnisse vorwies, wie Wortenergien sich auswirken, indem über das Schriftbild des Wortes Informationen an das Wasser weitergegeben werden (siehe Bilder ganz oben) und wie Musik auf Wasser sich auswirkt.

Nebenstehendes Bild rechts: Heavy metal.
Links darunter: Air auf der G-Saite - Bachs berühmtes Violinstück); dieses und alle obigen Wasserkristallbilder sind entnommen: M. Emoto, Die Botschaft des Wassers, Bd.I, Koha-Verlag, Burgrain 2002
Klar, dass viele diese Ergebnisse schon allein deshalb nicht wahrhaben wollen, wo doch der Mensch zu über 70 Prozent aus Wasser besteht und z.B. viele Pflanzen, die wir essen, auch. Wenn sie und wir tatsächlich Informationen in dem Maße aufnehmen, wie Emoto es dokumentiert, könnte der ein oder andere darüber ins Grübeln kommen, ob nicht einer der größten Umweltverschmutzer, was seinen häuslichen Kosmos und sein körpereigenes Wasserreservoir betrifft, er selbst samt seinen Wort- und Gedankenenergien ist … Nur ärgerlich, dass man Liebe nicht kaufen kann :-( … mit was also das Wasser energetisieren, wenn sich im ganzen Haus inclusive eigenem Körper - von der Seele ganz zu schweigen - keine Liebe findet :-((
Gut, dass die Wortenergie >Liebe< überall wirkt, in jedem Haushalt, unabhängig davon, ob jemand Liebe liebt oder nicht - Liebe ist vollkommen ...
In jeder Vollkommenheit ist Yin und Yang angelegt. In unserer Welt und unserem Leben zeigt sich das als die uns bekannten polaren Strukturen wie männlich und weiblich, oben und unten, innen und außen, links und rechts, göttlich und menschlich. Doch gerade an letzterem Beispiel wird deutlich, wie sehr diese scheinbaren Gegensätze eigentlich nur eine Offenbarung der Einheit sind, denn der Mensch ist nach dem Bild Gottes geschaffen. Er ist seiner Natur nach ein göttliches Wesen, ein Kind Gottes.
Bedauerlicherweise hat Luther die Bibel nicht immer angemessen übersetzt, weil ihm manche Vorstellungen einfach fremd waren, z.B. das Wesen von Yin und Yang. Deshalb kommt es, dass er übersetzt, dass in der 1. Schöpfungsgeschichte Gott den Menschen nach seinem Bild schuf, und nun übersetzt Luther: "... und schuf sie, ein Mann und eine Frau." Tatsächlich steht im Hebräischen kein und, wiewohl das Hebräische die Konjunktion "und" kennt. Luther hätte eigentlich übersetzen müssen: "... und schuf sie, MannFrau" oder, was das Hebräische auch zulässt: "... und schuf sie männlichweiblich."
Es gibt nun einmal keinen Herrn Gott und keine Frau Gott. - Gott ist Eins.
Gott ist meines Erachtens in sich männlich-weiblich zugleich, wenn auch die monotheistischen Religionen diesen weiblichen Teil Gottes unterschlagen haben, weshalb sie sich auch im Verlauf der Menschheitsgeschichte so richtig männlich doof bekämpft haben.
Jedenfalls: Der Mensch, nach Gott geschaffen, ist ein männlich-weibliches Wesen, und erst im Laufe der Zeit entwickelt sich, was wir heute kennen. Doch auch heute wissen wir, dass jeder Mann seine Anima, seinen weiblichen Teil hat (manchmal ziemlich verkümmert), und jede Frau ihren Animus, ihren männlichen Teil, jene Energie also, mit der sie im Leben steht und handelt; im Grunde sollte auch heute der Mensch männlich-weiblich zugleich sein. Dass Gott männlich-weiblich zugleich ist, macht auch die 2. Schöpfungsgeschichte deutlich, in der Gott den Menschen aus einem Erdenkloß erschafft - wir werden hier also Zeugen der physischen Schöpfung des Menschen, die uns besagt, dass wir aus den Stoffen unserer Erde sind, weshalb sie unsere Mutter ist und uns heilig sein sollte.
Adam aber bedeutet übersetzt nicht "Mann", sondern "Mensch".
Und auch Adam hatte als Mensch beides in sich, das Männliche und das Weibliche, sonst hätte Gott nicht Eva als Teil - als Rippe übersetzt Luther - herausnehmen können.
Auch Adam war urprünglich also männlich-weiblich.
Dieses universale Prinzip von Yin und Yang zieht sich wie ein roter Faden durch die Heilgen Bücher und Dokumente, beispielsweise auch die Tabula Smaragdina, in deren zweitem Satz es heißt:

Dasjenige, welches unten ist, ist gleich demjenigen, welches oben ist:
Und dasjenige, welches oben ist, ist gleich demjenigen,
welches unten ist,
um zu vollbringen die Wunderwerke eines einzigen Dinges.

Wie sehr die Menschen Schwierigkeiten haben, das Vollkommene zu erfassen, hat Matthias Claudius gewusst und auf unnachahmlich schlichte und doch sinnhafte Weise in einer Strophe seines Abendliedes zum Ausdruck gebracht, indem er schrieb:


Seht ihr den Mond dort stehen,
er ist nur halb zu sehen
und ist doch rund und schön.
So sind wohl manche Sachen
die wir getrost belachen,
weil unsere Augen sie nicht sehen.

Wir kennen dieses Prinzip von oben und unten der Tabula Smaragdina aus dem Biblischen "wie im Himmel so auf Erden".(Bild: "Die Sinnes-Lemniskate; www.wbu-qe.de)Wir Menschen neigen dazu, die Dinge nur halb zu sehen, nur das Unten z.B., nur unser Leben auf der Erde.
Doch es gibt mehr, den Himmel über uns, der ja zugleich in uns ist.
Beides zusammen ist das Wunderwerk eines einzigen Dinges.