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Donnerstag, 11. Juni 2026

🌼 Mit unserem Herzen in der Sonne sein !! 🌼 "Sucht nicht nach Portalen: Seid ein Portal." 🌼

Manches, was Rudolf Steiner vor über 100 Jahren gelehrt hat, ist heute zumindest für jene, die auf dem Weg des reinen Herzens sind, überholt, das gilt beispielsweise für die Bedeutung des Karma; es verliert für mehr und mehr Menschen seine Gültigkeit - oder hat sie schon verloren
Was er aber über das Verhältnis des Menschen zur Sonne gesagt hat, vor allem, was er über das Verhältnis des menschlichen Herzens zur Sonne äußerte, wird noch eine ganze Zeitlang zum Wichtigsten gehören, was unser Herz wissen sollte:
Was innerhalb unserer Haut liegt, das ist nichts anderes als das Spiegelbild des äußeren Weltorganismus. Versteht man dasjenige, was das Herz im menschlichen Leibe ist, dann lernt man auch verstehen, daß die Sonne nicht das ist, was Newton meint, der allgemeine Seilzieher, der da seine Seile, Gravitationskraft genannt, hinüberschickt nach den Planeten, sondern, so wie die Herzbewegung das Ergebnis ist des Lebendigen der Zirkulation [für Steiner ist das Herz nicht die Pumpe, die das Blut bewegt, sondern das Blut ist es, was das Herz schlagen lässt], so ist die Sonne nichts anderes als das Ergebnis des ganzen Planetensystems. Die Sonne ist Resultat, nicht Ausgangspunkt.
Das lebendige Zusammenwirken des Sonnensystems ergibt in der Mitte eine Aushöhlung, die da spiegelt. Und das ist die Sonne, ein saugender Hohlraum. Und dasjenige, was uns zuscheint im Lichte, das ist Rückstrahlung desjenigen, was erst aus dem Weltenraum hinkommt – so wie die Bewegung des Herzens nichts anderes ist als dasjenige, was aus der Lebendigkeit von Durst und Hunger und so weiter, in der Zusammenwirkung der Organe, in der Blutbewegung im Herzen sich staut.
Die Sonne versteht derjenige, der das menschliche Herz versteht. [GA 201, S. 49ff]
Wir nehmen als Menschen wahr, was um uns herum ist als Rückstrahlung des Sonnenhaften. In dem Momente aber, wo wir zur inspirierten Erkenntnis kommen, wo das Herz Sinneswahrnehmungsorgan wird, fühlen wir uns mit unserem Herzen in der Sonne drinnen und mit der Sonne selber gehend, indem das Herz unser Sinnesorgan wird. Für uns selbst wird das Herz zu gleicher Zeit wie hinausgerückt in die Sonne, und die Sonne wird unser Auge, mit dem wir jetzt dasjenige, was anfängt, um uns herum zu sein, anschauen. Die Sonne wird jetzt zu unserem Auge, auch zu unserem Ohr, auch zu unserem Wärmeorgan. Wir haben nun nicht mehr das Gefühl, daß wir außerhalb des Sonnenhaften sind, sondern wir haben das Gefühl: Wir sind in das Sonnenhafte hineingerückt, wir stehen innerhalb des Lichtes, und unser eigenes Wesen ist Licht. Wir berühren mit unseren Lichtorganen, die wir jetzt in dem wallenden, webenden Lichte haben, die geistigen Wesenheiten. Wir werden mit unserem Seelischen jetzt verwandt der Welt, die nicht außerhalb der Sonne ist, sondern die innerhalb der Sonne ist, und zwar, ich bemerke ausdrücklich: linienhaft werden wir das, wir fühlen uns wie auf dem Weg der Sonne, linienhaft auf dem Weg der Sonne. Und geht jetzt die höhere Erkenntnis nur um ein kleines Stück weiter, dann fühlen wir uns nicht nur in der Sonne drinnen, sondern dann fühlen wir uns gewissermaßen da jenseits der Sonne.
Früher waren wir da unten so ein kleiner Mensch und sahen zur Sonne hinauf. Jetzt sind wir in die Sonne hineingekommen, fühlen uns mit unserem seelischen Wesen innerhalb der Sonne, und die Welt ist in uns, die bisher um uns herum war. Aber erst wenn wir dies errungen haben, beginnen wir zu verstehen, daß wir, wenn wir im gewöhnlichen Erdenleben schlafen, mit unserer Seele da hinausgehen. Da sind wir, wo wir so eingerichtet sind, daß wir eigentlich nur durch die Sonne wahrnehmen sollen.
Jetzt gehen wir mit unserem Seelischen da hinaus in die Welt, die uns nur durch die Sonnenreflexion klar werden kann; daher nehmen wir da nichts wahr. Wir müssen hinausrücken über das Gebiet der Sonnensphäre. (…)
Was ist es denn eigentlich, was uns abtrennt von diesem Gebiet, in dem wir leben zwischen dem Tod und einer neuen Geburt? Ja, man kann nichts anderes sagen als: Die Sonne ist das. Wir werden als Menschen in die physische Welt hineingeboren. Vor der Konzeption, bevor wir heruntergestiegen sind, haben wir mit der äußeren physischen Sonne nichts zu tun, nur mit dem, was hinter der Sonne als Geistiges steht, mit dem haben wir zu tun. Jetzt steigen wir in die physische Welt herunter. Da strahlt überall die Sonne hin. Was sie uns sichtbar macht auf physische Weise, das nehmen wir in unsere Gedanken, in unsere Vorstellungen auf. Diese physische Sonne verhindert uns, das Geistige zu sehen. Und wenn wir nach dem Einschlafen da draußen sind unter den Gegenständen, die sie uns sonst sichtbar macht, sind wir eben, weil wir während des Erdenlebens mit unserem physischen Leib an das Erdenleben gewöhnt sind, zu schwach, um hinauszusehen außerhalb des Sonnengebietes, und im Sonnengebiet können wir nichts sehen, denn da würden wir die anderen Wesen sehen müssen, die uns entweder als elementarische Geister oder als Geister der höheren Hierarchien in der äußeren Welt umgeben. [GA 212, S. 76ff]

Die Zeit kommt - bzw. ist schon da -, wo Menschen nicht mehr zu schwach sind, hinauszusehen über das Sonnengebiet hinaus.
Wir wissen heute, dass die Sonne nicht das ist, was uns die Astrophysik weismacht, denn aus spiritueller Sicht ist sie in erster Linie ein Portal, das uns die Türen öffnet zu weiteren Dimensionen, Bereichen und Zeiten. So wir wir uns in die Sonne fühlen können - und das mag eine wichtige Meditationsmöglichkeit sein -, so ist die Sonne auch in uns.

Deshalb sagt Thor Han, ein Plejader, in Elena Danaans "Ein Geschenk der Sterne. Kontakte mit Außerirdischen und Sammlung von Alien-Rassen":

"Sucht nicht nach Portalen: Seid ein Portal. "

Dienstag, 20. Juni 2023

Von Gaia und einem kosmischen Klima

Seit ich die Wochensprüche Steiners für mich entdeckt habe, werden sie mir immer mehr zu einer Fund- und Schatzgrube.

So auch jener für diese Woche:
Es ist in dieser Sonnenstunde
An dir, die weise Kunde zu erkennen:
An Weltenschönheit hingegeben,
In dir dich fühlend zu durchleben:
Verlieren kann das Menschen-Ich
und finden sich im Welten-Ich.
Unter denen, die ich kenne, ist obiger ein Höhepunkt, denn in seinem Mittelpunkt steht eine coiunctio oppositorum, also die so sehr erstrebte Vereinigung der Gegensätze (wegen deren Existenz wir momentan krank, kriegerisch und was nicht noch alles sind):▫️

Offensichtlich ist es möglich, etwas hingegeben zu sein und sich selbst zugleich zu durchleben, zu erleben.

Was die Menschheit noch nicht willens zu verstehen bereit war und ist:

Es ist nicht gleichgültig, wem oder was ich mich hingebe.
Mit Bitcoin und KI wird die Erde nicht überleben.
Weltenschönheit will erkannt und sich ihr hingegeben sein (wie finden wir die Welt ... ?)

Das Entscheidende liegt darin, dass man sich finden kann, weil man sich etwas Besonderem hingibt.
Dann findet man sich nicht mehr so, wie man es vielleicht gewohnt ist, sondern man findet sich im Welten-Ich.
Auf dieser Ebene nur finden wir die Lösung unserer derzeitigen Probleme.

Darin liegt auch das Geheimnis der Liebe:
Wenn ich mich in Liebe hingebe, finde ich mich im Anderen.
Ja, in all den Anderen (so wenig sich das auch mein begrenzter Verstand im Moment vorstellen kann).

Darin auch liegt die Lösung der sozialen Frage.
Ihre Lösung liegt eben nicht in dem begrenzten Rahmen, den wir, Gewerkschaften und Politiker ihr geben:
  • Es will der Kosmos mit eingebunden sein.
  • Es geht nicht um unsere Vorstellung von Schönheit.
  • Es geht um Weltenschönheit.
  • Es geht nicht um unsere Vorstellung von Liebe.
  • Es geht um Weltenliebe.

Wir lösen unsere Probleme nicht auf der irdischen Ebene.
Wir lösen sie nur auf der kosmischen Ebene.

Unser aller Urmutter, Gaia - einst war sie einfach reines Feuer - hatte eine Beziehung zu Uranos, dem Himmel (Hesiod erzählt davon).
Auch wir, ihre Kinder, bedürfen dieser Beziehung.
Sie ist möglich, wenn wir uns auch mehrheitlich den Gedanken an sie abgewöhnt haben.

Ab sofort können wir wieder kosmisch denken, kosmisch fühlen, auch wenn wir uns wie Pennäler auf diesem Gebiet vorkommen und der ein oder andere nur darauf spöttisch reagieren kann (was er nicht weiß: es gibt ein kosmisches Klima und unser irdisches Klimaproblem lässt sich nur auf ersterer Ebene lösen ...)

PS Man sollte es nicht glauben, aber die Sommer-Sonnen-Zeit scheint eine günstige Voraussetzung für obiges Geschehen zu bieten. Gewiss, Sonne ist allein schon kosmisch, aber Uranos ist noch viel mehr ...

Dienstag, 13. Juni 2023

Kennst Du das: ein göttliches Wesen fühlt Dich?

Vor ein paar Wochen hat mir jemand die Steinerschen Wochensprüche, auf einem Blatt doppelseitig zusammengefasst, in die Hand gedrückt.
Manche davon klingen ziemlich kryptisch, das heißt, man muss sich auf sie einlassen und tatsächlich, man muss gedankliche Arbeit leisten, um sie zu verstehen (ach herrje, Eigenleistung ist gefragt, wenn man sich innerlich entwickeln will).
Für diese Woche lautet der Spruch:
Zu sommerlichen Höhen
Erhebt der Sonne leuchtend Wesen sich;
Es nimmt mein menschlich Fühlen
In seine Raumesweiten mit.
Erahnend regt im Innern sich
Empfindung, dumpf mir kündend,
Erkennen wirst du einst:
Dich fühlte jetzt ein Gotteswesen.
Auffällt, dass die herannahende Sommerzeit - auch durch die noch ungewohnte Lichtflut - Besonderes im Menschen bewirkt - das hat sich schon in den letzten Sprüchen angedeutet.
Was in dem vorliegenden Wochenspruch aber angesprochen wird, ist etwas, was mir als Gedanke noch nie begegnet ist:

Dass der Sonne leuchtendes Wesen mein Fühlen in ungewohnte Regionen mitnehmen könnte und vor allem: dass, was ich gegebenenfalls wahrnehme, eine Folge dessen ist, dass mich ein Gotteswesen fühlt.


Ein Gotteswesen fühlt mich: ein - bedingt auch durch diese Wortwahl - für mich gänzlich neuer Gedanke.
Offensichtlich gibt es das: eine besondere und bewusste fühlende Zuwendung durch ein göttliches Wesen, eines vielleicht, das ich vom Namen her kenne, vielleicht aber auch eines, das aus tiefen Raumesweiten ausgerechnet mich für sein Fühlen ausgewählt hat, vielleicht die Sonne selbst


Für diese Vorstellung muss ich in meiner Vorstellungswelt extra einen Raum schaffen ...
Vielleicht kann ich dann früher als "einst" erkennen, was mir da begegnet ist ...

Sonntag, 9. März 2014

Der Himmel jubiliert, zeigt seine Freude



Vielleicht sollten wir - nicht nur, aber vor allem am Sonntag, am Sonnen-Tag - einen Moment verweilen bei der Tatsache, dass der Frühling gekommen ist, prognostiziert für eine ganze Woche, 7 Tage; der Himmel also lacht und strahlt, als gäbe es etwas Besonderes zu feiern. 

Vielleicht sind tatsächlich auf der Erde und im Himmel - beides ist nicht zu trennen - Dinge geschehen, die den Himmel 7 Feste feiern lassen.

Ungewöhnlich war der milde Winter. Wem galt die Milde?

Ungewöhnlich dieser Frühling. Es ist, als ob alle Krokusse und alle Vögel, die schon immer Boten Gottes waren und mit ihrem Gesang den Ewigen verehren, sagen: Lasst uns feiern.

Menschen jammern, wenn das Wetter grau ist und die Natur Emotionen freisetzt, die Menschen und Tieren, Bäumen und Sträuchern ihre Endlichkeit zeigen müssen.

Wenige aber nur sind dankbar, wenn der Himmel und die Sonne die Erde streicheln, wärmen, ihre Liebe zeigen, die immer da ist. 

Der Tag lässt uns die Sterne nicht sehen, die Nacht und die Wolken lassen uns die Sonne nicht sehen. Doch strahlen sie immer.

So wie es im Abendlied von Matthias Claudius heißt: 


Seht ihr den Mond dort stehen, 
er ist nur halb zu sehen
und ist doch rund und schön.
So sind wohl manche Sachen,
die wir getrost belachen, 
weil unsere Augen sie nicht sehen.

Wir sehen den Himmel lachen und haben Grund, dankbar zu sein.


Mittwoch, 27. März 2013

"o welch ein Lieben war wie seines heiß?" – Annette von Droste Hülfshoffs "Gethsemane"

Gethsemane ist ein bis heute wenig beachtetes Gedicht Annette von Droste-Hülshoffs. Doch ist es ein Meisterwerk, das die Tiefe des Leidens der Liebe zu gestalten vermag.
Ich habe an anderer Stelle einiges zu seinem Verständnis, auch zu seiner Verfasserin geschrieben.
An dieser Stelle möchte ich nur das Werk selbst veröffentlichen, gewiss kein Gedicht, das man mal geschwind lesen und den Inhalt so eben mal zur Kenntnis nehmen kann; das wäre, als ob man durch eine der berühmten Pinakotheken joggen wollte.

Es ist eine österliche Meditation, der man nur mit Andacht zu begegnen vermag, wenn man ihr gerecht werden will:


                   ♱

                           Gethsemane 

.
Als Christus lag im Hain Gethsemane
auf seinem Antlitz mit geschloss’nen Augen, –
die Lüfte schienen Seufzer nur zu saugen,
und eine Quelle murmelte ihr Weh,
des Mondes blasse Scheibe widerscheinend, –
das war die Stunde, wo ein Engel weinend
von Gottes Throne ward herabgesandt,
den bittern Leidenskelch in seiner Hand.
.
Und vor dem Heiland stieg das Kreuz empor;
daran sah seinen eignen Leib er hangen,
zerrissen, ausgespannt; wie Stricke drangen
die Sehnen an den Gliedern ihm hervor.
Die Nägel sah er ragen und die Krone
auf seinem Haupte, wo an jedem Dorn
ein Blutestropfen hing, und wie im Zorn
murrte der Donner mit verhaltnem Tone.
Ein Tröpfeln hört’ er; und am Stamme leis
herniederglitt ein Flimmern qualverloren.
Da seufzte Christus, und aus allen Poren
drang ihm der Schweiß.
.
Und dunkel ward die Nacht, im grauen Meer
schwamm eine tote Sonne, kaum zu schauen
war noch des qualbewegten Hauptes Grauen,
im Todeskampfe schwankend hin und her.
Am Kreuzesfuße lagen drei Gestalten;
er sah sie grau wie Nebelwolken liegen,
er hörte ihres schweren Odems Fliegen,
vor Zittern rauschten ihrer Kleider Falten.
O welch ein Lieben war wie seines heiß?
Er kannte sie, er hat sie wohl erkannt;
das Menschenblut in seinen Adern stand,
und stärker quoll der Schweiß.
.
Die Sonnenleiche schwand, nur schwarzer Rauch,
in ihm versunken Kreuz und Seufzerhauch;
ein Schweigen, grauser als des Donners Toben,
schwamm durch des Äthers sternenleere Gassen;
kein Lebenshauch auf weiter Erde mehr,
ringsum ein Krater, ausgebrannt und leer,
und eine hohle Stimme rief von oben:
»Mein Gott, mein Gott, wie hast du mich verlassen!«
Da weinte Christus mit gebrochnem Munde:
»Herr, ist es möglich, so laß diese Stunde
an mir vorübergehn!«
.
Ein Blitz durchfuhr die Nacht; im Lichte schwamm
das Kreuz, o strahlend mit den Marterzeichen,
und Millionen Hände sah er reichen,
sich angstvoll klammernd um den blut’gen Stamm,
o Händ’ und Händchen aus den fernsten Zonen!
Und um die Krone schwebten Millionen
noch ungeborner Seelen, Funken gleichend;
ein leiser Nebelhauch, dem Grund entschleichend,
stieg aus den Gräbern der Verstorbnen Flehn.
Da hob sich Christus in der Liebe Fülle,
und: »Vater, Vater,« rief er, »nicht mein Wille,
der deine mag geschehn!«
.
Still schwamm der Mond im Blau, ein Lilienstengel
stand vor dem Heiland im betauten Grün;
und aus dem Lilienkelche trat der Engel
und stärkte ihn.

Dienstag, 1. Mai 2012

Es ist Zeit sich zu öffnen und allen ein Freund zu sein. – Rose Ausländers "Mai II"




















Das folgende Mai-Gedicht der aus der Bukowina stammenden und 1988 in Düsseldorf verstorbenen deutschsprachigen Jüdin Rose Ausländer, deren Leben durch so viele innere und äußere Krisen gezeichnet war und manches, über was wir jammern, relativ erscheinen lässt, kann unseren Blick auf unseren Mai öffnen.
Beispielhaft für das Leben dieser Frau mag jene Zeit sein, als sie 1939 wider alle scheinbare Vernunft aus den USA nach Czernowitz zurückkehrt, um ihre kranke Mutter zu pflegen. 1941 besetzen SS-Einheiten die Stadt  und richten im alten Judenviertel ein Ghetto ein; sechzigtausend Juden leben damals dort. Fast 5000 werden innerhalb weniger Tage getötet. Als Rose Ausländer die Arbeitserlaubnis entzogen wird, weiß sie, dass ihr der Todestransport nach Transnistrien droht. Immer wieder ihre Kellerverstecke wechselnd überleben sie und ihre Mutter. Doch nach Kriegsende war mit der russischen Besatzungsmacht – nur fünftausend Juden überlebten die Nazihölle – das Leiden nicht zu Ende. Waren sie für die Nazischergen Juden gewesen, so waren sie für die Russen Deutsche; wer arbeiten konnte, aber keine Arbeit hatte, wurde nach Sibirien deportiert. Diesem Schicksal entging sie dank eines mutigen Czernowitzer Arztes, dem die Leitung der dortigen Bücherei übertragen war und der mehr Frauen einstellte als notwendig, um ihnen somit einen Arbeitsnachweis zu ermöglichen und sie vor der Verschleppung zu bewahren.
Umso bewundernswerter nach all diesem Leid, dass Rose Ausländers Worte, die so fühlbar ehrlich aus ihrem Inneren kommen, immer wieder voller Trost sind, Hoffnung geben und den Blick für Wesentliches öffnen.
Auch heute noch können sie unserem Mai 2012 und unserem Leben Wegweiser sein:

     Mit Maiglöckchen
     läutet das junge Jahr
     seinen Duft

     Der Flieder erwacht
     aus Liebe zur Sonne
     Bäume erfinden wieder ihr Laub
     und führen Gespräche

     Wolken umarmen die Erde
     mit silbernem Wasser
     da wächst alles besser

     Schön ist´s im Heu zu träumen
     dem Glück der Vögel zu lauschen

     Es ist Zeit sich zu freuen
     an atmenden Farben
     zu trauen dem blühenden Wunder 

     Ja es ist Zeit
     sich zu öffnen
     allen ein Freund zu sein
    das Leben zu rühmen


PS: Es gibt da tatsächlich eine Wiese, auf der es diese wunderbaren gelben Trollblumen oben gibt. 
Man darf sie nicht betreten (deshalb war es nicht ganz einfach, an sie ranzukommen :-)). Vielleicht gibt es sie, weil unweit davon der Schwabenstein liegt -  und der ist ja nunmal schon was Besonderes.  Den lieb ich ja :-)). Und die Krokusse lieben ihn auch, die sind gleich nebendran :-)
PPS: Veröffentlicht auch auf Methusalem

Freitag, 1. Mai 2009

Der Mai ist gekommen: Wenn Bäume und Wörter ausschlagen ... Goethes Mailied: Lebensfreude pur!



M A I L I E D

Wie herrlich leuchtet
Mir die Natur!

Wie glänzt die Sonne!

Wie lacht die Flur!

Es dringen Blüten

Aus jedem Zweig

Und tausend Stimmen

Aus dem Gesträuch



Und Freud und Wonne
Aus jeder Brust.

O Erd, o Sonne!

O Glück, o Lust!


O Lieb, o Liebe!
So golden schön,

Wie Morgenwolken

Auf jenen Höhn!

 
Du segnest herrlich
Das frische Feld,

Im Blütendampfe

Die volle Welt.




O Mädchen, Mädchen,
Wie lieb ich dich!

Wie blickt dein Auge!

Wie liebst du mich!



So liebt die Lerche
Gesang und Luft,
Und Morgenblumen

Den Himmelsduft,
 
Wie ich dich liebe

Mit warmem Blut,

Die du mir Jugend

Und Freud und Mut


Zu neuen Liedern
Und Tänzen gibst.

Sei ewig glücklich,

Wie du mich liebst!

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