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Mittwoch, 22. Oktober 2025

Petrus, Andreas und die Arroganz der Männer - aus dem "Evangelium der Maria"

Das Evangelium der Maria (Magdalena), soweit es überliefert ist, lässt deutlich werden, dass die Jünger, namentlich Andreas und Petrus, es kaum verkraften, dass Jesus offensichtlich Maria Magdalena Dinge mitteilte, die er offensichtlich nur ihr übermittelt hat.

Auf Bitten des Petrus teilt sie diese den Jüngern mit.
Deren Reaktion ist bezeichnend; nur gut, dass Levi - er entspricht wohl dem Evangelisten Matthäus - die Courage hat (solche Männer gibt es auch), Maria zur Seite zu springen; im Evangelium heißt es:

1) Als Maria dies gesagt hatte, verstummte sie; denn bis dahin hatte der Erlöser mit ihr geredet.

2) Andreas aber antwortete und sprach zu den Brüdern: Sagt, was ihr zu dem sagen wollt, was sie gesagt hat. Ich jedenfalls glaube nicht, dass der Erlöser das gesagt hat. Denn diese Lehren sind wahrlich seltsame Ideen.

3) Petrus antwortete und sprach über dieselben Dinge.

4) Er befragte sie über den Erlöser: Hat er wirklich privat mit einer Frau gesprochen und nicht öffentlich mit uns? Sollen wir uns umdrehen und ihr alle zuhören? Hat er sie uns vorgezogen?

5) Da weinte Maria und sagte zu Petrus: Mein Bruder Petrus, was denkst du? Glaubst du, ich hätte mir das in meinem Herzen ausgedacht oder würde über den Erlöser lügen?

6) Levi antwortete und sprach zu Petrus: Petrus, du warst schon immer hitzig.

7) Jetzt sehe ich dich wie die Widersacher gegen die Frau ankämpfen.

8 ) Wenn aber der Erlöser sie würdig gemacht hat, wer bist du denn, dass du sie abweisen könntest? Gewiss, der Erlöser kennt sie sehr wohl.

9) Deshalb liebte er sie mehr als uns. Lasst uns vielmehr beschämt sein und den vollkommenen Menschen anziehen, uns absondern, wie er es uns geboten hat, und das Evangelium predigen, ohne andere Regeln oder Gesetze aufzustellen als das, was der Erlöser gesagt hat.

10) Und als sie das hörten, begannen sie auszugehen, um zu verkünden und zu predigen.

hier zum Evangelium der Maria:





Dienstag, 15. April 2025

Spirituelle Frauen dürfen nicht wirklich weiblich sein!

Für Frauen dürfte ein vergleichbarer Glaubenssatz auf der kollektiven Menschheitsebene existieren wie für Männer, für die ich in meinem Beitrag vom 5. April diesen Glaubenssatz thematisiert habe

Das Video greift in erweiterter Form diesen Beitrag vom 5. April auf. Wer möchte, kann sich hier also auf diese Weise dieses Thema zu Gemüte führen, das deshalb ja so wichtig ist, weil jenen Kräften, die auf der unbewussten Ebene ins Leben vieler Menschen eingreifen, ihre Macht endgültig genommen werden sollte.

Auf dem Hintergrund des Videos, das diesen Glaubenssatz für Männer thematisiert, können Frauen unschwer überprüfen, inwieweit ein entsprechender Glaubenssatz für das weibliche Geschlecht wirksam ist:

Dienstag, 17. Mai 2016

Gerade noch höchster Geistesadel, wenig später Satan! - Wie nah doch Himmel und Hölle in unseren Seelen beieinander sind!

Klar, zwei Seelen wohnen, ach, in unserer Brust! – Faust hat es gewusst und leider dennoch nicht gecheckt, dass jener Mephistopheles, dem er im Außen begegnet, Teil seiner Seele ist. Sonst hätte er sich vielleicht nicht auf der Walpurgisnacht mit jungen geilen Hexen herumgetrieben, während seine Margarete sich in höchster seelischer Not befand, nicht wissend, wie sie mit dem Kind in ihrem Leib, das sie ihrer Liebe zu eben diesem Faust verdankte, umgehen solle. Jener ließ sie mutterseelenallein. Schließlich tötete sie es.
Als jener Doktor endlich mittels einer Vision mitten im walpurgisnächtlichen Treiben wahrnahm, dass sich Gretchen buchstäblich in der Hölle befand, ließ er sich zwar durch Mephistopheles zu ihr in ihren Kerker bringen - aber es war viel zu spät!
Gretchen mag in jener Kerkerszene, die Faust I abschließt, gespürt haben, wie kalt ein Herz ist, das im Griff des Mephistopheles ist. Worte hin oder her.

Petrus hatte höchste Erkenntnis, und die wohl nicht nur im Kopf (wie es wohl bei Faust gewesen sein mag), sondern wohl auch im Herzen:

Als Jesus seine Jünger fragte, ob sie wüssten, wer er sei, vermuteten jene zunächst, er sei der wiedergeborene Elia oder der wiedergeborene Jeremia oder ein anderer der alttestamentarischen Propheten. Jesus stutzte sie übrigens nicht zurecht nach dem Motto: Was soll der Quatsch mit der Reinkarnation. Nein, die Stelle weist darauf hin, dass der Gedanke an sich für Jesus durchaus denkbar ist, eine der Belege für mich, warum dem christlichen Glauben Reinkarnation durchaus inhärent ist (die katholische Kirche hat bekanntlich jene, die an Seelenwanderung und damit auch an Reinkarnation fürderhin glauben, auf dem Konzil zu Konstantinopel 553 verflucht - seitdem glauben brav ganz viele Leute, vor allem Katholiken, aber auch Protestanten an ein einziges Leben).

Aber Jesus möchte mit seiner Frage, wer er sei, seinen Jüngern etwas ganz anderes so richtig bewusst werden lassen und er vermag es über die Worte, die Petrus ausspricht:
Du bist Christus, der Sohn des lebendigen Gottes.
Jesu folgende Worte sind für Petrus wie ein seelisch-geistger Ritterschlag; sein Meister sagt nämlich:
Du bist Petrus, und auf diesen Felsen will ich meine Gemeinde bauen, und die Pforten der Hölle sollen sie nicht überwältigen.Ich will dir die Schlüssel des Himmelreichs geben: Alles, was du auf Erden binden wirst, soll auch im Himmel gebunden sein, und alles, was du auf Erden lösen wirst, soll auch im Himmel gelöst sein. (Matth. 16,18f)
Mehr geht kaum: Petrus wird die Schlüssel des Königreiches der Himmel erhalten, wie es wörtlich heißt und er wird in einem Ausmaß ermächtigt, wie es kaum mehr sein kann.

Anmerken möchte ich an dieser Stelle, dass ich so sehr bedaure, dass Luther des Öfteren von nur einem Himmel gesprochen und ihn trotz anderer sprachlicher Gestaltung des Originals im Singular erwähnt hat, obwohl auch an dieser Stellen von dem Königreich der Himmel im Original die Rede ist. Für das Bewusstsein der Menschen wäre es so wichtig zu wissen, dass es in Wirklichkeit heißt:
Vater unser, der Du bist in den Himmeln . . .
So steht es nämlich im Matthäus-Evangelium.
Und auch an der oben zitierten Stelle ist von mehreren Himmeln die Rede.
Schade. Jesus wollte das Wissen um mehrere Himmel weitergeben. Vielleicht musste Luther hier den Satan geben.

Zurück zu Petrus: Nur wenige Tage später wird es gewesen sein, da brandmarkt Jesus jenen als Satan.
Für Petrus mag das ein Absturz wie für Luzifer gewesen sein.
Eben noch in höchster Höhe, von Gott ausersehen, sein Wort weiterzugeben - welche Ehre, welches Vertrauen!
Und dann tiefster Fall. Bis auf Satansebene.

Wie war es dazu gekommen?
Jesus hatte davon gesprochen, dass er nach Jerusalem gehen werde und viel werde leiden müssen, letztendlich natürlich, um seine Mission zu erfüllen.
Worauf Petrus nichts anderes einfiel, als Jesus ziemlich schroff in die Parade zu fahren, indem er ihn beiseite nahm und anfuhr:
Gott bewahre dich, Herr! Das widerfahre dir nur nicht!
Man könnte Petrus zugute halten, er habe es doch nur gut gemeint; in Wirklichkeit hat er schlicht und ergreifend das aus christlicher Sicht größte und wichtigste Menschheitsereignis torpediert.
Wenn auch nur mit Worten.
Die Reaktion Jesu geschieht unmittelbar und eindeutig. Er wendet sich von Petrus ab, sagend:
Geh weg von mir, Satan!
Brutal. 
So kommt es bei uns, bei mir jedenfalls an.
In Wirklichkeit als Antwort notwendig, um die Energie, die Petrus wachgerufen hatte, zu eliminieren!
Es hat nicht den Falschen getroffen, schließlich sollte Petrus Jesus auch in der Nacht von dessen Tod verleugnen, um sein eigenes Leben zu retten, wobei noch dazu das Ohr eines römischen Soldaten dran glauben musste, das er jenem abschlug, weil dieser die Wahrheit zu ermitteln versucht hatte, dass Petrus doch zu der Schar des eben gekreuzigten vermeintlichen Schwerverbrechers gehöre.

Kaum zu glauben, wie in einer Seele in unmittelbarer zeitlicher Nähe höchste Höhe und tiefste Tiefe, Himmel und Hölle beieinanderliegen. Ein Wimpernschlag, gemessen an dem, was wir Zeit nennen (und allein unsere Erde ist ja über 4 Milliarden Jahre alt).

Mich tröstet das heute sehr.
Dass das auch Petrus widerfuhr.
Offensichtlich kann man - seit Luzifer wissen wir das - wie ein Blitz vom Himmel fahren.
Aber für immer in den Himmel zurück gibt es keine Blitzreise.
Sondern immer wieder Himmel und Hölle.
Nah beieinander.

Donnerstag, 8. Juli 2010

Was Petrus lernen muss und Ricarda Huch schon weiß: Die Blickrichtung muss stimmen!

Des Menschen Seele gleicht dem Wasser, schrieb Goethe angesichts des Staubbachfalls im Lauterbrunnental.
 

Und in der Tat gibt es in der Mythologie und in unserer Realität viele Beispiele dafür, dass das Wasser eine seelische Realität spiegelt. Jahrzehnte über wurde Dünnsäure in die Nordsee verklappt und die Fils, jener Fluss, an dem ich geboren bin, trug in den 50er und 60er Jahren in allen Farben schillernde Schaumkronen, wenn die Weberei Heinrich Otto ihre Pforten öffnete und Abwasser abließ. Dann schwammen sämtliche Fische kieloben. So sorglos gingen und gehen damals wie heute die Menschen mit den Wassern auch ihrer Seele um, der Golf von Mexiko lässt grüßen.
 

Kein Zweifel aber besteht auch darin, dass innerhalb der Menschheit eine positive Entwicklung zu erkennen ist; dem gestiegenen Umweltbewusstsein korrespondiert auch bei vielen ein stärkeres Bewusstsein für die Gesundung der eigenen Seele.

Petrus musste auf leidvolle Weise erfahren, dass Wasser eine seelische Realität spiegelt, dass man auf dem Wasser gehen kann, dass man also wie sein Meister Jesus ein Meister der Seele, ein Meister der Emotionen sein kann; oder aber, wenn man den Blick abwendet, im Grunde also zu dieser Energie die Verbindung kappt, auch in diesen Wassern untergehen kann. Schiller hat in seiner Ballade Der Taucher die Bedeutung dieser seelischen Realität ebenfalls gestaltet.

In der Bibel wird berichtet:

Und alsbald trieb Jesus seine Jünger, in das Boot zu steigen und vor ihm hinüberzufahren, bis er das Volk gehen ließe. Und als er das Volk hatte gehen lassen, stieg er allein auf einen Berg, um zu beten. Und am Abend war er dort allein. Und das Boot war schon weit vom Lande entfernt und kam in Not durch die Wellen; denn der Wind stand ihm entgegen. Aber in der vierten Nachtwache kam Jesus zu ihnen und ging auf dem See. Und als ihn die Jünger sahen auf dem See gehen, erschraken sie und riefen: Es ist ein Gespenst! und schrien vor Furcht. Aber sogleich redete Jesus mit ihnen und sprach: Seid getrost! ich bin´s; fürchtet euch nicht! Petrus aber antwortete ihm und sprach: Herr bist du es, so befiehl mir, zu dir zu kommen auf dem Wasser. Und er sprach: Komm her! Und Petrus stieg aus dem Boot und ging auf dem Wasser und kam auf Jesus zu. Als er aber den starken Wind sah, erschrak er und begann zu sinken und schrie: Herr hilf mir! Jesus aber streckte sogleich die Hand aus und ergriff ihn und sprach zu ihm: Du Kleingläubiger, warum hast du gezweifelt? Und sie traten in das Boot, und der Wind legte sich. Die aber im Boot waren, fielen vor ihm nieder und sprachen: Du bist wahrhaftig Gottes Sohn!
Solange Petrus Vertrauen hat, ist ihm scheinbar Unmögliches möglich. Gibt er sich Zweifeln hin,wendet er den Blick ab, dann geht er unter, geht in den Wassern der Seele unter.
Dies gilt für viele Situationen unseres Alltags.
 

Aus einem tiefen Bewusstsein heraus gestaltete Ricarda Huch (1864-1947) ein wunderbares Sonett, das zeigt, dass sie um die Bedeutung der richtigen Blickrichtung weiß.

Nicht von ungefähr könnte sich ihr Gedicht an einen Geliebten richten; es richtet sich hier zugleich an ihre spirituelle Liebe. Es ist diesselbe Liebe, auf die auch Petrus schaute und die ihn auf den Wassern der Seele wandeln ließ:


Du warst in dieser götterlosen Zeit,
Wo trübe Träumer ohne Lichtgedanken
Wie leere Schiffe unterm Himmel schwanken,
Der Stern, der mich geführt hat und gefeit.

Die Spur, die du gegangen zu betreten,
Dass ich nicht irrte, war mein hohes Ziel.
Von irdischen Geschäften, Drang and Spiel
Trug mich empor das Glück dich anzubeten.

Wie nachts ein Segel steuernd heimatwärts
Der Leuchte zu die schweren Nebel spaltet
Und so gelenkt sich in den Hafen rettet,

Ging ich getrost, den Blick an dich gekettet,
Die Hände gläubig auf der Brust gefaltet,
Durch Flut und Dunkel an dein strahlend Herz.

Mittwoch, 5. November 2008

Von den Wirklichkeiten des Wassers (II): Der sinkende Petrus - auch das sind wir!

Nie hätte Petrus gedacht, dass er einmal auf dem Wasser gehen würde, wiewohl er ein Typ Mann war, der sich eigentlich alles zutraute, der später, wenn er in eine Bredouille kommen wird, einem Soldaten ein Ohr abschlägt, der, wenn er ein Brot in die Hand nimmt, es spielend zum Brötchen macht.
Eben jedoch hat er noch gewaltig die Hosen voll, denn der Kahn, in dem er mit anderen Jüngern sitzt, schlingert gewaltig auf dem See und er weiß genau, dass für ihn als passioniertem Nichtschwimmer bei diesem Wellengang das Ufer kaum zu erreichen ist. Da, auf einmal, taucht auf dem Wasser ein Gespenst auf, das sich als Jesus entpuppt. 
Das nun imponiert Petrus gewaltig; so einfach auf dem Wasser zu gehen, das möchte er auch, und er sagt zu Jesus, er solle ihn zu sich kommen heißen. Diese Garantie nun wollte er doch haben, dass er sozusagen auf göttliche Aufforderung hin auf dem Wasser geht. Und tatsächlich sagt Jesus zu ihm: "Komm her!"
Dieses Geschehen hat eine reale  und eine symbolische Ebene.
Für erstere erhebt sich die Frage, ob sich alles wirklich so abgespielt hat. 
Eine Diskussion über diese Frage verstellt den Blick auf eine weitere, nächste Ebene, die wir erkennen, wenn wir Johann Wolfgang von Goethes Sicht auf die Wirklichkeit des Wassers verstehen, die er angesichts des Staubbachfalls im wunderschönen Lauterbrunnental niederschreibt:

Des Menschen Seele 
Gleicht dem Wasser ...

Wir wissen, dass bis ins Mittelalter hinein der Mensch in vier elementare Ebenen eingeteilt wurde: in die des Erdelements, die bis zu den Hüften sich erstreckte, die des Wassers - bis zum Solarplexus, der Luft (Brust, Lunge, Bronchien) und des Feuers, die also die Kopfzone erfasste.
Übrigens wurden auch die Evangelisten diesen Elementen zugeordnet:
Matthäus dem Element der Luft, welches in unmittelbarem Zusammenhang steht mit der Fähigkeit zu gedanklicher Kraft;
Markus dem des Feuers und dem Tierkreiszeichen des Löwen, was kein Wunder ist, leitet sich doch sein Name von dem lateinischen Gott Mars und seinen gewaltigen lichtvollen kriegerischen Kräften ab;
Lukas dem Element der Erde im Zeichen des Stieres und schließlich 
Johannes, ursprünglich im Zeichen des Skorpions dem Wasserelement zugeordnet. 
Dieser Jünger war der Lieblingsjünger Jesu, dessen Herzen er am nächsten lag, was in der Sprache der Bibel schlicht bedeutet, dass er dem großen göttlichen Herzen sich am meisten anverwandeln konnte. Johannes überwand die Gebundenheit an die Tierkreiszeichen, eine Aufgabe, von der auch Paracelsus spricht, wenn er meint, dass es gelte, den Himmel in uns zu reinigen. Nicht mehr in irgendeiner Form von den stellaren Konstellationen zum Zeitpunkt der Geburt abhängig zu sein, war das Ziel von Paracelsus, dem großen Arzt, und Johannes.
Das Zeichen des Adlers für den Lieblingsjünger Jesu weist auf seine Fähigkeit hin, Göttliches und Menschliches zu verbinden.

Zurück zu der Bedeutung des Wassers: 
Jesus ist der Meister des Wasserelementes, dem alle Gefühle zugeordnet sind. Ein Meister des Wassers kann in seine unendliche Tiefen tauchen, er kann darin schwimmen, er kann auf diesem Element gehen - wie er möchte. Alle Emotionen der Menschen sind ihm vertraut, nichts ist ihm unbekannt.
Die Symbolik des Auf-dem-Wasser-Gehens sagt uns: Jesus ist der Meister dieses Elementes, nicht sein Beherrscher, sondern sein Vertrauter.
Solange Petrus auf diesen Meister bei seinem Gehen über das Wasser schaut, ist er dessen Kraft und Fähigkeit teilhaftig. In ständigem Kontakt mit dem Meister ist er ein vollkommener Schüler.

In jenem Moment, als Petrus auf einmal diesen Windstoß, der da so heftig von der Seite kommt, spürt und meint, das Wasser kontrollieren zu müssen, indem er einen Blick seitwärts wirft, verliert er den Kontakt zu Jesus und säuft so schnell ab, dass er kaum mehr um Hilfe rufen kann.
Genau das geschieht uns tagtäglich, wenn wir zweifeln, wenn wir gespalten sind; denn das bedeutet Zwei-fel: in zwei gefaltet, gespalten zu sein.
Aller Zweifel zerreißt uns, trennt uns von uns selbst, von unserem inneren Kern, dem Himmel in uns.
Zweifel und Angst unterbrechen den Kontakt zum Göttlichen und schon trägt das Wasser nicht mehr; wir gehen in ihm unter. Strudel von Angst, von Neid,  von Hass und allen möglichen trüben Emotionen lassen uns in den Wassern der eigenen Seele schier untergehen. Und welche Erfahrungen man in den Tiefen des Wassers machen kann, hat niemand anders als Friedrich Schiller in seiner Ballade Der Taucher so überzeugend gestaltet.
Manche bleiben wie Narziss ewig an der Oberfläche, andere haben den Mut, die Seele zu erkunden.
Gut, wenn man wie der Edelknecht im Taucher mit einem goldenen Becher wieder auftauchen darf.

Wie wunderbar diese Verbindung zum Göttlichen sein und aussehen kann, wenn man unverwandt, wie Petrus zu Beginn, Jesus anschaut, hat die hochverehrte Ricarda Huch in einem der schönsten Sonette, die ich kenne, gestaltet:

Du warst in dieser götterlosen Zeit,
Wo trübe Träumer ohne Lichtgedanken
Wie leere Schiffe unterm Himmel schwanken,
Der Stern, der mich geführt hat und gefeit.

Die Spur, die du gegangen, zu betreten,
dass ich nicht irrte, war mein hohes Ziel.
Von irdischen Geschäften, Drang und Spiel
Trug mich empor das Glück dich anzubeten.

Wie nachts ein Segel steuernd heimatwärts
Der Leuchte zu die schweren Nebel spaltet
Und so gelenkt sich in den Hafen rettet,

Ging ich getrost, den Blick an dich gekettet,
Die Hände gläubig auf der Brust gefaltet,
Durch Flut und Dunkel an dein strahlend Herz.