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Sonntag, 31. März 2024

Ein besonderes Geschenk: Richard Wagners Musik verbindet unsere Seele mit der Christus-Ebene.

Dies ist umso bemerkenswerter, als der Großteil der Menschen - wenn überhaupt - diese Stufe der seelischen Entwicklung erst im Rahmen der übernächsten Erdinkarnation erreichen kann: der „Apokalypse des Johannes“ zufolge wird die nächste als "Neues Jerusalem" bezeichnet - die Anthroposophen nennen sie "Jupiter"; erst dann folgt als übernächste "Venus" (bitte beide nicht mit den bekannten Planeten gleichsetzen); dies wird erst vermutlich in Millionen von Jahren der Fall sein.

Rudolf Steiner äußert, dass die „Wagnersche Musik den Buddhi-Leib [= die Christus-Ebene in uns] so stark (erregt), daß die direkte Wirkung auf den Ätherleib da ist.“

Derzeit arbeiten wir mehr oder weniger intensiv an und mit unserem Astralleib und beeinflussen den Ätherleib nur, wenn es uns gelingt, überdauernd auf der Astralebene, also mit unseren Süchten, Trieben und einengenden Gewohnheiten zu arbeiten und sie aufzulösen.

Man kann sich kaum einen größeren Gefallen tun, als möglichst regelmäßig Wagners Musik zu hören. Gewiss ist sie nicht jedermanns Geschmack, da die Handlungen oft sehr emotional („Der fliegende Holländer“), inhaltlich komplex ("Tristan und Isolde") und spirituell anspruchsvoll ("Parsifal°) sind, ebenso die Musik. Aber es gibt beispielsweise die Vorspiele bzw. Ouvertüren zum "Parsifal," zu "Tannhäuser "oder "Tristan und Isolde", die, nur vom Orchester gespielt, recht sanft beginnen und auch anzuhören sind, wenn man - wie das bei mir des Öfteren der Fall ist - währenddessen das morgendliche Frühstück zubereitet :-)

Wagners Musik wirkt, selbst wenn man seine Opern nicht kennt. Er selbst war sich nur zum Teil über die Dimensionen seines Wirkens im Klaren.

„Es handelt sich bei Richard Wagners Schaffen um eine religiöse Vertiefung der Kunst, zuletzt aber um ein tiefes Verständnis des Christentums.
Er wußte, daß in der musikalischen Gestalt das Christentum am besten zum Vorschein kommen kann. Durch die Erhebung zu den inneren Geheimnissen der Weltenordnung erlangt man auf der einen Seite das Wissen, aber auf der andern Seite auch die wahre Frömmigkeit.“ (GA 97)

PS In der zweiten Hälfte des hier verlinkten Beitrages findest Du Hinweise zur Buddhi-Ebene > https://lmy.de/hOGb

Hier geht´s zum Video und der Musik: https://www.youtube.com/watch?v=8byvRGLly9g&t=4s



Montag, 7. Februar 2022

Ein Rudolf-Steiner-Auszug zum Zusammenhang von Mond- und weiblichem Zyklus, Gral, Kelch und Blut

Im Zusammenhang mit der Tatsache, dass die Frau und das Weibliche uns durch ihre Beziehung zum Mondgeschehen mit dem Kosmischen verbinden und dass es gilt, dieses Wissen wiederzubeleben, wie es in zahlreichen Büchern auch geschieht, sei es durch Shuttle/Redgroves „Die weise Wunde Menstruation“, Pope/Wurlitzers „wildpower. Dein Zyklus als Quelle weiblicher Kraft“ oder in Miranda Grays „Roter Mond“, rückt auch der Zusammenhang von Mond und Gral in den Mittelpunkt, bei Rudolf Steiner allerdings nicht in dem Hinweis auf die Verbundenheit von Gral und weiblichem Prinzip, wie sie sich vor allem durch die Kelchsymbolik und dem darin enthaltene Blut in den oben genannten Büchern angesprochen findet, sondern durch einen Blick in die Akasha-Chronik, jener Ätherchronik - die Bibel nennt sie "Buch des Lebens" -, in der alles Erdengeschehen aufgezeichnet ist. 
Natürlich ist das ein zutiefst spirituelles Thema, das die Entwicklung der Erde und des Menschen betrifft. Es wird nur wenige interessieren, aber es ist gerade vielleicht wichtig, veröffentlicht zu werden.

Ich gebe aus dem im Folgenden genannten Steiner-Werk Auszüge wieder.
Dies alles steht in Zusammenhang mit den ersten beiden Beiträgen einer von mir noch ins Leben zu rufenden Facebook-Gruppe unter dem Titel „Dem Weiblichen und kosmischen Ebenen bewusst begegnen – die spirituellen Herausforderungen unserer Gegenwart annehmen“. – Wenn sie online geht, gebe ich es hier bekannt.

aus Rudolf Steiner, Christus und die geistige Welt. Von der Suche nach dem heiligen Gral.
Ein Zyklus von sechs Vorträgen, gehalten in Leipzig vom 28. Dezember 1913 bis 2. Januar 1914  ( Anmerkungen von mir in [… ] )

(S. 83) „Bei der okkulten Forschung wird man auch, und zwar oft nur in Anlehnung an das, wozu einen das Karma führt, ganz stufenweise und sachte geführt; und man weiß nicht, wenn einem etwas entgegentritt, das auf irgendeine Sache Bezug zu haben scheint, was unter dem Einfluß der Kräfte, die aus der spirituellen Welt kommen, einmal in der eigenen Seele aus einer solchen Sache gemacht werden soll. Man weiß oft nicht einmal, daß sich irgend etwas, was man bekommt aus den Tiefen der okkulten Welt heraus, auf irgendein Problem bezieht, das man jahrelang verfolgt. So wußte ich nichts Rechtes damit anzufangen, als ich den norwegischen Volksgeist, den nordischen Volksgeist einmal befragte über den Parzival und er sagte: Lerne verstehen das Wort, das durch meine Kraft geflossen ist in die nordische Parzivalsage: «Ganganda greida» — die herum laufende Labung etwa — so ähnlich! Ich wußte nichts damit anzufangen.
Und wiederum wußte ich nichts damit anzufangen, als ich einmal aus der römischen Peterskirche kam unter dem Eindruck jenes Michelangeloschen Werkes, das man gleich zur rechten Seite findet, der Mutter mit dem Jesus, der so jung noch aussehenden Mutter mit dem bereits toten Jesus im Schoße. 

Michelangelos Pietà

Und unter der Nachwirkung — das ist eine solche Führung — des Anschauens dieses Kunstwerkes kam, nicht wie eine Vision, sondern wie eine wahre Imagination aus der geistigen Welt heraus, das Bild, das eingeschrieben ist in die Akasha-Chronik [eine Ätherchronik, in der alles, was auf der Erde geschieht, aufgezeichnet ist] und das uns zeigt, wie Parzival, nach dem er zum erstenmal weggeht von der Gralsburg, wo er nicht gefragt hatte nach den Geheimnissen, die dort walten, im Walde auf eine junge Frau trifft, die den Bräutigam im Schöße hält und ihn beweint. Aber ich wußte, meine lieben Freunde, daß das Bild, ob es nun die Mutter ist oder die Braut, der der Bräutigam weg gestorben ist — oftmals wird der Christus der Bräutigam genannt —, eine Bedeutung habe und daß der Zusammenhang, der sich wahrhaftig ohne mein Zutun hinstellte, eine Bedeutung habe. (…)

(91) Besonders eines, was Wolfram von Eschenbach von ihm sagt, machte einen tiefen Eindruck, und ich mußte es zusammenbringen mit dem «Ganganda greida». Es stellte sich selber zusammen.

[Im Folgenden wird ein Mann namens Kyot angesprochen: Er ist der Gewährsmann von Wolfram von Eschenbach, ein provencalischer Troubadour, den jener in seinem „Parzival“ als Quelle im Hinblick auf sein Wissen um den Gral nennt (historisch ist diese Gestalt nicht nachgewiesen, doch taucht sie in Umberto Ecos Roman „Baudolino“ als Guiot auch auf.
Von diesem Kyot nun weiß Wolfram von Eschenbach, dass jener in Toledo ein vergessenes arabisches Manuskript von Flegetanis, einem muslimischen Astronomen und Nachkommen Salomons fand, der die Geheimnisse des Heiligen Grals in der Sternenschrift gelesen habe. Nachdem er die arabische Sprache erlernt und die Handschrift entziffert hatte, sei er durch ganz Europa gereist, um mehr über den Gral zu erfahren. Dabei sei er in Anjou auf die Geschichte von Parzival gestoßen, so erfahren wir in Wolframs Versepos.]

Ich mußte es auch zusammenbringen mit dem Bilde des Weibes, das den Bräutigam, den toten, im Schoße hält. Es war einmal, als ich, wie gar nicht suchend, auf dieses Wort stieß, das von Kyot gesagt wird. Das Wort heißt: «er jach, ez hiez ein dinc der gral» — er sagte, ein Ding hieß der Gral. Und dann werden wir verwiesen durch die exoterische Forschung selber, wie er kam zu dem: er jach, ez hiez ein dinc der gral. Er bekam ein Buch in die Hand von Flegetanis in Spanien. Das ist ein astrologisches Buch. Kein Zweifel, man darf sich sagen: Kyot ist sogar der, der angeregt durch den Flegetanis — einen, den er Flegetanis nennt und in dem gewissermaßen etwas auflebt von der Kenntnis der Sternenschrift —, angeregt also durch diese wiederauflebende Astrologie, das Ding sieht, das der Gral heißt. Jetzt wußte ich, daß der Kyot nicht aufzugeben ist, daß er gerade eine wichtige Spur erschließt, wenn man geisteswissenschaftlich forscht: daß er also wenigstens den Gral gesehen hat. Wo also ist der Gral, der heute so gefunden werden muß, daß darauf steht der Name des Parzival, wo ist er zu finden? (…)
(92) Und dann ergab es sich mir eines Tages, den ich als einen für mich besonders bedeutsamen ansehen muß, wo die goldglänzende Schüssel in ihrer Realität zu finden ist; zunächst so, daß wir durch sie — da, wo sie sich durch ihr Sternenschriftsymbolum ausdrückt — geführt werden auf das Geheimnis des Gral.

Und da sah ich denn in der Sternenschrift dasjenige, was jeder sehen kann — nur findet er zunächst nicht das Geheimnis der Sache. Denn eines Tages erglänzte mir, als ich mit innerem Schauen verfolgte die goldglänzende Mondsichel, wenn sie am Himmel so erscheint, daß der dunkle Mond darin wie eine große Scheibe schwach sichtbar ist, so daß man schaut äußerlich-physisch den goldglänzenden Mond — Ganganda greida, die hinwandelnde Wegzehrung — und darin die große Hostie, die dunkle Scheibe, das, was man nicht sieht vom Monde, wenn man nur oberflächlich hinschaut, was man sieht, wenn man genauer hinschaut.

Denn dann sieht man die dunkle Scheibe, und in wunderbaren Lettern der okkulten Schrift auf der Mondessichel — den Namen Parzival! Das, meine lieben Freunde, war zunächst die Sternenschrift.

Denn in der Tat, im richtigen Licht gesehen, ergibt dieses Lesen der Sternenschrift für unser Herz und unseren Sinn etwas — wenn vielleicht auch noch nicht alles — von dem Parzival-Geheimnis, von dem Geheimnis des heiligen Gral. Was ich Ihnen darüber noch kurz anzudeuten habe, werde ich versuchen, Ihnen morgen zu sagen.“

Dienstag, 5. Februar 2008

Unsere Urteile, unsere Richtsprüche betreffen immer uns, unsere Schatten


"Das es so wenige genis giebt,
daran haben wohl die Schulanstalten
und selbst die Regierung schuld.
In der Schule herrscht ein Zwang, Mechanißmus
und ein Gängelwagen der Regeln.
Das benimmt den Menschen oft alle kühnheit selbst zu denken
und verdierbt die genies."


verantwortlich für Rechtschreibung und Inhalt : Emanuel Kant (1724-1804)



Kann man in der Schule im Rahmen jenes Gängelwagens von Regeln überhaupt praktizieren, was ein Nobelpreisträger fast wie selbstverständlich sagen kann:

"Wer (...) sich nicht mehr wundern,
nicht mehr staunen kann,
der ist sozusagen tot
und sein Auge erloschen."


Sorry, Albert, ´sich wundern´ steht nicht im Lehrplan, ´staunen´ auch nicht.
Was sind das auch überhaupt für Schlussfolgerungen?!
Setzen, Einstein. Note 6!

Halt! Stopp!

Der Stau, in dem wir stehen, sind auch immer WIR.
Die Schule, in die wir gingen und gehen - das sind auch WIR.
Die Politiker, über die wir lästern, die Manager, die wir brandmarken: Sie spiegeln uns und unsere Gesellschaft.
Unsere Gesellschaft, das sind WIR.
Lasst uns aufhören, über andere zu schimpfen und anderen Schuld zuzuweisen, sondern lernen, was wir ablehnen, als unsere dunklen Seiten anzusehen, ja anzunehmen.
Solange wir z.B. Rechtsradikale und kriminelle Jugendliche ausgrenzen,
solange wir sie als Geschwüre ansehen, sind sie ein Krebs im Körper der Gesellschaft.
Sie sind auch der Krebs in uns.

Wir werden so lange über das Wetter schimpfen, bis wir erkennen, dass WIR es sind, die es machen.

Unverhofft kann uns stattdessen das, was wir liebend annehmen, eine größte Hilfe werden.
Märchen wussten dies schon immer. Weisheit in ihren Worten lautet:

Ein Bauernbursche, der von einer schönen Prinzessin geträumt hat, zieht mit seinem kleinen Erbe aus, um die Schöne zu suchen. Unterwegs trifft er an einer Kirchentür auf einen Toten, der in einem Eisklotz eingefroren ist und den jeder Vorübergehende anspuckt. Er erfährt, es sei ein Weinhändler gewesen, der den Wein mit Wasser gepanscht hatte. Nun verweigere ihm der Pfarrer das christliche Be­gräbnis. Der Bursche empfindet Mitleid mit dem Sünder und stiftet seine ganze Habe für dessen Begräbnis. Als er weiter­wandert, gesellt sich ein Unbekannter zu ihm als „Reise­kamerad" und bietet ihm an, die schöne Prinzessin zu er­obern, die von einem Troll verzaubert ist. Nach vielen Kämpfen und Mühsalen, die der Kamerad alle stellvertre­tend für den Helden leistet, wird die Prinzessin gewonnen. Nach einem Jahr offenbart der Kamerad, dass er der tote Weinhändler sei, der ihm so seinen Dank abstattete, aber jetzt müsse er für alle Zeiten scheiden, denn nun riefen ihn die Himmelsglocken.
aus Religion und Tiefenpsychologie, Diesterweg, 1989


Der Schweizer Psychologe C.G. Jung nannte diesen Weinhändler, der von vielen so schnöde behandelt wird, unseren Schatten.
Im Außen treffen wir immer wieder auf jemanden, den wir verachten oder aburteilen, ohne zu wissen, dass wir in Wirklichkeit einem Teil unseres Inneren begegnen. Je harscher die Urteile über andere sind, die wir fällen, je verständnisloser wir ihnen begegnen, je intensiver wir auch andere suchen, die uns bestätigen, wie doof jener oder jene sei, desto sicherer können wir sein, dass wir einem unserer Schatten begegnet sind.

Selbst sehen wir den eigenen Schatten oft nicht, unsere Mitmenschen aber sehen ihn umso besser.
"Was regst du dich nur über deine Kollegin so auf", fragt die Frau ihre Freundin.
"Sag bloß, du findest natürlich, wie diese Ziege sich gibt, wie sie Männer anmacht, sich affektiert verhält!"
"Lass sie doch, das machen doch viele."
"Ich lass´ sie ja, aber sie nervt mich trotzdem mit ihrem dümmlichen Gehabe ... " -

Den Schatten wird man so schnell nicht los ...

Wir verstehen nun auch, warum es in afrikanischen Kulturen verpönt ist, auf den Schatten eines Menschen zu treten. - Man tritt nicht auf einen Menschen, denn: Auch sein Schatten gehört zu ihm.

Der Weinhändler im Märchen, das ist, wenn wir ihn bespucken und sein Tun gnadenlos verachten, ein Teil von uns, unser Schatten, den wir nicht annehmen wollen. - Wer hat noch nie gemauschelt oder mauschelt nicht?

Wer ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein ... In diesem Satz der Bibel nimmt Jesus Bezug auf unsere Schatten.

In den realen Schattengestalten im Außen, u.a. also Menschen, mit denen wir Schwierigkeiten haben, spiegeln sich Seelenanteile unseres Inneren, die aufgetaut werden wollen, transformiert, erlöst.

Solange dies nicht geschieht, sind wir der Prinz, der Dornröschen, sein eigenes Höheres Selbst, erlösen will. Doch bleibt der Prinz, bleiben wir in der Dornenhecke hängen. Viele Prinzen verenden dort, nachzulesen im Dornröschen der Gebrüder Grimm.

Die Dornen, das sind unsere stechenden Urteile, unsere richtenden Sprüche.
Was wir über andere sagen, betrifft immer auch uns!

Für mich liegt deshalb eine der größten Weisheiten der Bibel in der Aussage:

Richtet nicht, auf dass ihr nicht gerichtet werdet.

Wir richten uns immer selbst! Es ist immer unser jüngstes Gericht.
Indem wir den Weinhändler einfrieren, erfrieren zunehmend wir selbst.
Mit ihrem Urteil über die Bibel verstellen sich im Übrigen viele den Zugang zu diesen Wahrheiten ...

... solange, bis jener Prinz kommt, jenes Bewusstsein, das der Mythos Parzival nennt.
Er kann den todkranken Gralskönig Anfortas erlösen; doch das ist eine andere Geschichte.

Nur: Anfortas - das sind wir. Unser krankes Bewusstsein.
Unser Gängelwagen.

Richtig verstanden - also ohne ständiges Urteilen, Werten, Lamentieren - kann Letzterer uns dennoch zum Blütenmeer führen. Das ist die Botschaft der Märchen:
Wer wirklich sucht, der findet,
denn
als der Königssohn sich der Dornenhecke näherte, waren es lauter große, schöne Blumen, die taten sich von selbst auseinander und ließen ihn unbeschädigt hindurch, und hinter ihm taten sie sich wieder als eine Hecke zusammen.


Montag, 22. Oktober 2007

Überall blühen Narzissen

Bildquelle: www.englisch-hilfen.de

Narziss ist in der griechischen Sage der Sohn des Flussgottes Kephissos und ein "schöner" Jüngling.
Was er nicht hätte tun sollen: die Liebe der ohnehin schon so geplagten Nymphe Echo zu verschmähen. So wird er damit bestraft, sich in ihrem Teich in sein im Wasser geschautes Spie- gelbild zu verlieben. In übergroßer, unstillbarer Sehnsucht verzehrt er sich schließlich nach sich selbst und wird in eine Blume verwandelt: die Narzisse.Seelisch gesehen finden wir die narzisstische Persönlichkeit in Menschen, die sich ständig spiegeln müssen, sei es zum Beispiel in realen (Wasser-)Spiegeln oder auch mit Hilfe anderer Menschen, indem sie vor allem danach schauen, wie sie selbst zu gefallen wissen, wie sie selbst wirken. Das Drama der narzisstischen Persönlichkeit besteht darin, dass sie immer nur die eigene (Wasser-)Oberfläche spiegelt, den schönen Schein. In die Tiefen des Wassers, des Wassers der eigenen Seele dringt ihr Blick nicht vor. Wir können Sie u.a. täglich im Fernsehen in eitlen Pfauengestalten sehen.
Übrigens: Wenn wir genau hinhören, schreien Pfauen grässlich. Manchmal blüht der Narzissmus auch ganz im Verborgenen und bisweilen verwelkt die narzisstische Persönlichkeit sehr schnell, ertränkt in ihrer Scham. In Wahrheit nämlich schämt sich Narziss, weiß er doch im Grunde seiner Seele, dass er nicht schön ist, sondern nur selbstgefällig, dass er ein falsches Selbst lebt, nicht sein wahres. In diesem Zusammenhang ist die Spiegel- bzw. Wassersymbolik im Narzissmythos bemerkenswert: Des Menschen Seele gleicht dem Wasser, schreibt Goethe angesichts des Staub- bachwasserfalls im Lauterbrunnental. Menschen begegnet das Wasser auf die unterschiedlichste Weise: Täglich ertrinken manche in ihm; täglich trinken wir Erdenbewohner es, täglich ist es den Menschen Schrecken und Labsal zugleich.
Wie auch immer wir es erleben: Wir bedürfe n seiner, denn wir bestehen zu über 70 Prozent selbst aus ihm. Der Wasserbereich symbolisiert die Ebene der Gefühle. Daran erkennen wir, wie viel der Gefühlsbereich in unserem Leben ausmacht, auch wenn es viele Menschen nicht wahrhaben wollen. Das eben liegt daran, dass man Gefühle nur fühlen kann.
Wie aber will jemand, der seine Gefühle in seiner Ursprungsfamilie nur sehr bedingt wahrnehmen durfte - und das ist leider immer noch eher die Regel als die Ausnahme -, die Bedeutung von Gefühlen beurteilen? Trotzdem fällen vor allem gerade rational fixierte Menschen Urteile über die Bedeutung von Gefühlen. In Wirklichkeit sprechen sie über etwas, was sie oft nur wenig mehr als dem Wort nach kennen. Die Wirklichkeit finden wir in unserer Gesellschaft gespiegelt, in welcher man durchaus gefühllos, bloß nicht kopflos sein darf … Nur wenn wir in die Tiefen der Seele vordringen, erkennen wir uns selbst. Schillers Taucher ist ein Dokument hierfür, aber auch die Brunnensymbolik, wie wir sie in Hofmannsthals "Weltgeheimnis" gestaltet finden. Jesus ist ein Meister dieses Elements, wenn er über das Wasser geht. Er spiegelt sich nicht wie Narziss, sondern ist jenen ein Helfer, die im Wasser versinken, weil sie nicht mit ihren Emotionen klarkommen. Petrus, als er es Jesus nachtun möchte, um sich auch als ein Meister seiner Gefühle zu erweisen, glaubt und glaubt doch nicht. Als Wind aufkommt und er Angst bekommt, schwindet sein Vertrauen, und er versinkt im Wasser, er versinkt in seinen Ängsten, in seinen Emotionen. - Tagtäglich tun das viele Menschen und gehen im realen oder im Ozean ihres Lebens unter, ohne dass sie die Hilfe wahrnehmen wollen, die Petrus zuteil wurde. Nur das ständige Ausgerichtetsein auf die Liebe vermag den Menschen auf dem Wasser gehen zu lassen, zu schwimmen, wann er möchte, zu baden, zu plantschen, nicht aber unterzugehen. Die narzisstische Persönlichkeit ist gar nicht in der Lage, in das Wasser einzutauchen; sie hat Angst vor den Tiefen des Wassers, vor ihren tiefen Gefühlen. Lieber schwimmt sie auf dem Trockenen. Es bleibt ihr als Sehnsucht nur die Erinnerung an die Wärme des eigenen Fruchtwassers, geborgen im Bauch der Mutter. Zumeist liegt ihre im Grunde verzweifelte Situation daran, dass sie nach der Geburt nicht in Mutterliebe baden durften; sie nämlich, die göttliche Marien- und die wahre Mutterliebe unserer Erde sind das Wasser des Lebens. Was allerdings für Mutterliebe gehalten wird, ist eben nur das, was Menschen subjektiv als Liebe bezeichnen. Für jede Frau ist Liebe das, was von ihren Eltern als solche bezeichnet wurde; mit tatsächlicher Liebe hat das oft wenig zu tun.
Ich schließe mich Alice Miller an, wenn sie in "Das Drama des begabten Kindes" schreibt: "Ein Tabu, das alle Entmystifizierungstendenzen unserer Zeit überdauert hat, ist die Idealisierung der Mutterliebe." Der real existierenden Mutterliebe.Ein ganzes Kapitel widmet sie in ihrem Buch der verlorenen Welt der Gefühle. Dasher" ist ein Dokument hierfür, aber auch die Brunnensymbolik, wie wir sie in Hofmannsthals "Weltgeheimnis" gestaltet finden. Jesus ist ein Meister dieses Elements, wenn er über das Wasser geht. Er spiegelt sich nicht wie Narziss, sondern ist jenen ein Helfer, die im Wasser versinken, weil sie nicht mit ihren Emotionen klarkommen. Petrus, als er es Jesus nachtun möchte, um sich auch als ein Meister seiner Gefühle zu erweisen, glaubt und glaubt doch nicht. Als Wind aufkommt und er Angst bekommt, schwindet sein Vertrauen, und er versinkt im Wasser, er versinkt in seinen Ängsten, in seinen Emotionen. - Tagtäglich tun das viele Menschen und gehen im realen oder im Ozean ihres Lebens unter, ohne dass sie die Hilfe wahrnehmen wollen, die Petrus zuteil wurde. Nur das ständige Ausgerichtetsein auf die Liebe vermag den Menschen auf dem Wasser gehen zu lassen, zu schwimmen, wann er möchte, zu baden, zu plantschen, nicht aber unterzugehen. Die narzisstische Persönlichkeit ist gar nicht in der Lage, in das Wasser einzutauchen; sie hat Angst vor den Tiefen des Wassers, vor ihren tiefen Gefühlen. Lieber schwimmt sie auf dem Trockenen. Es bleibt ihr als Sehnsucht nur die Erinnerung an die Wärme des eigenen Fruchtwassers, geborgen im Bauch der Mutter. Zumeist liegt ihre im Grunde verzweifelte Situation daran, dass sie nach der Geburt nicht in Mutterliebe baden durften; sie nämlich, die göttliche Marien- und die wahre Mutterliebe unserer Erde sind das Wasser des ist wichtig und wertvoll.
Ich hätte mir gewünscht, dass sie auch ein Kapitel der Mutterliebe widmet. Das ganze Drama um die Gefühle wird sehr deutlich auf dem Hintergrund der Aussage von John Bradshaw in seinem Buch "Wenn Scham krank macht": "Man kann nur heilen, was man fühlt."
Wie aber wollen wir gesunden, wenn wir unsere Wunden gar nicht oder kaum fühlen?
Wie wollen alle in Wirklichkeit todkranken Anfortasse heil werden, alle siechen Gralskönige dieser Erde, die voller Scham sind - kein Zufall, dass Anfortas tat- sächlich an der Scham durch einen Speer verletzt ist -, wenn sie nicht einmal die Schmerzen ihrer Seele fühlen? Dass sich ein Narzisst spiegelt, ist seine Überlebensstrategie. Selbst wenn er nicht in das Wasser einzutauchen vermag, überlebt er durch die Erinnerung daran. Vor allem aber überlebt er, indem er anderen das "Wasser des Lebens" entwendet. Er räubert in den Gefühlen anderer. Das Grimm-Märchen "Vom Wasser des Lebens" thematisiert dieses Geschehen, in dessen Rahmen auf unserer Erde Menschen, die fühlen können, noch sterben müssen an der Gefühllosigkeit anderer. Noch blüht der Vampirismus der Gefühle. Wie also wollen Menschen gesunden, wenn sie nicht fühlen? Hier liegt eine bedeutsame Aufgabe der Menschenschule.
Nun ist es Zeit, mit Mut allen emotionslosen Wissenschaftlern und linkshirnigen Pädagogen entgegenzuhalten, was Faust seinen kopfgesteuerten Famulus Wagner wissen lässt:"Wenn ihr´s nicht fühlt, ihr werdet´s nicht erjagen, / wenn es nicht aus der Seele dringt ...!
Es ist die bekannte Mystikerin Teresa von Avila, welche die oben angesprochenen Zusammenhänge in ihrer Schrift "Die innere Burg" bestätigt, indem sie schreibt, dass sie nichts weiß, was "zur Erklärung mancher geistigen Dinge geeigneter wäre als eben das Wasser".
So kann sie eine Wahrheit kundtun, die in ganz besonderem Maße für jene gilt, welche die Wasser ihrer Seele auch in den Tiefen reinigen wollen: "Wie die Bächlein, die einer sehr klaren Quelle entspringen, rein und lauter sind, so ist es auch die Seele, die in der Gnade lebt."

In der Gnade zu leben bedeutet auch, fühlen zu dürfen.