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Freitag, 26. März 2010

Lasset die Kindlein zu mir kommen und wehret ihnen nicht: Die kranken Patres und eine kranke Kirche.


Nichts wird in der christlichen Religiosität höher geschätzt als die Kinder.
Wenn ihr nicht werdet wie die Kinder, werdet ihr nicht ins Himmelreich kommen, so heißt es im Matthäusevangelium, denn:
Ihrer ist das Himmelreich.

Männer der Kirche - und in den bekannt gewordenen Missbrauchsfällen kommen sie überwiegend aus ihr - haben vielen Kindern die Hölle bereitet.
Sie haben sie missbraucht und sie anschließend das Vater unser beten lassen.

Ja, diese Männer haben das Heiligste verletzt, was es gibt, das Göttliche, denn die Aussage von Jesus ist eindeutig: Wer ein solches Kind aufnimmt in meinem Namen, der nimmt mich auf.
Der Umkehrschluss dürfte genauso gelten: Wer ein solches Kind missbraucht, entehrt, der missbraucht, entehrt die Personifikation des Göttlichen, Gott.

Auf diesem Hintergrund muss man auch den Umgang der Kirche mit den Tätern sehen. Sie wurden nicht im Meer versenkt - davon spricht die Bibel, dass dies das Beste für sie sei -, sie wurden zum Teil versetzt und haben ihr Unwesen an neuem Ort, wo niemand von ihrem Treiben wusste, weiter getrieben. Es war eine Schändung des Göttlichen unter dem Schutz der Kirche.

Kirchenmänner haben der Hölle - und die Hölle ist für mich in erster Linie ein Bewusstseinszustand - in der Kirche eine Heimstatt gegeben.

Erzbischof Robert Zollitsch, der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz ist unter den Folgetätern.

Vielleicht geht es dem ein oder anderen, der seine windelweiche Stellungnahme zu seinem eigenen Verhalten gehört hat und der seine Stellungnahme zu den Missbrauchsfällen gehört hat, so wie mir:
Dieser Mann hat nicht die geringste emotionale Regung gezeigt. Bei mir kam nicht das geringste Bedauern an; seine Worte waren für mich tote Buchstaben.
Ich dachte, das kann nicht sein; dieser Mann kann eigentlich nicht den geringsten Kontakt zu seinem eigenen Inneren haben; er ist völlig gefühllos.
Schmallippig und regungslos las er sein Statement vom Blatt.

Die Täter hatten ein vergleichbares Problem: Wer halbwegs gesunde Gefühle hat, kann kein Kind sexuell foltern. Das Gefühlsleben dieser Patres und Herren ist vollkommen kaputt.
Und ich behaupte, es ist unter den Würdenträgern der Kirche vielfach kaputt.

Wir sprechen momentan über bekannt gewordene Fälle. Wir kennen nicht die wahre Anzahl der Fälle, wo Männer der Kirche Kinder in die Hölle schickten.

Und niemand spricht darüber, dass es viele Männer, Priester, Patres gibt, deren Gedanken in eine vergleichbare Richtung wandeln, lustwandeln.

Diese Kirche braucht dringend Hilfe. Sie ist nicht in der Lage, das Ausmaß der Hölle in ihren Reihen, in ihren Gedanken anzusehen.

Als ich die Kardinäle anlässlich der letzten Papstwahl sah, ihre vertrockneten Gesichter, die Aussagelosigkeit ihrer Augen, da dachte ich: So also sieht die Freude im Herrn aus?

Die Freude am Herrn ist unsere Stärke, heißt es beim Propheten Nehemia. Als ich diese vergreiste Corona sah, dachte ich nur: Wo ist hier die Freude?

Ja, wenn ich diese Herrschaften sehe, frage ich mich: Gibt es da den geringsten Grund, Religion für glaubwürdig zu halten?
Die Kurie ist zum Teil ein Haufen Frühverstorbener.

Und so wie dort die Gefühle vereist sind, so kaputt sind sie auch bei den menschlichen Torpedos, die auf Kinder losgegangen sind. Kirchliche Torpedos.

Und die Eltern dachten, ihre Kinder sind ganz besonders bei ihnen geschützt.

Wie sagte ein etwa 11-jähriger Junge im Rahmen einer Nachrichtensendung sinngemäß: Ich verstehe nicht, dass diesen Erwachsenen nicht das Gewissen explodiert.

Hat irgendjemand den Eindruck, dass Amts- und Würdenträgern in der Kirche das Gewissen explodiert ist?
Ist der Kirche ihr Gewissen explodiert?

Ja, ich glaube, vielen in der Kirche von unten schon, obwohl sie es nicht waren, auf die sich der Junge bezog. In der Kirche von unten finde ich auch, was Kirche wertvoll macht.

Um klarzustellen. Ich lehne Kirche als Institution nicht ab.
Ich weiß um die Kriminalgeschichte des Christentums, ich weiß aber auch um den Segen, den in der Vergangenheit Nonnen und Mönche Europa gebracht haben. Unsere Kultur stünde nicht dort, wenn diese Menschen nicht gewirkt hätten, auch das Herz Europas hätte nicht den Raum finden können, den es einnimmt. Ich verehre Franz von Assissi, Hildegard von Bingen, Pater Pio genauso wie die namenlos wirkenden Menschen in Vergangenheit und Gegenwart. In den letzten Dekaden aber verliert Europa mehr und mehr sein Herz - unter Mitwirkung der Kirche, das ist das eigentlich Traurige. Deshalb auch kann sie sich nicht ernsthaft zur Wehr setzen, wenn ihre Symbole in den Schmutz gezogen werden.

Die Amtskirche unterstützt nicht die Wahrheit, die eine Kirche ist, sie unterstützt die Macht, die ihre Kirche ist. Sie hat Angst um diese Kirche, obwohl sie wissen müsste, dass die wahre Kirche unzerstörbar ist. Daher ihr zögerliches und verschleierndes Verhalten.

Eins wundert mich ganz besonders:

Wie kann man ernsthaft annehmen, dass genau dieselben Dinge nicht aktuell genauso geschehen?
Gibt es den gerinsten Grund zu zweifeln, dass die Täter auch heute unterwegs sind?

Wie viele Dateien mit pädophilen Inhalten gibt es auf vatikanischen Computern?
Eine erweiterte Fassung dieses Beitrags findet sich hier.

Sonntag, 14. März 2010

Wer verträgt die ganze Wahrheit über sich? - Die Wahrheit ist: NIEMAND!

Es ist schon eine Weile her, dass ich für viele Jahre regelmäßig nach Paris zu meinem Freund Bernard fuhr, einem ehemals exzellenten Balletttänzer und Körpertherapeuten. Von ihm habe ich viel über den menschlichen Körper gelernt und mein Körper hat viel gelernt. Bernard sah die Menschen an und wusste über sie Bescheid. Er verstand die Sprache des Körpers zu hören, zu lesen und hat mit Hilfe eines von ihm wieder entwickelten Verfahrens, das ursprünglich aus dem alten Ägypten stammt, Stück für Stück den Menschen, die mit ihm arbeiteten, Puzzleteile ihrer körperlichen Freiheit zurückgegeben. – Und damit auch ihrer seelischen.

Eines Tages hat er mir erklärt, dass es gar nicht möglich sei, alle Verspannungen des Körpers auf einmal zu lösen; kein Mensch könne das aushalten, er würde von der frei gesetzten Energie überflutet werden.

Damals war mir das ein völlig neuer Gedanke und ich habe nicht so recht verstehen können, was er meinte, wenn er davon sprach, dass er in den Sitzungen gewaltigen Energien ausgesetzt sei, wenn sie sich freisetzten; oft werden Menschen bekanntlich versteckt oder offen aggressiv, wenn etwas in ihnen zu Tage tritt, was sie nicht sehen wollen oder nur widerwillig ansehen können.

Heute möchte ich sagen: Jeder Mensch würde, wenn seine Energie in Gänze freigesetzt würde, von dieser entfesselten Energie zerissen werden. Wir ahnen nicht, wie viel von ihr in Verspannungen des Körpers und Verwerfungn der Seele gebunden ist. In diesen Bindungen steckt zugleich eine tiefe Weisheit und ein notwendiger Schutz.

Wer seine Seele und seinen Körper der Freiheit und Weisheit öffnen darf und kann, ist zudem zutiefst gefährdet. Denn er muss die zunehmende Offenheit des Körpers und der Seele schützen. Wird er doch immer empfindsamer.

Der Wahnsinn Nietzsches und Hölderlins beispielsweise und der frühe Tod vieler sensibler Künstler hängen damit zusammen, dass es damals kaum jemand gab, der ihnen helfen konnte; auch heute noch muss man das Glück haben, auf einen guten Therapeuten und/oder einen Menschen zu treffen, der nicht wertet, sondern hört, sieht, versteht, weil er vieles selbst erlebt hat; nicht umsonst war der Schmetterling in Griechenland Symbol der Seele; kaum etwas ist so verletzbar und zugleich schützenswert.

Niemand wird einen Steinway-Flügel auf eine Verkehrsinsel stellen, den wunderbaren Körper eines Balletttänzers wird niemand in einen Boxring beordern. Beides, beide würden zugrunde gehen.

So ist es mit der zarten Seele, sie sich von ihren Hornhäuten und Krebszellen befreien darf.


Wer sich jedoch zu Wahrheit und Weisheit, unendlicher Intuition und Gefühl Zugang verschafft und nicht reif dafür ist, geht zugrunde.

Das ist der Grund, warum so vielen Drogenopfern nicht zu helfen ist. Wer seine Seele mittels Drogen öffnet, erlebt zwar bisweilen ungeahnte Trips, aber er ist auch ungeahnt offen für dunkle Energien, die ihn überfluten. Kaum ein Therapeut wird ihm helfen können.

Deshalb sind viele Abhängige so gravierend abhängig; es ist nicht nur die körperliche Abhängigkeit …

Märchen haben dieser Tatsache bildhaften Ausdruck verliehen.

Wer sich das Sesam öffne Dich ergaunert, muss schlimmstenfalls sterben. Mit Ali Babas Bruder geschieht das und auch das Grimm-Märchen Simeliberg erzählt davon. Die Tür zum Berg ist die Tür zum eigenen Inneren; man muss wissen, wie man hineinkommt, damit man auch wieder heil hinauskommt, wenn es angesagt ist. Wenn man aber den Zugang findet - und bisweilen geschieht das zunächst über Träume - findet man wie Heinrich in Novalis´ Heinrich von Ofterdingen die Blaue Blume, zusammen mit dem Gral eines der höchsten Menschheitssymbole.

Im Grunde geschieht im Nibelungen-Lied Vergleichbares. König Gunther aus Worms erobert mit Hilfe Siegfrieds eine Frau, Brünhilde aus Isenstein, der er nicht gewachsen ist.

Aus der Eddha wissen wir, dass es in Wahrheit Siegfrieds eigene Frau ist, eine Walküre, die er für Gunther erobert. Nur Siegfried selbst ist ihrer Energie wirklich gewachsen. Doch er erkennt sie aufgrund eines ihm durch seine zukünftige Schwiegermutter verabreichten Vergessenstranks nicht mehr.

Diesen Hintergrund verschweigt das deutsche Nibelungenlied. Das Blutbad auf der Etzelburg und der Tod Siegfrieds sowie der Burgunden, das ganze Gemetzel des Schlusses also ist eine Folge der Tatsache, dass Gunther sich auf hinterhältige Weise, mit Hilfe der Tarnkappe Siegfrieds und dessen Kraft, Zugang zu einer Energie in Gestalt Brünhildes verschafft, die für ihn um ein vielfaches zu groß ist.

Wie die Schalen einer Zwiebel müssen Ring für Ring die Türen geöffnet werden, die den Menschen seiner inneren Wahrheit und Größe näher bringen. Wer das nicht berücksichtigt, muss die Konsequenzen tragen. Friedrich Schiller hat in seiner Ballade Das verschleierte Bild zu Sais dieser Tatsache ein literarisches Denkmal gesetzt.

Wer noch glaubt, im Unbewussten seiner Seele würden nur ein paar harmlose Fischchen herumschwimmen, keine Haie, Rochen und anderes Ungetier, sollte Schillers Taucher aufmerksam lesen, denn was der Knappe sieht, sind im Grunde die Seelentiefen eines jeden Menschen. Es ist das Verdienst von Hieronymus Bosch, diese Welt ins Bild gesetzt zu haben.

Zwei Seelen wohnen - und Goethe weiß, warum er hier ein "ach" einfügt - in unserer Brust ...

Samstag, 13. März 2010

"... Nur weiß von sich, wenn sie sich offenbaret ..." - Den Raum der Liebe schaffen!


Es gibt Aussagen, die treten auf einmal wie ein Bild vor uns hin.
Wie wir in einer Pinakothek einem Gemälde gegenüberstehen, das seine ganze Eindrucksmächtigkeit auf uns entlädt, so können es Worte sein, die uns beeindrucken und das Empfinden für ein Gefühl freisetzen.
So ist es mir ergangen mit Else Lasker Schülers Wenn Du da bist, bin ich immer reich. So geht es mir mit Goethes Worten aus der Marienbader Elegie

Nur weiß von sich, wenn sie sich offenbaret ...

Es ist von dem Herzen die Rede, von dem eigenen, das sich in der Liebe zu einem anderen Menschen wirklich seiner selbst bewusst wird.
Ja, es ist schön, wenn uns die Selbst-Liebe den Zugang zum eigenen Herzen öffnet, aber es kann eben auch die Liebe zu einem Anderen sein.
Es ist, als ob die Liebe uns an die Hand nimmt und sagt:
Hab Vertrauen, das Du vielleicht Dein Leben lang noch nicht gehabt hast, und lass Dich von mir führen, in Dein Allerheiligstes.

Vielleicht ist es auch so, dass uns die Liebesabenteuer unseres Lebens immer wieder in unser Allerheiligstes führen wollen, damit wir uns an das Licht dort gewöhnen, an die Atmosphäre der Liebe, damit wir irgendwann sagen können: Hier ist es schön, hier bleibe ich.
Mit den Abenteuern der Liebe meine ich nicht nur die, die man üblicherweise darunter versteht, sondern auch Abenteuer in der Art wie jenes, das den Zugang zum Allerheiligsten für die Menschen öffnete, als nämlich am Karfreitag anlässlich des Todes von Jesus der Vorhang im Tempel zerriss und den Zugang zum Allerheiligsten freigab.

Es war teuer erkauft, dieses Abenteuer, aber der Preis für die wahre Liebe ist hoch; es ist nicht der Olivenzweig, es ist nicht der Kranz aus Myrthen, es ist das Kreuz des Egos, der Tod des falschen Selbst, damit das wahre auferstehen kann.
Dann weiß das Herz wirklich von sich ... durch die Liebe:

Nur weiß von sich, wenn sie sich offenbaret ...

Vielleicht ist es auch so, dass wir im Rahmen unserer vielen Abenteuer gar nicht in das Allerheiligste kommen; vielleicht enden sie ja oft in Gethsemane, im Alleinsein, im Verlassensein und im Ganz-auf-sich-Verwiesensein.

Ja, ich glaube, so ist es:

Wir brauchen diese Offenbarungen der Liebe, die ja oft im Schmerz enden und an deren Ende sich herausstellt, dass es gar nicht die wirkliche Liebe war, die wir erlebten oder die wir erleben wollten.

Mit dem Wunsch nach Liebe und den Erlebnissen auf dem Weg zu ihr öffnet sich erst der Raum der wahren Liebe in uns, damit wir ihn irgendwann in seiner Reinheit betreten können.

Samstag, 23. Januar 2010

Machos suchen fast immer eine Mutter. - Wenn Sex so natürlich ist, warum gibt es dann so viele Ratgeber?

Ich glaube, manche Frauen haben keine Ahnung, wie Männer mit Männern umgehen können. Ich könnte ein Lied mit einigen Strophen davon singen. Von daher weiß ich nicht, ob der Geschlechterkampf, der sogenannte, der in dem Buch von Ursula Scheu ständig thematisiert wird, anders aussieht als der Kampf Mann gegen Mann bzw. Frau gegen Frau. Natürlich führt eine Ehe oder eine Paarbeziehung in der Regel Mann und Frau zusammen. Aber warten wir mal, bis die lesbischen und homosexuellen Beziehungen bzw. Ehen ihre Themen und Kämpfe thematisieren. Vielleicht ist es ja auch schon längst geschehen und Mann hat nichts mitbekommen. Es ist doch kein Geschlechterspezifikum, dass der Eine Macht über den Anderen will und die Probleme mit Mutter und Vater sich in einer Beziehung wiederholen. Es gibt (genug) Männer, die in Gegenwart eines anderen Mannes die eigene Frau vollkommen links liegen lassen. Frau wehrt sich vielleicht dann, wenn es ihr auffällt. Aber ob sie auf diese Weise das Vaterproblem des Gatten löst, ist fraglich. Jedenfalls, wenn sie den Kampf aller Frauenrechtlerinnen kämpft, wird sie gegen Windmühlenflügel kämpfen. Vor allem, wenn der Vater den Sohn aus dem Jenseits an der Strippe hält.
Vielleicht schaut sie sich dann nach einem Mann um, einen, um im Eisenhans-Jargon zu sprechen "wilden Mann". Wer wollte es ihr verübeln bzw.: Wer wollte ihr nicht sogar dazu raten?

So glaube ich entsprechend, dass bei jenem Zitat der australischen Schriftstellerin Germaine Greer -
Der Liebesakt ist für den Mann nicht mehr als Masturbation in der Vagina der Frau -
weniger der Mann das Problem ist, sondern Frau Frau ein Problem ist. In diesem Fall lässt nicht der Vater den Sohn, sondern die Mutter die Tochter grüßen. Was hat sie der Tochter mitgegeben, dass diese sich so entfremdet und missbraucht fühlt?
Dieses Gefühl beim Liebesakt ist ja nur das Ende einer langen Qual.

Klar ist die Frau in der Geschichte der Menschheit oft die Unterprivilegierte gewesen, aber vielleicht bringt es weit mehr, die Angelegenheit weniger als eine geschlechterspezifische zu sehen, denn als eine allgemein menschliche: Manche Menschen brauchen das Opfer, den Schwachen, und manche Menschen wollen das Opfer, der Schwache sein. Und so finden sie sich denn auch, oft als Mann und Frau.

Wobei der Mann die Frau unterdrückt?
Fragt sich, wer Interesse an diesem Märchen hat.
Der italienische Supermacho, der auf den Straßen der Stadt als Gigolo persönlich auftritt und das Gefühl hat, alle Frauen zu betören, zieht auf der Stelle, wenn er sein Haus betritt, fast noch auf der Schwelle, die Hosen aus; die trägt bei Machos in Wirklichkeit fast immer die Frau.

In Bezug auf Machos ist es doch so: Fast alle suchen in der Frau ihre Mutter. Wenn sie sie gefunden haben und der erste Bambino aus den Windeln kräht, wundern sich die Machos, warum sie auf einmal für die Mutter ihrer Kinder so uninteressant werden. Das liegt daran, weil die Mutter bekommen hat, was sie wollte. Was soll sie dann auch noch mit dem Kind Mann?
Ohnehin schläft auf Dauer der nicht gern mit der Mutter und die Mutter nicht gern mit dem Sohn.
Ich fände es gut, alle Männer, bevorzugt die Machos, würden, bevor sie heiraten, Robert Blys Eisenhans lesen oder Hans Jellouscheks Die Froschprinzessin. Wie ein Mann zur Liebe findet.
Und Frauen können das ruhig auch lesen, damit sie wissen, was auf sie zukommt :-) nein, besser :-((

Bei so viel Problematik muten - und damit setze ich die Zitate des letzten Post fort - die Sätze von Domenica, der Mutter aller Huren, der Hure, die sich als erste in Deutschland zu ihrem Beruf bekannte und für die Rechte ihrer Standesgenossinnen eintrat, fast angenehm gelassen an, wenn ich auch das Prostituiertenwesen an sich nicht gelassen sehen kann:
Ich habe doch alle schon im Bett gehabt: Zehnkämpfer, Bodybuilder und Gewichtheber. Bei solchen Typen hat man nur viel Arbeit und absolut keinen Spaß.
Wie recht doch die amerikanische Schaupielerin und Sängerin Bette Midler hat:
Wenn Sex die natürlichste Sache der Welt ist, warum gibt es dann so viele Ratgeber darüber?

Freitag, 22. Januar 2010

Frauen über Frauen - Aus dem "Lexikon der Frauenzitate" von Ursula Scheu, ausgewählt und kommentiert von einem Mann.

Freitag, 22. Januar 2010

Dass es solch ein Buch gibt, finde ich klasse, wenn auch einige Zitate manchen Mann 2010 erschrecken mögen, mich zum Beispiel. So das Zitat von Simone Beauvoir von 1949:

Sie (die Frau) soll alle Unmoral der Männer einstecken.
Nicht allein die Prostituierte, alle Frauen dienen als Kloake.

Dieses Zitat sagt vor allem etwas über Simone de Beauvoir selbst, über das weibliche Selbstverständnis dieser französischen Schriftstellerin, Philosophin und Feministin aus. Vielleicht muss man auch zu solch einem Ergebnis kommen, wenn man zu lange mit einem Mann wie Jean Paul Sartre zusammen war; vielleicht hat man ihn auch nur mit dieser Einstellung ausgehalten.

Nach jedem Akt wird die Klospülung gezogen?

Ich weiß nicht . . . schrecklich, ich versuch gleich noch, ein anderes Zitat zu finden . . .

... Ich suche und suche, doch finde ich bisher nicht eines, was das Wesen der Frau und das Verhältnis zum Mann als positiv darstellt. Aber es wird mir noch gelingen.
Noch eines zum vorläufigen Abschluss, ein Zitat von Hedwig Dohm (1831-1919); sie war das dritte von 18 (kein Verschreiber) Kindern eines Tabakfabrikanten; mit 15 (nicht Kindern, sondern Jahren) musste sie die Schule verlassen, um zu Hause zu helfen (ihre Brüder durften das Gymnasium bis zum Ende besuchen). Nach dem Tod ihres Mannes begann sie zu schreiben und wurde zur vielleicht ersten wirklich bekannten Frauenrechtlerin; 1873 schrieb sie:
Auf zweierlei, spricht er (der Mann zur Frau), hat Gott Dich verwiesen, auf deine Finger und dein Herz.
Diese bilden deinen Beruf.
Deine Finger, um zu nähen, zu kochen, zu scheuern, zu plätten usw.
Dein Herz, um zu lieben, deinen Mann und seine Kinder.

Ihre armen Kinder, 5 an der Zahl. Warum schreibt sie diese nur dem Mann zu? - Klar weiß ich zu wenig über sie, aber ich finde solch eine Aussage einfach ´würg´, Frauenrechtlerin hin oder her.
(Von einer Hedwig-Dohm-Biografin erhielt ich den Hinweis, dass deren Aussage sinnentstellend aus dem Zusammenhang gerissen sei; das möchte ich hier, bis ich Genaueres schreiben kann, als Information einfließen lassen. In dem Umfang, wie ich es wiedergab, ist das Zitat bei U. Scheu niedergeschrieben.)

Allerdings glaube ich auch, wir können heute nicht mehr die Situation der Frau von früher nachvollziehen. Viel ist mir bewusst geworden, als mich meine frühere Freundin Ela zu sich nach Hause mitnahm; der Vater war schwer krank, die Mutter hatte Brustkrebs. Eines Tages sagte Ela zu mir: Ich glaube, sie hat sich den Krebs zugelegt, damit sie sich nicht mehr von ihm berühren lassen muss.
Kann sein, dass Frauen früher viel mehr als heute zu solchen Mitteln greifen mussten, um sich aufdringlicher männlicher Sexualität zu entziehen. Immerhin war Elas Mutter auch vielfache Mutter . . .

Für heute beende ich mal mein Suchen nach aufbauenden Zitaten. Ich melde mich ab und an hier und gebe weitere Zitate ein. Und der geneigte Leser, die geneigte Leserin, wenn er/sie ein aufbauendes - wie ich es genannt habe - irgendwo in einem Buch findet, das die Rolle der Frau und ihr Verhältnis zu Sexualität und ihrer Weiblichkeit in einem positiveren Lichte darstellt: bitte zuschicken ... Mailadresse auf der Seitenleiste . . . möglichst mit Quelle . . . oder selbst geschrieben . . .

Samstag, 23. Januar 2010

Als Teenager ist uns unser sich entwickelnder Körper ein Rätsel. Wir stellen fest, dass es nur eine Schönheitsnorm gibt - eine kommerzielle Norm, eine Hollywood-Norm. Das Fernsehen verkauft uns die verschiedensten Produkte, während wir verzweifelt mit unseren Brüsten, unserem Haar, unseren Beinen und unserer Haut ringen, die den Ansprüchen niemals gerecht werden. Wir verlieren den Respekt vor unserer Einzigartikeit, den uns eigenen Gerüchen und Formen und unserer Art, etwas zu tun.
The Boston Woman´s Health, Book Collective, 1971

Ja, ich glaube, das gilt heute mehr denn je.
Das Neue 2010 ist, dass es immer mehr auch für Männer gilt. Auch sie sehen die Normvorgaben und richten sich danach, lassen sich mittlerweile Fett absaugen und trainieren sich Waschbrett-Bäuche an; dabei sollten sie mal lesen, was z.B. Alexander Lowen über diese Art von Bauchmuskeln schreibt und wie sehr diese zwanghaften Bauchmuskeln darauf hinweisen, dass hier auch Gefühle in die Presse genommen werden . . .
Angst lässt Kinder den Tonus der Bauchmuskulatur erhöhen. Es kann auch mittlerweile die Angst sein, nicht den Normen eines überzogenen Schönheitskults zu genügen.
Leider schreit die Eitelkeit, auch in den Männern, lauter als die Gefühle, die auf diese Weise gepresst, weggepresst werden, zum Beispiel die, die man für sich selbst entwickeln sollte.
Am jämmerlichsten schreit dabei die Selbstliebe.
Und dann hüllt man sich gern ein in ein Meer von Düften. – Was soll man auch tun, wenn man sich selbst immer weniger riechen kann . . .

Sonntag, 17. Januar 2010

Ingeborg Bachmanns himmelwärt´ge Schau: Ich frage


Ich frage mich alle Stunden tausendmal,
Woher mir dieses Lastbewusstsein kam,
Dies dumpfe immer tiefe Schmerzen.
Ich habe alle Freude längst verloren,
Mich zu empfinden in den Mattigkeiten,
Ich bin gequält in meinem Weiterschreiten
Und bitter, dass ich mich nicht wehren kann.

Ich schüttel mich in himmelwärt´ger Schau,
Versuch mich in Genuss und Raserei.
Ich bin mit Gott und seiner Welt zerfallen
Und habe selbst im Knieen nie gefühlt,
Dass es den Demutfrieden gibt,
Den alle andern sich so leicht erdienen.

Ich muss doch Gottes sein in allem Widerspruch.
Ihn so zu glauben, wie ich glauben muss,
Muss er notwendig sich aus seinem Strahle geben.
Wie bist du müde, Welt, die mich geboren,
Einzig bereit, mir Ketten aufzudrücken
Und, wo ich lodern kann und mich entzücken,
Mir Deine Schatten fester einzugraben.