Donnerstag, 9. Juli 2009

Von Eltern verlassen, im Stich gelassen: Kinder in der Schule


Es liegt nun einige Jahre zurück, doch ich schildere das Geschehen, als ob es dieses Jahr wäre, denn es geschieht im Grunde jedes Jahr:

Konkret handelt es sich um ein Mädchen, das ich im zweiten Jahr unterrichte, davon ein Jahr als Klassenlehrer. Dieses Jahr wird sie sitzenbleiben wie schon vor zwei Jahren; deshalb muss sie die Schule verlassen.

Trotz Bitte und Aufforderung zum Gespräch:
Die Mutter habe ich noch nie gesehen.
Den Vater habe ich noch nie gesehen.
Dieses Mädchen tut mir unendlich Leid.
Es hat keine Eltern.
Die junge Dame meint - sie ist ja schon älter, dass es nicht notwendig sei, dass ihre Eltern in die Schule kämen; sie seien über alles informiert.

Um was es jedoch geht: Um die Leere in ihrem Rücken.
Wenn man genau hinschaut: in ihren Augen.
Sie ist ohne Rück-Halt.
Dieses Mädchen hat niemand, der sie hält. In dieser so schweren Situation und schon vorher hätte sich die Familie um sie kümmern, sie unterstützen müssen. Wenn sie es auch nicht wahrhaben will: Sie steht allein.
Und ihre Seele weiß das, wenn sie auch ganz anders spricht und wenn ihre Eltern noch so neunmal klug daherreden und begründen würden, warum sie nie in der Schule waren.

So wie sie gibt es Tausende. Zehntausende.

Vielleicht hat sie sehr aufgeschlossene, sehr moderne Eltern. Es wäre nicht das erste Mal, dass manche Erwachsene sehr bewusst und aufgeschlossen wirken und um Fundamentales nicht wissen, wissen, worin sich ihr Verantwortungsbewusstsein zeigt:

Für ihr Kind nimmt sich der Vater frei, die Mutter nimmt sich frei und beide zusammen gehen zu dem Klassenlehrer. Und das nicht nur zu Beginn der Schullaufbahn. Aber da natürlich ganz besonders!

Es ist wichtig, dass bei diesem Treffen mit dem Klassenlehrer die mütterliche Energie präsent ist, es ist wichtig, dass die väterliche Energie präsent ist. Das wirkt auf den Lehrer.
Er hat dann ein ganz anderes Bewusstsein von Verantwortung gegenüber dem Kind.

Vielleicht sieht er aufgrund des Gespräches, warum das Kind Schwierigkeiten hat. Er sieht ja, wie Vater und Mutter miteinander umgehen und wie jeder jeweils über das Kind spricht, welchen Part wer übernimmt ...
Dazu vielleicht ein andermal ein Beispiel.

Vor allem aber weiß das Kind: Meine Eltern kümmern sich um mich. Wo es wichtig ist, sind sie beide zur Stelle; ich bin auch in der Schule nicht allein.
Es mag zu Hause ganz anders sprechen und womöglich "toben", dass beide Eltern in die Schule gehen, die Eltern von xy und wz machen das schließlich auch nicht. Aber:
In Wahrheit freut sich die Seele des Kindes, sie weiß:
Ich bin meinen Eltern das wert. Ich bin nicht verlassen, ich kann mich auf sie verlassen; sie nehmen mich ernst.

Und das spürt auch der Lehrer. Für jedes Kind hat das positive Auswirkungen.

Zu den Alleinerziehenden, seien es Mütter oder Väter, und ihrer Situation ein andermal mehr; schließlich gibt es auch die große Gruppe der alleinerziehenden Mütter in einer "intakten" Familie.

Jedenfalls: Am Schuljahresende tut mir das Herz weh, um die ach so behüteten, in Wahrheit verlassenen Kinder und Jugendlichen. Hier wiederholt sich, was die Märchen thematisieren: Es gibt keinen König und keine Königin oder nur einen Teil, und der ist krank. Nun muss das Kind allein auf die Reise, die Lebensreise.
Nicht, dass ich Eltern einen Vorwurf mache. Sie wiederholen nur die eigenen Erfahrungen ihrer Kindheit.
Notwendig aber ist es trotzdem nicht.
Es gibt zu viele auf diese Weise verlassene Kinder auf dieser Welt.



Samstag, 4. Juli 2009

Unser Herz als Wünschelrute: zu Paul Gerhardts "Geh aus mein Herz und suche Freud ..."


















Selten ist aus so übervollem Herzen gedichtet worden wie von jenem Mann, dem wir Volks- und Kirchenlieder wie O Haupt voll Blut und Wunden, Nun ruhen alle Wälder, Auf auf mein Herz mit Freuden oder auch Nun danket all´ und bringet Ehr´ verdanken: Paul Gerhardt.
Er war beileibe kein verklärter Sakristei- oder Hofpoet, sondern ein Mann mit Zivilcourage, der dem Kurfürsten von Brandenburg dermaßen Widerstand leistete, dass diesem Hören und Sehen vergehen sollte: Als nämlich jener von seinen Geistlichen eine Unterschrift unter ein Revers verlangte, sich religiöser Streitgespräche zu enthalten, verweigerte sie Paul Gerhardt und wurde daraufhin seines Amtes enthoben.

Das hielt ihn jedoch nicht davon ab, Strophen zu dichten wie jene, die viele früher noch auswendig lernten und die beim Kirchenausflug der Kirchengemeinde, in der meine Eltern sich heimisch fühlten, vom ganzen Bus gesungen wurde. Als Kind hatte ich damals immer das Gefühl, dass sogar der Bus samt Fahrgestell und Sitzen mitsang und beschwingter fuhr:

Geh aus, mein Herz, und suche Freud
In dieser lieben Sommerzeit
An deines GOttes Gaben;
Schau an der schönen Gärten Zier
Und siehe, wie sie mir und dir
Sich ausgeschmücket haben.

Wirklich wird hier das Herz zur Wünschelrute, die weiß, dass das Wasser des Lebens im Grunde die Freude ist.
Die ganze erste Strophe ist ein einziger großer Schwung von Bildern und so ist es oft auch im Rahmen der 14 folgenden:
Die ersten drei Zeilen gleichen einem staunenden Einatmen, die folgenden drei Zeilen gleichen einem Ausatmen, wobei uns Folgen und Wirkungen dessen bewusst werden, was wir aufgenommen, eingeatmet haben:

Die Bäume stehen voller Laub,
Das Erdreich decket seinen Staub
Mit einem grünen Kleide;
Narcissus und die Tulipan,
Die ziehen sich viel schöner an
Als Salomonis Seide.

Auf Schritt und Tritt begegnet man in den Strophen, von denen meistens nur die Strophen 1-3 und 8 gedruckt werden, jenem Meister der Dichtkunst, der stilistische Mittel in Hülle und Fülle einzusetzen wusste, sicherlich eher unbewusst:
So wird das Herz, die Quelle unseres Lebens, gleich zu Beginn direkt angesprochen, gewiss schon ein Kunstgriff; es steht aber nur - pars pro toto - als Teil für das Ganze, den ganzen Menschen, den Paul Gerhardt erreichen will.
Wenig später verleiht der Poet sogar dem Herzen Augen, möchte er doch, dass die Herz-Augen wahrnehmen: Für Dich, mein Herz, und für mich ist diese Pracht gestaltet.
So ernst nimmt der Dichter sein Herz!
So ernst nimmt er sein ganzes Sein!

Alliterationen finden sich in Hülle und Fülle und diese gleichen Anlaute bringen nun einmal die Seele zum Klingen wie die G-Anlaute in Gottes Gaben, das Schau der schönen Gärten oder Salomonis Seide.

Die Lerche schwingt sich in die Luft,
Das Täublein fleugt aus seiner Kluft
Und macht sich in die Wälder;
Die hochbegabte Nachtigall
Ergetzt und füllt mir ihrem Schall
Berg, Hügel, Tal und Felder.

Fast selbstverständlich will da erscheinen - was für diese Zeit übrigens noch ganz und gar nicht üblich war -, dass die Natur menschliche Züge trägt oder - wie man zu sagen pflegt - personifiziert ist: Das Erdreich bedeckt sich, ein menschlicher Vorgang, oder Narzissus und Tulipan bekleiden sich.
Der junge Goethe oder die Romantiker werden auf diese Weise wie selbstverständlich schreiben, in der Zeit des Barock war das ganz und gar nicht gang und gäbe, zumal Paul Gerhardt in eine Zeit geboren wurde, die zu den unwirtlichsten gehören sollte, die Deutschland jemals erlebte. Elf Jahre nach seiner Geburt brach der Dreißigjährige Krieg aus und nicht nur die Heere Wallensteins und Gustav Adolfs von Schweden zogen durch die Lande, sondern auch die Pest.
Trotz alledem ist für Paul Gerhardts Herzgesang alleiniger Maßstab das, was dem Höchsten klingt:

Ich selbsten kann und mag nicht ruhn;
Des großen GOttes großes Tun
erweckt mir alle Sinnen;
Ich singe mit, wenn alles singt,
Und lasse, was dem Höchsten klingt,
Aus meinem Herzen rinnen.



















Übrigens kam es in Berlin wegen der Amtsenthebung von Paul Gerhardt zu einer großen Unruhe, war doch unser Dichter als Prediger und Poet angesehen und beliebt. Auf vielseitiges Drängen entschloss sich deshalb der Kurfürst, auf die Unterschrift Paul Gerhardts zu verzichten, damit dieser weiter seines Amtes walten könne. Doch dieser verzichtete ebenfalls - auf sein Amt!

Paul Gerhardt hatte gewiss kein leichtes Leben. Als er nach Ende des Dreißigjährigen Krieges heiratete, gebar ihm seine Frau Anna Maria fünf Kinder, von denen nur eines überlebte.
Nach 17 Jahren Ehe starb seine Frau an einer damals unheilbaren Lungentuberkulose.

Und dennoch dichtet unser Dichter:

Doch gleichwohl will ich, weil ich noch
Hier trage dieses Leibes Joch,
Auch nicht gar stille schweigen;
Mein Herze soll sich fort und fort
An diesem und an allem Ort
Zu deinem Lobe neigen:

Hilf mir und segne meinen Geist
Mit Segen, der vom Himmel fleußt,
Daß ich dir stetig blühe!
Gib, daß der Sommer deiner Gnad
In meiner Seelen früh und spat
Viele Glaubensfrücht erziehe!


ganzer Liedtext hier,
verbunden mit einem letzten wesentlichen Punkt des Paul-Gerhardt-Liedes

Dienstag, 30. Juni 2009

Seelenlandschaften: Du bist Orplid, mein Land!/Das ferne leuchtet - Eduard Mörike und Weylas Gesang.


Gesang Weylas

Du bist Orplid, mein Land!
Das ferne leuchtet;
Vom Meere dampfet dein besonnter Strand
Den Nebel, so der Götter Wange feuchtet.

Uralte Wasser steigen
Verjüngt um deine Hüften, Kind!
Vor deiner Gottheit beugen
Sich Könige, die deine Wärter sind.


In Eduard Mörikes Novelle Maler Nolten ist jenes Zwischenspiel um den letzten König von Orplid integriert, in dessen Zusammenhang wir den Gesang Weylas finden, der göttlichen Beschützerin von Orplid, jener Stadt und gleichnamigen Insel, die im Stillen Ozean gelegen sein soll zwischen Neuseeland und Südamerika, wie Mörike schreibt.
"Orplid", so heißt es im Maler Nolten, "einst der Augapfel der Himmlischen, musste endlich ihrem Zorne erliegen, als die alte Einfalt nach und nach einer verderblichen Verfeinerung der Denkweise und der Sitten zu weichen begann. Ein schreckliches Ereignis raffte die lebende Menschheit dahin, selbst ihre Wohnungen sanken (...)."

Gewiss ist Orplid eine Reminiszenz in Mörikes Seele an Atlantis, jenen sagenhaften Kontinent, von dem die Hopi-Indianer berichten, Platon und viele andere; vielleicht auch an Vineta, jene sagenhafte Stadt an der südlichen Ostseeküste, die einst dahingerafft worden sein soll in einer großen Sturmflut.

Mörike wusste von allem sicherlich.

Sicher ist auch, dass es in jedes Menschen Seele jene Seelenlandschaft gibt, jenen Sehnsuchtsort, der sich auf eine vergangene und scheinbar so selige Zeit bezieht.

Im Maler Nolten wird die Insel wieder entdeckt und neu besiedelt.
Wir dürfen gespannt sein, welche Rolle Atlantis noch im Leben der Menschen einnehmen wird.

Mittwoch, 24. Juni 2009

Heinrich Heines Selbst-Betrug: Ich weiß nicht, was soll es bedeuten / Dass ich so traurig bin ...















Ich weiß nicht, was soll es bedeuten,
Dass ich so traurig bin;
Ein Märchen aus uralten Zeiten,
Das kommt mir nicht aus dem Sinn.

Die Luft ist kühl und es dunkelt,
Und ruhig fließt der Rhein;
Der Gipfel des Berges funkelt
Im Abendsonnenschein.

Die schönste Jungfrau sitzet
Dort oben wunderbar,
Ihr goldnes Geschmeide blitzet
Sie kämmt ihr goldenes Haar.

Am Ende - das ganze Gedicht ist hier zu lesen - wird der Schiffer untergehen, sein Kahn kentert, weil er nur Augen für das schöne Weib hat.

Heinrich Heine (1797-1856) hat das Lied mit annähernd 27 Jahren geschrieben; es ist sein bekanntestes Gedicht und ... ach, ja, es ist voller Romantik. Die uralten Zeiten gemahnen an das Es war einmal der Märchen und alle Ingredienzen - Abendstimmung, das ruhige Fließen des Flusses, Liebesweh - sind dazu angetan, uns als Leser rührselig zu stimmen.
Und ehrlich: Meine romantische Seele hört das Lied gern, schließlich ist auch die Vertonung durch Friedrich Silcher echt gut gelungen; ein Volkslied ist es geworden; natürlich wird es auf dem Rheindampfer eingespielt, wenn man an dem 125 Meter hohen Felsen (s. Bild) vorbeifährt.

In Wirklichkeit spiegeln die Verse die Problematik vieler Männer, ganz speziell auch die Heines, nämlich, mit einer Frau auf gleicher Augenhöhe keine Beziehung führen zu können.
Heine konnte das auch nicht. In den Bordellen vieler Städte, ganz besonders in Hamburg auf der damals so genannten Drehbahn St. Paulis, kannte er sich bestens aus, ja die Namen von Prostituierten sind sogar überliefert; wir wissen von der Dragonerkathrine, dem dicken Posaunenengel-Hanchen, von der Knuddelmuddel-Marie, der scheuen Susanne und einigen anderen.

Ich glaube - auch wenn er gleich zu Beginn sein lyrisches Ich das Gegenteil behaupten lässt -, Heine wusste sehr wohl, was es zu bedeuten hat, dass der Schiffer so traurig ist:
Eine Liebe auf gleicher Augenhöhe konnte der Poet nie leben, kein Wunder, dass Loreley auf einem Felsen sitzt und unerreichbar für den Schiffer bleibt. So bleibt ihm verborgen, dass sie so nicht ist, wie sie scheint; in sie projiziert mancher Mann seine Vorstellungen, die er nicht leben kann. So geht er in den nicht lebbaren Gefühlen seines nicht gelebten Lebens unter.

Der Rhein war zur Zeit Heines nur schwer beschiffbar, kannte viele Strudel und unterirdische Felsen, die heute überwiegend weggesprengt sind; sie symbolisieren, wie es im Unbewussten des Schiffers ausgesehen haben mag, unter der Wasseroberfläche. Nicht nur Narziss wusste nicht, was unter dem Wasserspiegel los ist; es gibt nicht viele, die wie Schillers Taucher die Erfahrung der Tiefe machen, machen wollen.

Auch mit der zweiten großen Liebe seines Lebens, dem Bauernmädchen Augustine, das Heine Mathilde nannte, konnte er nicht wirklich zusammenleben. Körperlich sehr attraktiv sind Heines Bildungsversuche bei ihr - er schickte sie sechs Tage in der Woche in eine Mädchenpension - weitgehend vergeblich. Wir wissen, dass Mathilde sehr launisch war, sich auf den Boden werfen und toben konnte, wenn ihr etwas nicht passte, um im nächsten Moment ganz zärtlich zu sein.
Mathilde blieb Kind, ein Kind, das der Mann Heinrich Heine dennoch herzlich liebte und dem er, als sein Siechtum auf seinem Bettlager - seiner Matrazengruft, wie er sie nannte - begann, in seinem Gedicht An die Engel in der vorletzten Strophe folgende Zeilen widmete, indem er sich an die Engel wendet:

Ihr Engel in den Himmelshöhn,
Vernehmt mein Schluchzen und mein Flehn;
Beschützt, wenn ich im öden Grab,
Das Weib, das ich geliebet hab;
Seid Schild und Vögte eurem Ebenbilde,
Beschützt, beschirmt mein armes Kind, Mathilde.

Bildquelle: Wikipedia, Loreley

Freitag, 19. Juni 2009

Seelenlandschaften: Vorsicht - Hochsitze!




Ein Hochsitz und sein Streugebiet: eine Seelenlandschaft?
Wem das nicht bewusst ist, der lebt gefährlich, denn die meisten werden sie kennen, jene Kollegen und Nachbarn, ja Familienangehörigen, die gemütlich auf einem Hochsitz sitzen, vielleicht bisweilen auch apart verdeckt durch den ach so natürlichen Schutz eines Baumastes - was kann da Übles dahinter sein?
Bis es auf einmal knallt.
Du hast auf der Wiese gespielt - Dein inneres Kind wollte auch einmal sein Recht; auf einmal liegst Du verletzt am Boden, und der Familienangehörige, Nachbar, Kollege läuft weg; die Flinte raucht noch.
Ein Schuss voller Bosheit, Boshaftigkeit, eine spitze Bemerkung, eine Verletzung allemal ...
Das war ihm doch ein Bedürfnis gewesen, Dir eine zu verpassen.
So ein Schuss entlastet die Seele des Schützen ... das braucht er ab und zu ... nur weißt Du nie wann ... kann sein, dass er dich nachher fragt, ob er dich verletzt habe ...
Pflichtgemäß sagst Du Nein.

Wenn die Wunden verheilt sind, kletterst Du auf jenen Hochsitz. Wie schön von hier oben doch alles aussieht:



Kann man in eine solche (Seelen-)Landschaft hineinballern?
- Mann/Frau kann!

Wer auf einem Hochstand steht, auf einem Hochsitz sitzt, führt - ohne dass ich mich jetzt auf Förster und Jäger beziehen will -, was Dich betrifft, nichts Gutes im Schild.
Da gilt nur eines: Ansprechen, bevor der Schuss fällt, enttarmen - denn Feiglinge sind sie allemal, die in solchen Seelenlandschaften operieren.
Auch selbst danach ist es noch eminent wichtig, den Schuss anzusprechen; nur so nimmt man solchen Schützen ihr "Spiel"-Gewehr aus der Hand.


Wie gemütlich sie manchmal aussehen; man kann richtig auch zu zweit darauf sitzen, über die 4 Knie, falls notwendig, eine wärmende Decke gelegt. Unter der kann man auch so gut die Knarre verstecken und freundlich lächeln ...









Wenigstens einen habe ich heute von außen zugemacht - wenn auch der Effekt leider gering sein dürfte :-(
Obwohl ... wer weiß ...

Übrigens hat Hermann Hesse in seinem Steppenwolf diese dunkle Seite, die jeder in sich hat, beschrieben, als Harry Haller im Magischen Theater anfängt herumzuballern.
Köstlich, wenn es nicht so blutig wäre ...

Sonntag, 14. Juni 2009

Seelenlandschaften: Der tiefe Brunnen weiß es wohl ... Vom Zucken eines Traums ...
























Der tiefe Brunnen weiß es wohl,

Einst waren alle tief und stumm,

Und alle wussten drum.


So beginnt Hugo von Hofmannsthals Gedicht Weltgeheimnis.
Und in der Tat birgt ein tiefer Brunnen auch das Geheimnis der Welt, so wie jedes Menschen Seele das Geheimnis der Welt birgt, wenn man auf ihren Grund kommt. Nicht von ungefähr heißt es im Grimm-Märchen Der Froschkönig oder der eiserne Heinrich:

Nun trug es sich zu, dass die goldene Kugel der Königstochter nicht in ihr Händchen fiel, das sie in die Höhe gehalten hatte, sondern vorbei auf die Erde schlug und geradezu ins Wasser hineinrollte. Die Königstochter folgte ihr mit den Augen nach, aber die Kugel verschwand, und der Brunnen war so tief, dass man keinen Grund sah.

Ja, in der Folge wird die Königstochter sich wirklich selbst auf den Grund gehen müssen, um zu ihrer goldenen Kugel zu kommen und dabei zugleich einen wirklichen Mann zu finden, nicht nur einen Frosch, jedenfalls: mit den Augen zu rollen, das wird nicht genügen! Dazu wird sie sich erstmal von dem Papa, dem Herrn König, lösen müssen. Wer mehr dazu lesen möchte, dem sei Hans Jellouscheks Der Froschkönig. Ich liebe dich, weil ich dich brauche empfohlen, ein klasse Buch.

Wer nicht in die Tiefe des Brunnens zu tauchen bereit ist, - er ist nichts anderes als ein Symbol für die eigene Seele -, wird nicht zu sich selbst gelangen.

Auch im Märchen Eisenhans beginnt die Initiation des Jungen an einem Brunnen, den er bewachen muss und dessen Bedeutung daran ersichtlich wird, dass alles, was hineinfällt, golden wird. Doch darf eben nicht alles hinein und man muss ihn bewachen können; das jedoch kann Eisenhans nicht, und so beginnt seine Reise zum Mann-Sein, über die wiederum Robert Bly in Eisenhans. Ein Buch über Männer Fundamentales und Erhellendes geschrieben hat. Eisenhans wird seiner Mutter den Schlüssel unter dem Kopfkissen stibitzen müssen (freiwillig gibt sie ihn nicht her, wie so oft im Leben die Mütter), damit er zum - wilden - Mann werden kann und kein Muttersöhnchen, sprich Froschkönig bleibt.

So einfach sind diese Reisen zu sich selbst nicht - vor allem, weil viele vergessen haben, dass es diese Reisen gibt -, und Hugo von Hofmannsthal weiß, warum er am Schluss seines Gedichtes schreibt:

Der tiefe Brunnen weiß es wohl,
Einst wussten alle drum,
Nun zuckt im Kreis ein Traum herum.

Es wird Zeit, dass wieder Realitiät werden kann, was nur so als Traum durch die Gegend zuckt ... Einst kannten wir alle das Weltgeheimnis, wussten wir um das Geheimnis des tiefen Brunnens. Nun liegt es auf seinem Grund verborgen und das Einst, also das Es war einmal der Märchen will uns sagen: Wir können Dich hinführen ...
Das aber ist vielen Zeitgenossinnen und -genossen suspekt; lieber lallen sie oder werden verrückt ... nachzulesen hier.

Mittwoch, 10. Juni 2009

Mahatma Gandhi: Es gibt keinen Weg zum Frieden. Der Frieden ist der Weg!


Ich glaube, ich könnte dieses Kalenderblatt das ganze Jahr anschauen!











Es ist dem jedes Jahr aufs Neue liebevoll gestalteten SOS-Kinderdorf-Kalender entnommen.
Gemalt ist das vorliegende Bild von Benjamin, einem 15-jährigen Jungen aus dem SOS-Kinderdorf Worpswede.
























Die >SOS-Kinderdorfarbeit< kann man mit einer Spende unterstützen; den Kalender bekommt man in der Folge meist zugeschickt.