Sonntag, 1. März 2015

Singen knüpft direkt an Gefühle an - Volkslieder als Therapie bei Demenz, bei Alzheimer

Zufällig bin ich auf diesen Radiobericht gestoßen und er hat mich total beeindruckt, zum einen, weil auf eine so schöne Weise alten Menschen geholfen wird und weil es zeigt, wie wertvoll Volkslieder sind, wie sehr sie einfach die Seele berühren und Kindheit zurückholen, Sprache zurückholen, Gefühle, Glück ...




Erstaunlich, wie die Mutter reagiert.

Ich finde das Gezeigte zwar sehr ins Private gehend, aber hier erfüllt es einen wirklich guten Zweck: dass andere in einer vergleichbaren Situation diese Möglichkeit aufgreifen. Man kann nur ahnen, wie gut das der Seele der Mutter tut . . .




Manchem mag der Begriff Therapie zu hochgegriffen sein. Der Therapeut ist im griechischen Sinne ja schließlich ein Heiler; aber er ist eben auch ein Diener, ein Helfer. – therapeùein bedeutet übersetzt dienen, pflegen, heilen.

Wenn Medikamente massiv in den Körper eingreifen oder ein Physiotherapeut Schmerzen bei einer Arthrose lindert, sprechen wir auch von Therapie.

Volkslieder sind das gewiss auch, gewiss pflegen sie die Seele und wer weiß: Vielleicht führen sie etwas sogar der Heilung zu. – Möge es in dem ein oder anderen Fall so sein können.

Als Kind seiner Mutter so zu dienen, finde ich wirklich wertvoll.

Samstag, 28. Februar 2015

Welch ein vermessenes Tun, im Fleische das Fleisch zu versenken. - Pythagoras jedenfalls war Vegetarier!

Im 15. Buch von Ovids Metamorphosen findet sich, was wir uns durchaus in Erinnerung rufen können:

Pytagoras warnte davor, Tiere zu verspeisen! Und immerhin hatte er sein Wissen aus der göttlichen Ebene!
Im Grunde ist seine Aussage klar: Wer Tiere verspeist, ist ein Tier, denn Tiere nur sättigen sich mit Fleisch! Und selbst von ihnen nicht alle!
Wer Fleisch ist, befleckt seine Lippen mit Blut.
Im Goldenen Zeitalter, als die Göttin des Friedens noch unter den Menschen wandelte, lebten sogar die Fische sicher in ihren Gewässern.

Der Auszug beginnt mit dem Hinweis, dass Pythagoras seine Heimat Samos wegen des Tyrannen Polykrates verlassen musste und freiwillig ihr fernblieb, denn er hasste Tyrannengewalt:

In der Stadt, die liegt an Italiens Ende,
Wohnte ein Mann aus Samos, aber von Samos
War er geflohn vor dem Herrn und blieb freiwillig im Banne,
Hassend Tyrannengewalt. Der stieg, ob fern von dem Himmel,
Doch zu den Göttern im Geist und ersah, was ewige Ordnung
Menschlichen Blicken entzog, mit dem Auge der denkenden Seele.
Dann, wie er alles erspäht mit Gedanken und wachender Sorge,
Trug er es vor im versammelten Kreis, und den schweigende Schülern,
Die zuhörten dem Wort mit Verwunderung, lehrt' er des Weltalls
Uranfang und der Ding' Ursachen, und was die Natur sei,
Auch was Gott, von wannen der Schnee, wie Blitz sich erzeuge,
Ob in zerteiltem Gewölk Sturmwind, ob Jupiter donnre,
Was aufschüttre das Land, nach welchem Gesetz die Gestirne
Wandeln, und was sonst dunkel verbleibt. Er rügte die Sitte
Tiere zu speisen zuerst und erschloß zu folgender Rede
Weisheit kündenden Mund, der nicht auch Glauben gefunden:

»Laßt, ihr Sterblichen, ab durch frevlige Speise die Leiber
Euch zu entweihn. Feldfrucht ja ist und die tragenden Äste
Abwärts ziehendes Obst und am Weinstock schwellende Trauben,
Zarte Gewächs' auch sind und andere, welche das Feuer
Mild kann machen und weich; und wird euch nimmer benommen
Labende Milch, noch Seim nach Thymian duftenden Honigs.
Gaben in Fülle beschert die verschwendende Erde zu milder
Nahrung und beut euch Kost, die Blut nicht heischet und Tötung.


Tiere nur sättigen sich mit Fleisch, doch alle mitnichten;
Denn Gras nähret das Roß und das wollige Vieh und die Rinder;
Denen jedoch inwohnt unbändiges Wesen und Wildheit,
Löwen, die zornige Brut, armenische Tiger, mit Bären
Gieriger Wölfe Geschlecht, die freuen sich blutigen Fraßes.
Welch ein vermessenes Tun, im Fleische das Fleisch zu versenken
Und den begehrliche Leib mit verschlungenem Leibe zu mästen
Und mit des Lebenden Tod ein Lebender sich zu erhalten!
Bei so reichlichem Gut, das die Erde, die beste der Mütter,
Zeuget, behagt dir nichts als traurige Stücke zu kauen
Mit unseligem Zahn und zu tun nach Art der Zyklopen?
Weißt du nimmer die Gier des gefräßigen Bauches zu stillen,
Der zum Schlimmen gewöhnt, als wenn du vernichtest den Andern?

Jene verwichene Zeit, die golden wir pflegen zu nennen,
War mit Baumesertrag und dem Boden entsprossenen Pflanzen
Reichlich beglückt und befleckte noch nicht mit Blute die Lippen.
Damals schlugen die Luft mit sicheren Schwingen die Vögel;
Furchtlos irrt' umher im freien Gefilde der Hase;
Nie auch hängte den Fisch leichtgläubiger Wahn an die Angel.
Ohn' auflauernden Trug und nichts argwöhnend von Tücke
War voll Frieden die Welt.

Donnerstag, 26. Februar 2015

Dem Baum kannst Du alles erzählen!

Ein echtes Baum-Ohr :-)
Gesehen auf der Lindesmühlenpromenade Bad Kissingens, einem Park entlang der Saale.




















Heute war eine wunderschöne Atmosphäre in Wald und Flur


und fast wäre ich noch zum Wittelsbach-Turm; aber aufgeschoben ist nicht aufgehoben :-)


Montag, 23. Februar 2015

In Deutschland ist niemand so armutsbedroht wie Kinder.

Eigentlich erübrigt sich da jedes weitere Wort.

Das interessiert niemand!

Der Bericht des Paritätischen Wohfahrtsverbandes über Armut in Deutschland von letzter Woche ist schon wieder Schnee von gestern.
Hat jemand eine einzige Reaktion eines Politikers darauf gelesen?

Vor Weihnachten gab es auf Panorama einen Bericht zur Kinderarmut in Deutschland:

http://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/panorama3/Kein-Konzept-gegen-Kinderarmut,kinderarmut192.html

Klar, vor Weihnachten kommen solche Berichte an. Wer will davon etwas wissen, wenn es Richtung Frühling geht.

Betroffen hat mich dennoch die Sequenz über jene Frau gemacht, die ausgebildete Altenpflegerin ist, aber dennoch als armutsbedroht gilt und in einer schimmeligen Wohnung lebt, meist mit geschenkten Möbeln ausgestattet von ihrer ca. 10-jährigen Tochter Geld aus deren Sparkasse Geld kriegt, wenn es mal wieder knapp wird.

Sie gilt ja nicht mal als arm. Dass sie keinen Zweitjob annimmt. liegt daran, dass sie dann noch weniger Zeit für ihre Tochter hat.

Und unsere Wirtschaft brummt, der Ölpreis ist niedrig wie nie zuvor. Wir haben Geld in Mengen.

Nur nicht für die, die es bräuchten!

Wie kalt muss es in deutschen Herzen zugehen!

Sonntag, 22. Februar 2015

Ein heiliger Ort in Bad Kissingen:

Wie gestern angekündigt bin ich heute zur Himmelswiese, dem Ort, wo eines Stillgeborenen, wenn die Eltern es wollen, gedacht wird. Er war gar nicht so leicht zu finden. Fast etwas unscheinbar liegt die Stätte der Sternenkinder zu Beginn eines Weges. Wenn man aber an dem Ort steht, entfaltet er sich immer mehr.


Eine kleine Reihe hinter dem Stein sieht man, wo einiger weniger Sternenkinder gedacht wird, aber jedes Stillgeborene für sich rührt; zwei sind mit Namen benannt; einem ist dieses Herz gewidmet:


Das Mal des Gedenkens rührt auch. Nach Aussage des Bildhauers Reinhard Kraft will der Stein als Sternenschale die Tränen sammeln, der schwere Sockel soll Halt geben.  Und das Mobile aus Engelsflügeln soll Mut geben.

Mir kam es vor wie eine Libelle, wie der Seelenkörper eines Stillgeborenen, der sagen will: Mach Dir keine Sorgen, ich schwebe über allem. Zum Licht.


Samstag, 21. Februar 2015

Eine Himmelswiese für Sternenkinder

Seltsam, was ich heute erlebte:

Seit ich eingezogen bin, hängt ein Stern an der Heizung im Flur, der mir irgendwie gefiel, den ich aber nie in die Hand nahm - irgendwie muss ihn der Vormieter hängengelassen haben; vor zwei, drei Wochen fiel er sogar runter; und da er sich ziemlich versteckte, blieb er da eine Weile. Im Hinterkopf hatte ich immer, dass ich ihn entsorge, denn ich mag keine Sachen von einem Vormieter, den ich nicht kenne, übernehmen, auch wenn es ein Stern ist.

Heute hab ich Großputz gemacht und ihn in die Hand genommen. Irgendwie gefiel er mir wieder sehr.
Dann muss da auch ein Zettel den Einzug überlebt haben, den ich auf die Seite gelegt hatte; auch er muss vom Vormieter sein, ein kleiner Flyer, der ganz anmutig aussah; deshalb blieb er wohl auch vor einem Mülleimerschicksal verschont.
Heute wollte ich ihn endgültig recyceln und nahm in auch zu diesem Zweck in die Hand. Da entdeckte ich, dass er zum Stern gehört.
Ich weiß nicht, wie beides in die Wohnung gekommen war, vielleicht war es eine Postwurfsendung für alle Haushalte, vielleicht hat der Vormieter es unterwegs in die Hand gedrückt bekommen und einfach beim Auszug liegen lassen.

Mit Hilfe des Flyers wird um Spenden für ein Projekt gebeten, dass 2014 wohl in die Tat umgesetzt worden ist: ein kleiner Friedhof für Kinder, die stillgeboren worden sind, die zur Welt kamen und nie lebten. Ein kleines Areal wohl auf dem Parkfriedhof in Bad Kissingen.
Natürlich habe ich im Internet recherchiert. Da findet sich auch ein Artikel aus der MainPost.
Morgen gehe ich auf den Parkfriedhof.

Wie viel Trauer und Leid sicherlich hinter all diesen Schicksalen steht. Immerhin, so habe ich gelesen, kommt dieses Stillgeborensein allein im Elisabeth-Krankenhaus Bad Kissingens 60-80mal pro Jahr vor, eine Zahl, die ich mir ehrlich gesagt, nicht vorstellen kann; ich vermute, dass der Zeitung da ein Druckfehler unterlaufen ist. Entscheidend aber ist, wie liebevoll das alles auf mich wirkt, das Engagement der Initiatoren und überhaupt die Tatsache, dass heute so würdevoll mit den Sternenkindern, wie sie auch genannt werden, umgegangen wird - das war nicht immer so.

Jedenfalls hat mich das alles doch sehr berührt und der Stern bleibt nun da:


Donnerstag, 19. Februar 2015

Arme: Loser ohne Lobby!

Ihr Pech: Kein Politiker weiß, wie sich Arm-Sein anfühlt. Und die meisten interessiert es auch nicht!

12,5 Millionen Menschen im reichen Deutschland sind arm.
19,1 Prozent der Jugendlichen sind arm.


Gut, dass es den Paritätischen Wohlfahrtsverband gibt, sonst hätten Arme bei uns keine Stimme. Vielleicht wird aufgrund des Armutsberichtes durch diese Institution der ein oder andere Linke oder Grüne sich bemüßigt fühlen müssen, ein paar Worte zum Thema zu verlieren, vielleicht auch der ein oder andere Kirchenvertreter. Ich persönlich kann darauf verzichten, weil sich die Politik dadurch nicht im Geringsten ändert. Im Gegenteil: Tatenlos sehen die Parteien einer offensichtlichen Verschärfung der Armutssituation zu.

Die wichtigsten Fakten des Berichts:

1: Die Armut in Deutschland hat mit einer Armutsquote von 15,5 Prozent ein neues Rekordhoch erreicht und umfasst rund 12,5 Millionen Menschen. (12,5 Millionen)

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4: Die regionale Zerrissenheit in Deutschland hat sich im Vergleich der letzten Jahre verschärft. Betrug der Abstand zwischen der am wenigsten und der am meisten von Armut betroffenen Region 2006 noch 17,8 Prozentpunkte, sind es 2013 bereits 24,8 Prozentpunkte.

5: Als neue Problemregion könnte sich neben dem Ruhrgebiet in Nordrhein-Westfalen auch der Großraum Köln/Düsseldorf entpuppen, in dem mehr als fünf Millionen Menschen leben, und in dem die Armut seit 2006 um 31 Prozent auf mittlerweile deutlich überdurchschnittliche 16,8 Prozent zugenommen hat.

6: Erwerbslose und Alleinerziehende sind die hervorstechenden Risikogruppen, wenn es um Armut geht. Über 40 Prozent der Alleinerziehenden und fast 60 Prozent der Erwerbslosen in Deutschland sind arm. Und zwar mit einer seit 2006 ansteigenden Tendenz.

7: Die Kinderarmut bleibt in Deutschland weiterhin auf sehr hohem Niveau. Die Armutsquote der Minderjährigen ist von 2012 auf 2013 gleich um 0,7 Prozentpunkte auf 19,2 Prozent gestiegen und bekleidet damit den höchsten Wert seit 2006. 

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8: Bedrohlich zugenommen hat in den letzten Jahren die Altersarmut, insbesondere unter Rentnerinnen und Rentnern.


Der Kongress in Brüssel tanzt - Menschen in Deutschland darben!



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