Montag, 14. April 2014

Was ihr getan habt einem unter diesen meinen geringsten Brüdern ...



… das habt ihr mir getan. – An Henri scheiden sich die Geister.

Der Fall erregt die Republik:
Die Süddeutsche, der Sterndie Stuttgarter Nachrichten, die FAZ, die SWR-Landesschau, der Deutschlandfunk – das ist nur eine kleine Auswahl der Medien, die über Henri berichten.

Mittlerweile – Stand Montag, 15 Uhr – steuert die Online-Petition auf change.Org 13-tausend Unterschriften zu.

Es geht um das Thema Inklusion. Henri hat ein Down-Syndrom. Seine Mutter möchte – von Henri selbst und seinen ehemaligen Klassenkameraden ist in fast allen Medien leider und seltsamerweise kaum, wenn nicht sogar nie die Rede -, dass ihr Kind mit seinen Klassenkameraden auf das Gymnasium Walldorf wechselt. Die dortige Schulkonferenz – ein Gremium, in dem Vertreter von Lehrern, Eltern, Schülern und der Schulleitung sitzen – hat sich gegen Henris Aufnahme ausgesprochen.

hier weiterlesen
Bildquelle: change.org

Samstag, 12. April 2014

Vom Glück, das es gibt, wenn man sicher sein kann, nicht verletzt zu werden.


Trotz Ferien war ich heute nochmal in der Schule, um die Aufschriebe aus den Gruppenarbeiten meiner Kollegen im Rahmen unseres pädagogischen Wochenendes in Bad Wildbad für eine Personalversammlung zu sichten.

Dabei fiel mir das Plakat auf, auf dem wir die Un- bzw. Zufriedenheit mit den pädagogischen Tagen zum Ausdruck gebracht hatten. Obwohl alle auch einen Teil des Wochenendes geopfert hatten, der normalerweise für die Familie oder Korrekturen gebucht ist, war die Reaktion sehr positiv und ich musste an jene Übung denken, die wir zum Abschluss auf Vorschlag von Sigrid Tomberg, die uns zusammen mit ihrem Mann Günter Tomberg durch die zwei Tage geleitet hatte, machten:

Wir saßen in Gruppen zusammen und jedem wurde aus der Gruppe ein Anderer zugeteilt, dem er drei positive Eigenschaften zuschreiben sollte. Das war wirklich spannend und ich wusste, dass ich nicht das Allerweltsübliche schreiben wollte.

Um genau diese Aufgabe hatte ich nämlich meine letzte Klasse, in der ich Klassenlehrer war, gebeten: Jeder sollte jedem aus der Klasse einen positiven Satz zu- und aufschreiben. Ich machte mir dann die Mühe, für jeden die 25 positiven Sätze der anderen auf ein Blatt zusammenzuschreiben. Puh, viel Arbeit, aber dennoch, wie ich noch heute finde, lohnenswert.

Was mir nur aufgefallen war: Wie oft stand da: Peter ist nett / Sandra ist freundlich und nett / Jan ist nett ...

Es blieb mir gar nichts übrig, als die Bitte zu äußern, das Wort nett zu vermeiden und auch gut gelaunt und ähnliche stereotype Wendungen.

Am Schluss hatten jedenfalls alle ein schön gestaltetes Blatt mit Sätzen der KlassenkameradInnen und ich bin sicher, einige heben sich das ihre gut auf. Von manchen Aussagen, die sich die Kinder zuschrieben, war ich echt berührt, und ich kann mir vorstellen, mancher hat das ein oder andere, was er da über sich las, so noch nicht vernommen.

Ich erinnere mich, dass es mir nicht so leicht fiel, dem Kollegen, der mir zugeteilt war, etwas ganz Spezifisches mitzugeben; es gelang jedoch; und zuallermeist gelang es auch den Kollegen aus meiner Gruppe für den ihm bzw. ihr Zugeteilten.

Weshalb ich davon schreibe: Während ich mit der Sichtung in der Schule beschäftigt war, kam mir in den Sinn, wie schön die Atmosphäre in der Gruppe bei dieser Aufgabe war. Ja, im Nachhinein finde ich:

Es herrschte eine Form von Glück.

Und mir kam auch, als ich darüber sann, der Grund, weshalb das so sein konnte:

Jeder von uns konnte sicher sein, nicht verletzt zu werden.

Nun mag mancher denken: Was werden erwachsene Menschen - zumal unter KollegInnen - Angst haben, verletzt zu werden?!

Ich glaube, dass wir unbewusst viel mehr Ängste, als wir ahnen, haben, auch Ängste, wir könnten verletzt werden.

Vor allem dann, wenn es ins Persönliche geht. Da liegt die Seele blank.

Ich bin mir sicher, als Kind habe ich diese Angst zu Hause oft gehabt.

Und in der Schule auch, weil ich ein sehr mittelmäßiger Schüler war, dem Lehrer nicht übermäßig wohl gesonnen waren; da bekam man schnell mal eine Verletzung durch einen lapidar dahingesagten Satz des Lehrers ab.

Jedenfalls, wenn ich an die vielleicht 40 Minuten zurückdenke, in der wir diese Übung machten, dann kommt es mir vor, als wären wir unter einer goldenen Glocke vereint gewesen. Alle Gesichter haben ein Strahlen im Gesicht gehabt, vor allem in der Phase, als alle gespannt darauf waren, was nun der Andere Erfreuliches über sich hören würde.


Übrgens: Eines der Themen dieses Pädagogischen Wochenendes war Lehrergesundheit.

In diesem Moment, wo wir strahlten, waren wir wirklich gesund!

Es war so schön, weil keiner Angst haben musste, es könnte jetzt etwas Schräges oder Verletzendes kommen.

Wie schön ist es, wenn Menschen sehr persönlich miteinander umgehen und trotzdem vor Glück strahlen dürfen!

Vielleicht überhöhe ich das Geschehen von damals im Nachhinein ein wenig - aber ich glaube, das ist nicht einmal der Fall.

Über was mich das alles auch nachdenken lässt: 


Wie es Schülern in der Schule geht und wie sehr Schule auch solcher Zeiten und Räume bedarf, wo gerade Kinder - gerade auch im ganz normalen Unterricht - sicher sein und vor Glück strahlen können, weil es diese Sicherheit gibt, die zu den schönsten Gewissheiten des Lebens gehört: 

geschützt zu sein vor Verletzungen.

Und Lehrer sollten eines wissen: 
Nur, wenn ihre Schüler wirklich gesund sind, sind auch sie selbst gesund!

Montag, 7. April 2014

Ich horche immer. Gib ein kleines Zeichen . . .


Du, Nachbar Gott, wenn ich dich manches Mal
in langer Nacht mit hartem Klopfen störe, -
so ists, weil ich dich selten atmen höre
und weiß: Du bist allein im Saal.
Und wenn du etwas brauchst, ist keiner da,
um deinem Tasten einen Trank zu reichen:
ich horche immer. Gib ein kleines Zeichen.
Ich bin ganz nah.

Nur eine schmale Wand ist zwischen uns,
durch Zufall; denn es könnte sein:
ein Rufen deines oder meines Munds -
und sie bricht ein
ganz ohne Lärm und Laut.

Aus deinen Bildern ist sie aufgebaut.

Und deine Bilder stehn vor dir wie Namen.
Und wenn einmal in mir das Licht entbrennt,
mit welchem meine Tiefe dich erkennt,
vergeudet sichs als Glanz auf ihren Rahmen.

Und meine Sinne, welche schnell erlahmen,
sind ohne Heimat und von dir getrennt.


Rainer Maria Rilke, 22.9.1899, Berlin-Schmargendorf

Mittwoch, 26. März 2014

Über die psychosoziale Lage in Deutschland und die dunkle Mutterschaft Angela Merkels.


Angela Merkels Dornenhecke und die Prinzengarde der CDU

Letztes Wochenende habe ich im Kurpark zu Bad Kissingen eine Tafel gesehen, auf der ein Ende 2010 verfasster Aufruf von 21 Chefärzten der Chefarztgruppe CHIP (Chefärzte Humanistisch Integrativer Psychosomatischer Kliniken) zu lesen ist. Angesichts der dort erhobenen Forderungen und Aussagen habe ich mich gefragt, ob sich in Deutschland seitdem etwas verändert. Auf der Seite ww.psychosoziale-lage.de heißt es in diesem Zusammenhang, „dass die psychischen Erkrankungen massiv zunehmen.“ Seit 1980 steige der Anteil der Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen durch psychische Erkrankungen auf bis zu 20%. Im BKK Gesundheitsreport 2010 sei nachzulesen, dass sich die durchschnittlichen Krankheitstage wegen Burnout in den Jahren von 2004 bis 2009 von 4,6 auf 47,1 Tage, also um das zehnfache, erhöht hätten.
Diese Realität ist ein Reflex auch der politischen Situation dieses Landes. Noch kein Bundeskanzler hat es so versiert verstanden, ein ganzes Land umfassend ins Koma zu versetzen, wie dies momentan der Fall ist. Schön wäre es, wenn es wenigstens ein Wach-Koma wäre oder nur eine Hypnose. - Nein, es ist tiefstes Koma wie der Schlaf im Dornröschenmärchen, der für den Tiefschlaf der Seele steht, auch der eines Volkes, das sich nicht entwickelt, sondern stagniert - mit den entsprechenden gesundheitlichen Folgen für den körperlichen und seelischen Bereich vieler seiner Bürger. Man möchte meinen, die in Bad Wildbad fotografierte Plastik, spiegelt den Zustand Deutschlands wieder.



Bekanntlich zieren im Märchen viele längst skelettierte Prinzen die Dornenhecke, an der sie auf ihrem Weg ins Schloss gescheitert sind.
Angela Merkel kennt diese Dornenhecke bestens, in denen all die Männer scheiterten, die es wagten, den Mund gegen sie aufzumachen und eigener Meinung zu sein; sie ist schließlich diese Dornenhecke selbst (nicht nur, aber auch), selbst wenn man es ihr auf den ersten Blick nicht ansehen mag; auf den zweiten nimmt man die Stacheln ihrer inneren Dornenhecke sehr wohl wahr.

Wer möchte: hier weiterlesen

Sonntag, 9. März 2014

Der Himmel jubiliert, zeigt seine Freude



Vielleicht sollten wir - nicht nur, aber vor allem am Sonntag, am Sonnen-Tag - einen Moment verweilen bei der Tatsache, dass der Frühling gekommen ist, prognostiziert für eine ganze Woche, 7 Tage; der Himmel also lacht und strahlt, als gäbe es etwas Besonderes zu feiern. 

Vielleicht sind tatsächlich auf der Erde und im Himmel - beides ist nicht zu trennen - Dinge geschehen, die den Himmel 7 Feste feiern lassen.

Ungewöhnlich war der milde Winter. Wem galt die Milde?

Ungewöhnlich dieser Frühling. Es ist, als ob alle Krokusse und alle Vögel, die schon immer Boten Gottes waren und mit ihrem Gesang den Ewigen verehren, sagen: Lasst uns feiern.

Menschen jammern, wenn das Wetter grau ist und die Natur Emotionen freisetzt, die Menschen und Tieren, Bäumen und Sträuchern ihre Endlichkeit zeigen müssen.

Wenige aber nur sind dankbar, wenn der Himmel und die Sonne die Erde streicheln, wärmen, ihre Liebe zeigen, die immer da ist. 

Der Tag lässt uns die Sterne nicht sehen, die Nacht und die Wolken lassen uns die Sonne nicht sehen. Doch strahlen sie immer.

So wie es im Abendlied von Matthias Claudius heißt: 


Seht ihr den Mond dort stehen, 
er ist nur halb zu sehen
und ist doch rund und schön.
So sind wohl manche Sachen,
die wir getrost belachen, 
weil unsere Augen sie nicht sehen.

Wir sehen den Himmel lachen und haben Grund, dankbar zu sein.


Dienstag, 18. Februar 2014

Ungarn brennt 500 Hektar Felder mit Genmais ab, um die Nahrungsmittelversorgung frei von Gentechnik zu halten!


dort mehr dazu

Umweltschützer könnten zunächst einwenden, das Abbrennen sei umweltschädlich, weil viel verbranntes organisches Material freigesetzt werde, doch tatsächlich stellt die genetische Verschmutzung eine viel größere Bedrohung für unsere Welt dar. Das Verbrennen von Genmais ist eine sichere Methode, um den giftigen genetischen Code im Pflanzengewebe unschädlich zu machen. Ich hoffe inständig, den Tag zu erleben, an dem amerikanische Gerichte die Zerstörung aller Genmaisfelder in Amerika anordnen. Und falls sich die Gerichte als der Lage nicht gewachsen erweisen, gehe ich davon aus, dass die Menschen früher oder später einen Weg finden, es selbst in die Hand zu nehmen. Denken Sie an die »Armee der Twelve Monkeys«, aber dieses Mal mit GVO. Ungarns stellvertretender Minister für ländliche Entwicklung Lajos Bognar meldete diese Woche, auf Anordnung der Regierung seien rund 500 Hektar mit Genmais abgebrannt worden.
Ungarn hat den Anbau von gentechnisch veränderten Feldfrüchten aller Art verboten und hat in den letzten Jahren wiederholt Tausende von Hektar Felder abbrennen lassen, auf denen unerlaubt Genpflanzen angebaut worden waren. Die Nachricht wurde zunächst bei Rede Brasil Atual in portugiesischer Sprache verbreitet. Eine englische Übersetzung wurde bei GMwatch.org gepostet.

Donnerstag, 13. Februar 2014

Heute beginn der Rest meines Lebens ...


Resteverwertung
Restmüll
Überrest

Das Wort Rest leitet sich von lat. restare = übrig bleiben, dem spätmittelhochdeutschen rest(e) und in der Folge von italienisch resto= übrig bleibender Geldbetrag ab.

Ich finde es schrecklich, wenn dieses Wort im Zusammenhang mit Menschen oder ihrer Lebenszeit verwendet wird:

Der Sopran geht bitte dorthin, der Rest da rüber ...

Wer diesen Weg gehen möchte, kommt hierher, der Rest verteilt sich auf die anderen Gruppen ...


oder anlässlich eines Geburtstages:

Sie haben nun Ihren siebzigsten Geburtstag erreicht. Für den Rest ihres Lebens wünschen wir Ihnen alles Gute ...

Jemand, der 70 Jahre alt geworden ist, lebt in aller Regel sehr bewusst.

Da ist kein Resteverwertungsgefühl da, sondern oft viel Dankbarkeit, jeden Tag so bewusst leben zu können, wie man das nur kann, wenn man diese Reife gewonnen hat, die ältere Menschen doch immer wieder haben.

Ich finde es geschmacklos, wenn man so von Menschen und ihrer Zeit spricht. - Das gilt für Menschen jeden Alters.

Die meisten tun das ja nicht in böser Absicht. 


Doch: Ein Mensch und seine Zeit sind in keiner Form ein Rest!

Wer mag, möge wertschätzend von Menschen und ihrer Zeit sprechen!


Gerade auch von der eigenen!