Donnerstag, 21. August 2014

Vorsicht vor synthetischen Vitaminen und Alu-Folie!


Frühstückmüslis, Frühstücksriegel und ähnliche Produkte mit synthetisch hergestellten Vitaminen können extrem gesundheitsschädlich sein. Dies belegt ein neuer Bericht der amerikanischen Umwelt- und Verbraucherorganisation EWG.

So beginnt ein Artikel  auf der Internetseite Forschung und Wissen.


An anderer Stelle heißt es weiter:


Zu viel synthetisches Vitamin A beispielsweise verursacht Leberschäden, Skelettabnormitäten, schuppende Haut und Haarausfall. Zu viel synthetisches Zink hemmt die Aufnahme von Kupfer, welches beispielsweise für das Immunsystem wichtig ist.


Und der letzte Satz lautet:


Zu wenige Menschen wissen, wie schädlich Frühstücksmüsli mit synthetischen Vitaminen für Erwachsene und Kinder sein kann.


Bedauerlich, dass es notwendig ist; aber man sollte sich den ganzen Artikel durchlesen.


In Bezug auf Aluminium sind n
euste Studien alarmierend

Es soll für das Sterben von Nervenzellen verantwortlich sein; es fördert nämlich deren Entzündung (z.B. in Brustzellen durch Kosmetika) und das ist meist der Anfang ihrer Zerstörung. Damit kann es Brustkrebs auslösen.
Es begünstigt ebenfalls den Ausbruch von Alzheimer, löst Blutarmut aus und Knochenerweichung.

Aluminium ist das am häufigsten vorkommende Metall der Erde und kommt natürlicherweise vor allem in Salaten vor, aber auch in Kakao und Schokolade. So gesehen ist es durchaus natürlich; die kumulativen Anwendungen aber machen es zu einer bisher viel zu sehr unterschätzten Gefahr.


Mittlerweile allerdings finden wir es in Kosmetikartikeln und der Zahnpasta und in den Zusatzstoffen von Lebensmitteln.

Wenn wir genau hinschauen, sehen wir die glänzende Folie über der abgepackten Butter, Margarine und fast allen Yoghurt-Bechern. Wir verwenden es in der Limonaden-Aludose, in Alugrillschalen und Thermoskannen.

Im Kontakt mit salzigen und säurehaltigen Nahrungsmitteln ist Alufolie sozusagen brandgefährlich (nur auf manchen stehen Warnhinweise). Nicht unbedingt nach 24 Stunden, aber nach mehreren Tagen hat sich der Alugehalt des mit der Alufolie überdeckten Käse oder der damit verpackten Tomate, Gurke oder Zitrone verdrei- bis vervierfacht. Hier der Link zur WDR-Sendung vom 18.August.


Weitere Fernsehsendungen, die vor Aluminium warnen:


http://www1.wdr.de/mediathek/video/sendungen/servicezeit/videoservicezeit584.html  (Beitrag beginnt nach 11.40 Minuten)

und
http://www1.wdr.de/mediathek/video/sendungen/servicezeit/videoaluminiumimhaushalt100.html

Ich persönlich bin gegen angstbesetztes Essen; aber Information ist wichtig, und wenn man darauf achtet, wie oft man Aluverpackungen mittlerweile begegnet, könnte es angebracht sein, dass auch in der Nahrungsmittel verarbeitenden Industrie ein Umdenken stattfinden sollte  - und zwar zügig!


PS: Goethes Werther wusste schon vor 200 Jahren, wo und wie´s langgeht:
Wenn ich des Morgens mit Sonnenaufgange hinausgehe nach meinem Wahlheim und dort im Wirtsgarten mir meine Zuckererbsen selbst pflücke, mich hinsetze, sie abfädne und dazwischen in meinem Homer lese; wenn ich in der kleinen Küche mir einen Topf wähle, mir Butter aussteche, Schoten ans Feuer stelle, zudecke und mich dazusetze, sie manchmal umzuschütteln: da fühl' ich so lebhaft, wie die übermütigen Freier der Penelope Ochsen und Schweine schlachten, zerlegen und braten. Es ist nichts, das mich so mit einer stillen, wahren Empfindung ausfüllte als die Züge patriarchalischen Lebens, die ich, Gott sei Dank, ohne Affektation in meine Lebensart verweben kann. Wie wohl ist mir's, daß mein Herz die simple, harmlose Wonne des Menschen fühlen kann, der ein Krauthaupt auf seinen Tisch bringt, das er selbst gezogen, und nun nicht den Kohl allein, sondern all die guten Tage, den schönen Morgen, da er ihn pflanzte, die lieblichen Abende, da er ihn begoß, und da er an dem fortschreitenden Wachstum seine Freude hatte, alle in einem Augenblicke wieder mitgenießt. 


Freitag, 15. August 2014

. . . wenn wir anfingen, mit dem Herzen zu denken . . . – Hugo von Hofmannsthals Chandos-Brief: Dokument spiritueller Entwicklung


1902 schreibt Hugo von Hofmannsthal einen Brief unter dem Namen Lord Chandos an Francis Bacon, einen damals weithin bekannten Philosophen und Naturwissenschaftler, der doch eigentlich der völlig falsche Adresssat sein muss. Im Mittelpunkt des Briefes nämlich stehen im Grunde Gefühle, Gefühle für Gegenstände wie Gießkannen, aber auch für Tiere, wie z.B. Ratten.
Darüber ausgerechnet einem Mann wie Bacon schreiben zu wollen, dünkt aberwitzig, denn Francis Bacon (1561-1626), ein Zeitgenosse Galileis, ist ein Mann der kopernikanischen Wende:
Die Erde steht nicht mehr im Mittelpunkt, wie es seit Ptolemäus galt und dem bisher sogenannten ptolemäischen Weltbild entsprach. Alle früheren Koordinaten zählen nicht mehr.
Ein neues, ein mechanistisches Welt etabliert sich mit Folgen, die wir bis heute spüren. So entwirft nicht von ungefähr Rene Descartes (1596-1650) ein mathematisches Bild der Natur und lehrt, dass alles in der Natur auf sich bewegende Materie zurückgeführt werden kann. Sein berühmter Satz prägt über Jahrhunderte die Naturwissenschaften und ihre Orientierung am Materiellen:



Gebt mir Materie und ich werde das Universum erschaffen!

Obwohl die meisten der federführenden Köpfe tief religiös sind, ist keine Rede mehr von einem Geistwesen namens Gott, der die Welt erschaffen haben soll, keine Rede mehr von dem Buddhawort, dass alle Dinge im Geist entstünden.

Eine unglaublich euphorische Aufbruchsstimmung erfasste damals die Menschen, die Wissenschaftler. Wie Kolumbus, Magellan und andere von den Küsten des damals bekannte Landes ablegen, so legen nun auch die Wissenschaftler von den herkömmlichen Wissensgestaden ab mit dem Mut, aufs offene Meer zu segeln. Kein Wunder formuliert Bacon:


Fort mit den geschichtlichen Autoritäten, den gepriesenen Meistern, fort mit Aristoteles und seinen Lehren (...) Weshalb ständig nach dem Warum der Dinge fragen - wichtig ist das Wie! (...) Allerdings lässt sich die Natur nur besiegen, wenn man ihre Gesetze befolgt; sie zu kennen bedeutet Herrschaft über die Natur: Wissen ist Macht!

Warum ich darauf verweise, wird klar, wenn man die Ausführungen von Lord Chandos, alias Hugo von Hofmannsthal, liest:

Im Grunde hat er eine genau gegenteilige Auffassung, gerade, was die Natur betrifft. Deshalb verwundert mich zutiefst, warum Hugo von Hofmannsthal seinen Lord Chandos dessen Brief an Francis Bacon richten lässt. Eigentlich ist das der vollkommen falsche Adressat.

Mich wundert auch, dass ich bisher nirgends gelesen habe, dass Germanisten über diesen Tatbestand geschrieben hätten.

Jedenfalls hat selten jemand unmissverständlicher eine spirituelle Stufe seiner Entwicklung so überzeugend zum Ausdruck gebracht wie Hugo von Hofmannsthal, den Germanisten und Gedichtliebhaber als Verfasser zum Teil mystisch-magischer Gedichte kennen, ich denke an Ein Traum von großer Magie oder Weltgeheimnis.

Germanisten klassifizieren diesen fiktiven, also erfundenen Brief, den man in Fachkreisen gemeinhin als Chandos-Brief bezeichnet, unter dem Aspekt der Sprachkritik, denn ganz offensichtlich ist: Hofmannsthal sieht sich nicht mehr in der Lage zum Ausdruck zu bringen, was in ihm vorgeht.
Tatbestand allerdings ist, dass Hofmannsthal zu der Zeit, als er jenen Brief abfasst, du rchaus sehr produktiv ist und auch der Brief selbst ja in keiner Weise von einem sprachlichen Unvermögen zeugt, im Gegenteil:
Zunächst schreibt Lord Chandos - man darf also nicht alles, was Letzterer über sich sagt, eins zu eins auf Hofmannsthal umlegen - über seine Pläne, die er auf dem schriftstellerischen Sektor vorgehabt habe und bekundet schon hier ein Bewusstsein, wie man es noch mehr Menschen wünschte:


Mir erschien damals in einer Art von andauernder Trunkenheit das ganze Dasein als eine große Einheit: geistige und körperliche Welt schien mir keinen Gegensatz zu bilden, ebensowenig höfisches und tierisches Wesen, Kunst und Unkunst, Einsamkeit und Gesellschaft; in allem fühlte ich Natur, in den Verirrungen des Wahnsinns ebensowohl wie in den äußersten Verfeinerungen eines spanischen Zeremoniells; in den Tölpelhaftigkeiten junger Bauern nicht minder als in den süßesten Allegorien; und in aller Natur fühlte ich mich selber; wenn ich auf meiner Jagdhütte die schäumende laue Milch in mich hineintrank, die ein struppiges Mensch einer schönen sanftäugigen Kuh aus dem strotzenden Euter in einen Holzeimer niedermolk, so war mir das nichts anderes, als wenn ich, in der dem Fenster eingebauten Bank meines studio sitzend, aus einem Folianten süße und schäumende Nahrung des Geistes in mich sog.

Das eine war wie das andere; keines gab dem andern weder an traumhafter überirdischer Natur, noch an leiblicher Gewalt nach, und so gings fort durch die ganze Breite des Lebensbedingungen, rechter und linker Hand; überall war ich mitten drinnen, wurde nie ein Scheinhaftes gewahr: Oder es ahnte mir, alles wäre Gleichnis und jede Kreatur ein Schlüssel der anderen, und ich fühlte mich wohl den, der im Stande wäre, eine nach der andern bei der Krone zu packen und mit ihr so viele der andern aufzusperren, als sie aufsperren könnte. Soweit erklärt sich der Titel, den ich jenem enzyklopädischen Buch zu geben gedachte.

So weit, so gut. Wir finden dieses Bewusstsein auch in vergleichbarer Weise bei dem jungen Werter in jenem berühmten Brief vom 10. Mai.

Doch dann muss Lord Chandos feststellen, dass sein Geist aus der aufgeschwollenen Anmaßung seiner Pläne und jenes eben angeführten Bewusstseins in sich zusammensinkt. Weder kann er sich dies auf einem religiösen Hintergrund erklären noch auf einem irdischen und er muss Francis Bacon, dem Adressaten mitteilen:


Es ist mir völlig die Fähigkeit abhanden gekommen, über irgend etwas zusammenhängend zu denken oder zu sprechen.

Die ganzen alltäglichen Anlässe, so lässt er wissen, z.B. sein Kind zu tadeln oder, worüber sich Nachbarn unterhalten, kämen ihm als bedenklich, ja lügenhaft und unbeweisbar vor. Was für ihn sonst wichtig und wirklich gewesen sei, zerrinne ihm:
Es zerfiel mir alles in Teile, die Teile wieder in Teile und nichts mehr ließ sich mit einem Begriff umspannen. Die einzelnen Worte schwammen um mich; sie gerannen zu Augen die mich anstarrten und in die ich wieder hineinstarren muß: Wirbel sind sie, in die hinabzusehen mich schwindelt, die sich unaufhaltsam drehen und durch die hindurch man ins Leere kommt.
( . . . ) Es überkam mich unter ihnen das Gefühl furchtbarer Einsamkeit; mir war zumuth wie einem, der in einem Garten mit lauter augenlosen Statuen eingesperrt wäre; ich flüchtete wieder ins Freie.

Die Wirklichkeit, die Hofmannsthal alias Chandos wahrnimmt, lässt sich nicht mit Worten erfassen.

Warum das so ist, wird in den folgenden Sätzen deutlich - wie wollen sich auch solche Offenbarungen wiedergeben lassen:


Eine Gießkanne, eine auf dem Feld verlassene Egge, ein Hund in der Sonne, ein ärmlicher Kirchhof, ein Krüppel, ein kleines Bauernhaus, alles dies kann das Gefäß meiner Offenbarung werden. Jeder dieser Gegenstände und die tausend anderen ähnlichen, über die sonst ein Auge mit selbstverständlicher Gleichgültigkeit hinweggleitet, kann für mich plötzlich in irgendeinem Moment, den herbeizuführen auf keine Weise in meiner Gewalt steht, ein erhabenes und rührendes Gepräge annehmen, das auszudrücken mir alle Worte zu arm scheinen.

Offensichtlich kann alles an Leben gewinnen, alles beseelt sein, und offensichtlich gibt es da auch nicht die übliche Wertigkeit, die wir gern vornehmen, wenn wir Gegenstände bewerten.

Mich erinnert das an die Sichtweise indianischer Kulturen auf ihre Wirklichkeit:


WAS SIEHST DU HIER, MEIN FREUND? Nur einen gewöhnlichen alten Kochtopf, verbeult und schwarz vom Ruß. Er steht auf dem Feuer, auf diesem alten Holzofen da, das Wasser darin brodelt, und der aufsteigende Dampf bewegt den Deckel. Im Topf ist kochendes Wasser, Fleisch mit Knochen und Fett und eine Menge Kartoffeln.
Es scheint, als hätte er keine Botschaft für uns, dieser alte Topf, und du verschwendest bestimmt keinen Gedanken an ihn. Außer, dass die Suppe gut riecht und dir bewusst macht, dass du hungrig bist.
Aber ich bin ein Indianer. Ich denke über einfache, alltägliche Dinge – wie diesen Topf hier – nach ... (vgl. Indianische Weisheit (II): Das Leben als Symbol begreifen)
Wer weiterlesen möchte: hier 

Samstag, 9. August 2014

"Liebste Milla, meine Seele braucht deine!" – Noch einmal, zum letzten Mal eine Reminiszenz an Markus Zusaks "Der Joker".


Ehrlich, ich könnte auf Anhieb 6, 7, 8 Stellen aufzählen, aufgrund deren ich total gerührt war beim Lesen dieses Buches. Die folgende steht dabei mit ganz vorne. Es geht um Folgendes:

Eine der Karten, die Ed von einem Unbekannten zugesandt bekommt, schickt ihn in die Harrison Avenue. Diesmal fließt kein Blut, Ed muss keinen Goliath zusammenfalten, damit der seine Frau nicht mehr vergewaltigt, er wird auch nicht selbst zusammengeschlagen oder muss einen Taxikunden verfolgen, weil der nicht zahlt, was ihn letztendlich jedoch zum Berg der Brüder bringt . . .
Meine Güte, es gibt so viele Episoden, die faszinierend sind und doch im Grunde einen Sinn haben: das Herz von Ed zu weiten, ihn in seinen Mut zu bringen, auch den Mut, anderen zu helfen und zugleich sich selbst.
Ed hatte schon vorab erkundet, wer in der Harrison Avenue wohnt:
.
Die einzige Frau, die ich dort angetroffen habe, war eine alte Frau, die hinter Fenstern ohne Vorhänge wohnt. Sie saß allein im Haus, kochte sich Abendessen, setzte sich hin, aß und trank dazu Tee, ich glaube, sie aß Salat und Suppe.
Und Einsamkeit.
Auch die aß sie.
Sie gefiel mir.
.
Am Abend fährt er dann hin, wie sich herausstellen wird, zu Milla:
.
Ihre Schritte kämpfen sich zur Tür. Sie hören sich an wie das Ticken der Uhr, die die Sekunden bis zu diesem Augenblick zählt.
Da steht sie
Sie schaut zu mir hoch und einen Moment lang verlieren wir uns ineinander. Sie fragt sich, wer ich bin, aber nur für den Bruchteil einer Sekunde. Dann überzieht ein verblüfftes Erkennen ihr Gesicht und sie lächelt mich an. Sie lächelt mich mit einer so unglaublichen Wärme an und sagt: "Ich wusste, Du würdest kommen, Jimmy." Sie macht einen Schritt auf mich zu und  umarmt mich ganz fest, schlingt ihre weichen, zerknitterten Arme um mich. "Ich wusste, du würdest kommen."
.
Später wird Ed auf den Friedhof gehen und mit Hilfe des Friedhofwärters das Grab Jimmys finden, sein bürgerlicher Name:
.
James Johnson
1917 - 1942
gefallen für sein Vaterland
gelieber Ehemann von Milla Johnson
.
So steht es auf dem Grabstein.
Kein Mann ist je wieder in Millas Leben getreten. Sie hat mehr als 60 Jahre darauf gewartet, dass Jimmy zurückkommt. Mit der Zeit hat ihre Wahrnehmung gelitten.
Jetzt ist er da. Ed ist für sie Jimmy.
Als er sie wieder besucht, bittet sie ihn, ein Buch zu nehmen, und ein paar Seiten daraus vorzulesen.
Während dem Lesen schläft Milla ein.
.
Während ich nach Hause laufe, ritzt sich etwas in den Rand meines Geistes ein. Es ist ein Stück Papier, das in dem Buch steckte, als Lesezeichen. Es war ein ganz normales, dünnes Stück Papier, von einem Notizblock, ganz gelb und alt. Ein Datum stand drauf - 1.5.41 - und ein paar Worte in einer krakeligen, typisch männlichen Handschrift. Ein bisschen wie meine eigene.
Da stand:
.
Liebste Milla, 
meine Seele braucht deine.
In Liebe,
Jimmy.
.

Liebe Leserin, lieber Leser,
.
dieses Buch liest man einfach nur mit Gewinn. Es zeigt die Entwicklung eines jungen Mannes namens Ed, wie er in seine Kraft kommt, zu sich, zu seinem Mut findet, aufhört, ein Loser zu sein, die Ketten seiner Familie sprengt und gleichzeitig vielen anderen Menschen hilft, sei es dadurch, dass er einen Goliath, der seine Frau tagtäglich im Suff vergewaltigt, zusammenfaltet, sei es, dass er einem Pfarrer mit einer glänzenden Idee die Kirche füllt, seinem Freund hilft auf dessen Weg zum Glück, zu seiner großen Liebe, zu seinem Kind und gleichzeitig selbst seine große Liebe findet.
Endlich ein Buch, das von innen heraus konstruktiv ist.
Bis zum Schluss allerdings bleibt es ein großes Rätsel, wer Ed die Karten schickt, die jene Aufgaben enthalten, die ihn so wachsen lassen.

Das vorwegzunehmen, wäre fatal.

Ich habe über den Schluss geschrieben, weil er nicht ganz einfach zu verstehen ist.
Wenn Du, was ich geschrieben habe, liest, bevor Du ihn für Dich selbst gelesen hast, nimmst Du dem Buch seine große Botschaft.
Deshalb mein Rat:

Lies das Buch, unbedingt!

Und wenn Du willst, dann kannst Du meine Sicht auf den Schluss lesen - bitte erst dann! – 
Und zwar im Rahmen des hier verlinkten Post, dort ab dieser Markierung: ♼ ♼ ♼ ♼ ♼ ♼ ♼ ♼ ♼ ♼ 

Samstag, 2. August 2014

Immer dieses Geschwätz vom menschlichen Miteinander. - Wie es auch anders geht, beweisen die Berliner Verwaltung und die AKELIUS GmbH.


Jedenfalls nehme ich an, dass Erstere es war, die das hauptsächlich von Senioren bewohnte Haus am Hansa-Ufer 5 an die AKELIUS GmbH verkaufte, die nun für klare Verhältnisse sorgt.

Gott sei Dank gibt es Change org. Dort schreiben die fast 83-jährige Christa Kaes und ihre Mitbewohner:


Unser Haus wurde in den siebziger Jahren speziell als Wohnhaus für SeniorInnen gebaut: kleine 1- Zimmer-Küche-Bad-Wohnungen mit einem Gemeinschaftsraum für Zusammenkünfte der BewohnerInnen des Hauses. In den Mietverträgen, die bis Ende 2007 noch mit dem Bezirksamt Berlin geschlossen wurden, wurde den SeniorInnen ausdrücklich zugesichert, in einem sozial geförderten Seniorenhaus zu wohnen, dessen Miete ihren Möglichkeiten als RentnerInnen angepasst ist.
2008 wurde das Haus an das schwedischstämmige Immobilienunternehmen AKELIUS GmbH verkauft. Im Vertrag wurden keine Schutzklauseln für die SeniorInnen aufgenommen, obwohl genau dies den MieterInnen in einem Schreiben vom Sozialamt ausdrücklich zugesichert worden war.Die AKELIUS GmbH hat die Wohnungen seither überwiegend an jüngere Menschen vermietet. Dennoch besteht die Mieterschaft der 62 Wohneinheiten noch immer fast zur Hälfte aus SeniorInnen: knapp 30 der MieterInnen sind im Alter zwischen 75 und 97, die z.T. seit mehr als 20 Jahren im Haus wohnen! ...)
Doch all meine Träume vom gemeinsamen Älterwerden in Würde stehen nun vor dem Aus.
Durch die "energetische Modernisierung", die AKELIUS jetzt plant, ist das alles wieder in Gefahr. Laut einem Schreiben sollen die Mieten danach um bis zu 60% erhöht werden! Meine 42 qm-Wohnungen soll dann zwischen 750, - und 880,- Euro kosten! Das hieße für die meisten von uns, dass unsere Rente nur noch ausreicht, um die Miete zu zahlen. Zum Leben bleiben dann nur noch wenige Euro oder gar kein Geld mehr!
Der Gesetzgeber regelt den wirtschaftlichen Härtefall - eigentlich. Doch in der Vergangenheit haben in vergleichbaren Fällen immer mehr Immobilienunternehmen rigoros Klage erhoben gegen MieterInnen, die die geforderte höhere Miete nicht zahlen konnten – und konnten sich trotz der gesetzlichen Reglung vor Gericht mit ihren Forderungen durchsetzen! Für die Betroffenen bedeutete das, dass sie ausziehen mussten. Das macht mir - und immer mehr Menschen in diesem Land, alt wie jung - große Angst.

Unter anderem auch der DER TAGESSPIEGEL berichtete über die Senioren (Berlin und die Gentrifizierung. Mit 85 plötzlich ohne Zuhause).

Helfen Sie durch Ihre Unterschrift mit, dass das Glück und Wohlbefinden alter Menschen respektiert wird.

Anzumerken bleibt, wie es sein kann, dass die für den Verkauf Verantwortlichen, denen sicherlich bekannt war, wer in diesem Haus wohnt, nicht Schutzklauseln für die alten Menschen einbauten.
Hinter dem ganzen Vorgang ist das der eigentliche Skandal.

Donnerstag, 31. Juli 2014

Kultur beginnt im Kleinen! – Kürzen Sie auch Grüße ab?


VG - HG - lg - mfG - vielleicht kennen Sie noch mehr.
Ich hoffe nicht.

Tut mir leid, aber ich find´s schrecklich, diese Form des Abgangs.

Und wer so grüßt, darf jedenfalls nicht über den Verfall der Sitten jammern und den Niedergang der Kultur. Denn die zeigt sich - und ich meine damit auch unsere jeweilige innere Kultur - darin, dass man sich  gerade am Schluss noch Zeit nimmt für einen ehrlich gemeinten Gruß.

Mein Rat jedenfalls ist: Genießen Sie es mit größter Vorsicht, wenn jemand sie l grüßt, dass dieses lieb aufrichtig gemeint sei. Es könnte nämlich sein, dass Sie Ihrem Gegenüber in der Tat nicht mehr als einen Buchstaben lieb sind.
Oder falls Ihnen jemand Freundliches schreibt und Sie mfG grüßt, möchte ich Ihnen empfehlen, dieser Freundlichkeit auch nur einen Buchstaben weit über den Weg zu trauen, umgerechnet auf die Buchstabenzahl also maximal zu 10 Prozent. – Streichen Sie getrost 90 Prozent weg.

Irgendwann wird ein Brief an Frau Müller beginnen:

Sg Fr. M.,
ich habe mich aufrichtig über ihre Antwort gefreut . . .

Genau genommen Heuchelei pur - wenn es gut geht, geschieht sie unbewusst.

Eine Hand wie ein nasser Lappen

Vielleicht kennen Sie auch diese Telefongespräche, in denen man sich intensiv unterhält. Dann aber, am Schluss, bemerken Sie, dass der Gegenüber, Sie grüßend, schon auflegt, in Gedanken schon aufgelegt hat. Sie merken es am Volumen der Stimme. Der Abschied verhallt im Off. Manchmal ist man gar nicht so sicher, ob man für den Gegenüber nicht ab sofort auch im Off ist - oder vielleicht schon immer war.
Das ist, wie wenn Ihnen jemand die Hand gibt und die sich wie ein nasser Lappen anfühlt.
Lieber keine Hand als eine solche!

Sprache verrät mehr, als wir ahnen - fehlende Buchstaben auch!

Manchmal denkt man sich bei bestimmten Verhaltensweisen ja nicht so viel; auf diese Weise schleichen sich Unsitten ein, die - da sollte man sich keinen Illusionen hingeben - auf Dauer auch das Bewusstsein infiltrieren, die Kultur des Zusammenlebens beeinflussen.
Die Kultur des Grüßens jedenfalls ist in unserer Kultur - zu weiten Teilen - schon längst im Eimer
Zu lange schon sind das Miteinander und sein Wert systematisch reduziert worden.
Bleiben wir dabei - oder kehren wir dazu zurück:
zu einer ernst gemeinten, ernst zu nehmenden, wenn es denn gewünscht ist, herzlichen Form des Grüßens, einer überzeugend lieben, einer freundlichen, die -  und das ist das Entscheidende - jeden Buchstaben wert ist, jeden Buchstaben voll so gemeint sein will.

veröffentlicht auch auf FreieWelt.net

Samstag, 19. Juli 2014

Wie kommt der Johannes durch den Klinkmüller? - Unser Vorname enthält unser Wesen!

Es sind die familiären Muster, die uns binden, einengen; sie spiegeln sich im Familiennamen.
Darüber ging es im letzten Post.




Erhard Meyer Galow, der sich bekanntlich auf Graf Dürckheim bezieht, veröffentlicht in seinem Buch Leben im Goldenen Wind obiges Bild mit der Aufforderung:

Schreiben Sie auf ein weiteres Blatt nochmals ihren Nachnamen mit einem Bleistift und zeichnen sie um diesen herum dick ein Rechteck.

Das Rechteck mit dem Familiennamen, so schreibt er, ist wie ein kleines Aquarium, das sich unser ICH im Laufe des Lebens gebaut hat. 

Wir schwimmen als kleiner Fisch darin herum, stoßen ständig mit der Nase an die Wände und sind fest davon überzeugt, dass dieser kleine Raum unsere Welt ist. Wir  haben das Wissen verloren, dass außerhalb des Aquariums unsere wesentliche, wunderbare, größere Welt liegt. Viele Menschen spüren die Enge des Ich-Raumes nicht. Sie spüren nur in Krisen eine Enge, wissen aber nicht, dass sie selbst diese Enge verursacht haben.
Eigentlich steht das kleine Aquarium im Meer, aber wir wissen es nicht, und wir haben es nie erfahren.
Die Glasscheiben des ICH-Aquariums gibt es gar nicht. Wir bilden sie uns ein.

Oder sagen wir so: In der Realität unseres ICHS gibt es sie sehr wohl und mir kommt spontan Hugo von Hofmannsthals Goldener Topf in den Sinn. In ihm gibt es eine Stelle, in der stehen Menschen in Glasbehältern - man versteht die Symbolik dort nicht so ohne Weiteres; auf dem Hintergund des oben Angesprochenen ist sie auf einmal klar. 

Was ich noch anmerken möchte:

Die Symbolik des Meeres, die Meyer-Galow wohl von Williges Jäger hat - ganz klar wird das nicht -, finde ich klasse, wenn ich auch Meyer-Galows obiges Bild gerade auf dem Hintergrund dieser Symbolik nicht passend finde. Diese wunderbare, größere Welt ist nirgends angedeutet; das fehlt mir. Seine Erhards vermitteln den Eindruck, ganz auf das Aquarium fixiert zu sein. Auch von außen stoßen sie ständig gegen die Wände des Aquariums. – In diesem Bild gibt es keine Hoffnung, die doch immer da ist; das Meer ist da!

Ich hätte mir ehrlich gesagt ein richtig befreiendes Bild von ihm gewünscht. Entweder zum Abschluss des Kapitels, im Rahmen dessen diese Thematik behandelt wird, oder zum Abschluss des Buches. - Und es hätte ruhig bunt sein dürfen, auch wenn das den Gewinn aus dem Buch geschmälert hätte.

Das Meer als Urelement unserer Möglichkeiten findet sich auf überzeugende Weise in Goethes Faust in Margaretes Thule-Lied dargestellt. Dort ist es die Liebe, die die Fesseln des Aquariums sprengt. Die Liebe löst die Wände auf, schwemmt den Familiennamen ins offene Meer. Dort verliert er seine dominante Kraft und unser Wesen kann seinen Platz einnehmen. 
Die Liebe zu einem Anderen, aber auch zu uns kann und wird uns entgrenzen.

In der Tat ist das unsere Lebensaufgabe wie  es Karlfried Graf Dürckheim (siehe vorausgehender Post) formuliert hat.
Und womöglich geht diese Entgrenzung über die Grenzen des Meeres hinaus. Wir wissen es nicht.
Möglich ist es schon. Auf meinem Bild habe ich es angedeutet:





Wichtig finde ich, dass wir unseren Familiennamen nicht verteufeln; deshalb findet er sich auch in meinem Bild, in dessen Zentrum mein Wesen in der Wort-Gestalt meines Vornamens steht; aber der Familienname ist auch immer wieder zugegen. Wir sollten, finde ich, uns dessen bewusst sein, dass er immer zugegen sein wird; er ist nicht die Ursache des Übels, falls wir uns eingegrenzt und ins Aquarium begeben hatten; die Ursache ist unsere kindliche Sozialisation und das, was wir an seelischen Dispositionen aus früheren Leben mitgebracht haben, was unser  Bewusstsein geprägt und dieses Aquarium gebaut hat. Eltern und Lehrer und andere haben daran mitgewirkt - in der Regel ohne böse Absicht.

Wie schreibt Günter Kunert in seiner Ballade Wie ich ein Fisch wurde:

Denn aufs Neue wieder Mensch zu werden,
Wenn man´s lange Zeit nicht mehr gewesen ist,
Das ist schwer für unsereins auf Erden,
Weil das Menschsein sich so leicht vergisst.

Unser wahrer Familienname ist Mensch.
Mensch ist ein Adelstitel.

Wie kommt der Karlfried durch den Dürckheim? - Über die Bedeutung von Vornamen und Familiennamen.

Endlich mal wieder Zeit für einen Post. In über 30 Jahren meines Lehrerdaseins habe ich es nicht geschafft, die letzten Arbeiten so zu legen, dass ich nicht fast jedes Jahr zum Ende hin in absoluten Stress komme, noch dazu, wenn alle Zeugnis-Noten ausgerechnet, vergeben werden müssen. 
Es ist einfach unheimlich anstrengend, die Gedanken von Menschen nachzuvollziehen, vor allem, wenn sie manchmal etwas verworren sind und  man gern Hinweise geben möchte, wie das zu vermeiden ist. Und dann die Noten . . . 
Für Jugendliche, die gute erhalten, kein Problem. Wer aber gibt gern Noten, wenn sie nicht gut sind? – Ich vermute, vor dem habe ich mich immer jedes Jahr möglichst lange gedrückt, jedenfalls vor der letzten Serie der Arbeiten.

Wer weiß, vielleicht hängt das alles bei mir mit dem folgenden Thema zusammen:

In Meyer-Galows Buch Leben im Goldenen Wind, das ich nicht generell empfehlen möchte, weil es für mich doch einige Schwächen aufweist, es aber auf der anderen Seite zwei wertvolle Kostbarkeiten enthält und viele oft sehr ausführlich zitierte Buchpassagen, die dem ein oder anderen auch durchaus Anregungen sein könnten auf seinem Weg, den Goldenen Wind in sein Leben zu integrieren, findet sich jedenfalls eine Kostbarkeit, die ich außerordentlich wichtig finde - die zweite im Übrigen ist das zweiseitige Kapitel über den Goldenen Wind und dessen Symbolik. 

Die erste Perle bezieht sich auf die Bedeutung des Vornamens und die Rolle des Nachnamens in unserem Leben. Meyer-Galow verweist auf Karlfried Graf Dürckheim, den 1988 in Todtmoos verstorbenen Diplomaten, Psychotherapeuten, Zen-Lehrer und weltweit gelesenen Buchautor, der immer sehr gerne gesagt habe:

Die wichtigste Aufgabe in meinem ganzen Leben war immer wieder die Frage: Wie kommt der Karfried durch den Dürckheim?

Der Weise aus Todtmoos, der sein therapeutisches Zentrum im Schwarzwald gründete, wies darauf hin, dass der Vorname unser Wesen symbolisiere. Gemeint ist der Vorname, wie er im Stammbuch eingetragen ist, auf keinen Fall eine abgekürzte Version, womöglich eine indisch-esoterische Variante oder sonst etwas, was man gern sein oder wie man sich gern inszenieren möchte.

Der Nachname steht nach Meyer-Galow für das, was wir in der Welt erreicht haben, er bezeichnet ihn als "ICH in der Welt".

Schiller, für den das Thema der Unterscheidung von Sein und Schein ein zentrales Thema z. B.  in seiner Maria Stuart war, würde ihn dem Schein zuordnen. Er beinhaltet unsere Rollen, die wir beruflich spielen, die Funktionen, die wir innehaben, was wir an Verpflichtungen übernommen haben, was eben alles der Nachname so generationenübergreifend beinhaltet und weitergibt: die Familie. Ein schwerer Packen!
Nicht, dass dieser Nach-Name grundsätzlich von unserem wahren Wesen getrennt sein muss - oft aber ist er es.

Nach Meyer-Galow sieht unsere persönliche Ausgangssituation in der Regel so aus:




Es heißt bei ihm:
Der dicke Strich unter ihrem Namen ist ihr ganzes Dilemma. Mit dem Strich trennen Sie Ihren Vornamen von Ihrem Nachnamen ab. Als Kind wurden Sie nur mit Ihrem Vornamen angesprochen. Sobald Sie erwachsen sind, spricht man Sie in der Regel nur mit Ihrem Vornamen an. Der Nachname steht also gewissermaßen für das, was Sie in der Welt erreicht haben. Es symbolisiert Ihr ICH in der Welt. (...) Sie haben es gar nicht gemerkt, dass ihr ICH durch eine dicke Mauer zunehmend vom Wesen getrennt wurde (...) Es geht für Sie und für alle anderen Leserinnen und Leser um ENTGRENZUNG Ihres ICH.

Auf was Meyer-Galow nicht aufmerksam macht, ist, warum der Nachname, den er besser auch als Familienname bezeichnen würde, all die Normierungen enthält, die das ICH so stark machen und das Wesen reduzieren, minimieren: weil dieser Name für all die familiären Normierungen und Gesetzlichkeiten steht, die eine Familie mit sich bringt. Als Namensgeber gibt der Vater sein Bewusstsein weiter und, wenn er es nicht reflektiert hat, das Bewusstsein seiner ganzen Familie und all der Väter, die hinter ihm stehen.
Jede Familie hat ihre Gesetzlichkeiten, mittels deren festgelegt ist, wie gelobt wird, wie bestraft wird, wie Liebe praktiziert wird, wie über andere gesprochen wird, wie man dem Leben gegenüber tritt, ob offen und vertrauend oder vorsichtig, ja skeptisch. Und da in Mann und Frau, in Vater und Mutter zwei Familienkreise aufeinandertreffen, können sich Gesetzlichkeiten widersprechen oder - z. B. für die Kinder - sehr widersprüchlich sein. - So empfinden Kinder dann das Leben, empfinden dann, oft unbewusst, eine Unvereinbarkeit des Männlichen mit dem Weiblichen oder eine große Harmonie, ein wertvolles Sich-Ergänzen, ein Gemeinsam-stark-Sein.
Im Rahmen dieser familiären Gesetzlichkeiten ist also beileibe nicht alles schlecht, keineswegs, da kann z.B. ein überzeugendes Wertebewusstsein verankert sein, die Bereitschaft, in die Welt zu gehen und zu wirken.

Allerdings, in diesen althergebrachten Namen stecken auch die ganzen überholten Familienmuster drin, die uns unentrinnbar normieren, wenn wir ihnen nicht ihre Macht nehmen.
Und diese Muster sind mächtig, ja oft letztendlich todbringend, todbringend für unser Wesen.
Man sieht und spürt es Menschen oft an, wie wenig in ihnen wirklich lebt, wie viel in ihnen abgestorben ist. Erschütternde Beispiele der Macht von Familien finden wir immer wieder, man denke nur an Franz Kafkas Brief an seinen Vater, ein einziger Aufschrei nach Leben. – Nie abgesandt!
Familienstrukturen können Kinder die Luft zum Atmen nehmen. Nicht von ungefähr war Franz Kafkas Lunge so krank, musste er doch recht früh sterben.

Nicht in allen Familien sind, wie gesagt, diese Muster gleichermaßen stark. Meine Familie hatte jede Menge starker Muster!
Das alles kann dann dazu, dass die - überholten - gesellschaftlichen Muster so stark wirken können. Oft zementieren sie ja familiäre Muster endgültig.

Manchen lässt die Familie große Freiheiten. Solche Menschen gibt es auch; bisweilen haben sie es nicht leicht; sie werden sehr beneidet. In ihnen spiegelt sich ja eine Freiheit, die die meisten nicht haben.

Fortsetzung hier