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Dienstag, 16. Juli 2019

Neues Denken baut Kräfte auf, altes baut Kräfte ab. - Wege zum Menschen als Schöpfer.

Von einer lieben Bekannten habe ich einen Hinweis auf ein Video bekommen, in dessen Mittelpunkt eine neue Art zu denken steht, die basiert auf dem Schöpferischen im Menschen. Die alte Art zu denken, die gewöhnliche, uns vor allem seit den Griechen bekannte, baut Kräfte ab, macht müde; diese neue Art weckt Lebenskräfte.

Sie ist mir durchaus bekannt, steht sie doch in engem Zusammenhang mit dem Vorgehen Goethes. Dem großen Alten aus Weimar kam es ja schon in relativ jungen Jahren darauf an, die Idee hinter all dem, was jeweils existiert, zu finden; deshalb seine Suche nach der Urpflanze. Ähnlich geht dieses neue Denken vor: Es ist bestrebt, mit dem Wesen der Dinge in Verbindung zu treten. 
Manche mag abschrecken, dass Hans Bonneval ein Anthroposoph ist; das ist allerdings für mich kein Kriterium; der entscheidende Punkt ist für mich, ob mich die Sache an sich überzeugt:

Mittwoch, 3. Juli 2019

Wo bist Du, Gefährtin? - Über unsere männlichen und weiblichen Seiten mittels Gedichten von Ingeborg Bachmann, Hans Magnus Enzensberger, Heinz Kahlau und Annette von Droste-Hülshoff.




Männliche Seiten in uns erstarren, wenn ihnen das Weibliche fehlt. Weibliche Seiten verflachen und verlieren ihre Konturen, wenn ihnen Männliches fehlt. - Im Zentrum dieses Videos, in dem es noch einmal um die „Schwebe des Lebendigen” (Max Frisch) geht, stehen Gedichte der Bachmann, von Enzensberger und Kahlau sowie der Droste. Sie zeigen auf, dass ohne Liebe kein wirkliches Leben möglich ist, bestenfalls Besitz, Macht, Rollenspiele, Flachheit …
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Mittwoch, 26. Juni 2019

"Und wo er weilt, da soll mir Heimat sein" - unvergessen: Gertrud Kolmar!

Er war viel ärmer, denn er suchte Liebe,
Ich war viel reicher, denn ich hatte Glück,
Drum ward, was ich ihm schenkte, alles Liebe,
Und alles, was er raubte, ward mir Glück.
Und was mir Freude gab, das war sein Eigen,
Und wo er weilt, da soll mir Heimat sein,
Und wenn er redet, müssen Menschen schweigen.
Und wenn er schweigt - dann redet Gott allein.

Von einer der bemerkenswertesten, aber leider sehr unbekannten jüdischen Dichterin, Gertrud Kolmar, geboren 1894 in Berlin, gestorben 1943 in Ausschwitz; sie gehörte wohl zu jenen, die unmittelbar nach ihrer Ankunft vergast wurden; ihr Gedicht bezieht sich auf ihre große (unglückliche) Liebe, einen Offizier, der diese Liebe im Grunde nicht erwiderte.

Mittwoch, 19. Juni 2019

Mann ohne Herz:: "Ich geh dir nach. / Wohin dein Herz mich führe . . ." Ein Rilke-Gedicht für Gender-Zeiten


Ich geh dir nach, wie aus der dumpfen Zelle
ein Halbgeheilter schreitet: in der Helle
mit hellen Händen winkt ihm der Jasmin.
Ein Atemholen hebt ihn von der Schwelle, -
er tastet vorwärts: Welle schlägt um Welle
der großbewegte Frühling über ihn.

Ich geh dir nach in tiefem Dirvertrauen.
Ich weiß deine Gestalt durch diese Auen
vor meinen ausgestreckten Händen gehn.
Ich geh dir nach, wie aus des Fiebers Grauen
erschreckte Kinder gehn zu lichten Frauen,
die sie besänftigen und Furcht verstehn.

Ich geh dir nach. Wohin dein Herz mich führe
frag ich nicht nach. Ich folge dir und spüre
wie alle Blumen deines Kleides Saum..
Ich geh dir nach auch durch die letzte Türe,
ich folge dir auch aus dem letzten Traum ...

Ein echter Rilke: Schöne, einlullende Bilder.
Aber nicht jede Frau wollte wohl von dem Halbgeheilten eingeholt werden.
Zumal er von seinem Herzen nicht spricht.
Mancher könnte das Gedicht so befremdlich empfinden wie den Gender-Hype. 
 
Mehr dazu hier: https://bit.ly/2x3p5kL

Dienstag, 11. Juni 2019

In der Schwebe des Lebendigen. - Max Frischs Tagebucheintrag und Lebensthema: "Du sollst dir kein Bildnis machen"!





In die Schwebe des Lebendigen zurückzufinden, ist das Lebensthema des Schweizer Schriftstellers Max Frisch und im Grunde aller Menschen. Den Nächsten und sich selbst aus einem Bildnis zu befreien, das lebenslänglich in ein Gefängnis sperren, ja den Tod im Leben bedeuten kann, darum geht es. Einzig die Liebe befreit aus diesem Bildnis und hält unseren Mitmenschen und uns in der Schwebe des Lebendigen.

Menschen gehen auf Reisen, um diesem Bildnis zu entfliehen. Entscheidend ist jedoch die Reise zu sich selbst, die Selbstbefreiung, damit Leben schweben kann. Dichter singen und schreiben immer wieder von diesem Geschehen.


Dieses Video gibt die wichtigsten Passagen des Tagebucheintrages wieder, verweist auf Sänger und Dichter, die dazu etwas zu sagen haben, gibt sie in Auszügen wieder und verweist zum Schluss auf einen Satz aus Goethes "Wilhelm Meisters Lehrjahre", für den allein sich dieses Werk zu schreiben schon gelohnt hätte.

Samstag, 8. Juni 2019

Pfingstsegen.

Wenn Ostern, das große Fest der Auferstehung, vorüber ist, hat man das Gefühl, als ob sich eine Stille auf die Erde herabsenke. Trotz der Üppigkeit des Wachstums und der Emsigkeit des neu erwachten Lebens spürt man einen fundamentalen, tiefen Frieden, den wir dem Mutteraspekt der Gottheit zuordnen, dem Aspekt, der allem Schönen Gestalt verleiht (...)

Betrachtet die Pfingsttage als eine Gelegenheit, die Bruderschaft allen Lebens zu überdenken und sie euch erneut vor Augen zu führen. Die Brüder versammeln sich an einem bestimmten Ort, in Harmonie und gegenseitiger Übereinstimmung. Solche Zusammenkünfte zwischen Männern und  Frauen in Harmonie und Brüderlichkeit bildeten einen Teil jener uralten Religion der Gott-Menschen, die zur Anfangszeit auf die Erde kamen, um der jungen Erdenmenschheit zu helfen, den Weg zur Wahrheit und zu Gott zu finden (...)
Es ist nichts Neues für die Menschen, sich in Gruppen oder in Bruderschaften zusammenzuschließen. Über die Jahrtausende haben sich Männer und Frauen im Geiste der Übereinstimmung zusammengefunden, um die Sonne, den Quell allen Lebens, und um die Große Mutter, die Spenderin aller Nahrung zu verehren. Somit, als die ersten Christenbrüder zusammenkamen, folgten sie lediglich dem Vorbild, das sie von ihren Vorfahren übernommen hatten, sie kamen zusammen, um Gott, Spender allen Lebens, und die Große Mutter, Spenderin aller Nahrung, in Andacht zu verehren.

Die ganze Natur war im Gottesbild der Menschen der Frühzeit enthalten. Der heutige Mensch wird wieder lernen müssen, sowohl mit den Naturgesetzen als auch mit den geistigen Gesetzen in Harmonie zu leben.

Das geistige Gesetz ist nichts anderes als das Gesetz der Liebe (...)

Die Menschen meinen, sie müssten für ihr Recht kämpfen, doch Jesus lehrte das nicht. Jesus lehrte euch, still zu werden ... zu lieben. Die älteren Brüder und die großen Meister aller Zeiten lehrten dieselbe fundamentale Wahrheit. Damit ist nicht gemeint, untätig zu sein, wenn es gilt, eine Wunde zu heilen oder einem Mitmenschen zu helfen. Vielmehr sollt ihr das Gesetz der Bruderschaft verwirklichen, und indem ihr das tut, setzt ihr die Macht der göttlichen Magie in Bewegung, die alle Dunkelheit erhellen und alle Schwierigkeiten überwinden kann. Welcher Art euer Konflikt auch sein mag, welches Problem auch immer ihr in eurem Leben lösen müsst, wenn ihr geduldig seid, wenn ihr Liebe und Dankbarkeit und das Licht Christi ausstrahlt, dann werdet ihr finden, wie wirksam diese Magie ist (...) Mit dieser positiven Haltung könnt ihr der ganzen Welt helfen.
aus  White Eagle, Geistige Jahreszeiten

[Übrigens sollten Frauen sich nicht ausgeschlossen fühlen, wenn von der Bruderschaft bzw. den Brüdern die Rede ist, denn in der Geistigen Welt hat das Wort von dem Bruder und der Schwester eine viel umfassendere Bedeutung, als wir es uns, wenn wir in unseren Geschlechterkategorien denken, vorstellen können. Vergessen wir zudem nicht, dass Jesus nach seiner Auferstehung sich einer Frau offenbarte (nur einer Frau offenbaren konnte!), während die "Brüder" in Jerusalem saßen und vor sich hinzitterten. Erst als er von einer Frau erfuhr, dass Jesus auferstanden sei, spurtete Petrus sehr sportlich zum Grab. Sonst säße er vielleicht noch heute jammernd in Jerusalem.]


http://3.bp.blogspot.com/-FO4Fc0hIGXE/UJKBBervZLI/AAAAAAAABnM/pKw4kOyjDmM/s1600/Hiawatha_and_Minnehaha.jpg
Hiawatha und Minnehaha.
In H.W. Longfellows Epos über das Leben des
Häuptlings Hiawatha heiratet dieser Minnehaha.
Die Statue lässt die Liebe der beiden erahnen.
Bild Wikipedia, urheberrechtlich gemeinfrei
White Eagle ist ein geistlicher Lehrer, dessen Gedanken und Worte durch das Medium Grace Cooke, mit der er in vielen Leben verbunden war, übermittelt wurden. 
White Eagles letzte Inkarnation liegt wohl 450 Jahre zurück. Damals war er, wie Grace Cooke seinen Hinweisen entnehmen konnte, der Mohawk-Sachem Hiawatha, also der Friedenshäuptling eines zu den Irokesen gehörigen Stammes. 
Unter den Indianern genoss er eine unglaublich große Verehrung; dadurch konnte er maßgeblich zur Gründung des Bundes der Irokesen beitragen, der die internen schrecklich blutigen Auseinandersetzungen beenden sollte.
Seine durch Grace Cooke übermittelten Schriften sind geprägt von einer einfachen, schlichten Sprache und genauso einfach und zugleich wertvoll ist die vermittelte Wahrheit. Zahlreiche Bücher sind von ihm erschienen; für mich zu den wertvollsten zählen "Die Verborgene Weisheit des Johannesevangeliums", "Die große Mutter" und "Naturgeister und Engel".

Freitag, 7. Juni 2019

Shakespeare: "Ach, lass nicht zu, dass Zeit zwei Seelen trennt, / die Liebe eint ..."

William Shakespeare (1564 - 1616)

Ach, laß nicht zu, daß Zeit zwei Seelen trennt,
die Liebe eint. Die Lieb ist nicht verliebt,
 die Änderung, sich ändernd, anerkennt,
 und allem Neuen neuerlich sich gibt.

O nein! Sie ist für alle Zeit und Not
ein stetiges und unvergänglich Licht,
ein Stern für jedes sturmverirrte Boot,
wovon, wenn er es rettet, keiner spricht.

Die Liebe geht nicht mit der Zeit. Ihr Mund
ist rosig noch, wenn sie ihn blasser mag.
Die Liebe ändert sich zu keiner Stund,
hat noch Beständigkeit am Jüngsten Tag.

Doch falls daraus ein Irrtum sich ergibt,
hat nie ein Mensch auf dieser Welt geliebt.
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Let me not to the marriage of true minds
Admit impediments. Love is not love
Which alters when it alteration finds,
Or bends with the remover to remove.

O, no! It is an ever-fixed mark,
That looks on tempests and is never shaken;
It is the star to every wand'ring bark,
Whose worth's unknown, although his height be taken.

Love's not Time's fool, though rosy lips and cheeks
Within his bending sickle's compass come;
Love alters not with his brief hours and weeks,
But bears it out even to the edge of doom.

      If this be error, and upon me prov'd,
      I never writ, nor no man ever lov'd.

(Shakespeare schrieb meisterhaft in der Form des ´Englischen Sonett´, das aus drei Quartetten besteht und zwei abschließenden Versen. - Wer mag, zur Theorie des Sonetts - auch des im deutschsprachigen Raum verwendeten: hier)