Donnerstag, 30. Oktober 2014

. . . und lass, so lang ein Leben währen kann, die Liebe währen!


Marie Luise Kaschnitz war sich nicht sicher, ob es stimmt, was andere sagen, dass man den Geliebten im Tode nicht vermisse und dass es kein Begehren mehr geben werde, dass man womöglich in der Ewigkeit mit Sinnen lebe, die uns nicht bekannt sind, die womöglich zur Folge haben, dass man nichts mehr von dem, den man liebt - um den geht es dem lyrischen Ich - weiß:

Sie sagen, dass wir uns im Tode nicht vermissen
Und nicht begehren, dass wir hingegeben
Der Ewigkeit, mit anderen Sinnen leben
Und also nicht mehr von einander wissen,


dass man also, was einen jetzt umtreibt, Lust und Angst und Sehnsucht, fremd gegenübersteht, unverständig, mit der Konsequenz, wie Fremde aneinander vorüberzugehen:

Und Lust und Angst und Sehnsucht nicht verstehen,
Die zwischen uns ein Leben lang gebrannt,
Und so wie Fremde uns vorübergehen,
Gleichgültig Aug dem Auge, Hand der Hand.


Das und die vermutete Eiseskälte  der Sphären rührt die Frau, die hinter dem lyrischen Ich sich verbergen mag, zu wilder Klage, lässt sie ganz und gar nicht kalt, treibt sie ans Herz des Geliebten:

Wie rührt mich schon das kleine Licht der Sphären,
Die wir ermessen können, eisig an,
Und treibt mich dir ans Herz in wilder Klage.


Ganz offensichtlich ist, dass das, was man sagt, die Liebe der Liebenden noch erhöht, sie bewusster leben, sie bewusster lieben lässt.

Das zweite Terzett dieses wunderbaren Sonetts ist jedenfalls ein Aufruf an die Welt, zugleich an den Geliebten und sie selbst, dass, so lang ein Leben währen kann, die Liebe währen möge.

Ob es stimmt, was man sagt?

Ich kann mir nicht recht vorstellen, dass das lyrische Ich dem Reden der Menschen glaubt, aber es mag ihr willkommener Anlass sein, ihre Liebe noch ausschöpfender zu leben. Und als Leser kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass diese Liebe Erhörung findet, zu schön ist es, zu hingebungsvoll, wenn das lyrische Ich vom süßen Licht der Tage spricht, in dem die Welt die Liebenden halten möge.


Welch wunderbare Worte.
Wie gut sie tun in einer Welt der Flucht und Kriege. Sie verweisen uns darauf, wo sich Entscheidendes abspielt: nicht in Sphären, nicht im Fernen, Mittleren oder Nahen Osten, sondern in uns und unmittelbar um uns.

Wie schön ist da der Gleichklang, wenn von Leben, das währt, und von Liebe, die währt, geschrieben ist:


Marie Luise Kaschnitz (1901-1974)

DIE EWIGKEIT

Sie sagen, dass wir uns im Tode nicht vermissen
Und nicht begehren, dass wir hingegeben
Der Ewigkeit, mit anderen Sinnen leben
Und also nicht mehr von einander wissen,

Und Lust und Angst und Sehnsucht nicht verstehen,
Die zwischen uns ein Leben lang gebrannt,
Und so wie Fremde uns vorübergehen,
Gleichgültig Aug dem Auge, Hand der Hand.

Wie rührt mich schon das kleine Licht der Sphären,
Die wir ermessen können, eisig an,
Und treibt mich dir ans Herz in wilder Klage.

O halt uns Welt im süßen Licht der Tage,
Und lass so lang ein Leben währen kann
Die Liebe währen.

Dienstag, 28. Oktober 2014

Meßstetten - gelebte Menschlichkeit

Berührend, welche Welle von Hilfsbereitschaft und menschlicher Wärme den auf der Schwäbischen Alb ankommenden Flüchtlingen entgegenkommt.
Da finden sich nicht nur ausgemustertes Spielzeug, sondern fast neuwertiges, zum Teil mit Zettelchen und einem Willkommensgruß versehen. Auch wenn die Flüchtlingskinder, die da in Meßstetten, ca. 100 Kilometer von Stuttgart und Ulm auf der Schwäbischen Alb gelegen, das kaum werden lesen können: Dieses herzliche Willkommen werden sie sicherlich nie vergessen. Kistenweise werden von der Bevölkerung Kleidung abgegeben, Fahrräder, Laufställe, Schaukeln, Kinderwagen; schließlich sind es ja oft auch die Kinder, die am meisten traumatisiert sind 
Das Soldatenheim der früheren Zollernalbkaserne, die als Aufnahmestelle dient, ist als Begegnungsstätte eingerichtet. Manches muss noch Feinschliff bekommen, manches Schild noch angebracht werden, doch die ersten 50 der bis zu 1000 Flüchtlingen sind bereits eingetroffen. Ärzte im Ruhestand, die zum Teil arabisch sprechen, werden noch gesucht und sollen die die ärztliche Betreuung übernehmen, die soziale Caritas und Diakonie. Das DLRG wird Schwimmkurse anbieten, ein Internetdienst wird eingerichtet; alle helfen zusammen. 
Wie schön, dass nach den Skandalen rund um die Flüchtlinge in Deutschland, die zum Teil übel malträtiert wurden, Deutschland ein anderes Gesicht, man möchte sich wünschen, sein wahres zeigt.
Und wenn man weiß, wie sehr gelebte Hilfsbereitschaft sich im Gedächtnis der Menschen einprägt  und sie das nie mehr vergessen, ja, dass sie dem Land und den Menschen, die ihnen so geholfen haben, das wieder zurückgeben wollen, dann weiß man ohnehin, dass dieses Verhalten gewiss positive Auswirkungen hat.
Man gewinnt auf dem Hintergrund der Rundfunk. und Zeitungsberichte allerdings den Eindruck, dass die Meßstettener nicht kalkulieren, sondern wirklich helfen. Man mag es kaum glauben, wie viel Freude und Offenheit aus den Stimmen der Einwohner klingt.

Auch das gibt es im Deutschland 2014.

Sonntag, 26. Oktober 2014

Hallo Herr Juncker, Herr Schulz, Herr Draghi, Ihre EU ist nicht Gott!

Warum müssen die Ergebnisse des Banken-Stresstests durch die EZB sonntags verkündet sein? Warum tanzen Sie und Ihre EU und angeschlossene Institutionen ausgerechnet sonntags um das Goldene Kalb?
Ich wende mich an all die, die an der Festlegung dieses Termins maßgeblich beteiligt und für ihn verantwortlich sind:
Sie verdanken auch dem dritten Gebot, den Sonntag zu heiligen, dass Sie in Brüssel residieren dürfen. All das, was Sie an Werten abschöpfen, ist auf dem Boden der christlichen Kultur gewachsen; dafür haben Menschen zum Teil ihr Leben geopfert. Sie entweihen, was diese Menschen auch für Sie geleistet haben.

Sie haben offensichtlich vergessen:

Sie sind nicht Gott!

Ich vermisse diese innere seelische Bildung bei Ihnen!

wer möchte, hier weiterlesen

Sonntag, 19. Oktober 2014

Was war nochmal Dein Lieblingsmärchen? - Das Lebens-Script finden.

Sein Lebensdrehbuch zu entdecken: das ist möglich und auf die Spur kommt man ihm, wenn man sich an das Lieblingsmärchen seiner Kindheit erinnert, vielleicht auch noch, welche Geschichte einen besonders in der Zeit der Pubertät prägte und welches Buch oder welcher Film in den letzten zwei, drei Jahren besondere Spuren in einem hinterließ.

Das alles erscheint nur auf den ersten Blick abwegig. In Wirklichkeit haben diese Geschichten, Filme und Erzählungen oft ein gemeinsames Thema und es beruht auf der Tatsache, dass gerade in den Geschichten der frühen Kindheit, also im Vorschulalter, das Thema des weiteren Lebens besonders eindrucksvoll deutlich zu Tage tritt. "In diesem Alter", so schreibt die Psychotherapeutin Angela Seifert in dem Vorwort zu Hans Jellouscheks Buch über das Märchen vom Fischer und seiner Frau (Wie man besser mit den Wünschen seiner Frau umgeht) "sind Kinder sehr aufnahmebereit für alles, was um sie herum geschieht, sie beobachten genau die Menschen, mit denen sie zu tun haben, vor allem natürlich Mutter, Vater und Geschwister, und sie treffen eine später meist nicht mehr bewusste Entscheidung. Zum Beispiel kann ein Kind sich sagen: »Ich werde nie mehr meine Gefühle zeigen«, wenn es erlebt hat, dass seine Gefühle nicht ernst genommen werden. Und als Erwachsene/r wird dieser Mensch dann von anderen als überwiegend rational denkend oder gar als gefühlskalt wahrgenommen. Oder ein Kind sieht, dass jemand in der Familie oft krank ist und deswegen besonders viel Aufmerksamkeit erhält. Es kann sich vornehmen: »Ich werde auch oft krank sein, dann kümmern sich die anderen um mich.« Oder - das ist manchmal bei einem Kind der Fall, das als jüngstes in einer Familie aufwächst - es spürt, dass Mama es am liebsten immer bei sich haben, es nicht eines Tages hergeben möchte, dann kann es sich vornehmen: »Ich verlasse Mama nie. Am besten, ich werde gar nicht wirklich erwachsen.« Daraus wird dann möglicherweise ein Mensch, der auch im Alter noch kindlich wirkt und von anderen Menschen, z.B. in seinen Partnerschaften, auf ungesunde Weise abhängig bleibt.
Wir nennen diese Schlussfolgerung, die das Kind aus dem zieht, was es in der Familie erlebt, - es gibt natürlich noch viel mehr, als die hier kurz geschilderten - seine »Skriptentscheidung«. Sie ist maßgebend für den, oft noch unbewussten, persönlichen Lebensplan, denn die Gefühlsreaktionen und Verhaltensweisen werden um die entsprechende Entscheidung herum aufgebaut."

Sich auf diesem Wege seinem Lebensscript zu nähern geht zurück auf die sogenannte Transaktionsanalyse von Eric Berne. Sie ist deshalb sehr interessant, finde ich, weil viele Lebensscriptentscheidungen auf dem Einfluss des Elternhauses basieren  So studiert vielleicht die Tochter Theologie, weil ihr Vater ein so frommer Mann war und sie sich nichts Schöneres vorstellen kann als den Gedanken, der Papa könnte sich freuen, wenn seine Tochter, sein Liebling, in seine geistigen Fußstapfen tritt. 

Bewusst ist ihr das allerdings nicht.
Oder der Sohn wird Arzt, weil er gern der ständig kranken Mutter helfen möchte.
Bewusst ist ihm das allerdings nicht.
Kinder möchten gern ihre Eltern glücklich machen, nicht wissend, dass das Eltern nur selbst können. Intuitiv aber nehmen Kinder nun einmal manchmal auf, dass ihre Eltern dazu nicht in der Lage sind. Und sie möchten ihnen doch so gern helfen. Nur: Diese Reise endet meistens nicht so glücklich wie die Reisen der meisten Märchenhelden. Die können auch den alten Glückszustand nicht mehr herstellen, aber finden einen neuen.

Den finden wir manchmal oder oft nur, wenn wir unsere Script-Entscheidungen entdecken, aufdecken!

Jedenfalls sind wir in unserem Lieblinsgmärchen oder in unserer Lieblings-Sage oder -geschichte in der Regel gern der Held; und vielleicht sollten wir einmal begutachten, was uns das zu sagen hat, und sei es auch so, dass wir viele Sympathien gehabt  hätten mit dem Frosch aus der Froschprinzessin. Hauptsache, wir erkennen das - und erkennen das an.
Vorsicht, nicht immer muss man sich dafür womöglich schämen. Der Frosch in diesem Märchen ist immerhin unglaublich beharrlich. Er hat nicht nachgelassen auf dem ihm Versprochenen zu bestehen. Das hat schließlich die Prinzessin und ihn glücklich gemacht.

Letztendlich stellt sich auch die Frage: Gibt es eine Diskrepanz zwischen dem, was mein Held, meine Heldin wollte, und dem, was ich verwirkliche?

Manchmal gehört Mut dazu, sich die Dinge genau anschauen. Aber vergessen wir nicht: Es kann uns gesund machen, die Wahrheit zu erkennen und ihr zu ihrem Recht zu verhelfen.

Donnerstag, 16. Oktober 2014

Hören wir auf, heilig sein zu wollen, bevor wie menschlich geworden sind!

Das Böse ist heute zu einer sichtbaren Großmacht geworden, äußerte C.G.Jung (1875-1961) gegen Ende seines Lebens. Natürlich äußerte er das auf dem Hintergrund des ihm bekannten damaligen schrecklichen Weltgeschehens, wir aber müssen dies auf dem Hintergrund eines IS-Terrors, der an Kannibalismus kaum zu überbieten ist, erneut so dramatisch formulieren.

Es geht um tiefsitzende seelische Muster
Wie man mit einem Stock die Wasseroberfläche umrührt, so dünken mittlerweile nicht wenigen die Versuche, Erklärungen für das Geschehen, das sich weltweit abspielt, zu finden. Die tieferen Wasser der Seele lassen wir lieber unberührt. Wenn, dann bemühen wir u.a. geo-politische Erklärungsmuster oder die Radikalität eines fundamentalistischen Islam. Hinter aller Politik aber und den Menschen, die dort agieren, stehen seelische Muster, die uns, weil wir sie nicht sehen wollen, in eine dermaßen starre Zwangsjacke stecken konnten, dass mittlerweile sogar jene, die Seelisches als dumpfbackiges Gesäusel abtun wollen, erkennen müssen, dass mit den üblichen Erklärungen nicht mehr erklärbar ist, was in vielen Bereichen weltweit geschieht. In den Bildern der Apokalyse des Johannes ist zwar alles aufgezeichnet, auch das Geschehen unter der Wasseroberfläche, aber das beachtet niemand mehr. 
Tatsache ist - und darum wird es im Folgenden gehen: Nur, wenn wir - als Menschheit und persönlich - lernen, angemessen mit dem Dunklen, dem Bösen in uns umzugehen, finden wir eine dann auch selbst erkennende Erklärung für das momentane Geschehen und es kann sich auf der Erde etwas wirklich zum Positiven verändern.

Yin und Yang
Das Dunkle ist nicht das abartig Böse. Böse wird es, wenn es aus der Einheit von Yin und Yang austritt. Dann verselbständigt es sich und es kann u.a. entstehen, was wir heute z.B. als IS, den Islamischen Staat kennen. 
Wie konnte das geschehen?
Eben weil zu viele Menschen das Gute verselbständigt haben. Das waren nicht nur esoterische Lichtarbeiter, die alles gern in Licht und Liebe tauchen und das Licht verabsolutieren. Vereinzelt denken sie zwar an das Dunkle, aber wenn, dann existiert es natürlich nur außerhalb von ihnen.
Papst Franziskus wendet das Blatt!
Es waren und sind vor allem die beteiligt, die dauernd hehre Ideale predigten . . .
Wer weiterlesen möchte: hier

Samstag, 11. Oktober 2014

Auf dem wehenden Banner Phantasiens gesehen

Wenn ich selig bin
liege ich in den Armen
wie an der Mutterbrust
still und gestillt
wie damals
als ich selig war

- wenn es so war

Wenn ich selig bin
schweigt jede Sucht
jedes Suchen
keine Fata Morgana
kein falscher Genuss
kein eitles Geschwätz
Stille um mich
die Stille des Haines der Götter
versammelt um meine Wiege
deren Zeichen eine Harfe ist

Wenn ich selig bin
verstehe ich den Stall
damals in Bethlehem
ich verstehe das große Schweigen
zu Ehren der Ehrfurcht
die keine Furcht mehr ist
kein Selbstmitleid mehr
aus Furcht dass niemand da ist
der die Hand mir hält
wenn ich sterbe

Wenn ich selig bin
höre ich die Steine atmen
ich höre sie flüstern
Ich höre das Rauschen der Bäume
die glücklich sind 
über den Wind in ihren Armen
Hörst Du frage ich mich
die Ebbe der Welt
das Kommen der Flut

Wenn ich selig bin
trinke ich Nektar
auf der Hochzeit
von Himmel und Erde
und Gaia hält wieder
Uranos in den Armen
der keine Angst mehr haben muss
vor der Sichel des Kronos
denn die Zeit ist erlöst

Meine Zeit 
selige Zeit




Donnerstag, 9. Oktober 2014

Perhaps Love is like the mountains, full of conflict, full of change

Das Lied selbst ist ja von dem unvergessenen John Denver und die schönste Version finde ich, wenn Lene Siel es zusammen mit ihm singt. Aber leider ist das Video in Deutschland nicht mehr zugänglich. Dennoch, auch hier ist es voller Ausdruck gesungen . . .

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Perhaps love is like a resting place,
a shelter from the storm.
It exists, to give you comfort,
it is there, to keep you warm.
And in those times of trouble,
when you are most alone:
The memory of love will bring you home.

Perhaps love is like a window,
perhaps an open door.
It invites you to come closer,
it wants to show you more.
And even if you lose yourself
and don't know what to do:
The memory of love will see you through.

Love to some is like a cloud,
to some as strong as steel.
For some a way of living,
for some a way to feel.
And some say, love is holding on,
and some say, letting go.
And some say, love is everything,
and some say, they don't know.

Perhaps love is like the mountains,
full of conflict, full of change.
Like a fire, when it's cold outside,
with thunder, when it rains.
If I should live forever,
and all my dreams come true:
My memories of love will be of you
.

Some say, love is holding on,
and some say, letting go.
Some say, love is everything,
and some say, they don't know.

Perhaps love is like the ocean,
full of conflict, full of pain.
Like a fire, when it's cold outside,
with thunder, when it rains.
If I should live forever,
and all my dreams come true:
My memories of love will be of you.