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Mittwoch, 8. Juli 2020

In Sachen Corona-Virus: Wenn Gott für falsches Selbstmitleid, Denkfaulheit und Bequemlichkeit herhalten muss!


https://bit.ly/3e4S0rr


Corona-Ausbrüche in diversen Pfingst- und mennonitischen Gemeinden:

Gott liebt uns alle und Gott ist stärker als Corona - schmuschmus und um den Hals fall (Gott ist unser Schutz!!!) >>>> 14 Tage Quarantäne!

Was jetzt?
Gibt es keinen Gott?
Ist er in Urlaub?
Hat er einfach nur gepennt?

Oder könnte es sein, dass er nicht so ist, wie ihn gewisse superreligiöse Menschen sich zurechtmodellieren??

Hauptsache glauben, denken muss man nicht und das sogenannte Weltliche auch nicht beachten. - Die Welt ist sowieso des Teufels (auch wenn eine sehr hohe Gottheit vor 2000 Jahren ihr extra mehr als nur einen Besuch abstattete und im Grunde die Erde doch eigentlich heiligte . . .)

Mancher Menschen Gott ist genauso wie sie selbst.
Wie ihr eigenes Inneres.
Anders kann Gott doch sowieso nicht sein !!!

Scheinbar aber doch . . .


Der Corona-Virus ist schonungslos. Er deckt rigoros auf, wo die Menschen aus Bequemlichkeit und einer asozialen Politik heraus nicht hinschauen: Er fällt ein in dichtest besiedelte Wohngegenden und Hochhäuser, wo Menschen unwürdigst leben, in Fleisch- und Glaubensfabriken. Er zwingt zum Handeln und Umdenken, wobei ich vermute, dass Menschen dieser Art von Religiosität, die in dem Artikel angesprochen sind und die ich aus meiner Kindheit und von der Religiosität meiner Eltern her kenne, nicht umdenken, sondern meinen, sie müssten noch intensiver beten.

Natürlich kann man sagen, sie seien borniert, aber man verkennt, dass gerade für religiöse Menschen eine Brücke zu finden zwischen der Tatsache, dass es gilt, Selbstbewusstsein zu entwickeln, sich also immer mehr seines Selbst bewusst zu werden, und ein Bewusstsein und richtiges Verhältnis zum Göttlichen zu finden, sehr, sehr schwer ist. - Dass z.B. Demut und Selbstbewusstsein sich nicht ausschließen, das ist für manche kaum nachvollziehbar.

Und wie schwer mag es erst sein, sich einzugestehen, dass Glaube und Vertrauen in Gott oft einfach nur ein Ersatz sind für eigene Bequemlichkeit. Warum sich mit fundamentalen Problemen des Lebens auseinandersetzen, wenn man sie einfach damit lösen kann, dass man den ganzen Bettel, wie man im Schwäbischen sagt, Gott hinschmeißt?!

Kommt noch hinzu, dass solche Menschen sich zugute halten, nicht, wie die breite Masse, den breiten Weg zu gehen, sondern den schmalen Weg der Auserkorenen. Dass da oft eine ganze Menge Selbstmitleid kaschiert wird, ist nochmal eine zusätzlich schwierige Kiste. Es aalt sich so schön in diesem Gefühl, wie schwer das Leben sei und wie groß die Belohnung, die doch wartet. Ich mag das nicht mit den 72 Jungfrauen, die auf den islamistischen Terroristen warten sollen, vergleichen, aber es geht leider in eine vergleichbare Richtung.

Ich kann mir vorstellen, dass viele dieser Menschen im Jenseits ankommen und bitter enttäuscht sind, womöglich aber auch dort ihre Selbsttäuschung noch eine lange Zeit fortsetzen.
Wie im Himmel, so auf Erden.
Das weiß schon das Vater Unser.


Samstag, 4. Juli 2020

Michael Ende: "Der Mensch ist ein Buch."

Michael Ende, Gleichnis

Der Mensch ist ein Buch.
Ein Buch besteht aus Papier und Karton oder Leder,
aus Leim und Fäden und Leinen
und Druckerschwärze oder Tinte.
Das ist sein physischer Leib.
Aber der Stoff ist vergänglich und auswechselbar.
Es kann auch aus Tontafeln sein oder Wachs,
aus Pergament oder Holzbrettchen, dennoch
ist es ein Buch.
Der Stoff bestimmt seine äußere Erscheinung.
Sie ist wichtig, aber sie ist nicht das eigentliche Buch.
Es kann neue Auflagen (verbesserte?)
oder auch eine neue Ausgabe in einem anderen Verlag geben.
Der Materialist untersucht die Beschaffenheit,
er analysiert das Papier, das Pergament, die Druckerschwärze,
er misst die Dicke der Seiten und vergleicht,
er zählt genau die schwarzen Strichlein und Punkte,
ihre Anordnung, ihre Wiederkehr, ihre Häufigkeit,
und er zieht Schlüsse daraus,
aber er leugnet, dass es Zeichen sind,
die man lesen muss, weil sie Worte bedeuten
und für sich selber wesenlos sind.
Das, sagt er, ist schon subjektive Interpretation,
nicht strenge Wissenschaft;
ich halte mich an die Tatsachen.
Aber die Zeichen sind eine Schrift.
Du kannst das Wort „Baum“ in vielerlei Schriften schreiben,
in lateinischer, griechischer, hebräischer oder kyrillischer,
du kannst es in Morsezeichen schreiben oder chinesischen Ideogrammen.
Die äußeren Erscheinungen sind einander unähnlich.
Und doch ist es das gleiche Buch.
Die Schrift ist die Erbmasse.
Die Sprache ist der Ätherleib.
Sie ist das Leben des Buches.
Die Geschichte ist der Astralleib,
sie erzählt von Freuden und Leiden, sie schildert „Personen“.
Das Ich ist die Idee des Ganzen.
Das höhere Selbst ist der Dichter, der hinter allem steht.
Gott ist die ganze Welt, die nötig ist, damit der Dichter ein Buch schreiben kann.

(aus „Der Niemandsgarten. Aus dem Nachlass.“)

Der Gedanke, der Mensch existiere in Art eines Buches auf unterschiedlichen Ebenen, hat Michael Ende immer wieder beschäftigt ebenso wie diese Sicht auf das Leben, dass der Mensch zwei Welten angehöre, die miteinander verflochten sind und zunehmend miteinander in Kontakt treten können; es ist dies ja auch ein Motiv, das die Struktur der „Unendlichen Geschichte“ bestimmt.
All dies zeigt, dass ein Satz, den der Autor am 13. Juni 1994, zu einer Zeit also, als er bereits mit seiner Krankheit konfrontiert war, die sich bald als unheilbar herausstellen sollte, kein Zufall war:
„Könnte man die Existenz Gottes beweisen, dann gäbe es ihn nicht.

Montag, 1. Juni 2020

"I cant’t breathe". - PFINGSTEN in den USA


Tausendfach wurde in den vergangenen Tagen "I cant’t breathe" ("Ich kann nicht atmen"), Floyds Worte kurz vor seinem Tod, an Hauswände gesprüht, tausendfach auf Plakate gemalt . . .

Der Mord an George Floyd geschah, symbolbeladen, am Memorial Day, Amerikas Nationaltrauertag, und es war der eine Vorfall, der eine Tod zu viel. Im New Yorker Central Park war, kurz zuvor an eben jenem Montag, der Schwarze Christian Cooper beim Beobachten von Vögeln ("Birdwatching") auf Amy Cooper gestoßen, die ihren Hund nicht anleinte und auf seine Bitten mit dem Griff zum Telefon antwortete: Sie werde den Polizisten "sagen, dass ein afroamerikanischer Mann mein Leben bedroht".
Bereits am 25. Februar war in Brunswick, Georgia, der unbewaffnete schwarze Jogger Ahmaud Arbery von den beiden Weißen Gregory McMichael und Travis McMichael, Vater und Sohn, erschossen worden; die Ermittlungen waren eingestellt worden, da Gregory McMichael ehemaliger Polizist war. Und am 13. März 2020 war die gleichfalls unbewaffnete Breonna Taylor, Rettungssanitäterin, in ihrer eigenen Wohnung in Louisville, Kentucky, von drei Polizisten erschossen worden; die Cops hatten im Drogeneinsatz Adressen verwechselt.

Schwarze US-Bürger verdienen weniger und sind schlechter versichert als weiße Amerikaner. Ihre Lebenserwartung ist geringer. Sie gehen auf schlechtere Schulen, sowieso auf schlechtere Universitäten. Sie werden häufiger und länger inhaftiert, öfter hingerichtet. Und wenn dann ein Präsident wie Trump alle Reformen des ersten schwarzen Präsidenten Barack Obama rückgängig macht, sowieso alle Sozialreformen, wenn anschließend Covid-19 in brutaler Präzision die sozialen Schwachstellen der Gesellschaft findet, dann sterben natürlich auch in dieser Krise wieder überproportional viele Schwarze . . .
....................................................................................................................(aus ZEITONLINE)

Samstag, 30. Mai 2020

"Schaut auf! Nehmt wahr! // Er ist's, er ist's; die Flamme zuckt" - Annette von Droste-Hülshoffs "Am Pfingstsonntage".

Annette von Droste-Hülshoffs Gedichtzyklus über das „Geistliche Jahr in Liedern“ umfasst in seiner Entstehung einen Zeitraum von etwas über zwanzig Jahren. Sein Beginn steht im Zusammenhang mit jener unsäglichen, fast entehrend zu nennenden Erfahrung Annettes mit zwei Männern, zu denen beiden sie sich hingezogen fühlte und die diesen Tatbestand schamlos ausnutzten, indem sie sie kompromittierend auflaufen ließen und sie zum Gesprächsobjekt, ja Gespött verwandtschaftlichen Geredes machten.

19 Jahre später bringt sie den Zyklus zu Ende und wir begegnen einer seeFrau, die in dieser abschließenden Phase unter anderem ein Gedicht zu Pfingsten schreibt, das nicht mein Pfingsten wiederspiegelt, das mir aber in ihrer Sicht sehr nahe geht:

Still war der Tag, die Sonne stand
So klar an unbefleckten Domeshallen;
Die Luft, von Orientes Brand
Wie ausgedörrt, ließ matt die Flügel fallen.
Ein Häuflein sieh, so Mann als Greis,
Auch Frauen knieend; keine Worte hallen,
Sie beten leis!

Wo bleibt der Tröster, treuer Hort,
Den scheidend doch verheißen du den Deinen?
Nicht zagen sie, fest steht dein Wort,
Doch bang und trübe muß die Zeit uns scheinen.
Die Stunde schleicht; schon vierzig Tag
Und Nächte harrten wir in stillem Weinen
Und sahn dir nach.

Wo bleibt er nur, wo? Stund' an Stund',
Minute will sich reihen an Minuten.
Wo bleibt er denn? Und schweigt der Mund,
Die Seele spricht es unter leisem Bluten.
Der Wirbel stäubt, der Tiger ächzt
Und wälzt sich keuchend durch die sand'gen Fluten,
Die Schlange lechzt.

Da, horch, ein Säuseln hebt sich leicht!
Es schwillt und schwillt und steigt zu Sturmes Rauschen.
Die Gräser stehen ungebeugt;
Die Palme starr und staunend scheint zu lauschen.
Was zittert durch die fromme Schar,
Was läßt sie bang' und glühe Blicke tauschen?
Schaut auf! Nehmt wahr!

Er ist's, er ist's; die Flamme zuckt
Ob jedem Haupt; welch wunderbares Kreisen,
Was durch die Adern quillt und ruckt!
Die Zukunft bricht; es öffnen sich die Schleusen,
Und unaufhaltsam strömt das Wort
Bald Heroldsruf und bald im flehend leisen
Geflüster fort.

O Licht, o Tröster, bist du, ach,
Nur jener Zeit, nur jener Schar verkündet?
Nicht uns, nicht überall, wo wach
Und Trostes bar sich eine Seele findet?
Ich schmachte in der schwülen Nacht;
O leuchte, eh' das Auge ganz erblindet!
Es weint und wacht.


Das Gedicht zeigt uns eine Meisterin der deutschen Sprache.
Warum es uns nicht unberührt lassen kann, erschließt sich allein schon aufgrund seiner formalen Struktur: Es alternieren regelmäßig vier- und fünfhebige jambische Verse. Nur der letzte jeder Strophe, der siebte, ist jeweils zweihebig und diese sechs letzten Zeilen lesen sich, als ob Inhaltliches der vorausgehenden Strophe noch einmal erfasst und auf den Punkt gebracht sein wollte.
Gerade der letzte Vers ist hier so nachdrücklich durch seine W-Alliteration und keine Frage, das Auge steht hier, pars pro toto, für die Seele.

Dieser letzte Vier-Wort-Satz steht förmlich unverrückbar in der Luft.

Da ist keine Pfingstfreude und es ist wahrlich keine Stimmung, wie wir sie der Apostelgeschichte entnehmen.

Wir erinnern uns: Noch anlässlich der Kreuzigung hatte zwar die Besatzungsmacht, Jesu Ankündigung, dass er in drei Tagen wieder auferstehen werde, ernst genommen und Vorsorge getroffen, nicht aber die Jünger. Die saßen verschreckt beisammen und trauten sich nicht aus dem Haus. Wären nicht Frauen so mutig gewesen - in einem der Evangelien ist es alleinMaria Magdalena (für mich eine der schönsten Szenen der Bibel, als sie dem "Gärtner" begegnet) - dann hätte der Auferstandene gar niemanden vorgefunden.

Die Zwölf - Matthias war für Judas hinzugekommen - harrten diesmal zuversichtlich. Jesus hatte den Tröster angekündigt, den Heiligen Geist; sie hatten gelernt zu glauben. Glauben hängt mit Vertrauen zusammen.

Von diesem Glauben wird Annette von Droste-Hülshoff, wie wir oben lesen konnten, sagen: "Ich hab ihn nicht."

Diese Ehrlichkeit ist es, die mich so überzeugt. Sie ist Voraussetzung für Weiterentwicklung. Wer sich gerade im spirituellen Bereich das Geringste vormacht, kann nicht zur Wahrheit vordringen, die eine Vorstufe der Freiheit ist, wie sie auf der Erde als wirkliche Freiheit kaum jemand kennt. Obwohl doch so viele ständig über Freiheit reden.
Auch über Liebe.
Ich hoffe, die meisten Menschen wissen über die wahre mehr als ich.

Georg Trakl, der mir mit seinem Ringen um ein inneres Christentum, das in der Literatur viel zu wenig wahrgenommen wurde und wird, so nahegeht, schrieb ein Gedicht De profundis. Aus der Tiefe. Aus der Tiefe rufe, nein schreie ich, Herr, zu Dir, so der Psalmist, so Trakl, so Annette von Droste Hülshoff, deren Schreien ein Weinen ist:

Ich schmachte in der schwülen Nacht;
O leuchte, eh' das Auge ganz erblindet!
Es weint und wacht.
Es gibt Menschen, denen spürbar dieser Schritt nicht gelungen ist, Auferstehung als Erlösung zu begreifen, weil es für sie (noch) nicht möglich ist, sich jenem Auferstehungsleib, der das Ziel des Weges von Jesus ist, zu nähern, der jedem von uns zuteil werden mag, wenn er ihn denn in seine Lebensoptionen integrieren wollte - was nicht einmal, wenn es geschähe, genügen würde, denn er müsste schon Ziel vor allen anderen sein - um nicht zu sagen: alleiniges Ziel
Nur so ist es möglich, dass der Mensch der luziferischen Umklammerung, die im Allgemeinen Tod genannt und so auch empfunden wird, entkommt.

Noch hat sich das Bewusstsein nicht durchgesetzt, dass die Lehre Jesus, wie wir sie beispielsweise in der Bergpredigt und ihren Seligpreisungen finden, aller Ehren wert, aber nicht das Entscheidende ist, weil wir im Grunde deren geistige Essenz auch im Achtfachen Pfad des Buddhismus finden

Noch hat sich jedoch ebenfalls nicht durchgesetzt, dass es, so sehr ich das Dhammapada und den Achtfachen Pfad schätze, nicht Ziel sein kann, aus dem Rad der Wiedergeburten dringendst ausscheiden zu wollen und den Durst nach Leben im Fleisch des physischen Körpers überwinden zu wollen - Hauptanliegen buddhistischer Religiosität -, weil es zu erkennen gilt, dass unsere physisch-materielle Existenz Voraussetzung einer Entwicklung ist, gipfelnd in Pfingsten, die nur so - im Rahmen einer physischen Existenz - und vermutlich nicht anders möglich ist (sieht man einmal davon ab, dass die Menschheit wohl tiefer in die Materie abzusteigen scheint als notwendig).

Ein Bewusstsein der Bedeutung von Kreuzigung, Ostern und Pfingsten ist Voraussetzung, um über dieses Stadium hinauszukommen, in dem ein Rilke, Christus verschmähend, steckenblieb, ein Trakl aufgrund seiner Süchte und schwesterlich-karmischen Belastung, ein Nietzsche in falscher Selbstüberschätzung, ein Karl May, so tief religiös ja theosophisch orientiert er nach seiner Orient-Reise auch war, und auch eine Annette von Droste-Hülshoff, die vielleicht schon die Früchte dieser Inkarnation in dieser Zeit einholt.

Ich schreibe "steckenbleiben". Ich verwende dieses Wort, um ansprechen zu können, dass es das nur ausgesprochen vordergründig  ist, wissen wir doch nicht, dass jede der Inkarnationen der oben Genannten Vorbereitung sein kann für einen entscheidenden Durchbruch in einer nächsten.

Ich wünsche mir jedenfalls, dass sie möglicht in ihrer nächsten Inkarnation schon bewusst wahrnehmen können, warum noch in der Jordan-Taufe von Jesus, wie wir dem Johannes-Evangelium entnehmen können, der Geist vom Himmel herabfährt als eine Taube. Und warum es zu Pfingsten nicht mehr eine Taube ist, sondern der Geist als Zungen, als Geistesflammen niederkommt, nicht mehr für Einen, sondern für Zwölf - und in Zukunft, wenn es nach jenem Einen geht, für unbegrenzt viele.

Vielleicht auch für uns.
Es kann kaum etwas Erfreulicheres geben, dass wir selbst dafür verantwortlich sind, dass es so sein kann.

Donnerstag, 28. Mai 2020

Warum Schlachthöfe und Großstädte Hotspots des Corona-Virus sind. - Betrachtungen eines Landarztes

Womöglich hat alles auch mit unserer Einstellung gegenüber Fleisch und Leben zu tun . . . Der Virus hat kein Bewusstsein, aber die Menschen, die ihm den Boden bereiteten und jene, die tatenlos zusahen, dass Städte zu Zentren minderwertigen Lebens wurden. Dass es überhaupt so viel minderwertiges Leben gibt - unter Menschen und Tieren . . .
Was auf Schlachthöfen geschieht, ist seit vielen, vielen Jahren bekannt ("liebe" verantwortliche Politiker).
Und viele Großstädte sind Schlachthöfe menschenwürdigen Lebens (auch da hätte man gegensteuern können, ja müssen . . .).
.

Hier ein Bericht aus der Praxis eines Landarztes (kopiert aus Facebook):
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> Die sogenannte „zweite Welle“ <
Betrachtungen eines Landarztes {Hausarzt Dr. Thomas Fein, Greetsiel, Ostfriesland).
.
Zur Zeit wird im Rahmen der Corona Problematik von Politikern und „Experten“ auf die Wahrscheinlichkeit und Gefährlichkeit einer „zweiten Welle“ hingewiesen.
Ich möchte diese Fragestellung mal aus einer eher ungewöhnlichen Perspektive betrachten, nämlich der Perspektive eines Landarztes.
Ich bin seit 1986 approbierter Arzt und seit 1991 in einer relativ großen Landarztpraxis in Ostfriesland tätig. Der Weg zu den meisten Fachärzten ist weit, so dass praktisch alle Patienten speziell mit Infekten der oberen Atemwege primär die Hausarztpraxis
aufsuchen und nicht HNO Ärzte und/oder Lungenfachärzte konsultieren. Dies ermöglicht mir eine sehr genaue Beobachtung der Abläufe von Infektionskrankheiten.Ich habe mir im Laufe meiner Praxistätigkeit angewöhnt, genau zu beobachten. Ichbeobachte,wie Patienten auf mich wirken, wie sie sich bewegen, die Mimik ect.
Ich höre zu, wenn Patienten von ihren Beschwerden erzählen. Als Homöopath hört man da ja auch noch mal anders zu, als in vielen Bereichen der konventionellen Medizin. Und ich habe gelernt, Krankheitsverläufe zu beobachten, auch den Verlauf von Infektionskrankheiten.
Vorab möchte ich kurz Eingehen auf den Unterschied zwischen Virologen (z.B. Herrn Drosten, Herrn Streek) und mir. Herr Drosten ist ein Virologe, der sich mit dem Virus beschäftigt (und davon sicher sehr viel versteht), der an seinem Computer Modelle der Virusverbreitung erarbeitet, die nach seinen eigenen Aussagen auf „Annahmen“, „Vermutungen“ basieren, bei denen es „Stellschrauben“ gibt, die hochempfindlich sind.
Herr Streek erforscht nach eigenen Angaben, was das Virus mit dem Menschen macht.Von all diesen Dingen verstehe ich nichts. Sie haben aber auch für mich als Arzt in der Primärversorgung keine Bedeutung.
Seit 29 Jahren meiner Praxistätigkeit beobachte in in jedem Jahr eine Häufung von Infekten der oberen Atemwege, im Allgemeinen
als „Grippewelle“ bezeichnet. Diese Welle beginnt regelhaft im November/Dezember, hat ihren Höhepunkt Ende Januar bis in den Februar, ebbt im Laufe des März langsam ab und ist Ende April vorbei. Immer, jedes Jahr. Experten erklären mir, dass daran verschiedene Viren beteiligt sind, unter anderem Influenza, Adeno, Rhino und Corona Viren. Auch das hat für mich keine Bedeutung, da Virusinfekte rein symptomatisch behandelt werden. Hohes Fieber wird ggf. gesenkt, Kopf und Gliederschmerzen analgetisch behandelt und die Patienten bekommen die Anweisung, sich zu schonen und zu Hause zu bleiben, auch um andere nicht zu infizieren. Dazu gehört auch ggf. die Feststellung der Arbeitsunfähigkeit. Für mich ist es nur wichtig, zwischen viralen und bakteriellen Infekten zu unterscheiden, um ggf. die Notwendigkeit einer Antibiotikatherapie bei schweren bakteriellen Infekten abzuwägen. Im Wesentlichen verlaufen diese „Grippewellen“ immer gleich mit einer Ausnahme: Im Winter 2017/2018 kamen wir in der Praxis an die Gren ze unserer Leistungsfähigkeit. Diese Welle war die schwerste, die ich im Rahmen meiner kassenärztlichen Tätigkeit je erlebt habe. Es gab viele Komplikationen, vor allem kardialer Art. Ein Patient war morgens mit Erkältungssymptomen in der Praxis, wurde von mir symptomatisch versorgt und erlag am Nachmittag einem Herzinfarkt, obwohl das EKG am Morgen unauffällig war.
Ein weiterer Patient hatte mehr Glück und überlebte seinen Infarkt. Ein dritter Patient hatte einen Herzstillstand, konnte aber erfolgreich reanimiert werden. In der Fachpresse fanden sich viele Berichte von Herzinfarkten bei Männern im Rahmen der „Grippe“.
Es gab Lungenkomplikationen, etliche Patienten mussten stationär versorgt werden. Aber auch diese Welle war im April vorbei.In diesem Jahr ist in meiner Praxis eigentlich alles wie immer. Im Januar und Februar waren einige Patienten zum Teil über 3 - 4
Wochen krank, teilweise mit hohem Fieber, darunter auch etliche Kinder aller Altersgruppen. Bei einigen dieser Patienten habe ich
Wochen nach der Erkrankung eine Corona Antikörperbestimmung machen lassen. Alle Tests waren negativ. Das heißt , dass sie höchstwahrscheinlich eine Influenza hatten.
Ich warte hier immer noch auf die erste Corona Welle.
Ich habe in den 29 Jahren meiner kassenärztlichen Tätigkeit noch nie eine zweite Welle erlebt. Manchmal gibt es so etwas wie eine Sommergrippe im Juni/Juli mit sehr mildem Verlauf. Eine zweite (und dritte) Welle wurde meines Wissens bislang nur im Rahmen der „Spanischen Grippe“ 1918 bis 1920 beschrieben. Da zu diesem Zeitpunkt Viren noch nicht bekannt waren, ist naturgemäß auch nicht bekannt, ob es sich dabei tatsächlich um eine „Influenza“ gehandelt hat. Auch der Grund für die zweite und dritte Welle ist meines Wissens nicht bekannt. Was aber sehr gut belegt ist, ist die gesellschaftliche und hygienische Situation in der damaligen Zeit. Eine sehr detaillierte Beschreibung dieser Zustände findet sich bei :
Humphries/Bystrianyk
Die Impf Illusion,
KOPP 2015.
Dort werden katastrophale hygienische Zustände zu dieser Zeit beschrieben: Fäkalienentsorgung in den Hinterhöfen und auf den
Straßen, Kinderarbeit, Mangel an Nahrungsmitteln und sauberem Trinkwasser ect. Das Alles mag zu dem damaligen Verlauf der
Spanischen Grippe beigetragen haben. Diese Zeit ist mit der heutigen in keiner Weise vergleichbar.Heute haben wir geregelte Arbeitszeiten, sauberes Trinkwasser, hygienische Abwasserentsorgung, genug zu essen und haben die Freiheit durch gesunde Ernährung und körperliche Betätigung/Bewegung unser Immunsystem fit zu halten.
Der von mir sehr geschätzte Kollege Sucharit Bhakdi wies in einem Interview mit servus TV darauf hin, dass es eine zweite Welle noch nie gegeben habe. Bisher hat kein Politiker oder „Experte“ erklärt, warum sie ausgerechnet diesmal kommen solle.
Ich bin Landarzt. Ich bin einer von denen, die von Angela Merkel und Jens Spahn gelobt wurden, da sie „an der vordersten Front kämpfen“, die das „Bollwerk gegen Covid 19“ sind.
Ich will von diesen Politikern nicht gelobt werden.
Ich verbiete diesen Politikern, mich zu loben.
Sie haben meine Patienten in Angst/Panik versetzt.
Derzeit besteht ein großer Teil der Zeit, die ich mit meinen Patienten verbringe, nicht in der Behandlung von Corona
Patienten (ich habe keine). Ich verbringe die Zeit in der Praxis
damit, meinen Patienten die Angst zu nehmen und sie
zu beruhigen. Und ich erkläre ihnen, dass die „zweite Welle“ nicht kommen wird. Ich habe in meiner Praxis auch eine Corona
Tote: Eine 77 jährige Frau, die sich aus Angst vor dem Virus die Pulsadern aufgeschnitten hat. Ihr konnte ich die Angst wohl nicht
nehmen.
Ich habe eine Bitte an die Kollegen: Die nächste „Grippewelle“ wird kommen. Dieses Jahr. Wie jedes Jahr. Wenn Ihr merkt, dass es los geht, behandelt diese Patienten wie immer: symptomatisch,
phytotherapeutisch, homöopathisch. Vielleicht behandelt Ihr sie dann auch mit Heparin zur Vermeidung von Thrombosen, wenn dies bis dahin „state of the art“ ist.Aber bitte, bitte, bitte: Fangt nicht an zu testen! Tut Euch und dem Rest der Welt diesen Gefallen.
Dr. med. Thomas Fein
Facharzt für Allgemeinmedizin Homöopathie

Montag, 25. Mai 2020

"Zwei Särge, doch ein Grab, so soll es sein" - Karl May für seine Klara zur Verlobung und Hochzeit: zwei Gedichte.

Das erste Gedicht schrieb der 41-jährige Karl May 1903 seiner zweiten Frau Klara zur Verlobung:

Wir strebten beide Hand in Hand
Zum Himmel auf und seinen Sternen,
Doch ist's nicht leicht, nach jenem Land
Die rechte Wanderschaft zu lernen.
Es gibt der Wege allzuviel,
Doch welcher ist der rechte Pfad?
Zeig meinem Auge stets das Ziel
Und sei mein guter Kamerad!

Ragt eine Klippe hier und dort,
Will mich ein Trug zum Abgrund leiten,
So sage mir ein warnend Wort,
Den Sturz, den schweren, zu vermeiden!
Und wenn es uns beschieden ist,
Daß sich ein Feind verborgen naht,
So warne mich vor seiner List
Und sei mein guter Kamerad!

Und wenn ich schwach und müde bin,
Die schwere Wandrung zu beenden,
So knie freundlich zu mir hin
Und stärke mich mit sanften Händen!
So folgen beide wir der Bahn
,Du durch den Rat, ich durch die Tat,
Und kommen froh und glücklich an,
Ich und mein guter Kamerad.


Das zweite Gedicht schrieb er zu Ehren ihrer beider Hochzeitstag und überschrieb es:

AM HOCHZEITSTAG

Komm, Liebling, komm, wir wollen scheiden gehen;
Die Erde hat es uns so leicht gemacht.
Ich kann nicht traurig vor dem Abschied stehen,
Wenn er so froh in deinen Augen lacht.
Wir wollen Hand in Hand uns niederlegen;
Zwei Särge, doch ein Grab, so soll es sein.
Und über uns des ew’gen Vaters Segen,

Doch nie und nimmermehr ein Leichenstein!

Und rollt die Erde auf die Särge nieder,
So lächeln wir beglückt einander zu,
Man singt uns zwar vielleicht dann Sterbelieder,
Doch die Gestorbnen sind nicht ich und du.
Wir haben ja nur das zurückgegeben,
Was von der Erde uns geliehen war,
Und stehen beide als vereintes Leben
Bei unsern Särgen, wenn auch unsichtbar.

Die letzte Stunde naht, am Firmamente 
Wird Licht um Licht vom Vater aufgestellt, 
Er ladet uns zur stillen Jahreswende,
Zum neuen Sein dort in der andern Welt,
Schau auf! Du sollst in meinen Sternen lesen,
Was in den deinen längst geschrieben lag:
Wir sind auf Erden  n u r  v e r l o b t  gewesen;
Der Todestag ist unser  H o c h z e i t s t a g !


Gewiss war Karl May auch ein Schwerenöter.
Doch wer denkt, solch eine Klassifizierung beinhalte einen Vorwurf, der irrt (zumal er ein liebenswerter Schwerenöter war - und doch noch so viel mehr!).

Denn wer von uns ist nicht irgendetwas, worüber der Spießbürger von nebenan die Nase rümpft.

Auffallend ist, eine Frau, die man liebt und heiratet, im Rahmen eines Gedichtes zur Verlobung in erster Linie als Kamerad zu bezeichnen. Sicherlich hängt es damit zusammen, dass seine so intensiven Lebenserfahrungen ihn die Ehe in einem anderem Licht haben sehen lassen, als das jung Vermählte gewöhnlich tun, was sich auch darin zeigt, dass er den Lebensabschnitt, den beide nun beginnen, als Wanderung begreift. Darin zeigt sich auch jene große Wandlung, die nicht allein nur sein Zuchthausaufenthalt bewirkt haben mag.
Er begreift, dass er für die Menschenseele schreiben will, wie er selbst sagt.

Vergleichbares gilt für das Hochzeitsgedicht: Unglaublich, zu Beginn von Scheiden und Abschied 
zu schreiben, von Särgen und dem gemeinsamen Grab. Doch zeigt sich, wie ernst es Karl May einerseits mit seiner Spiritualität und andererseits mit seiner Liebe gewesen sein muss, spricht er doch von einem vereinten Leben, das daran erinnern mag, dass er - übrigens ja nicht nur Karl May, sondern wie auch Tucholsky, Schiller und viele andere - glaubte, seine Schwesterseele gefunden zu haben. Und dass für beide vor allem auch das geistige Leben zählt, weil unser irdisches nur geliehen ist, wie er in fast pietistischem Tonfall intoniert. 
Jedenfalls: Selten hat jemand Goethes Stirb und Werde aus Selige Sehnsucht ernster genommen. Und ich wüsste nicht, dass es jemand jemals ausgerechnet für den Hochzeitstag tat. - Karl May muss sich Klaras Verständnis zutiefst sicher gewesen sein. 

Im Übrigen finde ich es ein wunderschönes Bild, wenn er schreibt, dass zur letzten Stunde Licht um Licht vom Vater aufgestellt wird.

Zahlreichen Lesern könnte unbehaglich sein, wie sehr sich Karl May zu seinem Christsein bekannte, ich erinnere in diesem Zusammenhang an einige Gedichte aus seinem Gedichtband Himmelsgedanken.
Wer will davon heute noch etwas wissen. Nur noch wenige.
Aber für Karl May lässt sich nichts daran deuteln. Der ein oder andere seiner atheistischen Fans - es werden unter den weltweit vielen Millionen Lesern Millionen sein - mag vergessen haben, dass Winnetou noch in seiner Todesstunde sich als Christ bekennt.
(Wobei angemerkt sein mag, dass kaum ein Schriftsteller sein Personal so ohn Ansehen von Stand, Nation und Religion Hilfsbereitschaft und Nächstenliebe zeigen ließ.)