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Montag, 19. Juli 2010

In Deutschland ist es im Moment auf jeden Fall günstiger, als Aktie auf die Welt zu kommen denn als Kind.


In Baden Württemberg naht die Zeugnisausgabe, in anderen Bundesländern sind Familien schon friedlich vereint in den Ferien. Mit den Zeugnissen verbinde ich so manche erschütternde Szene. Ich erinnere mich, dass ich als junger Lehrer - die Klasse hatte den Raum schon verlassen - das Zimmer abschließen wollte. Wenn da nicht noch die 11-jährige Anne an ihrem Ranzen herumgenestelt hätte.


Anne, Jan, Klara, Bettina, Tobias und wie sie alle heißen ...


„Ist was mit Dir, Anne?“ – „Nein!“ – „Irgendwas ist doch ...“ – „Nein, es ist nichts.“ – „Anne, Du musst mir nichts ...“ – „Auf einmal flossen die Tränen in Sturzbächen und das Kind weinte haltlos ... mit ihrem Schluchzen kam ihr ganzes Elend aus ihr heraus:“Meine Eltern wollen sich trennen!“ - Die Eltern hatten ein großes Geschäft in der Innenstadt ... Für Anne würden die Ferien schrecklich sein; kein Halt, keine Ablenkung mehr in der Schule, kein Zusammensein mehr mit Freunden; nur noch Unglück zu Hause ... zu viel für diese kindliche Seele ...


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Sonntag, 11. Juli 2010

"Wie nicht aus dem Reichtum die Tugend entsteht, sondern aus der Tugend der Reichtum"


Ist dieser Gedanke so ungewöhnlich für uns geworden, dass wir einen oder zwei oder drei Momente brauchen, um zu verstehen, was der griechische Philosoph Sokrates meinte?
Ja, angesichts unserer gesellschaftlichen Realität - und mit "unserer" meine ich die der reichen Industrienationen der Erde - kommt diese Aussage fast einem Koan gleich, jener Aufgabe, die der Schüler im Zen-Buddhismus von seinem Meister erhält und zu lösen hat.

Bezüglich der Werte des Sokrates, des geistigen Vorläufers von Jesus, sind wir als ach so gebildete Europäer und Erdenbürger Schüler geworden.

Man muss nur unsere tägliche Realität ansehen. Hören wir es nicht tagtäglich in den Nachrichten, dass es uns gut geht, wenn die wirtschaftlichen Indices nach oben zeigen? Wenn die Wirtschaft brummt, zeigen sich Nachrichtensprecher sichtlich aufgehellt, Börsenexperten wirken nahezu euphorisch und die Menschen zeigen sich in bester Laune, was mittlerweile immer zugleich auch Kauflaune meint; auch Politiker, soweit sie der Regierung angehören, hängen ihr Mäntelchen in den Börsen-Wirtschaftswind, das im Zuge steigender Kaufkraft lustig flattert ... Wenn die bunten Scheine wehen ...

Glück und Geldwert scheinen nahezu identisch geworden zu sein.

Da muss dieser verschrobene Grieche kommen und schon vor 2400 Jahren gesagt haben: Aus dem Reichtum entsteht keine Tugend!

Aus der Tugend entsteht Reichtum.

Reichtum meint ein Reich-Sein an Tugend.
Das scheinen wir mittlerweile besser zu wissen.
Schließlich ist es ja auch ewig lange, ca. 500 Jahre her, dass ein gewisser Martin Luther in der Auslegung des ersten Gebotes in seinem Großen Katechismus schrieb:

"Woran du dein Herz hängst, das ist dein Gott"

Wenn wir begutachten, womit sich die Medien vorzugsweise beschäftigen und was unser eigenes Denken ausmacht, dann kennen wir die Götter der Moderne; wir kennen auch die unseres Innern; in der Bibel werden sie als Goldenes Kalb bezeichnet.
Jener Tanz um das Goldene Kalb hat die Menschheit damals schon das Original der 10 Gebote gekostet, denn angesichts dessen, was sein Volk tat, während er ihnen Heiliges brachte, zerbrach Mose die Tafeln, auf denen die 10 Gebote standen.
Schon damals fehlte den Menschen jegliche Wertschätzung von Heiligem, Göttlichem.
Während Mose in Kommunikation mit dem Höchsten stand, tat sein Volk genau das Gegenteil.
Ob es heute anders wäre?
Ob, wenn das Göttliche sich auf diese besondere Weise wie damals auf der Erde zeigt, die Menschen den Blick von den Börsenkursen und Vergleichbarem wegwenden könnten auf das für ihre Seele Essentielle?

Bis heute haben wir nur eine Kopie der 10 Gebote.
Es scheint, als ob es vielleicht deshalb diesen nicht gelungen ist, in die tiefen Schichten des Bewusstseins der Menschen vorzudringen.
Wie hätte auf dieser Grundlage in der Folge das große Gebot der Liebe Beachtung finden können?

So schlimm ist es doch gar nicht, höre ich sagen, wir trauern mit den Harz-IV-Empfängern um das Elterngeld, wir leisten in aller Welt Entwicklungshilfe, wir erhöhen die Ausgabe für die Bildung ...

Die Frage ist, ob das aus Berechnung geschieht oder weil unser Herz möchte, dass es möglichst vielen Menschen gut gehe ...

Nur vereinzelt gibt es diese Wunder der Liebe, beispielsweise in dieser mutigen jungen Amerikanerin Withney Johnson, die in den Townships inmitten von mit Aids infizierten Kindern im Rahmen von Ubuntu Africa hilft, deren Körper und Seele zu heilen.

Ein jeder sieht, was er im Herzen trägt.

Fast jeder weiß sich mit dem berühmten Satz von Saint-Exupéry zu schmücken, heftet sich an die Brust, dass er doch wisse, dass man wirklich nur mit dem Herzen gut sehe. Doch ist dieses Wissen, das der Fuchs dem Prinzen mitteilt, mehr als nur Poesiealbumschnickschnack - und anspruchsvoller, als die meisten wohl in Wirklichkeit wissen wollen.

Sehen wir uns an, was wir sehen, dann wissen wir, was wir im Herzen tragen und was wir in Wirklichkeit nur sehen können!

Dieser Satz - Ein jeder sieht, was er im Herzen trägt -, den wir zu Beginn von Goethes Faust in der Szene Vorspiel auf dem Theater finden, ist der Schlüssel nicht nur zum Verständnis dieses Werkes, sondern auch zur Realität unseres Lebens.
Schauen wir an, was wir so tagtäglich sehen, im Außen wie im Innen; dann wissen wir über unsere Herzensrealität und unseren wahren Reichtum Bescheid.

Klar mag man die Aussage des großen Griechen, die er im Angesicht des nahen Todes sagte, für übertrieben halten. Aber angesichts unserer Herzens-Realität und jener, die wir bei anderen glauben beobachten zu können, sind die sokratischen Worte nur zu verständlich, dass ja eben dies das größte Gut für den Menschen ist, täglich über die Tugend sich zu unterhalten und über die andern Gegenstände, über welche ihr mich reden und mich selbst und andere prüfen hört, dass aber ein Leben ohne Selbsterforschung gar nicht verdient, gelebt zu werden.

Diese Orientierung auf wahre Werte, das ist es, was auch die Bibel meint mit jenem An-Spruch:

Betet ohne Unterlass.

Es ist damit kein frommes Gesülze gemeint, sondern eine geistige Ausrichtung, die den wahren Reichtum im eigenen Innern wissen will, ganz im Sinne von Bias von Priene, einem der sieben großen Weisen des Altertums:
omnia mea mecum porto

All meinen Besitz trage ich bei mir.

In diesem Sinne können wir sagen: All unseren Besitz tragen wir in uns.

Ein geistiges Herz lässt sich nicht transplantieren. Dafür sind allein wir verantwortlich.

Donnerstag, 8. Juli 2010

Was Petrus lernen muss und Ricarda Huch schon weiß: Die Blickrichtung muss stimmen!

Des Menschen Seele gleicht dem Wasser, schrieb Goethe angesichts des Staubbachfalls im Lauterbrunnental.
 

Und in der Tat gibt es in der Mythologie und in unserer Realität viele Beispiele dafür, dass das Wasser eine seelische Realität spiegelt. Jahrzehnte über wurde Dünnsäure in die Nordsee verklappt und die Fils, jener Fluss, an dem ich geboren bin, trug in den 50er und 60er Jahren in allen Farben schillernde Schaumkronen, wenn die Weberei Heinrich Otto ihre Pforten öffnete und Abwasser abließ. Dann schwammen sämtliche Fische kieloben. So sorglos gingen und gehen damals wie heute die Menschen mit den Wassern auch ihrer Seele um, der Golf von Mexiko lässt grüßen.
 

Kein Zweifel aber besteht auch darin, dass innerhalb der Menschheit eine positive Entwicklung zu erkennen ist; dem gestiegenen Umweltbewusstsein korrespondiert auch bei vielen ein stärkeres Bewusstsein für die Gesundung der eigenen Seele.

Petrus musste auf leidvolle Weise erfahren, dass Wasser eine seelische Realität spiegelt, dass man auf dem Wasser gehen kann, dass man also wie sein Meister Jesus ein Meister der Seele, ein Meister der Emotionen sein kann; oder aber, wenn man den Blick abwendet, im Grunde also zu dieser Energie die Verbindung kappt, auch in diesen Wassern untergehen kann. Schiller hat in seiner Ballade Der Taucher die Bedeutung dieser seelischen Realität ebenfalls gestaltet.

In der Bibel wird berichtet:

Und alsbald trieb Jesus seine Jünger, in das Boot zu steigen und vor ihm hinüberzufahren, bis er das Volk gehen ließe. Und als er das Volk hatte gehen lassen, stieg er allein auf einen Berg, um zu beten. Und am Abend war er dort allein. Und das Boot war schon weit vom Lande entfernt und kam in Not durch die Wellen; denn der Wind stand ihm entgegen. Aber in der vierten Nachtwache kam Jesus zu ihnen und ging auf dem See. Und als ihn die Jünger sahen auf dem See gehen, erschraken sie und riefen: Es ist ein Gespenst! und schrien vor Furcht. Aber sogleich redete Jesus mit ihnen und sprach: Seid getrost! ich bin´s; fürchtet euch nicht! Petrus aber antwortete ihm und sprach: Herr bist du es, so befiehl mir, zu dir zu kommen auf dem Wasser. Und er sprach: Komm her! Und Petrus stieg aus dem Boot und ging auf dem Wasser und kam auf Jesus zu. Als er aber den starken Wind sah, erschrak er und begann zu sinken und schrie: Herr hilf mir! Jesus aber streckte sogleich die Hand aus und ergriff ihn und sprach zu ihm: Du Kleingläubiger, warum hast du gezweifelt? Und sie traten in das Boot, und der Wind legte sich. Die aber im Boot waren, fielen vor ihm nieder und sprachen: Du bist wahrhaftig Gottes Sohn!
Solange Petrus Vertrauen hat, ist ihm scheinbar Unmögliches möglich. Gibt er sich Zweifeln hin,wendet er den Blick ab, dann geht er unter, geht in den Wassern der Seele unter.
Dies gilt für viele Situationen unseres Alltags.
 

Aus einem tiefen Bewusstsein heraus gestaltete Ricarda Huch (1864-1947) ein wunderbares Sonett, das zeigt, dass sie um die Bedeutung der richtigen Blickrichtung weiß.

Nicht von ungefähr könnte sich ihr Gedicht an einen Geliebten richten; es richtet sich hier zugleich an ihre spirituelle Liebe. Es ist diesselbe Liebe, auf die auch Petrus schaute und die ihn auf den Wassern der Seele wandeln ließ:


Du warst in dieser götterlosen Zeit,
Wo trübe Träumer ohne Lichtgedanken
Wie leere Schiffe unterm Himmel schwanken,
Der Stern, der mich geführt hat und gefeit.

Die Spur, die du gegangen zu betreten,
Dass ich nicht irrte, war mein hohes Ziel.
Von irdischen Geschäften, Drang and Spiel
Trug mich empor das Glück dich anzubeten.

Wie nachts ein Segel steuernd heimatwärts
Der Leuchte zu die schweren Nebel spaltet
Und so gelenkt sich in den Hafen rettet,

Ging ich getrost, den Blick an dich gekettet,
Die Hände gläubig auf der Brust gefaltet,
Durch Flut und Dunkel an dein strahlend Herz.

Montag, 5. Juli 2010

Paracelsus: Lasset Euch das Gute nicht entgleiten!



Eine Weisheit des Paracelsus:

Nehmet das Gute, bis ihr ein Besseres findet,
und auf der Suche nach einem Besseren
lasset Euch das Gute nicht entgleiten oder verlöschen.
Lasset es stehen in seinem Wert, und folgt ein Besseres,
so rückt jenes hinweg;
kommt jedoch nichts Besseres danach,
so bleibe das bestehende Gute.

Weiteres zu Paracelsus: hier

Samstag, 26. Juni 2010

Wahre Religion ist die Gemeinschaft von Kindern ...

Ich glaube, dass ein Grund, warum viele sich selbst nicht begegnen, ist, dass sie sich auf der Ebene des Erwachsenen suchen; aber mehr Menschen, als man glaubt, sind in Wirklichkeit keine Erwachsenen, weil sie nie wirklich Verantwortung für sich übernommen haben. Man erkennt sie auch daran, dass sie viel "Schuld" auf die Politiker schieben, den Chef, auf das Wetter, den lieben Gott; doch dieser Gott sind in Wirklichkeit oft sie selbst, weil er nicht mehr ist als ihr eigenes begrenztes Bewusstsein.
Deshalb eben das Gebot: Du sollst Dir kein Bildnis machen ...

Wie will sich jemand auf einer Ebene finden, auf der er gar nicht vorhanden ist? Höchstens eben in seiner Einbildung ...

Es ist wichtig, sich auf die Ebene der Kinder in uns und um uns zu begeben, denn nur, wer ihnen begegnet, kann auch dem göttlichen Kind in uns begegnen, dem Christusgeist, Atman oder wie man es immer nennt.

Der Erwachsene kann nur reifen, wenn die Kinder heilen.

Wahre Religiosität ist eine Gemeinschaft von Kindern, die in Gott wachsen wollen; in diesem Sinne werden sie wahrhaft er-wachsen.


Sonntag, 20. Juni 2010

Erwachsene braucht das Land! – Wenn Mütter ihre Söhne und Väter ihre Töchter missbrauchen. – Woran man Nicht-Erwachsene erkennt!


Im Grunde kennt jeder vergleichbare Fälle aus seinem Bekannten- oder auch Freundeskreis, ja vielleicht von sich ...

Da heiraten zwei und wie es der Zufall will, ist doch tatsächlich im elterlichen Haus eine Wohnung frei.

Klar ist der jungverheiratete Ehemann immer sehr freundlich zur Schwiegermutter und klar kennt die Mutter immer die Geschäfte, wo man die Möbel kauft und die Bettwäsche und klar ist auch immer genau die richtige Farbe auf Lager, die die Mutter auch hat oder zumindest gut findet ...

Und klar macht der Typ mit Ohrring im Ohr die Tochter nicht glücklich; der Vater wusste es von vornherein (zumal er selbst nie Ohrringe trug ...).

Wir wissen, wie es ist, wenn Bäume zu nahe aufeinander stehen ... meistens wächst eine Seite nicht gescheit ... klar, sie geben sich Schutz ... bestenfalls pfeift kein Wind mehr durch ... :-(

Warum gibt es in der Tat so viele Menschen, die nicht erwachsen geworden sind und es vielleicht auch nie werden? Und woran erkennt man sie?

Es gibt sie, weil viele Eltern ihre Kinder in Abhängigkeit halten wollen: Wenn sie die lieben Kleinen schon aufziehen, dann sollen sie gefälligst bei Fuß bleiben, um sie im Alter zu pflegen.

Es gibt sie aber vor allem, weil zu viele Väter ihre Töchter als Frau missbrauchen und Mütter ihre Söhne dem eigenen Mann vor die Nase setzen und als Mann missbrauchen. Dieser Missbrauch geschieht meist nicht körperlich, aber es ist ein seelischer, ein energetischer Missbrauch, und ich behaupte, er kommt häufiger vor, als wir denken. Dabei gibt es natürlich viele Schattierungen und Abstufungen.

Ich glaube, dass diesem Thema bisher viel zu wenig Beachtung geschenkt worden ist.

Zu viele "Erwachsene" kompensieren das Unglück bzw. die Langeweile ihrer Beziehung mit dem Glück ihrer Kinder, die Mutter mit dem des Sohnes, der Vater mit dem der Tochter.

Dadurch können diese Jugendlichen auch keine Erwachsenen werden; die Eltern nehmen ihnen die Kraft zur Reife
Eines von mehreren Beispielen habe ich hier aufgezeigt.

Woran man sie erkennt, die Nicht-Erwachsenen:

1. Sie suchen gern und bevorzugt die Schuld bei anderen.
- Gern ist auch das Leben an sich eine Fehlkonstruktion.
- Die Politiker sind an allem schuld, die Ärzte, der Chef ist eh ein Arsch ...

2. Nicht-Erwachsene jammern gern und viel.

3. Nicht-Erwachsene verschweigen gern ihr Alter.

4. Ihr Geburtstag ist ihnen gar nicht wichtig (sie selber sich ja auch nicht).

5. Wenn sie etwas tun, weiß es die ganze Welt ...

6. Man hat immer einen Ersatz-Erwachsenen, z.B. den Chef, den Pfarrer, den lieben Gott, Udo Jürgens, das Bankkonto, den Rundum-Rechtsschutz ...

7. Der Vater sagt von seiner Tochter: Sie ist mein ein und alles.
Die Mutter sagt/denkt es von ihrem Sohn.

8. So stumpf, wie die Augen für den Ehepartner sind, so glänzend sind sie für das Kind.

9. Das Glück von anderen torpediert ein Nicht-Erwachsener, wo es geht. Oft geschieht das unbewusst. Ist es bewusst, dann ist es unsäglich liederlich und niederträchtig.

Kennen Sie nicht auch Menschen, denen Sie voller Freude etwas erzählen und die Sie mit womöglich nur einer Aussage auf den so genannten Boden der Tatsache zurückbringen ... ach ja, sagen Sie dann, so habe ich das noch gar nicht gesehen ... über ihre Freude spricht dann niemand mehr ... Sie auch nicht ... Freude am Leben ... was für ein Luxus ... und wie gefährlich ... wie konnte ich nur ... bin ich kindisch, naiv ...

Nein, Sie waren nicht naiv, ihr inneres Kind sonnte sich in Glück ... und wirklich gesund leben und sich sonnen kann das nur, wenn auch der innere Erwachsene gesund ist!

Menschen, die Glück, auch unser Glück nicht ertragen, sind in höchstem Maße toxisch; bei mir war es leider die eigene Mutter.

PS: Man kann das Nicht-Erwachsensein auch gekonnt kaschieren durch diverse Süchte: durch Sexsucht, Sportsucht, Arbeitssucht, Fernsehsucht, Computersucht, Freßsucht (wenn man schon nicht zu sich steht, dann so, dass man sich kaum erkennt) ...

Über einen, der ganz arbeitswütig-süchtig schrieb, weil er sich seine große Vaterwunde von der Seele schreiben wollte, habe ich hier geschrieben; es ist ein menschlich erschütterndes Dokument; mich jedenfalls erschüttert es jedes Mal ...

PPS: Gute Sätze zum Thema habe ich bei Regenfrau gefunden:

Teilweise geholfen hat mir das Buch: erwachsen – von Ashley Davis Prend,
dort las ich einen Auszug von Frank Pittmann:
Das Erwachsenenalter ist befreiend. Erwachsene könnnen sich selbst definieren und müssen sich nicht von denen definieren lassen, denen sie gefallen oder nicht gefallen wollen. Wenn wir erst frei sind, aus eigenem Antrieb, die richtigen Dinge zu tun, dann werden wir diese wahrscheinlich auch tun. Und wenn wir wissen, dass wir das tun, dann hat das viel mehr Kraft, uns glücklich zu machen.

Das Erwachsenenalter ist angenehm. Erwachsene sind geworden, was sie werden wollten. Der schreckliche Kampf mit Veränderungsprozessen in Körper und Seele ist vorüber. Die Angst und Verzweiflung sind fort. Wir sind angekommen. Wir sind in der Welt daheim. Wir können uns entspannen und vor der Schlafenszeit ins Bett gehen, ohne Angst haben zu müssen, etwas zu versäumen.


Sonntag, 6. Juni 2010

Über den Segen des Todes - es gibt den Tod, solange die Menschen ihn umbringen wollen!

Ich könnte auch schreiben:
Es gibt ihn, solange die Menschen seiner bedürfen.

Zeit heilt Wunden, pflegt man zu sagen. Und wer ein großes Unglück erlebt hat, weiß dankbar zu schätzen, dass in der Tat der zeitliche Abstand zu jenem schmerzvollen Geschehen zur Linderung der Schmerzen beiträgt.

Wenn man es genauer formulieren würde, müsste man schreiben:
Schlaf heilt Wunden.

Unsere Erfahrungen in Bezug auf körperliche Schmerzen zeigen uns, was wir für den seelischen oft schwerer nachvollziehen können:
Wer einmal einen Zahn gezogen bekam oder operiert wurde und Schmerzen hat, weiß, wie dankbar man fürs Einschlafen ist, denn meistens, wenn man aufwacht, ist der Schmerz geringer.
Unsere Wunden heilen, wenn die Helfer des Unbewussten ohne Einwirkung des Verstandes ihre Arbeit leisten können.
Wie dankbar sind wir manchmal schon gewesen, wenn wir einschlafen durften.

Das Einschlafen aber ist der kleine Bruder des Todes.
Warum sind wir nicht dankbar auch für ihn?
Die Antwort ist bekanntlich einfach:
In Bezug auf das Einschlafen haben wir ein Bewusstsein davon, dass wir wieder aufwachen werden - genau an der Stelle, an der wir eingeschlafen sind.
Deshalb macht uns das Einschlafen keinen Kummer.
Dieses Bewusstsein aber haben wir von dem Tod nicht.

Viele Menschen unseres Kulturkreises haben kein Bewusstsein davon, dass sie wieder aufwachen werden als Mensch mit Fleisch und Blut. Sie denken, der Tod sei etwas Endgültiges. Jedenfalls hat sich dieses Denken erfolgreich durchgesetzt und maßgeblich beigetragen dazu hat die römische Kirche, indem sie radikal allen abweichenden "Tendenzen mit dem Beschluss des Konzils zu Konstantinopel 553 unter Kaiser JustinianI. offiziell ein Ende (setzte). Darin wurde festgelegt:

´Wer eine fabelhafte Präexistenz der Seele lehrt, der sei verflucht.´ {...} Das hinderte aber nicht, dass sich einzelne immer wieder zu der verbotenen Idee bekannten, ja dass selbst Dante die Wiederverkörperung unter besonderen Umständen für möglich hielt."
(aus J. Hemleben: "Jenseits. Ideen der Menschheit über das Leben nach dem Tod")

Seit dem Konzilsbeschluss jedenfalls glauben die meisten das, was sie glauben sollen. Doch ist die Liste der Menschen im deutschen Sprachraum lang, die sich trotz angedrohter Verfluchung - antichristlicher kann eine Kirchenführung kaum formulieren - nie davon abhalten ließen, an die Wiederkehr der Seele zu glauben, und das, obwohl sich deren Gegner nach Kräften bemühten und bemühen, die Befürworter zu verunglimpfen. 
Zu denen, die sich nicht beirren ließen. gehören Goethe, Wilhelm Busch, Heinrich Heine, Lessing, Novalis, Kant, Kleist, Schiller und andere mehr.
Im Übrigen weisen die bei uns vorhandenen Bilder wie die des Sensenmannes und des Schnitters - so gruselig sie fälschlicherweise auf uns wirken - darauf hin, dass unsere Leben wie auch das Getreide geschnitten werden, dass aber im nächsten Jahr, je nachdem, wie wir gesät haben, neue Ähren sich zeigen werden.
Gäbe es eine Ernte ohne den Schnitter? Ohne die Sense?
Auch im Winter scheint die Natur tot. Dabei erholt sie sich nur.

Eigentlich dürfen wir dem "Tod" dankbar sein.
Anstatt ihn um die Ecke bringen oder diskriminieren zu wollen, sollten wir ihn feiern.
Schließlich liegt es an uns, ob und wie viel wir ernten.

Wir bedürfen nach einem Leben der Erholung. Nur scheinbar sind wir tot, denn wir setzen unser Leben nur auf einer immateriellen Ebene fort. Und manche, die glauben, es käme der Himmel, werden zur Kenntnis nehmen müssen, dass sie genau das Bewusstsein mitnehmen, das sie hier auf der Erde hatten.
Es kann sein, dass ihr Bewusstsein nicht reicht, um im Leben nach dem Leben dies überhaupt zu bemerken.
Lebten sie bewusst-los, sind sie auch tot im Tod; genau das ist die Hölle. Sie ist nichts anderes als ein schrecklicher Grauzustand der Seele.
Es ist, wie wenn jemand durch die Nacht tappt und nichts sieht.
Aber auch hier gibt es Abstufungen - die christliche Mystik unterscheidet nicht von ungefähr zwischen Hölle und Fegefeuer -, so wie es nicht nur einen Himmel gibt, sondern sieben. Und auch diese sind jeweils siebenfach unterteilt.
Ich vermute, wir wären erstaunt, wenn wir wüssten, wie viele Seelen sich an dem Ort. den wir Hölle nennen, befinden, die hier berühmte Entertainer, Stars, Politiker und Kardinäle waren.

Als meine Mutter nach langem Leiden starb, habe ich mich gefreut, dass sie sterben durfte. Wie wir aus der ein oder anderen Kultur wissen, dass Menschen anlässlich des Todes weiße Kleider anziehen, so hätte ich das am liebsten auch getan als Ausdruck der Freude, dass meine Mutter sich nun erholen darf.
Am liebsten hätte ich auch den pflichtgemäß Trauernden und den künstlich Zerknitterten gesagt: Ihr dürft euch freuen. Meine Mutter schläft; und dieser Schlaf ist ihr großer Wohltäter.

PS: Vielleicht ist es bezeichnend, dass wir in unserem Kulturkreis glauben, der Tod sei männlich.
Vielleicht ist er, der Tod, in Wahrheit eine liebevolle Frau und vielleicht leidet sie vor allem unter der Ablehnung und dem Hass der Menschen.

Und dennoch tut sie in Liebe ihre Pflicht.