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Donnerstag, 9. April 2026

Auferstehung zu heiliger Spiritualität

Gemessen an der Tatsache, dass die Beziehung zwischen Sexuellem, auch zwischen Sexualität und Christusbewusstsein zu den fundamentalsten Aspekten im Werk Rudolf Steiners zählt, wurde ihr von ihm recht wenig Raum eingeräumt. Obwohl ein Sigmund Freud damals die Sexualität wissenschaftlich hoffähig machte, war sie dennoch für viele Menschen ein Tabuthema - übrigens auch noch heute. Ich vermute, Steiner hat die Zeitumstände berücksichtigt. 

Was allerdings von großer Bedeutung ist, ist die Tatsache, dass er sich in Sachen Sexualität und Liebe in einen eklatanten Widerspruch verwickelte. So formulierte er in zwei Vorträgen 1912, dass Sexualität und Liebe gar nichts miteinander zu tun hätten 

Es ist deshalb von großer Bedeutung, weil viele Anthroposophen - natürlich beiderlei Geschlechts - dem geistlosen Verständnis von Sexualität und Liebe auf den Leim gegangen sind - man kann sich nicht des Eindrucks verwehren, dass sie den geistigen Fehltritt Steiners noch heute gern nutzen, um sich dem Thema der Sexualität zu entziehen. Ich gehe in diesem Video darauf ein. In der Anthroposophie ist Sexualität kein Thema

Es ist jedoch zugleich so, dass wir es Steiner verdanken, den unmittelbaren Zusammenhang zwischen Sexualität und Christusbewusstsein sehen zu können - wer es denn will, vielleicht ja auch bald einige Anthroposophen. Steiner hat den Ursprung der Sexualität in geistiger Liebe betont, 1904, 1905 und 1923.

Notwendig ist eine bewusste Auferstehung, eine bewusste Hinwendung zum Thema der Sexualität, denn das Christusbewusstsein, will es sich in unserem Leben realisieren, bedarf dieser Hinwendung. Vor allem aber wäre es Aufgabe der Anthroposophie, Jugendlichen zu vermitteln, welche Bedeutung körperliche Liebe für die Bewusstseinsentwicklung eines Menschen haben kann, wie sehr sie Einfluss nehmen kann auf die Entwicklung des Ätherleibes hin zu einem Leib des Lichtes und der Liebe.

Unter diesem Aspekt sehe ich auch das Engagement der Maria Magdalena, das ich in den ersten beiden Videos zum Thema der spirituellen Sexualität angesprochen und dem ich mittels wertvoller Zitate Raum gegeben habe. In ihren Worten wird u. a. deutlich, warum in unserer Zeit eine göttliche Weiblichkeit, der sich gerade Frauen bewusst zuwenden sollten, so wichtig und wertvoll ist. In den abschließenden Worten im Rahmen dieses Videos ist es ein Mann, White Eagle, der diese Sicht unterstützt.





PS Hier die beiden Beiträge auf "Freie Anthroposophie" - auch der gelöschte: 



- der gelöschte: 

Montag, 21. Juli 2025

Die 6. Reue Sophias und Jahn J Kassls Lichtweltverlag – seine schauderhafte Jesus-Biographie.

Jesus lobte zunächst den Beitrag des Philippus im Rahmen des fünften Reuegesangs der Sophia, indem jener mit dem 88. Psalm Davids, so die Formulierung im Text, die Lösung ihrer Reue gab.

Lösung führt zu Erlösung.
Was aber bedeutet Erlösung?
Es ist die Lösung, die Überwindung unserer alten gedanklichen Muster, das Ende der Knechtschaft durch niedere Gedankenformen. Wer sich dahin gearbeitet hat, der spürt, dass tatsächlich Gedanken Gewicht haben, nach unten ziehen, denn die Erleichterung ist fühl- und spürbar. Warum? - Der Christus-Logos hat Raum, in unser Inneres einzuziehen, und dieser Logos hat alles andere als ein Gewicht der Schwere, er hebt die Seele vielmehr himmelan. Wem es widerfährt, der beginnt zu fühlen: die Seele kann tatsächlich fliegen. Wie schrieb Eichendorff in Mondnacht: „Und meine Seele spannte / Weit ihre Flügel aus, / Flog durch die stillen Lande, / Als flöge sie nach Haus." 
Dieser große Spätromantiker hat sich noch nicht getraut, das Heimkommen im Indikativ anzusprechen; er verwendet noch den Konjunktiv „als flöge“.
Die Zeit ist gekommen zu schreiben: unsere Seele fliegt nach Hause!

Bevor ich die Worte wiedergebe, mit denen Jesus den sechsten Reuegesang der Sophia kundtut, möchte ich das zweite von vier Beispielen einbringen, mit denen (angebliche) Christen, ob bewusst, halbbewusst oder unbewusst ihren eigenen Sinneswandel - das griechische Wort lautet hierfür Metanoia, Luther übersetzte es mit Buße - , ihre eigene mögliche Reue hintertreiben.
Dass man, wie im letzten Beitrag angesprochen, bei Franz Alt von „unbewusst“ sprechen kann, halte ich für ausgeschlossen; die Verleugnung des Todes am Kreuz geschieht ja bewusst.
Selbiges gilt auch für Jahn J. Kassl, dem 2009, so ist bei Amazon in den biographischen Angaben zu lesen, der Auftrag (wie es ominös heißt) erteilt worden war, den Lichtweltverlag zu gründen (natürlich durch die Geistige Welt - wie kann es bei Kassl anders sein!?). Seit 2005 - so lesen wir - werden ihm nahezu täglich auf medialem Wege Botschaften übermittelt. Wie am Schnürchen veröffentlicht er Bücher und die Prominenz derer, die ihm die Bücher und Botschaften channeln, ist kaum zu überbieten (Erzengel Michael, Saint Germain, Anastasia, Gott, Jesus …); seine Leserschaft steigt ständig an, heißt es, und regelmäßig finden öffentliche Lichtlesungen im Lorely-Saal in Wien statt, die auf Video aufgezeichnet werden und auf You Tube einsehbar sind. Ich bin ihm über Danielle Gernandt begegnet, die regelmäßig eigene mediale Botschaften mit Channelings von Kassl abwechselt, indem sie per Video aus den Büchern von Kassl vorliest. Vielleicht, weil für mich ihre Stimme bei den Kassl-Botschaften ziemlich unnatürlich klingt, fiel mir die Fragwürdigkeit von dessen Inhalten auf, die ich mittlerweile für frei erfunden halte (mehr zu Danielle Gernandt im Rahmen der 7. Reue). Ich kaufte mir die von ihm herausgegebene Jesus-Biographie, Teil I, und las mit Erstaunen (S. 29 der 2. Auflage 2008):
Die Zeit und die Ereignisse in Jerusalem spitzten sich aber zu, und so kam der Tag, an dem ich Jerusalem verließ.
Das letzte Abendmahl deutet darauf hin.
Es war ein Abschiedsfest, und alle waren versammelt.
Wir aßen Datteln und Feigen und teilten das Brot. Es war mein Abschied von meinen Freunden und Weggefährten. Auch von meiner Frau und von meiner Mutter.
Es waren nicht nur zwölf bei diesem Fest, sondern wesentlich mehr, und alle kamen, mir Lebewohl zu sagen. Die Geschichte lässt euch glauben, dass danach meine Kreuzigung stattfand.
All diese Darstellungen sind unwahr und falsch!
Und auf S. 81 finden wir unter der Kapitelüberschrift Die Kreuzigung:
Ich bin Jesus Christus und begrüße dich, geliebtes Erdenkind.
Es ist eine wundervolle Zeit, in der ihr lebt, und alle, die sich entschließen, ihre Begrenzungen aufzugeben, erwartet die ewige Glückseligkeit.
Heute will ich euch weitere Neuigkeiten zu meinem Leben auf Erden geben, damit ihr loslassen könnt von alten Vorstellungen. Damit diese Hindernisse von euch gehen und ihr einen klaren Blick bekommt.
Wie bereits eingangs gesagt, bin ich weder gekreuzigt worden noch am Kreuz gestorben. (…)
Es gab keinen Verrat, von wem auch immer.
Ganz leicht konnten mich die römischen Soldaten finden.
Rudolf Steiner, der auch über den Verrat sprach, begründete übrigens sehr genau, warum ohne den Verrat des Judas die römischen Soldaten Jesus womöglich hätten nicht identifizieren können. Steiner schrieb über die Situationen, die der Jesus Kassls anspricht, wesentlich differenzierter, ohne dass er sein Buch eine Biographie genannt hätte.
Bei Kassl gibt Jesus sodann seinen Wortwechsel mit Pilatus wieder, aber er ist nicht, wie in der Bibel, ein Verhör, sondern „eher ein Gespräch“ - so die von Jesus via Kassl höchstselbst gegebene Bezeichnung. Überhaupt weist der Kassl-Jesus darauf hin, dass „es für mich kein Leid, keinen Schmerz (gab).“

Was in den Evangelien steht: offensichtlich dummes Geschwätz!

Und so heißt es auch folgerichtig auf S. 135:
Die Auferstehung ist genauso erfunden, wie der Tod am Kreuz. Das Leid in diesem Erdenleben als wünschenswert hinzunehmen, um im Jenseits die Früchte zu ernten, war das menschenverachtende Spiel der dunklen Kräfte. (…)
Dennoch aber gibt es sie, die Auferstehung.
Es ist das Wiedergeboren-werden, das Auferstehen, um sich seiner Wirklichkeit hinzuwenden.
Um deine Gottheit in dir wieder zu erlangen, bedarf es deiner Auferstehung. Das Erwachen in deinen ewigen Geist, hier im Jetzt, mündet in die Auferstehung. Du bist wiedergeboren und auferstanden, selbst-bewusst und voller Achtung für dich und deine Mitmenschen.
Frei von Leid, Angst und Sorge.
Warum der Kassl-Jesus von „Wiedergeboren-werden“ spricht, obwohl doch gar niemand gestorben ist, bleibt sein bzw. Kassls Geheimnis.

Einiges in der Biographie wird, verglichen mit dem Evangelien, so möchte ich sagen, vom Fuß auf den Kopf gestellt. Ob Jesus froh war, dass er mittels Jahn J Kassl endlich einmal die „Wahrheit“ kundtun konnte?

Der eigentliche Text der Biographie umfasst 152 Seiten, wobei angemerkt sein will, dass ich kein Buch kenne, bei dem so wenig Buchstaben auf einer Seite zu finden sind; der Zeilenabstand ist bemerkenswert groß, ebenso die Schrift.

Die Informationen zum Leben Jesu möchte ich zurückhaltend als dürftig, spärlich und oberflächlich bezeichnen, und wenn man beispielsweise sie vergleicht mit denen Rudolf Steiners in dessen Fünftem Evangelium, in dessen Rahmen über die Zeit des Lebens Jesu zwischen seinem zwölften Lebensjahr und dem Beginn seines Wirkens, wie es dann die Evangelien aufgreifen, berichtet wird, wird deutlich, dass doch eine große Berechtigung vorhanden sein könnte, sein Geld von Kassl zurückzuverlangen. Jesus hat uns in dem, was Kassl „Jesus-Biografie“ nennt, bedauerlicherweise sehr wenig über sein Leben verraten.
Teil II, 2011 erschienen, bringt übrigens - laut Kassl - „ein Ausmaß von Liebe auf die Erde, das alles bisher Gewesene bei Weitem übertrifft“ (ich würde, wenn jemand Kassl als den Trump der Esoterik bezeichnet, nicht unbedingt widersprechen wollen).

Ernsthaft gesprochen ist für mich Kassl ein spiritueller Scharlatan.

Am Ende des Buches hat Kassl eine Kurzbiographie von sich gegeben. Sie ist ein besonderes Schmankerl esoterisch selbstbeweihräuchernden Zeitgeistes und ich gebe sie auf meinem Wortbrunnen-Blog wieder.

Es folgt nun die 6. Reue, ich nehme aber zunächst vorweg, was Jesus am Ende dieser Reue seinen Jüngerinnen und Jüngern sagen wird, weil dadurch deutlich wird, wie wertvoll diese Reuen sind, wie wichtig es der Seele ist, Geduld zu haben; die Spreu wird vom Weizen getrennt werden und die tyrannischen Götter werden um die vollständige Reinigung ihres Lichtes durch das Feuer der Weisheit nicht herumkommen:
Armen, Armen, ich sage euch: Ich werde euch in allen Mysterien des Lichtes [den Geheimnissen der höheren Himmel] und in allen Gnosen [Wissensgebieten] vollenden, vom Inneren der Inneren bis zu den Äußeren der Äußeren, vom Unaussprechlichen bis zur Finsternis der Finsternisse, vom Licht der Lichter bis zu der Materie [dem gefangenen Licht also], von allen Göttern bis zu den Dämonen, von allen Herren bis hinunter zu den Dekanen, von allen Gewalten bis zu den Dienern, von der Schöpfung der Menschheit bis zu der der Tiere, der Rinder und der Reptilien, so dass ihr Vollkommene genannt werdet, vollendet im ganzen Pleroma [Gesamtheit der göttlichen Königreiche].
Amen, Armen, ich sage euch: In der Region, wo ich im Königreich meines Vaters sein werde, dort werdet auch ihr mit mir sein. Und wenn die vollkommene Zahl [der vervollkommnete Körper der Menschheit] erfüllt ist, so dass die Mischung vergeht [das gegenwärtige Programm von Licht und Finsternis], werde ich befehlen, dass sie alle tyrannischen Götter, die nicht die Reinigung ihres Lichtes geopfert haben, bringen werden, und ich werde dem Feuer der Weisheit, über das die Vollkommenen gehen werden, befehlen, diese Tyrannen zu verzehren, bis sie die letzte Reinigung ihres Lichtes gegeben haben.

Die 6. Reue Sophias
1  Dir habe ich Loblieder gesungen, oh Licht, unten aus der Finsternis.
2  Höre meine Reue, und möge dein Licht den Klang meiner flehentlichen Bitte beachten.
3  Oh Licht, wenn du über meine Sünde nachdenkst, werde ich nicht in der Lage sein, in deine Gegenwart zu kommen, und ich werde verloren sein.
4  Denn du, oh Licht, bist mein Erlöser; und wegen des Lichtes deines Namens habe ich an dich, oh Licht, geglaubt.
5  Und meine Kraft hat an dein Mysterium geglaubt; meine Kraft hat auf das Licht vertraut, als sie in der Höhe war, und sie vertraute darauf, als sie im Chaos darunter war.
6  Lass alle Kräfte in mir Vertrauen in das Licht haben, wenn ich unten in der Finsternis bin, und mögen sie [die Kräfte] wieder Vertrauen auf das Licht finden, wenn sie in die Region der Höhe zurückkehren.
7  Denn das Licht hat Mitleid mit uns und rettet uns; ein großes Mysterium der Rettung ist in ihm.
8  Und alle Kräfte werden vor dem Chaos gerettet werden wegen meines Vergehens, denn ich bin aus meiner Region hinausgegangen, um in das Chaos darunter einzutreten.
Nun also, wer immer Verstehen hat, der möge verstehen.
Und es geschah, als Jesus diese Worte an seine Jünger zu sprechen beendet hatte, dass er zu ihnen sagte, „Wisst ihr, in welcher Weise ich mit euch rede?
Andreas trat vor und sprach, „Mein Herr, über die Lösung der sechsten Reue von Pistis Sophia hat deine Lichtkraft früher schon durch David in dem 130. Psalm prophezeit, worin sie sprach:
1  Aus den Tiefen habe ich zu dir gerufen,YHWH.
2  Mein Herr, höre meine Stimme; mögen deine Ohren auf die Stimme meiner Gebete merken.
3  Wenn du, oh Yah, meine Laster bemerken solltest, wer könnte überleben?
4  Denn bei dir ist Vergebung; um deines Namens willen habe ich auf dich gewartet.
5  Meine Seele wartet du auf dein Wort.
6  Meine Seele hat auf den Herrn gewartet, mehr als der Wächter auf den Morgen. Israel warte weiterhin auf den Herrn vom Morgen bis zum Abend.
7  Denn bei YHWH steht die liebende Güte, und bei ihm ist überfließende Erlösung.
8  Und er wird Israel aus all seinen Lastern erlösen.

Die Erfahrung der Erlösung von alten Gedankenformen machen zu dürfen, ist fast unvergleichlich. König David ist ja mehr als ein König, er ist wahrlich ein Prophet, er spricht an, dass wir, wenn wir zum geistigen Israel gehören, von allen (!) Lasten befreit werden werden. Zunehmend können wir, was noch in der Zukunft liegt, zu unserer Gegenwart machen und auf welchen Ebenen dann Erlösung im umfassenden Sinne geschieht, erfasst J.J. Hurtak in seinen kommentierenden Worten:
Auf der Ebene des Individuums (in einem dreidimensionalen Körper) kommt sie [die Erlösung] durch die Fähigkeit, den Lichtkörper mit dem Christus zu verinnerlichen; auf der Seelenebene bringt sie die volle Macht des Lichts zur Verwandlung und Wiedervereinigung der Seele-Geist-Einheit; auf der planetaren Ebene findet Erlösung durch die Erfüllung der zur Belehrung der Menschheit gegebenen Heiligen Schriften statt, und letztendlich durch die Befreiung, die im Auszug aus Ägypten exemplifiziert ist; auf der universalen Ebene geschieht Erlösung durch den Göttlichen Logos, der die Lebenskraft aller lokalen Welten in das gereinigte Sohn-Universum einverleibt, wo die vielen Erfahrungen und Experimente durch den Einfluss des Göttlichen, das sich in der Existenz manifestiert und zum Aufstieg des Universums führt, erlöst werden können.
Anmerken möchte ich bei dieser Gelegenheit, wie wichtig es ist, das Alte Testament angemessen zu verstehen. Wer das tut, dem kann leider nicht entgehen, dass noch viele Menschen in der Gefangenschaft und Knechtschaft des alten Ägypten sich befinden. Sie haben den Ruf eines Mose noch nicht vernommen.

Freitag, 18. Juli 2025

Die fünfte Reue Sophias. – Franz Alt und sein Golgathaverständnis: "Weiche von mir, Satan!"

Wie groß und überzeugend ist die Bereitschaft Sophias im Rahmen ihres vierten Reuegesangs zu einer fundamental ehrlichen Bestandsaufnahme, zu einer schonungslosen Analyse ihrer Situation, wie groß die Bereitschaft zu benennen, wie das Verhältnis des Lichtes zu ihr ist und wie sehr sie auf die Rettung durch das Licht hofft.

Sie beginnt ihren fünften Reuegesang mit einem Lob auf das Licht, um dann wieder überzugehen zu einer schonungslosen Bestandsaufnahme ihrer Situation verbunden mit einem Ausblick voller Hoffnung.
Ihr Umgang mit ihrer Situation mag eine Hilfe, ja - wenn wir wollen - eine Vorlage sein für uns, wie wir mit dem Licht und Gott sprechen können.

Die Realität von sogenannten Christen in unserem Land sieht zum Teil gänzlich anders aus. Wie selbstgefällig und überheblich handeln und reden manche, wie bar echter Reue. Ich möchte dies zu Beginn dieses und der drei folgenden Reuegesänge an vier Beispielen deutlich machen.

Einige unter uns dürften Bücher von Franz Alt kennen oder gar gelesen haben, bekannt sind vor allem „Frieden ist möglich. Die Politik der Bergpredigt.“ bzw. „Liebe ist möglich. Die Bergpredigt im Atomzeitalter.“
Mit „Jesus – der erste neue Mann.“ fand sich Franz Alt auf Platz 1 der Spiegel-Bestsellerliste. Insgesamt listet Wikipedia über 30 von ihm geschriebene Bücher und Veröffentlichungen auf. In den Buchrezensionen werden ihm immer wieder Lobeshymnen gesungen, die kritischen Rezensionen gehen aber sehr eindeutig im Hinblick auf sein Wirken in Richtung ideologischer Vorstellungen, die sich an modisch-kritischen Themen unserer Zeit orientieren (der ökologische Jesus, der pazifistische Jesus, der feministische Jesus), immer wieder wird ihm auch New-Age-Besserwisserei und eine gewisse parteipolitische Haltung mit erkennbarem Hang zur Selbstdarstellung vorgeworfen; in diesen Zusammenhang gehören seine offenen Briefe an Helmut Kohl und Angela Merkel, und als ob er noch nicht ausgelastet genug gewesen sei, engagierte er sich noch in dem Bahn-Bauprojekt "Stuttgart 21".

Für mich ist die entscheidende Frage: Leuchtete Franz Alt bei seinem vielen Schreiben das Licht, nach dem eine Sophia so strebte, erstrebte er die Weisheit, die uns Sophia vermitteln kann, gerade deshalb, weil sie durch tiefe und lichtlose Täler ging? Finden wir bei ihm diese Demut gegenüber dem Licht, die eine Sophia auszeichnet? Oder ist Franz Alt einfach nicht weise, sondern ein typischer Intellektueller unserer Zeit, nicht weise also, sondern schlau?

Ich war doch sehr verblüfft, als ich von einem Mann, der mehrere Bücher über Jesus geschrieben hat und von dem man doch also annehmen darf, dass er um den zentralen Punkt von Jesu Mission auf der Erde weiß, in einem Video den Satz hörte:
Ich kann mir gut vorstellen, dass das ganze Ostergeheimnis nichts anderes ist als eine Nahtoderfahrung (…) Das ist für mich kein Glaubensproblem, sondern eine Frage des gesunden Menschenverstandes.
Wenn Jesus Franz Alts Buchtitel nach der erste neue Mann ist, dann eigentlich doch deshalb, weil durch sein Wirken und Sein für uns Menschen der Weg zur Auferstehung gebahnt wurde, zur Auferstehung eines neuen Bewusstseins, was dadurch möglich wird, dass mit und in Jesus auf Golgatha der göttliche Sohn Christus stirbt, ein Geschehen in einer Dimension, die vielen Menschen noch in seiner Bedeutung nicht wirklich zugänglich ist.
Goethe hat darum gewusst, sein Gedicht „Selige Sehnsucht“ beginnt deshalb mit: „Sagt es niemand, nur den Weisen, / Weil die Menge gleich verhöhnet, / Das Lebend’ge will ich preisen, / Das nach Flammentod sich sehnet.“
Goethe wusste, dass das Geheimnis um den Flammentod der Seele, die in seinem Gedicht als Schmetterling diesen Tod erleidet, nur wirklich weisen Menschen zugänglich ist. Deshalb spricht der bloß schlaue Franz Alt von einem nicht wirklichen Tod, sondern von einem Nahtod. Er hat den Tod Jesu, der für alle Tode steht, die Menschen seelisch sterben, wenn etwa fundamental Neues in ihnen auferstehen will, nicht verstanden.
Goethe lässt uns in der letzen Strophe wissen: „Und so lang du das nicht hast, / Dieses: Stirb und werde! / Bist du nur ein trüber Gast /Auf der dunklen Erde.“
Um den Sinn unserer Existenz auf der Erde wissen wir nur, wenn wir die Bedeutung des Todes von Jesus verstehen. Weil er diesen Weg ging, dürfen wir heute in einem irdischen Leben zu dem Bewusstsein der Auferstehung gelangen. Wir sterben auch in diesem Leben oder einem folgenden den Tod auf Golgatha, jeder auf seine Weise.
Dann dürfen wir auch Pfingsten erleben.

Das alles hat Franz Alt nicht verstanden Für ihn gibt es keinen wirklichen Tod Jesu, deshalb kann es für ihn auch keinen wirklichen Ostersonntag geben, keine Auferstehung, kein Pfingsten.

Eine bemerkenswerte Stelle, die Alt mehr als nur zu denken hätte geben müssen, finden wir in Matthäus 16:
Wir lesen, dass Jesus seine Jünger darauf vorzubereiten beginnt, dass er nach Jerusalem gehen und dort sterben, dass er aber am dritten Tag auferstehen wird (so sprach er und das steht dort klipp und klar !)
Da nahm ihn Petrus beiseite und begann, ihn zurechtzuweisen, und sagte: Das soll Gott verhüten, Herr! Das darf nicht mit dir geschehen! Jesus aber wandte sich um und sagte zu Petrus: Weiche von mir, du Satan! Ein Ärgernis bist du mir, denn du hast nicht das im Sinn, was Gott will, sondern was die Menschen wollen.
Wie viel hat der Mann, Franz Alt, über Jesus und die Bergpredigt geschrieben!! Verstanden hat er weder sie noch ihn! Auch wenn es noch so klug klingt, wie und was er schreibt. Deshalb kommt in Wirklichkeit nichts Wertvolles in unserer Seele an in dem, was er von sich gibt.
Was er tut, ist ja noch gravierender als das, was Petrus macht: Jesus weist die Jünger darauf hin, dass er sterben wird, Alt aber sagt: In Wirklichkeit ist er gar nicht gestorben …
Jesus würde zu ihm sagen und, ich vermute, er hat es bereits getan:"Weiche von mir, Satan!"

Wenn Alt über Liebe schrieb, dann hat er die größte Liebestat, die alle Liebe göttlich machen kann und will, gar nicht verstanden: diese göttliche Liebe beendet durch den realen Tod Jesu die Trennung von Tod und Leben; in dem Sinn, wie wir heute über Tod und Leben denken, das gibt es für Menschen, die sich zu einem Christus-Bewusstsein zu entwickeln vermochten, nicht mehr.
Das aber versteht der gesunde Menschenverstand nicht, das versteht ein Franz Alt nicht.
Denken in göttlichem Sinne ist nicht mehr linear, dieses Denken ist unbeschreiblich und deshalb ist die Weisheit einer Sophia so schwer zu erfassen; es kann nur der erfassen, dem das alte Denken stirbt. Wenn Menschen aber dieses Sterben, dieses Goethesche „Stirb“ nicht haben, dann fehlt ihnen auch das „Werde“ dann bleibt ihr Denken, so formuliert es Goethe, trübe, so wie ihr Dasein.

Franz Alt schrieb und schrieb und schrieb; wie ein Don Juan auf der Suche und Sucht nach Liebe von Bett zu Bett sprang und sie doch nie erreichte, so springt Franz Alt von Buch zu Buch, weil er sich das Verständnis von Liebe und Weisheit auf diese Weise erschreiben wollte. In Wirklichkeit hatte er Angst, etwas Entscheidendes in sich sterben zu lassen.

Warum ich darüber schreibe: All den vielen Büchern Alts fehlt die göttliche Weisheit, das göttliche Licht. Es kann in ihnen nicht vorhanden sein. 
Für mich ist wichtig, dass wir vorsichtig sind mit dem, was Menschen so Schlaues sagen und schreiben. Für mich ist wichtig, dass wir ein Gespür dafür entwickeln, ob Menschen mit dem wahren Licht, das Sophia so intensiv suchte und fand, in Kontakt sind - vielleicht sind sie es nicht immer, aber doch immer wieder. Ob sie in Kontakt mit der wahren Weisheit sind, nicht immer, aber ob sie danach streben, das ist wichtig.
Zu solchen Menschen sollten wir uns hingezogen fühlen und sie suchen, mit ihnen in Gemeinschaft gehen, Menschen, die wissen, warum Jesus Christus für uns ganz real auf Golgatha starb! Oft sind es keine Vielschreiber. Aber die Gemeinschaft mit ihnen und ihre ehrlichen Worte tun unserer Seele gut. Und gut für unsere Seele ist, wenn wir zu Menschen mit einem Verstand a là Franz Alt und ihrem tödlich kranken Bewusstsein sagen: "Weiche von mir, Satan!
"
Weil Jesus Petrus liebte, wies er ihn so deutlich zurecht! Dann kann Erkennen, kann Metanoia, kann Reue einsetzen.

Wenden wir uns der fünften Reue zu und denken wir daran, dass Sophia nur im Wirrwarr des Chaos, dem sie ausgesetzt ist, ihren Bedarf an Göttlichkeit und das Wirken der Gottheit erkennen kann. Aus der Verwirrung und dem Chaos in den niederen evolutionären Welten wird letztlich für Sophia und für uns der eigentliche Wandel hervortreten.
Dann werden, wie es in der 4. Reue heißt, selbst alle Archonten der materiellen Welt, dich, oh Licht fürchten, andere dagegen – wie eben auch Sophia – werden sich mit dem gereinigten Licht kleiden. 
Vollziehen wir den Weg der Reue mit, dass auch wir dieser Kleidung teilhaftig werden:

5. Reue
Und es geschah, als alle materiellen Emanationen von Selbst-Willen schwer auf ihr lasteten, dass Sophia laut weinte und die fünfte Reue gab, indem sie sprach:
1 Oh Licht meiner Erlösung, ich singe dir Lob in der Region der Höhe und auch im Chaos.

2 Ich singe dir Lob in meinem Lied, mit dem ich in der Höhe Hymnen bildete, und mit dem ich an dich Hymnen bildete, als ich im Chaos [in den niederen Welten] war. Möge es deine Gegenwart erreichen, und bitte höre, oh Licht, auf meine Reue.

3 Meine Kraft ist in die Finsternis gesunken, und mein Licht ist ins Chaos abgestiegen.

4 Ich selbst werde wie die Archonten des Chaos, sie, die in die Finsternis unten hinabgestiegen sind; ich werde zu einem materiellen Körper, ohne jemanden in der Höhe, der mich errettete.

5 Ich werde auch wie die Substanzen, deren Kraft aufgebraucht ist und in das Chaos ausgeschieden werden, solche, die du nicht in der Erlösung für wert befandest und die auf dein Gebot hin übriggelassen werden, um zu vergehen.

6 Nun haben sie mich unten in die Finsternis gestellt, in tote Finsternisse und Materien, die keine Kraft in sich haben.

7 Du hast dein Gebot über mich gebracht und alles, was du bestimmt hast,

8 und dein Geist hat sich zurückgezogen und mich verlassen. Auch sind auf deinen Befehl die Emanationen meines Äons mir nicht zu Hilfe gekommen, sondern haben mich verabscheut und sich von mir ferngehalten, und immer noch bin ich nicht vollkommen ausgelöscht.

9 Aber mein Licht ist in mir geschwächt, und ich habe mit allem Licht, das mir noch geblieben ist, nach dem Licht gerufen, und ich habe meine Hände nach dir ausgestreckt.

10 Nun, oh Licht, wirst du nicht dein Gebot im Chaos erfüllen, und die Befreier, werden sie nicht kommen, wie du es ihnen befohlen hast, in der Finsternis aufzustehen, um deine Jünger zu sein?

11 Werden sie nicht das Mysterium deines Namens im Chaos sprechen?

12 Oder werden sie eher deinen Namen in der Substanz des Chaos sprechen, die du nicht reinigen wirst?

13 Doch ich habe dich gepriesen, oh Licht, und meine Reue wird dich in der Höhe erreichen.

14 Möge dein Licht über mich strömen,

15 denn sie haben mir mein Licht genommen, und ich bin seit der Zeit, da ich emaniert wurde, in heftigem Schmerz wegen dem Licht. Und nachdem ich auf das Licht in der Höhe geblickt hatte, blickte ich nach unten auf die Lichtkraft im Chaos; und ich machte mich auf und stieg hinab.

16 Dein Gebot fand mich, und die Ängste, die du für mich festgelegt hast, führten mich in Verwirrung.

17 Und sie haben mich wie zahlreiche Wasser umzingelt, sie haben mich fortwährend gemeinsam zu jeder Zeit ergriffen.

18 Und durch dein Gebot hast du meinen Schutz-Emanationen nicht gewährt, mir zu Hilfe zu kommen, noch hast du meinem Gepaarten erlaubt, mich aus meinem Leiden zu erlösen.
🌟

Dies ist die fünfte Reue, welche Pistis Sophia im Chaos von sich gab, als alle materiellen Emanationen von Selbst-Willen sie weiterhin bedrohten.
(...)
Jesus spricht: Nun komme du, Philippus, nach vorn und verkünde die Lösung der fünften Reue von Pistis Sophia, und nimm dann wieder deinen Platz ein und schreibe alle Belehrungen, die ich äußern werde, bis die Zahl deines Anteils der Aussagen über das Königreich des Lichts, die du aufzeichnen sollst, vollendet ist.

Und Philippus antwortete und sprach zu Jesus, „Mein Herr, höre mir zu, dass ich die Lösung ihrer Reue gebe. Denn deine Kraft hat darüber früher durch David im 88. Psalm prophezeit, indem er sprach:

1 YHWH, Gott meiner Errettung, bei Tag habe ich nach dir gerufen, des Nachts habe ich vor dir gewartet.

2 Lass mein Gebet vor dir aufsteigen; neige dein Ohr meinem Lied.

3 Denn meine Seele ist mit Elend durchtränkt, und mein Leben nähert sich den unteren Tiefen.

4 Ich bin mit jenen gezählt, die in die Grube hinabgehen; ich bin wie ein kraftloser Mann geworden.

5 Ich werde wie die Toten, die frei sind, betrachtet, wie die Geschlagenen, die in Gräbern liegen, an die du dich nicht mehr erinnerst und die von deiner helfenden Hand abgeschnitten sind.

6 Du hast mich in die niederste Grube gelegt, in die Finsternis der tiefsten Schlucht.

7 Dein Zorn hat sich auf mich geheftet, und deine Wellen haben mich gepackt. Selah.

8 Du hast mir meine Freunde entfremdet; du hast mich ihnen zum Abscheu gemacht. Ich bin eingesperrt, und ich kann nicht heraus.

9 Meine Augen trauern wegen meiner Not; ich habe nach dir gerufen YHWH, jeden Tag; meine Hände habe ich nach dir ausgestreckt.

10 Wirst du für die Toten Wunder wirken? Werden nicht jene, die niedergeworfen wurden, aufstehen und dich preisen? Selah.

11 Werden sie nicht bestimmt deinen Namen in den Gräben aussprechen?

12 Und deine Rechtschaffenheit im Land des Vergessens?

13 Und zu dir, YHWH, rufe ich um Hilfe, und am Morgen ist mein Gebet früh vor dir.

14 Warum verbirgst du dein Angesicht vor mir?

15 Denn ich bin betrübt und nahe am Tod. Ich erhöhte mich selbst und wurde gedemütigt.

16 Dein strenger Zorn überwältigte mich, und deine Schrecken haben mich zum Schweigen gebracht.

17 Sie umkreisen mich wie Wasser den ganzen Tag; sie überschwemmen mich alle gleichzeitig.

18 Du hast mir den Freund und Gefährten entfremdet; meine Bekannten werden von meinem Leid ferngehalten.“
🌟

Dies ist nun die Lösung des Mysteriums der fünften Reue, die von Pistis Sophia gegeben wurde, als man sie im Chaos verfolgte.

Freitag, 18. April 2025

Karfreitags- und Osterbotschaft

Der Geist Gottes hat mich gesandt, den Armen das Evangelium zu verkünden, den Gefangenen zu predigen, dass sie frei sein sollen, und den Blinden, dass sie sehen sollen, und die Zerschlagenen zu entlassen in die Freiheit. (Lukas 4,18)

Meditation:
Du hast uns befreit und uns gelehrt, dass es eine größere Wirklichkeit gibt. Wir bitten Dich nun, dass Du unsere Sünden und Begrenzungen erlöst, jede einzelne von Ihnen. Wir bitten Dich, dass Du uns „den Weg“ lehrst, wie wir sie loslassen, damit wir uns aus diesem „Null-und-Nichtig-Bewusstsein" lösen und uns von den eigenen Leiden befreien. Unsere Begrenzungen gehören nicht mehr zu uns, wir sind befreit worden! Jetzt wissen wir, dass ein Leben mit solchen Bewusstseinsbegrenzungen und Gedanken der Verzweiflung eine Verletzung unseres höheren Geburtsrechts darstellt, da wir Söhne und Töchter Gottes sind.

Visualisation:
Wir sehen, wie unser menschlicher Körper vom Kreuz des Leidens abgenommen und in den größeren Lichtkörper verwandelt wird, so wie es dem Leib des Auferstandenen Christus geschah. Jede Zelle unseres Fleisches ist nun durch das Licht befreit! Schließlich sehen wir Christus in seinem Glorreichen Lichtkörper – in Frieden und Liebe, weit über dem Leiden auf der Erde – da wir das Hervortreten eines neuen Zustands der Erneuerung in den Himmel schauen.


(16) DER LEIDENDE GOTTESKNECHT
in "SALVATOR MUNDI: Die Sechsundsiebzig Heiligen Namen des Kosmischen Christus" (J.J. Hurtak und Desiree Hurtak)

Donnerstag, 27. Februar 2025

🌺 ENTKREUZIGT EUCH 🌺

In J. J. Hurtaks „Die HEILIGEN SEPHIROT im Lichte der Schlüssel des Enoch“ fand ich im Rahmen einer Meditation Sätze, die einen entscheidenden Impuls für unsere Entwicklung zu geben vermögen; es heißt da:
„Strecken wir daher unsere Hände aus und nehmen - Ecce Homo - diesen Körper vom Kreuz. Denn bei der Geburt wurden wir auf das Kreuz genagelt, doch nun befreien wir uns vom Kreuz von Raum und Zeit, um die Erde zu umarmen.
„Ecce homo“ - die Worte aus der lateinischen Bibelübersetzung, der Vulgata, die Pilatus sprach und mit denen er am liebsten erreicht hätte, dass das durch die Pharisäer aufgepeitschte Volk auf eine Kreuzigung Jesu verzichtet hätte - im Griechischen finden wir, übersetzt, die Formulierung „Sieh, der Mensch!“ - haben sich ins Gedächtnis der Menschheit eingebrannt. Jahr für Jahr haben sie über ziemlich genau 2000 Jahre wieder und wieder das Bild des gekreuzigten Menschen in unser Inneres gemeißelt.

Mit dem heutigen Tag - wenn wir wollen - und dem Ostern diesen Jahres kann das ein Ende finden und eine neue Zeit anbrechen, indem wir uns selbst für immer vom Kreuz lösen und damit er-lösen. Wir dürfen erkennen, dass der Tod eines Gottes, Christus, im Körper des Menschen Jesus damals notwendig war, damit einer den Weg, auf den es ankommt, bahnt und die Not der Menschheit sich wenden und endlich endlich enden kann.

Wir leben in einer Zeit, in der wir nicht mehr physisch sterben müssen, damit in uns ein neues Bewusstsein aufersteht.
Nur: Es geht nicht anders, als dass wir uns selbst vom Kreuz nehmen und nicht auf irgendeine Instanz, womöglich die Kirche (die sich ja wirklich selbst vom Kreuz nehmen muss), warten.

Wir können einander umarmen und zwölfmal die Worte „Ain Soph“ sprechen - damit schließt die Meditation.

"Ain Soph", wörtlich übersetzt „nicht endlich“, ist das göttlich grenzenlose Urlicht, aus dem unter anderem unser Universum entstand, eine der vielen göttlichen Wohnungen …

PS Die gesamte Meditation zusammen mit hinführenden Worten aus dem Buch des Wissens („Die Schlüssel des Enoch“, S. XVIII) gebe ich auf meinem Blog „Wortbrunnen“ wieder, vermutend, dass sie möglicherweise nur dem in Gänze sich erschließen, der die ´Schlüssel´ studieren konnte, vor allem die vorausgehenden Absätze. Doch können die wiedergegebenen Worte vermitteln, dass wir in einer Zeit leben, in der das Zeitalter der Kirche endet und das Zeitalter des Geistes sich immer intensiver ankündigt, das Zeitalter des Ruach Ha Kodesh, das Zeitalter des Heiligen Geistes.

https://lmy.de/FQdQo





Samstag, 8. April 2023

OSTERN KANN LEBEN RETTEN, KANN SEELEN VERJÜNGEN

Eines der anschaulichsten Dokumente und Belege hierfür verdanken wir Goethe und was er im Verlauf seines Lebens als persönliche Wahrheit niederschreiben konnte, denn in den ersten Fassungen des „Faust“ kommt jene Szene nicht vor, als Faust kurz davor ist, sich das Leben zu nehmen, er den braunen Saft schon in die Phiole eingefüllt hat und zu sich sagt:
Der letzte Trunk sei nun, mit ganzer Seele,
Als festlich hoher Gruß, dem Morgen zugebracht!
(Er setzt die Schale an den Mund.)
in der Regieanweisung heißt es dann weiter:
Glockenklang und Chorgesang.
Und der Text fährt fort_
CHOR DER ENGEL:
Christ ist erstanden!
Freude dem Sterblichen,
Den die verderblichen,
Schleichenden, erblichen
Mängel unwanden. 

FAUST:
Welch tiefes Summen, welch heller Ton
Zieht mit Gewalt das Glas von meinem Munde?
Verkündigt ihr dumpfen Glocken schon
Des Osterfestes erste Feierstunde?
Ihr Chöre, singt ihr schon den tröstlichen Gesang,
Der einst, um Grabes Nacht, von Engelslippen klang,
Gewißheit einem neuen Bunde?

Wenn eine große Seele wie Goethe nicht in der ersten Fassung, dem Urfaust, und auch nicht in der ersten Veröffentlichung („Faust. Ein Fragment“) diese Zeilen eingebracht hat, dann deutet das auf etwas Wichtiges hin: 
die oben zitierten Zeilen sind ihm als ein Seelenereignis zuteil geworden. Deshalb können sie Jahre später auf einmal auftauchen.

Faust ist dabei, Selbstmord zu machen, zu verzweifelt ist er, nachdem ihn der Erdgeist hat abfahren lassen, wo er sich doch wie ein Gott vorkam und nun sich wie ein Wurm vorkommt, der den Staub durchwühlt.

Der Chor der Engel und Fausts Fragen sind nicht nur etwas Hingeschriebenes, ein guter Einfall. Sie sind in der Goetheschen Realität, in seiner Seelenrealität ein Ereignis. - Ostern ist ihm Wirklichkeit. Seelische Wirklichkeit.
Mir stellt sich die Frage, wie tief meine Oster-Realität geht ....
Ostern gibt es nur wirklich in der Tiefe der Seele.

Viele dichterische Figuren tauchen ja auf dem astralen Plan gar nicht auf - oder nur sozusagen als Mumien. Das Personal eines Shakespeare, zum Teil auch das eines Goethe, das ist dort vorhanden. Es ist erlebte und zu erlebende Realität, die sich auch in die Seelen der Leser oder Zuschauer einschreiben kann.

Goethe hat mit seiner Seele begriffen: Es gibt diese Osterglocken, diese Ostertöne. Christ ist erstanden. Warum also sollte ich sterben?

Ostertöne und Osterglocken retten Leben.

Sie können das, weil sich die Seele eines Faust, eines Goethe erinnert, was ihm sich als Kind und Jugendlicher in sein Inneres eingeschrieben hat - wie schlimm, dass das heute kaum mehr geschieht. Es ist eine unserer wichtigsten Aufgaben, Kindern und Jugendlichen von all dem wieder zu erzählen - wenn möglich, von Herzen.

 Jedenfalls sind die folgenden Goetheschen Zeilen kein Zufall, sie sin geboren aus tiefer Seele:

Was sucht ihr, mächtig und gelind,
Ihr Himmelstöne, mich am Staube?
Klingt dort umher, wo weiche Menschen sind.
Die Botschaft hör ich wohl, allein mir fehlt der Glaube;
Das Wunder ist des Glaubens liebstes Kind.
Zu jenen Sphären wag ich nicht zu streben,
Woher die holde Nachricht tönt;
Und doch, an diesen Klang von Jugend auf gewöhnt,
Ruft er auch jetzt zurück mich in das Leben.
Sonst stürzte sich der Himmelsliebe Kuß
Auf mich herab in ernster Sabbatstille;
Da klang so ahnungsvoll des Glockentones Fülle,
Und ein Gebet war brünstiger Genuß;
Ein unbegreiflich holdes Sehnen
Trieb mich, durch Wald und Wiesen hinzugehn,
Und unter tausend heißen Tränen
Fühlt ich mir eine Welt entstehn.
Dies Lied verkündete der Jugend muntre Spiele,
Der Frühlingsfeier freies Glück;
Erinnrung hält mich nun, mit kindlichem Gefühle,
Vom letzten, ernsten Schritt zurück.
O tönet fort, ihr süßen Himmelslieder!
Die Träne quillt, die Erde hat mich wieder! 

Tränen sind im Werk Goethes oft ein Zeichen der Verjüngung.

Ostern kann eine Seele retten.
Ostern kann unsere Seele verjüngen.

Montag, 18. April 2022

"Und die Stimme erkennend" - ein Augenblick tiefster Seligkeit. - Noch einmal zum Passionsgeschehen aus der Sicht Anna Katharina Emmericks





 

(vorausgegangen auf diesem Blog war ein Auszug in Bezug auf das Karfreitagsgeschehen aus der Sicht der Anna Katharina Emmerick - siehe vorausgehender Beitrag)

Magdalena aber sah ich wieder in den Garten und zu dem Grabe eilen, sie war vom Laufen und von Trauer ganz wie von Sinnen. Sie war vom Tau ganz durchnässt, ihr Mantel war ihr vom Kopf auf die Schultern gesunken und ihre langen Haare waren aufgelöst herabgefallen. Weil sie allein war, scheute sie sich, gleich in die Felsenhöhle hineinzutreten, sondern sie verweilte auf dem Rande der Vertiefung vor dem Eingang der Vorhalle. Hier beugte sie sich nieder, um durch die tiefer liegende Tür in die Vorhalle gegen das Grablager zu schauen, und in dem sie ihre vorfallenden langen Haare mit den Händen fassend zurückhielt, sah sie zwei Engel in weißen priesterlichen Kleidern zu Häupten und Füßen des Grablager sitzen und hörte zugleich die Stimme von einem derselben: „Weib, was weinst du?“ Und sie rief in ihrem Jammer aus (denn sie wusste und dachte an nichts, als dass der Leib des Herrn nicht mehr da sei): „Sie haben meinen Herrn weggenommen und ich weiß nicht, wo sie ihn hingelegt haben.“  

Dies sagend und nichts als die Tücher sehend, wandte sie sich sogleich wie eine Suchende um, sie meinte, sie müsse ihn überall finden, sie war im dunklen Gefühle seiner Nähe, und selbst die Erscheinung der Engel konnte sie nicht irre machen. Es war, als denke sie gar nicht, dass diese Engel seien, sie konnte an nichts denken, als an Jesus, nichts als: Jesus ist nicht hier, als: wo ist Jesus? Und ich sah sie einige Schritte vor dem Grabe hin und wieder irren wie eine ganz verwirrt suchende Person, ihre langen Haare hingen ihr links und rechts über die Schulter hervor, sie strich einmal die Masse der Haare auf der rechten Schulter durch beide Hände, dann hatte sie die beiden Haarströme in beiden Händen und schlug sie zurück und schaute umher, da sah sie etwa zehn Schritte von dem Grabfelsen gegen Morgen, wo der Garten gegen die Stadt aufsteigt, zwischen dem Gebüsche hinter einem Palmbaum eine lange, weiß bekleidete Gestalt in der Dämmerung und hörte, darauf zustürzend, abermals die Worte: „Weib, was weinst du? Wen suchst du?“ Sie hielt die Gestalt aber für den Gärtner, und ich sah sie auch mit einer Schaufel in der Hand und einem flachen Hut, der einem Stück gegen die Sonne vorgebundener Baumrinde glich, gerade wie ich den Gärtner in der Parabel gesehen, die Jesus den Frauen kurz vor seinem Leiden in Bethanien erzählte, und seine Erscheinung war nicht leuchtend, sondern gleich der eines Menschen in der Dämmerung in langem weißem Gewande. Auf die Worte: „Wen suchst du?“, erwiderte sie sogleich: „Herr, hast du ihn weggetragen, so sage mir wohin, ich will ihn holen!“ Und zugleich schaute sie wieder umher, ob er ihn nicht in der Nähe habe; da sagte Jesus zu ihr mit gewohnter Stimme: „Maria!“ Und die Stimme erkennend und Kreuzigung, Tod und Begräbnis vergessend, als lebe er, sagte sie, sich augenblicklich wendend, wie sonst: „Rabboni (Meister)!“ und fiel vor ihm auf die Knie und streckte die Arme nach seinen Füßen aus. Jesus aber hob die Hand abwehrend gegen sie und sprach: „Rühre mich nicht an, denn ich bin noch nicht aufgefahren zu meinem Vater; gehe aber zu meinen Brüdern und sage es ihnen: Ich fahre auf zu meinem Vater und eurem Vater, zu meinem Gott und zu eurem Gott.“ Da verschwand der Herr. – Ich hatte auch eine Erklärung, warum Jesus sagte: „Rühre mich nicht an“, ich bin mir aber derselben nicht mehr ganz bewusst. Ich meine, er sprach dies, weil sie so ungestüm war und ganz in dem Gefühl, als lebe er wie sonst, und alles sei, wie sonst.

[nach Rudolf Steiner ist, wenn ich mich recht entsinne, Jesus Christus nicht in seinem physischen Leib auferstanden, sondern in seinem erleuchteten Ätherleib, der sich physisch nicht umarmen lässt; Maria Magdalena, die diesen Ätherleib hellsichtig wahrnahm, setzte ihn wohl mit dem physischen Leibe gleich; in ihrer folgenden Erklärung, scheint mir, ist sich Anna Katharina Emmerick dieser Tatsache aus ihrer Erinnerung heraus, die sie ja Clemens Brentano mitteilte, nicht (mehr) bewusst]

Über die Worte Jesu, er sei noch nicht aufgefahren zu seinem Vater, hatte ich die Erklärung, er habe sich noch nicht nach seiner Auferstehung seinem himmlischen Vater dargestellt und ihm noch nicht für seinen Sieg über den Tod und für die Erlösung gedankt. Es war, als sage er ihr hierdurch, die Erstlinge der Freude gehörten Gott, sie solle sich erst besinnen und Gott danken für das vollendete Geheimnis der Erlösung und des Sieges über den Tod; denn sie hatte seine Füße wie sonst umarmen wollen, sie hatte an nichts gedacht, als an ihren geliebten Meister, und das ganze Wunder in der Heftigkeit ihrer Liebe vergessen. Ich sah aber, wie Magdalena nach dem Verschwinden des Herrn sich aufraffte und, als sei sie im Traum gewesen, nochmals dicht an das Grab hinlief; da sah sie die beiden Engel auf dem Grab sitzen, hörte, was die Frauen gehört von der Auferstehung, sah die Tücher liegen und eilte nun, des Wunders und ihres Gesichtes ganz gewiss, hinaus, ihre Begleiterinnen zu suchen auf dem Weg gegen Golgatha, denn sie wandelten dort noch zagend umher, teils Magdalenas Rückkehr erwartend, teils in Begierde, den Herrn irgendwo zu sehen. Alles, was mit Magdalena geschah, währte nur ein paar Minuten; es mochte etwa halb drei sein, da ihr der Herr erschienen, und als sie kaum den Garten hinausgelaufen war, eilte Johannes in denselben hinein und Petrus dicht hinter ihm her. Johannes stand auf dem Rande vor dem Eingang und bückte sich durch die Tür der Vorhalle nach der halb offenen Grabtür schauend und sah die Tücher liegen. Nun kam Petrus und ging hinab in die Höhle und vor das Grablager und sah die Grabtücher hier in der Mitte des Lagers von beiden Seiten gegen die Mitte zusammengerollt, es waren die Gewürze hineingewickelt und die Binde war darum geschlungen, so wie Frauen dergleichen Tücher zum Aufbewahren zusammenzurollen pflegen, das Angesichtstuch aber lag rechts davon gegen die Wand und war auch geordnet. Hierauf folgte Johannes dem Petrus auch an das Grablager, sah dasselbe und glaubte an die Auferstehung, denn es wurde ihnen nun klar, was der Herr gesagt und was in der Schrift stand, sie hatten das vorher nur so obenhin genommen. Petrus aber nahm die Tücher unter seinem Mantel mit, und sie eilten hinaus durch das Pförtchen des Nikodemus, Johannes aber lief dem Petrus wieder voraus.

Ich habe mit ihnen das Grab besehen und auch mit der Magdalena, und ich sah beidemal die beiden Engel zu Häupten und Füßen sitzen, wie immer und auch wie die ganze Zeit, während der Leib Jesu im Grabe lag. Es schien mir aber, als habe Petrus sie nicht gesehen. Johannes hörte ich nachher zu den Jüngern von Emmaus sagen, dass er von der Vorhöhle schauend einen Engel gesehen habe. Vielleicht ließ er, dadurch erschreckt, den Petrus voraus, und meldete es nicht im Evangelium, aus Demut, um nicht mehr gesehen zu haben als Petrus.

Ich sah aber nun erst die herumliegenden Wächter sich erholen und aufraffen. Und sie nahmen ihre Spieße und Feuerkessel, welche an der Tür des Einganges auf Stangen gebrannt und einen Schein hineingeworfen hatten, und ich sah sie scheu und verstört aus dem Garten eilen und gegen das Tor der Ausführung hin zur Stadt ziehen. 

Magdalena hatte indessen die heiligen Frauen aufgefunden und ihnen erzählt, dass sie es Petrus gesagt, und jetzt den Herrn im Garten und dann die Engel gesehen habe, und die Frauen erwiderten ihr, dass auch sie die Engel gesehen. Nun eilte Magdalena zur Stadt durch das nahe Ausführtor, die Frauen aber gingen wieder gegen den Garten, vielleicht um die beiden Apostel dort noch zu finden, und ich sah die Wächter an ihnen vorüberziehen und einige Worte zu ihnen sprechen.

In der Nähe des Grabgartens trat den heiligen Frauen die Erscheinung Jesu in einem weiten weißen Gewand, das selbst über die Hände niederhig, entgegen und sprach: „Seid gegrüßt!“ Da bebten sie und sanken ihm zu Füßen, und es war, als wollten sie seine Füße umfassen, wessen ich mich jedoch nicht deutlich erinnere. Ich sah aber, dass der Herr einige Worte zu ihnen sprach, mit der Hand nach einer Gegend deutete und verschwand, worauf die heiligen Frauen durch das Bethlehemstor nach Sion eilten, den Jüngern im Cönaculum zu sagen, dass sie den Herrn gesehen und was er zu ihnen gesprochen. Diese aber wollten anfangs weder ihnen noch Magdalenas Aussagen irgendwelchen Glauben schenken und hielten bis zur Rückkehr des Petrus und Johannes alles für Einbildung der Frauen.
Johannes und Petrus, der vor Staunen ganz tiefsinnig geworden war, trafen auf ihrem Rückweg Jakobus den Kleineren und Thaddäus an, welche ihnen zum Grabe hatten folgen wollen. Auch diese beiden waren sehr erschüttert, denn der Herr war ihnen nahe bei dem Cönaculum erschienen. Ich sah aber, dass Jesus dem Petrus und Johannes vorübergegangen war, und Petrus schien mir ihn gesehen zu haben, denn diesen sah ich plötzlich in großer Erschütterung. Ob auch Johannes ihn erkannt, weiß ich nicht.

Ich sehe jetzt in diesen Bildern in Jerusalem und anderen Orten den Herren und andere Erscheinungen öfter hier und da in Gegenwart anderer Menschen ganz deutlich, ohne zu bemerken, dass diese ihn auch sehen. Manchmal sehe ich einzelne plötzlich erschüttert und staunend, während die anderen ganz gleichgültig sind. Es ist, als sähe ich den Herrn immer, bemerke aber zugleich, dass die Leute ihn damals nur dann und wann gesehen.

Ebenso sah ich die beiden priesterlichen Engel im Inneren des Grabes von der Grablegung des Herrn an immer, sah aber auch, dass die heiligen Frauen diese Engel manchmal nicht, manchmal nur einen derselben, und dann wieder beide erblickten. Die Engel, welche die Frauen anredeten, waren die priesterlich erscheinenden Grabengel. Es redete nur einer derselben und wurde nur einer, als die Tür nicht ganz offen war, von ihnen gesehen; der Engel, der wie ein Blitz vom Himmel niederfuhr, den Stein vom Grab rückte und sich auf ihn setzte, erschien in der Gestalt eines Kriegers. Cassius und die Wächter sahen ihn anfangs auf dem Steine sitzen. Die nachher sprechenden Engel waren die beiden oder einer der Engel des Grabes. Warum dieses alles so geschah, ist mir nicht mehr erinnerlich, als ich es sah, wunderte es mich nicht, dann ist alles, wie es ist, ganz recht und nichts scheint seltsam.

(…) es erschienen nach Jesu Auferstehung noch viele Seelen verstorbener heiliger Juden hier und da vielen Leuten aus ihren Nachkommen, die noch einer Gnade und Rührung fähig waren, und erschütterten ihr Herz zur Bekehrung. Auch zu vielen Jüngern, welche, im Glauben erschüttert, sich mutlos im Lande zerstreut hatten, sah ich solche Erscheinungen kommen, die sie trösteten und im Glauben festigten. Das Aufstehen der toten Leiber aus ihren Gräbern nach Jesu Tod hatte keine Ähnlichkeit mit der Auferstehung des Herrn, denn Jesus stand mit seinem nun erneuten, verklärten Auferstehungsleibe auf, wandelte lebend am Tage auf Erden und fuhr mit diesem seinem Leibe vor den Augen seiner Freunde zum Himmel, und es war dieser sein Leib nicht mehr dem Tode und dem Grabe unterworfen. Jene auferstandenen Leiber aber waren nur wandelnde, bewegungslose Leichen, den Seelen zur Hülle gegeben und wurden von diesen wieder in den Schoß der Erde abgelegt, wo sie die Auferstehung am jüngsten Tage mit uns allen erwarten. Ja sie waren weniger vom Tode auferstanden als Lazarus, der wirklich lebte und später zum zweiten Male starb; denn sie wurden als ein Kleid der Seele wieder abgelegt in die Gräber, da der Leib Jesu auch zu Grabe gebracht worden war.


PS.  (betrifft Facebook-Gruppe https://bit.ly/3ObGgXs)

In einem abschließenden Beitrag möchte ich in den nächsten Tagen darauf eingehen, was mir im Rahmen der wiedergegebenen Auszüge selbst sehr bemerkenswert ist (natürlich freue ich mich, wenn das auch andere tun, im Rahmen eines eigenen Beitrages oder mittels Kommentaren).
Die Mitteilungen der Anna Katharina Emmerick könnten im Übrigen einen Hinweis darauf geben, warum unter den Jüngern keine Frau war und sie bestätigen mir, dass Maria Magdalena die Lebensgefährtin von Jesus gewesen sein könnte. 


Samstag, 3. April 2021

Von Christian Wagners "Ostersamstag" zum "Nürnbrechter Auferstehungslied": Auferstehen werd auch ich!

Es gibt Leben, die währen einen Ostersamstag lang. Auch um sie weiß das Gedicht Christian Wagners, dieses alle Pflanzen und Tiere liebenden Dichters aus Warmbronn, nahe Leonberg, der dem Nachbarn, wiewohl selbst nicht gerade betucht, Vieh abkaufte, damit es nicht geschlachtet werde.

Kurt Tucholsky hat über ihn geschrieben:

(…) er fühlte die tiefe Zusammengehörigkeit zwischen Tier, Mensch und Pflanze, Stein und Stern. Und er liebte das alles. ... Er war dogmenlos fromm. ... Er war allerdings ein Landmann; er hat die Natur gekannt, aber das Hälmchen war ihm kein Anlaß, 'Duliöh!' zu schreien oder ein knallig angestrichenes Gemüt leuchten zu lassen. Er war ein in sich gekehrter Künstler und wohl wert, daß wir ihn alle läsen und verehrten.
 
Auch sein Gedicht Ostersamstag ist wert, gelesen zu werden, weil es über einen Tag spricht, der noch nach so vielen Jahren dem Seelenzustand der Menschheit 2021 gleicht:


Wie die Frauen
Zions wohl dereinst beim matten Grauen
Jenes Trauertags beisammen standen,
Nicht mehr Worte, nur noch Tränen fanden,

So noch heute
Stehen, als in ferne Zeit verstreute
Bleiche Zionstöchter, Anemonen
In des Nordens winterlichen Zonen.

Vom Gewimmel
Dichter Flocken ist ganz trüb der Himmel.
Traurig stehen sie, die Köpfchen hängend,
Und in Gruppen sich zusammendrängend.

Also einsam,
Zehn und zwölfe hier so leidgemeinsam,
Da und dort verstreut auf grauer Öde,
Weiße Tüchlein aufgebunden jede.

Also trauernd,
Innerlich vor Frost zusammenschauernd,
Stehn alljährlich sie als Klagebildnis
In des winterlichen Waldes Wildnis.

Warum ziehen diese Zeilen sicherlich nicht wenige Menschen sogleich und so sehr in ihren Bann?
Wir wissen, dass in Mythen und Gedichten Frauen und das Weibliche für die Seelen der Menschen stehen und diese, auch unsere Seelen, darum wissen, dass es Situationen gibt und Zeiten, in denen uns Worte fehlen und nur noch Tränen sprechen.

Wir alle sind diese Töchter Zions.

Aber die Verse ziehen auch in ihren Bann, weil da einer schreibt, der ein Meister seines Faches ist und so sehr darunter zu leiden hatte, dass über viele Jahre er kaum jemanden fand, der das erkannte (wenn ich mich recht entsinne: seine erste Gedicht-Sammlung veröffentlichte er mit 50 Jahren und finanzierte sie selbst). Und wäre nicht Hermann Hesse gewesen, der sich rührend darum kümmerte, dass er für seine Gedichte einen Verleger fände - die Briefe, die sie sich schrieben, sind überliefert und zeugen von großer gegenseitiger Hochachtung -, wer weiß, vielleicht wüssten heute noch weniger Leute von ihm, als es eh der Fall ist.

In einem Brief vom 19. September 1911 schrieb Christian Wagner an den schon berühmten Dichterkollegen:

„(…) daß ein Bauer sich anmaßt Sonette zu schreiben, in Hexametern zu dichten, - das grenzt an Gotteslästerung. - Was raten Sie mir“?

In des winterlichen Waldes Wildnis

Seine Meisterschaft zeigt sich von Beginn an:

„Wie die Frauen“: die erste Zeile im zweihebigen Trochäus gefasst, und die wenigsten werden wohl das Wort erwarten, das - durch den Zeilensprung noch leise vorenthalten - dann folgt, auch nicht erwarten, wie es rhythmisch weitergeht mit Zeilen im fünfhebigen Trochäus, nicht von jenen Töchtern Zions berichtend, die aufjauchzen und sich freuen, wie wir sie aus dem Adventslied kennen, nein, es sind jene, die Anemonen gleichen, im Schneetreiben stehend, über sich den trüben Himmel.

Manchmal fühlen Menschen mehr mit, wenn sie den Anderen als Blume wahrnehmen.

Womöglich fühlen sie dann in solcher Gestalt auch tiefer sich selbst.
Christian Wagner wusste darum.
Ein Grund, warum so eindrucksvoll immer wieder Blumen im Mittelpunkt seiner Gedichte stehen.

Die ersten Verse jeder Strophe lesen sich, hintereinandergereiht, wie eine inhaltliche Zusammenfassung, und es gibt den Ostersamstag und seine Atmosphäre wieder, dass wir als letzten Auftakt finden: „Also trauernd“.

Da ist etwas gestorben, eine Zeit ist zu Ende gegangen, und die Töchter Zions wissen nicht, was auf sie zukommt.
Und es ist jemand gestorben, um den sie trauern.

Auch den Menschen dieser Tage geht es so.


Von Christus spricht kaum jemand.

Das Gedicht endet mit eindrucksvollen Alliterationen.
Unser Seelenwald muss keineswegs eine Wildnis sein. Hier aber ist es so.
Es ist winterlich, obwohl doch Ostern meist den Frühling ankündigt.

Des von mir so verehrten Bauerndichters Verse berühren, weil sie mehr, als wir es vielleicht wahrhaben wollen, dieser unserer Zeit entsprechen.
Die Welt scheint mitten im Winter, viele Menschen gleichen bleichen Zionstöchtern. Ein Virus hat sie im Griff.
Von Christus spricht kaum jemand.

Ein innerer Ostersonntag scheint weiter weg denn je und ja, es wäre gut, wenn die Töchter Zions weniger Worte fänden; dann würden sie vielleicht nicht ständig nur über das eine Thema reden, nur über Impfen und Lockdown und eine große Müdigkeit, die die Seelen der Menschen erfasst.

Manchmal ist Schweigen notwendig, damit die Seele neue Worte finden kann, bisher nie gesagte Worte.
Über Nacht, in der Nacht von Ostersamstag auf Ostersonntag kann so viel geschehen. Vor allem, wenn wir schweigen.
Was dann möglich ist?


Auferstehen werd auch ich!

Ich sehe den 10-jährigen Johannes in der Kirche sitzen, die die 17 Jahre seiner Frankfurter Kindheitszeit begleitet. Zunächst war sie eine Baracke, die Ersatz dafür war, was der Krieg zerbombt hatte.

Doch die Kindergottesdienste vergisst er nie, wenn der Pfarrer Gottwald, immer als Belohnung, wenn wir seinen Bibelworten brav zugehört hatten, zum Abschluss seine Abenteuer-Fortsetzungsgeschichten erzählte. Auf dem provisorischen Altarpodest sehe ich ihn vor mir; ich glaube, er war selbst ganz gebannt davon, wie er erzählen konnte.

Dann wurde erfolgreich für den Wiederaufbau gesammelt, auch für die neue Orgel.

Noch heute sehe ich mich auf der Längsseite der Empore sitzen, als ich zum ersten Mal in der neuen Kirche den Ostersonntag-Gottesdienst erlebte, die neue Orgel fest im Blick.

Zum Abschluss spielte der Organist, zugleich Leiter des Posaunenchores, in dem ich später dann mitspielte und der mir schon deshalb unvergessen ist, weil ich einmal seinem Vater, der neben mir Waldhorn spielte, den Gummipfropfen des Notenständerfußes, der sich unglücklicherweise von jenem gelöst hatte und so einfach auf dem Boden lag, in den Schalltrichter seines Waldhorns beförderte, so dass er minutenlang zu seinem Entsetzen keinen Ton mehr herausbrachte und ich dann auch nicht, weil die Situation immer dramatischer wurde …

Zum Abschluss jedenfalls spielte der Organist ein Lied, das ich noch heute höre.

Es ist als Nürnbrechter Auferstehungslied bekannt, wahrscheinlich von dem damaligen Pfarrer Ernst Hermann Thümmel ins oberbergische Nümbrecht gebracht.

Seine erste Strophe lautet:

Auferstanden,
auferstanden ist der Herr,
und im ewgen Lichtgewande der Verklärung wandelt er
Und im ewgen Lichtgewande der Verklärung wandelt er.


Die folgenden Strophen waren für mich, seitdem ich sie recht schnell auswendig kannte - und sind es bis heute - immer so eindrücklich, weil sie so bildmächtig waren und sind:

 

Hocherhaben, 

über Sternen glänzt sein Thron, 

freundlich spendet er uns Gaben, ist der Seinen Schild und Lohn. 

Freundlich spendet er uns Gaben ist der Seinen Schild und Lohn!


Keiner bebe! 

Der Erhöhte ruft uns zu:

ich war tot und sieh ich lebe; leben, leben sollst auch du.

Ich war tot und sieh ich lebe; leben, leben sollst auch du.


O ihr Gräber, 

nein vor euch erbeb ich nicht,

weil des edlen Lebens Geber euch erhellt mit seinem Licht.

Weil des edlen Lebens Geber euch erhellt mit seinem Licht.



Ich weiß noch, dass ich an jenem Sonntag in kurzen Hosen auf dieser Empore saß, mit Kniestrümpfen und Sandalen an den Füßen.

Und dass ich nicht zum Mitsingen kam, weil ich die Töne der Orgel in mich aufsog.

Diese neue Orgel - ich meine, das alte Harmonium, immer von Pfarrer Gottwald selbst gespielt, konnte da nicht mehr mithalten: was sie für Töne hervorbrachte … ich war einfach hin und weg.

Die Pause zwischen der vierten und fünften, der abschließenden Strophe dauerte ein paar Sekunden länger, denn der Organist zog, was ich so sah, in möglichster Blitzesschnelle an verschiedenen Hebeln.

Dann kam es wie ein Brausen vom Himmel.
Eine Orgel kann wirklich brausen.

Die Töne durchfluteten jeden Stuhl und jeden Stein des neuen Kirchengebäudes und ja - heute würde ich denken, die Orgel war für diese Kirche etwas überdimensioniert: die Mauern bebten wirklich. Ich bekam fast ein wenig Angst.

Ich vergesse dieses Brausen, dieses Fluten der Töne und dieses Beben nie und auch deshalb tönt noch heute diese letzte Strophe immer wieder in mir:


Auferstehen,

auferstehen werd auch ich 

und den Auferstandnen sehen, wenn er kommt und wecket mich.

Und den Auferstandnen sehen, wenn er kommt und wecket mich.

Sonntag, 12. April 2020

Wohl genug ist´s, dass die Menschheit grausend / Marterwege wandelte Jahrtausend, / Zeit nun ist´s, dass sie, befreit von Sorgen, / jetzund feire Auferstehungsmorgen.


 

Wohl genug ist´s, dass die Menschheit grausend
Marterwege wandelte Jahrtausend,
Zeit nun ist´s, dass sie, befreit von Sorgen,
jetzund feire Auferstehungsmorgen.

Zeit ist´s, dass das Nachtgestirn verglühe,
Lerchen schmettern in der Morgenfrühe,
Und der junge Tag mit freudgen Schlägen
Eilt der Sonne und dem Glanz entgegen.

So auch du, mein Sohn: Nicht gilt´s zu liegen,
Mach dich auf, den Weltkreis zu besiegen,
Von des Geistes freudgem Flügelschlagen
Mehr und mehr zum Licht emporgetragen.

Dass im Fluge du nicht mögst ermatten,
magst du kreisen ob der Schönheit Matten;
Niederschwebend von dem Flug nach Osten
Jede Freude, die dir rein ist, kosten.

Dein ist alles, all und jede Wonne,
Wann sie aufgeht, dir als eigne Sonne;
Jeder Tag, vom Licht emporgetragen,
Wann er aufgeht, dir als eignes Tagen.

Dein ist alles, all der Blumen Glühen,
Wann hervor sie aus dir selber blühen;
All die Rosenknospen auf der Erden,
Wann sie Rosen in dir selber werden.

Dein ist alles, all der Lieder Singen,
Wann heraus sie aus dir selber klingen;
jeder Schlag der selgen Philomele,
Wann er hallt aus deiner eignen Seele.

Dein ist alles, was in Tal und Hügeln
Lichtvoll sich in dir kann widerspiegeln;
Dein die Himmel selbst und selbst die Sterne,
Wann du Glanz hast für den Glanz der Ferne.

Bist du adlergleich herausgekommen,
Alles Schöne in dich aufgenommen,
Göttertrank gekostet so im Fluge
Auf dem Sieges- und Erobrungszuge.

Liegt das Vorurteil, das Wahnbefangen
Zu den Füßen dir als kriegsgefangen,
Stehst du fast als wie ein Weltenmeister
In der Hand den Feldherrnstab der Geister.

Auf den Dichter obiger Zeilen hat die Welt nicht gewartet. Erst mit 49 Jahren hielt er sein erstes Buch in Händen, für das er auch noch einen Kredit hatte aufnehmen müssen: es ist Christian Wagner (1835-1918), Kleinbauer aus einem kleinen Ort, zwischen Stuttgart und dem Schwarzwald gelegen, anerkannter Sonderling und zutiefst religiös, der Kirche aber abhold, weil er u.a. mit größter Selbstverständlichkeit um Wiedergeburt wusste, gern umherschweifend und Blumen und Vögeln lauschend und seine Rinder nie an den Metzger verkaufend, weil ihm so viel an der Schonung alles Lebendigen gelegen war; weil er eine ganze Zeitlang so viele Schulden hatte, musste er sich auch noch als Holzfäller und Tagelöhner verdingen.
Gegen Ende seines Lebens verbesserte sich seine Situation deutlich, auch, weil mehr und mehr zeitgenössische Dichter von Rang den Bauern und Dichter aus Warmbronn zu schätzen wussten.
Seine erste Frau starb früh; mit seiner zweiten Frau hatte er vier Kinder.
Als auch sie starb, verarbeitete er ihren Tod mit dem bemerkenswerten Zyklus „Oswald und Klara. Ein Stück Ewigkeitsleben“, aus dem auch obiges Gedicht mit dem Titel Oswalds Gedächtnis stammt.
Wohl noch vor dem 1. Weltkrieg geschrieben, scheinen seine Schlusszeilen gerade heute erst Gültigkeit gewinnen zu wollen, leben wir doch just in einer Zeit, in der sich mehr und mehr Menschen des Feldherrnstabs der Geister, von dem Christian Wagner in der letzten Strophe spricht, zu bedienen lernen, nicht, um jene zu befehligen, sondern um mit ihnen zusammenzuarbeiten.

Was im Übrigen Auferstehung des Geistes bedeuten mag, lässt uns Christian Wagner in seinem Gedicht Berufung wissen, indem er uns auffordert, die oft zu engen Grenzen unseres Geistes zu überwinden, um jenen Geist zu begreifen, dem wir so gerne gleichen wollen:

Lass hinter dir die Heimat, die dich quält
Und nicht den Geist begreift, der dich beseelt!

Lass hinter dir die Arbeit, die dich bückt,
Und deine Frohne, die dich niederdrückt!

Lass hinter dir das Dorf, drin du geweilt,
Das nichts mir dir als Irdisches geteilt!

Lass hinter dir das alles! rufet stets
Der Geist in mir, und in die Welt mich weht’s.

Bildquelle: https://bit.ly/2RuKFJA

Samstag, 30. März 2013

"Ich war tot und sieh ich lebe; / leben, leben sollst auch Du" ... – ... noch eine Kindheitserinnerung

Guercino (1591-1666): Der ungläubige Thomas

Im letzten Post bin ich auf das Karfreitagslied von Friedrich von Bodelschwingh eingegangen; inzwischen habe ich es mir sogar bei ITunes herunterladen können :-)

Auch mit dem Osterlied, das ich heute abdrucke, verbindet sich für mich eine Kindheitserinnerung.
Dank meiner Eltern durfte - oder sagen wir: musste - ich jeden Sonntag in die Kirche gehen. Es gab aber einen besonderen Moment im Verlauf des Kirchenjahres, der mir immer einen Schauer über den Rücken hat laufen lassen, und zwar einen gewaltigen, und ich bin sicher, dass ich deshalb extra nochmal nach Frankfurt in die Nord-Ost-Gemeinde fahre, und zwar in den Ostersonntags-Gottesdienst.
An dessen Ende wurde von der Gemeinde nämlich immer ein Lied gesungen, dessen Text in das Gesangbuch eigens für diese Gelegenheit eingeklebt war (hoffentlich heute auch noch) und von einem mittlerweile wenig bekannten Lyriker und evangelischen Prediger stammt, Friedrich Mohn (1762-1830); immerhin ist in Ratingen eine Straße nach ihm benannt, weil er dort zu seiner Zeit tätig war. 
Vertont hat das Lied Karl Gotthelf Gläser (1781-1830); ich fand den Text und die Vertonung unglaublich berührend! – Auch heute geht es mir noch so, wenn Worte und Melodie in mir aufklingen.

Vor allem die letzte Strophe. Und das hat einen ganz simplen und doch wahnsinnig mächtigen Grund:
Die Nord-Ost-Gemeinde hatte sich zu der Zeit, als wir dort in den Gottesdienst gingen, eine neue Orgel zugelegt im Zusammenhang mit dem Neubau der Kirche. Im Nachhinein kommt es mir so vor, als sei diese Orgel für die Kirche sehr großzügig ausgelegt gewesen (ich hoffe, sie gibt es heute noch). Denn wenn der Organist die entsprechenden Register zog, bebten die Kirchenmauern und die Empore schien mir klein und kleiner zu werden und kaum mehr in der Lage, die Orgel tragen zu können.
Jedenfalls: Immer in der letzten Strophe dieses im Folgenden abgedruckten Liedes war das der Fall – ein kurzer geübter Griff des Organisten in die Registratur und die Kirche verwandelte sich in ein gewaltiges Tonmeer. Auf diesen Moment wartete ich das ganze Jahr: Das war so ein gewaltiger Sound, einfach unglaublich; das muss man erlebt haben, wenn eine große Orgel braust und alles gibt. Das ist Gänsehaut-Feeling. Klar, da muss sich jedes Grab öffnen. 
Ich hatte immer den Eindruck: Nun muss wirklich alles auferstehen. Auch ich! 

Es war ein Moment, es waren Minuten, an die werde ich mich noch im nächsten Leben erinnern.
Leider gibt es den Text nicht vertont, nicht bei You Tube, nicht bei ITunes, aber egal ...

Hier nun der Lied-Text:

Auferstanden,
auferstanden ist der Herr
|: und in ewgem Lichtgewande
der Verklärung wandelt er. :|

Keiner bebe!
Der Erhöhte ruft uns zu:
|: Ich war tot und sieh ich lebe;
leben, leben sollst auch du. :|

O ihr Gräber, 
nein vor euch erbeb ich nicht,
|: weil des Höhern Lebens Gabe
euch erhellt mit seinem Licht. :|

Und nun das Brausen wie vom Himmel :-)

Auferstehen, 
auferstehen werd auch ich
|: und den Auferstandnen sehen,
denn er kommt und wecket mich. :|