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Freitag, 18. Juli 2025

Die fünfte Reue Sophias. – Franz Alt und sein Golgathaverständnis: "Weiche von mir, Satan!"

Wie groß und überzeugend ist die Bereitschaft Sophias im Rahmen ihres vierten Reuegesangs zu einer fundamental ehrlichen Bestandsaufnahme, zu einer schonungslosen Analyse ihrer Situation, wie groß die Bereitschaft zu benennen, wie das Verhältnis des Lichtes zu ihr ist und wie sehr sie auf die Rettung durch das Licht hofft.

Sie beginnt ihren fünften Reuegesang mit einem Lob auf das Licht, um dann wieder überzugehen zu einer schonungslosen Bestandsaufnahme ihrer Situation verbunden mit einem Ausblick voller Hoffnung.
Ihr Umgang mit ihrer Situation mag eine Hilfe, ja - wenn wir wollen - eine Vorlage sein für uns, wie wir mit dem Licht und Gott sprechen können.

Die Realität von sogenannten Christen in unserem Land sieht zum Teil gänzlich anders aus. Wie selbstgefällig und überheblich handeln und reden manche, wie bar echter Reue. Ich möchte dies zu Beginn dieses und der drei folgenden Reuegesänge an vier Beispielen deutlich machen.

Einige unter uns dürften Bücher von Franz Alt kennen oder gar gelesen haben, bekannt sind vor allem „Frieden ist möglich. Die Politik der Bergpredigt.“ bzw. „Liebe ist möglich. Die Bergpredigt im Atomzeitalter.“
Mit „Jesus – der erste neue Mann.“ fand sich Franz Alt auf Platz 1 der Spiegel-Bestsellerliste. Insgesamt listet Wikipedia über 30 von ihm geschriebene Bücher und Veröffentlichungen auf. In den Buchrezensionen werden ihm immer wieder Lobeshymnen gesungen, die kritischen Rezensionen gehen aber sehr eindeutig im Hinblick auf sein Wirken in Richtung ideologischer Vorstellungen, die sich an modisch-kritischen Themen unserer Zeit orientieren (der ökologische Jesus, der pazifistische Jesus, der feministische Jesus), immer wieder wird ihm auch New-Age-Besserwisserei und eine gewisse parteipolitische Haltung mit erkennbarem Hang zur Selbstdarstellung vorgeworfen; in diesen Zusammenhang gehören seine offenen Briefe an Helmut Kohl und Angela Merkel, und als ob er noch nicht ausgelastet genug gewesen sei, engagierte er sich noch in dem Bahn-Bauprojekt "Stuttgart 21".

Für mich ist die entscheidende Frage: Leuchtete Franz Alt bei seinem vielen Schreiben das Licht, nach dem eine Sophia so strebte, erstrebte er die Weisheit, die uns Sophia vermitteln kann, gerade deshalb, weil sie durch tiefe und lichtlose Täler ging? Finden wir bei ihm diese Demut gegenüber dem Licht, die eine Sophia auszeichnet? Oder ist Franz Alt einfach nicht weise, sondern ein typischer Intellektueller unserer Zeit, nicht weise also, sondern schlau?

Ich war doch sehr verblüfft, als ich von einem Mann, der mehrere Bücher über Jesus geschrieben hat und von dem man doch also annehmen darf, dass er um den zentralen Punkt von Jesu Mission auf der Erde weiß, in einem Video den Satz hörte:
Ich kann mir gut vorstellen, dass das ganze Ostergeheimnis nichts anderes ist als eine Nahtoderfahrung (…) Das ist für mich kein Glaubensproblem, sondern eine Frage des gesunden Menschenverstandes.
Wenn Jesus Franz Alts Buchtitel nach der erste neue Mann ist, dann eigentlich doch deshalb, weil durch sein Wirken und Sein für uns Menschen der Weg zur Auferstehung gebahnt wurde, zur Auferstehung eines neuen Bewusstseins, was dadurch möglich wird, dass mit und in Jesus auf Golgatha der göttliche Sohn Christus stirbt, ein Geschehen in einer Dimension, die vielen Menschen noch in seiner Bedeutung nicht wirklich zugänglich ist.
Goethe hat darum gewusst, sein Gedicht „Selige Sehnsucht“ beginnt deshalb mit: „Sagt es niemand, nur den Weisen, / Weil die Menge gleich verhöhnet, / Das Lebend’ge will ich preisen, / Das nach Flammentod sich sehnet.“
Goethe wusste, dass das Geheimnis um den Flammentod der Seele, die in seinem Gedicht als Schmetterling diesen Tod erleidet, nur wirklich weisen Menschen zugänglich ist. Deshalb spricht der bloß schlaue Franz Alt von einem nicht wirklichen Tod, sondern von einem Nahtod. Er hat den Tod Jesu, der für alle Tode steht, die Menschen seelisch sterben, wenn etwa fundamental Neues in ihnen auferstehen will, nicht verstanden.
Goethe lässt uns in der letzen Strophe wissen: „Und so lang du das nicht hast, / Dieses: Stirb und werde! / Bist du nur ein trüber Gast /Auf der dunklen Erde.“
Um den Sinn unserer Existenz auf der Erde wissen wir nur, wenn wir die Bedeutung des Todes von Jesus verstehen. Weil er diesen Weg ging, dürfen wir heute in einem irdischen Leben zu dem Bewusstsein der Auferstehung gelangen. Wir sterben auch in diesem Leben oder einem folgenden den Tod auf Golgatha, jeder auf seine Weise.
Dann dürfen wir auch Pfingsten erleben.

Das alles hat Franz Alt nicht verstanden Für ihn gibt es keinen wirklichen Tod Jesu, deshalb kann es für ihn auch keinen wirklichen Ostersonntag geben, keine Auferstehung, kein Pfingsten.

Eine bemerkenswerte Stelle, die Alt mehr als nur zu denken hätte geben müssen, finden wir in Matthäus 16:
Wir lesen, dass Jesus seine Jünger darauf vorzubereiten beginnt, dass er nach Jerusalem gehen und dort sterben, dass er aber am dritten Tag auferstehen wird (so sprach er und das steht dort klipp und klar !)
Da nahm ihn Petrus beiseite und begann, ihn zurechtzuweisen, und sagte: Das soll Gott verhüten, Herr! Das darf nicht mit dir geschehen! Jesus aber wandte sich um und sagte zu Petrus: Weiche von mir, du Satan! Ein Ärgernis bist du mir, denn du hast nicht das im Sinn, was Gott will, sondern was die Menschen wollen.
Wie viel hat der Mann, Franz Alt, über Jesus und die Bergpredigt geschrieben!! Verstanden hat er weder sie noch ihn! Auch wenn es noch so klug klingt, wie und was er schreibt. Deshalb kommt in Wirklichkeit nichts Wertvolles in unserer Seele an in dem, was er von sich gibt.
Was er tut, ist ja noch gravierender als das, was Petrus macht: Jesus weist die Jünger darauf hin, dass er sterben wird, Alt aber sagt: In Wirklichkeit ist er gar nicht gestorben …
Jesus würde zu ihm sagen und, ich vermute, er hat es bereits getan:"Weiche von mir, Satan!"

Wenn Alt über Liebe schrieb, dann hat er die größte Liebestat, die alle Liebe göttlich machen kann und will, gar nicht verstanden: diese göttliche Liebe beendet durch den realen Tod Jesu die Trennung von Tod und Leben; in dem Sinn, wie wir heute über Tod und Leben denken, das gibt es für Menschen, die sich zu einem Christus-Bewusstsein zu entwickeln vermochten, nicht mehr.
Das aber versteht der gesunde Menschenverstand nicht, das versteht ein Franz Alt nicht.
Denken in göttlichem Sinne ist nicht mehr linear, dieses Denken ist unbeschreiblich und deshalb ist die Weisheit einer Sophia so schwer zu erfassen; es kann nur der erfassen, dem das alte Denken stirbt. Wenn Menschen aber dieses Sterben, dieses Goethesche „Stirb“ nicht haben, dann fehlt ihnen auch das „Werde“ dann bleibt ihr Denken, so formuliert es Goethe, trübe, so wie ihr Dasein.

Franz Alt schrieb und schrieb und schrieb; wie ein Don Juan auf der Suche und Sucht nach Liebe von Bett zu Bett sprang und sie doch nie erreichte, so springt Franz Alt von Buch zu Buch, weil er sich das Verständnis von Liebe und Weisheit auf diese Weise erschreiben wollte. In Wirklichkeit hatte er Angst, etwas Entscheidendes in sich sterben zu lassen.

Warum ich darüber schreibe: All den vielen Büchern Alts fehlt die göttliche Weisheit, das göttliche Licht. Es kann in ihnen nicht vorhanden sein. 
Für mich ist wichtig, dass wir vorsichtig sind mit dem, was Menschen so Schlaues sagen und schreiben. Für mich ist wichtig, dass wir ein Gespür dafür entwickeln, ob Menschen mit dem wahren Licht, das Sophia so intensiv suchte und fand, in Kontakt sind - vielleicht sind sie es nicht immer, aber doch immer wieder. Ob sie in Kontakt mit der wahren Weisheit sind, nicht immer, aber ob sie danach streben, das ist wichtig.
Zu solchen Menschen sollten wir uns hingezogen fühlen und sie suchen, mit ihnen in Gemeinschaft gehen, Menschen, die wissen, warum Jesus Christus für uns ganz real auf Golgatha starb! Oft sind es keine Vielschreiber. Aber die Gemeinschaft mit ihnen und ihre ehrlichen Worte tun unserer Seele gut. Und gut für unsere Seele ist, wenn wir zu Menschen mit einem Verstand a là Franz Alt und ihrem tödlich kranken Bewusstsein sagen: "Weiche von mir, Satan!
"
Weil Jesus Petrus liebte, wies er ihn so deutlich zurecht! Dann kann Erkennen, kann Metanoia, kann Reue einsetzen.

Wenden wir uns der fünften Reue zu und denken wir daran, dass Sophia nur im Wirrwarr des Chaos, dem sie ausgesetzt ist, ihren Bedarf an Göttlichkeit und das Wirken der Gottheit erkennen kann. Aus der Verwirrung und dem Chaos in den niederen evolutionären Welten wird letztlich für Sophia und für uns der eigentliche Wandel hervortreten.
Dann werden, wie es in der 4. Reue heißt, selbst alle Archonten der materiellen Welt, dich, oh Licht fürchten, andere dagegen – wie eben auch Sophia – werden sich mit dem gereinigten Licht kleiden. 
Vollziehen wir den Weg der Reue mit, dass auch wir dieser Kleidung teilhaftig werden:

5. Reue
Und es geschah, als alle materiellen Emanationen von Selbst-Willen schwer auf ihr lasteten, dass Sophia laut weinte und die fünfte Reue gab, indem sie sprach:
1 Oh Licht meiner Erlösung, ich singe dir Lob in der Region der Höhe und auch im Chaos.

2 Ich singe dir Lob in meinem Lied, mit dem ich in der Höhe Hymnen bildete, und mit dem ich an dich Hymnen bildete, als ich im Chaos [in den niederen Welten] war. Möge es deine Gegenwart erreichen, und bitte höre, oh Licht, auf meine Reue.

3 Meine Kraft ist in die Finsternis gesunken, und mein Licht ist ins Chaos abgestiegen.

4 Ich selbst werde wie die Archonten des Chaos, sie, die in die Finsternis unten hinabgestiegen sind; ich werde zu einem materiellen Körper, ohne jemanden in der Höhe, der mich errettete.

5 Ich werde auch wie die Substanzen, deren Kraft aufgebraucht ist und in das Chaos ausgeschieden werden, solche, die du nicht in der Erlösung für wert befandest und die auf dein Gebot hin übriggelassen werden, um zu vergehen.

6 Nun haben sie mich unten in die Finsternis gestellt, in tote Finsternisse und Materien, die keine Kraft in sich haben.

7 Du hast dein Gebot über mich gebracht und alles, was du bestimmt hast,

8 und dein Geist hat sich zurückgezogen und mich verlassen. Auch sind auf deinen Befehl die Emanationen meines Äons mir nicht zu Hilfe gekommen, sondern haben mich verabscheut und sich von mir ferngehalten, und immer noch bin ich nicht vollkommen ausgelöscht.

9 Aber mein Licht ist in mir geschwächt, und ich habe mit allem Licht, das mir noch geblieben ist, nach dem Licht gerufen, und ich habe meine Hände nach dir ausgestreckt.

10 Nun, oh Licht, wirst du nicht dein Gebot im Chaos erfüllen, und die Befreier, werden sie nicht kommen, wie du es ihnen befohlen hast, in der Finsternis aufzustehen, um deine Jünger zu sein?

11 Werden sie nicht das Mysterium deines Namens im Chaos sprechen?

12 Oder werden sie eher deinen Namen in der Substanz des Chaos sprechen, die du nicht reinigen wirst?

13 Doch ich habe dich gepriesen, oh Licht, und meine Reue wird dich in der Höhe erreichen.

14 Möge dein Licht über mich strömen,

15 denn sie haben mir mein Licht genommen, und ich bin seit der Zeit, da ich emaniert wurde, in heftigem Schmerz wegen dem Licht. Und nachdem ich auf das Licht in der Höhe geblickt hatte, blickte ich nach unten auf die Lichtkraft im Chaos; und ich machte mich auf und stieg hinab.

16 Dein Gebot fand mich, und die Ängste, die du für mich festgelegt hast, führten mich in Verwirrung.

17 Und sie haben mich wie zahlreiche Wasser umzingelt, sie haben mich fortwährend gemeinsam zu jeder Zeit ergriffen.

18 Und durch dein Gebot hast du meinen Schutz-Emanationen nicht gewährt, mir zu Hilfe zu kommen, noch hast du meinem Gepaarten erlaubt, mich aus meinem Leiden zu erlösen.
🌟

Dies ist die fünfte Reue, welche Pistis Sophia im Chaos von sich gab, als alle materiellen Emanationen von Selbst-Willen sie weiterhin bedrohten.
(...)
Jesus spricht: Nun komme du, Philippus, nach vorn und verkünde die Lösung der fünften Reue von Pistis Sophia, und nimm dann wieder deinen Platz ein und schreibe alle Belehrungen, die ich äußern werde, bis die Zahl deines Anteils der Aussagen über das Königreich des Lichts, die du aufzeichnen sollst, vollendet ist.

Und Philippus antwortete und sprach zu Jesus, „Mein Herr, höre mir zu, dass ich die Lösung ihrer Reue gebe. Denn deine Kraft hat darüber früher durch David im 88. Psalm prophezeit, indem er sprach:

1 YHWH, Gott meiner Errettung, bei Tag habe ich nach dir gerufen, des Nachts habe ich vor dir gewartet.

2 Lass mein Gebet vor dir aufsteigen; neige dein Ohr meinem Lied.

3 Denn meine Seele ist mit Elend durchtränkt, und mein Leben nähert sich den unteren Tiefen.

4 Ich bin mit jenen gezählt, die in die Grube hinabgehen; ich bin wie ein kraftloser Mann geworden.

5 Ich werde wie die Toten, die frei sind, betrachtet, wie die Geschlagenen, die in Gräbern liegen, an die du dich nicht mehr erinnerst und die von deiner helfenden Hand abgeschnitten sind.

6 Du hast mich in die niederste Grube gelegt, in die Finsternis der tiefsten Schlucht.

7 Dein Zorn hat sich auf mich geheftet, und deine Wellen haben mich gepackt. Selah.

8 Du hast mir meine Freunde entfremdet; du hast mich ihnen zum Abscheu gemacht. Ich bin eingesperrt, und ich kann nicht heraus.

9 Meine Augen trauern wegen meiner Not; ich habe nach dir gerufen YHWH, jeden Tag; meine Hände habe ich nach dir ausgestreckt.

10 Wirst du für die Toten Wunder wirken? Werden nicht jene, die niedergeworfen wurden, aufstehen und dich preisen? Selah.

11 Werden sie nicht bestimmt deinen Namen in den Gräben aussprechen?

12 Und deine Rechtschaffenheit im Land des Vergessens?

13 Und zu dir, YHWH, rufe ich um Hilfe, und am Morgen ist mein Gebet früh vor dir.

14 Warum verbirgst du dein Angesicht vor mir?

15 Denn ich bin betrübt und nahe am Tod. Ich erhöhte mich selbst und wurde gedemütigt.

16 Dein strenger Zorn überwältigte mich, und deine Schrecken haben mich zum Schweigen gebracht.

17 Sie umkreisen mich wie Wasser den ganzen Tag; sie überschwemmen mich alle gleichzeitig.

18 Du hast mir den Freund und Gefährten entfremdet; meine Bekannten werden von meinem Leid ferngehalten.“
🌟

Dies ist nun die Lösung des Mysteriums der fünften Reue, die von Pistis Sophia gegeben wurde, als man sie im Chaos verfolgte.

Sonntag, 13. Juli 2025

Die vierte Reue Sophias, Psalm 102 – und ein Wort zu Martha und der Verbindung des Erdmutterhaften in ihr mit dem himmlisch Mutterhaften.

 Martha werden manche aus der Bibel kennen, aus dem Lukas-Evangelium (Kap. 10, 38-42) und/oder dem Johannes-Evangelium (Kap. 11, 1-45). Mit Maria ist sie - nach den Töchtern Lots und Rachel und Lea einer der drei Schwesternpaare der Bibel. Das pure Gegenstück zu Maria und Sophia setzt sie sich nicht zu Füßen des Herrn und lauscht seinen Worten - wie Maria - bzw. strebt nicht nach dem höchsten Licht - wie Sophia -, sondern, so lesen wir im Lukas-Evangelium, hält den Haushalt am Laufen. Ziemlich genervt in Bezug auf das Verhalten ihrer Schwester, die Jesus zu Füßen diesem zuhört, macht sie auch aus ihrem Herzen keine Mördergrube, ja äußert ihm gegenüber - durchaus mit vorwurfsvollem Einschlag:„Herr, macht es dir nichts, dass meine Schwester die Bedienung mir allein überlässt? Sag ihr doch, dass sie mir helfen soll!“

Im Johannes-Evangelium lernen wir anläßlich des Todes ihres Bruders Lazarus eine andere, empfindsame Seite von ihr kennen und dennoch hätte kaum jemand erwartet, dass sie es ist, die anlässlich der dritten Reue der Sophia vortritt, so demütig und Jesus offensichtlich von Herzen wertschätzend, eine gewandelte, geläuterte Martha.
Wie sehr mag ihr die Reaktion Jesu gutgetan haben! 

Martha verkörpert das erdhafte Element innerhalb der inneren Jüngerschaft von Jesus. J. J. Hurtak bezeichnet sie als Erdenmutter. Doch ist es notwendig - und das tut sie auch und darauf weist er hin - das Erdhafte mit dem Göttlichen, dem himmlisch Mutterhaften wieder zu verbinden, eine Wiederausrichtung auf ihr und unser aller ursprüngliches Sein.
Wenn Weiblichkeit auf der Erde beide Elemente miteinander verbindet, ist das sicherlich eine wunderbare Ganzheitlichkeit.

An dieser Stelle wird im Übrigen auch deutlich, worauf ich bereits hinwies, welche Bedeutung den Frauen in der Umgebung Jesu zukam und welches Lernprogramm durch sie auch den Jüngern auferlegt wurde, lässt Petrus doch angesichts der zweiten Reue erkennen, welche Schwierigkeiten er und die Jünger überhaupt mit einer Maria Magdalena haben, einer Frau, aus der Jesus sieben Teufel austrieb und keine Probleme hatte, ihre mögliche Vergangenheit als Prostituierte vorbehaltlos anzunehmen - im Gegensatz zu den Jüngern.

Erkennbar wird ebenfalls, gerade in dem kurzen Gespräch zwischen Martha und Jesus anlässlich der dritten Reue Sophias (s. vorausgehenden Beitrag), wie feinfühlig beide miteinander umgehen in dem Bewusstsein, dass die sich entwickelnde Seele einem Schmetterling gleicht, den ein Hauch schon erschüttern und zu Tränen rühren, aber eben auch rohe Energie tief verletzen kann.

Wir wenden uns der vierten Reue Sophias zu. Was schon für die Psalmen Davids galt, wenn er von seinen Feinden sprach, gilt auch, für jene, von denen Sophia spricht, die sie angreifen: es sind seelisch-geistige Kräfte, deren Attacken sie wahrnimmt und spürbar ist, wie sehr sie der Mangel an Licht betroffen macht und es ihr da sicherlich nicht anders geht als uns, die wir uns immer wieder auch abgeschnitten vom Licht wahrnehmen; auch da sind Widersacherkräfte am Werk und Sophias Reuegesänge und Davids Psalmen können eine Hilfe sein für den Umgang mit diesen Kräften - u.a. ist es diese bereits erwähnte löwengesichtige Kraft, von Selbst-Wille in das Chaos, wo sich Sophia befindet, geschickt, um ihr das Licht, das ihr noch übrig ist, zu rauben.

Jesus nun gibt Sophias vierten Reuegesang wieder:
1 Oh Licht, an das ich geglaubt habe, höre meine Reue, und möge meine Stimme deinen Aufenthaltsort erreichen.

2 Wende deine Lichtkraft nicht von mir ab, sondern beschütze mich, wenn sie mich angreifen. Wenn ich zu dir aufschreie, bitte erlöse mich geschwind.

3 Denn meine Zeit vergeht wie ein Hauch, ich bin zu Materie geworden.

4 Mein Licht haben sie von mir ergriffen, und meine Kraft ist verwelkt. Mein Mysterium, das ich stets pflegte zu bewahren, habe ich nun vergessen.

5 Durch die Schwingung der Angst und durch die Kraft von Selbst-Willen ist meine eigene Kraft verringert.

6 Ich werde wie ein abgetrennter Dämon, der in Materie lebt, ohne Licht in ihm, und ich werde wie ein nachahmender Geist, der sich in einem materiellen Körper befindet, ohne Lichtkraft in ihm.

7 Und ich werde wie ein Dekan [Stern], der sich allein in der Luft befindet.

8 Die Emanationen von Selbst-Willen haben mich dauernd belästigt, und mein Gepaarter [Pistis, der Glaube] sagte bei sich:

9 „Anstelle des Lichtes, das in ihr war, haben sie sie mit Materie gefüllt.“
Ich habe den Schweiß meiner eigenen Materie gegessen und den Schmerz der Tränen aus der Materie meiner Augen, so dass jene, die mich belagern, nicht nehmen können, was übrig ist.

10 Es ist auf deinen Befehl hin und wegen deiner Ordnung, oh Licht, dass mir diese Dinge geschehen sind, und es ist nach deiner Bestimmung, dass ich hier bin.

11 Dein Befehl hat mich erniedrigt, und wie eine Kraft des Chaos bin ich niedergesunken, und meine eigene Kraft in mir ist gelähmt.

12 Du aber, oh Licht, bist Ewiges Licht und widmest dich allen, die je bedrückt sind.

13 Und nun, oh Licht, bewege dich, um meine Kraft und die Seele in mir wiederzubringen. Deine Bestimmung für meine Prüfung ist erfüllt worden, jetzt ist die Zeit, dass du nach meiner Kraft und meiner Seele suchest; dies ist nun die Zeit, die du bestimmt hast, mich zu erlösen.

14 Denn deine Erlöser haben nach der Kraft in meiner Seele gesucht, die Zahl nämlich ist erfüllt, und so wird auch ihre Materie gerettet werden können.

15 Dann werden alle Archonten der materiellen Äonen dein Licht fürchten, und alle Emanationen des dreizehnten materiellen Äons werden das Mysterium deines Lichtes fürchten, und andere werden sich dann in ihrem gereinigten Lichte kleiden.

16 Denn der Herr wird die Kraft deiner Seele wiederbringen. Sein Mysterium hat er offenbart,

17 so dass er der Reue jener entgegenkommen kann, die in den unteren Regionen sind, denn er ist ihrer Reue gegenüber nicht taub gewesen.

18 Dies ist das Mysterium, welches das Vorbild der Generationen ist, die noch geboren werden, und die Generationen, die noch geboren werden, singen Loblieder in die Höhe.

19 Denn das Licht hat aus der Höhe seines Lichtes herabgeschaut, und es wird der ganzen Materie erscheinen,

20 um die Schreie derer zu erhören, die in Fesseln sind, um die Kraft der Seele zu befreien, deren Kraft gebunden wurde,

21 so dass er seinen Namen in der Seele pflanzen möge, und sein Mysterium in der Kraft.
Und nachdem Jesus diese Worte zu seinen Jüngern gesprochen hatte, sagte er zu ihnen, „Dies ist die vierte Reue, die Pistis Sophia sprach. Nun denn, wer sie versteht, der verstehe.“
Und als Jesus diese Worte gesprochen hatte, trat Johannes vor, ehrte die Brust Jesu und sagte zu ihm, „Mein Herr, befiehl mir ebenso und autorisiere mich, die Lösung der vierten Reue, die Pistis Sophia sprach, zu erklären.“
Jesus sagte zu Johannes, „Ich befehle dir und autorisiere dich, die Lösung der Reue, die Pistis Sophia sprach, zu erklären.“ Johannes antwortete und sprach, „Mein Herr und Erlöser, inbetreff dieser Reue, die Pistis Sophia sprach, hat deine Lichtkraft früher schon durch David im 102. Psalm prophezeit:
1 YHWH, höre mein Gebet, lass meinen Schrei nach Hilfe zu dir hinaufreichen.

2 Verbirg nicht dein Gesicht vor mir in den Tagen meiner Not, öffne mir dein Ohr am Tag, an dem ich rufe, antworte mir bald.

3 Denn meine Tage sind verdunstet wie Rauch, und meine Gebeine sind versengt wie eine Feuerstelle.

4 So dürr wie Gras ist mein Herz, denn ich habe vergessen, mein Brot zu essen.

5 Vom Geräusch meines Seufzens kleben meine Gebeine am Fleisch.

6 Ich bin wie ein Sumpfvogel in der Wildnis; ich bin wie eine Eule im Haus.

7 Ich habe die Nacht wachend verbracht, und ich werde wie ein einsamer Spatz auf dem Hausdach.

8 Den ganzen Tag verspotten mich meine Feinde, und die mich berauben wollen, sind wütend auf mich.

9 Anstelle von Brot habe ich Asche gegessen und mein Trunk ist mit Tränen vermischt,

10 wegen deines Zorns und deines Unmuts, denn du hast mich erhoben und niedergeworfen.

11 Meine Tage sind wie ein Schatten am Abend, und ich selbst bin verwelkt wie das Gras.

12 Du aber, oh Herr, wirst ewig sein, und dein Gedächtnis wird von Generation zu Generation währen.

13 Du wirst dich erheben und Mitleid mit Zion haben, denn es ist Zeit, ihr Gunst zu zeigen; die festgesetzte Zeit ist da.

14 Denn deine Diener erfreuen sich an ihren Steinen und werden selbst ihrem Staub wohlwollend sein.

15 Und Nationen werden in Ehrfurcht vor dem Namen YHWH sein, und alle Könige der Erde vor deiner Herrlichkeit.

16 Denn YHWH wird Zion wieder aufrichten, und er wird in seiner Herrlichkeit sichtbar werden.

17 Er hat das Gebet der Bedürftigen gehört; er wird ihre Gebete nicht außer Acht lassen.

18 Dies soll für die kommende Generation geschrieben sein, und ein Volk, das erst erschaffen wird, wird Yah lobpreisen,

19 denn er hat aus seiner heiligen Höhe herabgeschaut; YHWH hat aus den Himmeln auf die Erde herabgeschaut,

20 um das Stöhnen der Gefangenen zu hören, um die zum Tod Gekennzeichneten zu befreien,

21 um in Zion den Namen YHWH zu verkünden und sein Lob in Jerusalem.
Dies ist, mein Herr - so spricht Johannes -, die Lösung des Mysteriums der Reue, die Pistis Sophia sprach.

PS
Tintoretto: Christus im Haus von Maria und Martha



Mittwoch, 9. Juli 2025

Die zweite Reue der Sophia und Psalm 71 - Vorsicht, dass auch wir nicht die Macht und Täuschungsfähigkeit der niederen Kräftte, der gefallenen Elohim, unterschätzen!

  • Fakt ist: Die ganze lokale Schöpfung ist gefangen, nicht nur Sophia und
  • Fakt ist: Sophia hat die Kraft, Macht und Täuschungsmöglichkeiten der niederen Kräfte, der gefallenen Elohim, völlig unterschätzt.


Sophia steigt in das Chaos ab und will dieses Licht dort erwerben. Sie glaubt, dass die Lichtkraft des Löwengesichtes, eine Inszenierung von Authades, dem Selbst-Willen, dem Erzfeind des göttlichen Willens, von dem göttlichen Licht käme. Welch ein Irrtum!
Ist es (über)große Naivität?
Oder ist es ihre Unschuld, ihre Unwissenheit? Ist ihre Weisheit noch zu begrenzt?

Sophia kommt aus dem Dreizehnten Äon, ein Äon aus unserem lokalen Sohn-Universum, ein experimentelles Äon; sie muss ihre Erfahrungen machen, so wie wir!

Vergessen wir nicht: Die wahre Pistis Sophia existiert nach wie vor (so wie unser Höheres Selbst, unsere Walküre); Sophia, die wir hier begleiten, ist ein Teil von ihr, der dies alles erleben möchte, um sich weiter und höher hinaus zu entwickeln .- Gleiches gilt für uns. 

Als Adam und Eva haben wir den Garten Eden verlassen, um in unserem lokalen Universum als einem experimentellen Raum unsere Erfahrungen zu machen (dabei wurde übrigens Eva gewarnt, Sophia nicht).

Haben wir die Macht der außerirdischen Intelligenzen unterschätzt?
Und könnte es sein, dass viele von uns diesen Fehler wiederholen, sich zu vorbehaltlos einer Aufstiegseuphorie hingeben, die genährt wird von gewissen Medien, die suggerieren, wie toll der derzeitige Aufstieg ist?
Seien wir wachsam! Fallen wir nicht herein auf das Licht der löwengesichtigen Sonne (Rudolf Steiner spricht zu Recht von dem luziferischen Licht). Es ist kein Zufall, dass die alten Hebräer in der Nacht beteten und einen Mondkalender hatten.

Wenn die Sonne über uns steht, darauf weist J.J. Hurtak in seinem Kommentar zur ersten Reue hin, blockiert dies die Fülle der Kuchavim, der höheren Universen, blockiert dies Ain Soph Or, das wahre göttliche Licht.
Und seien wir vorsichtig gegenüber einer Astrologie, die uns auf den Raum der Tierkreiszeichen beschränkt. Tasten wir uns gedanklich hinein in die Existenz von Myriaden von Lichtwelten, die es in Wahrheit gibt.

Mit Hilfe der dreizehnstufigen Reue sind wir unterwegs vom alten archetypischen Sonnenreich des Löwen zur Gestalt der Sphinx und transformieren das Königreich Malkuth, die untere Ebene des Baumes der Sephiroth.

Die erste Reue von Sophia war eine von dreizehn Ebenen der Reue, die ihre Seele durch die niederen Sphären in die höheren Dimensionen des Lichtes führt. Gehen wir mit ihr weiter diesen Weg des Erlösungsplanes, der möglich ist durch Christus.
🌟
Wiederum sprach Jesus und sagte, „Pistis Sophia fuhr nun fort, in einer zweiten Reue Loblieder zu singen, worin sie sprach:

1 Oh Licht der Lichter, an das ich geglaubt habe, verlass mich nicht in der Finsternis, bis dass meine Zeit zu Ende ist.

2 Hilf mir und rette mich in deinen Mysterien; höre mich und erlöse mich.

3 Lass die Kraft deines Lichtes mich erretten und belebe meinen Aufstieg in die höheren Äonen, denn du bist es, der mich retten und mich in die Höhe [die höheren Himmel] deiner Äonen führen wird.

4 Befreie mich, oh Licht, aus der Hand dieser löwengesichtigen Kraft und aus den Händen der Emanationen des Gottes Selbst-Willen.

5 Denn du bist es, oh Licht, an dessen Licht ich geglaubt habe und auf dessen Licht ich von Anfang an vertraut habe.

6 Und ich habe an es geglaubt, seit es mich emaniert hat, und du selbst hast meine Emanation verursacht, und von Beginn an habe ich an dein Licht geglaubt.

7 Und als ich an dich [das Göttliche Licht] geglaubt hatte, höhnten die Archonten der Äonen über mich und sprachen, „Sie hat in ihrem Mysterium aufgehört.“ Du bist mein Erretter und du bist mein Erlöser und du bist mein Mysterium, oh Licht.

8 Mein Mund ist mit Lob gefüllt, damit ich stets das Mysterium deiner Pracht erzähle.

9 Darum nun, oh Licht, verlass mich nicht im Chaos bis zum Ende meiner Zeit; vergiss mich nicht, oh Licht.

10 Denn die Emanationen von Selbst-Willen haben mich umringt, und sie haben meine ganze Lichtkraft von mir genommen. Sie wollten mein ganzes Licht vollends besitzen und über meine Kraft triumphieren.

11 Indem sie zueinander sagten, „Das Licht hat sie verlassen, wir wollen auf sie hinabsteigen und alles Licht in ihr ergreifen.“

12 Und so, oh Licht, verlass mich nicht; wende dich mir zu, oh Licht, und befreie mich aus den Händen der Gnadenlosen.

13 Lass sie stolpern und schwach werden, sie, die meine Kraft ergreifen wollten. Lass sie von Finsternis umgeben sein, und lass sie in Schwachheit fallen, sie, die von mir meine Lichtkraft greifen wollten.

Dies ist dann die zweite Reue, die von Pistis Sophia gegeben wurde, indem sie Loblieder an das Licht sang.

Und es geschah, als Jesus dies zu seinen Jüngern zu sagen beendet hatte, dass er zu ihnen sprach, „Versteht ihr, was es ist, dass ich zu euch sage?“
Petrus kam nach vorn und sagte zu Jesus, „Mein Herr, wir werden mit dieser Frau nicht fortfahren, denn sie nimmt uns jede Gelegenheit, erlaubt keinem von uns zu sprechen, sondern redet dauernd selbst.“

Jesus antwortete und sagte zu seinen Jüngern, „Es soll der, in dem die Kraft des Geistes aufwallt, weil er versteht, was ich sage, es sein, der redet. Trotzdem, Petrus, ich sehe, dass die Kraft in dir die Lösung des Mysteriums, welches Pistis Sophia in ihrer Reue gesprochen hat, versteht. Darum, Petrus, sprich unter deinen Brüdern und Schwestern den Aufbau ihrer Reue.“

Und Petrus antwortete, indem er zu Jesus sagte, „Oh Herr, höre, damit ich den Aufbau ihrer Reue sage, über die deine Kraft früher schon durch David, den Propheten im 71. Psalm prophezeite:

1 Zu dir, oh Gott, habe ich Zuflucht genommen, lass mich nie beschämt werden.

2 Rette mich in deiner Rechtschaffenheit und beschaffe mein Entkommen; höre mich und errette mich.

3 Werde mit ein Gott der Stärke, ein schützender Fels, der mich beschirmt, denn du bist meine Burg und meine Zuflucht.

4 Oh mein Gott, rette mich aus der Hand des Bösen und aus der Hand des Gewalttätigen und Gemeinen.

5 Denn du bist meine Hoffnung, Herr, YHWH, ich habe seit meiner Kindheit dir vertraut.

6 Du hast mich von Geburt an gestützt; du führtest mich seit meiner Mutter Schoß; und immer singe ich dir Lob.

7 Ich bin für viele wunderlich geworden; du bist meine mächtige Zuflucht, du bist mein Erlöser, oh Herr.

8 Mein Mund ist voll von Lob an dich, und ich besinge deine Pracht den ganzen Tag.

9 Wirf mich nicht ab in der Zeit des Alters; verlass mich nicht, wenn meine Stärke nachlässt.

10 Denn meine Feinde verleumden mich, und sie, die nach meiner Seele trachten, verschwören sich gegen mich,

11 indem sie sagen: Gott hat ihn verlassen! Verfolgt ihn und nehmt ihn, denn keiner wird ihn retten.

12 Oh Gott, eile mir zu Hilfe.

13 Mögen die beschämt werden und ihr Ende finden, die meine Seele verleumden. Mögen die in Schmach und Schande gehüllt sein, die Böses gegen mich suchen.


Dies ist die Lösung auf die zweite Reue, welche Pistis Sophia äußerte.

Montag, 7. Juli 2025

Die erste Reue der Sophia und Psalm 69 - „Und meine Stimme drang nicht durch die Finsternis“.

Vor allem für jene, die eher zufällig reinklicken:
Um die Bedeutung der ersten Reue und des nachfolgenden Psalmes zu verstehen, ist es sinnvoll, den vorausgehenden Beitrag vom 6. 7. gelesen zu haben.

Vorausschicken möchte ich noch, dass die vorliegende Ausgabe, aus der ich zitiere, aus dem Englischen übersetzt ist; sicherlich eine anstrengende Aufgabe, der mit Respekt zu begegnen ist. Allerdings finde ich manche Begriffe nicht so glücklich gewählt und für manche Fremdwörter hätte man meines Erachtens auch deutsche Worte wählen können. Das Wort „Emanationen“ lässt sich allerdings beispielsweise mit einem deutschen Wort kaum erfassen: Emanationen sind grundsätzlich Äußerungen jedweder möglichen Art, ob auf akustischer, optischer oder seelisch-geistiger Ebene.
 In der Philosophie bezeichnen Emanationen Dinge, die aus einem unveränderlich göttlichen Ursprung hervorgehen. Es sind in gewisser Weise Ausströmungen …
 So viel zu diesem Wort, das in den Reuen doch häufig vorkommt, aber nicht unbedingt in seiner Bedeutung sehr geläufig ist.

Aus unserer Schulzeit wissen wir, dass Lehrer in der Regel genau wussten, wie etwas vorzutragen ist, und meist wollten sie auf eine Frage hin eine bestimmte Antwort hören - und nur die. Dabei entging ihnen nicht selten, dass sie Antworten nicht akzeptierten, weil ein Schüler etwas auf seine eigene ganz wertvolle Art vortrug oder seine Antwort etwas enthielt, was auf besondere Weise den vorgegebenen Rahmen sprengte.

Deshalb gilt es im Hinblick auf die Psalmen, aber auch im Hinblick auf die Aussagen der Sophia, sich hineinzuversetzen in die Seele dessen, der etwas aussagen möchte. Es geht also nicht darum, was man selbst denkt, sondern um die Bereitschaft zu tiefem Verstehen eines anderen!
In einem zweiten Schritt - nachdem wir ein offenes Verstehen vorgenommen haben - können wir durchaus wahrnehmen, was uns ganz persönlich an den Aussagen auffällt, Unerwartetes, Merkwürdiges, Seltsames …


Wir kommen zum Beginn:


In der „Pistis Sophia“ ist vorausgehend zu lesen, dass Sophia von den Kräften des Selbstwillens umringt und gepeinigt wurde und die Lichtkraft des Löwengesichtes, einer stark negativen Kraft der astralen Ebene, die Lichtkräfte der Sophia verzehrte, was deshalb auch möglich war, weil Sophia aus dem 13. Äon in die Ebene des Chaos abgeglitten war.
Jesus lässt nun die Jüngerinnen und Jünger wissen und in der „Pistis Sophia“ heißt es:

Pistis Sophia [also die Wesenheit Glaube-Weisheit] schrie laut auf und rief das Licht der Lichter, welches sie von Anfang an gesehen hatte und an das sie geglaubt hatte, und sie äußerte diese Reue, indem sie sprach:

1  Oh Licht der Lichter, an das ich von Anfang an geglaubt habe, höre nun, o Licht, meine Reue. Rette mich, denn böse Gedanken sind in mich eingezogen.

2  Ich blickte, oh Licht, in die Bereiche unten und sah dort ein Licht. Und ich dachte: Ich werde in diese Region gehen, so dass ich dieses Licht erwerben kann. Und so ging ich, und ich fand mich unten in der Finsternis des Chaos wieder, und nicht mehr konnte ich nach oben gehen und in meine Region zurückkehren, denn ich wurde belagert von allen Emanationen des Selbst-Willens, und die löwengesichtige Kraft ergriff das Licht, das in mir war.

3  Und obwohl ich um Hilfe schrie, drang meine Stimme nicht durch die Finsternis. Und ich starrte in die Höhe, so dass das Licht, an das ich geglaubt hatte, mir zu Hilfe kommen möge.

4   Doch als ich in die Höhe schaute, sah ich alle Archonten der Äonen– wie zahlreich sie waren – auf mich herabblicken und über mich triumphieren. Und obwohl ich ihnen nichts getan hatte, verachteten sie mich ohne Grund! Und als die Emanationen von Selbst-Willen die Archonten der Äonen sahen, wie sie über mich triumphierten, wussten sie, dass die Archonten der Äonen mir nicht zu Hilfe kommen würden, und so wurden diese Emanationen darin bestärkt, mich mit Gewalt zu peinigen. Und das Licht, das ich gar nicht von ihnen erhalten hatte, ergriffen sie von mir.

5  Und nun, oh Licht der Wahrheit, du musst wissen, dass es aus Unwissenheit war, dass ich dieses getan habe, in dem Glauben, dass die Lichtkraft mit dem Löwengesicht von dir käme; und die Sünde, die ich begangen habe, liegt offen vor dir.

6  Lass mich nicht mehr im Mangel sein, oh Herr, denn ich habe an dein Licht geglaubt von Anfang an. Oh Herr, Licht der Kräfte, lass mich nicht mehr ohne mein Licht sein.

7  Denn es ist aufgrund deiner Initiative und wegen deines Lichtes, dass ich in dieses Elend gefallen bin, und ich bin mit Scham bedeckt.

8  Und wegen der Nachahmung deines Lichtes bin ich von meinen Brüdern, den Unsichtbaren, und den großen Emanationen von Barbelo eine Fremde geworden.

[Mit den Unsichtbaren sind u.a. die 24 Ältesten der „Offenbarung des Johannes“ angesprochen. 
Barbelo ist die männliche Form der kreativen Energie, 
notwendig für die Erschaffung von Lebensformen in dieser Welt.]

9  Dies ist mir geschehen, oh Licht, weil ich nach deinem Wohnort strebte, und der Zorn von Selbst-Willen ist über mich gekommen, er, der deinem Befehl nicht gehorcht hat, von den Emanationen seiner Kraft zu emanieren, denn ich war in seinem Äon und vollzog nicht mehr sein Mysterium.

10  Und alle Archonten der Äonen [der niederen Welten] höhnten über mich.

11  Und ich war in jener Region, seufzend und sehnsüchtig nach dem Licht, das ich in der Höhe gesehen hatte.

12  Und die Wächter an den Toren der Äonen verfolgten mich, und alle, die in ihrem Mysterium blieben, höhnten über mich.

13  Doch ich blickte zu dir in die Höhe, oh Licht, und bewahrte meinen Glauben an dich. Doch nun, oh Licht der Lichter, bin ich bedrückt in der Finsternis des Chaos. Wenn du nun kommen willst und mich retten, ist deine Barmherzigkeit groß! Höre mich in Wahrheit und errette mich.

14  Hebe mich aus der Materie dieser Finsternis, so dass ich nicht mehr in ihr untergetaucht bin, und so dass ich vor den Emanationen von Gott Selbst-Wille gerettet werde, die mich heftig bedrängen, und vor ihren Bosheiten.

15  Erlaube dieser Finsternis nicht, mich zu überschwemmen, und erlaube dieser löwengesichtigen Kraft nicht, meine ganze Kraft vollständig zu verschlingen, und erlaube diesem Chaos nicht, meine Kraft auszulöschen.

16  Höre mich, oh Licht, in deiner kostbaren Gnade; blicke herab auf mich in der großen Barmherzigkeit deines Lichtes.

17  Wende dein Gesicht nicht von mir ab, denn ich bin in großen Qualen.

18  Neige eilig dein Ohr mir zu und rette meine Kraft.

19  Rette mich vor den Archonten, die mich hassen, denn du kennst meine Not und meine Qual, und die Qual meiner Kraft, die sie von mir genommen haben. Diejenigen, die mich inmitten all dieses Bösen eingekerkert haben, sind dir bekannt; handle mit ihnen nach deinem Willen.

20  Meine Kraft schaute aus der Mitte des Chaos und aus der Mitte der Finsternis, und ich wartete auf meinen Gepaarten, dass er komme und für mich kämpfe, aber er kam nicht. Ich wartete darauf, dass er komme und seine Kraft zu mir ausstrecke, aber ich fand ihn nicht.

21  Und als ich nach dem Lichte suchte, wurde mir nur Finsternis gegeben; und als ich nach meiner Kraft suchte, gaben sie mir Materie.

22  Deshalb, oh Licht der Lichter, lass nun die Finsternis und die Materie, mit der mich die Emanationen von Selbst-Willen belagert haben, ihnen zu Fallschlingen werden, und lass sie sich darin verwickeln. Lass dieses auf sie selbst zurückfallen, so dass sie stolpern werden und nicht in die Region ihres Selbst-Willen gehen können.

23  Lass sie in der Finsternis bleiben und das Licht nicht sehen. Lass sie für immer nur das Chaos kennen, und lass sie nicht in die Höhe blicken.

24  Bring deine eigene Rache über sie, und möge dein Urteil sie erfassen.

25  Lass sie nicht mehr in die Region ihres Gottes Selbst-Wille zurückkehren, und lass deine Emanationen nicht mehr in ihre Regionen reichen. Denn profan und willkürlich ist ihr Gott, der glaubte, er selbst hätte diese Gemeinheit vollbracht, ohne zu erkennen, dass, wenn ich nicht auf deinen Befehl gedemütigt worden wäre, er keine Macht über mich hätte.

26  Doch als du mich nach deinem Befehl demütigtest, jagten sie mich umso mehr, und ihre Emanationen fügten meiner Schmach noch Schmerz hinzu.

27  Und sie haben meine Lichtkraft genommen und haben begonnen, mich anzugreifen, um mir das ganze Licht, das in mir ist, zu entreißen. Weil sie mich nun hierhin gepflanzt haben, lass sie nicht in das Dreizehnte Äon, die Region der Rechtschaffenheit aufsteigen.

28  Und zähle sie nicht mit dem Los derer, die sich und ihr Licht reinigen, und lass sie nicht mit jenen gezählt werden, die bereitwillig bereuen, um rasch die Mysterien des Lichtes zu empfangen.

29  Denn sie haben mir mein Licht genommen und meine Kraft in mir hat zu schwinden begonnen. Ich bin meines Lichtes beraubt.

30  Darum nun, oh Licht, das in dir ist und das in mir ist, ich preise, oh Licht, deinen Namen in Herrlichkeit!

31  Mögest du meinen Lobpreis schön finden, oh Licht, so schön wie ein außergewöhnliches Mysterium, das die Tore des Lichtes öffnet, und das jene, die bereuen, sprechen werden, und dessen Licht sie reinigen wird.

32  Und nun lass alle Materie frohlocken; lass alles nach dem Lichte streben, damit die Kraft der Seele, die in dir ist, lebe.

33  Denn das Licht hat die Materie erhört, und es wird keine Substanz ohne ihre Reinigung lassen.

34  Lass alle Seelen und die Substanz des materiellen Selbst den Herrn aller Äonen preisen, und lass die Substanz und alles in ihr Lob bekunden.

35   Denn Gott wird ihre Seele aus aller Materie [aus dem Körper des Fleisches] retten, und eine Stadt soll im Licht errichtet werden, und alle Seelen, die gerettet werden, sollen diese Stadt bewohnen und sie erben.

36  Und die Seelen jener, die die Mysterien annehmen, werden in jener Region leben, und jene, die die Mysterien in seinem Namen annehmen, werden darin wohnen.



Nun geschah es, nachdem Jesus diese Worte zu seinem Jüngern gesprochen hatte, dass er zu ihnen sagte, „Dies ist das Loblied, welches Pistis Sophia in ihrer ersten Reue sang, da sie Reue für ihre Sünde empfand und alles berichtete, was ihr widerfahren war.
 Maria [ = Maria Magdalena] kam vor und sprach, „Mein Herr, mein Licht-Einwohner hat Ohren, und ich höre mit meiner Lichtkraft, und dein Geist, der mit mir ist, hat mich klar gemacht. So neige dein Ohr, damit ich von der Reue rede, welche die Pistis Sophia gegeben hat, indem sie von ihrer Sünde und allem, was ihr widerfahren war, berichtete. Deine Lichtkraft hat einmal darüber prophezeit durch den Propheten David im 69. Psalm:

1  Rette mich, oh Gott, denn die Wasser reichen bis an meine Seele.

2  Ich bin in die schlammigen Tiefen gesunken mit nichts, worauf ich stehen kann, und die Kraft hat mich verlassen. Ich bin in tiefe Wasser geraten und der Strudel reißt mich fort.

3  Ich bin erschöpft vom Weinen, meine Kehle ist ausgetrocknet, meine Augen versagen, während ich auf meinen Gott warte.

4  Jene, die mich ohne Grund hassen, sind zahlreicher als die Haare auf meinem Kopf; jene, die mich vernichten wollen, sind mächtig, meine trügerischen Feinde, und was ich von ihnen nicht genommen habe, das zwingen sie mich, ihnen zurückzugeben.

5  Oh Gott, du selbst kennst meine Torheit, und meine Sünden sind vor dir nicht verborgen.

6  Jene, die auf dich hoffen, mein Herr, Gott der Heerscharen, lass sie durch mich nicht beschämt werden; lass die, die dich suchen, nicht durch mich in Schande geraten, oh Gott Israels.

7  Es ist wegen dir, dass ich Demütigung erlitten habe; Erniedrigung hat mein Gesicht bedeckt.

8  Ich bin meinen Verwandten ein Fremder geworden, und ein Ausländer für meiner Mutter Kinder.

9  Weil sie auf dein Haus eifersüchtig waren, verschlingen sie mich und die Missgunst derer, die dich verachten, ist auf mich gefallen.

10  Und mit dem Fasten meiner Seele habe ich weiterhin geweint, und es wurde mir nur zum Vorwurf.

11  Ich mache Säcke zu meiner Kleidung, und ich wurde für Sie ein Spottwort.

12  Jene, die an den Toren sitzen, sie reden über mich, und Trunkenbolde erfinden Lieder über mich.

13  Mögen meine Gebete an dich, YHWH, zu einer günstigen Zeit kommen. Oh Gott, im Überfluss deiner Gnade, antworte mir mit der Wahrheit deiner Erlösung.

14  Rette mich aus dem Morast, und lass mich nicht versinken; lass mich gerettet werden vor jenen, die mich hassen, und vor den Tiefen der Wasser.

15  Lass nicht die Flut mich wegreißen, noch lass die Tiefe mich schlucken, und lass nicht die Grube ihren Mund über mir schließen.

16  Antworte mir, YHWH, denn süß ist deine Gnade; in deiner großen Barmherzigkeit wende dich zu mir.

17  Und verbirg dein Angesicht nicht vor deinem Diener, denn ich bin betrübt. Antworte mir geschwind.

18  Komm zu meiner Seele und erlöse sie. Wegen meiner Feinde, befreie mich.

19  Denn du kennst meinen Vorwurf, meine Schande und meine Erniedrigung; alle meine Widersacher sind vor dir.

20  Vorwurf hat mein Herz gebrochen, und meine Wunde ist verheerend. Ich hoffte auf Trost, aber da war keiner, und auf jemanden, der mich trösten würde, aber ich fand niemanden.

21  Sie gaben mir Gift [oder Galle] zur Nahrung und in meinem Durst gaben sie mir Essig zu trinken
[wie Jesus anlässlich seiner Kreuzigung]

22  Lass den Tisch vor ihnen zur Schlinge werden, und lass Ihnen den Frieden zur Falle werden.

23  Möge ihr Rückgrat ewig krumm werden.

24  Gieße über sie deinen Zorn aus, lass das Feuer deiner Wut sie schlagen.

25  Verwüste ihr Lager, lass keinen Bewohner in ihren Zelten übrig.

26  Denn sie belagern denjenigen, den du niedergeworfen hast, und fügen der Wunde weiteren Schmerz zu.

27  Bringe Grausamkeit über ihre Grausamkeit, und gewähre ihnen nicht deine Rechtschaffenheit.

28  Radiere sie aus dem Buch der Lebendigen aus, und mit den Rechtschaffenen schreibe sie nicht ein.

29  Doch ich bin betrübt und elend; lass deine Erlösung, oh Gott, kommen, um mich zu stärken.

30  Ich werde den Namen Gottes im Gesang lobpreisen, und ich werde ihn im Dankgebet erhöhen.

31  Und es wird für Gott erfreulicher sein, als ein junger Stier mit Hörnern und gespaltenen Hufen.

32  Der Betrübte wird es sehen und sich freuen; ihr, die ihr Gott sucht, lasst eure Herzen aufleben.

33  Denn Gott hört den Betrübten und verachtet nicht die Gefangenen.

34  Lasst Himmel und Erde ihn preisen, die Meere und alles, was sich darin bewegt.

35  Denn Gott wird Zion retten und wird die Städte Judahs bauen, und sie werden darin siedeln und sie erben.

36  Und der Same seiner Diener wird sie erben, und die seinen Namen lieben werden es sein, die darin wohnen.


PS   Die dreizehn Reuen samt zugehören Psalmen umfassen in der von J.J. und Desiree Hurtak herausgegebenen „Pistis Sophia“ über 100 Seiten, ganz einfach deshalb, weil immer wieder inhaltlich wertvolle Ergänzungen und Kommentare von Seiten der Herausgeber eingeflossen sind. Wer sich also intensiv mit der Thematik auseinandersetzen möchte, dem empfehle ich den Kauf des Buches, das einschließlich des Glossars ingesamt über 900 Seiten umfasst und natürlich weitere wertvolle Inhalte enthält.
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Dass ich mir erlaubt habe und erlauben werde, so ausführlich aus dem Buch zu zitieren, mag formaljuristisch nicht in Ordnung sein.

Ich respektiere geistiges Eigentum, aber ich halte es auch für wichtig und glaube, dass es im Sinne der Geistigen Welt ist, dass möglichst viele Menschen mit den hier veröffentlichten geistigen Inhalten bekannt werden. Denn Reue ist Voraussetzung, um zum wahren Licht zu gelangen und das wahre göttliche vom luziferischen unterscheiden zu lernen, eine Fähigkeit, die gerade viele Esoteriker vermissen lassen.




Sonntag, 6. Juli 2025

Der tiefe Fall der Pistis Sophia und ihre dreizehn Stufen der Reue: eine Stufenfolge zurück ins Licht!

Wie seltsam, ja fast absurd will es mir selbst vorkommen, dass ich mitten im Hochsommer auf Reue - Luther sprach statt von Reue von „Buße“, im Griechischen findet sich das Wort „metánoia“, man könnte es am besten mit „Sinneswandel“ oder „Umkehr in seiner höchsten Form“ wiedergeben - verwiesen werde.

Die ganze esoterische Welt tönt von „Aufstieg, Aufstieg, Aufstieg“ - ich nenne beispielhaft Dieter Broers, Danielle Gernandt, Kerry K oder auch die Astrologin Silke Schäfer mit ihren 220 000 Followern - doch mein Inneres wird in eine ganz andere Richtung verwiesen, und das auch noch dreizehnfach.
Das wird mit meiner persönlichen Situation und Entwicklung zusammenhängen, doch scheint es mir kein Zufall, dass ich in diesen aktuellen Zeiten mich gehalten fühle, die dreizehn Reuestufen der Sophia zu veröffentlichen.

Ich war in meiner Lektüre der „Pistis Sophia“ (hg. von J.J. und Desiree Hurtak; mehr zu diesem Werk im Beitrag vom 13. Juni) zu einer ersten Reue der Sophia, die sie aufgrund ihres Falls aus dem 13. Äon aussprach, gelangt und war schon verwundert, konnte das aber nachvollziehen, dass sich weitere anschlossen; nach der siebten, dachte ich, ist Schluss und genug der Reue. 
Dass es dann aber weiterging bis zu einer zwölften, ja gar zu einer dreizehnten, das hat mich doch dann mehr als verblüfft, doch neben der Drei und der Sieben ist eben die Zwölf eine besondere Zahl: 12 Stämme Israel machte das physische Israel aus und kennzeichnet das geistige, 12 Ritter umgaben Artus, von zwölf Lichtkräften und zwölf Erlösern wird in der „Pistis Sophia“ gesprochen und 12 Jünger sammelte Jesus um sich, wobei es wie bei Siegfried und seinen zwölf Gefährten doch so ist, dass ein Dreizehnter im Grunde dazu gehört, der aber stirbt, Jesus.
Nach einer gewissen Zeit habe ich verstanden, dass mir dieses Thema wohl begegnete, weil die ganze Aufstiegseuphorie nur dann wirklich zu Recht besteht, wenn sie auf einem absolut ehrlichen Fundament einer tief innerlichen Reue gegründet ist. Und, wie ich in meinem letzten Beitrag vom 30 5. bereits andeutete, ist es für mich auch kein Zufall, dass dies alles in der Bruthitze eines heißen Sommers geschieht.

Glaube und Weisheit sind in dem Werk und dem Wesen der Pistis Sophia eigentlich untrennbar verbunden (Weisheit ohne Verbindung nach innen und oben ist purer Intellekt, nutzloses 3-D-Exkrement). Sophia, jener Teil der Wesenheit, genannt Pistis Sophia, der nicht Pistis, den Glauben, bewusst mit einbezieht, stürzte, vergleichbar dem Fall Luzifers und mit ihm eines Drittels aller Engel, ab, ebenso wie Adam und Eva. 

Sophias tiefer Fall geschah nicht mutwillig, nicht bewusst, sondern sogar eher in dem Glauben, etwas sehr Wertvolles zu tun. In dem Werk „Pistis Sophia“ - wenn ich das Buch anspreche, setze ich „Pistis Sophia“ in Anführungszeichen, beziehe ich mich auf jene Wesenheit Pistis Sophia, die es kosmisch universal gibt und die zugleich ein wesentlicher Teil des Inneren eines jeden Menschen ausmacht, lasse ich sie weg - in dem Werk „Pistis Sophia“ also finden wir den Hinweis, dass das Wesen Sophia sich von ihrer Ebene, die als 13. Äon bezeichnet wird und eine Devachan-Ebene, also eine Ebene des Himmels ist, sich dem Licht in höheren Ebenen zuwandte, dieses Licht der Lichter sozusagen begehrte - doch eigentlich ein löbliches Unterfangen.

Und hier geschieht nun etwas, was uns als Menschen eine fundamental wichtige Mahnung sein muss:
In ihr Begehren schlich sich Selbst-Wille ein. Es war also nicht mehr ihr reiner göttlicher Wille, der sie bisher ausmachte, sondern eine andere Energie, die in der „Pistis Sophia“ in einer Gestalt sich manifestiert und benannt wird als >Authades<, dort bezeichnet als großer dreifachkräftiger Herrscher, einer der gefallenen Autoritäten - eine andere ist beispielsweise Lamchamor, einer der führenden negativen Archonten im sechsten Kerker oder experimentellen Raum mit dem Gesicht eines Wildebers oder Schweines oder auch Marchur aus dem fünften Kerker oder experimentellen Raum des/unseres lokalen Universums mit dem Gesicht eines Stieres, den Tier-Menschen repräsentierend.

Jener Authades also sammelte viele Archonten um sich und griff Sophia an auf unterschiedlichste Weise, indem er ihr u.a. das Licht seiner Ebene zeigte, vergleichbar dem Licht Luzifers, der ja nicht von ungefähr übersetzt „Lichtträger“ genannt wird und auf dessen Licht gerade im esoterischen Bereich so viele - vor allem Frauen - hereinfallen (nicht von ungefähr und ganz richtig dargestellt griff ja in der Bibel die Schlange das Weib an, was man ja nur törichterweise als negativ im Hinblick auf das Weibliche werten kann - dazu ein andermal mehr). 
Infolge ihres Falls ist in der „Pistis Sophia“ von der ´gesunkenen Sophia´ oder ´geringeren Sophia´ die Rede, jener auf der menschlichen Ebene sich zunehmend intellektualisierenden Weisheit, die sich weniger noch bei den vorsokratischen Philosophen oder dem so wahrhaft weisen Platon, in der Folge dann aber umso mehr zeigte - Harald Lesch, Moderator von ´Terra X´ und Professor für Astrophysik an der Ludwig-Maximilians-Universität München sowie Lehrbeauftragter für Naturphilosophie an der Hochschule für Philosophie München ist ein gewisser trauriger Höhepunkt und aktuelles Extrembeispiel, wie sich Selbstwille des Authades und Selbstgefälligkeit eines vom Göttlichen völlig abgekoppelten Wissens paaren können.

Diesem Fall der Sophia widmet Jesus in der „Pistis Sophia“ doch einige Absätze und für mich sind sie so beeindruckend und durchaus auch erschütternd, dass ich sie für Interessierte auf meinem Blog Wortbrunnen einbringe.

Die Gnostiker, jene Menschen, die sich vor allem in den ersten nachchristlichen Jahrhunderten mit dem Leben Jesu und insbesondere seiner Lehre auseinandersetzten, wiesen der Sophia insofern eine absolut große Bedeutsamkeit in der Entwicklung des Menschengeschlechtes zu, da sie es nach ihrer Ansicht war, die trotz ihrer Trennung von der göttlichen Weisheit und dem göttlichen Licht, dem sie ursprünglich verbunden war, den Menschen dennoch den göttlichen Funken der Weisheit brachte und ihn in ihnen entzündete, wobei jener allerdings durch ihren Fall in die Hände der gefallenen Mächte, die über die niederen Äonen herrschten, geriet. Seitdem ist jene Weisheit dualistisch gespalten - abgetrennt ist der Glaube - und so ist jene Weisheit, die wir als solche ansehen, getrennt von einer in der Dreifaltigkeit leuchtenden Weisheit, wobei den meisten Menschen die Existenz dieser göttlichen Weisheit unbekannt ist. 

Die geringere Sophia verschmilzt auf dem Hintergrund dieses Geschehens mit der gefallenen Eva, unter deren Einfluss auch das Männliche in die Dualität absinkt.

Es gibt allerdings einen Umstand, der für einen Menschen wie mich und sicherlich für andere auch schwer fassbar ist - jedenfalls habe ich einige Zeit gebraucht, dazu bewusst Ja sagen zu können. Er bezieht sich auf die Tatsache, dass Sophia auf Befehl des Ersten Mysteriums, jener Instanz, in der die Dreifaltigkeit ihren Sitz hat, in die Höhe blickt, womit im Grunde ihr Fall, ihr Absturz, ihre Gefangennahme in der niederen Ebene eingeleitet wird. 

Sie tut es auf Befehl des Ersten Mysteriums! 

Damit einher ging im Übrigen sodann die Trennung von Pistis, dem Glauben, und Sophia, der Weisheit, wodurch überhaupt nur Sophia so absinken konnte. 

Es sei hier angemerkt, obwohl es nur angedeutet werden kann, warum die Ehe dem Göttlichen so heilig ist:
Handle es sich um die Ehe zwischen Männlichem und Weiblichen, Mann und Frau, dem Glauben und der Weisheit oder auch Leben und Tod: Wenn zwei Aspekte, die zusammengehören, getrennt werden oder ins Ungleichgewicht geraten, bedeutet dies ein Ende des Glücks und für unwissende Seelen der Beginn einer letztendlich unglücklichen Zeit. 

Deshalb das 7. Gebot: „Du sollst nicht ehebrechen“!
Es verbirgt sich weit mehr dahinter als nur das, was wir Menschen darin sehen.
Wobei in Bezug auf die Ehe zwischen Menschen gesagt sein will, dass sich oft zusammenfindet, was nicht wirklich zusammengehört, und solche Ehen in erster Linie eine der vielen Lernprogramme betroffener Seelen ausmacht und damit für mich - jedenfalls nicht wirklich im eigentlichen Sinne - Ehen sind.

Noch einmal zurück zu dem Befehl bezüglich der Sophia, der vom Ersten Mysterium, also einer höchst göttlichen Instanz erging: 

Erinnern wir uns, dass es - nachzulesen gleich zu Anfang des Buches Hiob, der Herr war, der Satan auf Hiob aufmerksam macht, womit eine lange Zeit übergroßen Elends für Hiob seinen Lauf nimmt:
1 Es war ein Mann im Lande Uz, der hieß Hiob. Derselbe war schlecht und recht, gottesfürchtig und mied das Böse.
2 Und zeugte sieben Söhne und drei Töchter;
3 und seines Viehs waren siebentausend Schafe, dreitausend Kamele, fünfhundert Joch Rinder und fünfhundert Eselinnen, und er hatte viel Gesinde; und er war herrlicher denn alle, die gegen Morgen wohnten. (…)
6 Es begab sich aber auf einen Tag, da die Kinder Gottes kamen und vor den HERRN traten, kam der Satan auch unter ihnen.
7 Der HERR aber sprach zu dem Satan: Wo kommst du her? Satan antwortete dem HERRN und sprach: Ich habe das Land umher durchzogen.
8 Der HERR sprach zu Satan: Hast du nicht achtgehabt auf meinen Knecht Hiob? Denn es ist seinesgleichen nicht im Lande, schlecht und recht, gottesfürchtig und meidet das Böse.
9 Der Satan antwortete dem HERRN und sprach: Meinst du, daß Hiob umsonst Gott fürchtet?
10 Hast du doch ihn, sein Haus und alles, was er hat, ringsumher verwahrt. Du hast das Werk seiner Hände gesegnet, und sein Gut hat sich ausgebreitet im Lande.
11 Aber recke deine Hand aus und taste an alles, was er hat: was gilt's, er wird dir ins Angesicht absagen?
12 Der HERR sprach zum Satan: Siehe, alles, was er hat, sei in deiner Hand; nur an ihn selbst lege deine Hand nicht. Da ging der Satan aus von dem HERRN.
13 Des Tages aber, da seine Söhne und Töchter aßen und Wein tranken in ihres Bruders Hause, des Erstgeborenen,
14 kam ein Bote zu Hiob und sprach: Die Rinder pflügten, und die Eselinnen gingen neben ihnen auf der Weide, 15 da fielen die aus Saba herein und nahmen sie und schlugen die Knechte mit der Schärfe des Schwerts; und ich bin allein entronnen, daß ich dir's ansagte (…)
Desgleichen lesen wir in Goethes „Faust“, dass es der Herr ist, der Satan gegenüber den Doktor Faust ins Spiel bringt und - man möchte pointiert sagen - ihn diesem ausliefert:
DER HERR:
Kennst du den Faust?
MEPHISTOPHELES:
Den Doktor?
DER HERR:
Meinen Knecht!
MEPHISTOPHELES:
Fürwahr! er dient Euch auf besondre Weise.
Nicht irdisch ist des Toren Trank noch Speise.
Ihn treibt die Gärung in die Ferne,
Er ist sich seiner Tollheit halb bewußt;
Vom Himmel fordert er die schönsten Sterne
Und von der Erde jede höchste Lust,
Und alle Näh und alle Ferne
Befriedigt nicht die tiefbewegte Brust.
DER HERR:
Wenn er mir auch nur verworren dient,
So werd ich ihn bald in die Klarheit führen.
Weiß doch der Gärtner, wenn das Bäumchen grünt,
Das Blüt und Frucht die künft'gen Jahre zieren.
MEPHISTOPHELES:
Was wettet Ihr? den sollt Ihr noch verlieren!
Wenn Ihr mir die Erlaubnis gebt,
Ihn meine Straße sacht zu führen. 
Es zeigt sich die ganze große intuitive Weisheit eines Goethe, dass er diese Stelle so gestaltet. Und natürlich stellt sich letztendlich auch die Frage: Ist der Fall Luzifers und seines großen, eigentlich heiligen Gefolges und auch der Verlust des Paradieses für Adam und Eva wie ebenso für dich und mich Teil eines großen göttlichen Plans?
Auch wenn auf dem Hintergrund des übergroßen Leides, das auf der Erde tagtäglich geschieht, wahrscheinlich nicht nur ich übergroße Schwierigkeiten habe, lautet dennoch die Antwort für mich: Ja, was geschieht, ist Teil eines göttlichen Plans, ein Geschehen innerhalb unseres großen Vater-Universums.

Vergleichbares geschieht in der „Pistis Sophia“ in Bezug auf Sophia. 
Wie bereits angesprochen, habe ich eine längere Passage ausgegliedert (Link siehe oben).

Die Frage, die sich auf obigem Hintergrund und den drei Beispielen stellt, ist doch, ob uns Gott absichtlich Satan und Co. ausgeliefert hat … es scheint doch so und wir leben tatsächlich im Rahmen eines großen Experiments.

Wie aus diesem Experiment - so bezeichnet es J.J. Hurtak - hinausfinden, den Tod überwinden?
Die biblischen Evangelien beantworten diese Frage und Goethe beispielsweise hat einen zentralen Punkt in seinem Gedicht „Selige Sehnsucht“ angesprochen.

Die „Pistis Sophia“ weist auf den Weg der Sophia zurück ins wahre Licht hin. Mich hat dieser Weg ins Grübeln gebracht, da ich doch verwirrt über den Umstand war, dass Sophia ihre Bitte um Rettung so oft wiederholen musste, obwohl sie doch von Beginn an so intensiv und spürbar authentisch ist und nie das Licht aus den Augen verloren hat.

Doch stellt es sich letztlich nicht als ein Wiederholen heraus und J.J Hurtak macht in seinem Kommentar darauf aufmerksam, warum 12 + 1 Bitten bzw. Reuegebete notwendig sind. Darauf möchte ich aber erst am Ende der 13. Reue eingehen, damit jeder, der möchte, diesen 12-stufigen Weg, der aus gutem Grund zu einem 13-stufigen schlussendlich sich erweitert, vorbehaltlos zunächst für sich mitverfolgen kann.

Im Rahmen einer jeden der 13 Stufen schließt sich jeweils ein Psalm Davids an, weit mehr als ein biblisches Anhängsel, denn jeder dieser Psalmen greift auf und vertieft im Grunde den Inhalt des vorangehenden Gebetes und Flehens.

J.J. Hurtak formuliert es so:
Während wir die Psalmen lesen, wollen wir uns selbst mit den Gedankenformen der höheren Welten identifizieren und unser Bewusstsein so verwandeln, dass es wie das Bewusstsein des größeren Lichtes ist. Gebet durch heilige Psalmen erweckt den Geist in unseren Tiefen und ruft ihn hervor, die inneren Strukturen zu verwandeln, die zu eng sind, als dass der intellektuelle Verstand dorthin reichen könnte. Erwachen wir zu dem, was wir sind und warum wir hier sind, so dass die göttlichen Melodien und Energien uns umkreisen können und große morphogene Tore errichten, durch die diese Welt und andere Welten des Lichts vereint werden können.
Für mich sind diese 13 Reuegebete wie eine aus dem Göttlichen gesandte Hilfe, gerade in einer hochsommerlichen Zeit, in der der Sinn nicht unbedingt den Weg nach innen sucht und zudem meines Erachtens die Gefahr besteht, dass ständige Gedanken in Bezug auf den Aufstieg uns unsere Realität aus dem Blick geraten lassen. 

Im Gegensatz zu den allermeisten von uns Menschen hat - das wird in der „Pistis Sophia“ deutlich - Pistis Sophia nie ihren Ursprung vergessen, ihre Identität und Lebensquelle. Wir Menschen dagegen haben uns zu oft für den Krieg und nicht für den Frieden entschieden. Als Geschöpfe Adams sind - wie es Hurtak formuliert - wir 
die ´Letzten´ in den Ordnungen der Schöpfung, und doch, wenn wir uns nicht mit den Gedankenformen eines gefallenen Bildnisses identifizieren, sondern mit dem göttlichen Bildnis, können wir ´Erste´ sein. Wir müssen wie Sophia sein und die Seele des Friedens in eine unterdrückte Welt bringen. Wir, als Gäste dieser experimentellen Welten und immer noch Bürger des Hauses der vielen Wohnungen sollten uns als in der Welt, jedoch nicht von dieser Welt betrachten. Unsere Seele hat ein Recht, die göttliche Herrschaft zu jeder Zeit um Hilfe anzuflehen und wir werden diese Hilfe vom wahren Gott (Ha-Shem) und von den Herren des Lichts empfangen, die stets hier sind um uns zu unterstützen, wenn wir nur darum bitten.
Der oder die ein oder andere mag sich dieser dreizehnfachen Stufenleiter ins Licht jeden Tag widmen und mit jedem Tag eine weitere Stufe erklimmen, eine andere mag sich einer Stufe drei Tage lang widmen, um dann fortzufahren, ein anderer wird Pausen einlegen oder einlegen müssen. - Jeder wird seinen Weg finden.
Ich bemühe mich, in den folgenden Tagen jeweils ein Reuegebet der Sophia und den dazugehörigen Psalm einzugeben.

Jeder Seele unter uns, die diesen Weg geht, wünsche ich den ganz besonderen Segen Gottes!

Samstag, 21. Juni 2025

Auch unsere Gedanken können weltbewegend sein! – Über geheilte Weiblichkeit und unsere Mission, dazu beizutragen, die Trennung des göttlich Weiblichen und des göttlich Männlichen auf den niederen Ebenen der Erde aufzuheben.

Der folgende Beitrag setzt die Postings vom 13. und 17. Juni fort (Link am Schluss)

Nachdem Erdbeben und Aufruhr im Himmel vorbei waren (siehe Teil I), geht Jesus gegenüber seinen Jüngern auf die Situation ein, als er auf dem Ölberg etwas abseits von ihnen saß und diese darüber sprachen, wie sehr sie gesegnet seien durch das, was sie mit dem Erlöser erleben dürfen. Was Jesus nun äußert, ist für mich deshalb so wichtig, weil es auf seine Gedanken verweist und damit einen so bezeichnenden Blick auf den Wert auch unserer Gedanken wirft, nicht jene Gedanken, die mit uns tun, was sie wollen und oft in unserem Kopf Karussell fahren, sondern Gedanken, die zielgerichtet sind und einen ganz besonderen Stellenwert in unserem Leben haben können - er sagt zu seinen Jüngern und wir lesen in der Pistis Sophia:
Als ich ein wenig entfernt von euch auf dem Ölberg saß, dachte ich über die Ordnung des Dienstauftrages nach, für den ich gesandt worden war, und dass er nun vollendet war und dass mir vom letzten Mysterium, nämlich dem 24. Mysterium von innen nach außen unter jenen, die in dem zweiten Raum des Ersten Mysteriums sind, in den Ordnungen jenes Raumes, noch nicht mein Gewand geschickt worden war. So geschah es, als ich wusste, dass die Ordnung des Dienstes, für den ich gekommen war, vollendet war und dass das Mysterium mir noch nicht mein Gewand geschickt hatte, das ich ihn ihm zurückgelassen hatte, bis seine Zeit erfüllt sein würde – darüber nachdenkend saß ich auf dem Ölberg ein wenig von euch entfernt.
Jesu Gedanken scheinen nicht weltbewegend, und doch sind sie es. Er reflektiert seine Situation, er reflektiert die Lebensstufe, auf der er sich gerade befindet. Solche Bestandsaufnahmen sind wichtig.
Seine Gedanken sind, wie sich im folgenden erweist, deshalb weltbewegend, weil sie die Lichtflut vorbereiten, die ihn daraufhin erfasst. J.J. Hurtak - der Herausgeber der Pistis Sophia (siehe Teil I) kommentiert diese Situation: 
Jesus befand sich hier im Prozess der Vorbereitung auf die nächste Entfaltung seines Seinsheit, die nächste Manifestation dessen, was geschehen würde. Die Dinge erledigen sich nicht einfach von selbst, sondern sie erfordern bewusste Vorbereitung auf das Ereignis, das eintreten soll. Gedanke ist der Initiator aller Geschehnisse, die eine Wirklichkeit werden sollen.
Der Text der Pistis Sophia und Hurtaks Kommentar sind für mich sehr aufschlussreich, denn sie zeigen, wie wichtig Gedanken, die wir denken, sein können: Sie können eine neue Phase unseres Lebens einleiten, wenn es nicht solche sind, die mit uns Kopfkarussell fahren und damit von den Archonten und ihren Gehilfen uns eingespeist werden - immerfort fliegen sie ständig um uns herum -, sondern wenn sie im Glauben und Vertrauen geschehen und zielgerichtet sind, das heißt, die Mission von Jesus unterstützen, der die niederen Welten wieder verknüpft mit den höheren und den Menschen den Zugang zum Göttlichen ermöglicht..

In der Pistis Sophia spricht Jesus wiederholt von der „Schatzkammer des Lichts“, jener „ungeheure(n) Quelle an Energie und Kraft, die die göttlichen Gedankenformen und Analoga beinhaltet, die für die Erschaffung und Reprogrammierung der Lebenswelten gebraucht werden (…).“

Jesus erläutert mit großer Sorgfalt, was alles aus der Schatzkammer des Lichtes fließt, „wo die Gedankenformen Gottes nutzbar gemacht werden und durch himmlische Mächte wie Michael und Gabriel und tausende anderer göttlicher Lichtkräfte in Welten neuer Schöpfung hervorgebracht werden.“

Leider hat die katholische Kirche mithilfe diverser Konzilien viel zu sehr den Blick auf den historischen Jesus gelenkt und untergraben, was so vieles darüber hinaus geschieht und was übrigens auch in den Schriften der alexandrinischen und äthiopischen Gemeinden aufgezeichnet ist und - ich bin ziemlich sicher - vom Vatikan hinter verschlossenen Türen verborgen wird.
Mit der Reprogrammierung der Lebenswelten sind ja die Welten und Dimensionen angesprochen, von denen die Menschheit u.a. durch die Katholische Kirche und auch durch den geistig so biederen Protestantismus, der sich so gern den Menschen und ihren Zeitströmungen anbiedert, abgekoppelt wurde; so konnten über viele, viele Jahrhunderte die Menschen in einem seelisch-geistigen Gefängnis, ihrem um die Erde kreisenden Bewusstsein, eingesperrt werden, dessen Mauern nun gewaltige Risse bekommen und einstürzen werden, u.a. durch das Wissen, das die Pistis Sophia vermittelt.

Als ich mich mit Rudolf Steiner zu beschäftigen begann, war ich sehr erstaunt darüber, welchen Stellenwert er dem Denken zuwies. Denken, Fühlen und Wollen sind für ihn ja entscheidende Grundbausteine unserer Wirklichkeits-, sind die Trinität unserer Lebensgestaltung. Darüber war ich anfänglich sehr erstaunt, bis ich mehr und mehr wahrnahm, wie wichtig sie sind, um in unserem Inneren - und natürlich auch im Außen - Freund und Feind zu unterscheiden (Luzifer beispielsweise gibt ganz tolle Channelings durch und hält die "besten" Predigten) und Dinge ins Bewusstsein zu rufen und dort zu verankern für zukünftiges Verhalten.
Bei Jesus lösen Gedanken, wie wir sie auch denken und dies in Zukunft bewusster und zielgerichteter tun, Weltbewegendes aus. Es sind eben nicht nur Gefühle, die im Zentrum unseres Seins stehen sollten, wie es gewisse Medien wie u.a. eine Birgit Fischer, die auf You Tube immerhin annähernd 140 000 Follower hat, ständig suggerieren. Wenn wir unser Denken vernachlässigen, können wir uns nicht den göttlichen Gedanken mehr und mehr annähern, jenen Gedanken, die die Welten geschaffen haben und die mit uns zusammen das Neue Jerusalem schaffen werden.

Auch wir bewegen mit unseren Gedanken die Welt, unterschätzen wir sie nicht! Natürlich beobachten wir mit ihrer Hilfe auch das weltweite Geschehen und die ständigen Kriegsszenarien, aber doch nur, wenn es gut geht, um umso bewusster die weltverändernden göttlichen Gedanken zu denken.
Dass jene noch so wenig im Mittelpunkt stehen, zeigt, welche Bewusstseinsarbeit noch vor uns liegt.
Stornieren wir alle jammernden Gedanken - wie viel wird gerade in der esoterischen Szene über Kriege gejammert oder einfach auch nur dazu veröffentlicht (manche tun es fast täglich und finden das richtig) - und bitten wir Michael und Gabriel, uns in ihre göttlichen Welten aufbauenden Gedanken einzubinden.

Dass wir selbstverständlich unsere Gefühle wahrnehmen und sie eine wertvolle Hilfe für unser Leben, auch unser seelisch-geistiges Vorwärtskommen sind, das will ich mit meinen vorher geäußerten Gedanken in keiner Weise in Abrede stellen. Gewiss haben Männer im Hinblick auf Gefühle in der Regel mehr Lernarbeit zu leisten als das weibliche Geschlecht. Doch für beide Geschlechter gilt, dass die Gefahr besteht, dass Gefühle in der Kläranlage des Lebens bleiben und sich dann immer nur auf der horizontalen Ebene drehen und drehen … stattdessen können sie wie eine hilfreiche Leuchtspur unseren Weg nach oben beleuchten.

Ich möchte aber zunächst noch einmal zurückblenden zu meinen Bemerkungen, die ich über die Pistis Sophia (siehe Teil I) machte und etwas ergänzen, was mir sehr wichtig erscheint und was einen bezeichnenden Wink für unsere Realität beinhaltet:
In der Pistis Sophia melden sich immer wieder Menschen aus dem Umfeld von Jesus, indem sie Gespräche einleiten oder erklärende Aussagen geben, zu Wort. Wenn man die Bibel liest, könnte man meinen, es seien (fast) nur Männer, aber in der Pistis Sophia sind es zwar 33-mal Männer wie Andreas, Petrus, Jakobus oder Matthäus - sieben sind es insgesamt, die sich zu Wort melden -; ihnen stehen zwar „nur“ vier Frauen - Maria Magdalena, Maria, die Mutter Jesu, Martha und Salome - gegenüber, aber sie melden sich 98-mal zu Wort(!).
Und ich finde J.J. Hurtaks Anmerkungen hierzu aufschlussreich:
Wenn wir zur Häufigkeit hinzuzählen, mit der Pistis Sophia [das geistige Wesen] selbst zu Wort kommt (26-mal), sehen wir, dass die volle Wucht der weiblichen Sprechrolle mehr als dreimal so ausgedehnt ist wie die männliche! Man könnte vermuten, dass der Grund, warum die weiblichen Jüngerinnen in diesem Text so deutlich hervorgestellt werden, in der Natur der Pistis Sophia selbst liegt, die weibliche Jungfrauenmatrix wiederherzustellen, was auch erreicht wird, indem Pistis Sophia ihr Vergehen völlig bekennt und den Christus durch sein Lichtgewand umarmt.
Was hier mit dem „Vergehen“ der Pistis Sophia angesprochen wird, bezieht sich auf die Tatsache, dass jene göttlich weibliche Energie „aus Unwissenheit, unabsichtlich Göttlichkeit in die niederen Äonen verpflanzte. Dieser Akt lässt sie ihre Position als Bewohnerin des 13. Äons verlieren und sie (die Weisheit) fällt daraufhin unter die Kontrolle einer minderwertigen Hierarchie, die unvollkommene Kondensationen [= unvollkommene Zustandsveränderungen] von Materie-Energie zulässt. Als Pistis Sophia Ihr gefallenes Bewusstsein erkennt, bittet sie um Erlösung aus diesen niederen Regionen, indem sie Gebete singt und um Hilfe weint. Jesus kommt der ´gefallenen Sophia´ zu Hilfe und bringt die Erlösung nicht nur zu ihr, sondern in alle unteren Bereiche.“
Zu diesen Bereichen zählt unter anderem der Machtbereich des Authades, der den Selbstwillen - im Gegensatz zum göttlichen Willen - repräsentiert; deshalb kann jene Bitte des Vater Unsers, „dein Wille geschehe“, nicht ernst genug genommen werden und ein so heiliger Akt unseres Bewusstseins sein.
„Sophia" ist der Funken Göttlichkeit, der in jeder launenhaften Seele gefangen ist. Sie ist ein Spiegel für die menschliche Seele, doch ist sie auch diejenige, welche die Erlösung ununterbrochen ermöglicht und fördert, in dem sie Wissen und Weisheit vermittelt. Die Weisheit (Sophia) allein ist ungenügend; Erlösung erfolgt für Pistis Sophia nur durch zahlreiche Petitionen und Gesänge des Glaubens, die sie für ihre Befreiung singt. Dies ist ein aktiver Glaube, nicht der blinde Glaube, der vom unbewussten Geist gepflegt wird.
[Anmerken möchte ich, dass die Kommentare ursprünglich in englischer Sprache verfasst sind und ich immer wieder einmal die Übersetzung des ein oder anderen Wortes für nicht so gelungen halte - beispielsweise "Petitionen"]

Bemerkenswert finde ich die abschließenden Worte Hurtaks im Rahmen seiner Einleitung zu diesem Buch, der Pistis Sophia, wenn er den Weg dieser wunderbar weiblichen Wesenheit, die auch wir bitten können, dass sie uns nähertreten möge, uns teilhaben lassen möge an ihrer wiedererrungenen göttlichen Weisheit, mit den Worten krönt:
Die gesamte Wiederaufrichtung durch den Erlöser bedeutet ja das Hervorbringen der erneuerten Sophia, d.h. unserer weiblichen spirituellen Natur, sich ganz der spirituellen und nicht-physischen Realität bewusst, die nicht mehr vom Tod berührt wird, denn der Tod war für Enoch und Elias nicht notwendig gewesen, die von den höheren Mysterien gekostet hatten. Die mit Sophia Lebenden haben schlussendlich ihr verlorenes Bewusstsein inhärenter Unsterblichkeit wiedergefunden",
eines Bewusstseins also, das ewig mit Unsterblichkeit verbunden ist, auch wenn wir diesen Tatbestand auf unserem Weg zeitweilig aus den Augen verloren haben. Diese Zeit ist nun vorbei.

Paulus weiß, wenn er im 1. Korintherbrief, Kap. 15, fragt
O Tod, wo ist dein Stachel?
O Grab, wo ist dein Sieg?
um die Antwort!
Der Tod hat seinen Stachel verloren. Der Sieg ist unser.

Erneuerte, geheilte Weiblichkeit bedeutet ewige Weiblichkeit.
Ewige Weiblichkeit aber ist verbunden mit ewiger Männlichkeit.

Wenn wir dieses Bewusstsein mit unserer Erdenrealität verknüpfen, verknüpfen wir unsere Erde mit einer umfassenden Form von Liebe und tragen dazu bei, sie auch zu befreien von „den erdgebundenen Spielen von Männern, die nie erwachsen werden und sich immer noch Spielzeugtechnologien wünschen, die zu Technologien des Todes werden“, die immer nur einen Deal machen wollen und sich bereitwillig der Macht der Börsen ausliefern, nicht erkennend, in welchen Händen diese und eben auch ihre Seelen sind.

Die Pistis Sophia als Schrift und als Wesen stellt den Erlöser Jesus Christus in den Mittelpunkt, lenkt das Bewusstsein der Menschen hin zum göttlichen Willen, weg vom Selbst-Willen, und möchte die Spaltung zwischen dem göttlich Männlichen und dem göttlich Weiblichen heilen, eine Teilung, die auf niederen Ebenen die menschliche Seele so sehr ins Verderben führt. Die Gnostiker wussten darum, dass nur die irdische Schöpfung diese Trennung einer ursprünglich göttlichen Einheit von Mann und Frau aufweist.

Mögen immer mehr Menschen diese Trennung in sich heilen und dieses geheilte Bewusstsein in die Welt bringen.

PS
Teil I: