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Donnerstag, 16. Januar 2025

Wer sich spirituell nicht deutlich bewegt, wird zu den Verlierern dieser Zeit gehören.

Die bewusste Menschheit geht in dieser Zeit entscheidende Schritte, indem sie ihr inneres Wesen öffnet über ihr solares und galaktisches System hinaus hin zu universalem Bewusstsein. Letzteres bereitet sich intensiver bereits seit einem halben Jahrhundert vor und wird sich in den nächsten Jahren und Jahrzehnten in dazu bereiten Menschen realisieren, was nicht einfach sein wird, weil der Zugang zu diesem Bewusstsein erheblich erschwert werden wird durch Irritationen, ausgelöst durch Fake-Zugänge, die dunkle Kräfte bewusst inszenieren.

Leider steht zu befürchten, dass nicht wenige Menschen weiter schlafen wie bisher und dazu gehören gerade diejenigen, die sich spirituell ihres Bewusstseins so sicher sind. Zu ihnen zähle ich vor allem dogmatische Christen, festgebackene Anthroposophen (Steiner hat mittels seines Namens vor ihnen gewarnt) und all jene, die sich von Channelings und spirituellen Botschaften einlullen lassen, gerade weil letztere betonen, wie herausfordernd unsere Zeit ist, von der Überwindung von Restbeständen alter Ängste sprechen, von Selbstermächtigung und Vergleichbarem, aber durch die Art der Vermittlung (man braucht nur die Dutzende, meist pauschal lobhudelnden Kommentare unter entsprechenden Beiträgen lesen) dafür Sorge tragen, dass alles häufig in einer wabernden pseudo-spirituellen Aufgeschlossenheit steckenbleibt, weil u.a. unbemerkt Göttlichkeit mit dem eigenen Seeleninneren gleichgesetzt wird. Zudem gibt es eine nicht unerhebliche Zahl recht selbstgefälliger Menschen gerade im esoterischen Bereich, die meinen, über alles etwas zu sagen zu haben.

Arbeit mit und an der eigenen Seele: Wie sieht sie konkret aus?
Wer das für sich selbst nicht weiß bzw. sich nicht einmal diese Frage stellt, dümpelt womöglich im Kehrwasser des großen Stroms, der an einem vorbeifließt und einen glauben lässt, man schwimme mitten in ihm (bedauerlich ist, dass große Teile der Menschheit nicht in diesem Strom schwimmen, sondern es sich in seinen Seitenarmen oft gemütlich eingerichtet haben - zum Beispiel mit Waschmaschinen über 1000 Schleuder-Umdrehungen und beheizten Vordersitzen im Auto, wobei zu den dominierenden Lebensfragen gehören: E-Auto: ja oder nein; essen, vegetarisch oder vegan …).

Im 15. und 16. Jahrhundert legte die Menschheit von den Küsten ihrer Länder und Kontinente ab hinaus aufs offene Meer. Ende des 20. Jahrhunderts legte die Menschheit von der Erde ab, eroberte den Orbit (vermüllte ihn vor allem mit Weltraumschrott) und richtete ihr Augenmerk auf die (leider vor allem physische) Eroberung der sie umgebenden Planeten (Elon Musk ist der Prototyp dieser Spezies).
Nun ahnen nicht wenige oder beginnen sogar bewusst wahrzunehmen, dass wir schon seit langem im Fokus universaler Wesenheiten sind, die beginnen, sich bewusster bemerkbar zu machen (seien es die diesbezüglich sehr aktiven Plejader, Arkturianer, Wesen vom Orion usw.), vor allem, weil unsere Mitbewohner des Kosmos bemerken müssen, dass die Menschheit Gefahr läuft, ihr eigenes kosmisches Zuhause zu ruinieren, wobei atomare Bedrohung und die innerliche und äußere Aufrüstung mit ungeheuer aggressivem Potential (man schaue nur den Gewaltpegel in den Medien an - übrigens leider gerade auch im Bereich der Sexualität) im Mittelpunkt der Aktivitäten von uns Menschen stehen. Unter ihnen können zunehmend mehr dieses Potential innerlich nicht mehr handeln und schießen oder stechen um sich, sei es mit Waffen und Messern in Schulen oder generell in der Öffentlichkeit oder sie benutzen Autos als Waffen - auf Weihnachtsmärkten oder generell auf Straßen. Wie Fontänen werden in Zukunft bei immer mehr Menschen aus dem Unbewussten entsprechende Energien nach oben schießen und scheinheilig fragen sich Politiker und Wissenschaftler, woher dies komme - alle wissen es ganz genau; lange genug haben wir als Menschheit diese Energien aufgebaut.

Von bewusst und wissentlich bösen Menschen einmal abgesehen: sie gibt es auch und Putin gehört für mich an vorderster Front dazu als vielfach oft indirekter eiskalter Lebensvernichter, sprich Mörder, wobei für mich aufschlussreich ist, wer ihre bzw. speziell Putins Existenzweise verwässert.
Zu solch energetisch dunklen Menschen gehören aber auch jene, die im Hintergrund die Geschicke der Menschheit mit bisher funktionierenden Stellschrauben - und es gehören nicht nur pekuniäre, sondern dezidiert schwarzmagische dazu (ich denke ganz besonders auch an Wettermanipulationen, deren Auswirkungen den Menschen Existenzangst machen und sie abhängig halten sollen) - bestimmen. Ihre Zeit neigt sich dem Ende zu, zumindest was die Heimlichkeit ihres Agierens betrifft.

Auch in diesem Beitrag - wie in den vorausgehenden - möchte ich gerade auch mit Hilfe des Links (siehe Schluss) aufzeigen, wohin die seelisch-geistige Reise geht; bisweilen scheinen die inhaltlichen Punkte wenig spektakulär; aber sie wirken als seelisches Ferment; das ist gerade für jene Menschen wichtig, die ihren geistigen Stecker in alles mögliche Zukünftige stecken, aber nicht sehen, dass die Verbindung in ihre geistige Vergangenheit nicht intakt ist. Alle Verbindung nach vorn funktioniert nur, wenn wir uns mit dem -Ur- befassen, mit unserer Ur-Sprünglichkeit, wenn wir endlich ent-decken, was wir selbst in vielen früheren Leben zudeckten (es geht um unseren inneren Adam Kadmon).
Unsere Ursprünglichkeit finden wir als Heiliges Dokument vor allem in der Torah, landläufig als die 5 Bücher Mose bezeichnet. J.J. Hurtak bezeichnet die Torah aufgrund der mathematischen Schlüssel, die in jedem hebräischen Buchstaben - Enoch bezeichnet sie auch als Feuerletter - enthüllt sind, als die Weisheitslehre unter den Himmelskörpern und gibt Enoch in seinem Buch "Die Schlüssel des Enoch" wieder:

„Die Torah ist die Mathematik, die die heilige Chemie von der weltlichen Chemie trennt. Sie ist die Codierung, die spirituelle Universen mit physischen Universen verbindet.“ Sie steht im Übrigen in enger Beziehung mit der Architektur und Mathematik der Großen Pyramide von Giseh (https://www.schluesseldesenoch.org/neue-kammern-in-der.../)

Am Ende dieses Schlüssels heißt es (und Anmerkungen von mir im Rahmen der Zitate sind durch eckige Klammern gekennzeichnet):
„Die Torah, wenn mit dem Namen Gottes richtig gebraucht, wird zur Sprache von Shuvah, die eine Bewusstseinsrückkehr zu den höheren Gewahrseinsebenen aktiviert. Die Torah ist die spirituell-wissenschaftliche Sprache der Luminarien [Himmelskörper], die uns dafür öffnet, mit den Söhnen Gottes zu sprechen und mit ihnen eines Sinns zu sein. (…) In der Stunde des Aufstiegs wird unser Körper wie die Torah-Rolle sein, erfüllt von Licht und als ein Geschenk an die Wohnungswelten der Kabbala dargebracht.“

Doch lässt sich in Wahrheit die Torah nicht auf die Bücher Mose begrenzen, wie Hurtak erläutert, „weil der Bau des Grundsteins, der Großen Pyramide, mathematisch im Buche Jesaja gegeben ist, und das Energie-Vehikel, das uns mit den Sternen gezählt werden lässt, ist bei Daniel [Buch Daniel im AT] und in anderen prophetischen Abschnitten genannt. Ohne diese Schriftrollen könnte das Volk Gottes die Jakobsleiter zum Aufstieg in die Himmel der Ophanim [höhere Engel-Intelligenzen des Lichts, die den Vater- und Sohn-Universen dienen] nicht besteigen. Desgleichen ist das Buch der Offenbarung notwendig, um einen wirklichen Bericht darüber zu geben, wie der Göttliche Rat der Elohim zur Zeit der Wiederherstellung JerUSAlems den Schlußstein der Großen Pyramide und das Gewand des Messias für die Kinder des Lichts materialisieren wird.
Daher bilden alle diese Bücher die wahre Torah.“

Obwohl der ein oder andere Satz, die ein oder andere Passage für den ein oder anderen – ich gehöre dazu – inhaltlich (noch) nicht zur Gänze erfassbar ist, so möchte ich dennoch eine Sequenz aus den „Schlüsseln des Enoch“, aus dem Schlüssel 206, auf meinem Blog „Wortbrunnen“ zitieren (s. Link unten), weil sie deutlich machen kann, wie ernst es um die Situation von uns Menschen ist, wie sehr damit unsere Sprache zusammenhängt, die eine Sprache gefallener Himmelswesen ist, wie sehr uns die Zunge der Schlange und Leviathan beeinflussen und wie hilfreich zugleich die biblischen Dokumente, mögen sie sich im AT oder NT befinden, für uns sind. Man muss nicht alles intellektuell erfasst haben, was die Seele sehr wohl dennoch aufnimmt und verarbeitet, vorläufig oft ohne dass dies uns bewusst ist. Je mehr wir diese Tatsache akzeptieren, desto mehr kann sich unser Verstehen erweitern. Es gehört eine neue Qualität an Demut dazu, aus ganzem Herzen JA sagen zu können zu einem Satz aus Schlüssel 206:

„ Nur wenn der Mensch wieder fähig wird, das Christus-Licht zu sein, wird er fähig sein, die Sprache des Lichts zu benutzen und an den höheren Lichtwelten mitzuwirken.
Er wird sich dann die Sprache der Söhne des Lichts aneignen, die auch die ersten Mitglieder der Adamischen Rasse benutzten, als sie ursprünglich auf diesen Planeten kamen. Und das ist der Grund, weshalb Enoch in dieser Zeit zur menschlichen Gemeinschaft spricht…“

Am Ende des nun beginnenden Bewusstseinsprozesses wird die Erkenntnis stehen:

„ Die Sprache des VATERS ist ein Ruf an die Geliebten wie ein spirituelles Licht, das über den Wassern der Schöpfung schwebt. Und ihr seid diese Schöpfung.“

Mittwoch, 29. November 2023

Brüder Grimm: „Der Gevatter Tod“ - ein noch weitgehend unverstandenes Märchen

Inhaltlich haut einen das Märchen nicht gerade vom Hocker, man möchte die Handlung fast als etwas trivial bezeichnen und sich auch fragen: dieser Schluss, ist der ein Märchen wert, eines Märchens würdig?

Im Original findest Du das Märchen hier ( https://lmy.de/IHOo ) und zusammenfassen lässt sich der Inhalt so:

Verzweifelt rennt ein armer Mann auf die Straße und sucht für sein 13. Kind nach einem Gevatter (heute versteht man darunter einen Paten). Er begegnet Gott, doch als der sich als eben jener outet, lehnt er ihn als Gevatter ab, ebenso wie den Teufel, auf den er anschließend trifft. Über die Gründe der Ablehnung kann man gewiss streiten, sonderlich originell sind sie nicht.
Alle guten Dinge sind drei, er begegnet dem Tod, und dessen Begründung, dass er alle gleich mache, überzeugt den armen Familienvater, in jenem den richtigen Gevatter gefunden zu haben.
Für den Rest des Märchens verschwindet im Übrigen unser Armer von der Bildfläche; der Tod macht sich nämlich an dessen Kind heran, wohl liebt er, wie wir es von Mephistopheles in Goethes „Faust“ wissen, die vollen, frischen Wangen („für einen Leichnam bin ich nicht zu Haus“). Er verspricht dem jungen Erwachsenen, ihn zu einem berühmten Arzt zu machen, und das einzige ist, jener muss sich an seine Bedingungen halten.
Wie kaum anders zu erwarten: der Mann scheitert an den Bedingungen, u.a., weil er den Tod glaubt austricksen zu können. Letzterer ist sogar noch so großzügig und lässt ihn fürs erste leben, doch als der Sohn beim zweiten Mal die Bedingung übertritt, kassiert der Tod sein Leben.

Leider habe ich keine Interpretation zu diesem Märchen gefunden, leider auch nicht bei dem bekannten anthroposophischen Märchendeuter Rudolf Geiger, mich hätte doch zu sehr interessiert, wie aus diesem Märchen ein tiefer Sinn herauszuholen ist. Dass der Tod im Leben und über das Leben siegt: dafür ein Märchen zu schreiben lohnt sich doch wirklich nicht. Vielleicht mag etwas erstaunlich sein, dass der arme Mann Gott als Gevatter ablehnt, zumal seine Begründung doch etwas nebulös daherkommt. Aber in der Beziehung zwischen Gott und Mensch ist man Nebulöses gewohnt.

Märchen sind ja nicht vom Volk geschrieben, wie man immer zu sagen pflegt, in Wirklichkeit sind sie rosenkreuzerischen Ursprungs oder verfasst von Eingeweihten bzw. Seelen, die auf diesem Weg unterwegs waren. Manchmal ist jedes Wort in einem Märchen wichtig, und dass ein Volk diese Märchen zusammengebastelt habe und dennoch jedes Wort wichtig sein soll - wer’s glauben mag, soll’s glauben.
Ich weiß nicht, ob der Verfasser dieses Märchens meinem Verständnis zustimmen würde, aber im Rahmen meines Blickes auf dieses Märchen erkenne ich - entgegen dem ersten Augenschein - einen tiefen Sinn. Er ergibt sich aus der Tatsache, dass - öfter als wir ahnen, wenn von Gott die Rede ist - ungewollt nicht Gott das eigentliche Ziel der spirituellen Begierde ist, sondern Luzifer, die alttestamentarische Schlange (mehr zu Luzifer hier: https://lmy.de/JLEk )
Vergleichbares gilt für den Fall, dass Himmel und Hölle angesprochenn sind: dann bezieht sich der Himmel nicht auf Gott - der unerschaffene Gott kennt keinen Gegensatz -, sondern auf Luzifer.
Luzifer ist jene Wesenheit, die unter jenen, die Golgatha nicht verstanden haben oder nicht verstehen wollen, absahnt und sie ganz stolz in seinem Zug der Weisheit, seines Lichts - Luzifer bedeutet übersetzt „Lichtträger“ - das ohne Liebe ist, mitlaufen lässt; darunter gibt es viele esoterische oder auch spirituelle Menschen, die unglaublich geistvoll reden können; doch sie stehen einer bekannten Zahnpastamarke näher als Golgatha.
Gott wird oft also mit Luzifer verwechselt; es gibt allerdings hier noch einen weiteren Aspekt und ich teile die Ansicht Rudolf Steiners, dass viele Menschen, die Gott ansprechen, im Grunde mit ihrem Engel oder ihrer letzten Devachangestalt sprechen, jener Gestalt also, die sie sind, bevor sie ihre nächste Lebensreise antreten: in Letzterem Fall also würden sie im Grunde mit sich selbst sprechen.
Ein Paradebeispiel dafür ist Rainer Maria Rilke mit seinen Zeilen aus seinem „Buch vom mönchischen Leben“, wir lesen dort:

Du, Nachbar Gott, wenn ich dich manchesmal
in langer Nacht mit hartem Klopfen störe, -
so ists, weil ich dich selten atmen höre
und weiß: Du bist allein im Saal.

In Wahrheit spricht Rilke im Grunde mit sich selbst.
Jemand könnte denken, dass das doch besser sei, als auf Luzifer hereinzufallen; ich bin mir allerdings nicht sicher, ob die Selbsttäuschung nicht viel langanhaltender sein könnte.

Die Hölle und damit Ahriman - in der Geisteswissenschaft Steiners entspricht er dem Satan des Christentums - aber ist jene im Übrigen höchst intelligente Wesenheit, die den Menschen an die Erde bindet und dessen Bewusstsein im Materiellen und Physischen steckenbleiben lässt. Zur Zeit versuchen einige Menschen mit Hilfe künstlicher Intelligenz u.a, Leben zu verlängern, ja, dem Tod womöglich ein Schnippchen schlagen zu können. - Satan/Ahriman amüsiert das köstlich.
Soweit vorläufig zu dem angesprochenen Dualismus von Himmel und Hölle; später mehr dazu.

Sehr viel habe ich im Rahmen meines Studiums der ein oder anderen Schrift Rudolf Steiners gelernt von jener Episode, die jener in der GA 148, seinem so genannten Fünften Evangelium wiedergibt, als er schildert, dass Jesus beim Durchschreiten eines Stadttores einer Essäerstadt wahrnimmt, wie Ahriman und Luzifer, die er immer an dem Stadttor gesehen hat, nie aber in der Stadt, von den Stadtmauern fliehen und ihm wird bewusst, dass die Essäer, indem sie die beiden vertreiben, dies auf Kosten der anderen Menschen tun, die diesen beiden umso mehr ausgesetzt sind. Auf diese Weise wollen Essäer und manche Menschen heilig werden. Es sind die Säulenheiligen und Yogis, die ein Leben lang einen Meter über der Erde schweben und glauben, dem Himmelreich nahe zu sein, jene Esoteriker, für die immer alles gut ist, weil sie in Wirklichkeit der Realität des Gegenteils ausweichen.
Jesus erkannte damals, dass genau das, das Aussperren des sogenannten Bösen, nicht sein Weg ist. Menschen, die sich für das Göttliche qualifizieren, die zurück in die wahre Heimat wollen, erreichen eine für uns noch kaum vorstellbare Bewusstseinstiefe durch die Auseinandersetzung mit den Machenschaften Luzifers und Satans/Ahrimans, und indem sie letztendlich beide in sich erlösen.
Mich persönlich haben die Ausführungen Steiners überzeugt, und natürlich muss jeder für selbst entscheiden, ob er dessen Blicken in die Akasha-Chronik und seinen Vorstellungen von der eigentlichen Realität des Lebens zustimmen mag.
Jenen Weg jedenfalls zwischen Ahriman und Luzifer - in ständiger Auseinandersetzung mit beiden - erfasst die Steinersche Lehre als den Weg der Menschen, den Weg der Menschen der zehnten Hierarchie, einen Weg, den die vorausgegangenen neun Hierarchien ( https://lmy.de/FUvs ) vielleicht nicht kreiert haben - das obliegt, denke ich, der göttlichen Trinität -, den sie aber mittels einer irdischen Realität, wie sie so noch nie im All vorhanden war, umgesetzt haben und mit Hilfe des sogenannten Bösen, mit Hilfe von Krankheiten und Tod. Dieser Weg ist es, der zu einem Bewusstsein führt, das im Universum neuartig und und in dieser Dimensionalität noch nicht erreicht worden ist.
Selten wissen die Menschen, wie sehr das gesamte Universum, alle Multiversen, auf sie schauen, wie unfassbar viele Wesen an ihrem Weg beteiligt sind, durchaus auch als Gegenspieler, aber als solche im Rahmen dieses neuen Weges unverzichtbar für die Entwicklung des Menschen. Im „Faust“ weiß der Herr in seinem Gespräch mit Mephistopheles, warum:

Des Menschen Tätigkeit kann allzu leicht erschlaffen,
er liebt sich bald die unbedingte Ruh;
Drum geb ich gern ihm den Gesellen zu,
Der reizt und wirkt und muß als Teufel schaffen.

Der Geselle ist Mephistopheles und Goethe, der bei aller Genialität noch nicht Satan/Ahriman und Luzifer unterschiedlichen Wirkweisen des sogenannten Bösen zuordnen konnte, hat beide in der Gestalt des Mephistopheles zur Darstellung gebracht

Für mich ganz entscheidend ist, das spirituelle Dilemma zu durchschauen, das der Dualismus mit sich bringt: immer stehen sich zwei Pole gegenüber und nie wird der Kampf zwischen beiden zu einem Frieden der Seele führen; das gilt selbst für Liebe versus Hass. Wer dieses Dilemma verstehen möchte, mag sich nur Golgatha vorstellen und dass dort zwei Kreuze stehen; nie hätte sich in der Folge etwas auf der Erde wirklich verändert. Nie wäre wirklich ein neues Bewusstsein auferstanden, nie hätte sich ein Weg der Erlösung aufgetan, in dessen Rahmen auch Ahriman und Luzifer erlöst werden wollen. Möglich allein wird dies durch das Rosenkreuz zwischen den beiden anderen.

Der Sohn des Alten, der sich im Märchen mit dem Tod arrangiert, sperrt entweder, wie die Esssäer, Satan und die Schlange bewusst aus und glaubt auf diese Weise sein Glück zu erreichen; oder - und diese Annahme ist wohl die wahrscheinlichere – er wusste nicht, was er tat, als er die Schlange ( = „Gott“) und den Satan von sich wies, glaubend, ein Leben ohne diese leben zu können (unabhängig also von seinen platten Begründungen). Auf dem Hintergrund dieses Bewusstseins kann er nur ein Opfer des Todes werden. Den Tod überwindet, „wenn er gleich stürbe“, wie es in der Bibel heißt, wer wie Parzival, d e r Mensch unserer Zeit, der sich zum Christushelden hinaufarbeitet, bereit ist, wie dieser zukünftige Gralskönig die Karfreitagsbotschaft, die jenem durch Trevrizent übermittelt wird, mit dem Herzen aufzunehmen. Wer den Karfreitagsweg nicht geht, wer glaubt, an Gethsemane außen vorbeigehen zu können und dennoch den Tod zu überwinden, der frage nach bei dem Sohn des Alten.

Es könnte die Absicht des Verfassers des Märchens gewesen sein, dass er Menschen, die auf dem Hintergrund des trivialen Endes nachdenklich werden, bewegen möchte, darüber nachzudenken, ob es nicht doch die Möglichkeit gibt, den Tod zu überwinden. Das könnte den ein oder anderen zu der Erkenntnis führen, dass Gott/Luzifer beziehungsweise den Teufel/Satan/Ahriman abzulehnen nicht der Weg von uns Menschen sein kann.
Momentan sehe ich dieses Bewusstsein noch wenig verbreitet. Der Osten stellt sich gegen den Westen, Juden gegen Palästinenser. Aber das Bewusstsein der Menschen ändert sich; die alten patriarchalischen Strukturen werden vielen Menschen immer fragwürdiger und das damit verbundene Wissen. Immer mehr Menschen lassen ihr Herz entscheiden und nicht mehr überkommene Strukturen.
Ich gehöre zu jenen, die eine heraufdämmernde Morgenröte in Bezug auf das Bewusstsein der Menschen zu erkennen glauben, weil sie Ja sagen zu den Herausforderungen Satans und Luzifers, aber nicht kuschen, sondern den Weg durchziehen bis zum Rosenkreuz, das ja eben kein Ende ist, sondern ein Tor zu viel mehr …

Sonntag, 2. Juli 2023

"Du siehst, mit diesem Trank im Leibe, / Bald Helenen in jedem Weibe." - Über männliches Lieben und/oder Begehren.

Im 3. Video zum ersten Teil von Goethes "Faust" möchte ich offenlegen, wie gewisse Kräfte - wir nennen sie Schlange/Luzifer bzw. Satan/Ahriman - aktiv dafür Sorge tragen wollen, dass die Seele des Menschen sich nicht in die Richtung entwickelt, welche die eigentliche Alternative zu ihnen wäre: in Richtung auf das Ewig-Weibliche. In der Gestalt Margaretes offenbart sich, welchen Angriffen das Weibliche ausgesetzt ist und wie sehr es allein dazustehen scheint.
Was es mit der Bedeutung der Geschlechter auf sich hat, ist leider vielen Menschen nicht mehr klar - der ganze Gender-Hokuspokus ist darauf angelegt, die Bedeutung der Geschlechter zu destruieren. Die weltweiten Irritationen und der Kampf, den viele Menschen ausfechten, um zu ihrem Geschlecht stehen zu dürfen, zeigt, welches Chaos in den Seelen derzeit herrscht; doch Chaos ist Voraussetzung für eine neue Ordnung, für ein neues, erweitertes Bewusstsein.

Ein Verständnis für die Bedeutung des Männlichen und Weiblichen ist Voraussetzung für eine gesunde, heilsame seelisch-geistige Entwicklung der Menschen und der Menschheit. Es kommt nicht von ungefähr, dass die oben angesprochenen Kräfte die wahre männliche Kraft in der Gestalt des Faust korrumpieren. Nicht nur in Bezug auf den Faust sondern auch in Bezug auf unsere derzeitige aktuelle Situation ist es notwendig, dass eine starke weibliche Kraft das Männliche unterstützt, seine kosmische Bedeutung wiederzufinden. Gewiss zeigt sich auf unserer Erde, dass auch das Weibliche sehr gefährdet ist und wir werden gewahr, wie sehr nicht wenige Frauen die Achtung vor sich selbst verlieren. Umso wichtiger ist, dass viele Menschen, Frauen, aber auch Männer, die luziferisch-satanischen Attacken durchschauen. Je mehr sie bewusst werden; desto weniger Wirkung können sie entfalten.

Was der Menschheit fehlt, ist die Erkenntnis, dass in allem, was wir tun, ein kosmischer Bezug enthalten ist. Das Ewige kommt allein aus dem Kosmos; das gilt für das Ewig-Weibliche und Ewig-Männliche.
Goethes Faust ist darauf angelegt, Attacken, die ein neues Bewusstsein verhindern wollen, zu offenbaren. Noch am Ende des 2. Teiles wird die Sorge als luziferisch-ahrimanische Angriffsmöglichkeit entlarvt.
Am Ende des ersten Teiles, dem wir mit einem 4. Video gerecht werden wollen, zeigt sich, dass Rettung von einer Seite kommt, mit der heute leider die wenigsten Menschen noch rechnen.

Faust-Leser lassen sich da nicht beirren. Zu eindrücklich gestaltet Goethe, wie sich aus einer persönlich engsten Situation eine himmlische Weite entfalten kann. Faust kann dies im ersten Teil nicht erkennen; zu sehr hat er sich Mephisto ausgeliefert.
Gretchen erkennt sie; wir müssen nicht, wie Margarete, sterben, um sie wahrnehmen zu können. Wir können von Faust lernen, wie wir uns nicht verhalten sollten. Es gilt, was schon zu Beginn des Faust geschrieben steht: Ein jeder sieht, was er im Herzen trägt.“

Was wir dort tragen, darüber entscheiden wir jeden Tag. Wie wichtig es ist, das zu beherzigen, darauf weist Goethes „Faust“ hin.

Samstag, 17. Juni 2023

Faust I(2) "Lass in den Tiefen der Sinnlichkeit / Uns glühende Leidenschaften stillen"!

Vor allem, wenn wir sie nicht zur Kenntnis nehmen, sind wir der Schlange (alias Luzifer) und Satan (alias Ahriman) ausgesetzt; von Freiheit sollten wir dann nicht sprechen.

In seinem "Faust" gestaltet Goethe unsere möglichen Formen der Abhängigkeit und dementsprechend die Gerissenheiten der beiden geistigen Kräfte; zugleich wird im Laufe des Gesamtwerkes deutlich, wie wir mit ihnen umgehen können, denn es ist kein Zufall, dass in "Faust II" Luzifer Faust den Schlüssel zum Reich der Mütter geben muss, selbst aber nicht dahin absteigen kann.
Mit dem "Faust" hat Goethe eine Möglichkeit geschaffen, für unser Leben Entscheidendes wahrzunehmen. Die Faust-Videos wollen dabei eine Hilfe sein.
Letztendlich geht es darum, Luzifer und dem Satan furchtlos zu begegnen und sie in uns zu erlösen. Den Schlüssel dazu finden wir am Fuße des Kreuzes von Golgatha.


Montag, 28. Oktober 2019

Nachts, / Wenn der orangene Mond sich ganz silbern gewandelt, / Kommen auch andere heimlich und bringen Gold . . . Bildnis eines Räubermädchens


Das Räubermädchen

Nachts,
Wenn der orangene Mond sich ganz silbern gewandelt,
Kommen auch andere heimlich und bringen Gold,
Hänger, klirrendes Springzeug, das um meinen Nacken tollt,
Blühende Steine, die man in dunklen Schächtelchen handelt,
In pfauenblauen und mohnroten Atlas rollt.
 

Alle nehme ich nicht: ich verachte die dummen Türkise;
Demanten sind glitzernd scharf, zu wirklich, ich liebe sie nicht.
Ich halte die graue Perle, ihr sinnendes Licht,
Und das Rätsel Opal - war so im Abend die Wiese ? -
Und den Zitrontopas, der Unheil zerbricht.
 

O grüne Schlangenaugen, heißt ihr smaragden ?
So sind Augen, die sich mit mir gefüllt,
Bis ich sagte »Genug« und mein Mund sie umhüllt,
Wenn Er vertauschte mit mir die Lust seiner Jagden
Und die geströmte Felldecke niederschlug, plump und zerknüllt.
 

Was ist gut ? Ich weiß nicht. Wird Gott mich strafen ?
Was ist böse ? Mich hat keiner Bosheit gelehrt.
Fraun tragen Ketten und Kinder; der Mann trägt ein Schwert,
Und es ist süß, an einer Brust zu schlafen,
Die anders als unsere, hart und zottig bewehrt.
 

Bald,
Wenn wieder große Waffen silbern sich kreuzend blitzen,
Kaufmanns Gewand in gelbe und schwarze Blumen zerfliegt,
Such' ich ein altes Lied zusammen, das schläfert und wiegt;
Aber den Natternzaubrer in Mauerritzen
Hat schon des Kindes grünliches Blinzeln besiegt.


(aus G. Kolmar, Weibliches Bildnis in vier Räumen)

Man muss in der Lyrik eines Georg Heym, eines Hölderlin, eines Rilke der Duineser Elegien, einer Gertrud Kolmar nicht alles verstanden haben. Man nähert sich den Bildern eines schreibenden Gegenüber, seinen Farben, seinen Tieren, seinem Personal. Es gibt kaum etwas Wertvolleres, als mit den Bildern und Worten anderer anders und auf neuen Wegen denken zu lernen. Man befreit sich selbst, sein eigenes Denken und macht es reicher, umfassender, tiefer.

Montag, 12. September 2016

Ausgetretene Pfade verlassen: Von der Religion des weißen Schneefeldes und dem Weg zur schönen Lilie.

Mir gefällt dieses Werk Regines so sehr, dass ich es - gleichsam als Logo - für die Fortsetzung meines letzten Post wiederverwende. Dort stand am Schluss im Mittelpunkt die Brücke, wie wir sie in Goethes Märchen von der schönen Lilie und der grünen Schlange finden, die das Land der Lilie von der gewöhnlichen Welt trennt, weil man nur zu bestimmten Zeiten und Bedingungen Zutritt gewinnt. Übrigens ist ja in der germanischen Mythologie der Regenbogen, Bifröst genannt, ebenfalls eine Brücke, welche die Welt der Götter und der Menschen verbindet.

Jenes Land zu betreten, das jenseits der Brücke beginnt und mit dem ich ein weißes, weites Schneefeld assoziiere, erinnert mich an jene Gefühle, die ich empfand, wenn ich damals - es sind nun gut dreißig Jahre her - von jenem Haus, das wir zu viert erworben hatten, auf Langlauf-Skiern Richtung Wald und dann durch den Wald glitt, wenn der Schnee über Nacht gefallen war und alles reines Weiß war, unberührt. Ob mitten durch den Wald oder auf Waldwegen oder über Felder zu gleiten: Immer war es ein Gefühl, als ob die Tatsache, dass man der Erste sei, der den Schnee berühren dürfe, ein ganz besonderes Privileg sei und eine besondere Wertschätzung dieser Situation gegenüber erfordere, aus der - man kann es nur so sagen - ein gewisses Gefühl der Heiligkeit resultiert.

In aller Regel gehen wir unser Leben lang recht ausgetretene Pfade, über die schon viele Menschen gegangen sind. Selten, dass Menschen auf der Erde etwas tun, was noch keiner vor ihnen tat, was noch keiner vor ihnen dachte, was noch keiner vor ihnen fühlte.
Aber es ist dies nicht nur ein Geschehen, was sich auf die Erde bezieht, sondern auch auf unsere Seele:

Ich glaube, ab einem bestimmten Punkt, ab einem bestimmten Geschehen verlassen wir als Menschen die ausgetretenen Pfade der Seele und eine Seele nimmt ihren eigenen Weg, geht über ihre Brücke, die nur für sie bestimmt ist. Das erinnert an Kafkas Türhüterlegende, im Rahmen deren ein Mann vom Lande sich zwangsläufig vor einer Tür niederlassen muss, hinter der das Gesetz beginnt, weil ihn ein Türhüter nicht einlässt. Es lohnt sich, sie zu lesen, denn sie ist in höchstem Maße spirituell. An deren Ende jedenfalls weiß der Mann vom Lande, dass er sterben wird; seltsamerweise beginnt er nun erst ein Licht aus jener Tür, die zum Gesetz führt, wahrzunehmen und nun erst fällt ihm auf, dass niemand je an ihm vorbei durch diese Tür wollte und genau danach fragt er den Türhüter. Und jener antwortet:  „Hier konnte niemand sonst Einlass erhalten, denn dieser Eingang war nur für Dich bestimmt. Ich gehe jetzt und schließe ihn.“

Ich bin mir recht sicher, dass nicht jeder Mensch zwangsläufig durch diese Tür geht oder über jenes weiße Schneefeld. Am Ende von Entwicklungszyklen der Menschheit gibt es immer eine vielleicht recht große Zahl von Menschen, die einen anderen Weg gehen, der sie nicht ihrem eigentlichen und wahren Ziel näherbringt, eher vielleicht sogar im Gegenteil. Man muss das nicht werten, es hat auch nichts mit einem gleichsam moralischen Verständnis von Himmel oder Hölle, gut oder böse zu tun. Es ist einfach Fakt, dass Menschen sich für eine Gesinnung, eine Einstellung für eine Lebensweise und Sicht auf das Leben entscheiden. Und die hat Konsequenzen. Ich glaube, dass die Menschheit seit geraumer Zeit und vielleicht auch noch einige Dekaden an einem neuerlichen Scheideweg steht. Die eine Richtung weist Richtung Materialismus, Richtung reinem Naturalismus der Naturwissenschaften, dass also alles stofflich ableitbar sei, auch wenn die Elementarteilchen immer kleiner werden. Der österreichische Philosoph Peter Strasser spricht in diesem Zusammenhang in seinem Buch Ontologie des Teufels von einer Entgeistung, ja Seelenlosigkeit des modernen Menschen. Ich stelle fest, dass eine damit verbunden Einstellung momentan fast en vogue zu sein scheint, dass sich Atheisten besonders stark und selbstsicher vorkommen - zumindest tun sie so.
Bisweilen scheint es mir im Internet, wenn manche Menschen kategorisch alles Religiöse ins Reich der Fabel verweisen und Zeitgenossen, die noch auf so etwas hereinfallen, ggf. als fehlgesteuert durch die Kirchen ansehen, als ob das für jene mit einem gewissen Spaßfaktor verbunden sei, dagegen zu sein, dass, wie Tertullian es formuliert, die Seele von Natur aus christiana sei.

Ich persönlich glaube, dass der Spaß spätestens nach dem sogenannten Tod aufhört, denn wer den Geist ablehnt, sitzt dort im absolut Dunklen. Und es gibt dort keinen Schlaf, der manches eine Zeitlang mal erleichtert.
Ich vermute, dass Menschen, die über mehrere Leben bei dieser Einstellung bleiben, über keine Brücke gehen. Man muss sie nicht bedauern. Es ist auch nicht gut oder schlecht. Es ist einfach ihre Entscheidung. Ob sie bei dieser frei waren, ist eine andere Frage, die man mit ihnen nicht diskutieren kann, weil es Geist in diesem Sinn für sie nicht gibt, also auch nicht einen, der sie an der Nase herumführt, ganz im Sinne Goethes, der im Faust I, in Auerbachs Keller den Teufel selbst, also Mephistopheles zu Faust sagen lässt:


Den Teufel spürt das Völkchen nie,
Und wenn er sie beim Kragen hätte.

Manche dünken sich so frei, aber weil sie den Geist, auch in seiner Ausprägung als Mephistopheles, sprich Satan, nicht als real anerkennen, checken sie ihn auch nicht. Es kann und darf ihn ja nicht geben!

Die Alternative ist, dass ein Mensch in seiner Entwicklung hin zu der Erkenntnis, dass Materie nur ein anderer Aggregatzustand des Geistes ist, dass also, wie es Buddha formulierte, alle Dinge im Geist entstehen oder wie es das Johannes-Evangelium formuliert, im Anfang der Logos war, das Wort also, dieses Wissen nicht nur begrifflich erfasst, sondern mit seinem ganzen Wesen. Dieser Unterschied zwischen rein begrifflichem Erfassen und einem Erfassen mit dem ganzen Wesen ist heute besonders wichtig, weil gerade ethische und religiöse Begriffe erschreckend hohl geworden sind.

Dann ist er auf der Brücke. Und dann beginnt für ihn die wirkliche Freiheit, die Freiheit des weißen Schneefeldes, über die vor ihm noch nie jemand gegangen ist, ein Schneefeld, das nur für ihn bestimmt ist. Das ist ganz unabhängig davon, dass er sein bürgerliches Leben ganz normal lebt, vielleicht im Verein regelmäßig Tischtennis spielt oder mit Freunden Skat, mit seiner Frau einen Tanzkurs macht, was auch immer; ja, ich möchte behaupten, das ist sogar Voraussetzung und schützt am wirkungsvollsten vor Scheinheiligkeit.

In Goethes Märchen von der schönen Lilie und der grünen Schlange gibt es zwei Möglichkeiten, ins Land der schönen Lilie zu gelangen, die nichts anderes ist als unsere unvergängliche Seele.

In der Mythologie und der Literatur ist sie immer wieder angesprochen, so am Ende des Faust II, wenn es heißt, dass das Ewig-Weibliche uns hinanziehe. In der ägyptischen Mythologie ist es die Göttin Isis mit dem Horusknaben, in der Kunst ist es die Madonna mit dem Kind. In der Bibel sind es die Jungfrauen, die auf den Herrn warten, den Geist, den Gott allen Ursprungs.

Wer frauenbewegt das Weibliche als sekundär eingestuft fühlt, weil es nicht unmittelbarer Teil der Gottheit, nicht Geist, sondern Seele nur sei, steckt leider noch in einer sehr materialistischen Auffassung von Männlichem und Weiblichem. Das ist so, wie wenn sich die Materie beleidigt zurückzöge, weil sie scheinbar nicht Geist ist, der als Vaterenergie strahlt, nicht verstehend, wie wichtig sie ist, denn ohne ihr Sein, ohne das Sein der Materie würden wir nie jenes Licht sehen, das nur sie reflektiert. Auch das schönste Licht würde im materielosen All sich einfach in der Unendlichkeit verpuffen.

Zurück aber noch einmal zu dem weißen Schneefeld und den Spuren, die nur wir eingravieren dürfen. In gewisser Weise ist es ein Traum, eine Vision von mir, denn Goethes Märchen macht deutlich, dass der Weg zur schönen Lilie nicht dem über ein weißes Schneefeld gleicht. Der Jüngling, der in Goethes Erzählung für alle Suchenden steht, stirbt zunächst - die Lilie muss ihn wiedererwecken - und das ganze Geschehen macht deutlich, dass sich sehr viel ereignen muss, bevor sich der Tempel aus dem Erdinneren nach oben bewegt. Der goldene, silberne und eherne König manifestieren Seelenzustände, die es sich zu erarbeiten gilt, die Irrlichter, die Schätze aus sich herausschütteln, die todbringend und segensreich zugleich sein können, wollen durchschaut sein, und jeder braucht die Hilfe des Alten, dessen Licht nur dort Wirkung zeigen kann, wo Licht bereits da ist. Ein Licht, das wir mitzubringen haben, eine Arbeit, die wir zu leisten haben und die nur zu einem Ergebnis kommen kann, wenn wir diese innere Arbeit im Rahmen unserer alltäglichen Arbeit leisten; nur dort zeigt sich, wie wertvoll innere Arbeit ist.

Der Weg zur schönen Lilie ist voller Mühen und Arbeit, kein Spuren im weißen Schnee. Und doch ist vielleicht beides gar nicht so weit voneinander entfernt.