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Sonntag, 21. Juli 2024

Von der Bildlosigkeit des Alten Testaments zu einer Wiederbevölkerung des Himmels. - Zurück und vorwärts zu Geosophie und Kosmosophie.

 „Du sollst dir kein Bildnis noch irgendein Gleichnis machen.“ – Unter dem zweiten der 10 Gebote (https://t1p.de/ft0cm) leiden wir noch heute! 

Wenn ich diesen Satz so - ohne weitere Anmerkung - stehen ließe, würde ich allerdings die seelisch-geistige Entwicklung der Menschheit verantwortungslos einseitig darstellen. Denn wir verdanken dem Alten Testament, im Grunde also dem Judentum und der Existenz ihres Gottes Jahve, dass wir zu dem geworden sind, was wir heute sind: Egoisten, die aufgrund ihrer Fähigkeit, Egoist zu sein, ihr Ich entdeckt und entwickelt haben und nun in der Lage sind, sich zu jenem Ich zu entwickeln, dass wir aus gutem Grund I-CH schreiben können, das uns somit verweist auf die Initialen von Jesus, dem Christus (keine Sprache außer dem Deutschen kann das vorweisen, dieses I-CH identisch mit der ersten Person des Personalpronomens). 
Ich brauche hier nicht darüber zu schreiben, dass es Menschen gibt, die diesen seelischen Status, nämlich Egoist zu sein, noch nicht zu überwinden vermögen oder auch gar nicht wollen (er ist doch auch sooooo schön und ein Donald Trump versammelt ein halbes Volk unter diesem dunklen Himmel - noch, jedenfalls). 

Unter dem Bildnisverbot litten in der Folge die jüdische und christliche Religion und all jene - von Ausnahmen, vor allem Künstlern, abgesehen -, die sich innerlich monotheistisch orientierten (wobei das Christentum fälschlicherweise als monotheistisch eingeordnet wird, denn es ist von Grund auf trinitarisch angelegt). Es kam hinzu, dass die katholische und vor allem die evangelische Kirche alles taten, um den Himmel zu entleeren (das vereinfachte doch die Machtagenda ungemein). 
Es gelang, den Leuten weiszumachen, dass all die urindisch-hinduistischen, ägyptischen, griechischen und und germanischen Götter auf Einbildung beruhten - alles wurde einfach unter „Mythologie“ abgelegt.Dabei leben sie heute alle mehr denn je und haben sich, wie die Menschheit auch, weiterentwickelt. 

Rudolf Steiner fasst die diesbezügliche Entwicklung so zusammen: 
"Wenn der Urinder [https://t1p.de/yvxfh] hinaufschaute zum Himmel, dann empfand er überall einzelne Wesenheiten, diese oder jene göttlich-geistigen Wesenheiten nebeneinander, sozusagen eine Bevölkerung von göttlich-geistigen Wesenheiten. Das war abgeblaßt und, man möchte sagen, was individualisiert war, was als einzelne göttlich-geistige Wesenheiten da war, das blaßte so ab, daß es im allgemeinen wie ein geistiger Kosmos war. Man könnte es sich auch unter dem folgenden Bilde vorstellen: Denken Sie sich einmal, Sie sehen meinetwillen einen Vogelschwarm ganz in der Nähe. Sie sehen einzelne Vögel. Diese entfernen sich immer weiter und weiter, und es wird eine schwarze Masse, es wird ein einheitliches Gebilde. So wurde der göttlich-geistige Kosmos, indem sich die Menschen von ihm geistig entfernten, ein einheitliches, in sich verschwommenes Gebilde.“ GA 210, S. 48) 
Kennzeichnend für die Menschheit des alten Ägyptens, spürbar auch noch bis in das Griechentum hinein, war, dass bis zu diesen Epochen die Menschen so lebten, dass sie eigentlich mit ihrer Seele mehr außer dem Irdischen als im Irdischen lebten. 
Diese Aussage Steiners ist deshalb so bedeutend, weil wir auf ihrem Hintergrund erst wirklich verstehen können, welche Bedeutung der aktuellen Entwicklung zukommt, die uns mit neuem Bewusstsein das alte kosmische Wissen reanimieren und auf eine neue Stufe heben lässt: zu leben auf der Erde, im Irdischen, verbunden mit dem Kosmischen. 
Wir können von einer neuen Kosmosophie sprechen. 

Was so Wertvolles sich hinter Begriffen wie Geosophie und Kosmosophie verbirgt, wird deutlich auf dem Hintergrund eines umfassenden Auszuges, den ich auf Wortbrunnen [https://t1p.de/myft2]  eingestellt habe, in dessen Rahmen Steiner das Verhältnis der Menschen in früheren Zeiten zum Kosmos darstellt. Seine Lektüre ist sehr erhellend, weil sie darauf verweist, was die Menschheit sich wieder zurückerobern wird - auf einer höheren Ebene. 

Steiner verweist in diesem Auszug auch darauf, dass es neben dem oben erwähnten Strang der Menschheitsentwicklung einen weiteren gab, den er als heidnisch bezeichnet und dem zugeordnet war, die Bildhaftigkeit des seelischen Lebens aufrecht zu erhalten; deutlich wird, was das für das reale Leben der Menschen damals zu bedeuten hatte. 
Man mag heute den Atheismus nicht weniger Menschen darauf zurückführen, dass sie dieser Bedeutung des Heidentums in ihrer Seele Rechnung tragen und sich bewusst oder unbewusst dem Bildnisverbot widersetzen. 

Es mag kein Zufall sein, dass Steiner, als er auf den ägyptischen Alltag zu früheren Zeiten eingeht, den Bezug der Menschen zu Sirius erwähnt; es heißt da: 
Ja, diejenigen Menschen, die überhaupt Anteil hatten an dieser Kultur, die ver-folgten mit innigem Anteil, wenn der Abend herankam, die Konstellation der Ge-stirne. Sie erwarteten zum Beispiel gewisse Erscheinungen des Sirius, sie sahen sich die Planetenkonstellationen an, und sie bezogen das, was sie da anschauen konnten, darauf, wie ihnen der Nil dasjenige gab, was sie zu ihrem irdischen Le-ben brauchten. Aber sie sprachen eigentlich nicht in erster Linie von dem Irdi-schen. Dieses Irdische war ihnen ein Feld ihrer Arbeit. Aber wenn sie über das Feld sprachen, das sie bearbeiteten, so sprachen sie eigentlich so darüber, daß sie es anschauten als in Beziehung stehend zu dem Außerirdischen. (…) Sie beur-teilten die Erde nach dem Himmel. Der Tag war ihnen etwas, das ihnen vom see-lischen Standpunkte aus eigentlich Dunkelheit entgegenbrachte. Und Helligkeit kam in diese Dunkelheit hinein, wenn sie das, was der Tag brachte, deuten konn-ten aus dem, was sie erschauen konnten in der Nacht am gestirnten Himmel.“ (GA210, S. 50) 
In einem früheren Beitrag habe ich auf die drei bisher veröffentlichten Bücher von Birgit Fischer verwiesen, in denen sie sich mit dem Einfluss der auf den uns bekannten Planeten und weiter entfernten Sonnen lebenden Wesen, die man gemeinhin mit Aliens bezeichnet, befasst und darlegt, in welcher Art von Beziehung sie zu uns treten und was in uns sie zu aktivieren in der Lage sind. 
In ihrem ersten Buch, einem Spiegel-Bestseller mit dem Titel „Starseeds. Warum wir hier sind und wohin wir gehen“ stellt sie uns zunächst die Arkturianer vor, die zu den ältesten Starseeds in unserem Sonnensystem gehören, eher aber selten inkarnieren; dann die Intelligenz des reinen Friedens, Andromeda, die mütterlich kindliche Energie der Plejaden und als vierte die Sirianer; es heißt bei ihr:
„Was die Sirius-Energie beschreibt, sieht man auf den ersten Blick. Alle Blautöne vereinigen sich in dieser Energie, von Türkis über Hell- und Dunkelblau, Violett, Indigo und alle Farben, die mit dem Element Wasser zu tun haben. Auch ein an das zweite Chakra (Sakralchakra) gekoppeltes Orange ist oft erkennbar. (…) Den inkarnierten Sirianern sagt man eine starke Hellsichtigkeit nach, doch eher im Seite von 3 10 sensitiven als für die Zukunft (medial). Sie inspirieren das Kunstverständnis und die Kreativität. Und Inkarnierte mit einem hohen Anteil an Sirius-Energie interes-sieren sich sehr für Sterne und Sternbilder, Astronomie und Astrologie. Wie das Meer sind sie sehr tiefgründig. Sie mögen keine Oberflächlichkeit und lieben die Mystik auf eine sehr sanfte Art und Weise. Sie sind die Multikulturellen unter den Starseeds [„Sternensaat“ ist der Lieblingsbegriff von Birgit Fischer für Aliens, für Sternenvölker].“
Ich bin mir sicher, dass sich viele Menschen mit den Inhalten der Bücher der Birgit Fischer - und auch denen beispielsweise einer Pavlina Klemm, die Botschaften der Plejaden vermittelt – schwertun. Für mich aber sind sie nichts anderes als eine Fortsetzung der Arbeit eines Rudolf Steiner und dokumentieren in ihrer Rückkehr zu einem Bewusstsein der Kosmosophie den Fortschritt der Menschheit insofern, als kosmisches Bewusstsein nun nicht mehr irdisches ausklammert, wie dies im Wortbrunnen-Auszug für frühere Zeiten vermittelt wird, sondern beide Ebenen miteinander verbindet. 
Dies ist der neue Menschheitsschritt, den wir gehen, wobei ich mir bewusst bin, dass wir diesbezüglich am Anfang stehen. Zu vielen scheint noch zu abenteuerlich, was hier präsentiert wird, wobei ich anmerken möchte, dass im esoterische Bereich auch absolute Vorsicht geboten ist. 

Aus aktuellem Anlass - Vollmond im Juli ist am 20., genauer gesagt am 21. um 12:17 Uhr - möchte ich die Steiner-Fischer-Vernetzung im Hinblick auf den Sirius gerne abschließen mit den Worten eines Sirianers, die Birgit Fischer in "Starseeds. Warum wir hier sind und wohin wir gehen" wiedergibt und die die Bedeutung des Mondes und des Vollmondes aus Sicht dieser Starseeds vermitteln: 

Wir öffnen die Tore der Energiewelt zu den Monden. Es gibt andere Starseeds, die öffnen diese Tore, wenn die Sonne Winde hervorbringt. Wieder andere bringen die Öffnung der universellen Portale. Und Starseeds des Erdinneren bringen Energien, die sehr intensiv an euren Geburtstagen wirken. Alle intensiv wahrnehmbaren Energien erinnern euch daran, dass ihr fühlende Energiewesen seid (…) Die Öffnung der Monde, es ist nicht nur einer für die Erde, ist strahlend und hat eine spezielle Frequenz, die uns anzieht und es uns ermöglicht, Frequenzen zu transportieren. Wir aktivieren die Urfrequenz in euch, die auch in uns schwingt. Den Urinstinkt, eure Kraft.
 (im Zusammenhang mit der Bedeutung und Wirkung des Vollmondes in diesem Monat - seine Wirkung reicht ja drei Tage über den eigentlichen Termin hinaus - empfehle ich das Video von Danielle Gernandt zu diesem Thema >  https://t1p.de/ynym3)

Es wird wieder die Zeit kommen, dass Menschen den Einfluss der Sterne und Planeten auf ihr alltägliches Leben stärker mit einbeziehen. Hinter allem steht im Grunde genommen nicht nur ein Bewusstsein der Kosmosophie, sondern eines, das davon weiß, dass jeder von sich sagen kann: ICH BIN das Universum. Bis dahin ist aber für die Menschheit noch ein weiter Weg, denn es setzt voraus, dass die Menschen erkennen, wie belebt das Universum ist mit den unterschiedlichsten Wesen. 
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Als menschliche Wesen sind wir unmittelbar verbunden mit dem Christusbewusstsein. Doch es ist ein Trugschluss zu glauben, dass uns das Christusbewusstsein zugänglich ist, ohne dass wir zur Kenntnis nehmen, wie viele Dimensionen und Ebenen es umfasst. Es ist ein Irrtum zu glauben, wir könnten Zugang zu ihm haben, indem wir festhalten an dieser Vorstellung eines entvölkerten Himmels, wie er uns in der Regel vermittelt wurde. 
Die Wertschätzung Christus gegenüber zeigt sich auch in unserer Bereitschaft, seine wahre Größe zu erkunden. 

Zum Abschluss möchte ich hier noch die abschließende Äußerung des 6. Vortrags der GA 110 eingeben, weil ich sie für fundamental für all das, was wir als Menschen leisten könnten und sollten, halte; sie weist uns nämlich eine Aufgabe für die Zukunft zu, die eigentlich Steiner als eine Aufgabe der Anthroposophie auffasste. Letztere wird sie nicht leisten können, wenn sie so weiterschläft (siehe mein Beitrag auf Facebook bzw. meiner EthikPost vom 13. 7. 2024). 
Meines Erachtens sind all jene Menschen, die sich verantwortlich fühlen für ihre eigene und die Entwicklung der Menschheit so wie die der Erde, aufgerufen, diese Aufgabe zu übernehmen: auf ein auszubildendes christliches Bewusstsein hinzuarbeiten; ich zitiere also noch einmal Steiner: 
Im Neuen Testamente sollte man eigentlich einen Zusammenschluß dieser beiden Geistesströmungen erkennen [des Heidentums beziehungsweise des Alten Testamentes/Judentums - Anm. J.K. ]. Es ist immer so gewesen, daß in den Anschauungen der Menschen das eine oder das andere Element vorwiegend war. So ist zum Beispiel das heidnische Element immer vorwiegend gewesen da, wo mehr anschauliche religiöse Bekenntnisse gepflogen worden sind. Da machte man sich Bilder von geistigen Wesenheiten, die Naturbildungen nachgeahmt waren. Dagegen bildete sich das alttestamentliche Element überall da aus, wo die neuere Wissenschaftlichkeit heraufkam, wo man auf das Bildlose hinstrebte. Und in der neueren materialistischen Wissenschaft lebt in vieler Beziehung ein Nachklang gerade des Alten Testamentes, des unbildhaften Alten Testamentes. 
Man möchte sagen, der Materialismus der Wissenschaft, der will streng sondern das Materielle, dem er nun gar keinen Geist mehr läßt, und das Geistige, das nur im Moralischen leben soll, von dem man sich gar kein Bild machen darf, das also auch nicht gesehen werden darf in dem Irdischen. Diese besondere Charakteristik des Wissenschaftlichen, der wir heute in der ma-terialistischen Form der Wissenschaft begegnen, ist eigentlich noch ein in unsere Zeit hereinragender Impuls des Alten Testamentes. Die Wissenschaft ist noch gar nicht christlich geworden. Die Wissenschaft als Materialismus ist im Grunde genommen heute noch alttestamentlich. Und das wird eine der Hauptaufgaben der fortschreitenden Zivilisation sein, beides zu überwinden, aber auch beides synthetisch in eine höhere Einheit auflösen zu können. 
Wir müssen uns schon klar darüber sein, daß sowohl das Heidentum wie das Judentum Einseitigkeiten darstellen und daß sie, indem sie vielfach hereinragen in die neuere Zeit, ein zu Überwindendes darstellen. Die Wissenschaft wird zum Geiste kommen müssen. Die Kunst, die vielfach etwas Heidnisches hat, die verschiedene Ansätze gemacht hat zum Christlichwerden, Ansätze, die aber meistens ins Luziferisch-Heidnische ausgeschlagen sind, die Kunst wird einlaufen müssen in ein christliches Element. Wir haben heute eigent-lich noch immer die Nachwirkungen des heidnischen und des alttestamentlichen Elementes und haben noch nicht ein voll ausgebildetes christliches Bewußtsein. Das ist es, was wir insbesondere fühlen müssen, wenn wir uns auf diese konkreen Durchgänge des Menschen durch Geburt und Tod besinnen, so wie sie uns von der Geisteswissenschaft gegeben werden.

PS Wenn ich mir noch eine Anmerkung erlauben darf: dieses christliche Element, um das es in Zukunft geht, wird nur dann eine wirkliche Zukunft haben, wenn es mit Leben, mit innerem Feuer erfüllt ist und wenn es von Menschen getragen wird, die Ihre Grenzen sprengen und Mut haben zu einer neuen Geosophie und Kosmosophie und ein Bewusstsein (s.o.) sogar darüber hinaus.

Mittwoch, 17. Juli 2024

Unsere Gedanken sind der Leichnam des Geistigen, das wir verloren beziehungsweise beerdigt haben, als wir inkarnierten.

Es gibt nur wenige Vorträge Rudolf Steiners, die mich so sehr beeindruckt haben wie der sechste aus der GA 210, überschrieben „Über den Durchgang der menschlichen Geist-Seelenwesenheit durch die physisch-sinnliche Organisation“.

In diesem Vortrag, der inhaltlich wesentlich spektakulärer ist als die Überschrift klingt, macht Steiner darauf aufmerksam, dass, wenn wir die vorgeburtliche Welt verlassen, im Grunde genommen das Geistige in uns stirbt und – wie es auch ist, wenn wir hier sterben – ein Leichnam vorhanden ist, der nicht einfach verschwindet, sondern der sich uns zeigt, wenn wir auf unsere Gedankenwelt blicken. Steiner sagt: „Die Gedankenwelt ist der Leichnam unseres Geistig-Seelischen.“

Wir streben hier als Menschen, die sich seelisch geistig entwickeln wollen, ein Denken an, dass Steiner als sinnlichkeitsfreies Denken bezeichnet, an anderer Stelle spricht er auch vom Herzdenken [Erläuterungen hierzu auf Wortbrunnen https://t1p.de/7bshq ]. Dieses Denken hat nichts mehr zu tun mit dem Leichnam, der die Gedankenwelt des mehr materialistisch orientierten Menschen entspricht.
Wenn der Mensch sich um sinnlichkeitsfreies Denken, das im Herzen seinen Raum hat (wie Aristoteles noch wusste, wenn er auch ein ganz anderes Denken initiierte), bemüht, dann kehrt er im Grunde zurück zu jener Geistigkeit, die er verlassen hat vor der Geburt, und diese Rückkehr, die als Entwicklungsschritt ein großer Schritt vorwärts ist, gelingt, weil sein Denken kosmisch werden kann. 
Michael - früher Erzengel, mittlerweile Archai - verwaltet dieses kosmische Denken und vermittelt es auch den Menschen, die es ergreifen wollen; man kann es als Weltendenken bezeichnen. Dann ist der Weltenäther Träger dieser Gedanken und der Mensch trägt mit seinen Gedanken im Verein mit vielen Wesen der übersinnlichen Welt zur Entwicklung der Weltenseele bei.

Ich zitiere jene Stelle, die ich oben schon angesprochen habe, im folgenden ausführlicher; sie beginnt mit dem Hinweis, dass wir ursprünglich geistige All-Wesen waren, bevor wir uns hineinzwängten in die Enge irdischen Seins und nun zumeist annehmen, wie man heute noch bei professoralen Gehirnforschern wie Gerald Hüther und anderen irrtümlich lesen kann, dass unser Denken und unser kreatives Sein unseren Gehirnwindungen entspringt (die bekanntlich nur uns unser Denken spiegeln und und somit bewusst werden lassen können, dass wir denken, doch nicht die Quelle unseres Denkens sind). 

Hier nun der Auszug aus der GA 210, 95f:
Wir haben also zunächst das geistige Element, das da lebt im All, das sich gewissermaßen hineinbegibt in die enge Wohnung des menschlichen Leibes, sich namentlich durch das Nervensystem, durch das Gehirn entfaltet und sich dabei metamorphosieren muß. Dabei gliedert es sich in zwei Regionen. Man kann wirklich davon sprechen, daß das, was der Mensch vor der Konzeption in der geistig-seelischen Welt ist, beim Übergehen in die physische Leiblichkeit stirbt. Die Geburt in der physischen Leiblichkeit ist ein Absterben für das geistig-seelische Leben des Menschen. Beim Absterben bleibt immer ein Leichnam übrig. Wie, wenn der Mensch für die Erde stirbt, der Leichnam übrigbleibt, so bleibt auch ein Leichnam übrig, wenn das Geistig-Seelische, indem es durch die Konzeption zur Erde hingeht - wenn ich mich des Ausdrucks bedienen darf -, für das Himmlische abstirbt. Von dem, was nun da als ein Leichnam übrigbleibt, von dem leben wir eigentlich gedanklich unser ganzes Erdenleben hindurch. Der Leichnam ist nämlich die Gedankenwelt; das Tote, das ist diese Schattenwelt. So daß wir sagen können: Indem das Geistige des Menschen durch die Konzeption ins Erdenleben heruntersteigt, stirbt es für die geistig-seelische Welt ab und läßt diesen Leichnam zurück.
Geradeso wie der Leichnam des physischen Menschen in die irdischen Elemente sich auflöst, so löst sich für die geistige Welt das Geistig-Seelische auf und wird zu der Kraft, die in den physischen Gedanken entfaltet wird. Die Gedankenwelt ist der Leichnam unseres Geistig-Seelischen. So, wie die Erde den Leichnam verarbeitet, wenn wir ihn in die Erde legen, oder wie ihn das Feuer verarbeitet, wenn wir ihn verbrennen, so verarbeiten wir unser ganzes Leben hindurch den Leichnam unseres Geistig-Seelischen in unserer physischen Gedankenwelt. Also die physische Gedankenwelt ist im Grunde genommen das fortgehende Tote dessen, was als Wirkliches, als geistiges Leben vorhanden ist, bevor der Mensch in die physische Irdischheit heruntersteigt.

PS Am Ende des oben erwähnten Vortrags findet sich ein Hinweis zu zwei Entwicklungsströmungen, die die Menschheit geprägt haben; Steiner bezeichnet die eine als zum Heidentum gehörig - die Griechen sind hier ein leuchtendes Beispiel –; die andere ist geprägt durch Judentum, Jahve und das Alte Testament. Aus den beiden heraus sollte sich ein neues Christusbewusstsein entwickeln und natürlich hätte er sich gewünscht, dass in seiner Nachfolge die Anthroposophie diese Aufgabe leistet … Gegebenenfalls schreibe ich in den nächsten Tagen dazu einen Beitrag.

Samstag, 13. Juli 2024

Warum Anthroposophen spirituell höchst gefährdet sind in dieser Zeit.

Wer sich mit Astrologie ein wenig beschäftigt und die Zeichen der Sterne zu verstehen sucht, weiß, dass wir von März bis Juni 4 Neumonde hatten (s. unten Grafik Silke Schäfer), die dadurch gekennzeichnet waren, dass jeweils fünf Planeten im selben Zeichen auftraten. Solch eine intensive Planetenhäufung viermal hintereinander, hat natürlich eine tiefe Bedeutung und eine tiefe innere Neuausrichtung der Menschen zur Folge. Gewiss wird es nicht allen bewusst gewesen sein, aber viele haben es dennoch gespürt und im Netz ist vielfach über die Intensität dieser Zeit gesprochen worden (dazu S. Schäfer kompakt hier https://t1p.de/04f2b) In dem Video verweist Silke Schäfer auch auf eine Konstellation – Pluto im Wassermann im Zeichen Steinbock –, eine Konstellation, die nur knapp alle 250 Jahre auftritt und vermutlich zur Folge haben wird, dass im Politsystem in der nächsten Zeit alte Köpfe rollen werden (wir dürfen gespannt sein, hallo Biden, hallo Trump, hallo Putin).
Es kommt hinzu, dass zur Zeit Mars Uranus - man bezeichnet letzteren auch als Systemsprenger - aktiviert und plötzliche Veränderungen auftreten werden, seien es Vulkanausbrüche, politische Ereignisse oder Geschehnisse im persönlichen Bereich (ich empfehle Silke Schäfers Video hierzu https://t1p.de/1zax0 und das von Danielle Gernandt https://t1p.de/i6llf ) Was dazu parallel läuft – und das schon seit längerer Zeit – habe ich in meinem vorletzten Beitrag vom 15. Juni auf Facebook (https://t1p.de/8922r) bzw. auf meiner EthikPost (https://t1p.de/26j1u ) aufzuzeigen versucht. 

Wir erinnern uns an Columbus, Vasco da Gama und andere bekannte Namen aus der Zeit des 15. und auch 16. Jahrhunderts, als die Menschheit von ihren Küsten ablegte und aufs offene Meer hinausfuhr. Nicht wenige glaubten damals voraussagen zu müssen, dass man hinter dem Horizont einfach wegkippen würde, so wie nicht wenige, als die erste Eisenbahn fuhr, meinten, dass man, wenn man sich dieser Geschwindigkeit und diesem Gefährt aussetzen werde, man geisteskrank würde. Dann kam die Zeit, als die Menschen zu fliegen begannen, später dann erkundeten sie den Orbit und reisten zum Mond. Und in dem erwähnten Beitrag auf FB bzw. der EthikPost habe ich auf den letzten Schritt verwiesen, dass Menschen, die dazu in der Lage sind (Pavlina Klemm, Birgit Fischer), uns mit Sternenvölkern unserer Galaxie und weiter entfernten Galaxien bekannt machen.

In meinem Bekanntenkreis habe ich es mehrfach erlebt, dass Menschen den Schritt, diese Entwicklung ernst zu nehmen, nicht mitzugehen bereit sind und sich von dem, womit ich mich beschäftige, distanziert haben. Aber was ich wahrnehme, ist, dass ein ungeheuer frischer Wind – man möchte fast von Stürmen sprechen – durch alles, was uns bisher lieb und teuer war, hindurchfegt. Wir sind in einem Ausmaß, das ich bisher in meinem Leben nicht erlebt habe, dazu aufgefordert, alte Strukturen, Denkgewohnheiten und Glaubenssätze infrage zu stellen, ja, sie überhaupt aufzudecken. Manche reagieren, in dem sie Dinge, die wegfliegen wollen, mit Steinen beschweren und gegebenenfalls die (inneren) Fenster mit Brettern vernageln, es gibt aber auch nicht wenige, die aufgeschlossen sind für das, was kommt, ohne Angst vor Neuem.

Ich habe mich in meinem Leben über einige Zeit mit den Vorträgen und Büchern Rudolf Steiners beschäftigt und aus dieser Beschäftigung spirituell großen Gewinn gezogen. Bereits an anderer Stelle habe ich darauf aufmerksam gemacht, dass ein großes Thema in unserer Zeit – die Beschäftigung mit den Starseeds – in einen Bereich fällt, der zentral für das Denken Rudolf Steiners ist, das Verhältnis nämlich von Mikrokosmos und Makrokosmos. Und wenn Danielle Gernandt in ihrem vorletzten Video (https://t1p.de/8ohl8) wiederholt hinweist auf die Bedeutung der Gedanken und wie wir mit ihnen umzugehen haben, so greift sie einen Aspekt auf, der zu den zentralen Steines gehört: es geht ihm um die zunehmende Reinheit der Gedanken, deren Lösung vom Physischen und die Hinwendung zum Kosmischen. Von daher denke ich, dass, wenn Steiner heute leben würde, er an vorderster Front derer wäre, die neuen Entwicklungen aufgeschlossen gegenüber wären, ja sie aktiv unterstützten. Denn was die Neuausrichtung des Denkens und die Einstellung zu Mikrokosmos und Makrokosmos betrifft, liegt er auf der Linie jener, die in dieser Zeit – um es klar zu formulieren – von der Anthroposophie überhaupt nicht beachtet werden; Gottseidank gibt es Ausnahmen.

Ich habe mich im Frühjahr dieses Jahres auf YouTube umgesehen und die Programme des Goetheanum studiert, und war doch etwas schockiert, als ich feststellte, dass Themen, die in unserer Zeit eine besondere Rolle spielen, kaum - ja, ich kann sagen - dort nicht aufgegriffen werden. ich weiß nicht, zum wievielten Male der Brand des ersten Goetheanums und die Gestaltung des zweiten Goetheanums zum Thema gemacht wird („Der Schritt zum zweiten Goetheanum“ https://t1p.de/dxgh9 ), ich weiß nicht, wieviele Vorträge es zur berühmten Weihnachtstagung Dez. 1823, bereits gab und noch geben wird …. man schaue einmal die über 40 Themen an, über die ein Peter Selg, der Vielredner der Anthroposophen (https://t1p.de/1g38i), gewiss ein durchaus sympathischer und rhetorisch versierter Redner und exzellenter Steinerkenner - Ich habe den Eindruck, er hat die 350 Steiner-Bände mindestens zweimal gelesen - von sich gibt: Es ist allerdings, als ob bei ihm und auch bei vielen anderen Anthroposophen die Zeit still stünde. Was ich lese und höre, spiegelt zuallermeist die Energie von vor 20, 30, ja 50 Jahren wieder.
Ich fand es richtig schön, mit welcher Liebe im Netz auf einen heilpädagogischen Kurs am Goetheanum hingewiesen wurde, ich finde es gut wenn Anthroposophen als Gemeinschaft sich, wie das am 27. August geschieht, in Dornach familiär treffen (https://t1p.de/gul9l); hier wird Gemeinschaft gelebt und das ist gut. Man kommt aber nicht umhin, das Gefühl zu haben, dass die anthroposophische Bewegung mittlerweile einem geschlossenen Zirkel gleicht. Es besteht wenig Interesse, die Stimme nach außen zu erheben und sich in die Gesellschaft einzubringen; das gilt für die oben angesprochenen Themen, KI oder auch Themen, die kürzlich erst im Mittelpunkt standen wie die Teillegalisierung von Drogen oder das „Gesetz über die Selbstbestimmung in Bezug auf den Geschlechtseintrag (SBGG)“. Man gewinnt fast den Eindruck, dass die Anthroposophie, vor allem die Goetheanum-Fraktion, sich hermetisch abriegelt gegenüber neuen und möglichen zukünftigen Schwerpunkten menschlichen Seins. Ich kenne keine Vorträge beziehungsweise Seminare zur aktuellen politischen oder gesellschaftlichen Themen. Mag gut sein, dass ich über das ein oder andere nicht informiert bin, ich bin aber sicher, dass nicht wenige mir Recht geben, dass bei den Anthroposophen irgendwann die Uhr stehen geblieben ist. Gewiss findet ein „Kolloquium Astrologie, Freiheit und soziale Gestaltung“ statt, wobei es in der Ausschreibung darum geht, dass „Eine Astrologie der Zukunft (..) dazu beitragen können (muss), Freiheit und lebendige soziale Gestaltung zu verwirklichen." Ich würde mich aber sehr wundern, wenn ein Bezug zu den Büchern von Pavlina Klemm und Birgit Fischer - letztere ist mit ihren ersten drei Büchern immerhin auf der Spiegel-Bestsellerliste zu finden - hergestellt und damit diese neue makrokosmische Ebene einbezogen wird. Stattdessen wird wie üblich vielfach Steiner zitiert werden.

Der frische Wind, von dem ich gesprochen habe, der zur Zeit stürmt und weht, ist im Rahmen der anthroposophischen Bewegung nicht ansatzweise zu spüren und das hat Auswirkungen auf die spirituelle Entwicklung ihrer Mitglieder und derer, die ihr nahe stehen. Sie verschlafen buchstäblich, was momentan geschieht. Bewusst oder unbewusst blockieren viele unter ihnen die augenblickliche Entwicklung; gewiss gibt es Ausnahmen, aber ich kann nicht erkennen, dass sie sich Gehör verschaffen wollen bzw. können.
Ich habe den Eindruck, die anthroposophische Bewegung ist erstarrt und altbacken. Damit wird sie im übrigen Rudolf Steiner nicht gerecht, dem es ein großes Anliegen war, dem Beispiel des Prometheus zu folgen. Jener hat bekanntlich einiges riskiert und sich mit der Obrigkeit angelegt und tapfer die Konsequenzen getragen - so wie es letztendlich Steiner auch tat; Sein Sterben hängt damit zusammen. Wie weit hat sich diese Bewegung von ihm und Prometheus entfernt und von dem Feuer, das Prometheus brachte und in Bezug auf das Christus sagt: „ich bin gekommen, ein Feuer zu entzünden, und was wollte ich lieber, denn es brennete schon!“
In Dornach und ich vermute, in vielen Zweigen, brennt wenig bis nichts.



Samstag, 15. Juni 2024

Die Qualität der Spiritualität verändert sich gerade drastisch: sie wird alltagstauglicher, lebensrelevanter, zugleich kosmischer; sie bewirkt damit unweigerlich weltweit Veränderung in unerwartetem Ausmaß!

Allein die Tatsache, dass ein Buch wie Mein Vater war ein MiB von Jason Mason veröffentlicht werden konnte - und das nun in der fünften Auflage (ich beziehe mich auf Band I) – zeigt, dass wir in einer Zeit leben, in der die geheime Weltregierung, Illuminaten und weitere, auch außerirdische Kräfte, die seit langem das Leben auf der Erde beeinflussen und maßgeblich bestimmen, nicht mehr in der Lage sind, alles zu kontrollieren; ja, es gibt Hinweise darauf, dass diesen Kräften bewusst geworden ist, dass eine Zeit anbricht, in der ihre Kontrollmöglichkeiten schwinden.
MiBs, Men in Black - eine Bezeichnung, die die UFO-Literatur kreiert hat – haben nach Jason Mason die Aufgabe, „UFO-Zeugen ausfindig zu machen, zu erfragen, was genau diese gesehen haben, um sie dann einzuschüchtern und Fotos und desgleichen zur konfiszieren.“ Ihre Organisation verfügt „über eine Künstliche Intelligenz (KI) - ähnlich wie die Familien Rothschild und Rockefeller –, die ihnen die Möglichkeit gebe, zukünftige Ereignisse zu berechnen. Sie würden diese schon lange besitzen, mit einer außerirdischen Technologie verbunden sein, die sie (als) Looking-Glass-Technologie bezeichnen. Diese versetzt sie in die Lage, in das Raum-Zeit-Geschehen zu blicken.“ Ihnen ist dadurch möglich, „die Seele beziehungsweise die verschiedenen Energiefelder der Seele zu sehen und die Daten, die darin aus allen Inkarnationen zusammen gespeichert sind, auszulesen.“
Im Folgenden verlinke ich einen Auszug zum Thema der KI aus Jason Masons Buch, der auf den Einfluss der Außerirdischen und mit ihr verbundenen schwarzmagischen Einflüsse hinweist > https://lmy.de/vbxnL.
Wer sich spirituell orientiert und der Auffassung ist, wie es in dem Dhammapada, den gesammelten Buddhaworten, heißt, dass alle Dinge im Geist entstehen, war auch schon bisher der Auffassung, dass Planeten, Sonnen und Galaxien sich nicht aufgrund von Schwerkraft bewegen, sondern von geistigen Kräften bewegt werden.
Dass aber ein Buch mit dem Titel Starseeds: Warum wir hier sind und wohin wir gehen. Transformierende Botschaften aus fernen Galaxien es auf die Spiegel-Bestsellerliste schafft, ist schon absolut ungewöhnlich und zeigt, dass in Bezug auf das Bewusstsein der Menschen sich unglaublich viel tut.
In der Verlagsbeschreibung heißt es:
„Starseeds" sind geistige Energien aus den Weiten des Weltalls, die von den entlegensten Planeten aus das Geschick der Menschheit mitgestalten. Birgit Fischer erforscht mithilfe ihrer ausgeprägten medialen Fähigkeiten diese galaktischen Intelligenzen. Die Botschaften der Starseeds, die von der Autorin gechannelt werden, schenken bereits Tausenden Menschen spirituelle Orientierung, innere Heilung und ein Gefühl des Verbundenseins mit dem ganzen Universum.
Klar und anschaulich führt Birgit Fischer vor Augen, welche verschiedenen Starseeds es gibt, welche Bedeutung sie für uns haben, wie sie mit uns kommunizieren und wie wir ihre Energien nutzen können: um tiefe innere Heilungsprozesse anzustoßen, Rat und Hilfe für unser Leben zu erhalten und unser seelisches Wachstum zu fördern.
Mit Prophezeiungskapitel zu den nächsten 150 Jahren.
Und dieses Buch war keine Eintagsfliege. Auch das zuletzt veröffentlichte Buch der Autorin mit dem Titel Starseeds-Healing: Heilsame Energien aus fernen Galaxien für Körper und Seele ist ein Spiegel-Bestseller.
Wer hätte so etwas vor zehn Jahren für möglich gehalten …
Es würde den Rahmen sprengen, ausführlicher auf die Bücher einer Pavlina Klemm einzugehen; bemerkenswert jedenfalls ist, dass ihre Kontakte zu den Plejaden zu mittlerweile 12 Büchern geführt haben (https://pavlina-klemm.de/?page_id=3103); und ich könnte nicht sagen, sie seien weniger bemerkenswert als jene einer Birgit Fischer.
Was mich übrigens bei einer Pavlina Klemm und ihren Aussagen u.a. auch in Interviews, die ich mir angehört habe, überzeugt hat, ist, dass Außerirdische ganz offensichtlich nicht ein abgehobenes Wissen vermitteln, sondern es - in ihrem Fall - den Plejaden darum geht, den Menschen Hilfestellung zu geben, um ihr Leben auf der Erde erfolgreich zu gestalten. Das erfolgreich nicht bedeutet, Millionär zu werden, sondern reich zu werden in Bezug auf Seelisch-Geistiges, versteht sich von selbst. Dass das nicht ausschließt, in Wohlstand zu leben, wird im Grunde bei allen Autorinnen deutlich. Es gibt hier nirgends eine Geld- oder Lustfeindlichkeit; ich habe sie jedenfalls nicht gefunden,
Das gilt auch für eine Danielle Gernandt. Gerade ihr letztes Video mit dem Titel So beeinflusst du deine Gedankenwelt schöpferisch für dein Leben (https://t1p.de/k84q2) untermauert für mich die beeindruckende Tatsache, wie sehr sich Spiritualität in dieser Zeit wegbewegt hat von abgehobenem spirituellen Gelabere hin zu einem Angebot an lebenspraktischen Hilfen, die auch beispielsweise Körperliches mit einbeziehen, miteinbeziehen können, weil physische und feinstoffliche Körper immer mehr Kontakt zueinander aufnehmen, sich verbinden.
Wir leiden unter Ängsten und Gedanken, die wir oft selbst als belastend empfinden. Wer kennt nicht das Phänomen des Gedankenkarussells. 
Wir aber sind nicht unsere Gedanken. 
Mit den Gedanken angemessen umzugehen, so dass sie eine Hilfe sein können und keine Qual, dafür gibt Danielle Gernandt in ihrem Video wertvolle Tipps (ab 12.25´). Eigentlich sind es weit mehr als Tipps. Ihre Hilfen, die diese Frau in 12 Punkten zusammenfasst, können unser Leben verändern. Wir können dadurch Menschen sein, die weit weniger leicht zu manipulieren sind und selbstermächtigt zu leben vermögen, das heißt, in der Lage sind, unsere Realität durch unsere Gedanken bewusst zu gestalten.
Auch frühere Videos dieser Frau orientieren sich an einer ganz lebensnahen Spiritualität und sie gibt, wie die anderen auch, persönliche Erfahrungen wieder, die Spiritualität nah an das Leben heranrücken (https://t1p.de/tp9m4 / https://t1p.de/23vq0 / https://t1p.de/npj08)
Alle vier Autoren vermitteln, auf welche intensive Weise wir mit dem Kosmos verbunden sind und wie sehr wir, zumeist ohne es gewusst zu haben, auch von dort beeinflusst wurden, in der Vergangenheit nicht immer zu unserem Vorteil – das lässt gerade das Buch von Jason Mason deutlich werden.
Offensichtlich beginnt nun die Zeit, in deren Rahmen ein bisher manipulierter Teil der Menschheit die Möglichkeit hat, Einfluss auf diesen Einfluss zu nehmen, damit Manipulation verhindert wird – eine Manipulation gerade durch Menschen, die die kosmischen Kräfte schwarzmagisch, das heißt, nur zu ihrem Vorteil zu nutzen wussten, ggf. ohne Rücksicht auf das Leben anderer.
Für viele mag noch über längere Zeit der Gedanke befremdlich sein, dass eine bewusste Hinwendung zu kosmischen Kräften und eine bewusste Zusammenarbeit mit ihnen mehr Lebensnähe und eine höhere Lebensqualität mit sich bringen. Geistiges Wachstum ist ohne diese Zusammenarbeit gar nicht möglich. Über viele Jahrhunderte hat die Kirche dieses Bewusstsein erfolgreich torpediert. Diese Zeit ist vorbei. Gerade das Internet hat ermöglicht, dass wissende Menschen die Wahrheit aus dem Joch der Kirche befreien konnten. Im Grunde stand dieses Bewusstsein sehr konkret seit 100 Jahren allen zur Verfügung, denn zu den Grundlagen der Lehren Rudolf Steiners gehört der unverbrüchliche Zusammenhang zwischen Mikrokosmos und Makrokosmos. In mehreren Banden hat er sich detailliert dazu geäußert. Nun stellt sich bezüglich dieses Zusammenhangs eine neue Ebene, eine neue Qualität ein. Soweit ich erkennen kann, setzen sich Anthroposophen mit dieser neuen Ebene nicht auseinander, weil sie viel zu sehr steinerfixiert sind. Mir scheinen sie zum Teil doch sehr eingefahren. Die angesprochene neue Ebene aber erfordert eine hohe Bereitschaft zur Offenheit für geistig bisher so nicht Offenbartes.

Ich möchte nur empfehlen, alle diesbezüglichen Inhalte, die im Internet angeboten werden, immer kritisch zu prüfen, denn gerade im esoterisch-spirituellen Bereich gibt es nicht wenige Zeitgenossen, die ihr Ego ausleben, indem sie bewusst spirituelle Malware produzieren. 

Freitag, 10. Mai 2024

Eduard Mörike hätte Homunculus retten können! - Von der morgendlichen Schwierigkeit mancher Menschen, den neuen Tag anzugehen.

Homunculus zerschellt am Ende des zweiten Aktes von „Faust II“ am Muschelwagen der Galatee, der Tochter des Meeresgottes Nereus, die unterwegs zum großen ägäischen Meeresfest ist. Es blitzt und flammt und jene Gestalt, die von Wagner, den wir noch als Famulus von Faust aus „Faust I“ kennen und der inzwischen zu akademischen Ehren gelangt ist, im Laboratorium geschaffen worden war, ist nicht mehr. 

Thales, wie Anaxagoras, Faust und Mephisto in Griechenland zur großen Meeresfete unterwegs, lässt uns teilhaben an jenem Augenblick, der das Scheitern der Menschwerdung des Homunculus wiedergibt. Gerade noch war HOMUNCULUS superglücklich in den Wassern des Meerres und dünkt sich mehr denn je dem Ziel nahe, Mensch werden zu können:
In dieser holden Feuchte 
Was ich auch hier beleuchte, 
Ist alles reizend schön

 Und der Meeresgott PROTEUS bestärkt (scheinheilig, wie sich gleich herausstellt) ihn in seiner Ansicht: 

In dieser Lebensfeuchte
Erglänzt erst deine Leuchte
Mit herrlichem Getön.
Selbst NEREUS, ein Meeresgott allerdings anderen Charakters als Proteus, unterstützt diese Sicht:
Welch neues Geheimnis in Mitte der Scharen
Will unseren Augen sich offengebaren?
Was flammt um die Muschel, um Galatees Füße?
Bald lodert es mächtig, bald lieblich, bald süße,
  
Als wär' es von Pulsen der Liebe gerührt.

 Wobei sich bereits in diesen Worten andeutete, was THALES im Anschluss dann feststellen muss:

Homunculus ist es, von Proteus verführt…
Es sind die Symptome des herrischen Sehnens,
Mir ahnet das Ächzen beängsteten Dröhnens;
Er wird sich zerschellen am glänzenden Thron;
Jetzt flammt es, nun blitzt es, ergießet sich schon.

Wer oder was ist Homunculus?

„Homo“ kommt aus dem Lateinischen und heißt „Mensch“. Homunculus“ bedeutet „Menschlein“. Mit diesem Wort bezeichnete man im späten Mittelalter einen Menschen, der künstlich - oder sagen wir magisch und/oder mit alchemistischen Verfahren - erzeugt wird; damals glaubte man, dass das geht und Paracelsus, der berühmte und sicherlich hoch hellsichtige Arzt, der in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts lebte, hat sich dazu geäußert. Solch ein Homunculus war natürlich nur ein astrales Wesen, also ein Seelenwesen; als solches konnte es allerdings durchaus existieren. Das erscheint manchem unwahrscheinlich, doch vergessen wir nicht, dass wir schon mit jedem Wutanfall sogenannte Elementale erzeugen, auch eine Art seelischer Wesen (die niemandem guttun). Der Homunculus im „Faust II“ ist von Wagner, dem Famulus Fausts, bekannt aus dem ersten Teil des „Faust“, wie erwähnt, im Laboratorium erschaffen worden; die „Klassische Walpurgisnacht“, jene Szene im zweiten Akt des "Faust II", die allein fast so umfangreich ist wie ein Theaterstück, vermittelt immer wieder den so intensiven Wunsch des Homunculus, ein Mensch aus Fleisch und Blut zu werden. 

Leben im Jenseits

Wir haben bekanntlich einen Astralleib, mit dem wir nachts in der geistigen Welt unterwegs sind zusammen mit unserem Ich, während unsere physischer Leib und unser Ätherleib im Bett liegen. In der geistigen Welt sind wir ja – natürlich abhängig auch vom Entwicklungsstand der Seele – in Kontakt mit hohen geistigen Wesen, mit unseren Ahnen oder uns bekannten Verstorbenen; natürlich lernen wir auch neue Menschen kennen, mit denen wir uns vielleicht für das nächste Leben verabreden; wir gehen in Schulen und gehen Tätigkeiten nach, singen in einem Chor, spielen in einem Orchester, malen oder gehen anderweitigen Tätigkeiten nach. Eines meiner ersten esoterischen Bücher, das ich gelesen habe, war „Das Leben in der unsichtbaren Welt“; es ist aus dem Jenseits diktiert von einem englischen Schriftsteller und Priester, der als Verstorbener einem englischen Medium namens Anthony Borgia seine Erfahrungen aus der geistigen Welt mitteilte und es ist bis heute eines der faszinierendsten Bücher für mich gewesen, weil es - jedenfalls war das mein Eindruck damals - ein für mich glaubwürdiges Bild des Lebens im Jenseits vermittelt. Es gibt dort Lernhallen, in denen wir uns aufhalten, Häuser der Erholung für vom irdischen Leben geplagte Seelen, eine Sphäre, in der wir künftige Arbeiten auf der Erde vorbereiten, es gibt Tätigkeiten die wir als Freizeitgestaltungen bezeichnen könnten, eine Sphäre für Kinder, aber auch eine sehr bedrückende dunkle Sphäre, in der Seelen existieren.

Wenn man das Buch liest, kann man sich vorstellen, durchaus Schwierigkeiten zu haben, wieder auf die Erde zu wollen. Allein das Kapitel über Musik ist höchst faszinierend und es heißt, dass im Jenseits die geistigen Klangvorstellungen dort beginnen, wo die irdischen aufhören. Es gibt Orchester und Musikinstrumente, die mit unseren nur bedingt vergleichbar sind, weil sie einen Klangzauber entfalten, den wir uns kaum vorstellen können.

In diesen Sphären bewegen wir uns auch in der Nacht und ein Rudolf Steiner nimmt darauf Bezug, wenn er schreibt, dass wir uns dort nirgends begrenzt fühlen, wie ausgegossen über alles Weltenlicht, allen Weltenton, über alles Weltenleben. 

Der Abgrund zwischen Diesseits und Jenseits

Bemerkenswert nun ist, das zwischen jener Sphäre und unserem Leben auf der Erde ein Abgrund existiert, von dem Rudolf Steiner spricht; ich greife auf ihn zurück, weil ich dessen Vorhandensein nirgends so klar angesprochen gefunden habe wie in seinen Schriften, u. a. in der GA 273, in deren Mittelpunkt der zweite Teil des „Faust“ steht.

Jeden Morgen nun und jeden Abend überwinden wir diesen Abgrund, auch übrigens genauso bei der Geburt oder anlässlich unseres Todes. Wenn wir nun zu den Menschen gehören, die morgens eine Erinnerung mitbringen von jener jenseitigen Welt, auch wenn sie eher unbewusst ist, lässt sich leicht vorstellen, wie wir das Hier und Jetzt in diesem Moment empfinden. Gerade noch waren wir wahrer Mensch, unbegrenzt, erfüllt mit himmlischen Eindrücken und mit einem Schlag sind wir nur noch ein Menschlein, schrecklich reduziert (so empfinden wir uns dann zumeist jedenfalls), verglichen mit vorher, also den nächtlichen Erlebnissen im Jenseits. 
Diesen Kontrast wahrnehmen zu müssen, wenn es einem widerfährt, ist einfach hammerhart.

Manche Menschen also haben Schwierigkeiten, in den Tag zu finden, ja sogar vielleicht Angst vor bzw. beim Aufwachen, vielleicht auch einfach ein flaues Gefühl. 

Die Alternative: Regenbogen oder Jakobsleiter

Wenn wir von der Existenz des Abgrundes wissen, ist uns bewusst, dass eben angesprochene Gefühle sich durchaus im Rahmen der Normalität bewegen und absolut nachvollziehbar sind; nur die meisten nehmen sie nicht wahr - oder nur ganz entfernt In Zukunft werden vielleicht mehr und mehr Menschen diese Diskrepanz wahrnehmen und den Übergang neu gestalten wollen.

Die angesprochene Diskrepanz wahrnehmen zu dürfen ist im Übrigen im Grunde eine Gnade, denn sie entspricht einer Stufe geistiger Erkenntnis, mit der wir umzugehen lernen dürfen. Mit unserem Bewusstsein, das über das Materielle hinausreicht, ist dies möglich, möglich, den Abgrund zum Regenbogen werden zu lassen oder eine innere Jakobsleiter sozusagen installieren zu dürfen, die bekanntlich Jakob, auf der Flucht vor seinem Bruder Esau, sieht, als er nachts schlafend auf dem Erdboden liegt; auf ihr steigen Engel, Trostbringer  und Helfer zugleich, auf und nieder; oben sieht er Gott selbst.

In „Faust I“ nimmt das Faust wahr:
Wie alles sich zum Ganzen webt,
Eins in dem andern wirkt und lebt!
Wie Himmelskräfte auf und nieder steigen
Und sich die goldnen Eimer reichen!
Mit segenduftenden Schwingen
Vom Himmel durch die Erde dringen,
Harmonisch all das All durchklingen!
Im ersten Teil dieses Werkes hält Faust das Geschehen nur für ein Schauspiel, doch ist es die Realität einer möglichen Verbindung zwischen den Welten über den Abgrund hinweg. Der Anthroposoph Rudolf Steiner spricht ja immer wieder von dem notwendigen übersinnlichen Bewusstsein, das wir erwerben können. Und ein Teil dieses Bewusstseins ist das Wissen um diesen Abgrund, das Wissen um ein Menschsein im Jenseits und ein Menschsein im Hier und Jetzt. 

Statt Ausreden eine lebendige Vorstellung entwickeln

Er schreibt: 
Wir kommen aus der geistigen Welt, suchen durch die Empfängnis und die Geburt das physische Dasein. Im physischen Dasein treten wir entgegen demjenigen, was aus dem physischen Dasein uns als unser Leib gegeben wird. Jeden Abend kehren wir zurück in die Welt, aus der wir heraustreten durch die Geburt; jeden Morgen müssen wir die Geburt bildhaft erneuern, indem wir wiederum in den physischen Körper untertauchen. Da können wir fühlen, wie wir von außen hereinkommend nicht das erreichen, was der Mensch ist, sondern wie uns nur der Homunkulus, das Menschlein, das embryonale Menschentum entgegentritt, und wie schwierig es ist, zum wirklichen Menschen zu kommen. Wir könnten zum wirklichen Menschen kommen, wenn es uns gelingen würde, knapp vor dem Aufwachen, wenn alle Entwickelungsmöglichkeiten der Nacht ausgeschöpft sind, eine ganz helle Vorstellung zu haben. Diese helle Vorstellung wäre eine Weltvorstellung; diese helle Vorstellung wäre so, daß wir uns nirgends begrenzt glaubten, daß wir uns ausgegossen fühlten über die Welt; daß wir uns ausgegossen fühlten über alles Weltenlicht, allen Weltenton, über alles Weltenleben. Vor uns etwas wie einen Abgrund; jenseits des Abgrundes die Fortsetzung desjenigen, was wir gerade noch fühlen, bevor wir den Abgrund betreten beim Aufwachen: Wärme. Wärme, sie strömt über den Abgrund hinüber. Nun aber treten wir über den Abgrund ein durch das Aufwachen in Luft, Wasser, Erde, die ja unseren eigenen Organismus zusammensetzen.
Steiner deutet an, dass der Abgrund nicht der sein muss, als den wir ihn gegebenenfalls empfinden.
Der erste Schritt, dem Abgrund seinen Schrecken zu nehmen, wäre ein Bewusstsein für die geistigen Tatsachen, die unser Sein ausmachen. Wir sind eben nicht krank oder unnormal mit oben angesprochenen Problemen beim In-den-Tag-Treten. Wir können den Abgrund annehmen; er gehört zum Menschsein. Wir wissen: er ist nicht zementiert, unsere Seele entwickelt sich weiter und weiter; den Abgrund annehmen, um ihn bewusst zu wissen: das ist der erste Schritt.

Im folgenden deutet Steiner einen weiteren an:
Die lebendige Vorstellung, die wir haben, die ein Sich-Erleben im Licht, im Weltenton, im Weltenleben wäre, die ein Sich-Zusammenfinden wäre mit den Wesenheiten der höheren Hierarchien, die ebensogut sich verbunden fühlen würde mit den Wesen der höheren Hierarchien, wie sich hier der physische Leib verbunden fühlt mit dem mineralischen, mit dem pflanzlichen, mit dem tierischen Reich, diese Vorstellung, die wir entwickeln würden, wenn der Schlaf knapp vor dem Aufwachen an uns sein Werk getan hätte, die müssten wir mitbringen ins Aufwachen hinein, müssen wir hineinversenken in unseren Leibesmenschen. Dann würden wir das verstehen können, was der Leibesmensch ist. Aber, ach: Die Götter wollen's nicht leiden. Wir tauchen unter. Es flammt auf, es blitzt .. - das bemerken wir kaum.
Wir müssen … schreibt Steiner, und das gleich zweimal.

Wir müssen die lebendige Vorstellung vom Sich-Erleben im Licht, im Weltenton, im Weltenleben, vom Zusammenfinden mit den höheren Hierarchien, die müssten wir mitbringen ins Aufwachen.

Ist das möglich? - Ich sage ja.

Steiner spricht sehr oft von Moral und meint nicht das, was die meisten Menschen unter ihr verstehen, sondern er meint mit ihr verantwortungsvolle Freiheit, unsere Entscheidung, etwas zu tun. - Bei den meisten Menschen hapert es genau daran.

Wir müssen nicht zu jener Freiheit des Geistes kommen, nicht die angesprochene lebendige Vorstellung mitbringen, die uns eigentlich zur Verfügung steht. Wir können zu ihr kommen. Wir dürfen. 
Viele haben nicht verstanden, dass das im Grunde eine Gnade ist: Wir dürfen uns weiterentwickeln. Und wenn wir wollen, nicht nur im Schneckentempo.

„Die Götter wollen´s nicht leiden“, schreibt Steiner und zitiert damit aus dem „Faust II“, und zwar die Doriden, die bejammern, dass die Götter keine ewige Treue zulassen.

Ob das nur eine Ausrede ist? So wie viele reden, ausreden und nichts tun? 

Epimetheus zu sein ist so bequem ...

Die Götter, manche Götter ganz besonders, aber nicht alle, wollten schon immer manches nicht leiden. Hera wollte Helena nicht mit Paris nach Troja ziehen lassen, weil er sie nicht zur schönsten Göttin gekürt hatte. Hera ist eine luziferische Göttin, die den Menschen dazu verhalf, ein Individuum zu werden. Wenn es nach ihr geht, sollen sie aber dabei stehenbleiben und nicht gemeinschaftsfähig werden. Wir sollten ihr nur bis zu einem gewissen Grad trauen.

Zeus wollte die Menschen nicht selbständig werden lassen; er hätte so gern dafür sorgen wollen, dass sie ein recht schönes Leben leben, aber abhängig bleiben von ihm, von gewissen Göttern. Es lohnt sich, Wagners „Ring des Nibelungen“ anzuhören; dessen vierter Teil ist mit „Die Götterdämmerung“ überschrieben: die alten Götter dämmern hinweg (damit endet der „Ring“). Zukünftig gibt es einen Prometheus (übersetzt der Vorausdenkende, der Vordenkende), der Zeus und Co. als Entwicklungsbremser der Menschen verjagt, der um seines Vorhabens willen sehr zu leiden hat (er wird an einen kaukasischen Felsen geschmiedet und ein Adler pickt ihm ständig die Leber weg - bis Herakles kommt und ihn befreit) und er hat einen Bruder namens Epimetheus (übersetzt der Nachdenkende, der Nachdenkliche), der das Tun seines Bruders unter den Menschen hintertreibt, ohne böse Absicht, aber er tut es.

Zu viele unter den Menschen sind ein Epimetheus, zu wenige ein Prometheus.

Goethe hat Prometheus ein Denkmal in einer Hymne gesetzt, die beginnt:
Bedecke deinen Himmel, Zeus,
Mit Wolkendunst,
Und übe, dem Knaben gleich,
Der Disteln köpft,
An Eichen dich und Bergeshöhn;
Musst mir meine Erde
Doch lassen stehn,
Und meine Hütte, die du nicht gebaut,
Und meinen Herd
Um dessen Glut
Du mich beneidest.
Ich kenne nichts ärmers
Unter der Sonn’ als euch, Götter!
Ihr nähret kümmerlich
Von Opfersteuern
Und Gebetshauch
Eure Majestät,
Und darbtet, wären
Nicht Kinder und Bettler
Hoffnungsvolle Toren.
Prometheus verhöhnt Zeus nach allen Regeln der Kunst. Sein und das Tun der Götter insgesamt sei so nutzlos wie das eines Knaben, der Disteln köpft, und wenn es nicht Kinder und Toren gäbe, ginge es ihnen noch kümmerlicher als jetzt schon.

Es gibt aber eben auch Götter, von denen Steiner an anderen Stellen spricht, die wollen, dass der Mensch ein bewusstes Wesen wird, nicht abhängig von Göttern, die ihn an der Leine behalten wollen, damit er weiterhin für ihr Nektar und Ambrosia sorgt, die wollen, dass der Mensch seine eigene Göttlichkeit wiedererkennt, seinen göttlichen Ursprung. Dazu ist es notwendig, dass er das Wissen und Bewusstsein, das er jenseits des Abgrundes - in Goethes so anspruchsvoll zu lesendem „Märchen“ ist dort das Land der schönen Lilie - im Schlaf hat, mehr und mehr über den Abgrund transportiert in sein Tagesbewusstsein. Es deutet sich schon an, wie er das schaffen kann - ich komme darauf zu sprechen - und an eine weitere Möglichkeit und große Hilfe sei hier erinnert: 
In meinem letzten Video habe ich auf die Musik Richard Wagners verwiesen und dass sie - insbesondere natürlich beispielsweise das Vorspiel zum „Parsifal“ - verbindet mit dem Christusbewusstsein, so unglaublich das auch klingen mag [> https://lmy.de/YPYiY]. Es ist eben allerdings auch notwendig, dass wir von ihr Gebrauch machen, ab und an auch einen Blick werfen auf die Sixtinische Madonna Raffaels, über deren Bedeutung ich an anderer Stelle geschrieben habe - wir blicken ja, indem wir sie anblicken, auf etwas Phänomenales; in meinem nächsten Video, vermutlich überschrieben „Durchbruch zur Mater gloriosa“, werde ich am Schluss noch einmal auf die Bedeutung der Madonna eingehen.

Leider gibt es jedoch auch den Epimetheus mit seiner lähmenden Energie, der so fürsorglich ist, ja, und immer wieder sagt er uns: Lass uns doch erst mal in Ruhe nachdenken, tun wir doch nichts übereilt. - Damit aber nimmt er uns oft die intuitiven Impulse, in denen sich der Prometheus in uns kundtut.

Homunculus in Goethes „Faust“ übrigens scheitert krachend mit seinem Versuch, ein Mensch aus Fleisch und Blut zu werden; er zerschellt am Muschelwagen der Tochter des Meeresgottes Nereus, am Gefährt Galatees, von „herrischen Sehnen“ getrieben, „von Pulsen der Liebe gerührt“.

Der griechische Philosoph Thales wird am Ende der „Klassischen Walpurgisnacht“ - wie oben erwähnt - Zeuge der Untergangs von Homunculus. Das Menschlein zerschellt. Dem korrespondiert in gewisser Weise, wie angesprochen, unser Aufwachen. Homunculus ist ja eine Seelengestalt, wenn wir so wollen, ein Astralleib. Ihm gelingt es nicht, trotz intensiven Bemühens - die „Klassische Walpurgisnacht“ gibt Zeugnis davon - Fleisch und Blut zu werden. Wenn unser Astralleib beim Aufwachen zurückkehrt aus dem Jenseits, und sich wieder in den Körper einloggt, dann zerschellen wir ja nicht. Aber wie gesagt, es gibt Menschen, die fühlen sich beim Aufwachen fast zerschellt oder Ähnlichem vergleichbar - es gibt da ja viele Abstufungen, nicht immer ist Lustlosigkeit dem Leben gegenüber darauf zurückzuführen, aber es kann auch damit zusammenhängen.

Ich habe eine liebe Bekannte, mit der ich mich kürzlich über dieses Thema unterhalten habe und sie, fast neunzigjährig und seit Jahrzehnten überzeugte Anthroposophin (aber wohltuend zur Distanz fähig), hat mir erzählt, dass sie schon immer diese Schwierigkeiten gehabt habe, in den Tag zu gelangen und oft eineinhalb Stunden brauche, bis sie sich fähig fühle, ihn anzugehen. Ihr helfe, so hat sie mich wissen lassen, Zeilen Rudolf Steiners, die sie mir dann auswendig vortrug - man hat sie übrigens auf einem Notizzettel von ihm gefunden -, nachzulesen heute in der GA 268:
O Gottesgeist erfülle mich,
Erfülle mich in meiner Seele;
Meiner Seele leihe starke Kraft,
Starke Kraft auch meinem Herzen,
Meinem Herzen, das dich sucht,
Sucht durch tiefe Sehnsucht,
Tiefe Sehnsucht nach Gesundheit,
Nach Gesundheit und Starkmut
Starkmut, der in meine Glieder strömt,
Strömt wie edles Gottgeschenk,
Gottgeschenk von dir, o Gottesgeist,
O Gottesgeist erfülle mich.
Ich habe sie mir dann nochmal vortragen lassen; sie haben eine so intensive Energie und Rosemarie hat sie so seelenerfüllt vorgetragen, dass ich sie auch auswendig lerne. 
Wie wertvoll diese Bausteine sind, mit denen wir unser Bewusstsein bauen!

Der kaukasische Felsen, Sinnbild der Materie, an die wir gefesselt sind

Ich möchte erst nochmal kurz auf den Adler und die Leber des Prometheus zu sprechen kommen:
Dass der Adler - zum Teil wird er auch als Geier bezeichnet - dessen Leber frisst, die sich aber ständig regeneriert, ist ja als Bild schon etwas unappetitlich. Aber es ist eben ein Bild für seelisches Geschehen:

Wir Menschen als Prometheus bezahlen für die Freiheit, die wir uns von den Göttern genommen haben, schon auch einen Preis und den bezeichnet das uralte indische Wissen mit Kama, der Begierde, dem Trieb zu leben; ursprünglich war das gar nichts Negatives; mittlerweile hat sich Kama längst weiterentwickelt, mit dem Denken verbunden, ist uns bewusst geworden und hat sich in zwei Richtungen gespalten: der Begierde, der es nur darum geht, befriedigt zu werden, und einer Begierde, die sich in Streben verwandelt hat über die begierdenhafte Liebe hinaus zu einer geistigen Liebe, die die Begierde immer mehr umwandeln will. Möglich ist das durch die menschliche Ich-Kraft; sie ermöglicht uns eben bewusstes, eigenständiges Handeln, das in die unterschiedlichsten Richtungen ausschlagen kann. Der Raub der Helena durch Paris gilt in den Mysterien des Altertums für das Geschehen, das versinnbildlicht, dass Kama zu einer niedrigen Form der Begierde geworden ist (und nicht zufällig zu einem Krieg geführt hat). Anders ausgedrückt: unser unentwickelter Astralleib nagt mit seinen Begierden und Süchten an dem Leben und der Leber und ruiniert beides (nur weil wir nachts in der Geistigen Welt sind, regeneriert sich die Leber immer wieder und unser physisches Leben - so wie Anfortas nur überleben kann, weil ihm in regelmäßigen Abständen der Gral gezeigt wird).

Deshalb ist es so gekonnt von Goethe dargestellt, dass er den Homunculus am Muschelwagen der Aphrodite, von dieser der Galatee, die den Elementen als Tochter des Meeresgottes so nahesteht, zur Verfügung gestellt, mit flammend blitzhaftem Aufleuchten zerschellen lässt. So einfach ist Menschwerdung bzw. Hineingeborenwerden in den Tag nicht. Gerade noch - kurz vor dem Aufwachen - war man im Devachan, im Himmel, unter Seinesgleichen; und mit einem Schlag landet man auf der anderen Seite des Abgrundes; der Tag fordert sein Recht. Wenn man eine Empfindung dafür hat, dann empfindet man das so oder in möglichen Abstufungen. So wie wir hier mit unserem Körper wie selbstverständlich verbunden sind, so wie die mineralische, pflanzliche und tierische Ebene zu unserer Lebenswirklichkeit wie selbstverständlich gehört, so gehören im Jenseits die Wesen dort wie selbstverständlich zu uns. - Und auf einmal soll alles ander sein?

Ja, wir schlagen im Diesseits auf, weil es eine Grunderfahrung der 10. Hierarchie, die wir Menschen sind [> https://lmy.de/HzqBm], ist, zu erfahren und zu wissen: ohne Geist ist alles anders. Ohne Geist ist das Leben im Diesseits rein materiell, im Grunde ist das die Hölle.

Die meisten empfinden doch aber die Hölle, wenn sie extrem ohne Geist leben wollen, nicht als Hölle? Der Grund ist, dass es sehr unterschiedliche Geister gibt. Und den Geist beispielsweise, der uns das Leben ohne Christusgeist schmackhaft macht, nennt die Bibel Satan; Steiner nennt ihn Ahriman.

Wir müssten die Vorstellungen, die wir kurz vor dem Aufwachen haben, mitnehmen können über den Abgrund. Es ginge, aber was machen wir stattdessen - Steiner schreibt:
Statt in uns selber hineinzuschauen, schauen wir aus dem Auge heraus, statt in uns selber hineinzuhorchen, hören wir aus dem Ohre heraus, statt in uns selber hineinzufühlen, fühlen wir mit den Tastnerven aus der Haut heraus. Homunkulus, der aufleben würde und zum Menschen werden, wenn wir nicht untertauchen würden in das, was durch die physischen Augen nur erreichbar liegt, durch die physischen Ohren, durch den physischen Ton, durch das physische Getaste nur erreichbar liegt, Homunkulus zerschellt in dem Augenblicke an dem Widerstand der Elemente. Das Augenlicht flammt auf statt des Weltenlichtes, der Ohrenton beginnt statt des Weltentones, das Körperleben beginnt statt des Weltenlebens: Homunkulus zerschellt. Und wenn man es bewußt erlebt, so ist der Schluß der «Klassischen Walpurgisnacht» erlebt. So ist dieser Schluß der «Klassischen Walpurgisnacht» aus dem wahren, wirklichen Leben genommen.
Halten wir fest, dass die meisten Menschen morgens kein Zerschellen verspüren oder schreien wie ein Baby, wenn es im Diesseits ankommt und auf einmal etwas schrecklich vermisst. Halten wir aber auch fest, dass die ein oder andere Seele reagiert auf das Diesseits und nicht weiß, warum sie sich morgens einfach unwohl fühlt oder lange braucht, bis sie zu sich kommt. 

Bewusste Gestaltung des Aufwachgeschehens

In den Worten Steiners liegt zugleich auch der Hinweis, dem Schicksal des Zerschellens zu entgehen bzw. jenem Schicksal, das eigentlich noch schlimmer ist: nicht zu zerschellen, aufzuwachen und zu leben, womöglich in der Hölle, d. h. unter der Regie Ahrimans, im Grunde seelisch zerschellt, ohne es zu merken. Leben ohne Sinn. Ohne Entwicklung.

Eine Möglichkeit, den Hinweis Steiners umzusetzen, wäre: aufzuwachen und einen Moment oder zwei oder drei, vielleicht zwei Minuten oder fünf oder gar zehn innezuhalten, vergangene Bilder in sich wachzurufen, wie es war, zwei Minuten vor dem Aufwachen oder, falls sie uns nicht mehr präsent sind, sich vorzustellen, wie es gerade gewesen sein mag, in der Wärme des großen Engelwesens Michael oder Maria Magdalenas. Der oder die ein oder andere mag das ein oder andere himmlische Wesen ansprechen. Die freuen sich. Jene Wesen wünschen sich die Verbindung zu uns Menschen, aber sie muss von uns ausgehen. Das ist anders als früher, als diese Wesen auf die Menschen zugingen. Wir leben heute in einer Zeit, in der der Mensch entscheidet, was er tut und mit wem er Umgang hat.

Und nachdem wir noch einmal bewusst in jener Wärme uns aufhielten, gehen wir nicht einfach, sondern laden die Wesen ein, uns nach drüben zu begleiten. Das tun sie gern, aber sie wollen eingeladen sein. Und wir gehen dann bewusst mit ihnen über den Abgrund, der dann kein Abgrund mehr ist, sondern vielleicht die Jakobsleiter (wenn wir uns vorstellen, dass der Abgrund von oben nach unten besteht) oder der Regenbogen (wenn wir uns den Abgrund auf der horizontalen Ebene vorstellen).

Eine weitere Möglichkeit der Umsetzung wäre, dass wir nach dem Aufwachen nicht für eine überschaubare Zeit zurückgehen, sondern im Diesseits bleiben und jene Wesen, um die wir wissen oder die wir uns vorstellen, bitten, zu uns zu kommen und ihre Wärme und ihre heile Welt mitzubringen. Wir lassen gleichsam unser Bett umwärmt und umstrahlt sein von ihnen. Sie bringen jenen Geist mit, den wir durch das Gebet O Gottesgeist, erfülle mich … in uns verankern können.

Am besten, Du probierst aus, welche Methode für Dich die richtige ist; oft ergibt sie sich ganz spontan.

Seit einigen Wochen stehe ich auf und gehe als eine der ersten Wege zu meinem Disc-Player, um das Vorspiel von Wagners Parsifal-Oper erklingen zu lassen zusammen mit den sich anschließenden Worten des Gurnemanz: „Hört ihr den Ruf? Nun danket Gott, / dass ihr berufen, ihn zu hören!“ (und dann kommt ja eine wunderschöne, wenn auch kurze Sequenz, für mich ist sie wie ein Choral) Und ich liebe auch die Stelle, als Gurnemanz, der dem Ritter, der die Schmerzen des zu Tode verwundeten Gralskönig Anfortas anspricht, antwortet:“ihm hilft nur Eines, – / nur der Eine!“ - Es hilft nur, weiß er, der kommen soll, der reine Tor, der zum Parsifal geläuterte Mensch, der Parsifal in mir, in uns (Link s.o.).

Ich weiß noch, wie nach einigen Tagen des morgendlichen Hörens in mir auf einmal ein Begriff präsent war - es war das Wort „Heimat“ - und eine Stimme in mir sagte: Diese Musik ist deine Heimat. - Ich hab das dann immer mehr erfasst, wie diese Musik für mich tatsächlich einen morgendlichen Raum der Heimat schafft und er die Heimat ist, in der ich zuhause bin. Anderen Menschen geht es anders, ihnen ist ihre Familie Heimat, wieder anderen tatsächlich ein Haus, ihr Haus - wie auch immer, jede Art ehrlich empfundener Heimat ist wertvoll. Ich habe eben meine Heimat gefunden als jemandem, dem es so geht wie manchem anderen, der auch das Gefühl hat, weder geographisch noch durch und mit anderen Menschen eine Heimat zu haben, weil er sich auf der Erde doch ziemlich alleine fühlt. Vielleicht wächst das noch stärker unter Menschen: dass wir geistig zusammenwachsen und es zunehmend Menschen gibt, die mir ein Heimatgefühl geben (mit sehr wenigen, aber mir wertvollen Menschen fühle ich mich durchaus verbunden), Menschen, denen ich nicht familiär oder durch eine Partnerschaft verbunden bin, sondern geistig, mit denen man sich vielleicht regelmäßig trifft und eine Verbindung im Geistigen entsteht, die Heimat herstellt, hier auf der Erde … vielleicht und ja, ziemlich sicher gibt es das unter Menschen auch schon an der ein oder anderen Stelle auf der Erde und die Zahl solcher Verbindungen nimmt zu.

Zusammen mit der Musik gibt es andere Gegenstände oder Begriffe oder Gedanken, die den Raum der Heimat bilden: bei mir ist es noch Raffaels „Sixtinische Madonna“ und z. B. auch noch mein Konfirmationsspruch an der Wand, der mir wichtig ist, obwohl ich nicht mehr in dem Verein bin, durch den er mir überreicht wurde: Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst, ich habe dich bei deinem Namen gerufen: Du bist mein!

Sich seinen ganz spezifischen Raum der Heimat zu schaffen, vielleicht aus unterschiedlichen Dingen, das ist deshalb wichtig, weil unser Sein sich in einer Waage zeigt, und auf der einen Waagschale finden wir das Jenseits, mit all dem, wo wir uns jede Nacht wohl fühlen, zuhause sind, und es gibt eben jene Schale, die des Tages sozusagen, wo wir uns um eine geistige Heimat selbst bewusst zu kümmern haben.

Was ich - und das möchte ich abschließend noch weitergeben - an den Mythen und der Literatur, seien es Gedichte, eine Novelle oder ein Schauspiel, wenn sie spirituelle Themen verarbeiten, so toll finde, ist, dass sie nicht so trocken daherkommen wie Bücher über das geistige Erwachen oder Vergleichbares, sondern in den Handlungen und Erlebnissen lebt etwas mit, dass das, worum es geht, mit dem Leben verbindet und uns damit das Thema so nahebringt - mir geht es jedenfalls so.

So ist es mir auch ergangen, als mir das Gedicht des 21-jährigen Mörike begann nahezugehen und ich mehr und mehr empfand, was der junge Mann da wirklich verarbeitet hat: seinen Umgang mit dem Aufwachen. Es ist überschrieben mit An einem Wintermorgen, vor Sonnenaufgang. Mörike hat es winters geschrieben; ich könnte es heute jemandem vorlesen und würde es überschreiben: "An einem Maimorgen, vor Sonnenaufgang“ oder „An einem Frühlingsmorgen, vor Sonnenaufgang“.

Dieses Gedicht hat einen Energie, die Abgründe überbrückt. Es ist die Kraft und Zuversicht der Jugend, die ihm diese Energie gibt und ich möchte jenen, die mit oben angesprochenen Schwierigkeiten zu kämpfen haben, empfehlen, es auswendig zu lernen und es morgens sich zuzusprechen:

O flaumenleichte Zeit der dunkeln Frühe!
Welch neue Welt bewegest du in mir?
Was ist´s, dass ich auf einmal nun in dir
Von sanfter Wollust meines Daseins glühe?

Einem Kristall gleicht meine Seele nun,
Den noch kein falscher Strahl des Lichts getroffen;
Zu fluten scheint mein Geist, er scheint zu ruhn,
Dem Eindruck naher Wunderkräfte offen,
Die aus dem klaren Gürtel blauer Luft
Zuletzt ein Zauberwort vor meine Seele ruft.

Bei hellen Augen glaub´ ich doch zu schwanken;
Ich schließe sie, dass nicht der Traum entweiche.
Seh´ ich hinab in lichte Feenreiche?
Wer hat den bunten Schwarm von Bildern und Gedanken
Zur Pforte meines Herzens hergeladen,
Die glänzend sich in diesem Busen baden,
Goldfarb´gen Fischlein gleich im Gartenteiche?

Ich höre bald der Hirtenflöten Klänge,
Wie um die Krippe jener Wundernacht,
Bald weinbekränzter Jugend Lustgesänge;
Wer hat das friedenselige Gedränge
In meine traurigen Wände hergebracht?

Und welch Gefühl entzückter Stärke,
Indem mein Sinn sich frisch zur Ferne lenkt!
Vom ersten Mark des heut´gen Tags getränkt,
Fühl´ ich mir Mut zu jedem frommen Werke.
Die Seele fliegt, soweit der Himmel reicht,
Der Genius jauchzt in mir! Doch sage,
Warum wird jetzt der Blick von Wehmut feucht?
Ist´s ein verloren Glück, was mich erweicht?
Ist es ein werdendes, was ich im Herzen trage?
– Hinweg, mein Geist! hier gilt kein Stillestehn:
Es ist ein Augenblick, und alles wird verwehn!

Dort, sieh! Am Horizont lupft sich der Vorhang schon!
Es träumt der Tag, nun sei die Nacht entflohn;
Die Purpurlippe, die geschlossen lag,
Haucht, halb geöffnet, süße Atemzüge:
Auf einmal blitzt das Aug` und, wie ein Gott der Tag
beginnt im Sprung die königlichen Flüge.
Bei Mörike blitzt es auch, aber es hat kein Zerschellen zur Folge, sondern der Tag, wie ein Gott, beginnt seine königlichen Flüge. Vorher aber nimmt er auch einen Kontrast war: da sind seine traurigen Wände, in die hinein gar nicht passen will, was ihm vorher zuteil wurde. Zunächst geht es ihm so, wie jenem, der, wie oben empfohlen, aufgewacht ist und sich zurückerinnert: Da ist die Seele so rein und klar wie ein Kristall, ein Zustand, wie wir ihn im Diesseits nicht kennen. Mörike allerdings muss sich gar nicht zurückerinnern, so übermächtig wirkt, woher seine Seele kommt, noch in ihm wie von selbst. Es sind lustvolle und heilige Gefühle zugleich; ja, Heiligkeit darf lustvoll sein. Nur weiß er nicht so recht, ob er von einem verlorenen Glück sprechen soll oder ob er ein werdendes im Herzen trägt.

Ein werdendes Glück?

Ja, ein werdendes. In diesem Gedicht finden wir die Kraft der Geburt, die Kraft des Neuen, die gelebt sein will und es ist kein Zufall, wenn Rudolf Steiner schreibt:
Die Kraft, welche der Konzeption, der Empfängnis, dem Embryonalen, der Geburt zugrunde liegt, ist nur eine ausgebreitetere, intensivere Kraft, aber sie ist gleicher Art, ist ganz dieselbe Kraft eigentlich wie diejenige, die uns aus dem nächtlichen Schlafe oder auch aus dem Erkenntnisschlafe zurückzaubert in das körperliche Wachsein. Jeden Morgen, wenn wir aufwachen, wachen wir auf durch dieselbe Kraft, die nur in anderer Intensität da ist, durch die ein Mensch empfangen, getragen, geboren wird.
Das eben ist der Grund, warum der einundzwanzigjährige Mörike sie so königlich und göttlich wahrnimmt.

Wenn uns älteren Menschen nicht gelingen mag, die Kraft der Geburt zu sehen, dann hängt das natürlich mit den Erfahrungen unseres Lebens zusammen, womöglich auch mit karmischen Einflüssen, die sich mittlerweile aktualisiert haben und die uns den Zugang zu jener Kraft verstellen. Mörikes Gedicht führt uns zu ihr, jener jugendlichen Kraft, deren wir uns teilhaft machen dürfen, wenn wir wollen. Seine Zeilen auswendig zu lernen, um sie mit ganzer Intensität unserem Inneren zuzuführen, ist ein Weg der Heilung, den wir gehen können.

Montag, 29. April 2024

Vom Notnagel Christus hin zu einem aktiven Christentum

"Denken Sie nur einmal, bei wie vielen Menschen der Christus eigentlich nichts weiter war in der Vergangenheit als eine Art Helfer in der Not für dasjenige, was der Mensch nur ja nicht selber tun mag. Jene eigentümliche Art, wie die römisch-katholische Kirche von einem bestimmten Zeitpunkte an die Sünden vergeben hat - man konnte sündigen, was man wollte, wenn man dann nur aufrichtig Buße leistete, Reue hatte und so weiter, so war einem das vergeben.

Schließlich, der Christus war da zum Helfen in der Not, zum Gutmachen desjenigen, was man selber gar nicht beabsichtigte in erheblichem Maße gutzumachen, von dieser Abirrung, wo man eigentlich auch passiv bleibt, das weltliche Leben, das weltliche Treiben für sich einrichtet, und dann womöglich nur dadurch, daß man an den Christus glaubt, daß man sich ganz in Passivität mit dem Christus verbunden fühlt, von dem Christus sich erlösen läßt - dieses zwiefache passive Verhalten zu dem Christus gehört und muß angehören der Vergangenheit. 

Und dasjenige, was an die Stelle treten muß, das muß sein ein Verhältnis zu dem Christus als zu einer aktiven Macht, ein Entgegengehen dem Christus so, daß er nicht für sich das tut, was man selber nicht gerne tut, sondern so, daß er einem durch sein Dasein die Kraft gibt, selber etwas zu tun. Ein aktives, oder besser gesagt, ein zur Aktivität kommendes Christentum ist dasjenige, was an Stelle des Passivitäts-Christentums treten muß, wo man im Grunde genommen - nun, verzeihen Sie, daß ich es so trivial ausdrücke - selber auf dem physischen Plane tut, was man will, und dann Gott einen guten Mann sein läßt, der einem alles verzeiht, wenn man nur im rechten Momente zu ihm zurückkommt. Das bezeichnet zu gleicher Zeit die Grenzscheide zwischen dem Zeitalter, das vergangen sein muß, das in eine furchtbare Menschheitskatastrophe hineingeführt hat, und dem, das da kommen muß und nur, wenn es ein Passivitäts-Christentum in ein Aktivitäts-Christentum überführt, geeignet sein kann, jede Schäden, die sich schon herausgestellt haben und die sich aus dem Vergangenheitsprinzip immer mehr herausstellen werden, zu heilen. Diese Schäden sitzen noch tief in den menschlichen Herzen und menschlichen Seelen. Und sie müssen geheilt werden, wenn die Erdenentwickelung weitergebracht werden soll."
 (R. Steiner am 19. Januar 1919; GA 273, S. 236f)